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Handbuch Arbeitsrecht
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Sperr­zeit, Sperr­frist

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Sperr­zeit, Sperr­frist: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, was man un­ter ei­ner Sperr­zeit bzw. Sperr­frist ver­steht, wel­che ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen bei Sperr­zeit­fra­gen zu be­ach­ten sind und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Agen­tur für Ar­beit ei­ne Sperr­zeit bzw. Sperr­frist ver­hängt.

Au­ßer­dem fin­den Sie Hin­wei­se da­zu, wel­che Fol­gen ei­ne Sperr­zeit, ob wäh­rend ei­ner Sperr­zeit Schutz in der Kran­ken- und Ren­ten­ver­si­che­rung be­steht und wel­ches Ver­hal­ten im ein­zel­nen bei Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­ver­hält­nis­ses ei­ne Sperr­zeit zur Fol­ge hat.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Was versteht man unter einer Sperrzeit bzw. Sperrfrist?

Mit Sperr­zeit oder Sperr­frist ist der Zeit­raum ge­meint, für den das vom ver­si­cher­ten Ar­beit­neh­mer an sich zu be­an­spru­chen­de Ar­beits­lo­sen­geld I von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (bis 31.12.2003: „Ar­beits­amt“) nicht gewährt wird, weil sich der Ar­beit­neh­mer in ei­ner recht­lich mißbil­lig­ten bzw. „ver­si­che­rungs­wid­ri­gen“ Wei­se ver­hal­ten hat.

Im Un­ter­schied zur Sicht­wei­se der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, die ei­ne Sperr­zeit in der Re­gel als Sank­ti­on bzw. „Stra­fe“ emp­fin­den, se­hen Recht­spre­chung und ju­ris­ti­sche Lehr­mei­nung in ihr ei­nen Aus­gleich für be­son­ders ho­he Ri­si­ken in der Per­son des Ver­si­cher­ten: Wer den Ver­si­che­rungs­fall der Ar­beits­lo­sig­keit selbst her­beiführt oder sich an sei­ner Be­sei­ti­gung nicht be­tei­ligt, kann Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen (zeit­wei­se) nicht in An­spruch neh­men.

Wo finden sich rechtliche Regelungen zur Sperrzeit?

Maßgeb­li­che ge­setz­li­che Grund­la­ge ist § 159 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) (früher: § 144 SGB III). Da­nach ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für die Dau­er ei­ner Sperr­zeit, wenn sich der Ar­beit­neh­mer ver­si­che­rungs­wid­rig ver­hal­ten hat, oh­ne dafür ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben

Die Ein­zel­hei­ten der An­wen­dung von § 159 SGB III sind in der von der Durchführungs­an­wei­sung (DA) Sperr­zeit ge­re­gelt. Die DA Sperr­zeit greift die zum The­ma Sperr­zeit er­gan­ge­ne Recht­spre­chung der So­zi­al­ge­rich­te auf und hat im übri­gen den Cha­rak­ter ei­ner ge­ne­rell ge­hal­te­nen Dienst­an­wei­sung der Behörden­lei­tung ge­genüber ih­ren Mit­ar­bei­tern. Sie be­gründet im Verhält­nis zwi­schen Ver­si­cher­tem und Ar­beits­ver­wal­tung kei­ne Rech­te und Pflich­ten, son­dern gibt nur die „of­fi­zi­el­le Rechts­mei­nung“ der Bun­des­agen­tur für Ar­beit wie­der.

Ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung der Ar­beits­agen­tur kann da­her recht­lich un­rich­tig sein und in ei­nem so­zi­al­ge­richt­li­chen Pro­zess für un­wirk­sam erklärt wer­den, ob­wohl sie der DA Sperr­zeit ent­spricht, und um­ge­kehrt recht­lich rich­tig sein und so­zi­al­ge­richt­lich bestätigt wer­den, ob­wohl sie ge­gen die DA Sperr­zeit verstößt.

Trotz ih­rer Nach­ran­gig­keit ge­genüber ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen und Ge­richts­ur­tei­len ist die DA Sperr­zeit prak­tisch von großer Be­deu­tung, da sich die Sach­be­ar­bei­ter in den Ar­beits­agen­tu­ren in al­ler Re­gel an ihr ori­en­tie­ren.

Nach­dem die Bun­des­agen­tur für Ar­beit lan­ge Jah­re ver­such­te, ih­re Durchführungs­an­wei­sun­gen und ins­be­son­de­re die DA Sperr­zeit ge­heim­zu­hal­ten (of­fi­zi­el­len Zu­gang hat­ten außer Behörden­mit­ar­bei­tern nur Rich­ter), ist die DA Sperr­zeit seit 2006 frei zugäng­lich und wird von der Bun­des­agen­tur ge­gen ei­ne Schutz­gebühr als CD-Rom an je­den in­ter­es­sier­ten Bürger aus­gehändigt. Außer­dem kann man die Durchführungs­an­wei­sun­gen mitt­ler­wei­le auch im In­ter­net un­ter www.ar­beits­agen­tur.de (dort un­ter "Veröffent­li­chun­gen" \ "Wei­sun­gen") als pdf er­hal­ten.

