Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsrente: Anpassung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht München
Akten­zeichen: 6 Sa 107/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 10.05.2011
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 22.12.2010, 38 Ca 11541/10
   

6 Sa 107/11

38 Ca 11541/10
(ArbG München) 

 

Verkündet am: 10.05.2011

Kreßler
Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt München

Im Na­men des Vol­kes


UR­TEIL


In dem Rechts­streit

C.
C-Straße, C-Stadt


- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -


Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:
Rechts­anwälte D.

D-Straße, D-Stadt


ge­gen


Fir­ma A.
A-Straße, A-Stadt


- Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin -


Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:
Rechts­anwälte B.

B-Straße, B-Stadt

- 2 -

hat die 6. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 10. Mai 2011 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Künzl und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Gei­er und Beck


für Recht er­kannt:


1. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 22. Dez. 2010 – 38 Ca 11541/10 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.


2. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.


Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um die An­pas­sung der Be­triebs­ren­te des Klägers.


Der Kläger war bis 31. Dez. 2005 bei der Be­klag­ten als An­ge­stell­ter in der Nie­der­las­sung ... beschäftigt. Ab 1. Jan. 2006 erhält er ei­ne Be­triebs­ren­te in Höhe von € ... brut­to. Die Be­klag­te führt al­le drei Jah­re, je­weils zum 1. Ju­li des je­wei­li­gen Ka­len­der­jah­res, Ren­ten­an­pas­sun­gen durch. Zum 1. Ju­li 2009 pass­te sie die Be­triebs­ren­te des Klägers um 2,91 % auf den Be­trag von € ... brut­to an.


Der Kläger wi­der­sprach der An­pas­sung mit Schrei­ben vom 3. Aug. 2009 (An­la­ge K 2, Bl. 22 d. A.). Er äußert dar­in die An­sicht, die An­pas­sung hätte auf der Ba­sis des um 6.04 % ge­stie­ge­nen Ver­brau­cher­preis­in­de­xes er­fol­gen müssen. Das Schrei­ben vom 3. Aug. 2009 wird in­halt­lich in Be­zug ge­nom­men.


Mit sei­ner am 14. Sept. 2010 beim Ar­beits­ge­richt München ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 20. Sept. 2010 zu­ge­stell­ten Kla­ge vom 13. Sept. 2010 ver­folgt der Kläger die höhe­re An­pas­sung der Be­triebs­ren­te wei­ter.


Er ist der An­sicht, die An­pas­sung hätte um € 99,15 brut­to/Mo­nat höher aus­fal­len müssen, als durch die Be­klag­te an­ge­passt, da der Ver­brau­cher­preis­in­dex im Zeit­raum De­zem­ber 2005 bis Ju­ni 2009 um 6.04 % ge­stie­gen sei. Auf die re­al­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze kön-


- 3 -

ne sich die Be­klag­te nicht be­ru­fen, da sie die­se nur bis En­de 2008 und nicht für den ge­sam­ten An­pas­sungs­zeit­raum er­mit­telt ha­be. Die Grup­pen­bil­dung sei, eben­so wie die Her­aus­nah­me der „Exe­cu­ti­ves“, nicht nach­voll­zieh­bar und rechts­wid­rig.


Die Be­klag­te meint, die An­pas­sung sei auf die Ent­wick­lung der Net­tolöhne der ak­ti­ven Mit­ar­bei­ter be­grenzt. Bei Ein­be­zie­hung al­ler kon­zern­an­gehöri­gen Mit­ar­bei­ter, aus­ge­nom­men die Führungs­kräfte, er­ge­be sich für die Jah­re 2006 – 2008 ei­ne Stei­ge­rung von 2,91 %. Die er­folg­te Grup­pen­bil­dung sei auch nicht zu be­an­stan­den, da ihr zur Er­mitt­lung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze ein wei­ter Er­mes­sen­spiel­raum zu­ste­he, wie sie meint.


Mit En­dur­teil vom 22. Dez. 2010 hat das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge voll­umfäng­lich statt­ge­ge­ben. We­gen des wei­te­ren strei­ti­gen und un­strei­ti­gen Sach­vor­trags, der erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Anträge und der recht­li­chen Erwägun­gen des Ar­beits­ge­richts im Ein­zel­nen wird auf die­se Ent­schei­dung Be­zug ge­nom­men.


