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Nah­les: Mehr Be­treu­ung bei In­te­gra­ti­on von Lang­zeit­ar­beits­lo­sen

Lang­zeit­ar­beits­lo­se mer­ken von der gu­ten La­ge auf dem Ar­beits­markt so gut wie nichts: Seit Jah­ren bleibt ein fes­ter So­ckel. Im Ok­to­ber wa­ren 1,1 Mil­lio­nen Men­schen (38,6 Pro­zent der Ar­beits­lo­sen) ein Jahr und län­ger oh­ne Job

06.11.2014. (dpa) - Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) will die Zahl der gut ei­ne Mil­li­on Lang­zeit­ar­beits­lo­sen deut­lich re­du­zie­ren.

In "Ak­ti­vie­rungs­zen­tren" in­ner­halb der Job­cen­ter sol­len die­se we­sent­lich bes­ser be­ra­ten und be­treut wer­den, sag­te sie am Mitt­woch in Ber­lin.

Zu­vor hat­te sie ihr Pro­gramm im Ar­beits­aus­schuss des Bun­des­ta­ges vor­ge­stellt.

"Wann, wenn nicht jetzt, sol­len wir es schaf­fen, Lang­zeit­ar­beits­lo­se zu ver­mit­teln?" Ih­re Initia­ti­ve soll von 2015 an um­ge­setzt wer­den. Hier sei­en auch Län­der und Kom­mu­nen ge­fragt.

Bis­he­ri­ge Pro­gram­me sind nicht in der La­ge ge­we­sen, den seit lan­gem fes­ten So­ckel an Ar­beits­lo­sen ab­zu­bau­en, die ein Jahr und län­ger kei­nen Job hat­ten. Nun sol­len Lang­zeit­ar­beits­lo­se zum Bei­spiel bei der Auf­nah­me ei­ner Ar­beit bis zu ei­nem hal­ben Jahr im Be­trieb be­treut wer­den. Es ge­be im­mer noch zu vie­le Ab­bre­cher, sag­te Nah­les. Man sol­le auch lang­sam in den Job ein­stei­gen kön­nen - et­wa zu­nächst mit zwei Ar­beits­stun­den pro Tag und dann schritt­wei­se an­stei­gend.

Für rund 10 000 Lang­zeit­ar­beits­lo­se sol­len durch Lohn­zu­schüs­se bis zu 100 Pro­zent so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Ar­beits­plät­ze ge­för­dert wer­den. Ein Schwer­punkt lie­ge da­bei auf Men­schen, die we­gen ge­sund­heit­li­cher Pro­ble­me be­son­de­rer För­de­rung be­dürf­ten. 2015 wer­den da­für 75 Mil­lio­nen Eu­ro be­reit­ge­stellt, da­nach je­des Jahr 150 Mil­lio­nen Eu­ro. Hier müss­ten auch Prä­ven­ti­on und Ge­sund­heits­för­de­rung ein­be­zo­gen wer­den.

Ähn­li­che Zie­le ver­folgt ein spe­zi­el­les ESF-Bun­des­pro­gramm, das mit 470 Mil­lio­nen Eu­ro aus dem Eu­ro­päi­schen So­zi­al­fonds und mit 415 Mil­lio­nen aus na­tio­na­len Ein­glie­de­rungs­mit­teln ge­speist wird. Die Ge­samt­kos­ten ih­rer Initia­ti­ve woll­te Nah­les nicht nen­nen. Ei­ni­ge der be­ste­hen­den Pro­gram­me sol­len teil­wei­se neu aus­ge­rich­tet wer­den.

Grü­ne und Lin­ke kri­ti­sier­ten das Pro­gramm von Nah­les als nicht aus­rei­chend. Bri­git­te Poth­mer (Grü­ne) be­klag­te, dass kein zu­sätz­li­ches Per­so­nal ein­ge­setzt wer­de. Füh­ren­de deut­sche So­zi­al­ver­bän­de for­der­ten Nah­les zu wirk­lich durch­grei­fen­den Än­de­run­gen auf.

Laut ak­tu­el­len OECD-Zah­len liegt Deutsch­land bei der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit fast zehn Pro­zent­punk­te über dem OECD-Schnitt.

"Wer die­se Mi­se­re wirk­lich be­en­den will, muss mit ei­nem ar­beits­markt­po­li­ti­schen Pa­ra­dig­men­wech­sel be­gin­nen", sag­te der Prä­si­dent des So­zi­al­ver­band Deutsch­land, Adolf Bau­er. Ul­rich Schnei­der, Ge­schäfts­füh­rer des Pa­ri­tä­ti­schen Ge­samt­ver­ban­des, sag­te, stei­gen­de Per­so­nal­kos­ten bei den Job­cen­tern dürf­ten nicht wei­ter durch ei­nen Ab­bau bei der Ein­glie­de­rung von Ar­beits­lo­sen fi­nan­ziert wer­den. Die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK, Ul­ri­ke Ma­scher for­der­te ei­nen öf­fent­lich ge­för­der­ten Ar­beits­markt mit Ta­rif­lohn und so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Ar­beits­plät­zen.

Nah­les will ihr Pa­ket mög­li­cher­wei­se zu­sam­men mit den ge­plan­ten Ver­ein­fa­chun­gen im Hartz-IV-Recht auf­le­gen, wie sie der "Süd­deut­schen Zei­tung" (Mitt­woch) sag­te. Zu­letzt hat­te es noch ge­hei­ßen, bei­des sol­le ge­trennt be­han­delt wer­den. Bei den Hartz-IV-Ver­ein­fa­chun­gen plant Nah­les un­ter an­de­rem, Sank­tio­nen ge­gen Un­ter-25-Jäh­ri­ge nicht wei­ter­hin schär­fer aus­fal­len zu las­sen als bei Äl­te­ren. Die CSU hat­te sich da­ge­gen ge­stemmt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. Oktober 2016

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