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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: OT-Mitgliedschaft
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt
Akten­zeichen: 7 Sa 38/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 22.01.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stendal, Urteil vom 6.12.2007, 1 Ca 946/07
   

Ak­ten­zei­chen:
7 Sa 38/08
1 Ca 946/07
ArbG Sten­dal

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

SACHSEN-AN­HALT

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

Verkündet am: 22.01.2009

, Jus­tiz­an­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

 

- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: 

ge­gen

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: 

- 2 -

hat die 7. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 22. Ja­nu­ar 2009 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt als Vor­sit­zen­den, die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin als Bei­sit­zer für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts vom 06.12.2007 (1 Ca 946/07) wird auf Kos­ten der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird für die Kläge­rin zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um Ge­halts­dif­fe­renz­ansprüche, um ei­ne ta­rif­li­che Ein­mal­zah­lung so­wie um ein ta­rif­li­ches Ur­laubs­geld.

Die am ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit dem 07.06.1994 bei der Be­klag­ten als Verkäufe­r­in in dem Bau­markt der Be­klag­ten in mit ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 40 St­un­den beschäftigt.

Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 07.06.1994 lau­tet: „Sie wer­den in die Ge­halts­grup­pe K 2 ers­tes Be­rufs­jahr des der­zeit gel­ten­den Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges für den Ein­zel­han­del ein­ge­stuft:
Das ta­rif­li­che Ge­halt beträgt brut­to DM 2.051,--.
Das ver­ein­bar­te Ge­halt beträgt brut­to DM 2.100,-- „.

Zif­fer 18 des Ar­beits­ver­tra­ges lau­tet: „Für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten im Übri­gen die in­ner­be­trieb­li­chen Be­stim­mun­gen und Ver­ein­ba­run­gen so­wie die je­wei­li­gen für den Ar­beit­ge­ber gel­ten­den Ta­rif­verträge für den Ein­zel­han­del, de­ren In­halt als rechts­ver­bind­lich an­er­kannt wird.“ (We­gen des wei­te­ren In­halts des Ar­beits­ver­tra­ges vom 07.06.1994 wird auf Bl. 9 d.A. Be­zug ge­nom­men).

Die Kläge­rin ist seit März 2000 Mit­glied der Ge­werk­schaft ver­di.

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Un­ter dem 27.01.2005 un­ter­zeich­ne­ten die Par­tei­en fol­gen­den Ände­rungs­ver­trag:
“Auf­grund der an­ge­spann­ten wirt­schaft­li­chen La­ge des OBI-Mark­tes in sind sich Be­leg­schaft und Ar­beit­ge­ber darüber ei­nig, dass es er­for­der­lich ist, Kos­ten zu spa­ren und den Be­stand des Obi-Mark­tes nicht zu gefähr­den. Aus die­sem Grun­de schließen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer fol­gen­den Ände­rungs­ver­trag zum be­ste­hen­den An­stel­lungs­ver­trag:

1. Die durch­schnitt­li­che, re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit des Ar­beit­neh­mers wird ab dem 01.02.2005 von 38 St­un­den auf 40 St­un­den erhöht.

2. Ein Lohn­aus­gleich fin­det nicht statt. Spätzu­schläge für die Zei­ten nach 18.30 bzw. Sams­tags nach 14:00 Uhr so­wie Nacht-, Mehr­ar­beits- oder sons­ti­ge Zu­schläge wer­den nicht gewährt.

3. Im Übri­gen gel­ten die Be­stim­mun­gen des bis­he­ri­gen An­stel­lungs­ver­tra­ges.

4. Münd­li­che Ne­ben­ab­re­den be­ste­hen nicht. Ände­run­gen und Ergänzun­gen die­ses Ver­tra­ges bedürfen zu ih­rer Wirk­sam­keit der Schrift­form.

5. ….

(We­gen des wei­te­ren In­halts des Ände­rungs­ver­tra­ges vom 27.01.2005 wird auf Bl. 10 d.A. Be­zug ge­nom­men).

Die Be­klag­te ist seit An­fang der 90 Jah­re Mit­glied im Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V..

Mit Schrei­ben vom 26.06.2001 hat die Be­klag­te an den Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. fol­gen­des erklärt:

„Mit­glieds­num­mer:……………
Hier­mit erkläre ich gemäß § 5.3. der Ver­bands­sat­zung in Fas­sung vom 07.09.2000 den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung.

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Die Erklärung wirkt zum Ab­lauf der der­zeit gel­ten­den Ta­rif­verträge.

Ein Wi­der­ruf ist je­der­zeit durch schrift­li­che Erklärung ge­genüber dem Ver­band möglich.

Pei­ne, 26.06.2001“ (Bl. 25 d.A.)

Mit ei­nem wei­te­ren Schrei­ben vom 26.06.2001 hat die Be­klag­te sich wie­der­um an den Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. mit fol­gen­dem Wort­laut ge­wandt:

„Sehr ge­ehr­ter Herr ….., hier­mit möch­ten wir als OT-Mit­glied rück­wir­kend in Ih­ren Ver­band ein­tre­ten.
Wir bit­ten um kurz­fris­ti­ge Be­ar­bei­tung.
Für Ih­re Mühe vie­len Dank.
…“ (Bl. 241 d.A.).

