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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Tarifvertrag
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt
Akten­zeichen: 3 Sa 186/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 18.02.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dessau-Roßlau, Urteil vom 26.03.2009, 10 Ca 338/08
   


Ak­ten­zei­chen:

3 Sa 186/09

10 Ca 338/08

ArbG Des­sau-Roßlau

verkündet am 18. Fe­bru­ar 2010



 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

SACHSEN-AN­HALT

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

 

- Be­ru­fungskläger und Kläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:

g e g e n

 

- Be­ru­fungs­be­klag­te und Be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter:

 

 

w e g e n Zeit­zu­schlägen für Ar­beit an Os­ter- und Pfingst­sonn­tag

hat die 3. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 18. Fe­bru­ar 2010 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt als Vor­sit­zen­de und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter als Bei­sit­zer

für R e c h t er­kannt:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts
vom 26. März 2009 – 10 Ca 338/08 - wird

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z u r ü c k g e w i e s e n .

2. Die Kos­ten der Be­ru­fung trägt der Kläger.

3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 


T a t b e s t a n d :

Die Par­tei­en strei­ten darüber, in wel­cher Höhe dem Kläger Zeit­zu­schläge für Ar­beit am Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag zu­ste­hen würden.

Der Kläger ist seit 5. März 1984 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgängern beschäftigt. Seit dem 1. Ok­to­ber 2008 ist er als An­la­gen­fah­rer / Mon­teur tätig. Der Kläger ar­bei­tet im Schicht­dienst. Sein mo­nat­li­che Ar­beits­lohn hat zu­letzt 2.287,49 € brut­to zuzüglich ei­ner Aus­gleichs­zah­lung in Höhe von 33,86 € brut­to be­tra­gen.

Die recht­li­che Grund­la­ge des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en bil­det der Ar­beits­ver­trag vom 1. Ok­to­ber 1990 in der Fas­sung des Ände­rungs­ver­tra­ges vom 16. No­vem­ber 2007. Der Ände­rungs­ver­trag vom 16. No­vem­ber 2007 lau­tet aus­zugs­wei­se:

„Die Ein­grup­pie­rung ab 01.01.2008 nach TV-V in Ent­gelt­grup­pe: 5 Stu­fe: 5
Die Ein­grup­pie­rung er­folgt auf der Grund­la­ge der An­la­ge 1 zum TV-V (Ein­grup­pie­rung von Ar­beit­neh­mern in Ver­sor­gungs­be­trie­ben).
Zusätz­lich erhält der Mit­ar­bei­ter ei­ne Aus­gleichs­zah­lung zum .....

Al­le übri­gen Be­din­gun­gen rich­ten sich nach dem TV-V in der je­weils gülti­gen Fas­sung.“

Der Ta­rif­ver­trag Ver­sor­gungs­be­trie­be (TV-V) gilt bei der Be­klag­ten seit dem 1. April 2002. Bis zum 31. März 2002 fand der BMT-G-O An­wen­dung.
Die Be­klag­te be­merk­te erst im Jah­re 2008, dass sie es versäumt hat­te, nach der Ablösung des BMT-G-O durch den TV-V den Fei­er­tags­ka­len­der in ih­rem Ab­rech­nungs­sys­tem zu kor­ri­gie­ren. Die­ses Versäum­nis führ­te da­zu, dass die Be­klag­te über den 1. April 2002 hin­aus in den Ka­len­der­jah­ren 2002 bis ein­sch­ließlich 2007 für die Ar­beit am Os­ter- und Pfingst­sonn­ta­gen wei­ter­hin Zeit­zu­schläge in Höhe von 135 % zahl­te. Im Jahr 2008 zahl­te die Be­klag­te für am Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag ge­leis­te­te Ar­beit nach § 10 Nr. 1 c)

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TV-V Zeit­zu­schläge in Höhe von 25 % des auf ei­ne St­un­de ent­fal­len­den An­teils des mo­nat­li­chen Ent­gelts der Stu­fe 1 der je­wei­li­gen Ent­gelt­grup­pe des Ar­beit­neh­mers.

Der Kläger ar­bei­te­te nach dem 1. Ja­nu­ar 2008 we­der am Os­ter­sonn­tag noch am Pfingst­sonn­tag. Er ver­tritt ge­mein­sam mit an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Be­klag­ten die Auf­fas­sung, dass es sich bei Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag um Fei­er­ta­ge han­de­le, so dass für Ar­beit an die­sen Ta­gen auch nach dem TV-V ein Zeit­zu­schlag in Höhe von 135 % des Stun-den­loh­nes zu zah­len sei.

