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Er­neu­ter Pi­lo­ten­streik bei der Luft­han­sa - Weih­nach­ten aus­ge­nom­men

Nach über ei­nem Jahr Ru­he flammt der Ta­rif­kon­flikt der Pi­lo­ten wie­der auf: Die Ver­ei­ni­gung Cock­pit kann ab so­fort je­der­zeit strei­ken. Nur die Weih­nachts­fei­er­ta­ge sind von der Dro­hung aus­ge­nom­men

15.11.2016. (dpa) - Pas­sa­gie­re der Luft­han­sa müs­sen sich wie­der auf Flug­aus­fäl­le und Ver­spä­tun­gen ein­stel­len.

Die Ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit (VC) hat zu ei­nem er­neu­ten Pi­lo­ten­streik bei der Luft­han­sa auf­ge­ru­fen.

Um­fang und ge­nau­er Zeit­punkt des 14. Aus­stan­des im lau­fen­den Ta­rif­kon­flikt sol­len mit ei­nem Vor­lauf von 24 St­un­den be­kannt­ge­ge­ben wer­den, wie die Ge­werk­schaft am Mon­tag in Frank­furt mit­teil­te.

Der Streik sei ab so­fort mög­lich.

Aus­ge­nom­men sei­en nur die Weih­nachts­fei­er­ta­ge vom 24. bis zum 26. De­zem­ber, er­gänz­te VC-Prä­si­dent Il­ja Schulz auf Nach­fra­ge.

Luft­han­sa-Per­so­nal­che­fin Bet­ti­na Vol­kens nann­te die Strei­kan­dro­hung "ab­so­lut un­ver­ständ­lich". Sie for­der­te die Ge­werk­schaft zu wei­te­ren Ge­sprä­chen auf. Luft­han­sa-Spre­cher An­dre­as Bar­tels for­der­te die VC auf, in ei­ne Sch­lich­tung ein­zu­stei­gen. Die­se sei auch für wei­te­re The­men au­ßer dem Ge­halt mög­lich.

An­lass für die Strei­kan­kün­di­gung sind ge­schei­ter­te Ver­hand­lun­gen zu den Ge­häl­tern der rund 5.400 Ka­pi­tä­ne und Co-Pi­lo­ten bei der Luft­han­sa-Kern­ge­sell­schaft, der Luft­han­sa Car­go und der Ger­manwings. Ei­ne in letz­ter Se­kun­de von der Luft­han­sa an­ge­bo­te­ne Sch­lich­tung lehn­te die VC ab. Seit April 2014 hat die Ge­werk­schaft be­reits 13 Streiks bei der Luft­han­sa ver­an­stal­tet.

Die Ger­manwings soll ak­tu­ell nicht be­streikt wer­den, weil man dort schnell in Ver­hand­lun­gen zur Über­gangs­ver­sor­gung ein­stei­gen wol­le. An­ders als bei der Luft­han­sa kön­ne rund ein Drit­tel der Ger­manwings-Pi­lo­ten nicht vor­zei­tig in den Ru­he­stand wech­seln und ha­be auch kei­ne Ver­si­che­rung für den Fall des Ver­lus­tes der Flug­li­zenz, er­läu­ter­te VC-Ta­rif­ex­per­te In­golf Schu­ma­cher.

Es ha­be seit mitt­ler­wei­le fünf Jah­ren kei­ne Ge­halts­er­hö­hun­gen mehr ge­ge­ben, wäh­rend das Un­ter­neh­men rund 5 Mil­li­ar­den Eu­ro Ge­winn ein­ge­fah­ren ha­be, sag­te Schulz. Die Ge­werk­schaft for­dert über ei­ne Zeit­raum von fünf Jah­ren jähr­li­che Ge­halts­er­hö­hun­gen von 3,66 Pro­zent im Schnitt. Luft­han­sa hat nach ei­ge­nen An­ga­ben ein Lohn­plus von 2,5 Pro­zent bis En­de 2018 an­ge­bo­ten. Die VC be­zeich­ne­te das An­ge­bot we­gen der Teue­rung als Null­run­de, die zu Re­al­lohn­ver­lus­ten füh­ren wür­de.

