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Auf­he­bungs­ver­trag und An­fech­tung, Wi­der­ruf

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Auf­he­bungs­ver­trag und An­fech­tung, Wi­der­ruf: von Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Le­sen Sie hier, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Sie ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag we­gen Täu­schung oder Dro­hung durch ei­ne An­fech­tung be­sei­ti­gen kön­nen.

Im Ein­zel­nen fin­den Sie Hin­wei­se zu der Fra­ge, wann ei­ne Täu­schung durch Ih­ren Ver­trags­part­ner „arg­lis­tig“ und wann ei­ne Dro­hung „wi­der­recht­lich“ ist.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, war­um das für Ver­brau­cher in vie­len Fäl­len be­ste­hen­de Wi­der­rufs­recht für ar­beits­recht­li­che Auf­he­bungs­ver­trä­ge nicht gilt.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Kann man einen Aufhebungsvertrag anfechten?

Ein Recht zur An­fech­tung hat nach den Vor­schrif­ten des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs (BGB) je­der, der sich bei Ab­schluss ei­nes Ver­trags über den In­halt sei­ner Erklärung oder über we­sent­li­che Ei­gen­schaf­ten des Ver­trags­ge­gen­stan­des ge­irrt hat oder der zum Ver­trags­schluss mit un­lau­te­ren Me­tho­den genötigt wur­de, al­so et­wa mit Hil­fe ei­ner Täuschung oder Dro­hung.

Die­se im Prin­zip im­mer denk­ba­re Möglich­keit, sich von ei­nem Ver­trag durch ei­ne An­fech­tungs­erklärung wie­der zu lösen, hilft bei Auf­he­bungs­verträgen aber im Er­geb­nis nur sel­ten. Ent­schei­dend ist nämlich im Ein­zel­fall, ob die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­fech­tungs­rechts vor­lie­gen oder nicht.

Wann können Sie einen Aufhebungsvertrag wegen widerrechtlicher Drohung anfechten?

§ 123 Abs.1 BGB gibt dem Ver­trags­sch­ließen­den ein An­fech­tungs­recht für den Fall, dass er zum Ver­trags­schluss „durch arg­lis­ti­ge Täuschung oder wi­der­recht­lich durch Dro­hung be­stimmt wor­den ist“. Die Vor­aus­set­zun­gen für ein sol­ches An­fech­tungs­recht können bei Auf­he­bungs­verträgen zwar vor­lie­gen, doch kommt dies sel­ten vor.

Droht der Ar­beit­ge­ber z.B. mit ei­ner Kündi­gung für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer kei­nen Auf­he­bungs­ver­trag ab­sch­ließen möch­te, ist ei­ne An­fech­tung we­gen wi­der­recht­li­cher Dro­hung gemäß § 123 BGB nach der Recht­spre­chung möglich, wenn ein "verständi­ger" Ar­beit­ge­ber die an­ge­droh­te Kündi­gung nicht ernst­haft in Erwägung zie­hen durf­te. Konn­te er aber ei­ne Kündi­gung ernst­haft in Erwägung zie­hen, be­deu­tet auch ein sehr „mas­si­ves Dro­hen“ mit ihr noch lan­ge nicht, dass ein An­fech­tungs­recht be­steht.

BEISPIEL: Der Ar­beit­ge­ber be­haup­tet, zum Aus­spruch ei­ner or­dent­li­chen ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung be­rech­tigt zu sein, da der Ar­beit­neh­mer zum wie­der­hol­ten Mal und trotz vor­he­ri­ger Ab­mah­nung ver­spätet bei der Ar­beit er­schie­nen ist. Da­her ver­langt er den Ab­schluss ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags und droht mit ei­ner Kündi­gung für den Fall, dass der Ar­beit­neh­mer nicht mit­spielt. Auf­grund der lan­gen Ver­trags­lauf­zeit hätte ei­ne Kündi­gung vor Ge­richt aber mögli­cher­wei­se kei­nen Be­stand. Stimmt der Ar­beit­neh­mer dem Auf­he­bungs­ver­trag zu, kann er nicht an­fech­ten, da der Ar­beit­ge­ber ja nicht grund­los ei­ne Kündi­gung an­ge­droht hat, son­dern die­se je­den­falls ernst­haft in Erwägung zie­hen durf­te.

Die Fra­ge, un­ter wel­chen Umständen die An­dro­hung ei­ner Kündi­gung den Ar­beit­neh­mer zur An­fech­tung des Auf­he­bungs­ver­trags be­rech­tigt, ist al­ler­dings meist rei­ne Theo­rie, da sol­che Dro­hun­gen in der Re­gel un­ter vier Au­gen aus­ge­spro­chen wer­den. Dann sind sie nicht be­weis­bar.