Wann wird eine Sperrzeit verhängt?

Gemäß § 159 Abs.1 Satz 1 SGB III tritt ei­ne Sperr­zeit ein, wenn sich der Ar­beit­neh­mer ver­si­che­rungs­wid­rig ver­hal­ten, oh­ne dafür ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben. Ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten liegt gemäß § 159 Abs.1 Satz 2 SGB III vor, wenn

  1. der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat (Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be),
  2. der bei der Agen­tur für Ar­beit als ar­beits­su­chend ge­mel­de­te Ar­beit­neh­mer (§ 38 SGB III) oder der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen ei­ne von der Agen­tur für Ar­beit un­ter Be­nen­nung des Ar­beit­ge­bers und der Art der Tätig­keit an­ge­bo­te­ne Beschäfti­gung nicht an­nimmt oder nicht an­tritt oder die An­bah­nung ei­nes sol­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses, ins­be­son­de­re das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Vor­stel­lungs­gespräches, durch sein Ver­hal­ten ver­hin­dert (Sperr­zeit bei Ar­beitsab­leh­nung),
  3. der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen die von der Agen­tur für Ar­beit ge­for­der­ten Ei­gen­bemühun­gen nicht nach­weist (Sperr­zeit bei un­zu­rei­chen­den Ei­gen­bemühun­gen),
  4. der Ar­beits­lo­se sich wei­gert, trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen an ei­ner Maßnah­me der Eig­nungs­fest­stel­lung, ei­ner Trai­nings­maßnah­me oder ei­ner Maßnah­me zur be­ruf­li­chen Aus­bil­dung oder Wei­ter­bil­dung oder ei­ner Maßnah­me zur Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben teil­zu­neh­men (Sperr­zeit bei Ab­leh­nung ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me),
  5. der Ar­beits­lo­se die Teil­nah­me an ei­ner in Num­mer 4 ge­nann­ten Maßnah­me ab­bricht oder durch maßnah­me­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für den Aus­schluss aus ei­ner die­ser Maßnah­men gibt (Sperr­zeit bei Ab­bruch ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me),
  6. der Ar­beits­lo­se ei­ner Auf­for­de­rung der Agen­tur für Ar­beit, sich zu mel­den oder zu ei­nem ärzt­li­chen oder psy­cho­lo­gi­schen Un­ter­su­chungs­ter­min zu er­schei­nen (§ 309 SGB III), trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen nicht nach­kommt (Sperr­zeit bei Mel­de­versäum­nis),
  7. der Ar­beits­lo­se sei­ner Mel­de­pflicht nach § 38 SGB III nicht nach­ge­kom­men ist (Sperr­zeit bei ver­späte­ter Ar­beit­su­chend­mel­dung).

Der Ar­beit­neh­mer hat die für die Be­ur­tei­lung ei­nes wich­ti­gen Grun­des maßge­ben­den Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, wenn die­se in sei­ner Sphäre oder in sei­nem Ver­ant­wor­tungs­be­reich lie­gen.

Welche Folgen hat eine Sperrzeit?

Während ei­ner Sperr­zeit erhält der Ar­beits­lo­se zunächst ein­mal kein Ar­beits­lo­sen­geld, da der An­spruch ja gemäß § 159 Abs.1 Satz 1 SGB III ruht. Die Dau­er des Ru­hens wird vom Ge­setz un­ter­schied­lich lang fest­ge­legt je nach­dem, für wie gra­vie­rend der Ge­setz­ge­ber das zur Sperr­zeit führen­de ver­si­che­rungs­wid­ri­ge Ver­hal­ten an­sieht. So dau­ert die Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be in der Re­gel zwölf Wo­chen, die Dau­er ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beitsab­leh­nung, bei Ab­leh­nung oder bei Ab­bruch ei­ner be­ruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maßnah­me je nach La­ge des Fal­les drei, sechs oder zwölf Wo­chen usw. Die Dau­er ei­ner Sperr­zeit bei Mel­de­versäum­nis oder bei ver­späte­ter Ar­beit­su­chend­mel­dung beträgt da­ge­gen nur ei­ne Wo­che.

Über das bloße Ru­hen des An­spruchs, d.h. die vorüber­ge­hen­de Aus­set­zung der Leis­tung hin­aus führt ei­ne Sperr­zeit aber auch zum endgülti­gen Weg­fall, d.h. zur ef­fek­ti­ven Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs. Der Um­fang der Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs stimmt im all­ge­mei­nen mit der Dau­er der Sperr­zeit übe­rein, doch gibt es auch hier Un­ter­schie­de im De­tail.

