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Die Putz­kraft aus dem Netz

Das Wasch­be­cken schon wie­der schmut­zig, die Du­sche ver­kalkt? Da be­stel­len man­che ei­ne Putz­frau, oft läuft das schwarz: Start-ups wol­len das nun än­dern - und im Ge­gen­zug or­dent­lich mit­kas­sie­ren

19.07.2014. (dpa) - Stu­den­ten­bu­den sind auch nicht mehr das, was sie mal wa­ren.

Wer in Städ­ten wie Ham­burg, Mün­chen oder Köln nach ei­ner Wohn­ge­mein­schaft sucht, stol­pert im­mer wie­der über den Satz: "Wir ha­ben ei­ne Putz­frau."

Was frü­her dem be­gü­ter­ten Bür­ger­tum vor­be­hal­ten war, ist in der Ge­sell­schaft heu­te fes­ter Be­stand­tei­le vie­ler Haus­hal­te.

Und die be­zahl­te Sau­ber­keit könn­te bald noch mehr Leu­te er­rei­chen: Durch das Ge­schäft über das In­ter­net.

Un­ter­neh­men wie Book a Ti­ger, Hel­pling, Ho­me­joy und Cle­an Agents ver­mit­teln on­line Putz­kräf­te. Ih­re Kun­den wol­len sie vor al­lem aus der Schat­ten­wirt­schaft ab­zie­hen - denn das meis­te in der Bran­che läuft nach wie vor un­ter der Hand. "Da herrscht in wei­ten Tei­len Schwarz­ar­beit", sagt Jo­han­nes Bun­gart vom Bun­des­in­nungs­ver­band des Ge­bäu­de­rei­ni­ger-Hand­werks. Das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um schätzt den Markt­an­teil der Schwarz­ar­beit so­gar auf 66 bis 95 Pro­zent. Je­der ach­te Haus­halt be­schäf­ti­ge ei­ne be­zahl­te Haus­halts­hil­fe.

Die neu­en An­bie­ter wer­ben da­mit, Putz­kräf­te zu St­un­den­prei­sen zu ver­mit­teln. Le­gal, oh­ne Pa­pier­krieg für den Kun­den und teils steu­er­lich ab­setz­bar. "Un­ser größ­ter Wett­be­wer­ber ist der Schwarz­markt", sagt ein Spre­cher des Start-ups Hel­pling, das von Saar­brü­cken bis Chem­nitz Putz­kräf­te ver­mit­telt. Die St­un­de Scheu­ern und Staub­fe­gen kos­tet 12,90 Eu­ro - da­von lan­den 10,32 Eu­ro bei der Putz­kraft. Die ist nicht an­ge­stellt, son­dern ar­bei­tet als Selbst­stän­di­ge. Die An­bie­ter kas­sie­ren ei­ne Pro­vi­si­on.

So ist das auch bei Ma­ria Es­pe­ran­za Eche­ni­que. Nach ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch und ei­ner Run­de Pro­be­put­zen rei­nigt sie mehr­mals die Wo­che frem­de Woh­nun­gen. An­stren­gend fin­det sie ver­krus­te­te und dre­cki­ge Bö­den, Ber­lin sei so stau­big. "Dann musst du das drei­mal ma­chen, wenn es gut wer­den soll", er­zählt die Chi­le­nin, die mit ih­rem Mann nur für ein paar Jah­re in der Stadt lebt. Eche­ni­que hat stu­diert und als Ste­war­dess ge­ar­bei­tet. Heu­te legt sie auf ei­ner In­ter­net­kar­te ih­ren Ar­beits­ra­di­us fest und ih­re Putz­auf­trä­ge kom­men per Mail.

Kei­ne ei­ge­nen An­ge­stell­ten, son­dern ein Pool an ar­beits­wil­li­gen Selbst­stän­di­gen - mit die­sem Ge­schäfts­mo­dell ver­die­nen auch an­de­re Fir­men im Netz ihr Geld. Das US-Un­ter­neh­men Uber et­wa ver­mit­telt mit ei­ner Han­dy-App selbst­stän­di­ge Chauf­feu­re und pri­va­te Fah­rer, de­ren Ein­nah­men zum Teil an Uber flie­ßen.

Wie groß der Markt für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen über­haupt ist, lässt sich we­gen der Schwarz­ar­beit schwer sa­gen. Bun­gart vom Bun­des­in­nungs­ver­band sieht die neu­en An­bie­ter et­was skep­tisch. Die Putz­kräf­te sei­en selbst­stän­dig und müss­ten von ih­rem Geld al­so noch die ge­sam­ten Bei­trä­ge zur Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung zah­len. Er schätzt, dass die Selbst­stän­di­gen am En­de pro St­un­de we­ni­ger ver­die­nen als an­ge­stell­te Ge­bäu­de­rei­ni­ger. Für die gilt näm­lich in Deutsch­land laut Ta­rif­ver­trag ein Min­dest­lohn von 9,31 Eu­ro pro St­un­de im Wes­ten und 7,96 Eu­ro im Os­ten.

Hin­ter den neu­en An­bie­tern ste­cken mit­un­ter gro­ße Un­ter­neh­men. Goog­le et­wa in­ves­tier­te 38 Mil­lio­nen Dol­lar in das ka­li­for­ni­sche Un­ter­neh­men Ho­me­joy, das Putz­kräf­te in Nord­ame­ri­ka ver­mit­telt und vor we­ni­gen Wo­chen in Ber­lin Fuß fass­te. Hel­pling ge­hört zur Ber­li­ner Start-up-Fa­brik Ro­cket In­ter­net. Und die Grün­der von Book a Ti­ger ha­ben vor­her Lie­fer­held auf Smart­pho­nes und ins Netz ge­bracht. Al­le drän­gen mit ähn­li­chen St­un­den­prei­sen zwi­schen 12 und 15 Eu­ro auf den Markt, zu ih­rem Um­satz wol­len sie aber bis­lang nichts sa­gen.

Das Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um je­den­falls sieht Po­ten­zi­al im Ver­mitt­lungs­ge­schäft. "Be­fra­gun­gen zei­gen, dass El­tern sich Un­ter­stüt­zung im Haus­halt wün­schen, aber Trans­pa­renz am Markt ver­mis­sen", be­rich­tet ei­ne Spre­che­rin. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sei­en im­mer mehr Müt­ter mit im­mer mehr Ar­beits­stun­den frü­her an den Ar­beits­platz zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Haus­halts­hil­fe kann be­rufs­tä­ti­ge El­tern im All­tag ent­las­ten. Das Mi­nis­te­ri­um denkt des­halb so­gar selbst über ei­ne von der Bun­des­re­gie­rung ge­för­der­te Dienst­leis­tungs­platt­form nach.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 20. März 2015

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