Die­ses Schrei­ben trägt fol­gen­de Fax-Ken­nung

„27-Jun-2001 14:31 Uhr ……..Geschäfts.F. +…………………

Mit Schrei­ben vom 06.12.2007 an den Pro­zess­ver­tre­ter der Be­klag­ten bestätig­te die Be­klag­te den Ein­gang die­ses Fa­xes am 27.06.2001. Das Schrei­ben vom 06.12.2007 hat fol­gen­den Wort­laut:

„Sehr ge­ehr­ter Herr
das Ih­nen über­sand­te Fax der Fir­ma OBI-Bau- und Heim­wer­kermärk­te GmbH & Co.KG vom 26.06.2001 ist am 27.06.2001 beim Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. ein­ge­gan­gen. Die o.g. Fir­ma wird ab 27.06.2001 als Mit­glied oh­ne Ta­rif­bin­dung geführt …“ (Bl. 135 d.A.).

Der Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. ist nach ei­ner Sitz­ver­le­gung von Hal­le nach Mag­de­burg am 12.06.1992 in das Ver­eins­re­gis­ter des Amts­ge­richts Mag­de­burg ein­ge­tra­gen wor­den und wird in­zwi­schen beim Ver­eins­re­gis­ter des Amts­ge­richts Sten­dal und der Re­gis­ter­num­mer geführt. Wie dem Ver­eins­re­gis­ter zu ent­neh­men ist, ist die Sat­zung im Lau­fe der Zeit mehr­fach geändert bzw. ergänzt wor­den, so am 07.09.2000 in den §§ 5,6 und 9 und am 07.05.2002 in § 5 ().

Bis zur Ände­rung vom 07.09.2000 hat­te § 5 der Sat­zung fol­gen­den Wort­laut:

„§ 5 Rech­te und Pflich­ten der Mit­glie­der

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1. Al­le Mit­glie­der gemäß § 3 Nr. 1 ha­ben glei­che Rech­te. Die Mit­glie­der ha­ben im Rah­men des Ver­bands­zwe­ckes und der Auf­ga­ben An­spruch auf Ver­tre­tung, Be­ra­tung und Förde­rung in al­len den Ein­zel­han­del be­tref­fen­den Fra­gen.
2. Die Mit­glie­der sind ver­pflich­tet, die Sat­zung und die im Rah­men der Sat­zung ge­fass­ten Be­schlüsse der Or­ga­ne zu be­ach­ten.“

Durch die Verände­run­gen und Ergänzun­gen der Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. vom 07.09.2000 er­hielt § 5 fol­gen­de Ergänzung:
㤠5 Punkt 3
Bei Ta­rif­verträgen, die nicht für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt sind, können die Mit­glie­der den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung erklären. Die Erklärung ist schrift­lich an die Haupt­geschäfts­stel­le des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. zu rich­ten.
Sie wirkt bis zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge.
Die Erklärung kann je­der­zeit wi­der­ru­fen wer­den.
Nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Mit­glie­der sind nicht be­rech­tigt, an der Ab­stim­mung über ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen mit­zu­wir­ken.“

Durch Ände­rung der Sat­zung vom 07.05.2002 lau­tet § 5 Punkt 3 der Sat­zung:

„Bei Ta­rif­verträgen, die für nicht all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt sind, können die Mit­glie­der den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung erklären. Die Erklärung ist schrift­lich an die Haupt­geschäfts­stel­le des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. zu rich­ten. Die Erklärung wirkt zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge. Ein Wi­der­ruf ist je­der­zeit durch schrift­li­che Erklärung ge­genüber dem Ver­band möglich.

Nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Mit­glie­der sind nicht be­rech­tigt, an der Ab­stim­mung über ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen mit­zu­wir­ken“.

Nach § 7 der Sat­zung, der durch die Ände­run­gen und Ergänzun­gen vom 07.09.2000 und vom 07.05.2002 un­verändert blieb, sind die Or­ga­ne des Ver­ban­des:
1. De­le­gier­ten­ver­samm­lung
2. Präsi­di­um.

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Bei dem Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. be­steht für ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen ei­ne Ta­rif­kom­mis­si­on. Die Sat­zung enthält hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung der Ta­rif­kom­mis­si­on kei­ne aus­drück­li­che Re­ge­lung.

Die Ge­werk­schaft ver­di und der Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. ha­ben am 22.08.2001 den Ta­rif­ver­trag über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütung für den Ein­zel­han­del im Bun­des­land Sach­sen-An­halt ab­ge­schlos­sen. Un­ter C.2 die­ses Ta­rif­ver­tra­ges sind die Ge­halts­ta­bel­len der Ge­halts­grup­pen K1 bis K5 auf­geführt. Ab dem 01. Sep­tem­ber 2001 beträgt das mo­nat­li­che Min­dest­ge­halt in der Ge­halts­grup­pe K2 nach dem 7. Be­rufs­jahr (letz­te Ge­halts­stu­fe) 1.832,-- €.