Der Kläger hat am 13. No­vem­ber 2008 beim Ar­beits­ge­richt Kla­ge mit dem An­trag er­ho­ben,

fest­zu­stel­len, dass der Kläger für tatsächli­che Ar­beits­leis­tun­gen an Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag ne­ben dem Ent­gelt Zeit­zu­schläge in Höhe von 135 % gemäß dem Ta­rif­ver­trag für Ver­sor­gungs­be­trie­be erhält.

Von der wei­te­ren Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG ab­ge­se-hen und auf die Dar­stel­lung des Tat­be­stan­des im Ur­teil des Ar­beits­ge­richts vom 26. März 2009 – 10 Ca 338/08 – (S. 2 bis 4 des Ur­teils = Bl. 61 bis 63 d. A.) ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Zur Be­gründung sei­ner Ent­schei­dung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, der Kläger ha­be nach dem TV-V für Ar­bei­ten am Os­ter- und am Pfingst­sonn­tag kei­nen An­spruch auf Zeit­zu­schläge in Höhe von 135 %. Gemäß § 10 Nr. 1 d) TV-V wer­de der Zu­schlag von 135 % nur für Fei­er­tags­ar­beit ge­zahlt. In § 2 des Fei­er­tags­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-An­halt sei­en der Os­ter- und der Pfingst­sonn­tag nicht als staat­lich an­er­kann­te Fei­er­ta­ge ge­nannt. Den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sei of­fen­sicht­lich be­wusst ge­we­sen, dass der Os­ter- und der Pfingst­sonn­tag kei­ne ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge sei­en, da sie in § 22 BMT-G-O die­se bei­den Sonn­ta­ge aus­drück­lich ne­ben den ge­setz­li­chen Wo­chen­fei­er­ta­gen erwähnt und für die­se Ta­ge eben­falls den erhöhten Zu­schlag von 135 % ge­re­gelt hätten. Dar­aus, dass die glei­chen Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in § 10 TV-V nur noch von Fei­er­tags­ar­beit sprächen und den Os­ter- und den Pfingst­sonn­tag nicht aus­drück­lich als zu­schlags­pflich­tig erwähn­ten, fol­ge, dass nach ih­rem Wil­len für die­se bei­den Sonn­ta­ge kein Fei­er­tags­zu­schlag ge­zahlt wer­den sol­le. Auch die Re­ge­lung in § 8 Nr. 3 TV-V zur Ver­min­de­rung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit an ge­setz­li­chen Fei­er­ta­gen, die auf ei­nen Werk­tag fie­len, spre­che nicht für die An­sicht

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des Klägers. Die Ver­wen­dung des Be­grif­fes „ge­setz­li­cher Fei­er­tag“ in § 8 Nr. 3 TV-V ge­be nichts her für die Aus­le­gung des § 10 TV-V. Der Kläger ha­be auch kei­nen An­spruch auf Zah­lung des erhöhten Zeit­zu­schla­ges für Ar­beit am Os­ter- und Pfingst­sonn­tag auf­grund be­trieb­li­cher Übung.

We­gen der Ein­zel­hei­ten der Ent­schei­dungs­gründe wird auf die Sei­ten 4 bis 8 des Ur­teils vom 26. März 2009 (Bl. 63, 64 d. A.) ver­wie­sen.

Ge­gen das ihm am 14. April 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 14. Mai 2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am Mon­tag, den 15. Ju­ni 2009, be­gründet.