Ein bloßer Zeit­druck, der vom Ar­beit­ge­ber aus­geübt wird, wird von der Recht­spre­chung nicht als Si­tua­ti­on der wi­der­recht­li­chen Dro­hung an­er­kannt.

Wann können Sie einen Aufhebungsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten?

Wie erwähnt, gibt Ih­nen § 123 Abs.1 BGB das Recht, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag an­zu­fech­ten, falls ei­ne vom Ar­beit­ge­ber verübte „arg­lis­ti­ge Täuschung“ der Grund für Ih­re Zu­stim­mung war. Ei­ne sol­che Täuschung kann z.B. dar­in be­ste­hen, dass ei­ne in Wahr­heit nicht be­ste­hen­de be­trieb­li­che Pla­nung be­haup­tet wird, aus der der Weg­fall des Ar­beits­plat­zes fol­gen soll.

Auch in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen steht der Ar­beit­neh­mer vor dem Pro­blem, die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des An­fech­tungs­rechts im Ein­zel­fall nach­zu­wei­sen. Hier­zu gehört die „Arg­list“, d.h. das Auf­stel­len un­rich­ti­ger Be­haup­tun­gen wi­der bes­se­res Wis­sen.

Wann können Sie einen Aufhebungsvertrag wegen Irrtums anfechten?

Gemäß § 119 Abs.1 BGB können Sie ei­nen von Ih­nen ab­ge­schlos­se­nen Auf­he­bungs­ver­trag an­fech­ten, wenn Sie sich bei Ih­rer Zu­stim­mung nicht über den In­halt im Kla­ren wa­ren oder ei­ne Zu­stim­mungs­erklärung gar nicht ab­ge­ben woll­ten. Irrtümer die­ser Art kom­men höchst sel­ten vor und spie­len da­her prak­tisch kei­ne Rol­le.

Eher in­ter­es­sant könn­te das An­fech­tungs­recht gemäß § 119 Abs.2 BGB sein, wo­nach ein zur An­fech­tung be­rech­ti­gen­der Irr­tum auch dann vor­liegt, wenn man sich über ei­ne we­sent­li­che Ei­gen­schaft der Per­son oder Sa­che ge­irrt hat, die Ge­gen­stand oder Grund­la­ge des Auf­he­bungs­ver­trags war. Hier könn­te man der An­sicht sein, dass Schwan­ge­re oder schwer­be­hin­der­te Ar­beit­neh­mer, die ih­re Schwan­ger­schaft bzw. Be­hin­de­rung nicht ken­nen, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag we­gen Irr­tums an­fech­ten können, da sie ihn bei Kennt­nis ih­res be­son­de­ren Kündi­gungs­schut­zes nicht ab­ge­schlos­sen hätten.

Nach der Recht­spre­chung be­steht in sol­chen Fällen ein Recht zur Irr­tums­an­fech­tung al­ler­dings nicht. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­neh­mer sei­nen körper­li­chen Zu­stand ver­kann­te oder ob ihm die dar­aus ab­zu­lei­ten­den Rechts­fol­gen (Son­derkündi­gungs­schutz) un­be­kannt sind.

In der Pra­xis kommt es da­her kaum je­mals vor, dass Auf­he­bungs­verträge we­gen Irr­tums an­ge­foch­ten wer­den.

Können Sie einen Aufhebungsvertrag widerrufen?

Im Un­ter­schied zu Ver­brau­chern, die ei­nen ih­nen an der Haustür auf­ge­schwatz­ten Ver­trag gemäß § 312 BGB frei wi­der­ru­fen können, ha­ben Ar­beit­neh­mer ein sol­ches Wi­der­rufs­recht nach der Recht­spre­chung nicht. Dies ver­steht sich nicht von selbst, da § 312 Abs.1 Nr.1 BGB als Über­rum­pe­lungs­si­tua­ti­on aus­drück­lich auch „münd­li­che Ver­hand­lun­gen an sei­nem Ar­beits­platz“ nennt.

Trotz­dem hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) mit Ur­teil vom 27.11.2003 (2 AZR 177/03) ein Wi­der­rufs­recht für ei­nen Fall ver­neint, in dem der Ar­beit­neh­mer im Per­so­nalbüro ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag un­ter­schrie­ben hat. Nach An­sicht des BAG be­fin­det sich der Ar­beit­neh­mer in ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on, d.h. bei ei­nem dienst­li­chen Gespräch im Per­so­nalbüro, nicht in ei­ner „Über­rum­pe­lungs­la­ge“, wie sie et­wa beim Kauf ei­nes Staub­sau­gers oder ei­nes Zei­tungs-Abos an der Woh­nungstür oder in der Straßen­bahn ge­ge­ben ist.  

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Letzte Überarbeitung: 10. Oktober 2016

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