Am 01.08.2003 un­ter­zeich­ne­ten die Ge­werk­schaft ver­di und der Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. den Ta­rif­ver­trag über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen, gültig ab 01. Ju­li 2003. Das mo­nat­li­che Min­dest­ge­halt in der Ge­halts­grup­pe K2 nach der Ge­halts­ta­bel­le die­ses Ta­rif­ver­tra­ges beträgt nach dem sieb­ten Be­rufs­jahr bis zum 30.09.2003 1.889,-- €, ab 01.10.2003 1.921,-- € und ab 01.11.2004 1958,-- €.

Am 03.02.2006 ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en er­neut ei­nen Ta­rif­ver­trag über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für die Beschäftig­ten im Ein­zel­han­del im Bun­des­land Sach­sen-An­halt ab­ge­schlos­sen (im fol­gen­dem: Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006). Die­ser Ta­rif­ver­trag war ab dem 01. Ju­li 2005 gültig und erst­mals künd­bar zum 30.06.2007. Das mo­nat­li­che Min­dest­ge­halt in der Ge­halts­grup­pe K2 beträgt ab dem 01.11.2004 1.958,-- € und ab dem 01.12. 2006 1.978,-- €. Die Be­rech­nungs­grund­la­ge für die Gehälter beträgt 38 St­un­den. Zur Er­mitt­lung der Gehälter pro St­un­de sind die Mo­nats­gehälter durch 165 zu di­vi­die­ren. Nach § 5 Zif­fer 2 er­hal­ten die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer für 2007 pro Mo­nat, für den An­spruch auf Ent­gelt, Ent­gelt­fort­zah­lung oder Zu­schuss zum Mut­ter­schafts­geld be­steht, ei­ne nicht ta­bel­len­wirk­sa­men Fest­be­trag in Form ei­ner Ein­mal­zah­lung, die ins­ge­samt fürs Ka­len­der­jahr 75 € beträgt. Die­ser Be­trag ist zahl­bar mit der Ab­rech­nung für den Mo­nat April 2007.

Am 03.02.2006 schlos­sen die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­nen Man­tel­ta­rif­ver­trag, gültig ab 01.01.2006. Nach § 12 A Zif­fer 2 des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges beträgt das Ur­laubs­geld 45 % des je­wei­li­gen ta­rif­li­chen Ent­gelt­an­spru­ches für das letz­te ta­rif­lich ver­ein­bar­te Be­rufs­jahr

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der Ta­rif­grup­pe K2, be­zo­gen auf das der­zei­ti­ge Ta­rif­sche­ma, am Stich­tag 01. Ja­nu­ar des je­wei­li­gen Ka­len­der­jah­res.

Die Kläge­rin er­hielt von der Be­klag­ten für die Mo­na­te Fe­bru­ar bis Sep­tem­ber 2007 ein Ge­halt in Höhe von 1.832,00 €. Für das Ka­len­der­jahr 2007 hat die Kläge­rin 824,40 € Ur­laubs­geld er­hal­ten.

Mit ih­rer am 26.07.2007 beim Ar­beits­ge­richt Sten­dal ein­ge­reich­ten Kla­ge so­wie mit Kla­ge­er­wei­te­run­gen hat die Kläge­rin für die Mo­na­te Fe­bru­ar bis Sep­tem­ber 2007 ei­nen mo­nat­li­chen Dif­fe­renz­be­trag in Höhe von 276,12 €, ei­ne Ein­mal­zah­lung in Höhe von 75,00 € so­wie Ur­laubs­geld in Höhe von 65,70 € ein­ge­klagt.

Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, sie ha­be für den streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum An­spruch auf Vergütung nach dem Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006, Ge­halts­grup­pe K2 nach dem sieb­ten Be­rufs­jahr.

Des Wei­te­ren ha­be sie ei­nen An­spruch auf die an­tei­li­ge Ein­mal­zah­lung gemäß § 5 Ziff. 2 des Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges 2006 in Höhe von 75,00 € brut­to.

Die Kläge­rin ha­be schließlich auch An­spruch auf das ta­rif­li­che Ur­laubs­geld gemäß dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten im Ein­zel­han­del im Bun­des­land Sach­sen-An­halt, gültig ab 01.01.2006. Hier­nach ha­be sie ei­nen An­spruch in Höhe von 890,10 € brut­to. Bei den er­hal­te­nen 824,40 € brut­to er­ge­be dies den Dif­fe­renz­an­spruch in Höhe von 65,70 € brut­to.

Die Be­klag­te sei an die ak­tu­el­len zwi­schen dem Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. und der Ge­werk­schaft ver­di ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge ge­bun­den. Die Be­klag­te ha­be ei­ne wirk­sa­me OT-Mit­glied­schaft im Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. nicht be­gründet. § 5 Ziff. 2 S. 3 der Sat­zung des Ver­ban­des vom 07.09.2000 sei we­gen des dort ent­hal­te­nen Wor­tes „bis“ nur da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass ei­ne OT-Mit­glied­schaft für je­den neu durch den Ar­beit­ge­ber­ver­band ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­ver­tra­ges be­gründet wer­de. Ins­be­son­de­re sei die OT-Mit­glied­schaft auch nur un­ter stren­gen Vor­aus­set­zun­gen möglich. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en im vor­lie­gen­den Fall nicht erfüllt.

