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16/156a Pfle­ge­kräf­te wol­len bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen

Pe­tra Him­melein küm­mert sich um vie­le Men­schen - und um viel Bü­ro­kra­tie: Die Pfle­ge­fach­kraft weiß, was al­te Men­schen brau­chen. Und wor­an das Sys­tem krankt

11.05.2016. (dpa) - Sie hat ver­ges­sen, dass der Löf­fel in die Sup­pen­schüs­sel muss.

Ge­ra­de noch hat­te die al­te Da­me ihn im Mund, jetzt hängt er un­be­stimmt ne­ben dem Por­zel­lan.

"Und jetzt wie­der mit der Hand rein", sagt Pe­tra Him­melein und führt den Arm der Da­me zur Schüs­sel.

Die Hälf­te der Cham­pi­gnon-Creme­sup­pe tröp­felt auf dem Weg zum Mund auf die Ser­vi­et­te.

Him­melein sagt trotz­dem: "Su­per!". Sie ist Pfle­ge­fach­kraft, ei­ne mit Spaß am Be­ruf. Den­noch will sie am Don­ners­tag (12. Mai) mit Kol­le­gen aus ganz Bay­ern de­mons­trie­ren.

"Ich fah­re nicht zum Jam­mern hin. In der Al­ten­pfle­ge wird viel ge­jam­mert, und Jam­mern schreckt ab", sagt die 56-Jäh­ri­ge. Zur Kund­ge­bung der gro­ßen Wohl­fahrts­ver­bän­de wie Ca­ri­tas und Dia­ko­nie in Nürn­berg wer­den rund 1000 Pfle­ge­kräf­te er­war­tet. Sie for­dern von der Po­li­tik und den Pfle­ge­kas­sen bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen: we­ni­ger Bü­ro­kra­tie, mehr Per­so­nal.

Die Men­schen auf ih­rer Sta­ti­on ge­ben sich Pe­tra Him­melein preis. "Ich se­he sie na­ckig. Ich bin ih­re In­tims­te. Da kom­men Ge­schich­ten vom Krieg, von den Kin­dern", sagt sie - und strahlt. Sie macht ih­ren Job seit 25 Jah­ren. Him­melein ar­bei­tet in Bam­berg im Se­nio­ren­zen­trum Wil­helm Lö­he des Dia­ko­ni­schen Wer­kes. Manch­mal legt sie Flie­der in die Bet­ten der Be­woh­ner, bringt den Früh­ling mit.

Da­für fin­det Him­melein Zeit. Ob­wohl sie ih­ren Job akri­bisch do­ku­men­tie­ren muss - und das dau­ert. Ver­sorgt sie ei­ne Schürf­wun­de, re­gis­triert sie das Ma­te­ri­al da­für im Com­pu­ter, macht Fo­tos von der Wun­de. Was auch im­mer sie mit der Wun­de macht – es wird ver­merkt. Hat ei­ner der Be­woh­ner Schmer­zen, führt sie ein Schmerz­pro­to­koll. Him­melein tippt in den PC, wie vie­le Mi­nu­ten das Füt­tern dau­ert und das Aufs-Klo-Ge­hen. "Das ist der all­täg­li­che Ab­lauf, das ma­chen wir ne­ben­bei", er­zählt sie. "Wahn­sinn."

Von der Do­ku­men­ta­ti­on hän­gen be­son­ders die Pfle­ge­stu­fen ab. Je hö­her die Stu­fe, des­to auf­wen­di­ger - und teu­rer - die Pfle­ge. Das Bam­ber­ger Se­nio­ren­heim der Dia­ko­nie ge­hört zu den rund 8800 Pfle­ge­hei­men und -diens­ten in Deutsch­land, die mit ei­nem neu­en Mo­dell ar­bei­ten. Ein­rich­tungs­trä­ger, Be­rufs­ver­bän­de, Prüf­diens­te und die Län­der ent­wi­ckel­ten das Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rungs-Pro­jekt. Auch die Kas­sen sa­ßen mit am Tisch. Die Do­ku­men­ta­ti­on sei ver­ein­facht, heißt es hier­zu von der Ar­beits­ge­mein­schaft der Kran­ken- und Pfle­ge­kas­sen­ver­bän­de in Bay­ern. "So bleibt mehr Zeit für die pfle­ge­ri­sche Be­treu­ung."

Him­melein spürt die Ver­bes­se­rung. Aber es sei noch im­mer zu viel zu do­ku­men­tie­ren. Ihr wä­re es lie­ber, wenn die Prü­fer von den Kran­ken­kas­sen ih­ren Fach­kennt­nis­sen mehr ver­trau­en wür­den. "Was ich nicht auf­ge­schrie­ben ha­be, ha­be ich nicht ge­macht."

Das Zwei­te Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz bringt 2017 fünf - statt bis­her drei - Pfle­ge­stu­fen. Dann muss auch über die Zahl der Pfle­ge­fach­kräf­te neu nach­ge­dacht wer­den. Ei­ne von Ex­per­ten er­stell­te Per­so­nal­be­mes­sung ist aber erst für 2020 vor­ge­se­hen. Das ist aus Sicht der Dia­ko­nie fa­tal. Die brau­che es jetzt schon, sagt Her­mann Scho­enau­er von der Dia­ko­nie in Bay­ern.

Es ge­be Hin­wei­se dar­auf, dass Pfle­ge­fach­kräf­te be­reits an der Ober­kan­te ar­bei­ten, sagt Lan­des-Ca­ri­tas­di­rek­tor Bern­hard Pi­endl: "Re­la­tiv vie­le stei­gen aus dem Be­ruf wie­der aus, und wir ha­ben ei­nen über­durch­schnitt­li­chen Kran­ken­stand." Da­bei wer­den die Men­schen in Deutsch­land im­mer äl­ter, und die Äl­te­ren wer­den mehr. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um rech­net da­mit, dass ih­re Zahl bis 2060 auf 4,7 Mil­lio­nen steigt - heu­te ist es un­ge­fähr die Hälf­te.

Um mit­zu­hal­ten, stieg der Bei­trag zur Pfle­ge­ver­si­che­rung im ver­gan­ge­nen Jahr um 0,3 Pro­zent­punk­te. Zum 1. Ja­nu­ar 2017 wird er um wei­te­re 0,2 Pro­zent­punk­te auf 2,55 Pro­zent stei­gen. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit wirbt da­mit, dass die Bei­trags­sät­ze nun bis 2022 sta­bil ge­hal­ten wer­den kön­nen. "Man darf sich aber auf den 0,2 Punk­ten mehr nicht aus­ru­hen", sagt Pi­endl. "Wir müs­sen in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den über­prü­fen und ge­ge­be­nen­falls wei­ter er­hö­hen - da­mit die Leis­tung nicht sinkt."

Pe­tra Him­melein ma­nagt ih­re Zeit, sie er­le­digt das Nö­ti­ge, die Be­woh­ner füh­len sich wohl. Dass es Sup­pe-Es­sen tropft - "das ist doch wurscht", sagt sie. Vor al­lem: Die al­te Da­me hat­te den Löf­fel selbst in der Hand. "Dar­um geht es doch! Das hat mit Wür­de zu tun." In ih­rem Heim, sagt Him­melein, feh­le nicht stän­dig Per­so­nal, aber: "Dass wir die­sen ho­hen Stan­dard hal­ten kön­nen, das kann ich mir nicht vor­stel­len."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. August 2016

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