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Ge­braucht, aber nicht ge­wür­digt: Pro­fis in der Haus­wirt­schaft

Für an­de­re den Haus­halt zu schmei­ßen ist ein Job mit we­nig Pres­ti­ge: Doch in der Haus­wirt­schaft wer­den zu­ver­läs­si­ge All­roun­der ge­braucht. Be­reit da­für ei­nen an­ge­mes­se­nen Preis zu zah­len, sind nach An­sicht von Be­rufs­ver­bän­den je­doch noch zu we­ni­ge

20.03.2015. (dpa) - Das biss­chen Haus­halt macht sich von al­lein, heißt es im Schla­ger.

Von we­gen!

Wer ge­gen die Wä­sche­ber­ge in ei­ner Klein­fa­mi­lie kämpft oder ge­gen Staub­mäu­se in der Woh­nung, für ei­nen vol­len Kühl­schrank und ge­deck­ten Tisch sorgt, weiß wie schwer und läs­tig das biss­chen Haus­halt in Wirk­lich­keit sein kann.

Und der Be­darf nach Ex­per­ten der Haus­wirt­schaft stei­ge, glau­ben Be­rufs­ver­bän­de.

Ei­ne jüngst in Ber­lin prä­sen­tier­te Stu­die des Zen­trums für So­zi­al­for­schung in Hal­le be­tont eben­falls: Bei stei­gen­der Frau­en­be­schäf­ti­gung und ei­ner äl­ter wer­den­den Ge­sell­schaft braucht es im­mer mehr Pro­fi­hil­fe im Pri­vat­haus­halt. Ein Blick auf die Bran­che an­läss­lich des Welt­ta­ges für Haus­wirt­schaft am die­sem Sams­tag zeigt aber auch: Vie­le Men­schen könn­ten zwar durch­aus Hil­fe ge­brau­chen, ver­zich­ten aber oft auf die Pro­fi­putz­hil­fe - aus ei­ner Viel­zahl von Grün­den.

Die Bran­che kran­ke vor al­lem an man­geln­der Be­reit­schaft, für pro­fes­sio­nel­le und le­ga­le Hil­fe ei­nen ent­spre­chen­den Preis zu zah­len, so Ute Krütz­mann, Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­ban­des für Haus­wirt­schaft. "Da hört man dann oft: Das hat Mut­ter doch frü­her ne­ben­bei ge­macht - da kommt mir 20 Eu­ro die St­un­de aber doch reich­lich viel vor."

Doch das müs­sen Kun­den in der Re­gel zah­len, wenn sie et­wa über ei­ne Dienst­leis­tungs­agen­tur ei­ne Hil­fe an­for­dern. Gar nicht mal un­ver­hält­nis­mä­ßig, ma­che man sich nur klar, dass man mehr als das drei­fa­che für ei­ne Kfz-Meis­ter-St­un­de oder an­de­re tech­ni­sche Diens­te hin­le­ge. Die Fol­ge: Der Markt für Haus­halts­hil­fen bleibt ei­ne Ni­sche, die ei­nem über­di­men­sio­na­len Schwarz­markt ge­gen­über­steht, oh­ne Steu­ern und Lohn­ne­ben­kos­ten. Da­für sind die Frau­en - und der Lö­wen­an­teil ist weib­lich - we­ni­ger gut ab­ge­si­chert.

Ei­ner Er­fas­sung des Al­lens­bach-In­sti­tuts aus dem Jahr 2010 zu­fol­ge nah­men et­wa 12 Pro­zent der deut­schen Haus­hal­te Dienst­leis­tun­gen in An­spruch, zwei Drit­tel der Nut­zer kauf­ten die­se il­le­gal ein. Das tat­säch­li­che Markt­po­ten­zi­al für le­ga­le Jobs sei et­wa drei­mal so hoch, hat das Wirt­schafts­in­sti­tut Pro­gnos er­rech­net.

