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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Abfindung, Kündigung: Betriebsbedingt, Kündigungsschutzklage
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 807/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 13.12.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Weiden, Urteil vom 21.06.2005, 5 Ca 510/05 S
Landesarbeitsgericht Nürnberg, Urteil vom 4.O4.2006, 6 Sa 785/05
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


2 AZR 807/06
6 Sa 785/05
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Nürn­berg

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
13. De­zem­ber 2007

UR­TEIL

Schmidt, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,


hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 13. De­zem­ber 2007 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt

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Dr. Ey­lert und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schier­le und Gans für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 4. April 2006 - 6 Sa 785/05 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Wei­den - Kam­mer Schwan­dorf - vom 21. Ju­li 2005 - 5 Ca 510/05 S - ab­geändert.

3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 4.076,16 Eu­ro brut­to zuzüglich Zin­sen iHv. 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 25. März 2005 zu zah­len.

4. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!


Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch nach § 1a KSchG. 

Der Kläger war seit 1988 bei der Be­klag­ten beschäftigt. Mit Schrei­ben vom 28. Ok­to­ber 2004 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum 28. Fe­bru­ar 2005. In dem Kündi­gungs­schrei­ben heißt es ua.:

„Es han­delt sich um ei­ne Kündi­gung auf­grund von drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG. Wir wei­sen Sie dar­auf hin, dass Sie ei­ne Ab­fin­dung be­an­spru­chen können, wenn Sie in­ner­halb der dreiwöchi­gen Frist für die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs-schutz­kla­ge nach § 4 Satz 1 KSchG kei­ne Kla­ge er­he­ben.

Der Be­triebs­rat wur­de zur Kündi­gung ord­nungs­gemäß an­gehört. Die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats ist die­sem Schrei­ben in Ko­pie als An­la­ge bei­gefügt.“

Dem Kündi­gungs­schrei­ben bei­gefügt war die zu­stim­men­de nicht un­ter­schrie­be­ne Stel­lung­nah­me des zu­vor an­gehörten Be­triebs­rats. Sie enthält ei­nen
 


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eben­falls nicht un­ter­schrie­be­nen hand­schrift­li­chen Ver­merk des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den:

„Es wur­de ei­ne Ab­fin­dung von 8.000,00 Eu­ro ver­ein­bart.“

Der Kläger hat kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Er macht über die ihm von der Be­klag­ten aus­ge­zahl­te Ab­fin­dung iHv. 8.000,00 Eu­ro hin­aus ei­nen Be­trag von 4.076,16 Eu­ro gel­tend. Da­bei han­delt es sich um die rech­ne­risch un­strei­ti­ge Dif­fe­renz zu dem sich gem. § 1a Abs. 2 KSchG er-rech­nen­den Ab­fin­dungs­be­trag.

Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, ihm ste­he ei­ne Ab­fin­dung nach § 1a KSchG zu. Die Be­klag­te ha­be im Kündi­gungs­schrei­ben aus­drück­lich auf die ge­setz­li­che Re­ge­lung hin­ge­wie­sen. Ei­ne ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­rung über ei­nen Be­trag von 8.000,00 Eu­ro sei nicht zu­stan­de ge­kom­men.

Der Kläger hat be­an­tragt: 

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 4.076,16 Eu­ro nebst 5 Pro­zent­punk­ten Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu be­zah­len.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat be­haup­tet, der Kläger ha­be der Ver­ein­ba­rung ei­ner Ab­fin­dung iHv. 8.000,00 Eu­ro aus­drück­lich ge­genüber dem Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den zu­ge­stimmt. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 1a KSchG lägen an­ge­sichts ab­wei­chen­der Ver­ein­ba­rung über die Höhe der Ab­fin­dung nicht vor.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge nach Be­weis­auf­nah­me ab­ge­wie­sen, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Kla­ge­an­spruch wei­ter.
 


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Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on hat Er­folg. Die Kla­ge ist be­gründet. 

A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aus­geführt, auf Grund der durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me ste­he fest, dass der Kläger mit dem ihm vom Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den vor Aus­spruch der Kündi­gung über­mit­tel­ten Ab­fin­dungs­an­ge­bot der Be­klag­ten iHv. 8.000,00 Eu­ro aus­drück­lich ein­ver­stan­den ge­we­sen sei. Die­se Ver­ein­ba­rung sei nicht form­bedürf­tig. Auch wenn im Kündi­gungs­schrei­ben dem Wort­laut nach auf die Re­ge­lung des § 1a KSchG ver­wie­sen wer­de, könne sich der Kläger je­den­falls an­ge­sichts der zu­vor ge­trof­fe­nen ab­wei­chen­den Ver­ein­ba­rung über die Höhe der Ab­fin­dung nicht auf § 1a KSchG be­ru­fen. Das Ver­hal­ten des Klägers sei vor die­sem Hin­ter­grund treu­wid­rig.

