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Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung

Der Bund und die Län­der re­geln die Be­zah­lung von Pro­fes­so­ren neu: Ge­setz zur Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung und zur Än­de­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Pro­fes­so­ren­be­sol­dungs­neu­re­ge­lungs­ge­setz)

29.05.2013. Die Grund­ge­häl­ter der Pro­fes­so­ren, die seit 2005 auf der Grund­la­ge der neu­en W2- und W3-Ver­gü­tung ge­zahlt wer­den, sind viel zu ge­ring und da­her ver­fas­sungs­wid­rig.

Das hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) vor mehr als ei­nem Jahr fest­ge­stellt, und zwar mit Blick auf die hes­si­sche Pro­fes­so­ren­be­sol­dung.

Da die­se al­ler­dings den W-Ver­gü­tun­gen der Pro­fes­so­ren in den an­de­ren Bun­des­län­dern und auch im Bund ähn­lich ist, ist auch der Bund mitt­ler­wei­le ak­tiv ge­wor­den und hat die Grund­ver­gü­tung der im Bun­des­dienst for­schen­den und leh­ren­den Pro­fes­so­ren an­ge­ho­ben: Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung und zur Än­de­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten, Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung vom 31.01.2013.

Die rechtlichen Geburtsfehler der W-Besoldung

Ab 2005 wer­den Pro­fes­so­ren in Deutsch­land nicht mehr wie zu­vor in die Be­sol­dungs­grup­pen C 4 (oben), C 3 (Mit­te) oder C 2 (un­ten) ein­grup­piert, son­dern in die Vergütungs­grup­pen W 1 (Ju­ni­or­pro­fes­sor), W 2 (Mit­te) oder W 3 (oben). Neu an der W-Vergütung sind vor al­lem zwei Din­ge, nämlich die Ab­schaf­fung des bis­he­ri­gen Al­ters­grup­pen­auf­stiegs und zum an­de­ren die Einführung ei­nes leis­tungs­abhängi­gen Vergütungs­be­stand­teils. Weil der Staat aber für die Pro­fes­so­ren­gehälter ins­ge­samt nicht mehr aus­ge­ben woll­te als bis­her, wur­den die Grund­gehälter der neu­en W-Be­sol­dungs­grup­pen ge­genüber der bis­he­ri­gen Vergütung nach C 4 bis C 2 ab­ge­senkt, um Geld für die neu­en leis­tungs­abhängi­gen Vergütungs­be­stand­tei­le zur Verfügung zu ha­ben.

Da die nach W 2 oder W 3 be­zahl­ten Pro­fes­so­ren aber kei­nen Rechts­an­spruch auf den Er­halt von leis­tungs­abhängi­gen Zu­la­gen ha­ben und weil hier je­de Hoch­schu­le ih­re Töpfe an­ders ver­teilt, bleibt un­term Strich für die­je­ni­gen Hoch­schul­leh­rer, die nur die W-Grund­vergütung er­hal­ten, zu we­nig Geld übrig. Und zwar so we­nig, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) im Fe­bru­ar 2012 das neue Be­sol­dungs­recht für ver­fas­sungs­wid­rig erklärte (Ur­teil vom 14.02.2012, 2 BvL 4/10 - wir be­rich­te­ten in: Ar­beits­recht ak­tu­ell 12/069: Be­sol­dung von W 2-Pro­fes­so­ren in Hes­sen ist ver­fas­sungs­wid­rig). Das Ur­teil be­zog sich zwar nur auf die Pro­fes­so­ren­vergütung in Hes­sen, aber da die Pro­fes­so­ren­be­sol­dung in den an­de­ren Bun­desländern dem hes­si­schen Be­sol­dungs­recht ähn­lich ist, war klar, dass auch hier Re­form­be­darf be­steht.

Wie ei­ne sol­che Re­form aus­se­hen könn­te, schreibt das BVerfG den Ländern nicht im Ein­zel­nen vor. Ab­ge­se­hen von ei­ner theo­re­tisch mögli­chen, aber von nie­man­dem ge­woll­ten Ab­schaf­fung der Leis­tungs­zu­la­gen gibt es hier im we­sent­li­chen zwei Möglich­kei­ten: Ent­we­der man hebt die Grund­vergütung nach W 2 und W 3 deut­lich an, so dass die Pro­fes­so­ren­gehälter die­ser bei­den Be­sol­dungs­grup­pen den Gehältern der Be­am­ten­be­sol­dungs­grup­pen A 15 bzw. A 16 ent­spre­chen, oder man re­for­miert die Vor­aus­set­zun­gen des Be­zugs der leis­tungs­abhängi­gen Vergütungs­be­stand­tei­le so, dass die Pro­fes­so­ren künf­tig ei­nen kla­ren Rechts­an­spruch auf die­se Vergütungs­be­stand­tei­le ha­ben.

