Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Abmahnung, Beleidigung, Führungskraft, Vorgesetzter
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein
Akten­zeichen: 6 Sa 472/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 07.04.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Kiel, Urteil vom 12.10.2009, 2 Ca 1192 d/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein

 

Ak­ten­zei­chen: 6 Sa 472/09

ö. D. 2 Ca 1192 d/09 ArbG Kiel
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

 

Verkündet am 07.04.2010

gez. ...
als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le 

 

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Rechts­streit

pp.

hat die 6. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 07.04.2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und d. eh­ren­amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer und d. eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin ... als Bei­sit­ze­rin

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kiel vom 12.10.2009 – 2 Ca 1192 d/09 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben; im Übri­gen wird auf § 72 a ArbGG ver­wie­sen.

 

- 2 -

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner Ver­set­zung des Klägers von K. nach L.. Fer­ner be­gehrt der Kläger die Ent­fer­nung ei­ner ihm er­teil­ten Ab­mah­nung aus sei­ner Per­so­nal­ak­te.

Der am ...1958 ge­bo­re­ne Kläger trat mit Wir­kung zum 01.04.1995 auf der Grund­la­ge ei­nes un­da­tier­ten Ar­beits­ver­tra­ges (An­la­ge K 1 = Blatt 10 d.A.) in die Diens­te des Lan­des Schles­wig-Hol­stein. Er ar­bei­te­te als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ter im Per­so­nal­be­reich des Kli­ni­kum an der C.-Uni­ver­sität zu K.. Der Kläger, der von sei­ner Ehe­frau ge­trennt lebt, ist zwei Kin­dern zum Un­ter­halt ver­pflich­tet. Sein 17 Jah­re al­ter Sohn lebt bei ihm. Der Kläger be­sitzt Wohn­ei­gen­tum in K., B. Straße.

Gemäß § 137 Abs. 2 des Ge­set­zes zur Neu­ord­nung der Uni­ver­sitätskli­ni­ka in Schles­wig-Hol­stein vom 28.10.1998 ist das Ar­beits­verhält­nis des Klägers auf das Kli­ni­kum an der C. Uni­ver­sität zu K. (Uni­ver­sitätskli­ni­kum K.) über­ge­gan­gen. Die Kli­ni­ka an der C. Uni­ver­sität zu K. und an der Uni­ver­sität zu L. sind mit Wir­kung zum 01.01.2003 durch das Ge­setz zur Er­rich­tung des Uni­ver­sitätskli­ni­kum S. und zur Ände­rung des Hoch­schul­ge­set­zes vom 12.12.2002 auf­ge­ho­ben wor­den. An die Stel­le bei­der Uni­ver­sitätskli­ni­ka ist die jet­zi­ge Be­klag­te ge­tre­ten, die so­mit Rechts­nach­fol­ge­rin der bei­den Kli­ni­ka ge­wor­den ist.

Gemäß § 2 des Ar­beits­ver­trags be­stimmt sich das Ar­beits­verhält­nis nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) und den die­sen ergänzen­den und ändern­den Ta­rif­verträgen. Seit dem 01.04.2008 gilt der für das be­klag­te Kli­ni­kum ab­ge­schlos­se­ne Haus­ta­rif­ver­trag, der Ta­rif­ver­trag für das Uni­ver­sitätskli­ni­kum S. im Ta­rif­ver­bund Nord (TV-UKN). Die­ser Ta­rif­ver­trag enthält in § 4 fol­gen­de Re­ge­lung:

Ver­set­zung, Ab­ord­nung, Zu­wei­sung, Per­so­nal­ge­stel­lung

(1) Beschäftig­te können aus dienst­li­chen oder be­trieb­li­chen Gründen ver­setzt oder ab­ge­ord­net wer­den. Sol­len Beschäftig­te an ei­ne Dienst­stel­le oder ei­nen Be­trieb außer­halb des bis­he­ri­gen Ar­beits­or­tes ver­setzt oder

 

- 3 -

vor­aus­sicht­lich länger als drei Mo­na­te ab­ge­ord­net wer­den, so sind sie vor­her zu hören.

Pro­to­kollerklärung zu § 4 Ab­satz 1:

1. Ab­ord­nung ist die vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lass­te vorüber­ge­hen­de Beschäfti­gung bei ei­ner an­de­ren Dienst­stel­le oder bei ei­nem an­de­ren Be­trieb des­sel­ben oder ei­nes an­de­ren Ar­beit­ge­bers un­ter Fort­set­zung des be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses.

2. Ver­set­zung ist die vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lass­te, auf Dau­er be­stimm­te Beschäfti­gung bei ei­ner an­de­ren Dienst­stel­le oder ei­nem an­de­ren Be­trieb des­sel­ben Ar­beit­ge­bers un­ter Fort­set­zung des be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses.

Aus­weis­lich ei­nes dem Kläger un­ter dem 02.04.2009 er­teil­ten Zwi­schen­zeug­nis­ses (An­la­ge B 11 = Bl. 112 f. d. A.) wur­de er seit dem 13.09.1993 in dem De­zer­nat Per­so­nal ein­ge­setzt. Seit Ja­nu­ar 2001 nahm der Kläger im We­sent­li­chen fol­gen­de Auf­ga­ben war:

- Durchführung der Kon­ten­ab­stim­mung mit den Kran­ken­kas­sen, der Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Länder (VBL), den Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen der Ärz­te­kam­mern, der Fi­nanz­ver­wal­tung ein­schl. des er­for­der­li­chen Schrift­ver­kehrs
- Ab­rech­nung der Not­arzt­fahr­zeu­ge mit der Stadt K.
- Ab­stim­mung der Ver­rech­nungs­kon­ten des De­zer­na­tes mit der Fi­nanz­buch­hal­tung ein­schl. des Mahn­we­sens
- Be­ar­bei­tung von Unfällen und Bil­dungs­ur­laubs­an­ge­le­gen­hei­ten

Seit Ok­to­ber 2005 ist der Kläger zu­dem für die Be­ar­bei­tung der Ge­stel­lungs­geld­ab­rech­nung der D.-Schwes­tern­schaf­ten ver­ant­wort­lich.

Mit Schrei­ben vom 21.02.2009 (An­la­ge K 8 = Bl. 34 f. d.A.) wand­te sich der Kläger an den Lei­ter des De­zer­na­tes Per­so­nal. In dem Schrei­ben heißt es u. a.:

„Ein­heit­li­cher Ver­wal­tungs­sitz des UK S. in L. Mei­ne Schrei­ben vom 05.02.2009 und 17.02.2009 Hier: Kon­fu­se Te­le­fo­na­te am 20.02.2009

Herr O.,

 

- 4 -

Ich ha­be am 20. Fe­bru­ar 2009 ein An­ruf von Frau B. er­hal­ten, bei dem es wohl um ein Ver­set­zungs­gespräch ge­hen soll­te, denn als ich nach­frag­te, ob Frau Bu. zu dem Gespräch ein­ge­la­den ist, konn­te mir Frau B. kei­ne Aus­kunft ge­ben und woll­te nach­fra­gen.