So min­dert zum Bei­spiel ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be, falls sie im Re­ge­l­um­fang von zwölf Wo­chen zu verhängen ist, den Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch nicht et­wa nur im Um­fang von zwölf Wo­chen, son­dern min­des­tens um ein Vier­tel der ge­sam­ten An­spruchs­dau­er (§ 148 Abs.1 Nr.4 SGB III - früher: § 128 Abs.1 Nr.4 SGB III). Bei älte­ren Ver­si­cher­ten können Auf­he­bungs­verträge da­her, falls die Ar­beits­agen­tur hierfür kei­nen wich­ti­gen Grund an­er­kennt, je nach Ge­samt­um­fang des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs zu ei­ner Min­de­rung von bis zu sechs Mo­na­ten führen.

Besteht während einer Sperrzeit Schutz in der Kranken- und Rentenversicherung?

Während des ers­ten Mo­nats ei­ner Sperr­zeit be­steht zwar kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, doch hat der Ar­beits­lo­se während ei­nes Mo­nats nach Be­en­di­gung ei­ner zu­vor be­ste­hen­den Pflicht­mit­glied­schaft gemäß § 19 Abs.2 Fünf­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB V) wei­ter­hin An­spruch auf Leis­tun­gen der Kran­ken­ver­si­che­rung. Nach Ab­lauf die­ses Mo­nats, d.h. ab Be­ginn des zwei­ten Mo­nats bis zur zwölf­ten Wo­che ei­ner Sperr­zeit setzt die re­guläre Kran­ken­ver­si­che­rung der Ar­beits­lo­sen (KV­dA) ein (§ 5 Abs.1 Nr.2 SGB V). An­spruch auf Kran­ken­geld be­steht während ei­ner Sperr­zeit nicht (§ 49 Abs.1 Nr.3a SGB V).

Da der Ar­beit­neh­mer während ei­ner Sperr­zeit kein Ar­beits­lo­sen­geld be­zieht, be­steht kei­ne Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht gemäß § 3 Satz 1 Nr.3 Sechs­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB VI).

Welches Verhalten kann eine Sperrzeit wegen Arbeitsaufgabe auslösen?

Bei­spie­le für ei­ne Ar­beits­auf­ga­be sind

Führt die bloße Hinnahme einer offensichtlich rechtswidrigen Kündigung zur Sperrzeit wegen Arbeitsaufgabe?

Nimmt ein Ar­beit­neh­mer, der durch Vor­schrif­ten des Son­derkündi­gungs­schut­zes ge­genüber Kündi­gun­gen des Ar­beit­ge­bers ab­ge­si­chert ist, ei­ne Kündi­gung trotz ih­res Ver­s­toßes ge­gen den Son­derkündi­gungs­schutz, d.h. trotz ih­rer of­fen­sicht­li­chen Un­wirk­sam­keit ein­fach hin, stellt sich die Fra­ge, ob dar­in ei­ne „ak­ti­ve“ Be­tei­li­gung an der Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu se­hen ist, ins­be­son­de­re dann, wenn die Hin­nah­me der Kündi­gung mit fi­nan­zi­el­len Vergüns­ti­gun­gen ver­bun­den ist.

Er­hebt der Ar­beit­neh­mer in ei­ner sol­chen La­ge kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge, führt dies nach Ab­lauf von drei Wo­chen da­zu, dass die Kündi­gung gemäß § 4 in Ver­bin­dung mit § 7 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) als wirk­sam an­zu­se­hen ist. Die­sel­be Fra­ge stellt sich, wenn die Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers frist­los aus­ge­spro­chen wird, ob­wohl of­fen­sicht­lich ist, dass Kündi­gungs­fris­ten hätten be­ach­tet wer­den müssen.

Ob­wohl das BSG die Untätig­keit des Ar­beit­neh­mers ge­genüber sol­chen Kündi­gun­gen an sich nicht als Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses an­sieht, be­tont es zu­gleich aber auch, dass in der Ent­ge­gen­nah­me fi­nan­zi­el­ler Vergüns­ti­gun­gen je nach La­ge des Ein­zel­falls ein In­diz dafür ge­se­hen wer­den kann, dass die Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers nur vor­ge­scho­ben ist und ei­nen von den Par­tei­en in Wahr­heit ge­woll­ten Auf­he­bungs­ver­trag ver­schlei­ern soll: Je nach den Umständen des Ein­zel­falls kann die In­an­spruch­nah­me fi­nan­zi­el­ler Zu­wen­dun­gen als Zu­stim­mung zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und da­mit als Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch den Kläger zu be­wer­ten sein (BSG, Ur­teil vom 09.11.1995, 11 RAr 27/95).

Ei­ne Ände­rung der Recht­spre­chung in dem Sin­ne, dass be­reits die Hin­nah­me ei­ner of­fen­sicht­lich rechts­wid­ri­gen Kündi­gung als sol­che ei­ne „Lösung“ des Ar­beits­verhält­nis­ses dar­stel­len könn­te, hat­te das BSG zwar ein­mal in Aus­sicht ge­stellt (BSG, Ur­teil vom 09.11.1995, 11 RAr 27/95), ei­ne sol­che Recht­spre­chungsände­rung dann aber wie­der ver­wor­fen (BSG, Ur­teil vom 25.04.2002, B 11 AL 89/01 R).

