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Vom Mus­ter­kna­ben zum Sor­gen­kind - Kri­se bei Lü­becks Ha­fen­ge­sell­schaft

We­ni­ger Um­schlag und la­ten­te Streik­dro­hun­gen: Die teil­pri­va­ti­sier­te Lü­be­cker Ha­fen-Ge­sell­schaft schreibt seit Jah­ren Ver­lus­te: Ge­werk­schaft und Ge­sell­schaf­ter schie­ben sich ge­gen­sei­tig die Schuld zu. Die Si­tua­ti­on scheint ver­fah­ren, ein Aus­weg ist nicht in Sicht

19.10.2013. (dpa) - Lan­ge Zeit galt die Lü­be­cker Ha­fen-Ge­sell­schaft (LHG) als Mus­ter­kna­be un­ter den städ­ti­schen Ge­sell­schaf­ten der Han­se­stadt.

Wäh­rend an­de­re Un­ter­neh­men Jahr für Jahr auf Zu­schüs­se der Stadt an­ge­wie­sen wa­ren, er­wirt­schaf­te­te die LHG sat­te Ge­win­ne, die wie­der im Ha­fen re­inves­tiert wur­den.

In­zwi­schen macht der Ha­fen im Um­schlags­ge­schäft Mie­se, Kun­den keh­ren ihm den Rü­cken.

"Wenn wir so wei­ter­ma­chen, wer­den sich die Ver­lus­te bis 2017 auf 14 Mil­lio­nen Eu­ro sum­miert ha­ben. Da­mit kön­nen wir die Zu­kunft nicht mehr ge­stal­ten", warnt LHG-Ge­schäfts­füh­rer Hein­rich Beck­mann.

"Es gibt meh­re­re Ur­sa­chen für die Kri­se, aber der wich­tigs­te ist der Kon­junk­tur­ein­bruch von 2009, von dem sich die Wirt­schaft noch im­mer nicht er­holt hat", sagt sein Ge­schäfts­füh­rer­kol­le­ge Ul­fben­no Krü­ger. 2008 wur­den im öf­fent­li­chen Teil des Lü­be­cker Ha­fens noch 28,5 Mil­lio­nen Ton­nen Gü­ter um­ge­schla­gen. Im Jahr 2009 brach der Um­schlag bis auf 24,4 Mil­lio­nen Ton­nen ein. "In die­sem Jahr wer­den wir vor­aus­sicht­lich un­ter 24 Mil­lio­nen Ton­nen blei­ben", sagt Beck­mann.

Vor al­lem der Pa­pier­um­schlag - einst ein wich­ti­ges Stand­bein des Ha­fens - sei stark ein­ge­bro­chen und wer­de sich we­gen der zu­neh­men­den Di­gi­ta­li­sie­rung der Me­di­en­bran­che auch nur schwer er­ho­len. "Doch auch der Um­schlag von Neu­wa­gen und der Con­tai­ner­um­schlag ha­ben ge­lit­ten. Es sind ein­fach we­ni­ger Wa­ren un­ter­wegs", stellt Krü­ger fest.

Zu­sätz­lich sorgt auch ein seit mehr als ei­nem Jahr schwe­len­der Ta­rif­kon­flikt im Ha­fen für Är­ger. "In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten gab es im­mer wie­der un­an­ge­kün­dig­te Ar­beits­nie­der­le­gun­gen. Da­durch ha­ben wir La­dung an an­de­re Ost­see­hä­fen ver­lo­ren", sagt Krü­ger. Bei dem Streit geht es um ei­nen Ta­rif­ver­trag und ei­ne Ver­ein­ba­rung zur Ar­beit­neh­mer­si­che­rung. Die soll die Be­schäf­tig­ten vor be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen schüt­zen.

Die Ver­ein­ba­rung war im Ju­ni 2012 Be­din­gung für die Zu­stim­mung der Lü­be­cker Bür­ger­schaft und der Ar­beit­neh­mer zum Ver­kauf von wei­te­ren 12,4 Pro­zent der LHG an die Fonds­ge­sell­schaft Deut­sche As­set & Wealth Ma­nage­ment (vor­mals Rreef), ei­ner Toch­ter der Deut­schen Bank. "We­gen des Ve­tos der Deut­schen As­set wei­gert sich die LHG, den seit Mo­na­ten aus­ge­han­del­ten Ver­trag zu un­ter­zeich­nen", ver­tei­digt der für Schiff­fahrt zu­stän­di­ge Ge­werk­schafts­se­kre­tär von Ver.di Nord, Ger­hard Met­te, die Hal­tung der Ge­werk­schaft. "Ja, es stimmt: Durch den Ta­rif­kon­flikt hat der Lü­be­cker Ha­fen an Zu­ver­läs­sig­keit ver­lo­ren, aber das ist nicht un­se­re Schuld."

LHG-Chef Beck­mann da­ge­gen sieht das an­ders: "Wir wür­den den Ta­rif­ver­trag un­ter­schrei­ben, wenn die Ge­werk­schaft ih­re Mit­wir­kungs­pflicht an der Zu­kunfts­fä­hig­keit des Ha­fens an­er­ken­nen und Re­struk­tu­rie­rungs­maß­nah­men zu­stim­men wür­de." Der Ha­fen müs­se sei­ne Kos­ten­struk­tur ver­än­dern, um mit kon­kur­rie­ren­den Ost­see­hä­fen, aber auch mit Stra­ße und Schie­ne mit­hal­ten zu kön­nen. Denn mit dem Zwang zur Schwe­fel­re­du­zie­rung in der Schiff­fahrt ab 2015 und durch die ge­plan­te fes­te Feh­marn­bel­tque­rung droh­ten wei­te­re Ver­lus­te. Beck­mann sagt: "Es geht uns we­ni­ger um die Hö­he der Ge­häl­ter, son­dern um fle­xi­ble­re Ar­beits­zei­ten. Wir brau­chen die Be­reit­schaft zur Ar­beit am Wo­chen­en­de und fes­te Schicht­plä­ne, die sie­ben Ta­ge pro Wo­che ab­de­cken."

Un­ter­stüt­zung fin­den die Be­schäf­tig­ten bei den Frak­tio­nen von SPD und Lin­ken in der Lü­be­cker Bür­ger­schaft. Sie wür­den den pri­va­ten Part­ner am liebs­ten wie­der los wer­den, schei­ter­ten aber bis­lang am Wi­der­stand von CDU, Grü­nen, FDP und ei­ner Wäh­ler­ver­ei­ni­gung. "Wir sind be­sorgt über die Er­geb­nis­ent­wick­lung bei der LHG und er­war­ten von der Stadt Lü­beck ei­ne kon­struk­ti­ve Un­ter­stüt­zung bei der drin­gend not­wen­di­gen Um­set­zung von Sa­nie­rungs­maß­nah­men, so wie das im Be­tei­li­gungs­ver­trag ver­ein­bart ist", sag­te ein Spre­cher der Deut­schen As­set. Man hof­fe, dass die Stadt die ent­spre­chen­den Be­schlüs­se fas­se, um ge­mein­sam an ei­ner er­folg­rei­chen Zu­kunft der LHG zu ar­bei­ten.

Ge­nervt von Streiks und dem po­li­ti­schen Hick­hack hat­te die Fonds­ge­sell­schaft Lü­beck En­de Sep­tem­ber an­ge­bo­ten, die Ha­fen­an­tei­le für 52 Mil­lio­nen Eu­ro zu­rück­zu­kau­fen. Doch da­für hat die hoch ver­schul­de­te Stadt kein Geld.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 7. Dezember 2013

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