B. Dem stimmt der Se­nat nicht zu. 

I. Dem Kläger steht der er­ho­be­ne Zah­lungs­an­spruch iHv. 4.076,16 Eu­ro brut­to zzgl. Pro­zess­zin­sen seit 25. März 2005 zu. Der An­spruch des Klägers er­gibt sich aus § 1a KSchG.

1. Nach § 1a Abs. 1 Satz 1 KSchG hat der Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung, wenn der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­verhält­nis we­gen drin­gen­der be­trieb­li­cher Er­for­der­nis­se nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG kündigt und der Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der Frist des § 4 Satz 1 KSchG kei­ne Kla­ge auf Fest­stel­lung er­hebt, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung nicht auf­gelöst ist. Nach § 1a Abs. 1 Satz 2 KSchG setzt der An­spruch den Hin­weis des Ar­beit­ge­bers in der Kündi­gungs­erklärung vor­aus, dass die Kündi­gung auf drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe gestützt ist und der Ar­beit­neh­mer bei Ver­strei­chen­las­sen der Kla­ge­frist die Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann.

a) Die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt das Kündi­gungs­schrei­ben vom 28. Ok­to­ber 2004. Die aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung wird auf drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se nach § 1 Abs. 2 Satz 1 KSchG gestützt und enthält auch den Hin­weis, dass der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ab­fin­dung be­an­spru­chen kann, wenn er


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in­ner­halb der dreiwöchi­gen Frist für die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge nach § 4 Satz 1 KSchG kei­ne Kla­ge er­hebt.

b) Die Ab­fin­dungshöhe von 12.076,16 Eu­ro er­gibt sich aus § 1a Abs. 2 KSchG. Ei­nes ge­son­der­ten Hin­wei­ses auf die Höhe der Ab­fin­dung be­durf­te es nicht (vgl. APS-Ascheid/Hes­se 3. Aufl. § 1a KSchG Rn. 6; Ba­der NZA 2004, 65, 71; ErfK/Ascheid/Oet­ker 7. Aufl. § 1a KSchG Rn. 5; Gie­sen/Bes­gen NJW 2004, 185, 186; Ha­Ko-Näge­le KSchR 3. Aufl. § 1a KSchG Rn. 5; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck KSchG 14. Aufl. § 1a Rn. 7; HWK/Quecke 2. Aufl. § 1a KSchG Rn. 12; KR-Spil­ger 8. Aufl. § 1a KSchG Rn. 33; Masch­mann AuA 10/2003, 6, 10; Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen-Preis Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis 9. Aufl. Rn. 1167f). Vor­aus­set­zung für den An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung, de­ren Höhe sich dann nach § 1a Abs. 2 KSchG er­rech­net, sind le­dig­lich die Hin­wei­se auf die zur Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung an­ge­zo­ge­nen drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­se und auf das Ver­strei­chen-las­sen der Kla­ge­frist nach § 4 Satz 1 KSchG. Die für die Be­rech­nung des An­spruchs maßgeb­li­che Vor­schrift des § 1a Abs. 2 KSchG muss nicht aus­drück­lich erwähnt wer­den.

2. Das Kündi­gungs­schrei­ben enthält kein von § 1a Abs. 2 KSchG ab­wei­chen­des Ab­fin­dungs­an­ge­bot.

a) § 1a KSchG steht ei­ner Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens als ei­genständi­ges, von den Vor­aus­set­zun­gen des § 1a KSchG un­abhängi­ges Ab­fin­dungs­an­ge­bot nicht grundsätz­lich ent­ge­gen. Die Re­ge­lung des § 1a KSchG setzt kei­nen ge­ne­rell un­ab­ding­ba­ren Min­dest­ab­fin­dungs­an­spruch bei Aus­spruch be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen fest (vgl. Preis DB 2004, 70, 73). Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en blei­ben auch bei be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen frei, ei­ne ge­rin­ge­re oder höhe­re als die vom Ge­setz vor­ge­se­he­ne Ab­fin­dung zu ver­ein­ba­ren (BAG 19. Ju­ni 2007 - 1 AZR 340/06 - DB 2007, 2600).