Umsetzung der Vorgaben aus Karlsruhe

Da nicht nur die 16 Bun­desländer, son­dern auch der Bund selbst (v.a. an sei­nen For­schungs­ein­rich­tun­gen) et­wa 850 Pro­fes­so­ren beschäftigt, muss­te auch der Bund sei­ne Pro­fes­so­ren­be­sol­dung den Vor­ga­ben des BVerfG an­pas­sen. Das hat er mitt­ler­wei­le ge­tan.

Denn der von der Bun­des­re­gie­rung En­de Ja­nu­ar 2013 vor­ge­leg­te „Ent­wurf ei­nes Ge­set­zes zur Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung und zur Ände­rung wei­te­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten (Pro­fes­so­ren­be­sol­dungs­neu­re­ge­lungs­ge­setz)“ ist in­zwi­schen vom Bun­des­tag in zwei­ter und drit­ter Le­sung ver­ab­schie­det wor­den und auch der Bun­des­rat hat An­fang Mai 2013 be­schlos­sen, den Ver­mitt­lungs­aus­schuss nicht an­zu­ru­fen. Das Ge­setz wird da­her demnächst in Kraft tre­ten, und zwar rück­wir­kend zum 01.01.2013.

We­sent­li­cher In­halt des Ge­set­zes ist ei­ne deut­li­che An­he­bung der Grund­gehälter der nach W 2 und W 3 be­zahl­ten Pro­fes­so­ren. Sie sol­len künf­tig das End­grund­ge­halt der für Be­am­te gel­ten­den Be­sol­dungs­grup­pen A 15 (W 2) bzw. A 16 (W 3) er­hal­ten. Dies al­ler­dings erst nach 14 lan­gen Jah­ren, denn zunächst bzw. bei der erst­ma­li­gen Be­ru­fung wird ei­ne deut­lich ge­rin­ge­re Vergütung gewährt (ers­te Stu­fe), so­dann nach sie­ben Jah­ren ei­ne höhe­re Vergütung (zwei­te Stu­fe) und erst nach 14 Jah­ren ei­ne dem End­grund­ge­halt von A 15 bzw. A 16 in et­wa ent­spre­chen­de Vergütung (drit­te Stu­fe).

Kon­kret wird das Grund­ge­halt in der Be­sol­dungs­grup­pe W 2 von bis­her 4.681,39 EUR auf 5.100 EUR (ers­te Stu­fe) bzw. auf 5.400,00 EUR (zwei­te Stu­fe) bzw. 5.700,00 EUR (drit­te Stu­fe) an­ge­ho­ben. Das Grund­ge­halt der der Be­sol­dungs­grup­pe W 3 wird von bis­her 5.672,13 EUR auf 5.700,00 EUR (ers­te Stu­fe) bzw. auf 6.100,00 EUR (zwei­te Stu­fe) bzw. auf 6.500,00 EUR (drit­te Stu­fe) erhöht.

Zur Be­gründung die­ser Stu­fen­wirt­schaft ver­weist der Ge­setz­ent­wurf dar­auf, dass mit fort­schrei­ten­der Lehr- und For­schungstätig­keit ein Er­fah­rungs­zu­wachs ver­bun­den sei. Da­her wer­den die­se Dienst­al­ters­stu­fen als „Er­fah­rungs­stu­fen“ be­zeich­net.

Um die mit die­ser Ge­halts­erhöhung ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len Mehr­auf­wen­dun­gen für den Bund als Dienst­herrn zu be­gren­zen, sieht das Ge­setz wei­ter­hin vor, dass bis­lang gewähr­te Leis­tungs­zu­la­gen auf die Ge­halts­erhöhung an­ge­rech­net wer­den. Wer al­so als leis­tungs­star­ker Pro­fes­sor ne­ben sei­ner bis­he­ri­gen (ge­rin­gen) Grund­vergütung leis­tungs­abhängi­ge Vergütungs­be­stand­tei­le er­hal­ten hat, ist der Dum­me, denn sein Ge­halt wird nicht oder nicht in dem Maße nach oben an­ge­passt wie das Ge­halt der­je­ni­gen Pro­fes­so­ren, die in der Ver­gan­gen­heit nur die Grund­vergütung be­zo­gen ha­ben.