Der Kläger nimmt auf sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen Be­zug. Er rügt zunächst die Ver­let­zung recht­li­chen Gehörs, weil das Ar­beits­ge­richt, ob­wohl er auf die ein­schlägi­ge Recht­spre­chung hin­ge­wie­sen ha­be, sich nicht da­mit aus­ein­an­der­ge­setzt ha­be, dass der Zweck der Zu­schlags­re­ge­lung maßgeb­lich für die Be­ur­tei­lung sei, ob die Fei­er­tags­ar­beit mit Fei­er­tags­zu­schlägen oder mit ei­nem et­waig ge­rin­ge­ren Sonn­tags­zu­schlag zu ent­loh­nen sei, und dass in Fällen, in wel­chen das Er­schwer­nis der Fei­er­tags­ar­beit ho­no­riert wer­den sol­le, der höhe­re Fei­er­tags­zu­schlag zu zah­len sei. Er ist der Auf­fas­sung, dass der Hin­weis des Ar­beits­ge­richts auf das Fei­er­tags­ge­setz des Lan­des Sach­sen-An­halt un­zulässig sei. Denn aus­weis­lich des TV-V sei ge­re­gelt, dass ent­spre­chen­de Zu­schläge für Fei­er­ta­ge „an sich“ ge­zahlt wer­den soll­ten. Das Er­schwer­nis der Fei­er­tags­ar­beit sei in je­dem Fall ge­ge­ben, da auf Os­ter­sonn­tag der Os­ter­mon­tag und auf Pfingst­sonn­tag der Pfingst­mon­tag fol­ge, wo­durch für den Ar­beit­neh­mer ein verlänger­tes Wo­chen­en­de ge­ge­ben sei. Hier­von sei­en die Sonn­ta­ge zu dif­fe­ren­zie­ren, auf die re­gelmäßig am Mon­tag kein wei­te­rer Fei­er­tag fol­ge. In § 2 Abs. 1 des Fei­er­tags­ge­set­zes für das Land Bran­den­burg sei­en der Os­ter- und der Pfingst­sonn­tag als Fei­er­ta­ge be­nannt. Da der TV-V bun­des­weit auf die Ver­sor­gungs­be­trie­be An­wen­dung fin­de, würde das Ab­stel­len auf das Fei­er­tags­ge­setz des Lan­des Sach­sen-An­halt zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung und so­mit zum Ver­s­toß ge­gen Art. 3 GG führen. Eben­so ge­be die steu­er­li­che Be­hand­lung der Ar­beit an Os­ter- und Pfingst­sonn­ta­gen ei­ne An­scheins­be­weis dafür, dass von den herkömmli­chen Fei­er­ta­gen, al­so auch von sol­chen, die nicht ge­setz­lich no­mi­niert sei­en, aus­zu­ge­hen sei. Fer­ner be­ste­he ein An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung. Die Be­klag­te ha­be nicht vor­ge­tra­gen, in der An­nah­me des Nor­men­voll­zugs Leis­tun­gen getätigt zu ha­ben. Der Kläger be­strei­tet, dass es der Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en des TV-V ge­we­sen sei, die Zeit­zu­schläge ge­genüber de­nen nach den bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen des BAT-O/BMT-G-O spürbar zu re­du­zie­ren.

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Dem Re­gel­werk des TV-V sei das nicht zu ent­neh­men. Die Re­ge­lung in § 10 Abs. 1 TV-V neh­me nicht „ge­setz­li­che Fei­er­tag“, son­dern „Fei­er­ta­ge“ in Be­zug.

Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des am 26.03.2009 verkünde­ten Ur­teils des Ar­beits­ge­richts, Az. 10 Ca 338/08, fest­zu­stel­len, dass der Kläger für tatsächli­che Ar­beits­leis­tung an Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag ne­ben dem Ent­gelt Zeit­zu­schläge für Fei­er­tags­ar­beit in Höhe von 135 % gemäß dem Ta­rif­ver­trag für Ver­sor­gungs­be­trie­be erhält.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

1. die Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes vom 26. März 2009, Az. 10 Ca 338/08, als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen,

2. dem Be­ru­fungskläger die Kos­ten des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens auf­zu­er­le­gen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts. Sie weist dar­auf hin, dass u. a. die ra­di­ka­le Ein­schränkung des bis da­hin im öffent­li­chen Dienst im BAT-O/BMT-G-O ent­wi­ckel­ten und prak­ti­zier­ten „Zu­schlags­un­we­sens“ das Ziel des TV-V ge­we­sen sei. Der TV-V sei für die Ta­rif­ver­hand­lun­gen zum Ab­schluss des TVöD, der am 1. Ok­to­ber 2005 im öffent­li­chen Dienst in Kraft ge­tre­ten sei, bei­spiel­ge­bend ge­we­sen. Des­halb spie­ge­le sich die Ver­ein­fa­chung und Re­du­zie­rung der Zeit­zu­schläge des § 10 Abs. 1 TV-V auch in § 8 Abs. 1 TVöD vom 13.09.2005 wie­der. Der TV-V ent­hal­te in § 9 und in § 10 kei­ne De­fi­ni­ti­on des Be­griffs „Fei­er­tag“ oder „Fei­er­tags­ar­beit“. Un­ter „Fei­er­ta­gen“ sei­en im Sin­ne der ge­wer­be­recht­li­chen und ar­beits­recht­li­chen Be­stim­mun­gen nur die ge­setz­li­chen (staat­lich an­er­kann­ten) Fei­er­ta­ge zu ver­ste­hen. Wel­che Ta­ge ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge sei­en, be­stimm­ten grundsätz­lich die ein­zel­nen Bun­desländer. Die­se Recht­la­ge sei den Par­tei­en des TV-V be­wusst ge­we­sen. Auch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil vom 13. April 2005 – 5 AZR 475/04) sei­en die ta­rif­li­chen Fei­er­tags­zu­schläge grundsätz­lich an die ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge am Beschäfti­gungs­ort an­zu­knüpfen, wenn ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen nicht deut­lich er­kenn­bar sei­en. Für die Be­klag­te gel­te der Grund­satz des Nor­men­voll­zugs, so dass aus ei­ner vorüber­ge­hen­den feh­ler­haf­ten Ab­rech­nung bzw. fal­schen Ge­set­zes- bzw. Ta­rif­an­wen­dung kei­ne be­trieb­li­che Übung ent­ste­hen könne. Mit dem Fei­er­tags­ge­setz des Lan­des Sach­sen-An­halt ha­be sie sich nicht be­fasst ge­habt und Os­ter- so­wie Pfingst­sonn­tag für ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge ge­hal­ten. Aus der In­be­zug­nah­me von steu­er­recht­li­chen Re­ge­lun­gen ließen sich kei­ne ta­rif­ver­trag­li­chen Ansprüche her­lei­ten.