Als Sie sich mit mir an­sch­ließend ver­mit­teln ließen, woll­ten Sie mit mir, wie ich aus die­sem „Ge­stam­mel“ her­aushören konn­te ein Ver­set­zungs­gespräch führen, dass an­ge­bo­te­ne und selbst vor­ge­schla­ge­ne Vor­gespräch ist dem­nach überflüssig.

Ih­re kon­fu­se und über­has­te­te Vor­ge­hens­wei­se hat mich jetzt ver­an­lasst, ei­nen Rechts­bei­stand auf­zu­su­chen und der hat sich be­rei­terklärt, am Vor­gespräch bezüglich mei­ner Auf­ga­ben am Ar­beits­platz da­bei zu sein. Die­ses Vor­gespräch ist wohl er­for­der­lich, denn sonst könn­te kei­ne lo­gi­sche Erklärung ge­fun­den wer­den, wes­halb mein Ar­beits­platz ver­la­gert wer­den soll.

....
....
....

Da­mit zukünf­tig ein so kon­fu­ses, über­has­te­tes und un­lo­gi­sches Gesprächsführungs­an­sin­nen Ih­rer­seits endgültig be­en­det wird, for­de­re ich Sie auf, die­se Ein­la­dun­gen zu ei­nem ziel­ge­rich­te­ten und in­halts­vol­lem Gespräch schrift­lich durch­zuführen, da­mit ich mei­ne In­ter­es­sen aus­rei­chend ver­tre­ten se­he.

Fer­ner möch­te ich Sie auf­for­dern, grundsätz­lich im Vor­fel­de Ih­rer Maßnah­men mei­nen Rechts­bei­stand zu in­for­mie­ren. Er wird mich dann in­for­mie­ren.“

Die Be­klag­te mahn­te den Kläger we­gen des­sen Schrei­ben vom 21.02.2009 ab. We­gen des Wort­lauts der Ab­mah­nung vom 05.05.2009 wird auf die An­la­ge K 7 (Blatt 31 ff. d.A.) Be­zug ge­nom­men.

Am 10.03.2009 führ­ten die Par­tei­en ein Per­so­nal­gespräch über die in Aus­sicht ge­nom­me­ne Ver­set­zung des Klägers nach L.. An dem Gespräch nah­men das Per­so­nal­rats­mit­glied P., der Kläger und sein Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter, der Be­ra­ter des be­klag­ten Kli­ni­kums Dr. D. so­wie der Lei­ter des De­zer­nats Per­so­nal O. teil. Ei­ne Ei­ni­gung über die Ver­set­zung wur­de in dem Gespräch nicht er­zielt. Über den Ver­lauf der Un­ter­re­dung fer­tig­te Herr O. am 16.03.2009 ein Gesprächs­pro­to­koll, we­gen des­sen wei­te­rer Ein­zel­hei­ten auf die An­la­ge B 1 (= Blatt 61 der Ak­te) ver­wie­sen wird. Da­zu

 

- 5 -

nahm der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers am 30.03.2009 schrift­lich Stel­lung (An­la­ge B 3 = Bl. 63 ff. d.A.).

Un­ter dem 09.04.2009 wand­te sich die Be­klag­te an den Vor­sit­zen­den des Per­so­nal­ra­tes, Cam­pus K., Herrn Kl. und er­such­te gemäß §§ 51, 52 MBG Schles­wig-Hol­stein um Zu­stim­mung zu der be­ab­sich­tig­ten Ver­set­zung des Klägers. Dem Er­su­chen war das Pro­to­koll des Per­so­nal­gesprächs vom 10.03.2009, die Stel­lung­nah­me des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers vom 30.03.2009 so­wie das Ant­wort­schrei­ben der Be­klag­ten vom 09.04.2009 (An­la­ge B 6 = Bl. 110 f. d.A.) bei­gefügt. Die ent­spre­chen­den Un­ter­la­gen er­hielt auch der Per­so­nal­rat am Cam­pus L.. Die Zu­stim­mung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung, Cam­pus K., zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten Ver­set­zung des Klägers zum 01.10.2009 wur­de am 21.04.2009, die­je­ni­ge der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung, Cam­pus L., am 28.04.2009 er­teilt.

Mit Schrei­ben vom 30.04.2009 (An­la­ge K 2 = Bl. 11 d.A.) teil­te die Be­klag­te dem Kläger fol­gen­des mit:

„Auf­sichts­rats­be­schluss „Ein­heit­li­cher Ver­wal­tungs­sitz am Cam­pus L.“

hier: Ver­set­zung an den Cam­pus L. zum 01.10.2009 Gespräch am 16.03.2009

Sehr ge­ehr­ter Herr H.,

im Zu­ge der Um­set­zung des Auf­sichts­rats­be­schlus­ses „Ein­heit­li­cher Ver­wal­tungs­sitz am Cam­pus L.“ wer­den Sie mit Zu­stim­mung des ört­li­chen Per­so­nal­ra­tes mit Wir­kung vom 01. Ok­to­ber 2009 an den Cam­pus L. ver­setzt (Dienst­ort ist L.). Für ei­nen Um­zug aus die­sem An­lass wird Um­zugs­kos­ten­vergütung zu­ge­sagt. Ihr Ein­satz er­folgt wei­ter­hin als Mit­ar­bei­ter im De­zer­nat Per­so­nal.

Im Übri­gen tritt ei­ne Ände­rung in ta­rif­recht­li­cher Hin­sicht nicht ein.

Die Son­der­re­ge­lun­gen für Beschäftig­te des Uni­ver­sitätskli­ni­kums S. (UK S.) Buch­sta­be C Nr. 2 „Son­der­re­ge­lung für die Zeit der Dienst­rei­sen“ fin­den An­wen­dung. Ins­be­son­de­re fin­det die Dienst­ver­ein­ba­rung „Frei­wil­li­ger So­zi­al­fonds“ vom 02.03.2009 An­wen­dung (sie­he An­la­ge).

 

- 6 -

Nähe­re Auskünf­te zu der v. g. Dienst­ver­ein­ba­rung er­hal­ten Sie über die zuständi­ge Stel­le im De­zer­nat Per­so­nal.

Ab­sch­ließend wei­se ich dar­auf hin, dass Ih­re Per­so­nal­be­treu­ung zukünf­tig über den Cam­pus L. er­fol­gen wird. Ich wünsche Ih­nen bei der Ausübung Ih­rer ver­ant­wor­tungs­vol­len Tätig­kei­ten wei­ter­hin viel Er­folg.

