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Ost­deut­sche ar­bei­ten län­ger

Zwei Wo­chen im Jahr ar­bei­ten Ost­deut­sche län­ger als West­deut­sche: Die Ge­werk­schaf­ten be­kla­gen, dass zu we­ni­ge Be­trie­be im Os­ten nach Ta­rif be­zah­len. Erst wenn sich das än­dert, müss­ten die Ost­deut­schen we­ni­ger ar­bei­ten, glau­ben Ge­werk­schaf­ter

29.03.2016. (dpa) - Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) sieht in der deut­lich ge­rin­ge­ren Ta­rif­bin­dung im Os­ten Deutsch­lands ei­nen Grund, wes­halb Ost­deut­sche län­ger ar­bei­ten als West­deut­sche.

Nur je­der zwei­te Er­werbs­tä­ti­ge fal­le im Os­ten un­ter ei­nen Ta­rif­ver­trag, sag­te der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des DGB Hes­sen-Thü­rin­gen, San­dro Witt, am Mon­tag auf An­fra­ge.

"Wer we­ni­ger ver­dient, ist mit­un­ter ge­zwun­gen, mehr zu ar­bei­ten."

Der Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro ha­be nicht da­zu bei­ge­tra­gen, das Ge­fäl­le bei den Ar­beits­zei­ten auf­zu­wei­chen, be­klag­te der Ge­werk­schaf­ter.

Laut ei­ner Un­ter­su­chung ha­ben die Be­schäf­tig­ten in Ost­deutsch­land im ver­gan­ge­nen Jahr zwei Wo­chen län­ger ge­ar­bei­tet als ih­re Kol­le­gen in den al­ten Bun­des­län­dern. Die Er­werbs­tä­ti­gen im Os­ten ka­men auf 1436 St­un­den, im Wes­ten auf 1359, wie die "Thü­rin­ger All­ge­mei­ne" (Sams­tag) be­rich­te­te. Das Blatt be­rief sich auf Da­ten des Ar­beits­krei­ses Er­werbs­tä­ti­gen­rech­nung des Bun­des und der Län­der. Die Ge­werk­schaft for­dert als Kon­se­quenz, die Zahl der Be­trie­be mit Ta­rif­bin­dung müs­se deut­lich stei­gen.

Nach An­sicht des DGB gibt es in Ost­deutsch­land "sehr viel un­nö­ti­ge Sonn­tags­ar­beit" im Ge­gen­satz zum Wes­ten. Sämt­li­che Dienst­leis­tun­gen, die nicht mit dem Men­schen im Zu­sam­men­hang stün­den, soll­ten nicht sonn­tags ver­rich­tet wer­den, for­der­te Witt. Als Bei­spiel ver­wies er auf die Pro­duk­ti­on von Scho­ko­la­de. "Sonn­tags­ar­beit trägt da­zu bei, dass die Ar­beits­zeit auf das Jahr ge­rech­net steigt." Im Os­ten wür­den Un­ter­neh­men zu we­nig kon­trol­liert, be­klag­te der Ge­werk­schaf­ter.

Der Ost-West-Ab­stand von et­wa zwei Wo­chen be­steht seit Jah­ren. Nach Aus­wer­tung der Zah­len von 2015 ist der Ab­stand zwi­schen ost- und west­deut­schen Er­werbs­tä­ti­gen um wei­te­re fünf Ar­beits­stun­den an­ge­wach­sen (2014 Ost: 1427; West: 1355). Die längs­te durch­schnitt­li­che Jah­res­ar­beits­zeit je Er­werbs­tä­ti­gen gab es dem­nach in Thü­rin­gen mit 1454 St­un­den, ge­folgt von Bran­den­burg (1444) und Sach­sen-An­halt (1431). Die nied­rigs­ten Wer­te wur­den für Nord­rhein-West­fa­len und das Saar­land (je­weils 1335) er­mit­telt.

Die Er­he­bung um­fasst al­le tat­säch­lich ge­leis­te­ten Ar­beits­stun­den von Selbst­stän­di­gen und Ar­beit­neh­mern, ein­schließ­lich Be­am­ten, Sol­da­ten, Teil­zeit­be­schäf­tig­ten und Mi­ni­job­bern. Nicht er­fasst wer­den zwar be­zahl­te, aber nicht ge­leis­te­te Ar­beits­stun­den wie Ur­laub, Krank­heit oder El­tern­zeit.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Juli 2016

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