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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigung: Außerordentlich
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 5 Sa 996/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 01.07.2010
   
Leit­sätze:

1. Der Chef­arzt ei­nes ka­tho­li­schen Kran­ken­hau­ses verstößt ge­gen das Ver­bot in Art. 5 Abs. 2 GO, ei­ne nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe ab­zu­sch­ließen, wenn er nach er­folg­ter Schei­dung ei­ne zwei­te Ehe ein­geht.

2. Stellt ein der­ar­ti­ges Ver­hal­ten da­nach ei­nen an sich ge­eig­ne­ten Kündi­gungs­grund i. S. d. § 1 Abs. 2 KSchG dar, so kann die Kündi­gung gleich­wohl so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt sein, wenn der ka­tho­li­sche Ar­beit­ge­ber im Zu­sam­men­hang mit der Kündi­gung den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­letzt. Der Ar­beit­ge­ber kann über­dies mit der Kündi­gung ge­gen das Ver­bot wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens i. S. d. § 242 BGB ver­s­toßen.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 30.07.2009, 6 Ca 2377/09
Nachgehend BAG, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Nachgehend BVerfG, Beschluss vom 22.10.2014, 2 BvR 661/12
Nachgehend BAG, Beschuss vom 28.07.2016, 28.07.2016, 2 AZR 746/14 (A)
   

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

des Herrn Prof. Dr. S. K. B., I. straße 50, F.,

- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte L., T., N. & F.,

L. straße 100, C.,

g e g e n

die D. W. GmbH als Träger des St. W.-Kran­ken­hau­ses, ver­tre­ten durch den Geschäftsführer K. C., B. straße 9, E.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte H. M.,

L.-T.-Ring 6, N.,

hat die 5. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 01.07.2010

durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Gött­ling als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Di­ede­richs und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Müller

für R e c h t er­kannt:

1) Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 30.07.2009 6 Ca 2377/09 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

2) Die Re­vi­si­on wird für die Be­klag­te zu­ge­las­sen.


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T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung der Be­klag­ten.

Der am 20.01.1962 ge­bo­re­ne Kläger ist auf der Grund­la­ge ei­nes Dienst­ver­trags vom 12.10.1999 ab dem 01.01.2000 als „Ab­tei­lungs­arzt der Ab­tei­lung der me­di­zi­ni­schen Kli­nik (In­ne­re Me­di­zin)“ des St. W.-Kran­ken­hau­ses in F. beschäftigt. Er führt die Dienst­be­zeich­nung „Chef­arzt“. Kirch­li­che Träge­rin des Kran­ken­hau­ses ist die Be­klag­te.

Im Dienst­ver­trag vom 12.10.1999 heißt es un­ter an­de­rem:

Grund­la­ge des Ver­tra­ges

Das St. W.-Kran­ken­haus ist ein ka­tho­li­sches Kran­ken­haus.

Mit die­sem Kran­ken­haus erfüllt der Träger ei­ne Auf­ga­be der Ca­ri­tas als ei­ne Le­bens- und We­sensäußerung der Ka­tho­li­schen Kir­che. Mit­ar­bei­ter im Kran­ken­haus leis­ten des­halb ih­ren Dienst im Geist christ­li­cher Nächs­ten­lie­be. Dienst­ge­ber und al­le Mit­ar­bei­ter des Kran­ken­hau­ses bil­den oh­ne Rück­sicht auf ih­re Tätig­keit und Stel­lung ei­ne Dienst­ge­mein­schaft, die vom Dienst­ge­ber und al­len Mit­ar­bei­tern die Be­reit­schaft zu ge­mein­sam ge­tra­ge­ner Ver­ant­wor­tung und ver­trau­ens­vol­ler Zu­sam­men­ar­beit for­dert und oh­ne Ein­hal­tung der Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re kei­nen Be­stand ha­ben kann.

In An­er­ken­nung die­ser Grund­la­ge und un­ter Zu­grun­de­le­gung der vom Erz­bi­schof von Köln er­las­se­nen Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se vom 22.09.93 (Amts­blatt des Erz­bis­tums Köln, S. 222), der Grund­ord­nung für ka­tho­li­sche Kran­kenhäuser in Nord­rhein-West­fa­len vom 05.11.96 (Amts­blatt des Erz­bis­tums Köln, S. 321), der Sat­zung des Kran­ken­hau­ses und dem Or­ga­ni­sa­ti­ons­sta­tut in den je­weils gel­ten­den Fas­sun­gen wird fol­gen­des ver­ein­bart:


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§ 10

Ver­trags­dau­er

(1) Der Dienst­ver­trag wird auf un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen.

(2) Die Zeit vom 01. Ja­nu­ar 2000 bis 30. Ju­ni 2000 (6 Mo­na­te) gilt

als Pro­be­zeit.

Während die­ser Zeit kann das Dienst­verhält­nis bei­der­seits oh­ne An­ga­be von Gründen mit ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat zum Mo­nats­en­de gekündigt wer­den.

