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Nah­les: Dür­fen nicht von schlech­ten Ar­beits­be­din­gun­gen pro­fi­tie­ren

Ob durch ein­stür­zen­de Fa­brik­hal­len oder man­gels Schutz vor gif­ti­gen Ga­sen: Mil­lio­nen Men­schen ster­ben jähr­lich im oder durch ih­ren Job. Oft sind die Be­din­gun­gen mi­se­ra­bel, die Pro­duk­te am Welt­markt da­für ex­trem bil­lig. Das darf nicht so blei­ben, for­dern Ex­per­ten.

26.08.2014. (dpa) - Die In­dus­trie­län­dern müs­sen sich aus Sicht von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) stär­ker für den Schutz von Ar­beit­neh­mern welt­weit ein­set­zen.

Das gel­te auch für die, die durch den Welt­han­del von schlech­ten Ar­beits­be­din­gun­gen in an­de­ren Län­dern pro­fi­tie­ren, sag­te die Mi­nis­te­rin beim Welt­kon­gress für Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Ar­beit am Mon­tag in Frank­furt.

Mit Blick auf das ver­hee­ren­de Un­glück in ei­ner Tex­til­fa­brik in Ban­gla­desch sieht Nah­les die rei­che­ren Staa­ten und die Un­ter­neh­men in der Pflicht, die im Aus­land ak­tiv sind: "Kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit ist kei­ne Fra­ge der Ren­di­te, son­dern ein Men­schen­recht." Al­len Ver­ant­wort­li­chen müs­se klar ge­macht wer­den, dass Ar­beits­si­cher­heit in Wirk­lich­keit Wett­be­werbs­vor­tei­le brin­ge.

Auch den Ver­brau­chern sprach die Mi­nis­te­rin ins Ge­wis­sen: "Es kann uns nicht egal sein, dass in an­de­ren Län­dern Men­schen ster­ben, weil die Ar­beits­be­din­gun­gen so schlecht sind, und wir die Bil­lig­pro­duk­te oh­ne dar­über nach­zu­den­ken kon­su­mie­ren."

Welt­weit ster­ben nach Zah­len der In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO) je­des Jahr 2,3 Mil­lio­nen Men­schen durch ar­beits­be­ding­te Krank­hei­ten und Ar­beits­un­fäl­le. Hin­zu kom­men Tag für Tag rund 860 000 Ver­let­zun­gen durch Ar­beits­un­fäl­le. "Vie­le Men­schen ha­ben nur die Wahl zwi­schen Ar­mut und le­bens­ge­fähr­li­cher Ar­beit", sag­te ILO-Ge­ne­ral­di­rek­tor Guy Ry­der in Frank­furt.

Die ILO schätzt die di­rek­ten und in­di­rek­ten Kos­ten auf 2,8 Bil­lio­nen Dol­lar (rund 2,12 Bil­lio­nen Eu­ro) welt­weit. "Die­se Zah­len sind nicht hin­nehm­bar, trotz­dem nimmt die Welt die Tra­gö­di­en kaum wahr, die sich je­den Tag am Ar­beits­platz er­eig­nen", sag­te Ry­der. Schwe­re Ar­beits­un­fäl­le sei­en vor al­lem men­sch­li­che Tra­gö­di­en, aber auch Wirt­schaft und Ge­sell­schaft zahl­ten ei­nen ho­hen Preis.

In Deutsch­land sind die Ar­beits­be­din­gun­gen zwar viel bes­ser als in ei­ni­gen Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­dern. Trotz­dem star­ben im ver­gan­ge­nen Jahr auch hier­zu­lan­de 455 Men­schen durch Ar­beits­un­fäl­le - 45 we­ni­ger als im Vor­jahr. Die Zahl der Un­fäl­le ging um 1,2 Pro­zent auf 874 514 zu­rück, wie die Deut­sche Ge­setz­li­che Un­fall­ver­si­che­rung (DGUV) mit­teil­te.

Die Zahl der Be­schäf­tig­ten, die we­gen ih­res Be­rufs er­krank­ten, stieg nach Zah­len der Be­rufs­ge­nos­sen­schaf­ten und Un­fall­kas­sen da­ge­gen um 2,6 Pro­zent auf 36 202 Be­trof­fe­ne. Haupt­grund wa­ren Haut­er­kran­kun­gen. 2343 Ver­si­cher­te star­ben in­fol­ge ei­ner Be­rufs­krank­heit (mi­nus 4,5 Pro­zent) - wie in den Vor­jah­ren wa­ren as­best­be­ding­te Er­kran­kun­gen die Haupt­to­des­ur­sa­che.

Ex­per­ten aus al­ler Welt dis­ku­tie­ren bis Mitt­woch (27. Au­gust) in Frank­furt auf dem XX. Welt­kon­gress für Si­cher­heit und Ge­sund­heit bei der Ar­beit, wie sich die Ar­beits­si­cher­heit ver­bes­sern lässt. Der Kon­gress fin­det al­le drei Jah­re in ei­nem an­de­ren Land statt. Die Ver­an­stal­ter - die In­ter­na­tio­na­len Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on (ILO), der In­ter­na­tio­na­len Ver­ei­ni­gung für so­zia­le Si­cher­heit (IVSS) und der DGUV er­war­ten rund 4000 Teil­neh­mer aus 139 Län­dern.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 12. November 2015

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