Wer­den da­her kei­ne Ab­spra­chen über die Fol­gen ei­ner of­fen­sicht­lich rechts­wid­ri­gen Kündi­gung ge­trof­fen, führt de­ren Hin­nah­me durch den Ar­beit­neh­mer auch dann nicht zur Sperr­zeit, wenn die Kündi­gung mit Vergüns­ti­gun­gen ein­her­geht, wenn al­so zum Bei­spiel im Kündi­gungs­schrei­ben ei­ne Wie­der­ein­stel­lungs­zu­sa­ge ent­hal­ten ist (BSG, Ur­teil vom 25.04.2002, B 11 AL 89/01 R).

Führt der vertragliche Verzicht auf das Klagerecht gegen Zahlung einer Abfindung (Abwicklungsvertrag) zur Sperrzeit wegen Arbeitsaufgabe?

Mit ei­nem Ab­wick­lungs­ver­trag ak­zep­tiert der Ar­beit­neh­mer die zu­vor oh­ne sein Zu­tun vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung als rechtmäßig, d.h. er nimmt sie als wirk­sam hin und ver­zich­tet da­mit auf sein Recht zur Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge. Als Ge­gen­leis­tung wird zu­meist ei­ne Ab­fin­dung ver­ein­bart.

Im Un­ter­schied zum Auf­he­bungs­ver­trag be­ruht die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hier vor al­lem auf dem Han­deln des Ar­beit­ge­bers, d.h. auf sei­ner Kündi­gung, und nicht so sehr auf dem Han­deln des Ar­beit­neh­mers, der mit dem Ab­wick­lungs­ver­trag ja nur die zu­vor oh­ne sein Zu­tun aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers hin­nimmt.

Nach der der­zei­ti­gen Recht­spre­chung des BSG be­steht kei­ne Möglich­keit, durch ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag (als Al­ter­na­ti­ve zum Auf­he­bungs­ver­trag) den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit zu ver­hin­dern, da das BSG in dem Ab­schluss ei­nes Ab­wick­lungs­ver­trags ei­ne ak­ti­ve Mit­wir­kung des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers am Ein­tritt der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit sieht (BSG, Ur­teil vom 18.12.2003, B 11 AL 35/03R).

Die­se Recht­spre­chung ist zwar in Fällen ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung mit ge­setz­ge­be­ri­schen Ziel­set­zung, die hin­ter dem seit dem 01.01.2004 gel­ten­den § 1a KSchG steht, nicht recht ver­ein­bar, da die­se Re­ge­lung ei­ne außer­ge­richt­li­che Verständi­gung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en über ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung im Sin­ne ei­ner Ab­fin­dungslösung er­leich­tern will, doch wur­de das Ur­teil des BSG vom 18.12.2003 bis­lang nicht mit Rück­sicht auf die­se Ge­set­zesände­rung kor­ri­giert.

Auch die Durchführungs­an­wei­sung Sperr­zeit enthält kei­ne aus­drück­li­che Klar­stel­lung in dem Sin­ne, dass ein nach Aus­spruch ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung aus­ge­spro­che­ner Ab­wick­lungs­ver­trag mit ei­ner "maßvol­len" Ab­fin­dungs­re­ge­lung im Um­fang von bei­spiels­wei­se 0,25 bis 0,5 Gehältern pro Beschäfti­gungs­jahr kei­ne Sperr­zeit nach sich zieht.

Führt die Hinnahme einer Änderungskündigung zur Sperrzeit wegen Arbeitsaufgabe?

Häufig bie­ten Ar­beit­ge­ber zu­sam­men mit ei­ner - meist be­triebs­be­ding­ten - Kündi­gung die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu geänder­ten, in der Re­gel für den Ar­beit­neh­mer we­ni­ger güns­ti­gen Be­din­gun­gen an. Auf ei­ne sol­che Ände­rungskündi­gung kann der Ar­beit­neh­mer, der un­ter den An­wen­dungs­be­reich des KSchG fällt, in vier ver­schie­de­nen Wei­se re­agie­ren:

  • Er kann - ers­tens - das Ände­rungs­an­ge­bot oh­ne Vor­be­halt an­neh­men und da­mit den Vor­stel­lun­gen des Ar­beit­ge­bers voll­in­halt­lich nach­kom­men.
  • Er kann - zwei­tens - die Kündi­gung im We­ge der Kündi­gungs­schutz­kla­ge an­grei­fen und das Ände­rungs­an­ge­bot aus­schla­gen, d.h. ein iso­lier­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben.
  • Er kann - drit­tens - das Ände­rungs­an­ge­bot un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung, d.h. vorläufig an­neh­men und die aus der An­nah­me des An­ge­bots fol­gen­de Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen ar­beits­ge­richt­lich im We­ge der Ände­rungs­schutz­kla­ge über­prüfen las­sen; die­se Möglich­keit eröff­net § 2 KSchG.
  • Vier­tens und letz­tens kann er sich aber auch dafür ent­schei­den, die Kündi­gung oh­ne An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots hin­zu­neh­men, was zur Ar­beits­lo­sig­keit führt.