Das Ar­beits­ge­richt stützt sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen auf fol­gen­de Über­le­gun­gen: Der Kläger ha­be ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf An­pas­sung sei­ner Be­triebs­ren­te im Ab­stand von je­weils drei Jah­ren nach bil­li­gem Er­mes­sen und un­ter Berück­sich­ti­gung sei­ner Be­lan­ge und der wirt­schaft­li­chen La­ge des Ar­beit­ge­bers. Hin­sicht­lich der Be­lan­ge des Ver­sor­gungs­empfängers sei der Kauf­kraft­ver­lust aus­zu­glei­chen, al­so das Verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung, wie es bei Be­ginn des Ren­ten­be­zu­ges be­stan­den ha­be, wie­der her­zu­stel­len. Dem­ent­spre­chend müsse der vol­le An­pas­sungs­be­darf er­mit­telt wer­den, was durch Berück­sich­ti­gung der veröffent­li­chen In­dex­wer­te, seit 1. Jan. 2003 der Ver­brau­cher­preis­in­dex für Deutsch­land, die Mo­na­te seit dem ers­ten Ren­ten­be­zug und dem An­pas­sungs­stich­tag zu er­fol­gen ha­be. Nach die­sen Grundsätzen ha­be der Kläger die er­for­der­li­che Ren­ten­stei­ge­rung rich­tig be­rech­net. Dem­ge­genüber ha­be die Be­klag­te die An­pas­sung nicht auf die nied­ri­ge­re Net­to­lohn­stei­ge­rung der ak­ti­ven Mit­ar­bei­ter be­gren­zen dürfen. Denn es könne aus den von ihr vor­ge­tra­ge­nen Fak­ten nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die Net­tolöhne der bei ihr Beschäftig­ten in ge­rin­ge­rem Um­fang ge­stie­gen wäre. Die Be­klag­te ha­be nur für den Zeit­raum 2005 bis 3008 die Stei­ge­rung vor­ge­tra­gen und sei so ih­rer Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Ein­grei­fen nur der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze nicht nach­ge­kom­men. Für das Ein­grei­fen der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze wäre es dar­auf an­ge­kom­men, dass die Stei­ge­rung der Net­tolöhne seit Ren­ten­be­ginn bis zum An­pas­sungs­stich­tag ge­rin­ger aus­ge­fal­len wäre als der An­stieg des Ver­brau­cher-

- 4 -

preis­in­de­xes. Die­ser zu berück­sich­ti­gen­de Zeit­raum ste­he nicht zur Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers. In die­ser Sicht­wei­se lie­ge ent­ge­gen der An­nah­me der Be­klag­ten kei­ne Be­vor­zu­gung der Be­triebs­rent­ner. An­ge­sichts des­sen kom­me es auf die Fra­ge der zu­tref­fen­den Grup­pen­bil­dung nicht mehr an. Die Be­klag­te ha­be die An­pas­sung dem­nach un­ter Zu­grun­de­le­gung des Ver­brau­cher­preis­in­de­xes vor­zu­neh­men.


Ge­gen die­se ihr am 31. Dez. 2010 zu­ge­stell­te Ent­schei­dung hat die Be­klag­te mit Schrift­satz vom 28. Jan. 2011, der am sel­ben Tag per Te­le­fax beim Lan­des­ar­beits­ge­richt München ein­ge­gan­gen war, Be­ru­fung ein­ge­legt und mit Schrift­satz vom 28. Feb. 2011, der am sel­ben Tag per Te­le­fax ein­ge­gan­gen war, be­gründet.


Sie hält an der An­sicht, es kom­me vor­lie­gend auf die von ihr zu­tref­fend vor­ge­tra­ge­ne re­al­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze nach § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG an. Die ar­beits­ge­richt­li­che Ent­schei­dung möge zwar der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­spre­chen, ver­ken­ne aber den Re­ge­lungs­ge­halt des § 16 Be­trAVG in sei­ner ak­tu­el­len Fas­sung. Aus § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG fol­ge kei­nes­wegs, dass der Prüfzeit­raum die seit Ren­ten­be­zug, son­dern nur die seit dem letz­ten An­pas­sungs­stich­tag ver­stri­che­ne Zeit bis zum er­neu­ten Stich­tag maßgeb­lich sei. Es kom­me da­her auch nur auf den Zeit­raum ab 1. Ju­li 2006, nicht aber ab Ein­tritt des Klägers in den Ru­he­stand an. An­sons­ten wäre es dem Ar­beit­ge­ber prak­tisch unmöglich, da er für je­den Be­triebs­rent­ner zum je­wei­li­gen An­pas­sungs­stich­tag in­di­vi­du­ell die Lohn­ent­wick­lung für al­le ver­gleich­ba­ren ak­ti­ven Ar­beit­neh­mer zu er­rech­nen hätte. Die­ses Er­geb­nis fin­de auch in § 16 Abs. 4 Be­trAVG sei­ne Bestäti­gung, wo­nach zu Recht un­ter­blie­be­ne An­pas­sun­gen nicht nach­zu­ho­len sei­en. Wenn das Bun­des­ar­beits­ge­richt mei­ne, dies gel­te nur, wenn in­fol­ge der wirt­schaft­li­chen La­ge des Un­ter­neh­mens kein oder kein vol­ler Teue­rungs­aus­gleich ge­schul­det wer­de, igno­rie­re man da­mit die In­ten­ti­on des Ge­setz­ge­bers, die Be­reit­schaft der Un­ter­neh­men zur Er­tei­lung neu­er Zu­sa­gen zur Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu un­terstützen.


