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Mi­nis­te­ri­um: Kei­ne Ver­schär­fung von Hartz-IV-Sank­tio­nen an­ge­peilt

Wer als Hartz-IV-Emp­fän­ger be­stimm­te Vor­ga­ben nicht ein­hält, dem kön­nen Leis­tun­gen ge­kürzt wer­den: Künf­tig sol­len die Be­hör­den ei­nem Be­richt zu­fol­ge stär­ker durch­grei­fen kön­nen. Die Re­gie­rung sagt: Ent­schie­den ist noch nichts

18.06.2014. (dpa) - We­ni­ger Bü­ro­kra­tie, mög­li­cher­wei­se här­te­res Vor­ge­hen ge­gen Job-Ver­wei­ge­rer: Das sind Über­le­gun­gen zur Kor­rek­tur der Hartz-IV-Re­ge­lun­gen.

Be­schlos­sen sei je­doch noch nichts, stell­te das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um am Diens­tag klar.

Es re­agier­te da­mit auf ei­nen Me­di­en­be­richt, in dem von ver­schärf­ten Sank­tio­nen für säu­mi­ge Hartz-IV-Emp­fän­ger die Re­de war.

Ei­ne Ar­beits­grup­pe von Bund und Län­dern er­ar­bei­tet un­ter Be­tei­li­gung von Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) und Kom­mu­nen nach die­sen An­ga­ben der­zeit noch Vor­schlä­ge zur Rechts­ver­ein­fa­chung. "Fest­le­gun­gen oder Be­schlüs­se lie­gen noch nicht vor, Er­geb­nis­se wer­den im Herbst er­war­tet."

Erst dann sei zu ent­schei­den, wel­che Vor­schlä­ge ins Ge­setz sol­len. Die Rechts­ver­ein­fa­chung hat laut Mi­nis­te­ri­um das Ziel, "we­ni­ger Bü­ro­kra­tie und mehr Zeit für die Be­treu­ung der Hil­fe­be­dürf­ti­gen zu schaf­fen. Es ist ex­pli­zit nicht Ziel der Än­de­run­gen, den Leis­tungs­be­zug re­strik­ti­ver zu ge­stal­ten."

Die «Bild»-Zei­tung (Diens­tag) hat­te be­rich­tet, Hartz-IV-Emp­fän­gern sol­le künf­tig be­reits beim ers­ten Ver­stoß ge­gen Pflich­ten das Geld ge­kürzt wer­den. Auf die­se Ver­schär­fung der Sank­tio­nen hät­ten sich Bund und Län­der ge­ei­nigt. Ei­ne sol­che Re­ge­lung exis­tiert je­doch schon. Wer zum Bei­spiel als Lang­zeit­ar­beits­lo­ser oh­ne wich­ti­gen Grund ei­ne zu­mut­ba­re Ar­beit ab­lehnt oder ei­nen Ter­min im Job­cen­ter un­ent­schul­digt ver­passt, muss mit ei­ner Kür­zung des Ar­beits­lo­sen­gelds II um 30 Pro­zent rech­nen.

Dem Zei­tungs­be­richt zu­fol­ge soll Hartz IV zu­dem künf­tig für zwölf und nicht mehr wie bis­her nur für sechs Mo­na­te be­wil­ligt wer­den. Dem Ver­neh­men ist das durch­aus Teil der Über­le­gun­gen für ei­ne Neu­re­ge­lung. Ei­ne Ent­schei­dung da­zu steht aber eben­falls noch aus.

Die Kom­mu­nen drin­gen auf ein­fa­che­re Hartz-IV-Be­stim­mun­gen. "Nach wie vor sind die Re­ge­lun­gen so­wohl für die Be­trof­fe­nen als auch für die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter in den Job­cen­tern zu kom­pli­ziert und bü­ro­kra­tisch", sag­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Städ­te- und Ge­mein­de­bunds, Gerd Lands­berg, der "Pas­sau­er Neu­en Pres­se" (Diens­tag). Je ein­fa­cher das Sys­tem wer­de, des­to stär­ker könn­ten sich die Job­cen­ter auf Ar­beits­ver­mitt­lung kon­zen­trie­ren.

Die deut­schen So­zi­al­ge­rich­te ver­zeich­nen seit Jah­ren ei­ne Kla­ge­flut ge­gen Hartz-IV-Be­schei­de und ge­gen Sank­ti­ons­ent­schei­dun­gen der Ar­beits­agen­tu­ren. Mehr als ein Drit­tel al­ler Kla­gen und Wi­der­sprü­che von Ar­beits­lo­sen ge­gen Sank­tio­nen bei Hartz IV ist 2013 er­folg­reich ge­we­sen. Das hat­te die Zei­tung "Die Welt" un­ter Be­ru­fung auf erst­mals er­ho­be­ne Da­ten des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums be­rich­tet.

Lands­berg sag­te da­zu, der Grund­satz "För­dern und For­dern" ha­be sich be­währt. "Des­halb wä­re es falsch, Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten ab­zu­schaf­fen." Links­par­tei­chef Bernd Ri­ex­in­ger zieht da­ge­gen ei­ne ne­ga­ti­ve Bi­lanz der Sank­tio­nen. "Da wird viel Geld für ei­nen teu­ren Über­wa­chungs­ap­pa­rat aus­ge­ge­ben, der mas­sen­haft Rechts­ver­stö­ße pro­du­ziert." Wenn sich fast je­de zwei­te Stra­fe bei der ge­richt­li­chen Über­prü­fung als rechts­wid­rig her­aus­stel­le, dann ste­he "das ge­sam­te Sank­ti­ons­sys­tem im Feu­er".

BA-Vor­stands­mit­glied Hein­rich Alt räum­te ein, das Hartz-IV-Ge­setz sei we­gen sei­ner Kom­plex­heit "kaum noch zu durch­schau­en". "Wenn ich et­was än­dern oder mir et­was wün­schen könn­te, wä­re es, der ur­sprüng­li­chen Idee der Grund­si­che­rung zu fol­gen, und die vie­len Ein­zel­leis­tun­gen zu Pau­scha­len zu­sam­men­zu­füh­ren. Wir nei­gen in Deutsch­land da­zu, je­dem Ein­zel­fall ge­recht wer­den zu wol­len, al­les bis ins De­tail zu re­geln."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 31. Dezember 2015

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