Frag­lich ist, ob die vier­te Ver­hal­tens­va­ri­an­te zur Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be führt, da der Ar­beit­neh­mer ja die Möglich­keit hat­te, das Ar­beits­verhält­nis un­ter an­de­ren, nur eben ungüns­ti­ge­ren Be­din­gun­gen fort­zu­set­zen. Hier muss man auf der Grund­la­ge der Recht­spre­chung des BSG da­von aus­ge­hen, dass ei­ne Sperr­zeit nicht ein­tritt, da das Ver­hal­ten des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers bezüglich der Kündi­gung - trotz des von ihm aus­ge­schla­ge­nen Ände­rungs­an­ge­bots - rein pas­siv war, d.h. der Ar­beit­neh­mer hat die Kündi­gung le­dig­lich hin­ge­nom­men.

An­ders stellt sich die Si­tua­ti­on al­ler­dings dann dar, wenn der Ar­beit­neh­mer das Ände­rungs­an­ge­bot un­ter dem Vor­be­halt des § 2 KSchG an­nimmt und Ände­rungs­schutz­kla­ge er­hebt. Stellt sich im Ver­lau­fe ei­nes sol­chen Pro­zes­ses her­aus, dass die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen wohl nicht rech­tens war, wird oft­mals über ei­ne Ver­trags­be­en­di­gung im We­ge des Pro­zess­ver­gleichs ver­han­delt. Ein sol­cher Ver­gleich wäre aber als Auf­he­bungs­ver­trag an­zu­se­hen, da die ursprüng­lich aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers durch die vor dem Pro­zess be­reits erklärte An­nah­me des Ände­rungs­an­ge­bots er­le­digt ist.

Kann die Erlangung einer Abfindung eine Arbeitsaufgabe rechtfertigen?

Nach § 159 Abs.1 Satz 1 SGB III führt nicht je­des an sich ver­si­che­rungs­wid­ri­ge Ver­hal­ten zu ei­ner Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be. Viel­mehr ist das Her­beiführen der Ar­beits­lo­sig­keit nur dann mit ei­ner Sperr­zeit­fol­ge ver­bun­den, wenn der Ar­beit­neh­mer für sein Ver­hal­ten kei­nen wich­ti­gen Grund hat. Un­ter be­stimm­ten Umständen ak­zep­tie­ren so­zi­al­ge­richt­li­che Recht­spre­chung und, ihr fol­gend, die Ar­beits­agen­tu­ren das Stre­ben des Ar­beit­neh­mers nach Er­lan­gung ei­ner Ab­fin­dung als ei­nen wich­ti­gen Grund, der die Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses recht­fer­ti­gen kann.

Ei­nen sol­chen „wich­ti­gen Grund“ hält das BSG im All­ge­mei­nen für ge­ge­ben, wenn der Ar­beit­neh­mer im Rah­men ei­ner von ihm an­ge­streng­ten Kündi­gungs­schutz­kla­ge ei­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich ver­ein­bart, d.h. sich ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung mit der Kündi­gung ein­ver­stan­den erklärt (BSG, Ur­teil vom 17.10.2007, B 11a AL 51/06 R). Das ist rich­tig, da die wei­te­re Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses trotz der durch das Kla­ge­ver­fah­ren in der Re­gel ent­stan­de­nen Span­nun­gen vom Ar­beit­neh­mer nicht ver­langt wer­den kann.

Auch ein Auf­he­bungs­ver­trag kann durch ei­nen wich­ti­gen Grund ge­recht­fer­tigt sein, wenn ihm der Ar­beit­ge­ber zu­vor mit ei­ner ob­jek­tiv rechtmäßigen Kündi­gung ge­droht hat und dem Ar­beit­neh­mer die Hin­nah­me die­ser an­ge­droh­ten Kündi­gung nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Will sich der Ar­beit­neh­mer auf die­sen wich­ti­gen Grund be­ru­fen, muss al­ler­dings die Rechtmäßig­keit der an­ge­droh­ten Kündi­gung fest­ste­hen. Während früher über die Rechmäßig­keit der an­ge­droh­ten Kündi­gung hin­aus er­for­der­lich war, dass dem Ar­beit­neh­mer das Ab­war­ten des Kündi­gungs­aus­spruchs auf­grund außer­gewöhn­li­cher Gründe un­zu­mut­bar wäre (et­wa we­gen dar­aus fol­gen­den Ar­beits­markt­nach­tei­len für Krea­ti­ve oder für Ma­na­ger), stellt nach der ak­tu­el­len Recht­spre­chung des BSG die Rechtmäßig­keit der an­ge­droh­ten Kündi­gung als sol­che be­reits ei­nen wich­ti­gen Grund für ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag mit Ab­fin­dungslösung dar (BSG, Ur­teil vom 17.11.2005, B 11a/11 AL 69/04 R; Ur­teil vom 12.07.2006, B 11a AL 47/05 R).