Nach § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG gel­te die Prüfpflicht des Ab­sat­zes 1 als erfüllt, wenn die An­pas­sung nicht ge­rin­ger aus­fal­le als der Net­to­lohn­an­stieg ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer­grup­pen im Prüfzeit­raum. Letz­te­rer wer­de ge­setz­lich aber nicht de­fi­niert; ins­be­son­de­re be­sa­ge das Ge­setz nicht, dass die zu­grun­de zu le­gen­de Net­to­lohn­ent­wick­lung an den An­pas­sungs­stich­tag her­an­rei­chen müsse. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt er­lau­be ei­ne Bünde­lung der An­pas­sun­gen der Be­triebs­ren­ten be­trof­fe­nen Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten auf ei­nen

- 5 -

be­stimm­ten Stich­tag, die ent­we­der vor­ge­zo­gen oder verzögert vor­ge­nom­men würden. Sie ha­be die Bünde­lung auf den Stich­tag 1. Ju­li ein­geführt. An­ge­sichts ei­ner Bünde­lung könne der Ar­beit­ge­ber die Re­al­lohn­ent­wick­lung aber nur ein­heit­lich be­stim­men, was zu Vor-und Nach­tei­len ge­genüber ei­ner ge­nau­en, auf den kon­kre­ten Tag des Ru­he­stand­s­ein­tritt ab­stel­len­den Be­wer­tung führe, was der Ge­setz­ge­ber aber hin­ge­nom­men ha­be. Dem Ar­beit­ge­ber sei auch ein Er­mes­sen ein­geräumt, was ihr ei­ne Aus­wahl der Be­wer­tungs­grundsätze im Rah­men bil­li­gen Er­mes­sen er­lau­be. Da zahl­rei­che Vergütungs­be­stand­tei­le auf das Ka­len­der­jahr be­zo­gen sei­en, sei es auch sinn­voll, auf die Jah­res­bezüge ei­nes Ka­len­der­jah­res ab­zu­stel­len. Dies führe zu kei­nen un­bil­li­gen Er­geb­nis­sen.

Der Ar­beit­ge­ber ha­be nach dem kla­ren Wort­laut des § 16 Abs. 2 Be­trAVG die Wahl, ob er der An­pas­sung den Ver­brau­cher­preis­in­dex oder die Net­to­lohn­stei­ge­rung zu­grun­de le­ge. Ei­ne Be­schränkung die­ses Wahl­rechts be­ste­he nicht. Die Zu­grun­de­le­gung ei­nes Prüfzeit­rau­mes bis zum An­pas­sungs­stich­ta­ges möge der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­spre­chen, sei aber un­zu­tref­fend. Wenn das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf die Ver­hin­de­rung der Ent­wer­tung der Be­triebs­ren­te durch Kauf­kraft­ver­lus­te ab­stel­le, so ste­he dem § 16 Abs. 3 Nr. 1 Be­trAVG ent­ge­gen, wo­nach ei­ne An­pas­sungs­ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers ent­fal­le, wenn er sich zu ei­ner jähr­li­chen An­pas­sung der Be­triebs­ren­te um min­des­tens 1 % ver­pflich­tet ha­be; die Teue­rungs­ra­te ha­be in den letz­ten Jah­ren aber weit mehr als 1 % be­tra­gen.


Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­s­toße ge­gen die Ver­fas­sung. Die Aus­le­gung des Be­grif­fes des „bil­li­gen Er­mes­sens“ im Rah­men der Be­triebs­ren­ten­an­pas­sun­gen ha­be Aus­wir­kun­gen auf die un­ter­neh­me­ri­sche Hand­lungs­frei­heit. Die un­rich­ti­ge An­wen­dung des Be­grif­fes ver­let­ze die Be­klag­te da­her in ih­rem Grund­recht aus Art. 12 Abs. 1 GG. Fer­ner wer­de die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit der Be­klag­ten (Art. 2 Abs. 1 GG) ein­ge­schränkt. Zu­dem be­inhal­te die Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­ne Ver­let­zung von Art. 14 Abs. 1 GG, wo­durch auch der ein­ge­rich­te­te und aus­geübte Ge­wer­be­trieb geschützt sei.