Mit freund­li­chen Grüßen

Im Auf­trag

O.
Lei­ter De­zer­nat Per­so­nal“

Der Kläger hat die An­sicht ver­tre­ten, die Ver­set­zung nach L. sei un­wirk­sam. Es fehl­ten dienst­li­che bzw. be­trieb­li­che Gründe im Sin­ne des § 4 TV-UKN. Auch sei­en die ihm und sei­ner Fa­mi­lie durch die Ver­set­zung ent­ste­hen­den Nach­tei­le, ins­be­son­de­re die länge­ren Fahr­zei­ten, nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt wor­den, so dass die Maßnah­me nicht bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­che. Die Per­so­nalräte sei­en nicht ord­nungs­gemäß un­ter­rich­tet wor­den. Die Ab­mah­nung vom 05.05.2009 müsse man­gels ab­mahnwürdi­gen Ver­hal­tens aus sei­ner Per­so­nal­ak­te ent­fernt wer­den.

Der Kläger hat be­an­tragt,

1. es wird fest­ge­stellt, dass die von der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 30.04.2009 aus­ge­spro­che­ne Ver­set­zung un­wirk­sam ist,

2. die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die dem Kläger mit Schrei­ben vom 05.05.2009 aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung zurück­zu­neh­men und aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Ver­set­zung da­mit be­gründet, dass der Ar­beits­platz des Klägers bei dem Cam­pus K. er­satz­los weg­ge­fal­len sei. Nach­dem die Lan­des­re­gie­rung be­schlos­sen ha­be, den ein­heit­li­chen Ver­wal­tungs­sitz des Uni­ver­sitätskli­ni­kums S. nach L. zu ver­la­gern, ha­be der Auf­sichts­rat im April 2008 durch Ände­rung der Haupt­sat­zung des Uni­ver­sitätskli­ni­kums Schles­wig-Hol­stein die­ser Emp­feh­lung ent­spro­chen und als

 

- 7 -

Sitz des Kli­ni­kums L. be­stimmt. Zu­gleich sei fest­ge­legt wor­den, die Ver­wal­tung am Cam­pus L. zu zen­tra­li­sie­ren. Aus dem Per­so­nal­re­fe­rat ha­be das ins­be­son­de­re die Be­rei­che Ab­rech­nung, Per­so­nal­con­trol­ling so­wie Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung be­tref­fen sol­len.

In Um­set­zung die­ser un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung sei­en die­se Be­rei­che in L. an­ge­sie­delt und die dort Beschäftig­ten mit Wir­kung zum 01.11.2008 bzw. 01.01.2009 an den Cam­pus L. ver­setzt wor­den. Da­ge­gen sei­en die in dem Be­reich Ad­mi­nis­tra­ti­on Beschäftig­ten bzw. mit der Er­stel­lung von Dienst­aus­wei­sen be­trau­ten Ar­beit­neh­mer zunächst in K. ver­blie­ben, weil die­se Be­rei­che aus un­ter­neh­me­ri­schen Gründen wei­ter­hin am Cam­pus K. an­ge­sie­delt sei­en.

Nach Auf­fas­sung der Be­klag­ten ha­be sie bei ih­rer Ver­set­zungs­ent­schei­dung die durch § 315 Abs. 1 BGB ge­zo­ge­nen Gren­zen bil­li­gen Er­mes­sens be­ach­tet. Auf Wunsch des Klägers ha­be sie ihn nicht schon zum 01.04. oder 01.08.2009 ver­setzt. Oh­ne die Ver­set­zung nach L. könne der Kläger nicht mehr ein­ge­setzt wer­den. Kol­lek­tiv­recht­li­che Be­den­ken stünden der Um­set­zung ih­rer Ent­schei­dung nicht ent­ge­gen. Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen in K. so­wie L. sei­en aus­rei­chend in­for­miert wor­den und hätten der Ver­set­zung zu­ge­stimmt.

Die aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung sei nicht zu be­an­stan­den, weil der Kläger sei­nen Vor­ge­setz­ten nicht ver­bal ver­un­glimp­fen dürfe.

Das Ar­beits­ge­richt hat Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung des Zeu­gen O. so­wie des Vor­stands­mit­glie­des Kä. der Be­klag­ten als Par­tei. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 12.10.2009 Be­zug ge­nom­men.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, die Be­klag­te ha­be den Beschäfti­gungs­ort des Klägers von K. nach L. ver­le­gen dürfen. Die Ver­set­zung ent­spre­che bil­li­gem Er­mes­sen. Das In­ter­es­se der Be­klag­ten über¬wie­ge ins­be­son­de­re we­gen des an­ge­streb­ten „Vier-Au­gen-Prin­zips“. Außer­dem sei ei­ne Ver­la­ge­rung der Auf­ga­ben­be­rei­che „Ge­halts- und Lohn­ab­rech­nung“ gefähr­det, wenn die In­ter­es­sen­abwägung zu Un­guns­ten der Be­klag­ten aus­fal­le. Für den Kläger

 

- 8 -

ge­be es in K. kei­ne adäqua­te Beschäfti­gungsmöglich­keit. Die Ver­set­zung schei­te­re auch nicht an ei­ner feh­ler­haf­ten Be­tei­li­gung der Per­so­nalräte. Die Ver­set­zung ha­be nicht be­gründet wer­den müssen. Die Ab­mah­nung vom 05.05.2009 müsse nicht aus der Per­so­nal­ak­te ent­fernt wer­den, weil das Schrei­ben des Klägers vom 21.02.2009 nicht hin­nehm­ba­re ehr­ver­let­zen­de und be­lei­di­gen­de Äußerun­gen ent­hal­te. Da­mit ha­be der Kläger ge­gen das ver­trag­li­che Rück­sicht­nah­me­ge­bot ver­s­toßen.

Ge­gen das ihm am 16.11.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts hat der Kläger am 15.12.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 18.01.2010 (Mon­tag) be­gründet.