Die Luft­han­sa woll­te ei­nen er­neu­ten Ar­beits­kampf der Pi­lo­ten mit ei­ner Sch­lich­tung zur Ge­halts­fra­ge ab­wen­den. Man ha­be der Ge­werk­schaft am Mon­tag­mor­gen schrift­lich zwei kon­kre­te Sch­lich­ter vor­ge­schla­gen, sag­te Un­ter­neh­mens­spre­cher Bar­tels, oh­ne Na­men zu nen­nen. An­ders kom­me man of­fen­bar nicht wei­ter. Er ver­wies auf die im Som­mer er­folg­reich ab­ge­schlos­se­ne Sch­lich­tung für das Ka­bi­nen­per­so­nal un­ter dem SPD-Po­li­ti­ker Mat­thi­as Platz­eck.

Nach bis­lang 13 Streik­wel­len ist die Sach­la­ge in dem fest­ge­fah­re­nen Ta­rif­kon­flikt kom­pli­zier­ter denn je. Mit der Al­ters­ver­sor­gung und den Über­gangs­ren­ten sind wei­te­re zen­tra­le Ta­rifthe­men un­ge­klärt. Auch hat­te die VC in Son­die­run­gen ver­geb­lich ver­sucht, die Ar­beits­be­din­gun­gen der Pi­lo­ten bei der Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings in ih­rem Sin­ne zu re­geln. Luft­han­sa lehnt es ab, die dor­ti­gen Flug­zeug­füh­rer nach dem teu­ren Luft­han­sa-Re­gel­werk zu be­schäf­ti­gen.

Ein iso­lier­ter Ta­rif­ab­schluss al­lein zu den Ge­häl­tern wur­de we­gen der Ge­men­ge­la­ge schon im Vor­feld als un­wahr­schein­lich an­ge­se­hen. Viel­mehr hat die VC ge­zielt die Ta­rif­ver­hand­lun­gen zum Teil­as­pekt Ge­halt for­ciert, um wie­der streik­fä­hig zu wer­den. Zu­letzt hat­ten die Luft­han­sa-Pi­lo­ten im Sep­tem­ber 2015 die Ar­beit nie­der­ge­legt. Das hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te ih­ren Streik aber als un­recht­mä­ßig ge­stoppt, weil mit der Eu­ro­wings-Fra­ge ta­rif­frem­de Streik­zie­le ver­folgt wor­den sei­en. "Un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dun­gen kön­nen und wol­len wir nicht be­ein­flus­sen", sag­te nun das VC-Ta­rif­kom­mis­si­ons­mit­glied Jörg Hand­werg zu Fra­gen nach der Kon­kur­renz­si­tua­ti­on zu Bil­lig­flie­gern.

Der al­te Ver­gü­tungs­ta­rif­ver­trag für die Kon­zern-Pi­lo­ten war im Früh­jahr 2012 aus­ge­lau­fen. Die VC hat­te für die zwei dar­auf­fol­gen­den Jah­re For­de­run­gen von 5,2 Pro­zent so­wie 4,6 Pro­zent auf­ge­stellt, die wei­ter be­ste­hen. Für die Fol­ge­jah­re ka­men wei­te­re For­de­run­gen von 2,7 Pro­zent, 3,1 Pro­zent und 2,7 Pro­zent hin­zu. Das er­gibt ein­schließ­lich des Zins­ef­fekt ein Plus von 22 Pro­zent über den ge­sam­ten Zeit­raum.

Un­ter­des­sen dro­hen bei der Luft­han­sa-Toch­ter Eu­ro­wings neue Streiks der Flug­be­glei­ter. Bei Ger­manwings und Eu­ro­wings sei­en Streiks auch kurz­fris­tig mög­lich, sag­te der Chef der Flug­be­glei­ter­ge­werk­schaft Ufo, Ni­coley Baublies, dem "Ta­ges­spie­gel" (Diens­tag). Al­ler­dings hofft Baublies noch auf ei­ne güt­li­che Lö­sung. In die­ser Wo­che fän­den Kri­sen­ge­sprä­che mit dem Mut­ter­kon­zern Luft­han­sa statt.

Bei ei­nem Streik En­de Ok­to­ber hat­te Ufo mit Un­ter­stüt­zung der Kol­le­gen bei der Schwes­ter­ge­sell­schaft Ger­manwings, die eben­falls zur Platt­form Eu­ro­wings ge­hört, an ei­nem Streik­tag 393 von 551 ge­plan­ten Eu­ro­wings-Flü­gen aus­fal­len las­sen.

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Letzte Überarbeitung: 25. November 2016

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