Sie b e a n t r a g t,


das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München – 38 Ca 1154/10 – vom 22.12.2010 ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

- 6 -

Der Kläger b e a n t r a g t,


die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.


Er hält der Be­klag­ten ent­ge­gen, § 16 Abs. 1 Be­trAVG nen­ne kei­nen Prüfungs­zeit­raum, son­dern ei­nen Prüfungs­ter­min. Da­nach ha­be al­le drei Jah­re ei­ne Ren­ten­an­pas­sung zu er­fol­gen. § 16 Abs. 2 Be­trAVG spre­che von ei­nem Prüfungs­zeit­raum. Die­ser Be­griffs­in­halt sei durch te­leo­lo­gi­sche Aus­le­gung zu er­mit­teln. An­ge­sichts er­streb­ter Ver­hin­de­rung der Ent­wer­tung der Be­triebs­ren­te durch Kauf­kraft­ver­lust, be­gin­ne er mit dem Ein­tritt in den Ru­he­stand und en­de mit dem je­wei­li­gen An­pas­sungs­stich­tag. Der ein­heit­li­che Prüfungs­zeit­raum gel­te nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts für die An­pas­sung nach dem Ver­brau­cher­preis­in­dex eben­so wie für die re­al­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze ab dem Ru­he­stand­s­ein­tritt.


Den dreijähri­gen Prüfungs­zeit­raum ha­be die Be­klag­te bei der Er­mitt­lung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze nicht rich­tig an­ge­wandt. Auch ha­be sie die Re­fe­renz­grup­pe der ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer un­zu­tref­fend fest­ge­legt.


Ver­fas­sungs­verstöße der Recht­spre­chung lägen nicht vor. We­der sei Art. 12 Abs. 1 GG man­gels ei­ner ob­jek­ti­ven be­rufs­re­geln­den Ten­denz ver­letzt noch sei die un­ter­neh­me­ri­sche Hand­lungs­frei­heit be­trof­fen. Eben­so feh­le es an ei­nem Ein­griff in die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit des Art. 2 Abs. 1 GG oder in den Schutz­be­reich des Art. 14 Abs. 1 GG.


We­gen des Sach­vor­trags der Par­tei­en im Ein­zel­nen wird auf die Schriftsätze des Klägers vom 13. Sept. 2010 (Bl. 1 ff. d. A.), vom 14. Dez. 2010 (Bl. 75 ff. d. A.) und vom 18. Apr.
2011 (Bl. 268 ff. d. A.), der Be­klag­ten vom 10. Nov. 2010 (Bl. 54 ff. d. A.) und vom 28.
Feb. 2011 (Bl. 235 ff. d. A.) so­wie auf die Sit­zungs­pro­to­kol­le vom 22. Dez. 2010 (Bl. 183 f. d. A.) und vom 10. Mai 2011 (Bl. 274 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.


Ent­schei­dungs­gründe:


Die statt­haf­te Be­ru­fung bleibt in der Sa­che oh­ne Er­folg.

I. Die Be­ru­fung ist zulässig.

 

 

- 7 -

Die Be­ru­fung ist nach § 64 Abs. 1, 2b ArbGG statt­haft so­wie in rech­ter Form und Frist ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG, § 519 Abs. 2, § 520 Abs. 3 ZPO i.V.m. § 66 Abs. 1 Sätze 1, 2, 5 ArbGG, § 222 ZPO).


II. In der Sa­che hat die Be­ru­fung kei­nen Er­folg.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung statt­ge­ge­ben. Auf die in­halt­lich zu­tref­fen­den und über­zeu­gen­den Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts wird vor­weg Be­zug ge­nom­men (§ 69 Abs. 2 ArbGG). Hin­sicht­lich der Be­ru­fungs­an­grif­fe ist ergänzend aus­zuführen:


1. Die vom Kläger er­rech­ne­te Teue­rungs­ra­te seit sei­nem Ein­tritt in Ru­he­stand hat der Kläger zu­tref­fend und von der Be­klag­ten nicht be­strit­ten mit 6,04 % er­rech­net und an­ge­ge­ben. Un­be­strit­ten folgt bei Zu­grun­de­le­gung die­ses Stei­ge­rungs­sat­zes ei­ne Ren­ten­erhöhung nach dem kläge­ri­schen Be­geh­ren (§ 16 Abs. 2 Nr. 1 Be­trAVG).