aa) Dies schließt die Möglich­keit ein, dass der Ar­beit­ge­ber die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung von dem un­ge­nutz­ten Ver­strei­chen­las­sen der Frist zur Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge abhängig macht. Es hätte ei­ner An-

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ord­nung des Ge­setz­ge­bers be­durft, um die mit ei­nem Aus­schluss ei­ner von § 1a KSchG ab­wei­chen­den Ver­ein­ba­rung ver­bun­de­ne Be­schränkung der Ver­trags­frei­heit zu recht­fer­ti­gen (vgl. auch Preis DB 2004, 70, 73).

bb) Die Fra­ge, ob der Ar­beit­ge­ber ei­nen Hin­weis nach § 1a KSchG oder ein da­von ab­wei­chen­des An­ge­bot un­ter­brei­tet hat, ist durch Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens zu er­mit­teln (BAG 19. Ju­ni 2007 - 1 AZR 340/06 - DB 2007, 2600; vgl. KR-Spil­ger 8. Aufl. § 1a KSchG Rn. 60). Da­bei darf al­ler­dings nicht vor­schnell auf ein sol­ches An­ge­bot ge­schlos­sen wer­den. Aus dem Kündi­gungs­schrei­ben muss sich der Wil­le des Ar­beit­ge­bers, ein von der ge­setz­li­chen Vor­ga­be ab­wei­chen­des An­ge­bot un­ter­brei­ten zu wol­len, ein­deu­tig und un­miss­verständ­lich er­ge­ben (s. auch Preis aaO). Enthält das Kündi­gungs­schrei­ben ei­nen vollständi­gen Hin­weis nach § 1a KSchG, so spricht dies für ei­nen An­spruch des Ar­beit­neh­mers nach § 1a Abs. 2 KSchG.

(1) Aus­weis­lich der Ge­set­zes­be­gründung soll­te durch § 1a KSchG ei­ne ein­fach zu hand­ha­ben­de, mo­der­ne und unbüro­kra­ti­sche Al­ter­na­ti­ve zum Kündi­gungs­schutz­pro­zess ge­schaf­fen wer­den: Der Ar­beit­ge­ber „muss in der schrift­li­chen Kündi­gungs­erklärung (§ 623 BGB) als Kündi­gungs­grund drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se nach § 1 Abs. 2 Satz 1 an­ge­ben. ... Außer­dem muss der Ar­beit­ge­ber ... dar­auf hin­wei­sen, dass der Ar­beit­neh­mer die ge­setz­li­che Ab­fin­dung nach Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses be­an­spru­chen kann, wenn er die dreiwöchi­ge Frist für die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge nach § 4 Satz 1 ver­strei­chen lässt. Da­durch, dass der Ar­beit­ge­ber bei­de An­ga­ben schrift­lich mit­tei­len muss, wer­den irrtümli­che Erklärun­gen ver­mie­den. Durch die ge­setz­li­che Schrift­form und den ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen In­halt der Kündi­gungs­erklärung wird für den Ar­beit­neh­mer die er­for­der­li­che Rechts­klar­heit und Be­weis­si­che­rung ge­schaf­fen. Der Ar­beit­neh­mer kann jetzt frei darüber ent­schei­den, ob er die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Zah­lung der ge­setz­lich fest­ge­setz­ten Ab­fin­dung ge­gen sich gel­ten lässt oder ob er Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt, be­vor die Kündi­gung we­gen Ab­laufs der Kla­ge­frist als von An­fang an rechts­wirk­sam gilt (§ 7).“ (BT-Drucks. 15/1204 S. 12).

 