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Die Kläge­rin hat be­an­tragt
1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.380,60 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 % Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit (07.08.2007) zu zah­len.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 140,70 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 % Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit (07.08.2007) zu zah­len.
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für die Mo­na­te Ju­li und Au­gust 2007 552,24 € brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit der Kla­ge­er­wei­te­rung zu zah­len.
4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin für den Mo­nat Sep­tem­ber 2007 276,12 € brut­to nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit (12.11.2007) der Kla­ge­er­wei­te­rung zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,
die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie ha­be mit ih­ren Schrei­ben vom 26.06.2001 ei­ne wirk­sa­me OT-Mit­glied­schaft im be­gründet. Sie sei da­her an den Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006 so­wie an den Man­tel­ta­rif­ver­trag von 2006 nicht mehr ge­bun­den.

Mit Ur­teil vom 06.12.2007 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt im We­sent­li­chen aus­geführt, die Be­klag­te sei an die Ta­rif­verträge (Ge­halts­ta­rif­ver­trag 03.02.2006 und dem Man­tel­ta­rif­ver­trag vom 03.02.2006) nicht mehr ge­bun­den. Die Be­klag­te ha­be mit Zu­gang des Fax­schrei­bens vom 26.06.2001 an den Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. wirk­sam ei­ne OT-Mit­glied­schaft be­gründet. Die in der Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. vom 07.09.2000 vor­ge­se­he­ne OT-Mit­glied­schaft sei zulässig. Auch die sat­zungs­gemäße Ge­stal­tung der OT-Mit­glied­schaft be­geg­ne kei­ne durch­grei­fen­den Be­den­ken. Die Sat­zung se­he deut­lich und trans­pa­rent die Grund­la­gen und das Ver­fah­ren des Wech­sels von ei­ner Voll­mit­glied­schaft in ei­ne OT-Mit­glied­schaft vor. Mit § 5 Ziff. 3 Satz 2 der Sat­zung in der Fas­sung vom 07.09.2000 soll­te of­fen­sicht­lich § 3 Abs. 3 TVG Rech­nung ge­tra­gen wer­den. Nach­dem der Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2000 zum 01.07.2001 außer Kraft ge­tre­ten ist,

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würden die Rechts­nor­men die­ses Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges so lan­ge wei­ter gel­ten, bis sie durch ei­ne an­de­re auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fin­den­de Ab­ma­chung er­setzt wer­den. Ei­ne sol­che an­de­re Ab­ma­chung sei je­den­falls in dem Ände­rungs­ver­trag vom 01.02.2005 zu se­hen.

Ge­gen das der Kläge­rin am 10.01.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil wen­det sich die am 24.01.2008 ein­ge­gan­ge­ne – und nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 10.04.2008 – am 09.04.2008 be­gründe­te Be­ru­fung der Kläge­rin.

Die Kläge­rin ist wei­ter­hin der An­sicht, die Be­klag­te könne sich nicht wirk­sam auf ei­ne OT-Mit­glied­schaft be­ru­fen. Die Sat­zung ließe im Hin­blick auf die ta­rif­po­li­ti­sche Wil­lens­bil­dung die OT-Mit­glied­schaft nicht wirk­sam zu. Es feh­le ei­ne kla­re sat­zungs­gemäße Dif­fe­ren­zie­rung der Mit­glie­der­ka­te­go­ri­en im Hin­blick auf Vor­aus­set­zun­gen und Wir­kun­gen so­wie im Hin­blick der Ein­fluss­nah­me auf ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen. Al­lein die Re­ge­lung in § 5 der Sat­zung rei­che nicht aus.

Zu­dem könne die Erklärung der OT-Mit­glied­schaft nur bis zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge erklärt wer­den. Dem­nach gel­te die OT-Mit­glied­schafts­erklärung nur be­zo­gen auf den Ge­halts­ta­rif­ver­trag vom 21.07.2000.

Sch­ließlich sei­en die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auch auf­grund der ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen ge­ge­ben. In dem Ar­beits­ver­trag vom 07.06.1994 sei ei­ne wirk­sa­me Ver­ein­ba­rung da­hin­ge­hend ge­trof­fen wor­den, dass die je­weils gülti­gen Ta­rif­verträge, so auch der Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006, auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung fänden.

Die Kläge­rin be­an­tragt,
das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes vom 06.12.2007 ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin nach­fol­gen­de Beträge zu zah­len:

1. 1.380,60 € brut­to Dif­fe­renz­lohn für den Zeit­raum Fe­bru­ar 2007 bis Ju­ni 2007 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit.
2. 140,70 € brut­to Rest­ur­laubs­geld für das Jahr 2007 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit so­wie

