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Op­po­si­ti­on und Ver­bän­de kri­ti­sie­ren Pfle­ge­zeit als un­zu­rei­chend

An­ge­hö­ri­ge ge­hen oft über ih­re Gren­zen hin­aus, um et­wa Mut­ter oder Va­ter zu pfle­gen: Nun sol­len Be­rufs­tä­ti­ge da­zu mehr Zeit und Geld be­kom­men - aber nicht al­le in glei­chem Aus­maß

15.11.2014. (dpa) - Die Op­po­si­ti­on hat die ge­plan­ten Mög­lich­kei­ten, Pfle­ge und Be­ruf in Ein­klang zu brin­gen, als un­zu­rei­chend kri­ti­siert.

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) sprach bei der ers­ten Be­ra­tung ih­res Ge­setz­ent­wurfs am Frei­tag im Bun­des­tag da­ge­gen von ei­nem Schritt zur Fa­mi­li­en­ar­beits­zeit: "Wir ma­chen es mög­lich, ei­ne Zeit lang die Ar­beits­zeit zu re­du­zie­ren, um mehr Zeit für die Fa­mi­lie zu ha­ben."

Künf­tig sol­len Ar­beit­neh­mer bei ei­nem neu­en Pfle­ge­fall in der Fa­mi­lie zehn Ta­ge lang zur Or­ga­ni­sa­ti­on der Pfle­ge be­zahlt im Job pau­sie­ren kön­nen. Aus der Pfle­ge­kas­se sol­len da­für rund 100 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr flie­ßen. Bis zu zwei Jah­re kön­nen sie zu­dem künf­tig im Job kür­zer­tre­ten und ih­re Ar­beits­zeit auf bis zu 15 St­un­den re­du­zie­ren (Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit ge­nannt). Ein zins­lo­ses Dar­le­hen soll bis zur Hälf­te des da­durch feh­len­den Net­to­ge­halts ab­de­cken. Der be­reits be­ste­hen­de Rechts­an­spruch auf sechs Mo­na­te kom­plet­te, wenn auch un­be­zahl­te Aus­zeit (Pfle­ge­zeit ge­nannt) bleibt er­hal­ten. Auch da­für gibt es ein zins­lo­ses Dar­le­hen.

Der Lin­ken-Fa­mi­li­en­po­li­ti­ker Jörn Wun­der­lich be­män­gel­te, dass 5,6 Mil­lio­nen Men­schen bei der Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit leer aus­gin­gen. So vie­le Men­schen sei­en in Be­trie­ben mit we­ni­ger als 15 Mit­ar­bei­tern be­schäf­tigt - für die­se soll die Mög­lich­keit nicht gel­ten. Et­wa im Bau- und Gast­stät­ten­ge­wer­be sei je­der Zwei­te aus­ge­schlos­sen.

Auch die Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK, Ul­ri­ke Ma­scher, sag­te: "Da­durch wer­den Be­schäf­tig­te in die­sen Be­trie­ben mit ih­rer Pfle­ge­si­tua­ti­on al­lein­ge­las­sen und be­nach­tei­ligt."

Die Grü­nen-Pfle­ge­ex­per­tin Eli­sa­beth Schar­fen­berg kri­ti­sier­te, die zehn­tä­gi­ge be­zahl­te Aus­zeit dürf­te in vie­len Fäl­len kaum aus­rei­chen, um sich im Pfle­gedschun­gel zu­recht zu fin­den und al­les zu re­geln.

Auch dem Deut­schen Ge­werk­schafts­bund ge­hen die Plä­ne nicht weit ge­nug. DGB-Vi­ze El­ke Han­nack sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur, in­ak­zep­ta­bel sei, "dass das Fa­mi­li­en­pfle­ge­zeit­ge­setz nicht für die Be­am­tin­nen und Be­am­ten gel­ten soll". Für Be­am­te feh­le auch die zehn­tä­gi­ge Ent­gel­ter­satz­leis­tung. Die Bun­des­re­gie­rung ent­geg­ne­te, dies sei im Be­am­ten­recht zu re­geln. Ge­prüft wer­de der­zeit, wie die Re­ge­lun­gen dort über­tra­gen wer­den könn­ten.

Die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de warn­te vor un­nö­ti­gen Be­las­tun­gen für Be­trie­be: "Da die Un­ter­neh­men Mit­ar­bei­ter mit pfle­ge­be­dürf­ti­gen An­ge­hö­ri­gen schon heu­te mög­lichst durch pass­ge­naue und in­di­vi­du­el­le Re­ge­lun­gen un­ter­stüt­zen, ist kein neu­es bü­ro­kra­ti­sches Ge­setz not­wen­dig." Der neue Teil­zeit­an­spruch von bis zu zwei Jah­ren sei kos­ten­träch­tig und nur schwer hand­hab­bar.

Der Ge­schäfts­füh­rer des Pa­ri­tä­ti­schen Ge­samt­ver­ban­des, Ul­rich Schnei­der, lob­te das Ge­setz: "Wer mit­er­lebt hat, mit welch har­ten Ban­da­gen Wirt­schafts- und Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de hier zum Teil ge­kämpft ha­ben, um die­sen Rechts­an­spruch zu ver­hin­dern, weiß auch die po­li­ti­sche Leis­tung der Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin zu wür­di­gen."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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