(3) Nach der Pro­be­zeit kann das Dienst­verhält­nis von bei­den Par­tei­en

mit ei­ner Frist von 6 Mo­na­ten zum Schluss ei­nes Ka­len­der­vier­tel­jah­res gekündigt wer­den.

(4) Das Recht zur Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund nach § 626 BGB

bleibt un­berührt. Als wich­ti­ge Gründe zählen u. a. ins­be­son­de­re:

1. er­heb­li­che, den Be­trieb des Kran­ken­hau­ses oder der Fach­ab­tei­lung in Be­stand oder Ent­wick­lung gefähr­den­de, hem­men­de oder schädi­gen­de Tat­sa­chen, die in der Per­son oder in dem Ver­hal­ten des Arz­tes lie­gen, z. B. Fest­stel­lung ei­ner Sucht­krank­heit,

2. ein gro­ber Ver­s­toß ge­gen kirch­li­che Grundsätze, z. B. Erklärung des Kir­chen­aus­tritts, Be­tei­li­gung an ei­ner Ab­trei­bung, Le­ben in kirch­lich ungülti­ger Ehe oder eheähn­li­cher Ge­mein­schaft.

(5) Die Kündi­gung be­darf der Schrift­form.

(6) Das Dienst­verhält­nis en­det oh­ne Kündi­gung mit der Er­rei­chung

der in § 19 Abs. 3 AVR der je­weils gülti­gen Fas­sung fest­ge­leg­ten Al­ters­gren­ze oder mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Be­scheid über ei­ne vom Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger oder von ei­ner an­de­ren Ver­sor­gungs­ein­rich­tung fest­ge­stell­te Be­rufs- oder Er­werbs­unfähig­keit dem Arzt zu­stellt wird.

Die „Grund­ord­nung“ des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se vom 22.09.1993“ (im Fol­gen­den „GO“ ge­nannt) enthält un­ter an­de­rem fol­gen­de Re­ge­lun­gen:


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Ar­ti­kel 4

Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten

(1) Von den ka­tho­li­schen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern wird er­war­tet, dass sie die Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re an­er­ken­nen und be­ach­ten. Ins­be­son­de­re im pas­to­ra­len, ka­te­che­ti­schen und er­zie­he­ri­schen Dienst so­wie bei Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die auf­grund ei­ner Mis­sio ca­no­ni­ca tätig sind, ist das persönli­che Le­bens­zeug­nis im Sin­ne der Grundsätze der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re er­for­der­lich. Dies gilt auch für lei­ten­de Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.

(2) Von nicht­ka­tho­li­schen christ­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern wird er­war­tet, dass sie die Wahr­hei­ten und Wer­te des Evan­ge­li­ums ach­ten und da­zu bei­tra­gen, sie in der Ein­rich­tung zur Gel­tung zu brin­gen.

(3) Nicht­christ­li­che Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter müssen be­reit sein, die ih­nen in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben im Sin­ne der Kir­che zu erfüllen.

(4) Al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ha­ben kir­chen­feind­li­ches Ver­hal­ten zu un­ter­las­sen. Sie dürfen in ih­rer persönli­chen Le­bensführung und in ih­rem dienst­li­chen Ver­hal­ten die Glaubwürdig­keit der Kir­che und der Ein­rich­tung, in der sie beschäftigt sind, nicht gefähr­den.

Ar­ti­kel 5

Verstöße ge­gen Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten

(1) Erfüllt ei­ne Mit­ar­bei­te­rin oder ein Mit­ar­bei­ter die Beschäfti­gungs­an­for­de­run­gen nicht mehr, so muss der Dienst­ge­ber durch Be­ra­tung ver­su­chen, dass die Mit­ar­bei­te­rin oder der Mit­ar­bei­ter die­sen Man­gel auf Dau­er be­sei­tigt. Im kon­kre­ten Fall ist zu prüfen, ob schon ein sol­ches klären­des Gespräch oder ei­ne Ab­mah­nung, ein for­mel­ler Ver­weis oder ei­ne an­de­re Maßnah­me (z. B. Ver­set­zung, Ände­rungskündi­gung) ge­eig­net sind, dem Ob­lie­gen­heits­ver­s­toß zu be­geg­nen. Als letz­te Maßnah­me kommt ei­ne Kündi­gung in Be­tracht.

