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Nord-Un­ter­neh­me­rin­nen ge­gen Schwe­sig-Ge­setz zu Lohn­ge­rech­tig­keit

Die sta­tis­ti­sche Lohn­dif­fe­renz zwi­schen Män­nern und Frau­en gibt An­lass zu hef­ti­gen De­bat­ten: Un­ter­neh­me­rin­nen im Nor­den weh­ren sich ge­gen ein ge­plan­tes Ge­setz, das mehr Trans­pa­renz in die Lohn­struk­tu­ren der Be­trie­be brin­gen soll

02.07.2016. (dpa) - Frau­en ver­die­nen in Deutsch­land im Schnitt 21 Pro­zent we­ni­ger Geld als Män­ner, sagt das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt.

Das ist für Frau­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) "Un­recht", weil sich in der sta­tis­ti­schen Lohn­lü­cke die struk­tu­rel­le Be­nach­tei­li­gung und Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en auf dem Ar­beits­markt aus­drü­cke.

Sie will die Lohn­dif­fe­renz bis 2020 auf we­ni­ger als zehn Pro­zent drü­cken.

Un­ter­neh­men und ih­re Ver­bän­de se­hen da­ge­gen kei­ne Be­nach­tei­li­gung von Frau­en. Zu­letzt hat das Köl­ner In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW) die Grün­de auf­ge­lis­tet. Der Un­ter­schied sei weit­ge­hend zu­rück­zu­füh­ren auf un­ter­schied­li­che Vor­lie­ben und Wahl­ent­schei­dun­gen von Män­nern und Frau­en, die sich im Ver­dienst nie­der­schla­gen. Schon bei der Be­rufs­wahl ent­schei­den sich Frau­en für schlech­ter be­zahl­te Be­ru­fe als Män­ner, sie ar­bei­ten im Durch­schnitt we­ni­ger, un­ter­bre­chen ih­re Be­rufs­tä­tig­keit häu­fi­ger und län­ger, ha­ben so­mit we­ni­ger Be­rufs­er­fah­rung, über­neh­men sel­te­ner Füh­rungs­auf­ga­ben und ver­han­deln nicht so hart ums Geld. Wird all das ein­be­rech­net, ver­schwin­det der "Gen­der Wa­ge Gap" im sta­tis­ti­schen Rau­schen.

"Macht und Geld sind Frau­en we­ni­ger wich­tig als Män­nern", sagt Chris­ti­na Boll, die beim Ham­bur­gi­schen Welt­wirt­schafts­in­sti­tut (HW­WI) den ein­schlä­gi­gen For­schungs­be­reich lei­tet und meh­re­re Stu­di­en zu dem The­ma ver­fasst hat, zu­letzt für die EU-Kom­mis­si­on. Die­se Ein­schät­zung wird un­ter­stützt von vie­len Stu­di­en im In- und Aus­land, nach de­nen vie­le Frau­en ein viel­fäl­ti­ge­res Le­bens­mo­dell ver­fol­gen, das spe­zi­ell Fa­mi­lie und Kin­der, aber auch an­de­re Ele­men­te au­ßer­halb der Er­werbs­ar­beit stär­ker ein­be­zieht. Män­ner sind - im­mer im Durch­schnitt - ein­di­men­sio­na­ler auf Er­folg und Kar­rie­re aus­ge­rich­tet. Da­von hängt auch die ge­sell­schaft­li­che Stel­lung des Man­nes im We­sent­li­chen ab.

Et­was zu­ge­spitzt und kurz ge­sagt lie­fe es dar­auf hin­aus: Män­ner hän­gen sich im Job ganz an­ders rein und ver­die­nen des­halb zu Recht mehr als Frau­en. Es sei denn, die Frau­en ver­hal­ten sich wie Män­ner. Ei­ne Un­ter­su­chung in den USA er­gab: Kin­der­lo­se, le­di­ge Frau­en ha­ben kei­nen Nach­teil ge­gen­über kin­der­lo­sen, le­di­gen Män­nern. Sie wer­den oft so­gar bes­ser be­zahlt. In Deutsch­land wie auch in den USA gel­ten stren­ge An­ti-Dis­kri­mi­nie­rungs­ge­set­ze. Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts wä­re il­le­gal.

Für hoch qua­li­fi­zier­te Frau­en in Deutsch­land kann ei­ne Un­ter­bre­chung der Er­werbs­tä­tig­keit ei­nen Ein­kom­mens­nach­teil bis zu 200.000 Eu­ro brut­to be­deu­ten ge­gen­über ei­ner durch­ge­hend voll­zeit­be­schäf­tig­ten Frau zwi­schen 30 und 45 Jah­ren - je nach Bil­dungs­ni­veau und Un­ter­bre­chungs­mus­ter, wie Boll er­rech­net hat. Mehr als 20 Pro­zent der Frau­en blei­ben kin­der­los und ha­ben des­halb we­ni­ger An­lass zu Be­rufs­pau­sen. In der Sing­le-Stadt Ham­burg sind es so­gar fast ein Drit­tel.