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3. 552,24 € brut­to Dif­fe­renz­lohn für die Mo­na­te Ju­li und Au­gust 2007 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit.
4. 276,12 € brut­to Dif­fe­renz­lohn für den Mo­nat Sep­tem­ber 2007 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts vom 06.12.2007. Mit dem Schrei­ben vom 26.06.2001 ha­be sie wirk­sam die OT-Mit­glied­schaft be­gründet. Die Sat­zung se­he ei­ne kla­re Dif­fe­ren­zie­rung der Mit­glie­der­ka­te­go­ri­en vor. Aus § 5 der Sat­zung er­ge­be sich un­zwei­deu­tig, dass ei­ne un­mit­tel­ba­re Ein­fluss­nah­me der OT-Mit­glie­der in ta­rif­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen ist. Die Erklärung der OT-Mit­glied­schaft in dem Schrei­ben vom 26.06.2001 sei auch im Übri­gen wirk­sam er­folgt und um­fas­se ge­ra­de die ab Ju­li 2001 gel­ten­den Ta­rif­verträge. Die Ansprüche der Kläge­rin er­ge­ben sich auch nicht aus dem Ar­beits­ver­trag. Die Re­ge­lun­gen in § 18 des Ar­beits­ver­tra­ges be­zie­he sich be­reits nicht auf das Ge­halt. Die­ses sei im Ar­beits­ver­trag ge­son­dert ver­ein­bart wor­den. Le­dig­lich im Übri­gen soll­ten die je­wei­li­gen Ta­rif­verträge zur An­wen­dung kom­men. Aber selbst wenn man in Zif­fer 18 des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne so­ge­nann­te Gleich­stel­lungs­ab­re­de se­hen soll­te, sei­en die Grundsätze der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes zu Alt­verträgen an­zu­wen­den.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men.


Ent­schei­dungs­gründe:

Die zulässi­ge Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet.

I.

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Die statt­haf­te (§§ 8, 64 Abs. 1 ArbGG) form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te und be­gründe­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist zulässig (§§ 64 Abs. 2 b, 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG; 519 Abs. 2, 520 ZPO).

II.
Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist un­be­gründet.

Zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

1. Der An­spruch der Kläge­rin auf die mo­nat­li­che Ge­halts­dif­fe­renz in Höhe von 276,12 € brut­to für die Mo­na­te Fe­bru­ar bis Sep­tem­ber 2007 er­gibt sich nicht aus dem Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006. Die Be­klag­te ist hin­sicht­lich die­ses Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges nicht ta­rif­ge­bun­den nach § 3 Abs. 1 TVG.

Die Be­klag­te ist mit Schrei­ben vom 26.06.2001 wirk­sam von der Voll­mit­glied­schaft zur OT-Mit­glied­schaft ge­wech­selt.

1.1. Das zwei­te Schrei­ben der Be­klag­ten vom 26.06.2001 ist dem Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. per Fax je­den­falls am 27.06.2001 zu­ge­gan­gen. Dem Schrei­ben lässt sich un­zwei­deu­tig der Wil­le der Be­klag­ten ent­neh­men, zukünf­tig nicht mehr ei­ne Ta­rif­bin­dung an die von dem Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­hal­te e.V. ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge für den Ein­zel­han­del im Lan­de Sach­sen-An­halt zu un­ter­lie­gen. Der Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. hat die Erklärung der Be­klag­ten als Wech­sel zur OT-Mit­glied­schaft auch so ver­stan­den und dem­ent­spre­chend be­han­delt. Von dem Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. wird die Be­klag­te seit dem 27.06.2001 als Mit­glied oh­ne Ta­rif­bin­dung geführt. Es kann dem­nach da­hin­ge­stellt blei­ben, ob auch das ers­te Schrei­ben vom 26.06.2001 dem Ver­band der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt im Ju­ni 2001 zu­ge­gan­gen ist.


1.2. Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, ist die in § 5 Punkt 3 Satz 2 der Sat­zung vom 07.09.2000 ge­for­der­te Schrift­form durch das Fax vom 26.06.2001 ge­wahrt. Die Be­ru­fung greift das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts in die­sem Punkt auch nicht an.

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1.3. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend § 5 Punkt 3 Satz 3 der Sat­zung vom 07.09.2000 da­hin aus­ge­legt, dass die Re­ge­lung „sie wirkt bis zum Ab­lauf der je­wei­li­gen gel­ten­den Ta­rif­verträge“ im Hin­blick auf § 3 Abs. 3 TVG nur so zu ver­ste­hen ist, dass die Erklärung über den Aus­schluss der Ta­rif­bin­dung erst zum Ab­lauf der je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge greift. Auf die zu­tref­fen­den Ausführun­gen in den Ent­schei­dungs­gründen des an­ge­foch­te­nen Ur­teils (S. 11/12) wird Be­zug ge­nom­men.

1.4. Die in der Sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. vor­ge­se­he­ne Möglich­keit ei­ner OT-Mit­glied­schaft in Form des so­ge­nann­ten Stu­fen­mo­dells ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin von Rechts we­gen nicht zu be­an­stan­den.