Der Kläger meint, den Per­so­nalräten sei fälsch­li­cher­wei­se weis ge­macht wor­den, die Par­tei­en hätten sich auf ei­ne Ver­set­zung zum 01.10.2009 ge­ei­nigt. In dem Per­so­nal­gespräch am 10.03.2009 sei kei­ne Ei­ni­gung er­zielt wor­den. Es hätten meh­re­re mögli­che Ver­set­zungs­ter­mi­ne im Raum ge­stan­den. Der Kläger ist der Auf­fas­sung, das Ar­beits­ge­richt ha­be sei­ne In­ter­es­sen nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. Un­zu­tref­fend ha­be es den Auf­ga­ben­be­reich des Klägers dem Be­reich „Lohn- und Ge­halts­ab­rech­nung“ zu­ge­ord­net. Mit der verlänger­ten Fahr­zeit ha­be sich das Ar­beits­ge­richt nicht aus­ein­an­der­ge­setzt. Der Be­klag­ten wäre es möglich und zu­mut­bar, den Kläger wei­ter in K. ein­zu­set­zen. Der Kläger könne die Ar­bei­ten der in K. ver­blie­be­nen Ar­beit­neh­mer ver­rich­ten. Meh­re­re sei­en so­zi­al we­ni­ger schutzwürdig als er.

Der Kläger ist der An­sicht, sein Schrei­ben vom 21.02.2009 ent­hal­te kei­ne ehr­ver­let­zen­de und be­lei­di­gen­de Äußerung. Der In­halt sei von der Mei­nungsäußerungs­frei­heit ge­deckt. Die persönli­che Eh­re des De­zer­nats­lei­ters wer­de nicht ver­letzt.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kiel vom 12.10.2009, Ak­ten­zei­chen 2 Ca 1192 d/09, ab­zuändern und

1. fest­zu­stel­len, dass die von der Be­klag­ten mit Schrei­ben vom 30.04.2009 ge­genüber dem Kläger aus­ge­spro­che­ne Ver­set­zung un­wirk­sam ist,

und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

 

- 9 -

2. die dem Kläger mit Schrei­ben vom 05.05.2009 aus­ge­spro­che­ne Ab­mah­nung zurück­zu­neh­men und aus der Per­so­nal­ak­te des Klägers zu ent­fer­nen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie meint, aus den den Per­so­nalräten aus­gehändig­ten Un­ter­la­gen er­ge­be sich, dass die­se ord­nungs­gemäß in­for­miert wor­den sei­en. Ih­nen sei nicht sug­ge­riert wor­den, dass es ei­ne Ei­ni­gung mit dem Kläger über die Ver­set­zung ge­ge­ben ha­be.

Die Be­klag­te be­tont, dass nach der vom Ar­beits­ge­richt durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me fest­ste­he, dass der Ar­beits­platz des Klägers von K. nach L. ver­la­gert wor­den sei. Die Ent­schei­dung über die An­sied­lung ei­nes Ar­beits­plat­zes in ei­ner be­stimm­ten Dienst­stel­le oder ei­nem be­stimm­ten Be­trieb sei ei­ne un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, die vom Ge­richt nur auf Willkür über­prüft wer­den könne. Des­halb kom­me es nicht dar­auf an, ob er sei­ne Ar­beits­leis­tung in glei­cher Wei­se von K. aus er­brin­gen könne. Das sei im Übri­gen auf­grund der Zen­tra­li­sie­rung der Ge­halts- und Lohn­ab­rech­nung in L. we­der sinn­voll noch vernünf­tig. Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers bedürfe es bei ei­ner Ver­set­zung kei­ner So­zi­al­aus­wahl. Zu­dem sei der Kläger nicht so­zi­al schutz­bedürf­ti­ger als die von ihm ge­nann­ten Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen.

Die Be­klag­te meint, die For­mu­lie­run­gen in dem Schrei­ben des Klägers vom 21.02.2009 sei­en nicht von der Mei­nungs­frei­heit ge­deckt.

Ent­schei­dungs­gründe:

A. Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig. Sie ist dem Be­schwer­de­wert nach statt­haft (§ 64 Abs. 2 lit. b ArbGG) und form- so­wie frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO.

B. In der Sa­che hat die Be­ru­fung kei­nen Er­folg. Die Ver­set­zung des Klägers von K. nach L. ist wirk­sam. Der Kläger kann auch nicht ver­lan­gen, dass die Ab­mah­nung vom 05.05.2009 aus sei­ner Per­so­nal­ak­te ent­fernt wird.

 

- 10 -

I. Mit der Ver­set­zungs­an­ord­nung vom 30.04.2009 hat die Be­klag­te dem Kläger für die Zeit ab dem 01.10.2009 ei­nen an­de­ren Ar­beits­ort, nämlich L., zu­ge­wie­sen. Die Be­klag­te war zur Ände­rung des Ar­beits­orts be­rech­tigt. Die Ver­set­zung von K. nach L. ist wirk­sam. Sie ist vom Di­rek­ti­ons­recht der Be­klag­ten um­fasst und ent­spricht auch bil­li­gem Er­mes­sen.

1. Nach § 106 Satz 1 Ge­wO darf der Ar­beit­ge­ber den Ort der Ar­beits­leis­tung nach bil­li­gem Er­mes­sen näher be­stim­men, so­weit die­ser nicht durch den Ar­beits­ver­trag, Be­stim­mun­gen ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung, ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges oder ge­setz­li­che Vor­schrif­ten fest­ge­legt ist.

a) Ar­beits­ver­trag­lich ha­ben die Par­tei­en kei­ne ver­bind­li­che Fest­le­gung da­hin­ge­hend ge­trof­fen, dass der Kläger sei­ne Ar­beits­leis­tung aus­sch­ließlich in K. er­brin­gen muss. Zwar heißt es in dem Ar­beits­ver­trag, dass der Kläger „beim Kli­ni­kum der C.-Uni­ver­sität zu K. als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ter wei­ter­beschäftigt“ wird. Da­mit ha­ben die Ver­trags­par­tei­en aber nicht K. als Ort der Ar­beits­leis­tung ver­ein­bart, mit der Fol­ge, dass die Zu­wei­sung ei­nes an­de­ren Ar­beits­or­tes auf­grund von § 106 Abs. 1 Ge­wO aus­schei­den würde. Mit dem Kli­ni­kum der C.-Uni­ver­sität zu K. wird nur der ak­tu­el­le Beschäfti­gungs­be­trieb be­zeich­net, oh­ne dass da­mit ei­ne ver­bind­li­che Fest­le­gung des Ar­beits­or­tes er­folgt.

b) Das Di­rek­ti­ons­recht der Be­klag­ten wird nicht durch Be­stim­mun­gen ei­nes an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­trags be­schränkt. Der auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­ba­re Haus­ta­rif-ver­trag (TV-UKN) enthält in § 4 ei­ne Re­ge­lung zur Ver­set­zung. Da­nach können Beschäftig­te aus dienst­li­chen oder be­trieb­li­chen Gründen ver­setzt wer­den. Sol­len Beschäftig­te an ei­ne Dienst­stel­le oder ei­nen Be­trieb außer­halb des bis­he­ri­gen Ar­beits­or­tes ver­setzt oder vor­aus­sicht­lich länger als drei Mo­na­te ab­ge­ord­net wer­den, so sind sie vor­her zu hören.