Aus ähn­li­chen Gründen können auch lei­ten­de An­ge­stell­te im Sin­ne von § 14 Abs.2 KSchG stets ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag mit Ab­fin­dungslösung ab­sch­ließen, oh­ne ei­ne Sperr­zeit befürch­ten zu müssen, wenn ih­nen oh­ne Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges die frist­ge­rech­te Kündi­gung und für den Fall ih­rer So­zi­al­wid­rig­keit die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf An­trag des Ar­beit­ge­bers gemäß § 9 Abs.1 Satz 2 KSchG in Ver­bin­dung mit § 14 Abs.2 Satz 2 KSchG droht (BSG, Ur­teil vom 17.11.2005, B 11a/11 Al 69/04 R). Hin­ter­grund die­ser Möglich­keit, oh­ne Sperr­zeit ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag ab­zu­sch­ließen, ist die vom Ge­setz vor­ge­se­he­ne Lo­cke­rung des Kündi­gungs­schut­zes, den lei­ten­de An­ge­stell­te ge­nießen: Sie können zwar ge­gen die Kündi­gung kla­gen, doch hat der Ar­beit­ge­ber in ei­nem sol­chen Pro­zess die Möglich­keit, oh­ne An­ga­be von Gründen die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen ei­ne vom Ge­richt fest­zu­set­zen­de Ab­fin­dung zu be­an­tra­gen. Er kann den lei­ten­den An­ge­stell­ten da­her letzt­lich im­mer - wenn auch un­ter In­k­auf­nah­me ei­ner Ab­fin­dung - „los­wer­den“.

Über die­se Recht­spre­chung hin­aus er­kennt die Ar­beits­ver­wal­tung seit Ok­to­ber 2007 ei­nen wich­ti­gen Grund für ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag mit „nor­ma­ler“ Ab­fin­dungs­re­ge­lung nach ei­ner vom Ar­beit­ge­ber in Aus­sicht ge­stell­ten be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung so­gar dann an, wenn die an­ge­droh­te Kündi­gung mögli­cher­wei­se rechts­wid­rig ge­we­sen wäre. Im ein­zel­nen ist ein Auf­he­bungs­ver­trag mit Ab­fin­dungslösung zur Ver­mei­dung ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung un­ter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen ge­recht­fer­tigt (Durchführungs­an­wei­sung (DA) Sperr­zeit, Stand: Ok­to­ber 2007):

  • Ei­ne Kündi­gung wur­de durch den Ar­beit­ge­ber „mit Be­stimmt­heit“ in Aus­sicht ge­stellt.
  • Die Ar­beit­ge­berkündi­gung würde auf be­trieb­li­che Gründe gestützt wer­den. Auf die Rechtmäßig­keit der Ar­beit­ge­berkündi­gung kommt es nicht mehr an.
  • Die Ar­beit­ge­berkündi­gung würde frühes­tens zu dem­sel­ben Zeit­punkt wie die im Auf­he­bungs­ver­trag ver­ein­bar­te Ver­trags­be­en­di­gung wirk­sam.
  • Die an­ge­droh­te Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers würde die von die­sem zu be­ach­ten­de Kündi­gungs­frist ein­hal­ten.
  • Der Ar­beit­neh­mer erhält ei­ne Ab­fin­dung von min­des­tens 0,25 und höchs­tens 0,50 Gehältern pro Beschäfti­gungs­jahr. Liegt die Ab­fin­dung un­ter oder über die­ser Span­ne, wird nur dann ein wich­ti­ger Grund für den Auf­he­bungs­ver­trag von der Ar­beits­agen­tur nach wie vor nur dann an­er­kannt, wenn die Kündi­gung rechtmäßig wäre.

Dass die Ar­beits­agen­tur in ei­ner sol­chen Kon­stel­la­ti­on ei­nen wich­ti­gen Grund für die Ar­beits­auf­ga­be an­er­kennt, dient der Ver­mei­dung ei­nes Wer­tungs­wi­der­spruchs zu dem am 01.01.2004 in Kraft ge­tre­te­nen § 1a KSchG: Die­se Re­ge­lung soll ein­ver­nehm­li­che Ab­fin­dungs­re­ge­lun­gen oh­ne Ein­schal­tung der Ar­beits­ge­rich­te fördern und ver­schafft dem Ar­beit­neh­mer da­her ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch in Höhe von ei­nem hal­ben Mo­nats­ge­halt pro Beschäfti­gungs­jahr, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­ne Kündi­gung be­triebs­be­ding­te Kündi­gung aus­spricht und in der Kündi­gungs­erklärung ei­ne Ab­fin­dung gemäß § 1a KSchG für den Fall des Ver­strei­chen­las­sens der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist ver­spricht; er­hebt der Ar­beit­neh­mer dann kei­ne Kla­ge, kann er die Ab­fin­dung ver­lan­gen. Mit der hin­ter die­ser Re­ge­lung ste­hen­den ge­setz­ge­be­ri­schen Zweck­set­zung wäre die bis­he­ri­ge Sperr­zei­ten­pra­xis der Bun­des­agen­tur, nach der ei­ne Sperr­zeit nur bei (vom Ar­beit­neh­mer zu be­wei­sen­der!) Rechtmäßig­keit der vom Ar­beit­ge­ber an­ge­droh­ten (hy­po­the­ti­schen) be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung um­gan­gen wer­den konn­te, nicht ver­ein­bar.