Auf­grund der ih­nen durch Art. 9 Abs. 3 GG ver­lie­he­nen Sat­zungs­au­to­no­mie sind die Verbände grundsätz­lich be­fugt, in ih­ren Sat­zun­gen ei­ne Mit­glied­schaft oh­ne Ta­rif­bin­dung auch in Form des so­ge­nann­ten Stu­fen­mo­dells vor­zu­se­hen. Ei­ne sol­che Re­ge­lung wi­der­spricht we­der ein­fa­chem Recht noch Ver­fas­sungs­recht (zu­letzt: BAG: vom 04.06.2008 – 4 AZR 316/07 und 4 AZR 419/07). Die An­er­ken­nung von OT-Mit­glied­schaf­ten in Ar­beit­ge­ber­verbänden verstößt nicht ge­gen § 3 Abs. 1 TVG. Dies hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 04.06.2008 über­zeu­gend be­gründet. (BAG vom 04.06.2008 - 4 AZR 316/07 - ju­ris Rz. 31 bis 36). Auch wird durch die grundsätz­li­che An­er­ken­nung der OT-Mit­glied­schaft die Ver­hand­lungs­pa­rität zwi­schen Ar­beit­ge­ber­ver­band und Ge­werk­schaft nicht in un­zulässi­ger Wei­se zu Las­ten der ei­nen oder an­de­ren Sei­te be­ein­träch­tigt (BAG 04.06.2008 – 4 AZR 316/07 – ju­ris – Rz. 37 bis 39).

Die Ver­bands­sat­zung des Ver­ban­des der Kauf­leu­te Sach­sen-An­halt e.V. in der Fas­sung der Verände­run­gen und Ergänzun­gen vom 07.09.2000 enthält im Zu­sam­men­hang mit der Einräum­ung der Möglich­keit von OT-Mit­glied­schaf­ten kei­ne Re­ge­lun­gen, wel­che die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie be­ein­träch­ti­gen. All­ge­mei­ne Wirk­sam­keits­be­den­ken be­ste­hen nicht.

Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben bei der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung der OT-Mit­glied­schaft in ih­ren Sat­zun­gen die un­ter dem grund­ge­setz­li­chen Schutz des Art. 9 GG ste­hen­den Ta­rif­au­to­no­mie zu be­ach­ten. Die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie setzt ei­nen recht­li­chen Rah­men vor­aus, der es den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ermöglicht, im

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Ver­hand­lungs­we­ge aus­ge­wo­ge­ne, den beid­sei­ti­gen In­ter­es­sen möglichst an­ge­mes­se­ne Ar­beits- und Wirt­schafts­be­din­gun­gen fest­zu­le­gen. Die­ser recht­li­che Rah­men muss gewähr­leis­ten, dass die Geschäfts­grund­la­ge der Ta­rif­ver­trags­ver­hand­lun­gen mit der­je­ni­gen des Ta­rif­ab­schlus­ses übe­rein­stimmt. Dies er­for­dert auf Ar­beit­ge­ber­sei­te, dass zwi­schen der Grup­pe der­je­ni­gen Ar­beit­ge­ber, die bei ei­nem Ta­rif­ab­schluss ein Mit­ent­schei­dungs­recht ha­ben, und der­je­ni­gen, wel­che in der Fol­ge an die­sen ge­bun­den sind, im Grund­satz ei­ne Kon­gru­enz be­steht. Grundsätz­lich be­steht nur durch ei­nen der­ar­ti­gen Gleich­lauf von Ver­ant­wort­lich­keit und Be­trof­fen­heit ei­ne hin­rei­chen­de Wahr­schein­lich­keit für bei­der­seits an­ge­mes­se­ne In­ter­es­sens­wahr­neh­mung. Not­wen­di­ge Vor­aus­set­zun­gen ei­ner wirk­sa­men Re­ge­lung von OT-Mit­glied­schaf­ten ist, dass die Sat­zung für die Mit­glie­der oh­ne Ta­rif­bin­dung nicht le­dig­lich die Rechts­fol­ge des § 3 Abs. 1 TVG ab­be­dingt. Sie muss darüber hin­aus für Ta­rif­an­ge­le­gen­hei­ten ei­ne kla­re und ein­deu­ti­ge Tren­nung der Be­fug­nis­se von Mit­glie­dern mit und oh­ne Ta­rif­bin­dung vor­se­hen. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Ein­fluss­nah­me von OT-Mit­glie­dern auf ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen ist un­zulässig. OT-Mit­glie­der dürfen nicht in Ta­rif­kom­mis­sio­nen ent­sandt wer­den, de­ren Ver­band im Außen­verhält­nis nicht ta­rif­po­li­tisch ver­tre­ten und nicht in Auf­sichts­or­ga­nen mit­wir­ken, die die Streik­fonds ver­wal­ten. Zu­dem sind sie von Ab­stim­mun­gen aus­zu­sch­ließen, in de­nen die ta­rif­po­li­ti­schen Zie­le fest­ge­legt oder Er­geb­nis­se von Ta­rif­ver­hand­lun­gen an­ge­nom­men wer­den (BAG vom 04.06.2008 - 4 AZR 316/07 -, ju­ris, Rz. 43).

Die Sat­zung sieht ei­ne kla­re und ein­deu­ti­ge Tren­nung der Be­fug­nis­se von Mit­glie­dern mit und oh­ne Ta­rif­bin­dung für Ta­rif­an­ge­le­gen­hei­ten vor.