(2) Für ei­ne Kündi­gung aus kir­chen­spe­zi­fi­schen Gründen sieht die Kir­che ins­be­son­de­re fol­gen­de Loya­litäts­verstöße als schwer­wie­gend an:

Ver­let­zun­gen der gemäß Ar­ti­kel 3 und 4 von ei­ner Mit­ar­bei­te­rin oder ei­nem Mit­ar­bei­ter zu erfüllen­den


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Ob­lie­gen­hei­ten, ins­be­son­de­re Kir­chen­aus­tritt, öffent­li­ches Ein­tre­ten ge­gen tra­gen­de Grundsätze der ka­tho­li­schen Kir­che (z. B. hin­sicht­lich der Ab­trei­bung) und schwer­wie­gen­de persönli­che sitt­li­che Ver­feh­lun­gen,

Ab­schluss ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe,

Hand­lun­gen, die kir­chen­recht­lich als ein­deu­ti­ge Dis­tan­zie­rung von der ka­tho­li­schen Kir­che an­zu­se­hen sind, vor al­lem Ab­fall vom Glau­ben (Apost­asie oder Häre­sie gemäß c. 1364 § 1 i. V. mit c. 751 DIC), Ver­un­eh­rung der hei­li­gen Eu­cha­ris­tie (c. 1367 CIC), öffent­li­che Got­tesläste­rung und Her­vor­ru­fen von Hass und Ver­ach­tung ge­gen Re­li­gi­on und Kir­che (c. 1369 CIC), Straf­ta­gen ge­gen die kirch­li­chen Au­to­ritäten und die Frei­heit der Kir­che (ins­be­son­de­re gemäß den cc. 1373, 1374 CIC).

(3) Ein nach Ab­satz 2 ge­ne­rell als Kündi­gungs­grund in Be­tracht kom­men­des Ver­hal­ten schließt die Möglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung aus, wenn es be­gan­gen wird von pas­to­ral, ka­te­che­tisch oder lei­tend täti­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern oder Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern, die auf­grund ei­ner Mis­sio ca­no­ni­ca tätig sind. Von ei­ner Kündi­gung kann aus­nahms­wei­se ab­ge­se­hen wer­den, wenn schwer­wie­gen­de Gründe des Ein­zel­fal­les die­se als un­an­ge­mes­sen er­schei­nen las­sen.

(4) Wird ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung nicht be­reits nach

Ab­satz 3 aus­ge­schlos­sen, so hängt im Übri­gen die Möglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung von den Ein­zel­fal­l­umständen ab, ins­be­son­de­re vom Aus­maß ei­ner Gefähr­dung der Glaubwürdig­keit von Kir­che und kirch­li­cher Ein­rich­tung, von der Be­las­tung der kirch­li­chen Dienst­ge­mein­schaft, der Art der Ein­rich­tung, dem Cha­rak­ter der über­tra­ge­nen Auf­ga­be, de­ren Nähe zum kirch­li­chen Verkündi­gungs­auf­trag, von der Stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin oder des Mit­ar­bei­ters in der Ein­rich­tung so­wie von der Art und dem Ge­wicht der Ob­lie­gen­heits­ver­let­zung. Da­bei ist auch zu berück­sich­ti­gen, ob ei­ne Mit­ar­bei­te­rin oder ein Mit­ar­bei­ter die Leh­re der Kir­che bekämpft oder sie an­er­kennt, aber im kon­kre­ten Fall ver­sagt.

(5) Mit­ar­bei­te­rin­nen oder Mit­ar­bei­ter, die aus der ka­tho­li­schen Kir­che aus­tre­ten, können nicht wei­ter­beschäftigt wer­den.


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Im Fall des Ab­schlus­ses ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe schei­det ei­ne Wei­ter­beschäfti­gung je­den­falls dann aus, wenn sie un­ter öffent­li­ches Ärger­nis er­re­gen­den oder die Glaubwürdig­keit der Kir­che be­ein­träch­ti­gen­den Umständen ge­schlos­sen wird (z. B. nach böswil­li­gem Ver­las­sen von Ehe­part­ner und Kin­dern).

Der da­nach auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ein­wir­ken­de „co­dex iuris ca­no­ni­ci“ (im Fol­gen­den „cic“ ge­nannt) lau­tet, so­weit für den vor­lie­gen­den Rechts­streit von Be­deu­tung:

§ 1 Ungültig schließt ei­ne Ehe, wer durch das Band ei­ner frühe­ren Ehe ge­bun­den ist, auch wenn die­se nicht voll­zo­gen wor­den ist.

§ 2 Mag auch ei­ne frühe­re Ehe aus ir­gend­ei­nem Grund nich­tig oder auf­gelöst wor­den sein, so ist des­halb ei­ne neue Ehe­sch­ließung noch nicht er­laubt, be­vor die Nich­tig­keit bzw. die Auflösung der frühe­ren Ehe rechtmäßig und si­cher fest­steht.

Das Brut­to­mo­nats­ge­halt des Klägers beträgt der­zeit ... €. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­den die Be­stim­mun­gen des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes An­wen­dung.

Die ers­te Ehe­frau des Klägers trenn­te sich von ihm im Au­gust 2005. Die Ehe wur­de im März 2008 ge­schie­den. Aus die­ser Ehe sind zwei Töch­ter im Al­ter von jetzt 17 und 19 Jah­ren her­vor­ge­gan­gen. Im Au­gust 2008 hei­ra­te­te der Kläger zum zwei­ten Mal (stan­des­amt­lich).