2. Die Ein­wen­dun­gen der Be­klag­ten ge­gen die Berück­sich­ti­gung der Teue­rungs­ra­te seit Ren­ten­ein­tritt des Klägers bis zur Be­triebs­ren­ten­an­pas­sung der Be­klag­ten am 1. Ju­li 2009 be­din­gen kein ab­wei­chen­des Er­geb­nis.


a. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, auf die auch die Be­klag­te ver­weist, hat nach § 16 Abs. 1 Be­trAVG ei­ne An­pas­sung der lau­fen­den Be­triebs­ren­ten im Rah­men von je­weils drei Jah­ren un­ter Berück­sich­ti­gung der Grundsätze des bil­li­gen Er­mes­sens (§ 315 Abs. 1 BGB) zu er­fol­gen. Da­bei sind die wirt­schaft­li­che La­ge der Be­klag­ten, die nach dem Be­klag­ten­vor­trag nicht als ent­ge­gen­ste­hend ein­ge­wandt ist, wie auch die Be­lan­ge des Ver­sor­gungs­empfängers, al­so des Klägers, zu berück­sich­ti­gen. Der An­pas­sungs­be­darf be­stimmt sich nach dem Kauf­kraft­ver­lust ent­spre­chend der seit dem (in­di­vi­du­el­len) Ru­he­stand­s­ein­tritt des Be­triebs­rent­ners ein­ge­tre­te­nen Teue­rungs­ra­te, so­weit sie nicht durch vor­he­ri­ge An­pas­sun­gen be­reits aus­ge­gli­chen war. Der An­pas­sungs­be­darf be­stimmt sich nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, da­mit nicht nach dem for­ma­len dreijähri­gen Tur­nus der An­pas­sungs­prüfung, son­dern berück­sich­tigt den An­pas­sungs­be­darf ins­ge­samt. Es ist das bei Ru­he­stand­s­ein­tritt be­stan­de­ne Verhält­nis zwi­schen Leis­tung und Ge­gen­leis­tung wie­der­her­zu­stel­len; denn Be­triebs­ren­ten, de­nen Ent­gelt­cha­rak­ter zu­kommt, stel­len ei­ne Ge­gen­leis­tung für die im ak­ti­ven Ar­beits­verhält­nis er­brach­te Ar­beits­leis­tung dar.


- 8 -

Vor­ste­hen­des gilt auch bei ei­ner durch die re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze be­schränk­ten An­pas­sung der Be­triebs­ren­te nach § 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG. Für de­ren Er­mitt­lung gilt der­sel­be Prüfungs­zeit­raum, der nicht zur Dis­po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers steht (BAG v. 31. 7. 2007 – 3 AZR 810/05, AP Be­trAVG § 16 Nr. 65); LAG München v. 8. 7. 2010 – 4 Sa 51/10 n.v.). § 16 Abs. 4 Satz 1 Be­trAVG führt zu kei­ner Verkürzung des Prüfungs­zeit­rau­mes für die Er­mitt­lung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze et­wa auf die der An­pas­sung un­mit­tel­bar vor­an­ge­hen­den drei Jah­re. Viel­mehr be­trifft die­se Norm, wie sich schon aus ih­rem Wort­laut er­gibt, al­lein die­je­ni­gen Fälle, da ei­ne An­pas­sung al­lein we­gen der schlech­ten wirt­schaft­li­chen La­ge des Un­ter­neh­mens zu Recht ganz oder teil­wei­se un­ter­blie­ben war (vgl. z.B. BAG v. 10. 2. 2009 – 3 AZR 610/07, AP Be­trAVG § 16 Nr. 70; BAG v. 31. 7. 2007, a.a.O.; BAG v. 30. 8. 2005 – 3 AZR 395/04, AP Be­trAVG § 16 Nr. 56; LAG München v. 8. 7. 2010, a.a.O.; vgl. auch Schipp, Ar­bRB 2008, 192, 193).


b. Die­ser An­sicht schließt sich die er­ken­nen­de Kam­mer an. Al­lein durch den syn­chro­nen Ver­lauf der Prüfungs­zeiträume zur Er­mitt­lung des sub­jek­ti­ven An­pas­sungs­be­dar­fes nach der Teue­rungs­ra­te und der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze wird, wie vom Be-triebs­ren­ten­ge­setz er­strebt, ei­ne Aus­zeh­rung der Be­triebs­ren­ten im zeit­li­chen Ver­lauf ver­mie­den. Um­ge­kehrt wird da­durch die Ge­samt­be­las­tung aus den be­ste­hen­den Ver­sor­gungs­ver­pflich­tun­gen auch für den Ar­beit­ge­ber be­re­chen­bar ge­hal­ten (BAG v. 10. 2. 2009, a.a.O.; LAG München v. 8. 7. 2010, a.a.O.).