Gemäß § 5 Punkt 3 Satz 5 der Sat­zung sind nicht­ta­rif­ge­bun­de­ne Mit­glie­der nicht be­rech­tigt, an der Ab­stim­mung über ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen mit­zu­wir­ken. Durch die­se Re­ge­lung in der Sat­zung wird klar und un­miss­verständ­lich ei­ne un­mit­tel­ba­re Ein­fluss­nah­me von OT-Mit­glie­dern auf ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen. Durch die Vor­schrift in der Sat­zung wird nicht nur be­stimmt, dass OT-Mit­glie­der bei ta­rif­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen nicht ab­stim­men dürfen, son­dern darüber hin­aus, dass sie an der Ab­stim­mung über ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen nicht mit­zu­wir­ken ha­ben. Da­mit kommt der Re­ge­lungs­wil­le des Sat­zungs­ge­bers, die ta­rif­po­li­ti­sche Wil­lens­bil­dung aus­sch­ließlich den Mit­glie­dern mit Ta­rif­bin­dung vor­zu­be­hal­ten aus der Sat­zungs­re­ge­lung selbst klar zum Aus­druck.

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Zwar enthält die Sat­zung im Übri­gen kei­ne aus­drück­li­chen Be­stim­mun­gen über die Ein­schränkung von Be­fug­nis­sen der OT-Mit­glie­der. Da­durch wird je­doch die Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie nicht be­ein­träch­tigt. Die Sat­zung ist ins­ge­samt da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass Mit­glie­der oh­ne Ta­rif­bin­dung auch kein Be­nen­nungs- und Ent­sen­de­recht in Gre­mi­en ha­ben, wel­che im Zu­sam­men­hang mit An­ge­le­gen­heit der Ta­rif­po­li­tik ste­hen.

Die Aus­le­gung der Sat­zung folgt den Re­geln über die Aus­le­gung von Nor­men. Sie hat zunächst vom Wort­laut aus­zu­ge­hen und sich dann an dem sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang, der Ent­ste­hungs­ge­schich­te und dem Norm­zweck, so­weit er in der Norm er­kenn­ba­ren Aus­druck ge­fun­den hat, aus­zu­rich­ten (BAG vom 04.06.2008 – 4 AZR 316/07 – ju­ris, Rz. 51).

Der Wort­laut des § 5 Punkt 3 Satz 5 der Sat­zung ist ein­deu­tig. Nicht­ta­rif­ge­bun­de­ne Mit­glie­der sind nicht be­rech­tigt, an der Ab­stim­mung über ta­rif­po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen mit­zu­wir­ken. Da­mit steht auch fest, dass OT-Mit­glie­der nicht in Ta­rif­kom­mis­sio­nen ent­sandt wer­den dürfen. In Ta­rif­kom­mis­sio­nen könn­ten OT-Mit­glie­der bei ta­rif­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen mit­wir­ken. Ge­ra­de dies ver­bie­tet § 5 Punkt 3 Satz 5 der Sat­zung. Ei­ner darüber hin­aus ge­hen­den Re­ge­lung in der Sat­zung be­darf es nicht. Es ist gewähr­leis­tet, dass die stimm­be­rech­tig­ten Mit­glie­der in Ta­rif­kom­mis­sio­nen Mit­glieds­un­ter­neh­men mit Ver­bands­ta­rif­ver­bin­dung an­gehören müssen.

§ 5 Punkt 3 Satz 5 der Sat­zung kann nur dann Wir­kung ent­fal­ten, wenn OT-Mit­glie­der den Ver­band im Außen­verhält­nis nicht ta­rif­po­li­tisch ver­tre­ten dürfen und auch nicht in Auf­sichts­or­ga­nen mit­wir­ken, die die Streik­fonds ver­wal­ten. Könn­ten OT-Mit­glie­der in Auf­sichts­or­ga­nen mit­wir­ken, die Streik­fonds ver­wal­ten, würden sie an der Ab­stim­mung über ta­rif­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen mit­wir­ken. § 5 Punkt 3 Satz 3 der Sat­zung schließt dies aus.
Die Rech­te und Pflich­ten der Mit­glie­der sind in § 5 der Sat­zung ge­re­gelt. In die­ser Re­ge­lung ist – an der rich­ti­gen Stel­le – die Ein­schränkung der Be­fug­nis­se der OT-Mit­glie­der er­folgt. Die­se Ein­schränkung der Rech­te der OT-Mit­glie­der er­folgt „vor der Klam­mer“ und kann, so­weit ein Ergänzungs­bedürf­nis be­steht, oh­ne wei­te­res her­an­ge­zo­gen wer­den. Der Zweck des § 5 Punkt 3 Satz 5 der Sat­zung – kei­ne Mit­wir­kung der OT-Mit­glie­der an ta­rif­po­li­ti­schen Ab­stim­mun­gen – kann nur erfüllt wer­den, wenn die OT-Mit­glie­der nicht in Auf­sichts­or­ga­nen des Ver­ban­des mit­wir­ken können, die zu Ent­schei­dun­gen über ta­rif­po­li­ti­sche Fra­gen be­fugt sind. Auch in­so­weit be­darf es kei­ner ge­son­der­ten aus­drück­li­chen Re­ge­lung in der Sat­zung.