Kann der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung eine Arbeitsaufgabe rechtfertigen?

Die Kündi­gung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses und die Ein­ge­hung ei­nes dar­an an­sch­ließen­den be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses können da­zu führen, dass nach Ab­lauf des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses Beschäfti­gungs­lo­sig­keit ein­tritt, so dass sich die Fra­ge nach ei­ner Sperr­zeit stellt.

Geht der Wech­sel von dem si­che­ren un­be­fris­te­ten in das prekäre be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis mit ei­nem be­ruf­li­chen Auf­stieg, ins­be­son­de­re ei­ner bes­se­ren Be­zah­lung ein­her, oder ver­schlech­tert sich der Ar­beit­neh­mer durch den Wech­sel zwar fi­nan­zi­ell, er­sch­ließt sich da­durch aber ei­nen an­de­res Be­rufs­feld, stellt der Wunsch nach ei­ner be­ruf­li­chen Verände­rung der Recht­spre­chung des BSG zu­fol­ge ei­nen wich­ti­gen Grund für ei­ne Ar­beits­auf­ga­be dar (BSG, Ur­teil vom 12.07.2006 - B 11a AL 55/05 R).

Wann rechtfertigen Ehe oder Lebensgemeinschaft eine Arbeitsaufgabe?

Gibt ein Ar­beit­neh­mer sei­ne Beschäfti­gung auf und nimmt die an­sch­ließen­de Ar­beits­lo­sig­keit in Kauf, um zu sei­nem Ehe­part­ner in ei­ne an­de­re Stadt zu zie­hen, ist die Ar­beits­auf­ga­be durch ei­nen wich­ti­gen Grund, nämlich die Fort­set­zung der ehe­li­chen Ge­mein­schaft, ge­recht­fer­tigt, so dass ei­ne Sperr­zeit nicht ein­tritt.

Dies gilt auch für den Fall, dass Ar­beits­auf­ga­be und Um­zug in ei­ne an­de­re Stadt den Zweck ha­ben, ei­ne Hei­rat erst zu ermögli­chen. Auch hier kann sich der Ver­si­cher­te auf den grund­recht­li­chen Schutz von Ehe und Fa­mi­lie, d.h. auf Art.6 Grund­ge­setz (GG) be­ru­fen. Der Um­zug zu ei­nem „Ver­lob­ten“ genügt al­ler­dings nicht, wenn die ge­plan­te Hei­rat un­ter­bleibt und wenn der Ar­beit­neh­mer zum Zeit­punkt der Kündi­gung noch nicht ein­mal da­von aus­ge­hen konn­te, dass die Hei­rat bis zur Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses oder je­den­falls „als­bald da­nach“ statt­fin­den wer­de (BSG, Ur­teil vom 20.04.1977, 7 RAr 112/75). Lie­gen zwi­schen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses und Ehe­sch­ließung meh­re­re Mo­na­te, kann sich der Ar­beit­neh­mer nicht mehr auf die ge­plan­te Hei­rat be­ru­fen (BSG, Ur­teil vom 17.11.2005, B 11a/11 AL 49/04 R).

Dem­ge­genüber stellt ein Orts­wech­sel zum Zwe­cke der Be­gründung ei­ner zu­vor nicht be­ste­hen­den nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft kei­nen wich­ti­gen Grund für die Lösung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses dar (BSG, Ur­teil vom 17.10.2002, B 7 AL 96/00 R). Be­stand die nicht­ehe­li­che Ge­mein­schaft da­ge­gen be­reits zum Zeit­punkt der Ar­beits­auf­ga­be, d.h. soll sie durch ei­nen Um­zug in ei­ne an­de­re Stadt fort­ge­setzt wer­den, bil­ligt die Recht­spre­chung des BSG dem Ar­beit­neh­mer seit ei­ni­gen Jah­ren ei­nen wich­ti­gen Grund für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses zu (BSG, Ur­teil vom 17.10.2002, B 7 AL 96/00 R).

Kann das Kindeswohl eine Arbeitsaufgabe rechtfertigen?

