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Pa­ti­en­ten­ri­si­ko Per­so­nal­not - Nacht-Be­fra­gung in Kli­ni­ken

Das ging zack, zack. Nachts schwärm­ten Hun­der­te Ver­di-Mit­ar­bei­ter in Kli­ni­ken aus - we­ni­ge St­un­den spä­ter lie­gen er­schre­cken­de Er­geb­nis­se vor: Auf Sta­tio­nen sind die Schwes­tern oft al­lei­ne mit Dut­zen­den Pa­ti­en­ten. Die Kran­ken­häu­ser hal­ten die Ak­ti­on für völ­lig un­se­ri­ös

07.03.2015. (dpa) - Kli­nik-Pa­ti­en­ten in Deutsch­land wer­den laut der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di ak­tu­ell oft durch ekla­tan­te Un­ter­be­set­zung in der Nacht ge­fähr­det.

Auf mehr als der Hälf­te al­ler Sta­tio­nen (rund 56 Pro­zent) müs­se ei­ne Fach­kraft al­lei­ne durch­schnitt­lich 25 Pa­ti­en­ten be­treu­en.

Ver­di stützt sich auf ei­ne bun­des­weit er­ho­be­nen Stich­pro­be in mehr als 230 Kran­ken­häu­sern in der Nacht von Don­ners­tag auf Frei­tag.

"Das Pa­ti­en­ten­wohl ist im­mer häu­fi­ger ernst­haft ge­fähr­det", sag­te Ver­di-Vor­stands­mit­glied Syl­via Büh­ler in Ber­lin. "Die Po­li­tik muss jetzt end­lich mit ver­bind­li­chen Per­so­nal­vor­ga­ben für Si­cher­heit und Ent­las­tung sor­gen."

Fahr­läs­sig sei die Be­set­zung auf vie­len In­ten­siv­sta­tio­nen. Dort muss ei­ne Pfle­ge­kraft der Stich­pro­be zu­fol­ge im Schnitt 3,3 Pa­ti­en­ten ver­sor­gen. Die Pfle­ge­kräf­te wür­den zum Teil aber auch mit mehr als sechs Schwer­kran­ken kon­fron­tiert.

Hun­der­te Ver­di-Mit­ar­bei­ter hat­ten laut der Ge­werk­schaft in der Nacht bun­des­weit in 237 Kran­ken­häu­sern in 2803 Be­rei­chen mit Schwes­tern, Pfle­gern, Hel­fern, Aus­zu­bil­den­den und ei­ni­gen Ärz­ten über de­ren Ar­beits­si­tua­ti­on ge­spro­chen. Die Kli­nik-Be­schäf­tig­ten sei­en teils vor­be­rei­tet ge­we­sen, teils über­rascht wor­den. Trotz De­bat­ten bei den Kli­nik­trä­gern gab es von ih­nen kei­ne Blo­cka­den der Ak­ti­on, hieß es.

Be­sucht wur­den öf­fent­li­che, kirch­li­che und pri­va­te Kli­ni­ken. Auf den be­frag­ten Sta­tio­nen hät­ten in der Nacht 2862 Fach­kräf­te ge­ar­bei­tet, 142 Hilfs­kräf­te und 91 Aus­zu­bil­den­de. Auf die­sen Sta­tio­nen sei­en in der Zeit 54 218 Pa­ti­en­ten ver­sorgt wor­den.

Auf neun Sta­tio­nen wur­den 60 und mehr Pa­ti­en­ten ver­sorgt. Das schlech­tes­te Be­treu­ungs­ver­hält­nis hät­ten zwei Sta­tio­nen mit je­weils 68 Pa­ti­en­ten ge­habt, die von je­weils zwei Fach­kräf­ten be­treut wor­den sei­nen. Auf 20 Sta­tio­nen wur­de die Fach­kraft durch ei­nen Aus­zu­bil­den­den un­ter­stützt, auf 33 durch ei­ne Hilfs­kraft. Auf fünf Sta­tio­nen ver­sorg­te laut Ver­di ei­ne Hilfs­kraft al­lein oh­ne Fach­kraft die Pa­ti­en­ten - al­lei­ne bei den Aus­zu­bil­den­den lag die Ver­ant­wor­tung in kei­nem Fall.

Zu 55 Pro­zent muss­ten die Schwes­tern und Pfle­ger nach ei­ge­nen An­ga­ben in der je­weils letz­ten Nacht­schicht nö­ti­ge Leis­tun­gen bei der Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten weg­las­sen - we­gen Per­so­nal­man­gels. Mehr als 28 Pro­zent der Be­frag­ten ga­ben an, dass nachts die Des­in­fek­ti­on der Hän­de ver­nach­läs­sigt wer­de, weil der Ar­beits­druck hoch sei.

Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Deut­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft, Ge­org Baum, warf Ver­di ab­so­lut un­se­riö­ses Vor­ge­hen vor. "Zum ei­nen hat die Ge­werk­schaft kei­ne me­di­zi­ni­sche Kon­troll­funk­ti­on und zum an­de­ren schon gar kei­ne me­di­zi­ni­sche Be­ur­tei­lungs­kom­pe­tenz. Den in der Nacht in der Tat schwe­re und ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­ben wahr­neh­men­den Mit­ar­bei­tern mit sug­ges­tiv for­mu­lier­ten Fra­ge­bö­gen De­fi­zi­te bei der Aus­füh­rung ih­rer Ar­bei­ten zu un­ter­stel­len, muss zwangs­läu­fig zu ab­so­lut ver­fälsch­ten Ein­schät­zun­gen füh­ren."

Die Kran­ken­kas­sen zeig­ten sich alar­miert. "Es kann nicht sein, dass die Bei­trags­zah­ler Jahr für Jahr mehr Geld für die Kli­ni­ken aus­ge­ben, aber dann, wenn sie sel­ber krank sind, kei­ne Kran­ken­schwes­ter und kein Kran­ken­pfle­ger da ist", sag­te Ver­bands­spre­cher Flo­ri­an Lanz.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. August 2016

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