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Bun­des­wei­te Raz­zia ge­gen Schwarz­ar­beit in Schlacht­hö­fen

In deut­schen Schlacht­hö­fen soll sys­te­ma­ti­sche Schwarz­ar­beit an der Ta­ges­ord­nung sein: Von "Lohn­skla­ven" und "chi­ne­si­schen Ver­hält­nis­sen" ist die Re­de

25.06.2013. (dpa) - In deut­schen Schlacht­hö­fen sol­len er­neut Leih­ar­bei­ter-Ko­lon­nen sys­te­ma­tisch schwarz be­schäf­tigt wor­den sein.

Es wer­de ge­gen 22 Be­schul­dig­te und ein Fir­men­ge­flecht von rund zwei Dut­zend Un­ter­neh­men er­mit­telt, be­stä­tig­te Staats­an­walt Ralf Möll­mann am Mon­tag in Düs­sel­dorf In­for­ma­tio­nen des "Nord­deut­schen Rund­funks".

Die SPD kri­ti­sier­te, die Bun­des­re­gie­rung ha­be den lan­ge be­kann­ten Zu­stän­den in den Schlacht­hö­fen ta­ten­los zu­ge­se­hen.

Be­reits Mit­te Mai hät­ten 450 Po­li­zis­ten, Zoll­be­am­te, Steu­er­fahn­der und Staats­an­wäl­te bun­des­weit an 90 Or­ten Bü­ros und Woh­nun­gen durch­sucht. Die Er­mitt­ler ge­hen dem Ver­dacht nach, dass mit dem Ein­satz der Leih­ar­bei­ter aus Ru­mä­ni­en und Po­len von den Leih­ar­beits­fir­men Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben in Mil­lio­nen­hö­he hin­ter­zo­gen wur­den.

"Die Ar­beits- und Le­bens­be­din­gun­gen der meist ost­eu­ro­päi­schen Ar­bei­ter auf deut­schen Schlacht­hö­fen sind ein Skan­dal", kri­ti­sier­te Ge­werk­schafts-Chef Klaus Wie­se­hü­gel. Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) ha­be "die Au­gen da­vor ver­schlos­sen und die Men­schen in ih­rem Elend al­lei­ne ge­las­sen", so Wie­se­hü­gel in sei­ner Funk­ti­on als Schat­ten-Ar­beits­mi­nis­ter im Team von SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Peer St­ein­brück. Die Bun­des­re­gie­rung ha­be of­fen­sicht­lich nicht die Ab­sicht, ge­gen den Miss­brauch vor­zu­ge­hen.

Durch­su­chun­gen gab es in Nord­rhein-West­fa­len, Nie­der­sach­sen, Rhein­land-Pfalz, Bre­men, Hes­sen, Schles­wig-Hol­stein, Ber­lin und Thü­rin­gen. Die Or­te wur­den aus er­mitt­lungs­tak­ti­schen Grün­den nicht ge­nannt.

Mit ei­ner ähn­li­chen Durch­su­chungs­ak­ti­on hat­ten die Er­mitt­ler vor sie­ben Jah­ren die Bran­che auf­ge­schreckt. Ein deut­scher Ar­bei­ter-Ver­lei­her aus Mön­chen­glad­bach wur­de in der Fol­ge im Jahr 2010 vom Düs­sel­dor­fer Land­ge­richt zu fünf­ein­halb Jah­ren Haft ver­ur­teilt. Die Er­mitt­ler muss­ten für die Mas­sen an si­cher­ge­stell­ten Un­ter­la­gen ei­ne Turn­hal­le an­mie­ten.

Die Be­schul­dig­ten im ak­tu­el­len Ver­fah­ren der Er­mitt­lungs­kom­mis­si­on "Ka­ro" sei­en zwar an­de­re, sag­te Möll­mann. Die Strip­pen für den Ein­satz der Ar­bei­ter­ko­lon­nen sind aber of­fen­bar er­neut am Nie­der­rhein ge­zo­gen wor­den. So gab es zum Bei­spiel in Kamp-Lint­fort und Mo­ers Durch­su­chun­gen.

Das Ver­fah­ren sei zu­nächst von der Duis­bur­ger Staats­an­walt­schaft ge­führt und we­gen des Um­fangs an die Düs­sel­dor­fer Be­hör­de ab­ge­ge­ben wor­den. Mehr als ein Dut­zend Schlacht­hö­fe soll von Hin­ter­män­nern der Sze­ne mit bil­li­gen Ar­beits­kräf­ten ver­sorgt wor­den sein.

Die Leih­ar­bei­ter-Ko­lon­nen ha­ben die Stamm­be­leg­schaf­ten der Schlacht­hö­fe vie­ler­orts de­zi­miert. Nach An­ga­ben der "Süd­deut­schen Zei­tung" sor­gen die "chi­ne­si­schen Ver­hält­nis­se" in der deut­schen Fleisch­in­dus­trie in­zwi­schen auch in­ter­na­tio­nal für Är­ger.

Die bel­gi­sche Re­gie­rung ha­be sich bei der EU-Kom­mis­si­on über So­zi­al­dum­ping und Wett­be­werbs­ver­zer­rung in Deutsch­land be­schwert. Die Bil­lig­kon­kur­renz aus Deutsch­land soll in­zwi­schen auch den bel­gi­schen Fleisch­ver­ar­bei­tern zu schaf­fen ma­chen und ei­nen "Schlacht-Tou­ris­mus" be­för­dern.

Die ARD woll­te am Mon­tag­abend ei­ne NDR-Do­ku­men­ta­ti­on "Lohn­skla­ven in Deutsch­land" sen­den. Die be­trof­fe­nen Fir­men hät­ten die Vor­wür­fe be­strit­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 2. Februar 2016

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