aa. Die Ausführun­gen der Be­klag­ten, die Schwie­rig­kei­ten der Er­mitt­lung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze ab dem in­di­vi­du­el­len Ru­he­stand­s­ein­tritt bzw. bis zu ei­nem in­ner­halb ei­nes Ka­len­der­jah­res lie­gen­den Prüfungs­zeit­punkt be­din­ge Schwie­rig­kei­ten, mach­ten es selbst ei­nem großen Un­ter­neh­men der IT-Bran­che, noch mehr ei­nem an­de­ren Un­ter­neh­men, fak­tisch unmöglich, sich hier­auf be­ru­fen zu können, hat be­reits die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München (Urt. v. 8. 7. 2010, a.a.O.) als „ar­gu­men­ta­ti­ons­dra­ma­tur­gisch und in­ter­es­sen­ge­lei­tet über­zeich­net“ an­ge­se­hen. Dem ist aus Sicht der er­ken­nen­den Kam­mer nichts hin­zu­zufügen.


Die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts gewährt dem Ar­beit­ge­ber viel­mehr ei­nen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum bei der Er­mitt­lung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze und der Dif­fe­ren­zie­rung der Beschäftig­ten­grup­pen. Er kann die An­pas­sungs­ent­schei­dun­gen zu ei­nem ein­heit­li­chen Jah­res­ter­min bündeln, zu dem er vor­be­zeich­ne­te Vor­ga­ben

- 9 -

mit ver­tret­ba­rem Auf­wand er­mit­teln kann. Die Tat­sa­che ei­ner mögli­chen Fest­le­gung von Bünde­lungs­ter­mi­nen, die zu ei­ner auf­wen­di­ge­ren Er­rech­nung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze nach den Vor­ga­ben der Recht­spre­chung führ­ten, sind nicht ge­eig­net, die Vor­ga­ben des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes und die dar­auf be­zo­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in Zwei­fel zu zie­hen. Die­se führ­ten auch nicht zwangsläufig zu ei­ner Be­schränkung ei­ner nicht von der wirt­schaft­li­chen La­ge der Be­klag­ten ge­bo­te­nen An­pas­sung auf die be­haup­te­te Net­to­lohn­stei­ge­rung von 2,91 % für den Zeit­raum 1. Jan. 2006 bis 31. Dez. 2008 (die Be­klag­te hat­te ih­ren An­ga­ben die Net­to­lohn­stei­ge­run­gen für die Ka­len­der­jah­re 2006 – 2009 zu­grun­de ge­legt) bzw. 1. Ju­li 2006 bis 30. Ju­ni 2009 (vgl. Schrift­satz vom 28. Feb. 2011, Sei­te 3 un­ter Punkt a., Bl. 237 d. A. und Sei­te 4 un­ter Punkt c., 2. Ab­satz, Bl. 238 d. A., wo­nach nur auf die seit 1. Ju­li 2006 ver­stri­che­ne Zeit ab­zu­stel­len sei), wel­che die Be­klag­te ne­ben­ein­an­der anführt.


bb. Die Re­ge­lung des – durch das Ren­ten­re­form­ge­setz vom 16. 12. 1997 (BGBl. I, S. 2998) ein­geführ­ten – § 16 Abs. 3 Nr. 1 Be­trAVG führt eben­so zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis. Der Be­klag­ten ist zu­zu­ge­ste­hen, dass ei­ne jähr­lich 1 %ige An­pas­sung die Teue­rungs­ra­te in den letz­ten Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts we­ni­ger als die jähr­li­che Teue­rungs­ra­te be­deu­te­te. Hier­aus kann aber nicht auf ei­nen ge­setz­ge­be­ri­schen Wil­len ge­schlos­sen wer­den, die Ren­ten­an­pas­sung nach § 16 Abs. 2 Nr. 1 Be­trAVG die­ne ge­ra­de nicht dem Kauf­kraf­ter­halt.


Mit der Re­ge­lung des § 16 Abs. 3 Nr. 1 Be­trAVG trug der Ge­setz­ge­ber viel­mehr der Kri­tik Rech­nung, die Ver­brei­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung sta­gnie­re, ins­be­son­de­re auf­grund er­heb­li­cher wirt­schaft­li­cher Be­las­tun­gen der Ar­beit­ge­ber durch die An­pas­sungs­prüfungs­pflicht so­wie de­ren Un­kal­ku­lier­bar­keit. Dem­zu­fol­ge eröff­ne­te er dem Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit, sich von der An­pas­sungs­prüfungs­pflicht zu be­frei­en (Blo­mey­er/Rolfs/Ot­to, Be­triebs­ren­ten­ge­setz, 5. Aufl. § 16 Rz. 295). Die Min­destan­pas­sung gewährt dem Ar­beit­ge­ber Kal­ku­la­ti­ons­si­cher­heit hin­sicht­lich der nach Ren­ten­be­ginn zu leis­ten­den An­pas­sungs­beträge. Wenn­gleich die Höhe der jähr­li­chen Min­destan­pas­sung mit 1 % vor­aus­sicht­lich je­weils un­ter­halb der Teue­rungs­ra­te oder der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze (§ 16 Abs. 2 Nr. 6 Be­trAVG) des nach § 16 Abs. 1 Be­trAVG maßgeb­li­chen dreijähri­gen An­pas­sungs­zeit­rau­mes liegt, er­hal­ten die begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer im Ge­gen­zug je­doch ei­ne von der wirt­schaft­li­chen La­ge des Ar­beit­ge­bers un­abhängi­ge An­pas­sung und da­mit größere Si­cher­heit und Sta­bi­lität hin­sicht­lich der Ent­wick­lung ih­rer Be­triebs­ren­ten. Fer­ner

