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Re­al­löh­ne deut­scher Ar­beit­neh­mer stei­gen wei­ter

Lohn­stei­ge­run­gen loh­nen sich für Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land der­zeit be­son­ders: Weil die Ver­brau­cher­prei­se na­he­zu sta­gnie­ren, ha­ben sie mehr Kauf­kraft in der Bör­se. Der Hö­he­punkt scheint aber er­reicht

05.02.2016. (dpa) - Die gol­de­nen Jah­re für Ar­beit­neh­mer in Deutsch­land ge­hen vor­erst noch wei­ter.

Im ge­ra­de be­en­de­ten Jahr 2015 wie auch im lau­fen­den Jahr kön­nen die Be­schäf­tig­ten mit deut­lich stei­gen­den Löh­nen und Ge­häl­tern rech­nen, die nur zu ei­nem Teil von der all­ge­mei­nen Teue­rung wie­der auf­ge­fres­sen wer­den.

Nach volks­wirt­schaft­li­chen Ein­schät­zun­gen ist aber der Hö­he­punkt der Zu­wäch­se wahr­schein­lich er­reicht, weil die In­fla­ti­on per­spek­ti­visch wie­der an­zieht.

Ein kräf­ti­ges Re­al­lohn­plus von 2,5 Pro­zent ha­ben die Ex­per­ten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes für das Jahr 2015 be­rech­net, wie sie am Don­ners­tag auf der Grund­la­ge vor­läu­fi­ger Zah­len be­rich­te­ten. Die Brut­to-Löh­ne wa­ren in der Jah­res­frist um 2,8 Pro­zent ge­klet­tert, ein zwar ho­her, aber längst nicht aus der Rei­he fal­len­der Wert. Un­ge­wöhn­lich war hin­ge­gen die ex­trem nied­ri­ge In­fla­ti­on von 0,3 Pro­zent, die vor al­lem mit den stark ge­fal­le­nen En­er­gie­prei­sen zu tun hat. Weil der Preis­ver­fall für Öl nicht in ähn­li­cher Ge­schwin­dig­keit an­hält, er­war­tet die Bun­des­bank für die­ses Jahr ei­ne In­fla­ti­ons­ra­te von 1,1 Pro­zent und für 2017 von 2,0 Pro­zent.

Von den Lohn­stei­ge­run­gen bleibt dann we­ni­ger üb­rig, ein Re­al­lohn­plus von 2,5 Pro­zent scheint schon in die­sem Jahr we­gen der wie­der stär­ker stei­gen­den Ver­brau­cher­prei­se nicht mehr er­reich­bar. Der 2015er-Wert ist oh­ne­hin Re­kord seit der Fi­nanz- und Wirt­schafts­kri­se 2008, nur im Wie­der­ver­ei­ni­gungs­boom der 1990er-Jah­re gab es zu­letzt hö­he­re Wer­te. Dass Re­al­lohn­stei­ge­run­gen nicht selbst­ver­ständ­lich sind, ha­ben deut­sche Ar­beit­neh­mer vor al­lem in den Nul­ler­jah­ren er­fah­ren. Erst 2014 hat­ten die preis­be­rei­nig­ten Ver­diens­te wie­der das Ni­veau aus dem Jahr 2000 er­reicht.

Ei­nen nicht nä­her be­zif­fer­ten An­teil am An­stieg der Brut­to­löh­ne hat 2015 der erst­mals gül­ti­ge ge­setz­li­che Min­dest­lohn ge­bracht, wie es un­ter an­de­rem die Ex­per­ten des ge­werk­schaft­li­chen WSI-Ta­rif­ar­chivs er­war­tet hat­ten. In den Nied­rig­lohn-Seg­men­ten der un­ge­lern­ten Ar­bei­ter (+4,1 Pro­zent) und der ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten (+4,7 Pro­zent) stie­gen die Brut­to-Ent­gel­te laut Sta­tis­tik weit über­durch­schnitt­lich. Auch die Ar­beit­neh­mer in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern mit ih­rer nied­ri­ge­ren Ge­halts­struk­tur hat­ten im Schnitt hö­he­re Zu­wäch­se (+3,9 Pro­zent) als die Kol­le­gen im Wes­ten (+2,5 Pro­zent). Die Ta­rif­löh­ne wa­ren 2015 mit 2,1 Pro­zent nicht so stark ge­klet­tert, was eben­falls für Wir­kun­gen aus dem Min­dest­lohn spricht.

Die Brut­to­ge­häl­ter klaff­ten zwi­schen West und Ost nach den jüngs­ten vor­lie­gen­den Zah­len 2014 noch weit aus­ein­an­der. Zah­len für das Ge­samt­jahr 2015 lie­gen noch nicht vor. 2014 ver­dien­te ein Voll­zeit­be­schäf­tig­ter im Wes­ten 3652 Eu­ro. Das wa­ren fast 900 Eu­ro mehr als im Os­ten mit 2760 Eu­ro. Der Bun­des­schnitt be­trug 3527 Eu­ro.

Die Bun­des­bank er­war­tet lang­sam wie­der ab­neh­men­de Re­al­lohn­zu­wäch­se, weil die Teue­rung 2017 wie­der deut­lich in die wäh­rungs­po­li­tisch er­wünsch­te Re­gi­on von 2 Pro­zent steigt. Zwar fal­le 2016 der zu­sätz­li­che Lohn­kos­ten­schub durch den Min­dest­lohn aus, aber am obe­ren En­de des Ar­beits­mark­tes müs­se we­gen des knap­pen Fach­kräf­te­an­ge­bots mit deut­li­chen stei­gen­den Ar­beits­kos­ten ge­rech­net wer­den. Die Brut­to­löh­ne soll­ten in die­sem und im nächs­ten Jahr um 2,75 be­zie­hungs­wei­se 3 Pro­zent stei­gen, er­war­ten die Wäh­rungs­hü­ter.

Ernst­haf­te An­zei­chen für ei­ne lohn­po­li­ti­sche Zu­rück­hal­tung der Ge­werk­schaf­ten gibt es nicht. Für rund 12 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te wer­den in die­sem Jahr neue Ta­rif­ver­trä­ge aus­ge­han­delt, wo­bei die in­dus­tri­el­len Schwer­ge­wich­te Me­tall/Elek­tro und Che­mie die wich­tigs­ten sind. Die bis­lang be­kann­ten For­de­run­gen lie­gen zwi­schen 4,5-5 (all­ge­mei­ne Emp­feh­lung NGG) und 6 Pro­zent (Süß­wa­ren­in­dus­trie Ost NGG). Die IG Me­tall steckt noch in ih­ren Be­ra­tun­gen zur Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie zwi­schen 4,5 und 5 Pro­zent, wird aber wohl un­ter der 2015er-For­de­rung nach 5,5 Pro­zent mehr Geld zu­rück­blei­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 15. Juli 2016

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