Da­bei sol­len al­ler­dings nicht al­le Leis­tungs­bezüge auf die Erhöhung des Grund­ge­hal­tes an­ge­rech­net wer­den, son­dern nur die Be­ru­fungs- und Blei­be­leis­tungs­bezüge.

Hier­bei han­delt es sich um ei­ne tra­di­tio­nel­le Be­son­der­heit der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung: Wer an ei­ner Hoch­schu­le lehrt und ei­nen sog. Ruf von ei­ner an­de­ren Hoch­schu­le erhält, erfährt da­durch ei­ne An­er­ken­nung sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Leis­tun­gen und führt dar­auf­hin übli­cher­wei­se mit sei­ner bis­he­ri­gen Hoch­schu­le Blei­be­ver­hand­lun­gen und zu­gleich mit der an ihm in­ter­es­sier­ten an­de­ren Hoch­schu­le, die den Ruf aus­ge­spro­chen hat, Be­ru­fungs­ver­hand­lun­gen.

Im Zu­ge die­ser Ver­hand­lun­gen ma­chen die Hoch­schu­len Zu­geständ­nis­se, um den Pro­fes­sor zum Blei­ben bzw. zur An­nah­me des Ru­fes zu mo­ti­vie­ren. Die da­bei von den Pro­fes­so­ren in der Ver­gan­gen­heit aus­ge­han­del­ten Be­ru­fungs- und Blei­be­leis­tungs­bezüge sol­len auf die Erhöhung des Grund­ge­hal­tes an­ge­rech­net wer­den.

Nicht an­ge­rech­net wer­den sol­len da­ge­gen ins­be­son­de­re Funk­ti­ons­leis­tungs­bezüge, die der Pro­fes­sor erhält, weil er be­stimm­te Son­der­auf­ga­ben erfüllt.

Mängel der „Reform der Reform“

Die jetzt be­schlos­se­ne Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung wirft die Grund­pfei­ler der Re­form von 2005 über den Hau­fen.

Denn zum ei­nen wer­den (Dienst-)Al­ters­stu­fen der Sa­che nach jetzt wie­der ein­geführt, wo­hin­ge­gen ei­ne der Grund­ide­en bei der Einführung der W-Be­sol­dung ge­ra­de die Kom­bi­na­ti­on ei­nes von Le­bens- und Dienst­al­ters­stu­fen un­abhängi­gen bzw. für al­le Pro­fes­so­ren glei­chen Grund­ge­hal­tes mit leis­tungs­abhängi­gen Bezügen war. Nicht das bloße Älter­wer­den auf ei­nem Lehr­stuhl („Ver­kal­kungs­bo­nus“), son­dern viel­mehr die Leis­tun­gen in For­schung und Leh­re soll­ten zu Un­ter­schie­den der Pro­fes­so­ren­gehälter führen.

Zum an­de­ren führt die An­rech­nung von bis­her er­ziel­ten Leis­tungs­vergütun­gen auf die Erhöhung der Grund­vergütung da­zu, dass die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­brach­ten Leis­tun­gen zu ei­nem er­heb­li­chen Teil ent­wer­tet wer­den. Die­ser Punkt ist nicht nur po­li­tisch fragwürdig, son­dern darüber hin­aus mögli­cher­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig.

Denn wie der Deut­sche Hoch­schul­ver­band (DHV) un­ter Be­ru­fung auf ein Rechts­gut­ach­ten der Be­am­ten­recht­ler Bat­tis und Gri­go­leit vom 19.11.2012 kri­ti­siert, ge­bie­tet es der im Grund­ge­setz fest­ge­schrie­ben Gleich­heits­grund­satz (Art.3 Abs.1 Grund­ge­setz - GG), we­sent­lich un­glei­che Sach­ver­hal­te ih­rer Ver­schie­den­heit ent­spre­chend un­gleich zu be­han­deln.