- 10 -

ist die § 16 Abs. 3 Nr. 1 Be­trAVG ent­spre­chen­de ver­trag­li­che An­pas­sungs­re­ge­lung nicht nur hin­sicht­lich des Ver­sor­gungs­an­spruchs nach § 7 Abs. 1 Be­trAVG, son­dern auch be¬züglich der un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaft bei vor­zei­ti­gem Aus­schei­den (§ 7 Abs. 2 Be­trAVG i.V.m § 2 Abs. 5 Be­trAVG in­sol­venz­geschützt (Blo­mey­er/Rolfs/Ot­to, a.a.O., § 16 Rz. 297).


c. Im Übri­gen be­dingt die oben (II. 2. b. a.E.) an­geführ­te Zu­grun­de­le­gung un­ter­schied­li­cher Zeiträume für die Er­mitt­lung der re­al­lohn­be­zo­ge­nen Ober­gren­ze durch die Be­klag­te er­heb­li­che Zwei­fel an der Rich­tig­keit der er­rech­ne­ten 2,91 % Net­to­lohn­stei­ge­rung. Denn der Vor­trag der Be­klag­ten ist in­so­weit wi­dersprüchlich. Ih­re Zah­len sind, wie die Be­klag­te die von ihr vor­ge­tra­ge­nen Zah­len be­zo­gen auf En­de 2005 er­rech­net (Schrift­satz vom 10. Nov. 2010, Sei­te 4 un­ter Punkt a., Bl. 57 ff. d. A.). Da­mit legt sie nach ei­ge­nem Vor­trag Ver­gleichs­zah­len für ei­nen an­de­ren Prüfungs­zeit­raum vor, als nach ih­rer An­sicht zu­grun­de zu le­gen war.


3. Nach al­le­dem ist das Ab­stel­len auf die re­al­lohn­be­zo­ge­ne Ober­gren­ze (§ 16 Abs. 2 Nr. 2 Be­trAVG) nicht möglich. Da­bei kommt es auf die Fra­ge der zu­tref­fen­den Grup­pen­bil­dung durch die Be­klag­te (eher be­ja­hend LAG München v. 8. 7. 2010, a.a.O.; ab­leh­nend z.B. LAG Ham­burg v. 30. 4. 2010 – 6 Sa 62/09, n.v., Bl. 139 ff. d. A.) nicht an.


4. Ge­gen die bun­des­ar­beits­ge­richt­li­che Recht­spre­chung, der die er­ken­nen­de Kam¬mer folgt, be­ste­hen auch kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken, we­der aus Art. 12 Abs. 1 GG noch aus Art. 2 Abs. 1 GG oder aus Art. 14 Abs. 1 GG.


a. Ein Ver­s­toß ge­gen Art. 12 Abs. 1 GG ist nicht ge­ge­ben. Die Re­ge­lun­gen des § 16 Abs. 1, 2 Be­trAVG be­sit­zen kei­ne be­rufs­re­geln­de Ten­denz. Im Übri­gen stell­ten sie kei­ne nen­nens­wer­te Be­hin­de­rung dar, woll­te man ei­ne be­rufs­re­geln­de Ten­denz an­neh­men. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt führt in sei­ner Ent­schei­dung vom 29. 11. 1989 (– 1 BvR 14/02/87 und 1 BvR 1528/87, NJW 1990, 2053)


„Steu­er­recht­li­che Vor­schrif­ten sind nur dann an Art. 12 Abs. 1 GG zu mes­sen, wenn sie in en­gem Zu­sam­men­hang zur Ausübung ei­nes Be­ru­fes ste­hen und ob­jek­tiv ei­ne be­rufs­re­geln­de Ten­denz er­ken­nen las­sen (...). Des­halb können sie Art. 12. Abs. 1 Satz 2 GG grundsätz­lich auch dann berühren, wenn sie nicht un­mit­tel­bar auf die Be­rufs­frei­heit ab­zie­len, son­dern nur in ih­rer tatsächli­chen Aus­wir­kung

