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Obers­ter Job-Ver­mitt­ler Wei­se wird auch Chef des Flücht­lings­am­tes

Er gilt als stur­mer­probt bei der Füh­rung ei­ner Rie­sen-Be­hör­de: Jetzt soll Ar­beits­agen­tur-Chef Wei­se auch das zu­letzt scharf kri­ti­sier­te Flücht­lings­amt BAMF ma­na­gen. Viel Ein­ar­bei­tungs­zeit gibt es nicht - auch, was die um­strit­te­ne Ver­schär­fung des Asyl­rechts be­trifft

19.09.2015. (dpa) - Der Chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA), Frank-Jür­gen Wei­se, über­nimmt auch die Lei­tung des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF).

Der 63-Jäh­ri­ge wer­de bei­de Auf­ga­ben "in Per­so­nal­uni­on" über­neh­men, teil­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) am Frei­tag in Ber­lin mit.

Bei­de Be­hör­den ha­ben ih­ren Sitz in Nürn­berg.

Der bis­he­ri­ge BAMF-Prä­si­dent Man­fred Schmidt war am Don­ners­tag "aus per­sön­li­chen Grün­den" zu­rück­ge­tre­ten.

Er war zu­letzt - wie auch In­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re - we­gen der schlep­pen­den Be­hand­lung von Asyl­an­trä­gen mas­siv in die Kri­tik ge­ra­ten.

"Herr Wei­se ge­hört zu den er­fah­rens­ten und bes­ten Be­hör­den­lei­tern, die wir in Deutsch­land ha­ben, zu den bes­ten öf­fent­li­chen Ma­na­gern", lob­te de Mai­ziè­re. "Er kann füh­ren, er kann ei­ne Be­hör­de mo­der­ni­sie­ren, er ist jetzt für die­se Auf­ga­be der Bes­te." Wei­se über­neh­me an­ge­sichts der jet­zi­gen La­ge ei­nes der schwie­rigs­ten Äm­ter, die die Bun­des­re­pu­blik zu ver­ge­ben ha­be.

Auch Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) nann­te Wei­se den rich­ti­gen Mann für die­se Auf­ga­be. Mit sei­ner gro­ßen Er­fah­rung sei er "ei­ner, der das eben auch noch zu­sätz­lich stem­men kann". Sie ha­be ihn da­her zu der Dop­pel­auf­ga­be er­mun­tert: "Es geht dar­um, die Ab­läu­fe bes­ser mit­ein­an­der zu ver­zah­nen."

Wei­se war be­reits von der Bun­des­re­gie­rung zum Flücht­lings­ko­or­di­na­tor be­ru­fen und dem zu­rück­ge­tre­te­nen BAMF-Chef Schmidt an die Sei­te ge­stellt wor­den. Der Ar­beits­stab soll ers­te Vor­schlä­ge schon auf dem Flücht­lings­gip­fel am 24. Sep­tem­ber vor­le­gen.

Bei dem Bund-Län­der-Gip­fel in der nächs­ten Wo­che geht es auch um die ge­plan­te Ver­schär­fung des Asyl­rechts. Mit Leis­tungs­kür­zun­gen sol­len Flücht­lin­ge zur Rück­kehr in je­ne EU-Staa­ten be­wegt wer­den, die sie zu­erst be­tre­ten ha­ben. Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen wer­fen der Bun­des­re­gie­rung vor, dass Zehn­tau­sen­de von Flücht­lin­gen künf­tig nur noch ei­ne Fahr­kar­te und Pro­vi­ant für die Rück­rei­se er­hal­ten soll­ten.

Der Spre­cher des In­nen­mi­nis­te­ri­ums be­ton­te, dies tref­fe für die al­ler­meis­ten Flücht­lin­ge, die in den letz­ten Wo­chen et­wa aus Sy­ri­en ge­kom­men sei­en, nicht zu. Das Ar­ti­kel­ge­setz mit vie­len Än­de­run­gen sei zu­dem noch in der Ab­stim­mung. Zie­le des Ge­set­zes­pa­kets sei­en: be­schleu­nig­te Asyl­ver­fah­ren, ver­ein­fach­te Rück­füh­rung, Be­sei­ti­gung von Fehl­an­rei­zen, fle­xi­ble­re Stan­dards beim Bau und Be­trieb von Un­ter­künf­ten so­wie ei­ne bes­se­re und schnel­le­re In­te­gra­ti­on.

Zu­gleich sol­len Aus­bil­dungs­hemm­nis­se ab­ge­baut wer­den. Nach An­ga­ben von Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­bri­el (SPD) sol­len ju­gend­li­che Asyl­be­wer­ber nach er­folg­rei­cher Leh­re auch bei ei­nem zwi­schen­zeit­lich ab­ge­lehn­ten Asyl­an­trag für min­des­tens zwei Jah­re ei­ne Ar­beits­er­laub­nis er­hal­ten kön­nen. Dies for­dert auch die Wirt­schaft.

In­ner­halb der gro­ßen Ko­ali­ti­on sei die Öff­nung für zwei Jah­re aber noch nicht ver­ab­re­det, sag­te Ga­bri­el. Bil­dungs­mi­nis­te­rin Jo­han­na Wan­ka (CDU) zu­fol­ge brau­chen Un­ter­neh­men die Si­cher­heit, dass sie Ju­gend­li­che in ei­ner Aus­bil­dung und in ei­nem Job auch hal­ten kön­nen.

Ei­nem Ein­wan­de­rungs­ge­setz für die­se Wahl­pe­ri­ode er­teil­te Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) ei­ne Ab­sa­ge. "In ei­ner Zeit, in der 800 000 Men­schen zu uns kom­men, kann ich zu­sätz­li­che Ein­wan­de­rung nicht ak­zep­tie­ren", sag­te er dem Ma­ga­zin "Fo­cus". Wenn die Wirt­schaft Fach­kräf­te wol­le, müs­se sie vor al­lem auf das vor­han­de­ne Po­ten­zi­al zu­rück­grei­fen.

Mit Blick auf Wei­ses künf­ti­gen Dop­pel-Job sag­te de Mai­ziè­re, an den Struk­tu­ren von BA und BAMF än­de­re sich nichts. Was das BAMF be­tref­fe, wer­de Wei­se ihm be­rich­ten, in BA-An­ge­le­gen­hei­ten Nah­les. Die Be­ru­fung Wei­ses sei auch kei­ne vor­über­ge­hen­de Lö­sung.

Nach den Wor­ten de Mai­ziè­res bringt Wei­se als BA-Vor­stands­chef wie kein an­de­rer Er­fah­run­gen aus dem Per­so­nal­ma­nage­ment so­wie bei der In­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt mit. "Bei­des brau­chen wir jetzt." Das Per­so­nal beim BAMF müs­se rasch auf­ge­stockt wer­den. Zu­dem müss­ten Ver­fah­ren er­heb­lich be­schleu­nigt und Flücht­lin­ge mit Blei­be-Per­spek­ti­ve er­folg­reich in­te­griert wer­den.

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Letzte Überarbeitung: 8. Oktober 2016

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