Un­strei­tig ist der Kläger vor An­ord­nung der Ver­set­zung an­gehört wor­den. Mit ihm ist am 10.03.2009 ein Per­so­nal­gespräch über die Ver­set­zung geführt wor­den.

 

- 11 -

Die Ver­set­zung er­folg­te auch aus dienst­li­chen bzw. be­trieb­li­chen Gründen. Nach dem Er­geb­nis der vom Ar­beits­ge­richt durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me steht fest, dass die Ver­set­zung des Klägers vor dem Hin­ter­grund der Ver­la­ge­rung des Ver­wal­tungs­sit­zes des Uni­ver­sitätskli­ni­kum S. nach L. er­folgt ist. Im Zu­ge die­ser im Übri­gen ge­richts­be­kann­ten Sitz­ver­le­gung ist der Be­schluss ge­fasst wor­den, die Ver­wal­tung am Cam­pus L. zu zen­tra­li­sie­ren. Tei­le des Per­so­nal­re­fe­rats sind in der Fol­ge von K. nach L. ver­la­gert wor­den. Von die­ser Ver­la­ge­rung war, wie der Zeu­ge O. bestätigt hat, auch der Ar­beits­be­reich des Klägers be­trof­fen. Der Zeu­ge hat be­kun­det, dass er den Be­schluss über die Ver­la­ge­rung des Ver­wal­tungs­sit­zes für sei­nen Be­reich, d. h. den Be­reich Per­so­nal, um­set­zen muss­te. Es war al­so der Zeu­ge O., der letzt­lich fest­ge­legt hat, dass die Tätig­kei­ten des Klägers künf­tig in L. ver­rich­tet wer­den. Ob an­de­re Auf­ga­ben und die zu ih­rer Er­le­di­gung er­for­der­li­chen Mit­ar­bei­ter in K. ver­blie­ben sind, ist des­halb un­er­heb­lich.

2. Sei­ne Be­ru­fung stützt der Kläger im We­sent­li­chen dar­auf, dass die Ver­set­zung nicht bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­che. Die Be­klag­te hat je­doch hin­rei­chend dar­ge­legt, dass ih­re Ent­schei­dung bil­li­gem Er­mes­sen ent­spricht.

a) Nach § 106 Satz 1 Ge­wO hat der Ar­beit­ge­ber sein Wei­sungs­recht nach bil­li­gem Er­mes­sen aus­zuüben. Auch wenn die Ver­set­zung des Ar­beit­neh­mers nach dem Ar­beits­ver­trag zulässig ist, muss die Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts gemäß § 106 Satz 1 Ge­wO bil­li­gem Er­mes­sen ent­spre­chen. Ei­ne Leis­tungs­be­stim­mung ent­spricht bil­li­gem Er­mes­sen, wenn die we­sent­li­chen Umstände des Falls ab­ge­wo­gen und die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind (BAG 11.04.2006 – 9 AZR 557/05 – BA­GE 118, 22). Ob die bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wor­den sind, un­ter­liegt der ge­richt­li­chen Kon­trol­le (§ 315 Abs. 3 S. 2 BGB). Die Leis­tungs­be­stim­mung nach bil­li­gem Er­mes­sen ver­langt ei­ne Abwägung der wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen nach den ver­fas­sungs­recht­li­chen und ge­setz­li­chen Wer­tent­schei­dun­gen, den all­ge­mei­nen Wer­tungs­grundsätzen der Verhält­nismäßig­keit und An­ge­mes­sen­heit so­wie der Ver­kehrs­sit­te und Zu­mut­bar­keit. Das ge­bie­tet ei­ne Berück­sich­ti­gung und Ver­wer­tung der In­ter­es­sen un­ter Abwägung al­ler Umstände des Ein­zel­falls. Hier­zu gehören im Ar­beits­recht die Vor­tei­le aus ei­ner Re­ge­lung, die Ri­si­ko­ver­tei­lung zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en, die bei­der­sei­ti­gen Bedürf­nis­se,

 

- 12 -

außer­ver­trag­li­che Vor- und Nach­tei­le, Vermögens- und Ein­kom­mens­verhält­nis­se so­wie so­zia­le Le­bens­verhält­nis­se, die fa­mi­liären Pflich­ten und Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen (BAG 28.11.1989 – 3 AZR 118/88 – BA­GE 63, 267; 21.07.2009 – 9 AZR 404/08 – EzA § 4 TVG Luft­fahrt Nr. 18). Der Ar­beit­ge­ber, der sich auf die Wirk­sam­keit ei­ner Ver­set­zung be­ruft, trägt die Dar­le­gungs- und Be­weis­leist für das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 106 Ge­wO und da­mit auch dafür, dass sei­ne Ent­schei­dung bil­li­gem Er­mes­sen ent­spricht (BAG 13.03.2007 – 9 AZR 433/06 – AP BGB § 307 Nr. 26).

b) Die Be­kla­ge hat zunächst da­zu vor­ge­tra­gen, wel­che be­rech­tig­ten Ei­gen­in­ter­es­sen an der Ver­set­zung des Klägers be­ste­hen. Sie hat sich dar­auf be­ru­fen, dass in Fol­ge der Ver­la­ge­rung des Ar­beits­plat­zes nach L. der Kläger in K. nicht mehr beschäftigt wer­den kann. Die Auf­ga­ben des Klägers sol­len auf­grund der be­wie­se­nen un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung in L. ver­rich­tet wer­den.


Die Be­klag­te hat wei­ter dar­auf ver­wie­sen, dass in K. kein frei­er Ar­beits­platz vor­han­den ist, auf dem der Kläger wei­ter­beschäftigt wer­den könn­te. Dass ein ver­gleich­bar un­be­setz­ter Ar­beits­platz exis­tiert, ist we­der vor­ge­tra­gen noch er­sicht­lich. Der Kläger selbst hat vor­ge­tra­gen, dass es am Stand­ort K. kei­nen Mit­ar­bei­ter mit ei­nem ver­gleich­ba­ren Auf­ga­ben­ge­biet gab. Un­strei­tig ist wei­ter, dass der Kläger in dem in­ter­nen Ar­beits­markt „Job in­tern“ auf­ge­nom­men wor­den ist, je­doch oh­ne Er­folg. Der Kläger selbst hat auch in der Be­ru­fung kei­nen kon­kre­ten frei­en an­de­ren Ar­beits­platz be­nannt, auf dem er in K. wei­ter­beschäftigt wer­den könn­te. Dem­zu­fol­ge kann die Be­klag­te be­rech­tig­te Ei­gen­in­ter­es­sen an der Ver­set­zung gel­tend ma­chen, nämlich dass der Kläger nur in L. wei­ter­beschäftigt wer­den kann.