Mit ih­rem "Ge­setz zur Lohn­ge­rech­tig­keit von Män­nern und Frau­en" will Schwe­sig nun der ver­meint­li­chen Lohn­dis­kri­mi­nie­rung in den Un­ter­neh­men auf die Spur kom­men. Da­zu will sie Aus­kunfts­an­sprü­che von Ar­beit­neh­mern eben­so ge­setz­lich ver­an­kern wie re­gel­mä­ßi­ge Be­richts­pflich­ten und den Ein­satz be­stimm­ter Soft­ware-Tools, um mög­li­che Dis­kri­mi­nie­rung zu ent­de­cken. "Das wird den Un­ter­neh­men hel­fen, ih­re ei­ge­nen Ge­halts­struk­tu­ren zu er­ken­nen", sag­te Chris­ti­ne Mor­gen­stern, Ab­tei­lungs­lei­te­rin für Gleich­stel­lung im Frau­en­mi­nis­te­ri­um, vor kur­zem in der Han­dels­kam­mer Ham­burg.

Die­se Hil­fe­stel­lung kommt bei den Un­ter­neh­men nicht gut an. "Ich weiß nicht, ob das ein Scherz war", sag­te Heinz Brandt, Vor­stand des Ha­fen­kon­zerns HH­LA, bei der glei­chen Ver­an­stal­tung. Gro­ße Un­ter­neh­men ha­ben aus­ge­feil­te Ta­rif-, Ge­halts- und Bo­nus­sys­te­me, in die al­le mög­li­chen Merk­ma­le des Ar­beit­neh­mers ein­flie­ßen - aber nicht das Ge­schlecht, so we­nig wie die Haut­far­be, die Na­tio­na­li­tät oder die se­xu­el­le Ori­en­tie­rung. Das wä­re so­wie­so ver­bo­ten. "Wir wer­den als Un­ter­neh­men ge­nau be­ob­ach­tet und im In­ter­net be­ur­teilt und be­no­tet von Be­wer­bern", be­rich­te­te Brandt. Dis­kri­mi­nie­rung "fin­det bei uns schlicht­weg nicht statt".

"Es ist auch ein The­ma der Frau­en selbst", sag­te Ju­dith St­ein­hoff, Per­so­nal­che­fin der HSH Nord­bank. "Sie müs­sen raus aus der Kom­fort­zo­ne und Ver­ant­wor­tung über­neh­men für den Un­ter­halt ih­rer Fa­mi­lie und ih­ren ei­ge­nen", for­der­te sie. "Wol­len Frau­en das, oder sind sie zu­frie­den und glück­lich, wenn sie zu Hau­se sind?"

Die Un­ter­neh­me­rin­nen im Nor­den sind durch­aus auch da­für, dass sich die Ein­kom­men von Män­nern und Frau­en stär­ker an­glei­chen. "Aber das Ge­setz ist da­für nicht das ge­eig­ne­te Mit­tel", sag­te Bir­gitt Oh­le­rich, Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­ban­des Ham­burg/Schles­wig-Hol­stein des Ver­ban­des Deut­scher Un­ter­neh­me­rin­nen (VdU). "Es bringt kei­ne Ver­rin­ge­rung der sta­tis­ti­schen Ent­gelt­lü­cke und greift tief in un­se­re Ver­trags­frei­heit ein."

Die HW­WI-Wis­sen­schaft­le­rin Boll will nicht aus­schlie­ßen, dass Frau­en im Ar­beits­le­ben dis­kri­mi­niert wer­den. Es sei auch nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass Frau­en bei ih­ren Ent­schei­dun­gen durch­weg die freie Wahl hät­ten. "Bei­des lässt sich aus den Sta­tis­ti­ken nicht her­aus­le­sen." Boll plä­diert da­für, ge­nau­er hin­zu­se­hen und sich sach­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen. "Die em­pi­ri­sche Evi­denz wirft zahl­rei­che Fra­gen auf, die sich Be­trie­be, So­zi­al­part­ner und Staat stel­len müs­sen." Nach den Rah­men­be­din­gun­gen für ei­ne Voll­zeit­ar­beit, zum Bei­spiel bei der Kin­der­be­treu­ung. Oder den Zu­gangs­chan­cen für lohnat­trak­ti­ve Jobs.

Der For­sche­rin geht es dar­um, das öko­no­mi­sche Po­ten­zi­al der Frau­en aus­zu­schöp­fen, Fehl­an­rei­ze - auch im Steu­er­sys­tem - zu be­sei­ti­gen und ins­ge­samt die Wert­schöp­fung zu er­hö­hen. Um das Ziel zu er­rei­chen, müss­ten auch tra­di­tio­nel­le Ge­schlech­ter­rol­len über­dacht wer­den, die Frau­en zu­ge­schrie­ben wer­den und mög­li­cher­wei­se ih­re Be­rufs­wahl, ih­re Zu­gangs­chan­cen, ih­re Be­wer­tung durch Ar­beit­ge­ber und ih­re Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten be­ein­flus­sen. "Die Frau­en selbst kön­nen wir aber auch nicht aus der Ver­ant­wor­tung ent­las­sen", sag­te sie. "Sie müs­sen so schlau sein, nach vorn zu bli­cken und Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, die sie auch beim Ren­ten­ein­tritt nicht be­reu­en."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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