Nach­dem die Be­klag­te un­ter Umständen, die zwi­schen den Par­tei­en teil­wei­se strei­tig sind, von der zwei­ten Ehe des Klägers er­fah­ren hat­te, hörte sie die bei ihr be­ste­hen­de Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung (MAV) mit Schrei­ben vom 20.03.2009 zu ei­ner be­ab­sich­tig­ten or­dent­li­chen Kündi­gung des Klägers an. Die MAV ant­wor­te­te mit Schrei­ben vom 27.03.2009, dass ei­ne Stel­lung­nah­me nicht be­ab­sich­tigt wäre.


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Mit Schrei­ben vom 30.03.2009 kündig­te die Be­klag­te dar­auf das mit dem Kläger be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis frist­ge­recht zum 30.09.2009.

Mit sei­ner am 30.03.2009 beim Ar­beits­ge­richt Düssel­dorf anhängig ge­mach­ten Kla­ge hat der Kläger die Rechts­un­wirk­sam­keit der aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung gel­tend ge­macht, die er für so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt hält.

Er hat be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en durch die or­dent­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 30.03.2009, zu­ge­gan­gen am 30.03.2009, zum 30.09.2009 nicht be­en­det wird;

2. für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag die Be­klag­te zu ver­pflich­ten, ihn über den 30.09.2009 hin­aus als Lei­ten­den Arzt der Ab­tei­lung Me­di­zi­ni­sche Kli­nik (In­ne­re Me­di­zin) am St. W.-Kran­ken­haus in E. bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat sich zur Be­gründung der Kündi­gung dar­auf be­ru­fen, dass der Kläger ei­ne im Sin­ne des ka­tho­li­schen Kir­chen­rechts ungülti­ge Ehe ein­ge­gan­gen sei und da­durch in er­heb­li­cher Wei­se ge­gen sei­ne Ver­pflich­tun­gen aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­s­toßen hätte. Hier­zu hat die Be­klag­te im Ein­zel­nen aus­geführt, der Kläger hätte in ei­nem aus ge­ge­be­nem An­lass an­be­raum­ten Per­so­nal­gespräch am 25.11.2008 auf Be­fra­gen ein­geräumt, dass er ge­schie­den sei und mit ei­ner ehe­ma­li­gen As­sis­tenzärz­tin sei­ner Ab­tei­lung ei­ne zwei­te Ehe ein­ge­gan­gen wäre. Die As­sis­tenzärz­tin hätte in­zwi­schen vor­zei­tig zum 30.06.2007 gekündigt. Er, der Kläger, hätte al­ler­dings mit Rück­sicht auf sei­ne bei­den Kin­der von ei­ner kirch­li­chen An­nul­lie­rung ab­ge­se­hen, be­vor er im Au­gust 2008 stan­des­amt­lich die zwei­te Ehe ein­ge­gan­gen wäre. Die Be­klag­te hat wei­ter vor­ge­tra­gen, am 26.01.2009 sei sie vom Kläger darüber un­ter­rich­tet wor-


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den, dass er in­zwi­schen doch die kir­chen­recht­li­che An­nul­lie­rung sei­ner ers­ten Ehe be­an­tragt hätte.

Die Be­klag­te hat hier­nach die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass das Ver­hal­ten des Klägers ei­nen schwer­wie­gen­den Loya­litäts­ver­s­toß gemäß Art. 5 Abs. 2 GO dar­stel­le, der von dem Kläger als lei­tend täti­gem Mit­ar­bei­ter im Sin­ne von Art. 5 Abs. 3 GO be­gan­gen wor­den sei. An­halts­punk­te dafür, dass schwer­wie­gen­de Gründe des Ein­zel­fal­les vorlägen, die es ermöglich­ten, im Sin­ne von Art. 5 Abs. 3 Satz 2 GO aus­nahms­wei­se von ei­ner Kündi­gung ab­zu­se­hen, sei­en nicht ge­ge­ben und vom Kläger auch nicht vor­ge­tra­gen. Da der Kläger ei­ne ungülti­ge Ehe im Sin­ne von § 1 can. 1085 cic ein­ge­gan­gen sei, müsse von ei­ner ungülti­gen Ehe im Sin­ne des Kir­chen­rechts aus­ge­gan­gen wer­den. Das er, der Kläger, in­zwi­schen das kirch­li­che An­nul­lie­rungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hätte, könne ihn nicht ent­las­ten.

Der Kläger hat ge­meint, die zwei­te, nur stan­des­amt­lich ge­schlos­se­ne Ehe stel­le kei­nen Grund für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses dar. Er hat in die­sem Zu­sam­men­hang auf die Ein­lei­tung des Ehean­nul­lie­rungs­ver­fah­rens hin­ge­wie­sen und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ge­we­sen wäre, den Aus­gang die­ses Ver­fah­rens ab­zu­war­ten. Der Kläger hat wei­ter ge­meint, dass er als Chef­arzt we­der als lei­ten­der An­ge­stell­ter noch als Verkündungs­träger im Sin­ne von Art. 5 Abs. 3 GO an­zu­se­hen wäre. Zu berück­sich­ti­gen sei fer­ner, dass es auch An­lass sei­ner Wie­der­hei­rat nicht zu ei­nem öffent­li­chen Ärger­nis im Sin­ne von Art. 5 Abs. 5 GO ge­kom­men sei und er über­dies von sei­ner frühe­ren Ehe­frau böswil­lig ver­las­sen wor­den wäre.