Bei ih­rer Ent­schei­dung war der Be­klag­ten auch die persönli­che Si­tua­ti­on des Klägers be­kannt. Im Per­so­nal­gespräch am 10.03.2009 hat­te der Kläger auf sei­ne so­zia­len Be­din­gun­gen hin­ge­wie­sen. Sein Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter hat­te zu­dem mit Schrei­ben vom 30.03.2009 auf die durch die mit der Ver­set­zung ver­bun­de­ne zusätz­li­che Fahrt­zeit aus­drück­lich auf­merk­sam ge­macht. So­wohl die persönli­che Si­tua­ti­on des Klägers als al­lein­er­zie­hen­der Va­ter als auch die Be­las­tun­gen durch die Fahr­stre­cke von K. nach L. wa­ren der Be­klag­ten bei Aus­spruch der Ver­set­zung al­so be­kannt. Vor die­sem Hin­ter­grund hat sie die ursprüng­lich für den 01.04.2009 an­ge­dach­te Ver­set-

 

- 13 -

zung auf den 01.10.2009 ver­scho­ben. Das spricht dafür, dass ei­ne Abwägung der wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen statt­ge­fun­den hat.

Es kann nicht fest­ge­stellt wer­den, dass die Abwägung zu ei­nem un­bil­li­gen Er­geb­nis geführt hat. Zu berück­sich­ti­gen ist nämlich, dass der Ver­zicht auf die Ver­set­zung da­zu führen würde, dass die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, den Sitz der Ver­wal­tung nach L. zu ver­la­gern und die dar­auf auf­bau­en­den Um­set­zungs­ent­schei­dun­gen, leer lie­fen. Denn Teil des durch die Be­weis­auf­nah­me bestätig­ten Kon­zepts ist ge­ra­de auch die Ver­la­ge­rung von ver­schie­de­nen Tätig­kei­ten aus dem Be­reich Per­so­nal von K. nach L..

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers wi­der­spricht die Ver­set­zung nicht des­halb bil­li­gem Er­mes­sen, weil die Be­klag­te bei Durchführung ei­ner so­zia­len Aus­wahl ei­nen an­de­ren Mit­ar­bei­ter oder ei­ne an­de­re Mit­ar­bei­te­rin an­stel­le des Klägers nach L. hätte ver­set­zen müssen. Be­darf es bei ei­ner Ver­set­zungs­ent­schei­dung ei­ner per­so­nel­len Aus­wahl, ist ei­ne So­zi­al­aus­wahl in ent­spre­chen­der An­wen­dung des § 1 Abs. 3 KSchG grundsätz­lich nicht er­for­der­lich (ErfK/Preis § 106 Ge­wO Rn. 18; Kütt­ner/Rei­ni­cke, Per­so­nal­buch 2009, Ver­set­zung Rz. 7). Selbst wenn mit dem LAG Hamm (12.02.1996 – 8 (9) Sa 1235/95 – LA­GE § 611 BGB Di­rek­ti­ons­recht Nr. 25) an­ge­nom­men wird, dass der Ar­beit­ge­ber bei ei­ner be­triebs­be­ding­ten Um­set­zung bei der Aus­wahl un­ter den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne So­zi­al­aus­wahl vor­neh­men muss, sind die in die­ser Ent­schei­dung auf­ge­stell­ten Grundsätze auf den vor­lie­gen­den Fall nicht über­trag­bar. Im dem der Ent­schei­dung des LAG Hamm zu­grun­de­lie­gen­den Fall stand der Ar­beit­ge­ber vor der Wahl, den Kläger oder ei­nen an­de­ren Verkäufer zu ver­setz­ten, um den Per­so­nal­be­darf in ei­nem an­de­ren Be­reich zu de­cken und gleich­zei­tig dem Beschäfti­gungsüber­hang im Beschäfti­gungs­be­reich des Klägers und sei­nes Kol­le­gen zu be­geg­nen. Geht es um die Be­set­zung ei­ner Stel­le und kom­men dafür zwei (ver­gleich­ba­re) Ar­beit­neh­mer in Be­tracht, mögen im Rah­men der Er­mes­sens­ent­schei­dung die Kri­te­ri­en der So­zi­al­aus­wahl Berück­sich­ti­gung fin­den können. Vor ei­ner sol­chen Aus­wah­l­ent­schei­dung stand die Be­klag­te je­doch nicht. Es ging nicht dar­um, ent­we­der den Kläger oder ei­nen ver­gleich­ba­ren Ar­beit­neh­mer in Lübeck ein­zu­set­zen. Der Kläger selbst hat vor­ge­tra­gen, dass es am Stand­ort K. kei­nen Mit­ar­bei­ter mit ei­nem ver­gleich­ba­ren Auf­ga­ben­ge­biet gab. Ei­ne Um­ver­tei­lung

 

- 14 -

von Auf­ga­ben an­de­rer Ar­beit­neh­mer auf ihn und von ihm auf an­de­re Ar­beit­neh­mer kann der Kläger zur Ver­mei­dung ei­ner Ver­set­zung nicht ver­lan­gen.

3. Die Ver­set­zung ist schließlich nicht we­gen nicht ord­nungs­gemäßer Ein­lei­tung des Zu­stim­mungs­ver­fah­rens ge­genüber den Per­so­nalräten un­wirk­sam.

a) Es ent­spricht der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dass ei­ne Ver­set­zung ei­nes Ar­beit­neh­mers un­wirk­sam ist, wenn das Be­tei­li­gungs­ver­fah­ren rechts­feh­ler­haft war (BAG 06.08.1991 – 1 AZR 573/90 – DB 1988, 1167). Wird das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren nicht ord­nungs­gemäß ein­ge­lei­tet, ist die Ver­set­zung in­di­vi­du­al­recht­lich un­wirk­sam.

b) Die Be­klag­te ist ei­ne An­stalt des öffent­li­chen Rechts, auf die das Ge­setz über die Mit­be­stim­mung der Per­so­nalräte Schles­wig-Hol­stein (MBG) An­wen­dung fin­det.

Nach § 52 Abs. 1 MBG kann ei­ne der Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats un­ter­lie­gen­de Maßnah­me nur mit sei­ner Zu­stim­mung ge­trof­fen wer­den. Gemäß § 51 Abs. 1 MBG be­stimmt der Per­so­nal­rat u. a. bei al­len per­so­nel­len Maßnah­men mit, die die Beschäftig­ten der Dienst­stel­le ins­ge­samt, Grup­pen von ih­nen oder ein­zel­ne Beschäftig­te be­tref­fen oder sich auf sie aus­wir­ken. Da­zu gehören auch Ver­set­zun­gen.

