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15/041a Re­al­löh­ne deut­scher Ar­beit­neh­mer stei­gen kräf­tig

Deutsch­lands Ar­beit­neh­mer ha­ben deut­lich hö­he­re Re­al­löh­ne ein­ge­stri­chen: Dank der nied­ri­gen In­fla­ti­on von 0,9 Pro­zent ka­men sie 2014 fast oh­ne Ab­stri­che in den Ge­nuss von hö­he­ren Ta­rif­ge­häl­tern und Zu­la­gen. Das geht wohl auch so wei­ter

10.02.2015. (dpa) - Kaum noch Teue­rung, aber wei­ter­hin kräf­ti­ge Lohn­ab­schlüs­se: Vie­le Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land hat­ten im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich mehr Geld in der Ta­sche.

Mit 1,6 Pro­zent fiel die Re­al­lohn­stei­ge­rung so stark aus wie noch nie seit der Wirt­schafts­kri­se 2008, be­rich­te­te das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Mon­tag auf Ba­sis vor­läu­fi­ger Zah­len.

2013 hat­te es we­gen ge­stri­che­ner Son­der­zah­lun­gen erst­mals seit 2010 ei­nen leich­ten Rück­gang der Re­al­löh­ne von 0,1 Pro­zent ge­ge­ben.

Die Men­schen ha­ben mehr Geld in der Ta­sche, das we­gen feh­len­der at­trak­ti­ver An­la­ge­mög­lich­kei­ten ver­stärkt im Kon­sum lan­det. Die­se Ent­wick­lung wird nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten auch im lau­fen­den Jahr an­hal­ten. IG Me­tall und IG BCE han­deln ge­ra­de für mehr als vier Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te in den Kern-In­dus­trie­bran­chen Me­tall/Elek­tro und Che­mie die neu­en Ver­dienst­ta­bel­len aus.

Mit ih­ren in den Vor­jah­ren meist über­durch­schnitt­li­chen Ab­schlüs­sen gel­ten die bei­den In­dus­trie­ge­werk­schaf­ten als "Ta­rif-Lo­ko­mo­ti­ven" und be­stim­men da­her ei­nen we­sent­li­chen Be­stand­teil der Ge­samt­lohn­sum­me. Sie for­dern zwi­schen 5,5 (Me­tall) und 4,8 Pro­zent (Che­mie) mehr Geld. Mit teils deut­lich ge­rin­ge­ren Ge­halts­stei­ge­run­gen müs­sen sich Men­schen in be­schäf­ti­gungs­star­ken Bran­chen wie Han­del oder Gast­ge­wer­be be­schei­den.

Die Ar­beit­ge­ber mah­nen zum Ver­zicht: "Die jüngs­ten Zah­len zei­gen, dass sich die Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr über ein deut­li­ches Re­al­lohn­plus freu­en konn­ten. (...) Vor dem Hin­ter­grund, dass die in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Wirt­schafts­stand­orts sinkt, müs­sen wir in den lau­fen­den Ta­rif­run­den maß­vol­le Ab­schlüs­se er­zie­len", er­klär­te bei­spiels­wei­se der Haupt­ge­schäfts­füh­rer der baye­ri­schen Me­tall­ar­beit­ge­ber, Ber­tram Bros­sardt, am Mon­tag. "Wir kön­nen die Un­ter­neh­men nicht über­stra­pa­zie­ren."

Be­trach­tet man al­lein die von Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den aus­ge­han­del­ten Ta­rif­ge­häl­ter, zeigt sich für 2014 noch deut­li­cher ein rea­ler An­stieg von 2,2 Punk­ten. "Be­reits seit 2009 ist es den Ge­werk­schaf­ten ge­lun­gen, Ta­rif­stei­ge­run­gen durch­zu­set­zen, die ober­halb der lau­fen­den Preis­stei­ge­rungs­ra­te la­gen", sagt Rein­hard Bispinck vom ge­werk­schaft­li­chen WSI-Ta­rif­ar­chiv. Aus sei­ner Sicht ist das aber im­mer noch ei­ne Auf­hol­jagd nach Ein­brü­chen in den 2000er-Jah­ren, in de­nen die deut­schen Re­al­löh­ne dem eu­ro­päi­schen Trend hin­ter­her­hink­ten.

Auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne sind hö­he­re Löh­ne in Deutsch­land durch­aus will­kom­men, ver­bes­sern sich da­mit doch die Wett­be­werbs­chan­cen der Kon­kur­renz in an­de­ren EU-Län­dern - so­fern dort die Ar­beits­kos­ten we­ni­ger stark stei­gen. Nach dem Kal­kül der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank könn­te zu­dem die sta­bi­le Kauf­lau­ne in Deutsch­land die Ver­brau­cher­prei­se an­trei­ben und so mit­hel­fen, die Ge­fah­ren ei­ner De­fla­ti­on im Eu­ro­land ab­zu­wen­den.

Die nied­ri­ge In­fla­ti­on wird nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten auch im lau­fen­den Jahr an­hal­ten. Die zu­letzt stark ge­sun­ke­nen En­er­gie­prei­se wer­den nach Ein­schät­zung von Bun­des­bank-Chef Jens Weid­mann da­zu füh­ren, dass die Prei­se um we­ni­ger als die bis­lang für 2015 pro­gnos­ti­zier­ten 1,1 Pro­zent stei­gen. Gleich­zei­tig ent­wi­ckelt sich die Wirt­schaft stär­ker als zu­letzt an­ge­nom­men. Zu­letzt hat­ten Bun­des­re­gie­rung und EU-Kom­mis­si­on ih­re Wachs­tums­er­war­tun­gen für 2015 auf 1,5 Pro­zent hoch­ge­setzt.

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Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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