Soll heißen: Wenn der Ge­setz­ge­ber die Pro­fes­so­ren­be­sol­dung auf zwei Säulen stellt, nämlich auf ei­ne von in­di­vi­du­el­len Leis­tun­gen un­abhängi­ge Grund­vergütung und auf ei­ne wei­te­re, leis­tungs­abhängi­ge Ge­halts­kom­po­nen­te, dann be­wer­tet er die Leis­tun­gen als vergütungs­re­le­vant, d.h. er gibt ein Vergütungs­sys­tem vor, in­ner­halb des­sen sich Leis­tun­gen po­si­tiv auf die Vergütung aus­wir­ken sol­len.

Dem­zu­fol­ge be­wer­tet die­ses Ge­halts­sys­tem leis­tungs­star­ke Pro­fes­so­ren we­sent­lich an­ders als „nor­ma­le“ bzw. „leis­tungs­schwäche­re“ Pro­fes­so­ren. Dann aber verstößt es ge­gen das ver­fas­sungs­recht­li­che Ge­bot der Un­gleich­be­hand­lung we­sent­lich un­glei­cher Sach­ver­hal­te, die sys­tem­be­dingt ge­woll­ten Ge­halts­un­ter­schie­de leis­tungs­star­ker und „nor­ma­ler“ bzw. „leis­tungs­schwäche­rer“ Pro­fes­so­ren wie­der ein­zu­eb­nen.

Der Gleich­heits­ver­s­toß wird be­son­ders deut­lich, weil die An­rech­nung der Grund­ge­halts­erhöhung nur leis­tungs­be­zo­ge­ne Ge­halts­be­stand­tei­le er­fasst, die in der Ver­gan­gen­heit er­wor­ben wur­den. Wer al­so bis zum In­kraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung er­folg­rei­che Be­ru­fungs- oder Blei­be­ver­hand­lun­gen geführt und da­mit Be­ru­fungs- oder Blei­be­leis­tungs­bezüge er­wor­ben hat, ver­liert die­sen leis­tungs­be­ding­ten Ge­halts­vor­sprung ge­genüber sei­nen leis­tungs­schwäche­ren Pro­fes­so­ren­kol­le­gen.

Dem­ge­genüber sind künf­tig er­wor­be­ne Be­ru­fungs- und Blei­be­leis­tungs­bezüge von ei­ner An­rech­nung nicht be­trof­fen, so dass sich Be­ru­fungs- und Blei­be­ver­hand­lun­gen al­lein aus dem zufälli­gen bzw. rein zeit­li­chen Grund künf­tig (wie­der) loh­nen, wenn sie nach In­kraft­tre­ten der Neu­re­ge­lung geführt wer­den. Für die in der Ver­gan­gen­heit er­folg­rei­chen leis­tungs­star­ken Pro­fes­so­ren ist das ei­ne Zu­mu­tung.

Fa­zit: Die hier be­spro­che­ne Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung im Be­reich des Bun­des ist zwar nur für ei­nen klei­nen Teil der deut­schen Pro­fes­so­ren von Be­deu­tung, doch ha­ben die Bun­desländer in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ver­gleich­ba­re Re­for­men auf den Weg ge­bracht, um auf die­se Wei­se das Ur­teil des BVerfG vom 14.02.2012, 2 BvL 4/10 um­zu­set­zen. Auch die Länder wol­len die Grund­vergütung der bei ih­ren Hoch­schu­len täti­gen Pro­fes­so­ren an­he­ben und die­se Erhöhung der Grund­vergütung mit leis­tungs­be­zo­ge­nen Vergütungs­be­stand­tei­len ver­rech­nen.

Da­ge­gen will der Deut­sche Hoch­schul­ver­band (DHV), der mit fast 28.000 Mit­glie­dern die größte In­ter­es­sen­ver­tre­tung von Hoch­schul­leh­rern in Deutsch­land ist, ge­richt­lich vor­ge­hen. Haupt­kri­tik­punkt ist die An­rech­nung des ge­stie­ge­nen Grund­ge­hal­tes auf die in der Ver­gan­gen­heit be­reits er­wor­be­nen Leis­tungs­gehälter, die der DHV als ver­fas­sungs­wid­rig be­wer­tet.

Aus die­sem Grund wird der DHV wei­te­re Mus­ter­pro­zes­se an­stren­gen, so der DHV-Präsi­dent Pro­fes­sor Bern­hard Kem­pen. Die Pro­fes­so­ren­be­sol­dung wird da­her auch künf­tig die Ge­rich­te beschäfti­gen und ver­mut­lich auch ein wei­te­res Mal das BVerfG.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2015

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