Das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren wird da­durch ein­ge­lei­tet, dass die Dienst­stel­le den Per­so­nal­rat von der be­ab­sich­tig­ten Maßnah­me un­ter­rich­tet und sei­ne Zu­stim­mung be­an­tragt (§ 52 Abs. 2 S. 1 MBG). Der Per­so­nal­rat kann im Ein­zel­fall ver­lan­gen, dass die Dienst­stel­le die von ihr ge­plan­te Maßnah­me be­gründet (§ 52 Abs. 2 S. 2 MBG). Die Be­gründung ist al­so nicht grundsätz­lich ei­ne Pflicht der Dienst­stel­le. Im vor­lie­gen­den Fall hat kei­ner der Per­so­nalräte ei­ne Be­gründung der Maßnah­me ver­langt. Ent­schei­dend ist da­her al­lein, ob die Be­klag­te die Per­so­nalräte vor Er­tei­lung der Zu­stim­mung im aus­rei­chen­den Maße über die be­ab­sich­tig­te Ver­set­zung des Klägers un­ter­rich­tet hat. Die Be­klag­te hat so­wohl dem Per­so­nal­rat in K. als auch dem Per­so­nal­rat in L. das Pro­to­koll des Per­so­nal­gesprächs vom 10.03.2009, die Stel­lung­nah­me des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers vom 30.03.2009 und das Ant­wort­schrei­ben der Be­klag­ten vom 09.04.2009 über­sandt. Die­sen Un­ter­la­gen konn­ten die

 

- 15 -

be­tei­lig­ten Per­so­nalräte die be­ab­sich­tig­te Ver­set­zung des Klägers von K. nach L. ent­neh­men. Ins­be­son­de­re das Gesprächs­pro­to­koll vom 16.03.2009 (An­la­ge B 1 = Bl. 61 d. A.) erläutert die Hin­ter­gründe der Ver­set­zung. Aus dem Ver­merk vom 09.04.2009 (Bl. 67 d. A.) wird zu­dem deut­lich, dass die Ver­set­zung erst zum 01.10.2009 er­fol­gen soll. Ein ent­spre­chen­der Ver­merk fin­det sich zu­dem auf dem an den Per­so­nal­rat L. ge­rich­te­ten Schrei­ben vom 14.04.2009. Da­mit wuss­ten die Per­so­nalräte, wel­cher per­so­nel­len Maßnah­me sie zu­stim­men soll­ten. Durch die wei­te­re bei­gefügte Kor­re­spon­denz zwi­schen den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers und der Be­klag­ten war ih­nen zu­dem die In­ter­es­sen­la­ge der Par­tei­en be­kannt.

Ent­ge­gen der An­sicht des Klägers war den Per­so­nalräten auch nicht weis ge­macht wor­den, die Par­tei­en hätten sich auf ei­ne Ver­set­zung des Klägers zum 01.10.2009 ge­ei­nigt. Die­sen Schluss las­sen die den Per­so­nalräten über­mit­tel­ten Un­ter­la­gen nicht zu. Viel­mehr wird aus dem Schrei­ben des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers vom 30.03.2009 und der Ant­wort der Be­klag­ten vom 09.04.2009 deut­lich, dass es ge­ra­de zu kei­ner Ei­ni­gung ge­kom­men ist. Die Be­klag­te hat das vom Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers un­ter­be­rei­te­te An­ge­bot nicht an­ge­nom­men.

II. Der Kläger hat ge­gen die Be­klag­te kei­nen An­spruch auf Ent­fer­nung der Ab­mah­nung vom 05.05.2009 aus sei­ner Per­so­nal­ak­te.

1. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann der Ar­beit­neh­mer in ent­spre­chen­der An­wen­dung der §§ 242, 1004 BGB die Ent­fer­nung ei­ner zu Un­recht er­teil­ten Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen (BAG 23.06.2009 – 2 AZR 606/08 – NZA 2009, 1011; 27.11.2008 – 2 AZR 675/07 – AP BGB § 611 Ab­mah­nung Nr. 33).

Bei der Ab­mah­nung, die nun­mehr in § 314 Abs. 2 BGB ge­setz­lich ver­an­kert ist, han­delt es sich um die Ausübung ei­nes ar­beits­ver­trag­li­chen Gläubi­ger­rechts durch den Ar­beit­ge­ber. Als Gläubi­ger der Ar­beits­leis­tung weist er den Ar­beit­neh­mer als sei­nen Schuld­ner auf des­sen ver­trag­li­che Pflich­ten hin und macht ihn auf die Ver­let­zung die­ser Pflich­ten auf­merk­sam (Rüge­funk­ti­on). Zu­gleich for­dert er ihn für die Zu­kunft zu ei­nem ver­trags­treu­en Ver­hal­ten auf und kündigt, wenn ihm dies an­ge­bracht er-

 

- 16 -

scheint, in­di­vi­du­al­recht­li­che Kon­se­quen­zen für den Fall ei­ner er­neu­ten Pfllicht­ver­let­zung an (Warn­funk­ti­on) (vgl. BAG 23.06.2009 – 2 AZR 606/08 – a. a. O.).

Ei­ne sol­che miss­bil­li­gen­de Äußerung des Ar­beit­ge­bers in Form ei­ner Ab­mah­nung ist ge­eig­net, den Ar­beit­neh­mer in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men und sei­nem Persönlich­keits­recht zu be­ein­träch­ti­gen. Des­halb kann der Ar­beit­neh­mer die Be­sei­ti­gung die­ser Be­ein­träch­ti­gung ver­lan­gen, wenn die Ab­mah­nung for­mell nicht ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men ist, un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält, auf ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Be­wer­tung des Ver­hal­tens be­ruht oder den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ver­letzt (BAG 23.06.2009 – 2 AZR 606/08 – a. a. O.). Bei der Ab­mah­nung im Ar­beits­verhält­nis ist da­nach der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit zu be­ach­ten. Die Ausübung ei­nes ein­sei­ti­gen Be­stim­mungs­rechts ist un­zulässig, wenn sie der Ge­gen­sei­te un­verhält­nismäßig große Nach­tei­le zufügt und an­de­re we­ni­ger schwer­wie­gen­de Maßnah­men möglich ge­we­sen wären, die den In­ter­es­sen des Be­rech­tig­ten eben­so gut Rech­nung ge­tra­gen hätten oder ihm zu­min­dest zu­mut­bar ge­we­sen wären. Der Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit wird als Über­maßver­bot zur Ver­mei­dung schwer­wie­gen­der Rechts­fol­gen bei nur ge­ringfügi­gen Rechts­verstößen ver­stan­den (BGH 19.12.1979 – VIII ZR 46/79 – BM 1980, 215). Bei der Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten durch den Ar­beit­neh­mer hat der Ar­beit­ge­ber als Gläubi­ger der Ar­beits­leis­tung zunächst selbst zu ent­schei­den, ob er ein Fehl­ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers miss­bil­li­gen will und ob er des­we­gen ei­ne münd­li­che oder schrift­li­che Ab­mah­nung er­tei­len will (BAG 23.04.1986 – 5 AZR 340/85 – zi­tiert nach JURIS). Ei­ne Ab­mah­nung ist nicht al­lein des­we­gen un­zulässig, weil der Ar­beit­ge­ber auch über den er­ho­be­nen Vor­wurf hin­weg­se­hen könn­te (BAG 13.11.1991 – 5 AZR 74/91 – AP BGB § 611 Ab­mah­nung Nr. 7), weil et­wa dem Ar­beit­neh­mer ein be­wuss­ter Ver­s­toß ge­gen ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten fern­lag.