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We­gen der Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in der Be­ru­fungs­in­stanz wird auf die Be­ru­fungs­be­gründung vom 15.06.2009 und den Schrift­satz des Klägers vom 14.09. 2009, die Be­ru­fungs­be­ant­wor­tung vom 24.08.2009 nebst An­la­gen und auf das Pro­to­koll vom 18.02.2010 Be­zug ge­nom­men.

 

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

I. Die statt­haf­te Be­ru­fung des Klägers ist frist- und form­ge­recht beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Sach­sen-An­halt ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 8 Abs. 2, 64 Abs. 1, 2 lit. a) u. 6 Satz 1, 66 Abs. 1 ArbGG i. V. m. §§ 519, 520, ZPO). Die Be­ru­fung ist zulässig.

II. Die Be­ru­fung des Klägers ist nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht ab­ge­wie­sen. Der Kläger hat für Ar­beit am Os­ter- und am Pfingst­sonn­tag kei­nen An­spruch auf Zeit­zu­schläge für Fei­er­tags­ar­beit.

1. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, dass der Kläger, soll­te er am Os­ter- bzw. am Pfingst­sonn­tag ar­bei­ten, kei­nen ta­rif­li­chen An­spruch auf Zeit­zu­schläge für Fei­er-tags­ar­beit nach § 10 Nr. 1 d) TV-V hat, weil Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag im Land Sach­sen-An­halt kei­ne ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge sind.

1.1. Hin­sicht­lich der Ar­beit an Sonn- und Fei­er­ta­gen und ih­rer Vergütung enthält der Ta­rif-ver­trag Ver­sor­gungs­be­trie­be (TV-V) i. d. F. des 4. Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges vom 31. März 2008 fol­gen­de Re­ge­lun­gen, die vor­lie­gend von In­ter­es­se sind:

„§ 10 Aus­gleich für Son­der­for­men der Ar­beit

1. Der Ar­beit­neh­mer erhält ne­ben dem Ent­gelt für die tatsächli­che Ar­beits­leis­tung
Zeit­zu­schläge. Sie be­tra­gen je St­un­de

a) für Über­stun­den 30 v. H.
b) für Nacht­ar­beit 25 v. H.
c) für Sonn­tags­ar­beit 25 v. H.
d) für Fei­er­tags­ar­beit 135 v. H.
e) für Ar­beit am 24. De­zem­ber und am 31. De­zem­ber 40 v. H.
f) für Ar­beit an Sams­ta­gen ab 13.00 Uhr, so­weit die­se nicht im Rah­men von Wech­sel- und Schicht­ar­beit anfällt, 20 v. H.

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des auf ei­ne St­un­de ent­fal­len­den An­teils des mo­nat­li­chen Ent­gelts der Stu­fe 1 der je­wei­li­gen Ent­gelt­grup­pe nach Maßga­be der An­la­gen 3a und 3b.

Beim Zu­sam­men­tref­fen von Zeit­zu­schlägen nach Satz 2 Buchst. c bis f wird nur der höchs­te Zeit­zu­schlag ge­zahlt. ......“


Der bis zum 31. März 2002 bei der Be­klag­ten gültig ge­we­se­ne BMT-G-O ent­hielt hin­sicht-lich der Ar­beit an Sonn- und Fei­er­ta­gen und ih­rer Vergütung in § 22 fol­gen­de Re­ge­lung:

㤠22

Zeit­zu­schläge

(1) Für die in Satz 2 ge­nann­ten Ar­bei­ten erhält der Ar­bei­ter Zeit­zu­schläge. Sie be­tra­gen je St­un­de

a) für die Ar­beit an Sonn­ta­gen 30 v. H.
b) für nicht­dienst­planmäßige Sonn­tags­ar­beit, die kei­ne Über­stun­den­ar­beit ist 50 v. H.
c) für Ar­beit an

aa) ge­setz­li­chen Wo­chen­fei­er­ta­gen so­wie am
Os­ter­sonn­tag und Pfingst­sonn­tag
- oh­ne Frei­zeit­aus­gleich 135 v. H.
- bei Frei­zeit­aus­gleich 35 v. H.