Auch oh­ne kon­kre­te Hei­rats­ab­sicht oder zeit­na­hen Hoch­zeits­ter­min kann der Um­zug zum Part­ner oder Ver­lob­ten durch ei­nen wich­ti­gen Grund ge­recht­fer­tigt sein, wenn der Ar­beit­neh­mer durch den Orts­wech­sel die Möglich­keit für die ge­mein­sa­me Be­treu­ung und Er­zie­hung sei­nes Kin­des schaf­fen möch­te (BSG, Ur­teil vom 17.11.2005, B 11a/11 AL 49/04 R; BSG, Ur­teil vom 17.10.2007, B 11a/7a AL 52/06 R). Hier wird die Sor­ge des Ver­si­cher­ten um das Kin­des­wohl als wich­ti­ger Grund für die Ar­beits­auf­ga­be an­er­kannt.

Wann tritt eine Sperrzeit wegen Arbeitsablehnung ein?

Ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beitsab­leh­nung tritt gemäß § 159 Abs.1 Satz 2 Nr.2 SGB III ein, wenn der bei der Agen­tur für Ar­beit als ar­beits­su­chend ge­mel­de­te Ar­beit­neh­mer oder der Ar­beits­lo­se trotz Be­leh­rung über die Rechts­fol­gen ei­ne von der Agen­tur für Ar­beit un­ter Be­nen­nung des Ar­beit­ge­bers und der Art der Tätig­keit an­ge­bo­te­ne Beschäfti­gung nicht an­nimmt oder nicht an­tritt oder die An­bah­nung ei­nes sol­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses, ins­be­son­de­re das Zu­stan­de­kom­men ei­nes Vor­stel­lungs­gespräches, durch sein Ver­hal­ten ver­hin­dert.

Die­se Re­ge­lung greift bei­spiels­wei­se dann ein, wenn der Ar­beits­lo­se ei­nen Vor­stel­lungs­ter­min bei ei­nem durch die Ar­beits­agen­tur ver­mit­tel­ten po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­ber wahr­nimmt und bei die­ser Ge­le­gen­heit - et­wa durch schlam­pi­ge Klei­dung oder durch Trun­ken­heit - re­gel­recht dar­auf hin­ar­bei­tet, nicht ge­nom­men zu wer­den. Er­laubt sind al­ler­dings „rea­lis­ti­sche“ Lohn­for­de­run­gen und der wahr­heits­gemäße Hin­weis auf feh­len­de Kennt­nis­se oder Er­fah­run­gen, wenn die­se für die zu be­set­zen­de Stel­le not­wen­dig sind.

Wann tritt eine Sperrzeit wegen verspäteter Arbeitsuchendmeldung ein?

Ei­ne Sperr­zeit we­gen ver­späte­ter Ar­beit­su­chen­mel­dung tritt gemäß § 159 Abs.1 Satz 2 Nr.7 SGB III ein, wenn der Ar­beit­neh­mer bzw. Ar­beits­lo­se sei­ner Mel­de­pflicht nach § 38 SGB III nicht nach­ge­kom­men ist.

Nach die­ser Vor­schrift sind Ar­beit­neh­mer oder Aus­zu­bil­den­de, de­ren Ar­beits- bzw. Aus­bil­dungs­verhält­nis en­det, da­zu ver­pflich­tet, sich spätes­tens drei Mo­na­te vor des­sen Be­en­di­gung persönlich bei der Agen­tur für Ar­beit ar­beit­su­chend zu mel­den. Lie­gen zwi­schen der Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes und der Be­en­di­gung des Ar­beits- oder Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses we­ni­ger als drei Mo­na­te, hat die Mel­dung in­ner­halb von drei Ta­gen nach Kennt­nis des Be­en­di­gungs­zeit­punk­tes zu er­fol­gen. Zur Wah­rung der Frist reicht ei­ne te­le­fo­ni­sche Mit­tei­lung aus, wenn die persönli­che Mel­dung nach ter­min­li­cher Ver­ein­ba­rung nach­ge­holt wird.

Die Pflicht zur Mel­dung be­steht un­abhängig da­von, ob der Fort­be­stand des Ar­beits- oder Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses ge­richt­lich gel­tend ge­macht oder vom Ar­beit­ge­ber in Aus­sicht ge­stellt wird. Der Ar­beits­lo­se kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass ei­ne durch den Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung of­fen­sicht­lich un­wirk­sam ge­we­sen sei.

Um die Be­fol­gung der Mel­de­pflicht nach § 38 SGB III später nach­wei­sen zu können, soll­te der Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beits­agen­tur ei­ne schrift­li­che Bestäti­gung sei­ner Mel­dung ver­lan­gen.

Bis En­de 2005 be­stand die Rechts­fol­ge ei­ner ver­späte­ten Ar­beit­su­chen­mel­dung in ei­ner pro Tag der Ver­spätung be­rech­ne­ten Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs. Seit dem 01.01.2006 tritt dem­ge­genüber ei­ne Sperr­zeit von ei­ner Wo­che ein, wenn der Ver­si­cher­te ge­gen sei­ne Pflicht zur frühzei­ti­gen Ar­beit­su­chen­mel­dung verstößt (§ 159 Abs.6 SGB III).

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Letzte Überarbeitung: 1. Dezember 2016

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