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(2) Will der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer mit Aus­spruch der Kündi­gung ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Ver­trags in An­leh­nung an das ge­setz­li­che Mo­dell des § 1a KSchG un­ter­brei­ten, oh­ne je­doch die ge­setz­li­che Ab­fin­dung an­bie­ten zu wol­len, so ist aus Gründen der Rechts­si­cher­heit, Rechts­klar­heit und Be­weis­si­che­rung er­for­der­lich, dass sich aus der schrift­li­chen Kündi­gungs­erklärung ein­deu­tig und un­miss­verständ­lich er­gibt, wel­che Ab­fin­dung der Ar­beit­ge­ber an­bie­tet (s. auch Preis DB 2004, 70, 73). Der Ar­beit­neh­mer muss nach Er­halt des Kündi­gungs­schrei­bens in­ner­halb von drei Wo­chen ent­schei­den, ob er ge­gen Zah­lung der an­ge­bo­te­nen Ab­fin­dung aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­det oder ob er ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt. Zusätz­lich muss der Ar­beit­neh­mer in der Si­tua­ti­on des Zu­gangs der Kündi­gung klar er­ken­nen können, ob der Ar­beit­ge­ber ihm ein An­ge­bot nach § 1a KSchG oder ein von § 1a KSchG ab­wei­chen­des An­ge­bot un­ter­be­rei­tet hat. Er muss wis­sen, wor­auf er sich einlässt. An­dern­falls könn­te sich erst bei Zah­lung der Ab­fin­dung nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist (vgl. da­zu Se­nat 10. Mai 2007 - 2 AZR 45/06 - Rn. 17, AP KSchG 1969 § 1a Nr. 3 = EzA KSchG § 1a Nr. 1) her­aus­stel­len, dass der Ar­beit­ge­ber ein von § 1a Abs. 2 KSchG ab­wei­chen­des An­ge­bot un­ter­brei­tet ha­ben woll­te. Der Ar­beit­neh­mer hätte dann we­gen § 4 KSchG häufig kei­ne oder ei­ne nur noch sehr ein­ge­schränk­te Möglich­keit, die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­richt­lich prüfen zu las­sen. Es wären dann - so­weit es den Be­stands­schutz an­geht - zu Las­ten des Ar­beit­neh­mers un­um­kehr­ba­re Fak­ten ge­schaf­fen. Der Ar­beit­neh­mer müss­te im Übri­gen die Ab­fin­dung zur vollständi­gen Dis­po­si­ti­on stel­len: Mit der Kla­ge­er­he­bung würde er die Vor­aus­set­zung jed­we­den Ab­fin­dungs­an­spruchs selbst be­sei­ti­gen.

b) Nach die­sen Grundsätzen enthält das Kündi­gungs­schrei­ben kein hin­rei­chend ein­deu­ti­ges An­ge­bot der Be­klag­ten, ei­ne von § 1a Abs. 2 KSchG ab­wei­chen­de Ver­ein­ba­rung mit dem Kläger tref­fen zu wol­len.

aa) Das er­gibt be­reits die Aus­le­gung des Kündi­gungs­schrei­bens, wie sie das Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­men hat. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ver­steht die Erklärung der Be­klag­ten im Kündi­gungs­schrei­ben zwar vor dem Hin­ter­grund der vor­aus­ge­gan­ge­nen Gespräche des Klägers mit dem Be­triebs­rat und der

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an­gehäng­ten Mit­tei­lung als ein von § 1a Abs. 2 KSchG ab­wei­chen­des An­ge­bot. In­des weist das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­drück­lich dar­auf hin, die Erklärung der Be­klag­ten sei selbst bei Ein­be­zie­hung der Vor­ge­schich­te „miss­verständ­lich“. Trifft dies aber zu, so ent­behr­te sie der not­wen­di­gen Ein­deu­tig­keit. Ge­ra­de die Miss­verständ­lich­keit muss nach dem oben be­schrie­be­nen Sinn des Ge­set­zes aus­ge­schlos­sen wer­den.

bb) Auch nach Auf­fas­sung des Se­nats ist die Erklärung der Be­klag­ten zu­min­dest miss­verständ­lich. Wie be­reits aus­geführt, ent­sprach der schrift­li­che Wort­laut der im Kündi­gungs­schrei­ben ent­hal­te­nen Erklärun­gen un­zwei­fel­haft § 1a KSchG.

cc) Ein Hin­weis dar­auf, dass die Be­klag­te ei­ne ge­rin­ge­re Ab­fin­dung zah­len woll­te, konn­te sich zwar aus dem bei­gefügten Ver­merk und den zu­vor vom Kläger mit dem Be­triebs­rat geführ­ten Gesprächen er­ge­ben. Ein­deu­tig war dies je­doch aus meh­re­ren Gründen nicht: Zum ei­nen bot sich auch an, das Kündi­gungs­schrei­ben im Zu­sam­men­hang mit dem Ver­merk des Be­triebs­rats da­hin zu ver­ste­hen, ei­ne Ab­fin­dung von 8000,00 Eu­ro wer­de in je­dem Fal­le, al­so auch bei Kla­ge­er­he­bung, ge­zahlt. Zum an­de­ren war der Ver­merk aus Sicht des Klägers ei­ne Erklärung des Be­triebs­rats, nicht der Be­klag­ten. Er war auch nicht Teil des Kündi­gungs­schrei­bens.