d) ......

des auf die Ar­beits­stun­de um­ge­rech­ne­ten Mo­nats­grund­loh­nes der Stu­fe 1 der je­wei­li­gen Lohn­grup­pe.“

1.2. Die Par­tei­en strei­ten über die Aus­le­gung des § 10 Abs. 1 TV-V, ins­be­son­de­re darüber wie der Be­griff „Fei­er­tag“ im ta­rif­li­chen Sin­ne aus­zu­le­gen ist.

a) Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts folgt die Aus­le­gung der nor­ma­ti­ven Be­stim­mun­gen ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges den für die Aus­le­gung von Ge­set­zen gel­ten­den Re­geln. Da­nach ist un­ter Be­ach­tung des Sprach­ge­brauchs und der Gram­ma­tik zunächst vom Ta­rif­wort­laut aus­zu­ge­hen. Über den rei­nen Ta­rif­wort­laut hin­aus ist der wirk-li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit zu berück­sich­ti­gen, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Hier­zu ist auf den ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang ab­zu­stel­len. Führt dies zu kei­nem zwei­fels­frei­en Aus­le­gungs­er­geb­nis, dann können die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen oh­ne Bin­dung an ei­ne Rei­hen­fol­ge wei­te­re Kri­te­ri­en wie die Ta­rif­ge­schich­te, die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des je­wei­li­gen Ta­rif­ver­tra­ges, die prak­ti­sche Ta­rifübung ergänzend her­an­zie­hen (u. a. BAG vom 12. Sep­tem­ber 1984 – 4 AZR 336/82 –, AP Nr. 135 zu § 1 TVG Aus­le­gung). Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Ta­rif­aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner vernünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und

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prak­tisch brauch­ba­ren Re­ge­lung führt (BAG vom 9. Fe­bru­ar 2006 – 6 AZR 281/05 –, ZTR 2006, 545).

b) § 10 Nr. 1 d) TV-V be­gründet den An­spruch auf ei­nen Zeit­zu­schlag in Höhe von 135 % des auf ei­ne St­un­de ent­fal­len­den An­teils des mo­nat­li­chen Ent­gelts der Stu­fe 1 der je­wei­li-gen Ent­gelt­grup­pe des Ar­beit­neh­mers für Ar­beit an Fei­er­ta­gen. Der Be­griff „Fei­er­tag“ ist im TV-V nicht de­fi­niert.

Bei der Aus­le­gung des Be­griffs „Fei­er­tag“ ist vor al­lem an den Sprach­ge­brauch an­zu­knüpfen. Ursprüng­lich be­deu­tet Fei­er­tag „der für re­li­giöse Hand­lun­gen be­stimm­te Tag“. Heu­te ist der Be­griff da­hin um­zu­schrei­ben, dass es sich um ei­nen jähr­lich wie­der­keh­ren­den kirch­li­chen oder welt­li­chen Ge­denk­tag han­delt, an dem nicht ge­ar­bei­tet wird (Brock­haus/ Wah­rig, Deut­sches Wörter­buch, Bd. 16, S. 693 „Fei­er­tag“). Grundsätz­lich wer­den die Fei­er­ta­ge ge­setz­lich von den Bun­desländern fest­ge­legt (Art. 70 Abs. 1 GG). Bun­des­ge­setz­lich ist al­lein der 3. Ok­to­ber als „Tag der deut­schen Ein­heit“ ge­setz­li­cher Fei­er­tag. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers ist es al­ler­dings vor­der­gründig nicht Zweck der ge­setz­li­chen bzw. staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge, die zu­gleich Fei­er­ta­ge im Sin­ne der ge­wer­be­recht­li­chen und ar­beits­recht­li­chen Be­stim­mun­gen sind, den Ar­beit­neh­mern durch die Schaf­fung zeit­lich un­mit­tel­bar auf­ein­an­der fol­gen­der Fei­er­ta­ge ei­nen zusätz­li­chen Ur­laub zu ver­schaf­fen. Da die Fei­er­tags­re­ge­lun­gen der Bun­desländer zum öffent­li­chen Ar­beits­recht gehören, das auf der Re­ge­lungs­kom­pe­tenz des Lan­des auf sei­nem Ge­biet be­ruht, gilt das Fei­er­tags-recht des je­wei­li­gen Ar­beits­or­tes. Ta­rif­li­che Fei­er­tags­zu­schläge knüpfen da­her grundsätz­lich an die ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge am Beschäfti­gungs­ort an, es sei denn, es sind ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen aus­rei­chend deut­lich er­kenn­bar (BAG vom 13. April 2005 – 5 AZR 475/04 -, AP Nr. 192 zu § 1 TVG Aus­le­gung).