Sch­ließlich, so der Kläger wei­ter, sei dem da­ma­li­gen Geschäftsführer Q. be­reits im Jah­re 2006 be­kannt ge­we­sen, dass der Kläger schon da­mals in ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft mit sei­ner späte­ren zwei­ten Ehe­frau ge­lebt hätte. Hierüber sei im Herbst 2006 auch der wei­te­re Geschäftsführer C. in­for­miert wor­den.

Der Kläger hat sich zu­dem auf ei­ne un­zulässi­ge Un­gleich­be­hand­lung der Be­klag­ten be­ru­fen und be­haup­tet, nach sei­nem Kennt­nis­stand würden wei­te­re

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Chefärz­te ein­ge­stellt und/oder beschäftigt, ob­wohl sie eben­falls ge­schie­den und/oder wie­der­ver­hei­ra­tet wären.

Die Be­klag­te hat be­strit­ten, dass das eheähn­li­che Verhält­nis des Klägers seit dem Jah­re 2006 be­kannt ge­we­sen sei. Sie hat wei­ter be­strit­ten, an­de­re Chefärz­te, die römisch-ka­tho­li­schen Glau­bens wären und ei­ne zwei­te Ehe ein­ge­gan­gen sei­en, an­ders als den Kläger be­han­delt zu ha­ben.

Darüber hin­aus hat die Be­klag­te aber vor al­len Din­gen die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Kündi­gung des Klägers be­reits aus Art. 5 Abs. 3 GO ge­recht­fer­tigt wäre und ei­ne In­ter­es­sen­abwägung im Sin­ne von Art. 5 Abs. 5 GO nicht in Be­tracht käme. Auch auf das noch nicht ab­ge­schlos­se­ne Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren könne sich der Kläger nicht be­ru­fen.

Mit Ur­teil vom 30.07.2009 hat die 6. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf – 6 Ca 2377/09 – dem Kla­ge­be­geh­ren des Klägers ent­spro­chen.

In den Ent­schei­dungs­gründen, auf die im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, die Kündi­gung sei so­zi­al ge­recht­fer­tigt, weil sie nicht durch im Ver­hal­ten des Klägers lie­gen­de Gründe be­dingt wäre. Zwar könne sich die Be­klag­te auf der Grund­la­ge des nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV geschütz­ten Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen auf die Grund­ord­nung vom 22.09.1993 be­ru­fen. Al­ler­dings ste­he an­ge­sichts des noch nicht ab­ge­schlos­se­nen Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­rens eben noch nicht fest, ob tatsächlich ei­ne ungülti­ge Ehe im Sin­ne von § 1 can. 1055 cic vorläge. Ein – auf je­den Fall fest­zu­stel­len­der – Ver­s­toß ge­gen § 2 can. 1085 cic rei­che zur Be­gründung der Kündi­gung hin­ge­gen nicht aus.

Die Be­klag­te hat ge­gen das ihr am 28.08.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil mit ei­nem am 25.09.2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se - nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 30.11.2009 – mit ei­nem am 30.11.2009 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.


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Sie wie­der­holt zunächst ih­ren Sach­vor­trag aus dem ers­ten Rechts­zug und un­ter­streicht noch­mals ih­re Rechts­auf­fas­sung, dass die Ein­ge­hung der zwei­ten Ehe des Klägers ein Ver­s­toß ge­gen § 1 can. 1085 cic dar­stel­le und gemäß Art. 5 Abs. 3 GO ei­nen ab­so­lu­ten Kündi­gungs­grund auslöse. Der Kläger könne sich ge­ra­de nicht auf das noch nicht be­en­de­te Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren be­ru­fen. Ins­ge­samt wäre da­mit auch die von der Be­klag­ten vor­ge­nom­me­ne In­ter­es­sen­abwägung nicht zu be­an­stan­den.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 30.07.2009 – 6 Ca 2377/09 – ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Er ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil und wie­der­holt eben­falls sei­nen Sach­vor­trag aus der ers­ten In­stanz.

Er be­haup­tet er­neut, den da­ma­li­gen Geschäftsführern Q. und C. sei be­reits im Jah­re 2006 be­kannt ge­we­sen, dass der Kläger in ei­ner nicht­ehe­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft leb­te, oh­ne dass sie dies kri­ti­siert hätten.