3. An­halts­punk­te dafür, dass die Par­tei­en nach Aus­spruch der Kündi­gung ei­ne von § 1a KSchG ab­wei­chen­de ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen ha­ben, sind nicht er­sicht­lich. Die An­ga­be in der Be­triebs­rats­anhörung ist hier­zu nicht ge­eig­net. Sie erfüllt das Schrift­for­mer­for­der­nis des § 1a Abs. 1 KSchG nicht (vgl. da­zu KR-Spil­ger 8. Aufl. § 1a KSchG Rn. 29), denn die Be­triebs­rats­anhörung ist nicht Be­stand­teil der Kündi­gung vom 28. Ok­to­ber 2004 und kann auch nicht als ei­genständi­ges An­ge­bot auf­ge­fasst wer­den.

4. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auch nicht fest­ge­stellt, dass die un­ter Ver­mitt­lung des Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den zu­stan­de ge­kom­me­ne Ver­ein­ba­rung ein ei­genständi­ger Auf­he­bungs­ver­trag war. Ein sol­cher hätte je­den­falls auch der Schrift­form des § 623 BGB genügen müssen, die er­kenn­bar fehlt. 


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5. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist dem Kläger die Gel­tend­ma­chung ei­ner Ab­fin­dungs­zah­lung in der sich aus § 1a Abs. 2 KSchG er­ge­ben­den Höhe nicht nach Treu und Glau­ben ver­wehrt.

a) Der Kläger hat sei­ne Rechts­po­si­ti­on nicht un­red­lich er­wor­ben. Aus den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts und dem Vor­trag der Par­tei­en im ge­sam­ten Rechts­streit lässt sich nicht ent­neh­men, dass das Vor­ge­hen der Be­klag­ten nach § 1a KSchG vom Kläger ver­an­lasst wur­de. Ins­be­son­de­re hat die Be­klag­te nicht gel­tend ge­macht, dass sie sich erst nach Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung über die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von 8.000,00 Eu­ro mit dem Kläger zu ei­nem Vor­ge­hen ent­spre­chend § 1a KSchG ent­schlos­sen hätte.

b) Ein wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten (ve­ni­re con­tra fac­tum pro­pri­um) liegt nicht vor. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht fest­ge­sellt, dass der Kläger ge­genüber der Be­klag­ten zu er­ken­nen ge­ge­ben hätte, er wer­de ei­nen sich aus § 1a KSchG er­ge­ben­den Ab­fin­dungs­be­trag nicht be­an­spru­chen. Außer­dem be­trifft das Ver­hal­ten des Klägers sei­ne Be­zie­hung zum Be­triebs­rats­vor­sit­zen­den, nicht zur Be­klag­ten. Umstände, aus de­nen die Gel­tend­ma­chung des Ab­fin­dungs­an­spruchs in Höhe des § 1a Abs. 2 KSchG ge­genüber der Be­klag­ten wi­dersprüchlich zum vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­hal­ten des Klägers er­schei­nen könn­te, hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht fest­ge­stellt und sind auch sonst nicht er­sicht­lich.

c) Ab­ge­se­hen da­von könn­te die Treu­wid­rig­keit al­len­falls dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass der Kläger sich an die vor der Kündi­gung et­wa ge­trof­fe­ne Ab­spra­che nicht ge­hal­ten hat. Die­se Ab­spra­che selbst war je­doch un­wirk­sam, weil sie ei­nen vor Aus­spruch der Kündi­gung erklärten Ver­zicht des Klägers auf Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ent­hal­ten hätte. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (grund­le­gend: Se­nat 3. Mai 1979 - 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6, zu II 2 a der Gründe) und der über­wie­gen­den Auf­fas­sung in der Li­te­ra­tur (v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne KSchG 14. Aufl. § 1 Rn. 15 ff.; KR-Fried­rich 8. Aufl. § 4 KSchG Rn. 297; Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen-Preis Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis 9. Aufl. Rn. 1253) kann


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ein Ar­beit­neh­mer vor Aus­spruch der Kündi­gung nicht auf die Er­he­bung oder Durchführung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­zich­ten.

6. Der Zins­an­spruch folgt aus §§ 292, 288 Abs. 1 BGB. 

II. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits nach § 91 ZPO. 

Rost 

Ey­lert 

Schmitz-Scho­le­mann

K. Schier­le 

R. Gans

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