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Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung bleibt auch nach Hei­rat un­ver­än­dert

Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung bin­det den Ar­beit­ge­ber auch bei ge­än­der­ter Steu­er­klas­se und hö­he­rer Steu­er­last: Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf, Ur­teil vom 24.09.2010, 10 Ca 2697/10

03.02.2011. In den meis­ten Ar­beits­ver­trä­gen wer­den Brut­to­löh­ne ver­ein­bart, das heißt ein Be­trag, von dem noch die vom Ar­beit­neh­mer ge­schul­de­ten So­zi­al­ab­ga­ben und Steu­ern ab­ge­zo­gen wer­den müs­sen.

So­ge­nann­te "Net­to­lohn­ver­ein­ba­run­gen" sind dem­ge­gen­über weit­aus sel­te­ner. Hier ver­pflich­tet sich der Ar­beit­ge­ber, an sei­nen Ar­beit­neh­mer ei­nen be­stimm­ten Be­trag als Lohn aus­zu­zah­len und da­mit zu­gleich, auch die Ar­beit­neh­mer­an­tei­le der So­zi­al­ab­ga­ben und des­sen Lohn­steu­er­last zu über­neh­men.

Für Ar­beit­neh­mer ist das durch­aus in­ter­es­sant, da sie sich die Lohn­steu­er im Rah­men ei­ner Steu­er­er­klä­rung ge­ge­be­nen­falls wie­der­ho­len kön­nen und sich dann das ef­fek­ti­ve Ge­halt noch et­was er­höht.

Wol­len sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer aus­nahms­wei­se auf ei­ne Net­to­lohn­ver­ein­ba­rung ei­ni­gen, dann wird der Ar­beit­ge­ber schon bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen nach­rech­nen, wel­chen Brut­to­lohn er letzt­lich schul­det. Des­sen Hö­he kann schwan­ken, da sich auch die So­zi­al­ab­ga­ben und Steu­ern er­fah­rungs­ge­mäß in je­dem Ka­len­der­jahr ein we­nig än­dern.

Frag­lich ist, ob der Ar­beit­ge­ber bei der Be­rech­nung und Pla­nung auch mög­li­che künf­ti­ge Än­de­run­gen in den Rah­men­be­din­gun­gen im Hin­ter­kopf be­hal­ten soll­te. Denn bei­spiels­wei­se än­dert sich die ge­schul­de­te Lohn­steu­er, wenn ein bei der Ein­stel­lung al­lein­ste­hen­de Ar­beit­neh­mer im Lau­fe des Ar­beits­ver­hält­nis­ses hei­ra­tet und des­halb sei­ne Lohn­steu­er­klas­se wech­selt.

Um die da­mit ver­bun­de­nen Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber in ei­nem sol­chen Fall sei­ne Kos­ten­be­las­tung kon­stant hal­ten kann, dreht sich ein En­de Sep­tem­ber 2010 vom Ar­beits­ge­richt (ArbG) Düs­sel­dorf ent­schie­de­ner Fall (Ur­teil vom 24.09.2010, 10 Ca 2697/10).

Ei­ne Arzt­hel­fe­rin, die spä­te­re Klä­ge­rin, hat­te ih­rem Ar­beit­ge­ber bei den Ver­trags­ver­hand­lun­gen mit­ge­teilt, dass sich die neue Ar­beits­stel­le we­gen des da­mit ver­bun­de­nen Um­zu­ges für sie nur lohnt, wenn sie min­des­tens 1.500 Eu­ro net­to ver­dient. Sein­er­zeit war sie noch le­dig und in der Lohn­steu­er­klas­se I.

Ei­ni­ge Zeit nach Ver­trags­un­ter­zeich­nung hei­ra­te­te sie und wech­sel­te nach der Ge­burt ih­res ers­ten Kin­des in die Lohn­steu­er­klas­se V. Da­durch er­höh­te sich die Lohn­steu­er­last.

Der Ar­beits­ver­trag sah für die­se Si­tua­ti­on kei­ne Re­ge­lung vor. Der Ar­beit­ge­ber er­rech­ne­te da­her aus dem ver­ein­bar­ten Net­to­lohn den sich bei Steu­er­klas­se I er­ge­ben­den Brut­to­lohn und rech­ne­te die­sen Brut­to­lohn dann wie­der an­hand der Steu­er­klas­se V auf ei­nen Net­to­lohn her­un­ter. Der sich hier­aus er­ge­ben­de Be­trag war na­tur­ge­mäß nied­ri­ger als der ur­sprüng­lich ver­ein­bar­te. Die Arzt­hel­fe­rin klag­te da­her die Dif­fe­renz ein.

Das Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf gab ihr Recht. Durch die Ver­ein­ba­rung ei­nes Net­to­lohns hat­te sich der be­klag­te Ar­beit­ge­ber zur Über­nah­me sämt­li­cher Steu­ern ver­pflich­tet.

Er hat­te da­mit zu­gleich das Ri­si­ko zu­künf­ti­ge Än­de­rung der Steu­er­last über­nom­men. Da­bei war be­reits bei Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags die Mög­lich­keit ab­seh­bar, dass die Klä­ge­rin ei­nes Ta­ges hei­ra­ten wür­de, so das Ge­richt.

Der Ver­trag hat­te da­mit kei­ne Lü­cke, die durch ei­ne er­gän­zen­de Re­ge­lung hät­te ge­füllt wer­den müs­sen. Für den Ar­beit­ge­ber hat­te sich da­mit schlicht das ver­trag­lich über­nom­me­ne Ri­si­ko hö­he­rer Steu­ern ver­wirk­licht. Da­her kam auch ei­ne Ver­trags­an­pas­sung we­gen Stö­rung der Ge­schäfts­grund­la­ge (§ 313 BGB) nicht in Be­tracht.

Schließ­lich war der Wech­sel der Lohn­steu­er­klas­se auch nicht rechts­miss­bräuch­lich (§ 242 BGB), son­dern so­gar - je­den­falls für die Ar­beit­neh­me­rin - steu­er­lich sinn­voll.

Fa­zit: Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richt Düs­sel­dorf ist rich­tig. So­zi­al­ab­ga­ben und Steu­ern än­dern sich schon seit ge­rau­mer Zeit nicht nur zwi­schen den Jah­ren, son­dern teil­wei­se so­gar in­ner­halb ei­nes Jah­res. Wer ei­nen Net­to­lohn ver­ein­bart, al­so et­was "auf die Hand" ge­ben möch­te, kann schon al­lein des­halb nicht dar­auf ver­trau­en, dass sich die über­nom­me­ne Ab­ga­ben­last nicht än­dern wird. Es ent­spricht da­bei auch der Le­bens­er­fah­rung, dass sich der Per­so­nen­stand von Ar­beit­neh­mern än­dern kann.

Mit sei­ner Ent­schei­dung weicht das Ar­beits­ge­richt von ei­ner 40 Jah­re al­ten Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG, Ur­teil vom 06.07.1970, 5 AZR 523/69) ab. Da­mals war das höchs­te deut­sche Ar­beits­ge­richt noch da­von aus­ge­gan­gen, dass ei­ne Än­de­rung des Fa­mi­li­en­stan­des und ei­ne da­mit ver­bun­de­ne Än­de­rung der Steu­er­last durch ei­ne Ver­trags­an­pas­sung be­rück­sich­tigt wer­den muss und nicht vor­her­ge­se­hen wer­den kann.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. Juli 2016

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