Der Kläger ver­tritt wei­ter die Auf­fas­sung, dass er ge­genüber an­de­ren Chefärz­ten un­gleich be­han­delt und da­mit dis­kri­mi­niert würde. Er ver­weist in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf, dass ei­ne An­zahl von Chefärz­ten ge­schie­den sei und ei­ne zwei­te Ehe ein­ge­gan­gen wären, oh­ne dass dies die Be­klag­te zum An­lass ge­nom­men hätte, Kündi­gun­gen aus­zu­spre­chen. We­gen der Na­men der vom Kläger be­nann­ten Ärz­te wird auf Blatt 410 und 411 der Ak­ten ver­wie­sen.

Die Be­klag­te be­strei­tet er­neut, von der eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft be­reits im Jah­re 2006 ge­wusst zu ha­ben.


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Zu den vom Kläger be­nann­ten an­de­ren Chefärz­ten ver­weist sie dar­auf, dass ein großer Teil von ih­nen nicht römisch-ka­tho­li­scher Kon­fes­si­on wären, an­de­re der be­nann­ten Ärz­te in Kran­kenhäusern ar­bei­te­ten, die nicht in der Träger­schaft der Be­klag­ten stünden oder aber nicht wie­der ge­hei­ra­tet hätten. Al­len­falls bei dem in den 80er Jah­ren ver­stor­be­nen Chef­arzt Dr. T. könne ein ver­gleich­ba­rer Sach­ver­halt an­ge­nom­men wer­den. Das glei­che gel­te für den Chef­arzt Dr. C., der sei­ne Wie­der­ver­hei­ra­tung aber erst ei­nen Mo­nat vor dem al­ters­be­ding­ten Aus­schei­den aus dem Ar­beits­verhält­nis an­ge­zeigt hätte. In die­sem Fall sei von ei­ner Kündi­gung ab­ge­se­hen wor­den.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat über die Be­haup­tung des Klägers, der Be­klag­ten sei­en be­reits 2006 In­for­ma­tio­nen über die nicht­ehe­li­che Le­bens­ge­mein­schaft des Klägers zu­ge­gan­gen, Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung des Zeu­gen Q. und des Geschäftsführers C. der Be­klag­ten als Par­tei. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Sit­zungs­pro­to­koll vom 01.07.2010 ver­wie­sen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der zu den Ak­ten ge­reich­ten Ur­kun­den und der zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze ver­wie­sen.

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

I.

Die Be­ru­fung ist zulässig.

Sie ist nämlich an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 Zif­fer b ArbGG) so­wie form- und


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frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§§ 66 Abs. 1 Satz 1 ArbGG, 519, 520 ZPO).

II.

In der Sa­che selbst hat­te das Rechts­mit­tel al­ler­dings kei­nen Er­folg.

Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ist durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 30.03.2009 nicht zum 30.09.2009 be­en­det wor­den, weil die Kündi­gung nicht durch im Ver­hal­ten des Klägers lie­gen­de Gründe be­dingt und da­mit so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ge­we­sen ist, § 1 Abs. 2 KSchG.

1. Ei­ne Kündi­gung ist durch Gründe im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers be­dingt, wenn der Ar­beit­neh­mer mit dem ihm vor­ge­wor­fe­ne Ver­hal­ten ei­ne Ver­trags­pflicht – in der Re­gel schuld­haft – er­heb­lich ver­letzt hat, das Ar­beits­verhält­nis da­durch kon­kret be­ein­träch­tigt wird, ei­ne zu­mut­ba­re Möglich­keit ei­ner an­de­ren Beschäfti­gung nicht be­steht und die Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses in Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le bil­li­gens­wert und an­ge­mes­sen er­scheint (BAG 10.12.2009 – 2 AZR 55/09 – DB 2010, 1016; BAG 31.05.2007 – 2 AZR 200/06 – AP Nr. 57 zu § 1 KSchG 1969 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung).

2. Hier­nach war die Be­klag­te grundsätz­lich be­rech­tigt, das mit dem Kläger be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis un­ter Ein­hal­tung der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zum 30.09.2009 zu be­en­den, weil der Kläger durch die Ein­ge­hung ei­ner zwei­ten Ehe schuld­haft ge­gen ei­ne ihm ob­lie­gen­de Ver­trags­pflicht ver­s­toßen hat.

2.1 Al­ler­dings steht dem Kläger – auch im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis-

ses – das Recht auf freie Ent­fal­tung sei­ner Persönlich­keit im Sin­ne von Art. 2 Abs. 1 GG zu. Die­ses Grund­recht um­fasst auch die Frei­heit, ei­ne zwei­te Ehe ein­zu­ge­hen und berührt da­mit die Ge­stal­tung des pri­va­ten Le­bens­be­reichs ei­nes Ar­beit­neh­mers. Die­se Ge­stal­tung steht aber grundsätz­lich außer­halb der Ein­fluss­sphäre des Ar­beit­ge­bers und wird durch ar­beits­ver­trag­li­che Pflich­ten


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nur in­so­weit ein­ge­schränkt, als sich das pri­va­te Ver­hal­ten auf den be­trieb­li­chen Be­reich aus­wirkt und dort zu Störun­gen führt. Berührt außer­dienst­li­ches Ver­hal­ten den ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten­kreis nicht, so ist der Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich nicht be­rech­tigt, die ihm be­kannt ge­wor­de­nen Umstände aus der Pri­vat­sphäre des Ar­beit­neh­mers durch den Aus­spruch ei­ner Kündi­gung zu miss­bil­li­gen (BAG 16.09.2004 – 2 AZR 447/03 – AP Nr. 44 zu § 611 BGB Kir­chen­dienst; BAG 23.06.1994 – 2 AZR 617/93 – BA­GE 77, 128).