Hier­aus folgt, dass sich auch § 10 Nr. 1 d) TV-V nur auf die ge­setz­li­chen bzw. staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge am Ort des Beschäfti­gungs­be­trie­bes bzw. am Beschäfti­gungs­ort des Ar­beit­neh­mers, nicht je­doch auf Fei­er­ta­ge an sich be­zieht. Je­den­falls enthält der TV-V kei­ne ab­wei­chen­den, deut­lich er­kenn­ba­ren Re­ge­lun­gen, nach de­nen Fei­er­tags­zu­schläge für Ar­beit an nur kirch­li­chen Fei­er­ta­gen, die nicht zu­gleich staat­lich an­er­kann­te bzw. ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge sind, ge­zahlt wer­den sol­len.

Im Bun­des­land Sach­sen-An­halt re­gelt § 2 des Ge­set­zes über die Sonn- und Fei­er­ta­ge (Fei­ertG LSA) i. d. F. der Be­kannt­ma­chung vom 25.08.2004 wel­che Fei­er­ta­ge staat­lich an­er­kann­te Fei­er­ta­ge sind. Da­nach gibt es 11 staat­lich an­er­kann­te Fei­er­ta­ge, und zwar

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den 1. Ja­nu­ar als Neu­jahrs­tag, den 6. Ja­nu­ar als Tag der Hei­li­gen Drei Köni­ge, den Kar­frei­tag, den Os­ter­mon­tag, den 1. Mai, den Tag Chris­ti Him­mel­fahrt, den Pfingst­mon­tag, den 3. Ok­to­ber als Tag der Deut­schen Ein­heit, den 31. Ok­to­ber als Re­for­ma­ti­ons­tag, den 1. und der 2. Weih­nachts­fei­er­tag. Der Os­ter­sonn­tag und der Pfingst­sonn­tag sind wie in den meis­ten Bun­desländern auch in Sach­sen-An­halt kei­ne staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge. Folg­lich be­gründet an die­sen bei­den Sonn­ta­gen ge­leis­te­te Ar­beit kei­nen ta­rif­li­chen An­spruch auf Fei­er­tags­zu­schlag nach § 10 Nr. 1 d) TV-V.

Die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis wird von der Ent­ste­hungs­ge­schich­te des TV-V gestützt. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, die den TV-V ab­schlos­sen, wa­ren die­sel­ben Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, die auch den BMT-G/BMT-G-O ab­ge­schlos­sen hat­ten. Ein Ver­gleich des Wort­lau­tes des § 22 Abs. 1 BMT-G-O mit dem § 10 Nr. 1 TV-V zeigt, dass es den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en durch-aus be­wusst war, dass der Os­ter- so­wie der Pfingst­sonn­tag in den ein­zel­nen Bun­desländern in der Re­gel kei­ne staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge sind. Des­halb war in § 22 Abs. 1 c) BMT-G-O aus­drück­lich ge­re­gelt, dass für die Ar­beit am Os­ter­sonn­tag und am Pfingst­sonn­tag Zeit­zu­schläge in glei­cher Höhe wie für die Ar­beit an ge­setz­li­chen Wo­chen­fei­er­ta­gen zu gewähren sind. Wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nun in § 10 Nr. 1 TV-V Zeit­zu­schläge für Ar­beit am Os­ter­sonn­tag und am Pfingst­sonn­tag nicht mehr re­geln, zeigt das, dass nach ih­rem Wil­len für Ar­beit an die­sen bei­den Sonn­ta­gen Zeit­zu­schläge in Höhe von 25 % wie für Ar­beit an an­de­ren Sonn­ta­gen gewährt wer­den sol­len und ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung des Zeit­zu­schlags für Sonn­tags­ar­beit und des Zeit­zu­schlags für Os­ter­sonn­tags- bzw. Pfingst­sonn­tags­ar­beit nicht wei­ter ge­wollt ist.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers führt die Berück­sich­ti­gung des Wort­lauts des § 8 Nr. 3 TV-V zu kei­nem an­de­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis. Auch wenn in § 8 Nr. 3 TV-V der Be­griff „ge­setz­li­cher Fei­er­tag“ und in § 10 Nr. 1 d) TV-V der Be­griff „Fei­er­tag“ ver­wen­det wird, be­sagt das nicht, dass die Re­ge­lung des § 10 Nr. 1 d) TV-V nach dem Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sämt­li­che re­li­giösen und welt­li­chen Fei­er­ta­ge im Bun­des­ge­biet um­fas­sen soll. Die Ver­wen­dung des Be­griffs „ge­setz­li­cher Fei­er­tag“ in § 8 Nr. 3 TV-V ist al­lein der Tat­sa­che ge­schul­det, dass dienst­planmäßige Ar­beits­zeit nur ausfällt, wenn sie für ei­nen ge­setz­li­chen Fei­er­tag, der auf ei­nen Werk­tag fällt, ge­plant ist und da­durch die re­gelmäßige Ar­beits­zeit, wie sie in § 8 Nr. 1 TV-V de­fi­niert ist, ver­min­dert. Dienst­planmäßige Ar­beits­zeit kann hin­ge­gen nicht aus­fal­len, wenn ein ge­setz­li­cher Fei­er­tag auf ei­nen Sonn­tag fällt.