- 11 -

ge­eig­net sind, die­se zu be­ein­träch­ti­gen. Das ist hier je­doch nicht der Fall. Zwar las­sen sich auch durch die Gewährung steu­er­li­cher Vergüns­ti­gun­gen ge­wis­se Len­kungs- und Re­ge­lungs­ef­fek­te er­zie­len, weil sich die Steu­er­pflich­ti­gen in dem Be­stre­ben, Steu­er­be­las­tun­gen zu mei­den, eher den steu­er­begüns­tig­ten Tätig­kei­ten zu­wen­den wer­den. Die Ausübung ei­ner qua­li­fi­zier­ten Ne­bentätig­keit wird je­doch auch nach Weg­fall des § 34 Abs. 4 EStG we­der un­ter­bun­den noch nen­nens­wert be­hin­dert. Der Weg­fall der Be­stim­mung macht die sinn­vol­le Ausübung sol­cher Tätig­kei­ten nicht unmöglich (...).“


Ei­ne Be­ein­träch­ti­gung in die­sem Sin­ne durch die An­wen­dung von § 16 Abs. 2 Be­trAVG in der Aus­le­gung der Norm durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te nicht vor­ge­tra­gen. Un­ge­ach­tet des­sen hat die Be­klag­te auch wi­dersprüchlich vor­ge­tra­gen (vgl. oben II. 2. c.), wes­we­gen schon von da­her ih­re Ver­tei­di­gung ge­gen das Kla­ge­be­geh­ren oh­ne Er­folg bleibt.


b. Eben­so fehlt es an ei­nem Ver­s­toß ge­gen Art. 2 Abs. 1 GG. Denn der Re­ge­lung des § 16 Abs. 2 Be­trAVG fehlt schon kein spe­zi­fi­scher Be­rufs­be­zug. Die Be­triebs­ren­te stellt als Ent­gelt­be­stand­teil Ein­kom­men für die be­reits er­brach­te Ar­beits­leis­tung, al­so die frühe­re be­ruf­li­che Tätig­keit, dar. Die­ses Ein­kom­men soll nicht durch lau­fen­de Teue­rung ent­wer­tet, son­dern je­weils in an­ge­mes­se­nen Abständen, wel­che das Ge­setz mit 3 Jah­ren fest­legt, der je­wei­lig ein­ge­tre­te­nen Teue­rungs­ra­te an­ge­passt wer­den. Dem trägt § 16 Abs. 2 Be­trAVG Rech­nung, oh­ne dass ei­ne gleich ge­eig­ne­te Lösung zur Er­rei­chung des er­streb­ten Zie­les denk­bar wäre.


c. Ein Ein­griff in Art. 14 Abs. 1 GG (ein­ge­rich­te­ter und aus­geübter Ge­wer­be­trieb) ist eben­so nicht zu er­ken­nen. In­so­weit fehlt es nach dies­sei­ti­ger An­sicht be­reits an ei­nem Ein­griff ins Grund­recht. Im Übri­gen gilt das oben (b.) Ge­sag­te.


III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.


IV. Die Re­vi­si­ons­zu­las­sung be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

- 12 -

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:


Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Be­klag­te Re­vi­si­on ein­le­gen.


Für den Kläger ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.


Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ein­ge­legt und in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.


Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung des Ur­teils.


Die Re­vi­si­on muss beim


Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt


Post­an­schrift:
Bun­des­ar­beits­ge­richt
99113 Er­furt


Te­le­fax-Num­mer:
0361 2636-2000


ein­ge­legt und be­gründet wer­den.


Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.


Es genügt auch die Un­ter­zeich­nung durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten der Ge­werk­schaf­ten und von Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie von Zu­sam­men­schlüssen sol­cher Verbände
- für ih­re Mit­glie­der
- oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der

- 13 -

oder


von ju­ris­ti­schen Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich in wirt­schaft­li­chem Ei­gen­tum ei­ner der im vor­ge­nann­ten Ab­satz be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen,
- wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti-
on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt
- und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.


In je­dem Fall muss der Be­vollmäch­tig­te die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.


Zur Möglich­keit der Re­vi­si­ons­ein­le­gung mit­tels elek­tro­ni­schen Do­ku­ments wird auf die Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09.03.2006 (BGBl. I, 519 ff.) hin­ge­wie­sen. Ein­zel­hei­ten hier­zu un­ter http://www.bun­des­ar­beits­ge­richt.de/.


Dr. Künzl 

Gei­er 

Beck

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 6 Sa 107/11  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880