Für die­je­ni­gen, die auf ih­re Diens­te zu­rück­grei­fen, sei es im­mer­hin ein Stück ge­kauf­te Frei­zeit, sagt Jut­ta Jetz­ke, Vor­sit­zen­de des Bun­des­ver­bands haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen. Sie ist über­zeugt: "Bei den meis­ten Leu­ten geht es nicht dar­um, dass sie sich das nicht leis­ten kön­nen, son­dern, dass sie sich das nicht leis­ten wol­len".

Aus der feh­len­den Wert­schät­zung ent­steht für die Haus­wirt­schafts­bran­che ein Teu­fels­kreis: "Das sind häu­fig Jobs, von de­nen man nicht le­ben kann", sagt Uta Krütz­mann - vor al­lem weil oft in Teil­zeit ge­ar­bei­tet wer­de. Für aus­ge­bil­de­te Haus­wirt­schaf­te­rin­nen liegt das Ein­stiegs­ge­halt laut Ta­rif­ver­trag bei et­wa 2000 Eu­ro.

Vie­le Kräf­te sind je­doch un­ge­lernt, ge­ra­de bei den Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men: "Man kann bei uns nicht reich wer­den", sagt Jetz­ke. Die Tä­tig­keit selbst ist dem Pres­ti­ge eben­falls nicht zu­träg­lich: "Es ist ei­ne kör­per­lich schwe­re Ar­beit", sagt Jetz­ke - frem­de Toi­let­ten­put­zen in­klu­si­ve.

Am mie­sen Image ver­sucht der Bun­des­ver­band Haus­wirt­schaft zu rüt­teln: "Es ist ein viel­fäl­ti­ger Be­ruf in dem weit­aus mehr ge­fragt ist als blo­ßes Putz­hand­werk", wirbt des­sen Vor­sit­zen­de Krütz­mann. An Haus­wirt­schafts­schu­len wür­den All­roun­der aus­ge­bil­det, die den Dienst­leis­tungs­ge­dan­ken ver­in­ner­licht hät­ten und wüss­ten, wie wich­tig Zu­ver­läs­sig­keit sei. Sol­chen Mit­ar­bei­tern bie­te der Job Chan­cen: Auch in Groß­ein­rich­tun­gen wie Kran­ken­häu­sern und Al­ten­hei­men, sind Fach­leu­te in Wä­sche­rei­en und Kü­chen so­wie haus­wirt­schaft­li­che Ma­na­ge­rin­nen ge­fragt. Und dort gibt es auch at­trak­ti­ve Chef­ses­sel.

"Doch da sto­ßen wir auch an ei­ne Gren­ze: Es fehlt schon jetzt an star­ken Be­wer­bern, die das Po­ten­zi­al da­zu mit­brin­gen", sagt Krütz­mann. Ähn­lich ist es in den Agen­tu­ren: "Die meis­ten Un­ter­neh­men jam­mern, weil sie of­fe­ne Stel­len gar nicht be­setzt be­kom­men", so Jetz­ke. Fach­schu­len müs­sen schlie­ßen, Haus­wirt­schafts­klas­sen blei­ben leer. "Und das ob­wohl wir ei­ne Re­nais­sance er­le­ben: Heu­te kann man schon wie­der da­mit an­ge­ben, wenn man in der La­ge ist ei­ne Tor­te zu ba­cken – ganz oh­ne Back­mi­schung", sagt Krütz­mann.

Die bei­den Ver­bands­vor­sit­zen­den hof­fen da­her auf den Wan­del in den Köp­fen. "Ich sa­ge un­se­ren Mit­ar­bei­tern im­mer: Ihr seid die ret­ten­den En­gel - und ge­nau so ist es. Für die­se ge­sell­schaft­li­che An­er­ken­nung muss die ge­sam­te Bran­che aber noch kämp­fen", sagt Jetz­ke.

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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