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d) So­weit der Kläger meint, dass es, weil der TV-V bun­des­weit An­wen­dung fin­de, zu ei­ner Un­gleich­be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer kom­me, wenn vor­lie­gend die ta­rif­li­chen Fei­er­tags­zu­schläge an das Ge­setz über die Sonn- und Fei­er­ta­ge (Fei­ertG LSA) an­knüpften, ver­kennt er, dass der Gleich­heits­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG be­zo­gen auf ein und das­sel­be Ho­heits­ge­biet (Bun­des­land) gilt. Da für je­den Ar­beit­neh­mer das Fei­er­tags­recht sei­nes Ar­beits­or­tes gilt, ist die Gleich­be­hand­lung gewähr­leis­tet.

e) Die Rüge des Klägers, das Ar­beits­ge­richt ha­be sich nicht da­mit aus­ein­an­der­ge­setzt, dass „maßgeb­lich für die Be­ur­tei­lung, ob die Fei­er­tags­ar­beit mit Fei­er­tags­zu­schlag oder mit ei­nem et­waig ge­rin­ge­ren Sonn­tags­zu­schlag zu ent­loh­nen sei, der Zweck der Zu­schlags­re­ge­lung sei, dass in Fällen, in wel­chen das Er­schwer­nis der Fei­er­tags­ar­beit ho­no­riert wer­den sol­le, der höhe­re Fei­er­tags­zu­schlag zu zah­len sei“, ist un­be­gründet. Das Ge­richt muss sich nicht mit je­der vor­ge­brach­ten Ein­wen­dung ei­ner Par­tei aus­ein­an­der­set­zen, son­dern nur mit ei­ner für die Ent­schei­dung er­heb­li­chen. Darüber hin­aus gibt der Kläger mit sei­ner Rüge zu er­ken­nen, dass er die zi­tier­te Recht­spre­chung miss­ver­steht. Denn nur dann, wenn es an ei­ner kol­lek­tiv­ver­trag­li­chen oder ein­zel­ver­trag­li­chen Re­ge­lung für den Fall, in dem Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit auf ei­nen Tag fal­len, fehlt, kommt es auf den Zweck der Zu­schlags­gewährung an. Ein sol­cher Fall ist vor­lie­gend zum ei­nen nicht ge­ge­ben. Os­ter­sonn­tag und an Pfingst­sonn­tag be­tref­fend, tref­fen kei­ne Zeit­zu­schläge für Son­der­for­men der Ar­beit zu­sam­men. Zum an­de­ren re­gelt § 10 Nr. 1 Satz 3 TV-V ein­deu­tig, dass beim Zu­sam­men­tref­fen von Zeit­zu­schlägen nach Satz 2 Buch­sta­be c bis f nur der höchs­te Zeit­zu­schlag ge­zahlt wird.

2. Für am Os­ter- so­wie am Pfingst­sonn­tag ge­leis­te­te Ar­beit hat der Kläger auch kei­nen An­spruch auf ei­nen Zeit­zu­schlag für Fei­er­tags­ar­beit aus be­trieb­li­cher Übung.

a) In der be­trieb­li­chen Pra­xis ent­wi­ckeln sich häufig Ge­wohn­hei­ten und Bräuche, die das Le­ben des Be­triebs mit ge­wis­ser Ge­setzmäßig­keit be­stim­men. Die­se Vorgänge blei­ben nicht oh­ne Aus­wir­kung, son­dern er­wa­chen zur be­trieb­li­chen Übung. Prak­ti­sche Be­deu­tung ha­ben Be­triebsübun­gen vor al­lem, wenn der Ar­beit­ge­ber auf ih­rer Grund­la­ge sei­nen Ar­beit­neh­mern Leis­tun­gen gewährt, die nicht durch Ge­setz, Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ein­zel­ar­beits­ver­trag fest­ge­legt sind. Un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung ist die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers zu ver­ste­hen, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen können, dass ih­nen ei­ne Leis­tung oder ei­ne Vergüns­ti­gung auf Dau­er gewährt wer­den soll (BAG vom 13. No­vem­ber 1986 – 6 AZR 567/83 -, AP Nr. 27 zu § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung). Für die Ent­ste­hung ei­ner be­trieb­li-

