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Ra­me­low sieht Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit skep­tisch

Das Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung, in Zu­kunft in ei­nem Un­ter­neh­men nur noch ei­nen Ta­rif­ver­trag zu­zu­las­sen, stößt bei den Ge­werk­schaf­ten auf we­nig Ge­gen­lie­be: Vor die­sem Hin­ter­grund be­schäf­ti­gen sie sich zu­neh­mend auch mit ih­rer ei­ge­nen Zer­split­te­rung

14.04.2015. (dpa) - Im Streit um das ge­plan­te Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit hat Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) für ei­ne grund­sätz­li­che De­bat­te über ei­ne Mo­der­ni­sie­rung des Ar­beits­rechts plä­diert.

Das Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung, in Zu­kunft in ei­nem Un­ter­neh­men nur noch ei­nen Ta­rif­ver­trag zu­zu­las­sen, sei nicht ziel­füh­rend, sag­te Ra­me­low am Mon­tag in Er­furt bei ei­ner Ver­an­stal­tung der Ro­sa-Lu­xem­burg-Stif­tung.

So et­was kön­ne nicht von oben ver­ord­net wer­den.

Statt­des­sen müss­ten sich die Ge­werk­schaf­ten ei­nig wer­den, wie sie auf Ver­än­de­run­gen in der Ar­beits­welt re­agie­ren woll­ten.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sei­en sie in Deutsch­land aus­ein­an­der­di­vi­diert wor­den. Ei­ner De­bat­te dar­über, was die­se Si­tua­ti­on nun be­deu­te, dürf­ten sich die Ge­werk­schaf­ten aus Angst sie zu ver­lie­ren, nicht ver­schlie­ßen, sag­te Ra­me­low. Vor sei­ner Zeit als Po­li­ti­ker hat­te er vie­le Jah­re als Ge­werk­schaf­ter ge­ar­bei­tet.

Zahl­rei­che Ge­werk­schaf­ter und Wis­sen­schaft­ler aus ganz Deutsch­land äu­ßer­ten bei der Ver­an­stal­tung er­neut schar­fe Kri­tik an dem Ge­setz­ent­wurf. Mit dem Vor­ha­ben sol­le ver­sucht wer­den, ein Pro­blem zu lö­sen, das gar nicht vor­han­den sei, hieß es mehr­fach. Der ei­gent­li­che Zweck sei es, das Streik­recht der Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land ein­zu­schrän­ken.

Tat­säch­lich wer­de die Rol­le von Spar­ten­ge­werk­schaf­ten wie der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GDL oder der Pi­lo­ten­ver­ei­ni­gung Cock­pit in der Öf­fent­lich­keit über­schätzt, sag­te zum Bei­spiel der Wirt­schafts- und So­zi­al­wis­sen­schaft­ler Rein­hard Bispinck. Die­se streik­ten nicht häu­fi­ger als an­de­re Ge­werk­schaf­ten, wenn­gleich ih­re Ar­beits­kämp­fe stär­ker wahr­ge­nom­men wür­den.

Nur der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de, Rein­hard Göh­ner, be­für­wor­te­te das Ge­set­zes­vor­ha­ben. "Ta­rif­au­to­no­mie braucht Ta­rif­ein­heit", sag­te er. Es sei ei­ne Stär­ke des Wirt­schafts­stand­or­tes Deutsch­land, dass die Ar­beit­ge­ber in den ver­gan­ge­nen Jah­ren in der Re­gel ge­wusst hät­ten, wer in ei­nem Un­ter­neh­men die Be­schäf­tig­ten ver­tre­te. Die Zer­split­te­run­gen bei den Ge­werk­schaf­ten be­dro­he die­se Si­cher­heit. "Wir ha­ben kei­ne Zu­kunfts­chan­ce, wenn wir nicht Ta­rif­ein­heit ge­währ­leis­ten", sagt er.

Auch der Vor­sit­zen­de der GDL, Claus We­sels­ky, warn­te da­vor, die Ge­werk­schaf­ten in Deutsch­land sei­en ge­ra­de da­bei, sich ge­gen­ein­an­der aus­spie­len zu las­sen. Die Pro­blem­be­schrei­bung Ra­me­lows sei "un­glaub­lich zu­tref­fend", sag­te er. "Wir zer­le­gen uns hier auf der Ge­werk­schafts­sei­te, wäh­rend die an­de­ren sich in der Cham­pa­gner-Ba­de­wan­ne wäl­zen kön­nen und vor La­chen nicht in den Schlaf kom­men." We­sels­ky kün­digt ei­ne Kla­ge ge­gen das Ge­setz an, soll­te es kom­men.

Der Ge­setz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sieht im Kern vor, dass in­ner­halb ei­nes Un­ter­neh­mens in Zu­kunft die Ge­werk­schaft mit den meis­ten Mit­glie­dern die Be­schäf­tig­ten ver­tre­ten dür­fen soll.

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Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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