2.2 In­des­sen muss sich der Kläger vor­hal­ten las­sen, dass er sich in ei­nem

kirch­lich ge­prägten Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten be­fin­det. Auf die­ses Ar­beits­verhält­nis fin­det die „Grund­ord­nung der Ka­tho­li­schen Kir­che für den kirch­li­chen Dienst im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­verhält­nis­se“ (GO) An­wen­dung. Nach des­sen Art. 5 Abs. 2 ist der Ehe­schluss ei­ner nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe ein Loya­litäts­ver­s­toß, der für ei­ne Kündi­gung als schwer­wie­gend an­zu­se­hen ist. Mit sei­ner zwei­ten Ehe hat der Kläger da­mit ge­gen den Grund­satz der Un­auflöslich­keit der Ehe ver­s­toßen, der zu den we­sent­li­chen Grundsätzen der ka­tho­li­schen Glau­bens- und Sit­ten­leh­re gehört. Dies er­gibt sich nicht zu­letzt aus §§ 1 und 2 can. 1085 cic.

2.2.1 Das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht des Klägers, das grund­ge­setz­lich verbürgt ist, kol­li­diert da­nach mit dem eben­falls Ver­fas­sungs­rang ge­nießen­den Recht der Kir­chen, in den Schran­ken der für al­le gel­ten­den Ge­set­ze den kirch­li­chen Dienst nach ih­rem Selbst­verständ­nis selbst zu re­geln und die­se spe­zi­fi­schen Ob­lie­gen­hei­ten kirch­li­cher Ar­beit­neh­mer für das Ar­beits­verhält­nis ver­bind­lich ma­chen zu können (Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 04.06.1985 – 2 BvR 1703/83, 2 – AP Nr. 24 zu Art. 140 GG; BAG 16.09.2004, a. a. O., mit wei­te­ren Hin­wei­sen auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts). Die­ses Selbst­ord­nungs- und Selbst­ver­wal­tungs­ga­ran­tie, die letzt­lich aus Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 WRV ab­zu­lei­ten ist, kommt nicht nur den ver­fass­ten Kir­chen und de­ren recht­lich selbstständi­gen Tei­len zu­gu­te, son­dern al­len der Kir­che in be­stimm­ter Wei­se zu­ge­ord­ne­ten Ein­rich­tun­gen oh­ne Rück­sicht auf ih­re Rechts­form, wenn sie nach kirch­li­chem Selbst­verständ­nis ih­rem Zweck und


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ih­rer Auf­ga­be ent­spre­chend be­ru­fen sind, ein Stück des Auf­trags der Kir­che wahr­zu­neh­men und zu erfüllen (Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 04.06.1985, a. a. O.). Be­die­nen sich die Kir­chen, wie je­der­mann der Pri­vat­au­to­no­mie zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen, so fin­det auf die­se das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung. Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt in­des­sen de­ren Zu­gehörig­keit zu den „ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten“ der Kir­che nicht auf. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt für die Ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se we­sent­lich. Auch im We­ge des Ver­trags­schlus­ses können da­her ei­nem kirch­li­chen Ar­beit­neh­mer be­son­de­re Ob­lie­gen­hei­ten ei­ner kirch­li­chen Le­bensführung auf­er­legt wer­den. Wer­den sol­che Loya­litäts­pflich­ten in ei­nem Ar­beits­ver­trag fest­ge­legt, nimmt der kirch­li­che Ar­beit­ge­ber nicht nur die all­ge­mei­ne Ver­trags­frei­heit für sich in An­spruch; er macht zu­gleich von sei­nem ver­fas­sungs­kräfti­gen Selbst­be­stim­mungs­recht Ge­brauch.