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chen Übung ist ein Ver­pflich­tungs­wil­le des Ar­beit­ge­bers er­for­der­lich. Da­bei kommt es nicht auf die sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen des Ar­beit­ge­bers, son­dern auf den aus dem Ver­hal­ten des Ar­beit­ge­bers zu schließen­den Wil­len an. Glaubt der Ar­beit­ge­ber irrtümlich auf­grund ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges oder ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Gewährung ei­ner Leis­tung ver­pflich­tet zu sein und er­kennt der Ar­beit­neh­mer, dass der Ar­beit­ge­ber sich nur norm­gemäß ver­hal­ten will, so kann der Ar­beit­ge­ber sei­ne Leis­tung für die Zu­kunft ein­stel­len, da es an ei­nem wirk­sa­men Ver­pflich­tungs­tat­be­stand fehlt (u. a. BAG vom 8. No­vem­ber 1957 – 1 AZR 123/56 -, AP 2 zu § 242 BGB Be­trieb­li­che Übung; BAG vom 1. De­zem­ber 1967 – 3 AZR 90/67 -, AP 26 zu § 1 Fei­er­tags­lohn­zah­lungsG; BAG vom 17. März 2010 – 5 AZR 317/09 – BAG Pres­se­mit­tei­lung Nr. 20/10).

b) Vor­lie­gend schei­det ein An­spruch des Klägers auf Fei­er­tags­zu­schlag nach § 10 Nr. 1 d TV-V in Höhe von 135 % für am Os­ter- bzw. Pfingst­sonn­tag ge­leis­te­te Ar­beit aus be­trieb­li­cher Übung aus. Denn die Be­klag­te zahl­te ih­ren Ar­beit­neh­mern für Ar­beit am Os­ter- und am Pfingst­sonn­tag irrtümlich über den 1. April 2002 hin­aus Fei­er­tags­zu­schläge in Höhe von 135 %. Sie han­del­te in der Über­zeu­gung, dass es sich bei dem Os­ter- und dem Pfingst­sonn­tag um ge­setz­li­che Fei­er­ta­ge, da­mit um Fei­er­ta­ge im ta­rif­li­chen Sin­ne han­de­le und änder­te des­halb die Ein­ga­be der Fei­er­ta­ge in ih­rem Lohn­ab­rech­nungs­sys­tem nicht. Die Be­klag­te erfüll­te aus ih­rer Sicht und auch aus der Sicht ih­rer Ar­beit­neh­mer le­dig­lich ih­re ver­meint­li­che ta­rif­li­che Ver­pflich­tung, oh­ne über­ta­rif­li­che Ansprüche zu be­gründen. Dass die Be­klag­te mit der Zah­lung von Fei­er­tags­zu­schlägen in Höhe von 135 % für an Os­ter- und Pfingst­sonn­ta­gen ge­leis­te­te Ar­beit über den 1. April 2002 hin­aus auch aus der Sicht ih­rer Be­leg­schaft le­dig­lich ei­ne ver­meint­li­che ta­rif­li­che Ver­pflich­tung erfüll­te, macht das an die Be­klag­te ge­rich­te­te Schrei­ben von zehn Ar­beit­neh­mer aus dem Jahr 2008 (Bl. 7 bis 9 d. A.) deut­lich. Mit die­sem Schrei­ben for­dern die zehn Ar­beit­neh­mer, dar­un­ter der Kläger, die Fort­zah­lung der Fei­er­tags­zu­schläge für am Os­ter- und am Pfingst­sonn­tag ge­leis­te­te Ar­beit gemäß § 10 Nr. 1 d TV-V und ma­chen die Dif­fe­renz zwi­schen den ge­zahl­ten Zeit­zu­schlägen und den ih­nen ver­meint­lich zu­ste­hen­den ta­rif­li­chen Fei­er­tags­zu­schlägen gel­tend.

Nach all­dem war die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.
III. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 ArbGG.


IV.

R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g :

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Ge­gen die­ses Ur­teil kann der Kläger Re­vi­si­on ein­le­gen.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

ein­ge­hen. Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt sind außer Rechts­anwälten auch Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­ber­verbänden so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der als Be­vollmäch­tig­te ver­tre­tungs­be­fugt. Als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen sind auch ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zung gemäß § 11 Abs. 2 Satz 2 Zif­fer 5 ArbGG erfüllen. Die han­deln­den Per­so­nen müssen die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – ein­ge­reicht wer­den.

Auf die Möglich­keit der Ein­rei­chung elek­tro­ni­scher Do­ku­men­te beim Bun­des­ar­beits­ge­richt nach § 46 b ArbGG i. V. m. den be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen nach der Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 9. März 2006, BGBl. 2006 Teil I Nr. 12, aus­ge­ge­ben zu Bonn am 15. März 2006, wird hin­ge­wie­sen.


 

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