2. Nach die­sen Grundsätzen kann der Kläger nicht ver­lan­gen, dass die Ab­mah­nung vom 05.05.2009 aus sei­ner Per­so­nal­ak­te ent­fernt wird. Er ist nicht zu Un­recht ab­ge­mahnt wor­den.

a) Die Ab­mah­nung vom 05.05.2009 enthält kei­ne un­rich­ti­gen Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen und ist hin­rei­chend be­stimmt. In dem Ab­mah­nungs­schrei­ben wer­den die Pflicht-

 

- 17 -

ver­let­zung des Klägers und das von ihm in Zu­kunft er­war­te­te Ver­hal­ten hin­rei­chend ge­nau be­schrie­ben. Die For­mu­lie­run­gen aus dem Schrei­ben des Klägers vom 21.02.2009 we­gen de­rer die Be­klag­te den Kläger ab­mahnt, sind im Ab­mah­nungs­schrei­ben wört­lich wie­der­ge­ge­ben. Mit der Ab­mah­nung führt die Be­klag­te dem Kläger vor Au­gen, was sie von ihm er­war­tet, nämlich dass er sich künf­tig der­ar­ti­ger Äußerun­gen enthält.

b) Die Be­klag­te hat die zum An­lass für die Ab­mah­nung ge­nom­me­nen For­mu­lie­run­gen des Klägers im Schrei­ben vom 21.02.2009 zu Recht als Pflicht­ver­let­zung ge­wer­tet. Der Kläger hat ge­gen das Rück­sicht­nah­me­ge­bot aus § 241 Abs. 2 BGB ver­s­toßen. Aus die­ser Be­stim­mung folgt die Ver­pflich­tung zur Rück­sicht auf die Rech­te, Rechtsgüter und In­ter­es­sen des an­de­ren Ver­trags­teils. Da­zu gehört es auch, Kri­tik an Kol­le­gen oder Vor­ge­setz­ten nur in sach­li­cher Form vor­zu­brin­gen. Äußerun­gen, die den Rah­men der Sach­lich­keit ver­las­sen oder gar den An­ge­spro­che­nen be­lei­di­gen, ha­ben zu un­ter­blei­ben. Von der Mei­nungsäußerungs­frei­heit sind Be­lei­di­gun­gen oder her­ab­set­zen­de Äußerun­gen nicht ge­deckt.

Die vom Kläger auf sei­nen Vor­ge­setz­ten Herrn O. be­zo­ge­nen Äußerun­gen in dem Schrei­ben vom 21.02.2009 ha­ben be­lei­di­gen­den und her­ab­set­zen­den Cha­rak­ter. In­dem der Kläger for­mu­liert „Als Sie sich mit mir an­sch­ließend ver­mit­teln ließen, woll­ten Sie mit mir, wie ich aus die­sem „Ge­stam­mel“ her­aushören konn­te ein Ver­set­zungs­gespräch führen, ...“ er­weckt er den Ein­druck, Herr O. sei nicht in der La­ge, sei­nen Gesprächs­wunsch verständ­lich zu for­mu­lie­ren. Wei­ter wirft der Kläger Herrn O. ei­ne „kon­fu­se und über­has­te­te Vor­ge­hens­wei­se“ vor und will „ein so kon­fu­ses, über­has­te­tes und un­lo­gi­sches Gesprächsführungs­an­sin­nen“ endgültig be­en­den. Auch wenn der Vor­wurf über­has­te­ten und un­lo­gi­schen Vor­ge­hens noch als zulässi­ge Kri­tik ver­stan­den wird, über­schrei­tet der Kläger nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer mit der wie­der­hol­ten Ver­wen­dung des Wor­tes „kon­fus“ in Be­zug auf Herrn O. die Gren­ze des Zulässi­gen. Denn da­mit stellt er sei­nen Vor­ge­setz­ten als „kopf­los“ dar. Im Er­geb­nis wird Herrn O. vor­ge­wor­fen, dass er sei­nen Auf­ga­ben als Per­so­nal­de­zer­nent nicht ge­wach­sen sei, weil er – nach Dar­stel­lung des Klägers – nicht in der La­ge ist, sei­ne An­lie­gen in verständ­li­cher Form münd­lich vor­zu­brin­gen. Des­halb for­dert der Kläger Herrn O. auf, zu Gesprächen schrift­lich ein­zu­la­den. Die Miss­ach­tung, die der

 

- 18 -

Kläger ge­genüber Herrn O. zum Aus­druck bringt, wird zu­dem da­durch deut­lich, dass der Kläger die An­re­de „Herr O.“ wählt und den Brief oh­ne Grußfor­mel schließt.

c) Die Ab­mah­nung ist auch nicht un­verhält­nismäßig. Wie oben aus­geführt, ist ei­ne Ab­mah­nung nicht al­lein des­we­gen un­zulässig, weil der Ar­beit­ge­ber über den er­ho­be­nen Vor­wurf auch hin­weg­se­hen könn­te. Hier ist zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläger sich nicht et­wa in ei­nem Gespräch - zum Zor­ne ge­reizt und oh­ne wei­te­res Nach­den­ken – geäußert hat. Viel­mehr hat er sei­ne kri­ti­schen Äußerun­gen ge­genüber Herrn O. ei­nen Tag nach den Te­le­fo­na­ten zu Pa­pier ge­bracht und in das of­fi­zi­el­le Ge­wand ei­nes Brie­fes ge­klei­det.

C. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on la­gen nicht vor. Es han­delt sich um ei­nen Ein­zel­fall. Im Übri­gen ist die Kam­mer den höchst­rich­ter­li­chen Er­kennt­nis­sen zur Fra­ge des bil­li­gen Er­mes­sens gemäß § 315 BGB und zu den Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Ent­fer­nung ei­ner Ab­mah­nung ge­folgt.

 

gez. ... gez. ... gez. ...

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 6 Sa 472/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880