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Be­las­tet, be­fris­tet, be­droht - Öf­fent­li­cher Dienst im Blick­punkt

Im öf­fent­li­chen Dienst knirscht es: Gleich zu Jah­res­be­ginn rü­cken Ar­beits­be­din­gun­gen und Be­zah­lung in Äm­tern, Ki­tas und Ver­wal­tun­gen ins Blick­feld. Sor­gen be­rei­ten auch Ge­walt­ak­te ge­gen Be­schäf­tig­te

02.01.2015. (dpa) - Be­fris­te­te Jobs, Per­so­nal­not, ge­walt­tä­ti­ge At­ta­cken frus­trier­ter Bür­ger - die Ar­beit im öf­fent­li­chen Diens­tes ist aus Sicht der Ge­werk­schaf­ten oft un­ge­müt­lich, manch­mal so­gar ge­fähr­lich.

So will der Be­am­ten­bund (dbb) et­wa Mit­ar­bei­ter der Job­cen­ter bes­ser vor An­grif­fen ge­schützt se­hen.

Nach­druck will der dbb sei­nen For­de­run­gen auf sei­ner Jah­res­ta­gung Mit­te Ja­nu­ar in Köln ver­lei­hen.

Und zur Ta­rif­run­de mit den Län­dern brin­gen die Ge­werk­schaf­ten ein di­ckes For­de­rungs­bün­del mit - denn der öf­fent­li­che Dienst müs­se at­trak­ti­ver wer­den.

"Ob bei der Le­bens­mit­tel­kon­trol­le oder dem Ar­beits­schutz - über­all klaf­fen Lü­cken", sagt dbb-Chef Klaus Dau­der­städt. Auf pan­de­mi­sche Ri­si­ken wie Ebo­la könn­te der Ge­sund­heits­dienst nicht mehr an­ge­mes­sen re­agie­ren. "Der Kat­zen­jam­mer ist im­mer groß, wenn et­was pas­siert ist", meint er. "Wenn et­wa ei­ne Fa­brik in die Luft fliegt und sich dann her­aus­stellt, dass die Auf­sicht nur al­le paar Jah­re da war."

Alar­miert zeigt sich Dau­der­städt von Ge­walt ge­gen Mit­ar­bei­ter et­wa in Job­cen­tern. Erst im De­zem­ber wur­de ein 61 Jah­re al­ter Gut­ach­ter in Ro­then­burg ob der Tau­ber er­sto­chen. Ein 28-Jäh­ri­ger war den Er­mitt­lun­gen zu­fol­ge nach ei­nem Gut­ach­ter­ter­min vol­ler Wut in ein na­he ge­le­ge­nes Ge­schäft ge­gan­gen und war mit ei­nem Kü­chen­mes­ser als töd­li­cher Waf­fe zu­rück­ge­kehrt.

Der All­tag ge­ra­de im Job­cen­ter sei aber auch von vie­len klei­ne­ren An­grif­fen und An­fein­dun­gen von "Kun­den" ge­prägt, meint Dau­der­städt. "Es ist nicht nur ein­mal vor­ge­kom­men, dass je­mand sich vor dem Sach­be­ar­bei­ter auf­baut und über die Ak­ten auf dem Schreib­tisch pin­kelt." Mehr Si­cher­heit sei nö­tig. "Die Mit­ar­bei­ter dür­fen nicht in Ein­zel­bü­ros oh­ne Schutz­mög­lich­keit ver­steckt wer­den."

Die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di weist auf Be­din­gun­gen et­wa bei Pfle­ge­kräf­ten und Er­zie­he­rin­nen hin. Star­ke Be­las­tungs­mo­men­te bei ge­stie­ge­nen Qua­li­täts­an­for­de­run­gen präg­ten das Bild, meint Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke. "Gleich­zei­tig sind hier die Be­schäf­tig­ten über­pro­por­tio­nal mit be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trä­gen und vor al­lem in den Ki­tas mit Teil­zeit­ar­beits­plät­zen kon­fron­tiert." Vie­le kä­men oh­ne Zweit­job nicht über die Run­de. "Bei der Be­wer­tung die­ses be­deu­ten­den päd­ago­gi­schen Be­rufs stimmt et­was nicht."

Die For­de­run­gen für die an­ste­hen­de Ta­rif­run­de für die Län­der (oh­ne Hes­sen, das nicht in de­ren Ta­rif­ge­mein­schaft TdL ist): 5,5 Pro­zent mehr Ge­halt und wei­te­re spür­ba­re Ver­bes­se­run­gen. "Wir müs­sen den Ab­stand der Ta­rif­lohn­ent­wick­lung der Län­der zu je­ner der Ge­samt­wirt­schaft ver­rin­gern", so Bsirs­ke. "Und wir wol­len die Mög­lich­keit der sach­grund­lo­sen Be­fris­tung ta­rif­lich be­en­den." Ver­han­delt wird für 800 000 Lan­des­an­ge­stell­te. Die Ge­werk­schaf­ten wol­len auch die Über­tra­gung des Er­geb­nis­ses auf die 1,9 Mil­lio­nen Be­am­te und Pen­sio­nä­re.

Dau­der­städt räumt zwar ein, dass sich bei klam­men öf­fent­li­chen Haus­hal­ten Ge­halt und Per­so­nal im öf­fent­li­chen Dienst nicht ufer­los ent­wi­ckeln könn­ten. "Wir er­war­ten aber bei­des: Dass an­ge­mes­sen Schritt ge­hal­ten wird mit der Ta­rif­run­de mit dem Bund und den Kom­mu­nen, und dass die Per­so­nal­not in vie­len Be­rei­chen des öf­fent­li­chen Diens­tes nicht noch wei­ter ver­grö­ßert wird." In Bund und Kom­mu­nen klet­ter­ten die Ge­häl­ter ver­gan­ge­nes Jahr um 3 Pro­zent, 2015 sol­len sie noch­mals um 2,4 Pro­zent stei­gen.

Was die Län­der von den For­de­run­gen hal­ten, hat­te TdL-Chef Jens Bul­ler­jahn, der Fi­nanz­mi­nis­ter Sach­sen-An­halts, schon deut­lich ge­macht: we­nig bis nichts. Er mahnt, Er­fol­ge beim Spa­ren nicht zu un­ter­gra­ben: "Die Län­der mü­hen sich seit Jah­ren, ih­re Haus­hal­te in den Griff zu be­kom­men." Be­son­ders ve­he­ment lehnt Bul­ler­jahn die ge­for­der­te Min­dest­er­hö­hung von 175 Eu­ro ab.

Es dürf­te er­neut ein Ner­ven­kampf mit Nacht­sit­zun­gen wer­den. Start ist am 16. Fe­bru­ar. Nach dem Pro-for­ma-Be­ginn dürf­te wie­der erst ab der zwei­ten Run­de rich­tig ver­han­delt wer­den. "Wir wer­den den Druck zwi­schen der zwei­ten und drit­ten Run­de stei­gern", kün­digt Dau­der­städt an. Dass es mit der TdL kein Sch­lich­tungs­ab­kom­men ge­be, er­hö­he den Ei­ni­gungs­druck. "Wenn nach der drit­ten Run­de kein Kon­sens über die Ein­kom­mens­ent­wick­lung da sein soll­te, dro­hen re­la­tiv schnell ein Schei­tern, Ur­ab­stim­mun­gen und Ar­beits­kampf."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 26. August 2016

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