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Ost­frau­en ha­ben bei der Job­quo­te wei­ter die Na­se vorn

Die Mau­er ist längst weg, doch wei­ter­hin ge­hen deut­lich we­ni­ger Frau­en im Wes­ten ar­bei­ten als im Os­ten: Da­für ma­chen For­scher die So­zia­li­sie­rung in der DDR ver­ant­wort­lich. Ei­ne An­glei­chung sei noch lan­ge nicht ab­seh­bar

14.01.2015. (dpa) - Sie ist Kunst­his­to­ri­ke­rin, 32 Jah­re alt und hat ih­ren Stu­di­en­ab­schluss und den Ein­stieg ins Be­rufs­le­ben als jun­ge Mut­ter or­ga­ni­siert. "Für mich war nie die Über­le­gung, ob ich ar­bei­ten ge­he oder nicht. Die ma­xi­ma­le Fra­ge war, ge­he ich voll ar­bei­ten oder nur Teil­zeit."

Die Ber­li­ne­rin ist noch in der DDR auf­ge­wach­sen.

Ge­nau wie ihr Le­bens­ge­fähr­te, mit dem die On­line-Re­dak­teu­rin heu­te zwei Kin­der im Al­ter von zwei und sechs Jah­ren hat. "Nee, ver­hei­ra­tet sind wir nicht. Für mich war im­mer wich­tig, fi­nan­zi­ell un­ab­hän­gig zu sein und mich beim Job in ei­nem Team voll ein­set­zen zu kön­nen."

Ty­pisch, sagt Bar­ba­ra Ried­mül­ler. Die Pro­fes­so­rin der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin ist Ex­per­tin für So­zi­al- und Ar­beits­markt­fra­gen. "In West­deutsch­land stei­gen die Frau­en aus, wenn sie ein Kind be­kom­men. Das kommt für Frau­en in den neu­en Bun­des­län­dern nicht in­fra­ge." Die­se kul­tu­rel­le Dif­fe­renz wer­de sich noch lan­ge hal­ten und da­für sor­gen, dass es un­ter­schied­li­che Frau­en-Er­werbs­quo­ten auf dem bun­des­wei­ten Ar­beits­markt gibt, be­tont die Wis­sen­schaft­le­rin.

Die Ber­tels­mann-Stif­tung hat am Mitt­woch ei­ne Stu­die zu Frau­en in so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Jobs ver­öf­fent­licht. Dem­nach macht der Wes­ten zwar deut­li­che Fort­schrit­te, aber die Kluft zwi­schen al­ten und neu­en Bun­des­län­dern wird trotz­dem nicht klei­ner, im Ge­gen­teil.

Für die Stu­die ver­glei­chen die For­scher Zah­len der Jah­re 2006 und 2012. Zwar hat dem­nach mehr als je­de zwei­te Frau im Wes­ten ei­nen so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Job. Die Quo­te stieg von 45,8 auf 50,9 Pro­zent. Den­noch wächst die Dif­fe­renz zwi­schen Ost und West wei­ter an. Denn im Os­ten klet­ter­te der Wert zu­gleich von 50,9 auf 57,9 Pro­zent.

Bun­des­weit liegt die Be­schäf­ti­gungs­quo­te der Frau­en mit 51,8 Pro­zent im­mer noch deut­lich hin­ter den Män­nern (59,2 Pro­zent). Kirs­ten Wit­te von der Stif­tung be­stä­tigt die Sicht der Ber­li­ner For­sche­rin Ried­mül­ler. "Die Ost-Rol­len­bil­der wa­ren sehr lan­ge ega­li­tär ge­prägt – al­so bei­de Ge­schlech­ter in der Re­gel be­rufs­tä­tig. Im Wes­ten ist die­ses gleich­be­rech­tig­te Dop­pel­ver­die­ner-Mo­dell we­ni­ger stark ver­brei­tet. Hier ist meist der Mann der Haupt­ver­die­ner", sagt Wit­te.

Ried­mül­ler spricht hier von ei­nem Leit­bild zu Frau, Mut­ter und Ge­schlech­ter­rol­le, das es so nur in im Wes­ten der Bun­des­re­pu­blik ge­be. "Schau­en Sie nach Frank­reich. Dort kommt auch kei­ne Frau auf die Idee, nicht ar­bei­ten zu ge­hen. Und so war es auch in der DDR. Dort gab es die höchs­te Schei­dungs­ra­te der Welt, vie­le Paa­re leb­ten oh­ne Trau­schein, ei­ne gu­te Aus­bil­dung, ein ei­ge­ner Job und fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit war den Frau­en in der DDR und den neu­en Län­dern im­mer schon sehr wich­tig", sagt Ried­mül­ler.

Wäh­rend zum Bei­spiel in der Po­li­tik Frau­en längst mäch­tig auf­ge­holt hät­ten, gel­te das für die Ar­beits­welt noch nicht. "Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf muss für Frau­en des­halb auch im Wes­ten wei­ter vor­an­ge­trie­ben wer­den. Und auch die Män­ner müs­sen stär­ker in­te­griert wer­den", sagt die Pro­fes­so­rin.

Für die Ber­li­ner On­line-Re­dak­teu­rin war Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf nie ein The­ma. "Mei­ne Mut­ter hat mich um 6.00 Uhr am Mor­gen mit dem Rad in die Ki­ta ge­bracht und nach ih­rem Stu­di­um an der Uni um 18.00 Uhr wie­der ab­ge­holt. Weil ich dann im­mer das letz­te Kind war, das ab­ge­holt wur­de, gab es von den Er­zie­he­rin­nen im­mer ei­nen Keks für mich."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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