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1.5. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, ob die Ge­werk­schaft über den Wech­sel der Be­klag­ten in die OT-Mit­glied­schaft in­for­miert wur­de. Nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 04.06.2008 (4 AZR 419/07 ju­ris, Rz. 72) be­schränkt sich ei­ne ge­ge­be­nen­falls er­ge­ben­de ta­rif­recht­li­che Un­wirk­sam­keit des Sta­tus­wech­sels auf die­je­ni­gen Ta­rif­verträge, die während des Sta­tus­wech­sels ver­han­delt wur­den. Fol­ge ei­ner un­ter­blie­be­nen Mit­tei­lung an die Ge­werk­schaft könn­te dem­nach die Ta­rif­bin­dung der Be­klag­ten an den Ta­rif­ver­trag über Gehälter, Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen vom 22.08.2001 sein. An die Fol­ge­verträge ist je­doch die Be­klag­te – auch bei An­nah­me ei­ner feh­len­den Mit­tei­lung an die Ge­werk­schaft hin­sicht­lich des Sta­tus­wech­sels – nicht ge­bun­den. Die Kläge­rin macht Vergütungs­ansprüche aus dem Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006 gel­tend.

2. Der An­spruch der Kläge­rin er­gibt sich auch nicht aus § 611 Abs. 1 BGB in Ver­bin­dung mit dem Ar­beits­ver­trag.

Ein An­spruch auf dy­na­mi­sche An­pas­sung nach dem Stand der ak­tu­el­len Ta­rif­verträge er­gibt sich nicht aus Zif­fer 18 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 07.06.1994. Hin­sicht­lich der Vergütung ha­ben die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en in Zif­fer 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ei­ne ei­genständi­ge Re­ge­lung ge­trof­fen. Nach Zif­fer 18 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 28.02.1997 gel­ten für das An­stel­lungs­verhält­nis le­dig­lich im Übri­gen die je­wei­li­gen für den Ar­beit­ge­ber gel­ten­den Ta­rif­verträge.

Selbst wenn Zif­fer 18 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 07.06.1994 ei­ne Ver­wei­sung auch hin­sicht­lich der Vergütung auf die je­weils gel­ten­den Ta­rif­verträge be­inhal­ten soll­te, han­delt es sich bei die­sem Alt­ver­trag (Ver­ein­ba­rung vor In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form am 01.01.2002) um ei­ne Gleich­stel­lungs­ab­re­de. Ei­ne ver­trag­li­che An­bin­dung an die dy­na­mi­sche Ent­wick­lung der ta­rif­lich ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen en­det, wenn sie auch für ei­nen ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer en­det, so z.B. durch den Aus­tritt des Ar­beit­ge­bers aus dem Ar­beit­ge­ber­ver­band (BAG, Ur­teil vom 18.04.2007 – 4

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AZR 653/05, ju­ris, Rz. 28). Dem­nach würde ein An­spruch auf dy­na­mi­sche An­pas­sung nach dem Stand der ak­tu­el­len Ta­rif­verträge mit der Be­gründung der OT-Mit­glied­schaft der Be­klag­ten am 27.06.2001 en­den.


3. Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf die an­tei­li­ge Ein­mal­zah­lung in Höhe von 75,00 € aus § 5 Ziff. 2 Ge­halts­ta­rif­ver­trag 2006. Die Re­ge­lung des Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges 2006 fin­den auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en kei­ne An­wen­dung.

4. Die Kläge­rin hat auch kei­nen An­spruch auf den von ihr gel­tend ge­mach­ten Ur­laubs­geld­dif­fe­renz­an­spruch in Höhe von 65,70 € brut­to aus dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Beschäftig­ten im Ein­zel­han­del im Bun­des­land Sach­sen-An­halt. Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat, hat die Be­klag­te den An­spruch durch Zah­lung erfüllt. Dies gilt auch dann, wenn die Be­rech­nung des Ur­laubs­gel­des nach dem Ge­halt des Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges 2001 er­fol­gen soll­te (dann: 45 % von 1.832,00 € = 824,40 €).


III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

IV. Die Re­vi­si­on ist für die Kläge­rin we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge – Aus­le­gung der Sat­zung – zu­zu­las­sen.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g :


Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­le­gen.

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Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils bei dem

 

Bun­des­ar­beits­ge­richt
Hu­go-Preuß-Platz 1
99084 Er­furt


ein­ge­hen.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt sind außer Rechts­anwälten auch Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­ber­verbänden so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Ver-bände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der als Be­vollmäch­tig­te ver­tre­tungs­be­fugt. Als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen sind auch ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zung gem. § 11 Abs. 2 Satz 2 Ziff. 5 ArbGG erfüllen. Die han­deln­den Per­so­nen müssen die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – ein­ge­reicht wer­den.

Auf die Möglich­keit der Ein­rei­chung elek­tro­ni­scher Do­ku­men­te beim Bun­des­ar­beits­ge­richt nach § 46 b ArbGG i.V.m. den be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen nach der VO über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09. März 2006, BG-Blätter 2006 Teil I Nr. 12, aus­ge­ge­ben zu Bonn am 15. März 2006, wird hin­ge­wie­sen.

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Für die Be­klag­te ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

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