Die Ge­stal­tungs­frei­heit des kirch­li­chen Ar­beit­ge­bers nach Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV für die auf Ver­trags­ebe­ne be­gründe­ten Ar­beits­verhält­nis­se steht un­ter dem Vor­be­halt des für al­le gel­ten­den Ge­set­zes. Zu die­sem gehören von ih­rer Ziel­set­zung und ih­rer rechts­po­li­ti­schen Be­deu­tung her auch die kündi­gungs-schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten der §§ 1 KSchG, 626 BGB. De­ren grundsätz­li­che Gel­tung für den kirch­li­chen Dienst steht nach all­ge­mei­ner Mei­nung außer Zwei­fel. Da­mit ist je­doch nicht ge­sagt, dass die­se staat­li­chen Re­ge­lun­gen in je­dem Fall den kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht vor­ge­hen. Die in­kor­po­rier­ten Kir­chen­ar­ti­kel der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung bil­den mit dem Grund­ge­setz ein or­ga­ni­sches Gan­zes. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV gewähr­leis­tet mit Rück­sicht auf das zwin­gen­de Er­for­der­nis des fried­li­chen Zu­sam­men­le­bens von Staat und Kir­che so­wohl das selbstständi­ge Ord­nen und Ver­wal­ten der ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten durch die Kir­chen als auch den staat­li­chen Schutz an­de­rer für das Ge­mein­we­sen be­deut­sa­mer Rechtsgüter. Dar­aus folgt: Gewähr­leis­tet die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts, dass die Kir­chen bei der ar­beits­ver­trag­li­chen Ge­stal­tung des kirch­li­chen Diens­tes das Leit­bild ei­ner christ­li­chen Dienst­ge­mein­schaft zu­grun­de le­gen und die Ver­bind­lich­keit kirch­li­cher Grund­pflich­ten be­stim­men können, so ist die­se Gewährung bei der

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An­wen­dung des Kündi­gungs­schutz­rechts auf Kündi­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen we­gen der Ver­let­zung der sich dar­aus für die Ar­beit­neh­mer er­ge­ben­den Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Gründen zu berück­sich­ti­gen und ih­re Trag­wei­te fest­zu­stel­len. Ei­ne Rechts­an­wen­dung, bei der die vom kirch­li­chen Selbst­verständ­nis her ge­bo­te­ne Ver­pflich­tung der kirch­li­chen Ar­beit­neh­mer auf grund­le­gen­de Ma­xi­men kirch­li­chen Rechts ar­beits­recht­lich oh­ne Be­deu­tung blie­be, wi­derspräche dem ver­fas­sungs­verbürg­ten Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­che (so aus­drück­lich: Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 04.06.1985, a. a. O.).

Es bleibt da­nach grundsätz­lich den ver­fass­ten Kir­chen über­las­sen, ver­bind­lich zu be­stim­men, was „die Glaubwürdig­keit der Kir­che und ih­rer Verkündi­gung er­for­dert“, was „spe­zi­fisch kirch­li­che Auf­ga­ben“ sind, was „Nähe“ zu ih­nen be­deu­tet, wel­ches die „we­sent­li­chen Grundsätze der Glau­bens- und Sit­ten­leh­re“ sind und was als – ge­ge­be­nen­falls schwe­rer – Ver­s­toß ge­gen die­se an­zu­se­hen ist. Auch die Ent­schei­dung darüber, ob und wie in­ner­halb der im kirch­li­chen täti­gen Mit­ar­bei­ter ei­ne Ab­stu­fung der Loya­litäts­pflich­ten ein­grei­fen soll, ist grundsätz­lich ei­ne dem kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­recht un­ter­lie­gen­de An­ge­le­gen­heit. So­weit die­se kirch­li­chen Vor­ga­ben den an­er­kann­ten Maßstäben der ver­fass­ten Kir­chen Rech­nung tra­gen, was in Zwei­felsfällen durch ent­spre­chen­de ge­richt­li­che Rück­fra­gen bei den zuständi­gen Kir­chen­behörden auf­zuklären ist, sind die Ar­beits­ge­rich­te an sie ge­bun­den, es sei denn, die Ge­rich­te begäben sich da­durch in Wi­der­spruch zu Grund­prin­zi­pi­en der Rechts­ord­nung, wie sie im all­ge­mei­nen Willkürver­bot oder et­wa in dem Be­griff der „gu­ten Sit­ten“ ih­ren Nie­der­schlag ge­fun­den ha­ben. Es bleibt in die­sem Be­reich so­mit Auf­ga­be der staat­li­chen Ge­richts­bar­keit, si­cher­zu­stel­len, dass die kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen nicht in Ein­z­elfällen un­an­nehm­ba­re An­for­de­run­gen – in­so­weit mögli­cher­wei­se ent­ge­gen den Grundsätzen der ei­ge­nen Kir­che und der dar­aus fol­gen­den Fürsor­ge­pflicht – an die Loya­lität ih­rer Ar­beit­neh­mer stel­len. Im Übri­gen ob­liegt es den Ar­beits­ge­rich­ten, den Sach­ver­halt fest­zu­stel­len und un­ter die kirch­li­cher­seits vor­ge­ge­be­nen, ar­beits­recht­lich ab­ge­si­cher­ten Loya­litätsob­lie­gen­hei­ten zu sub­sum­mie­ren (Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 04.06.1985, a. a. O.).


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2.2.2 Hier­nach ist fest­zu­hal­ten, dass der Kläger durch die Ein­ge­hung sei­ner zwei­ten Ehe ge­gen das Ver­bot in Art. 5 Abs. 2 GO ver­s­toßen hat, ei­ne nach dem Glau­bens­verständ­nis und der Rechts­ord­nung der Kir­che ungülti­gen Ehe ab­zu­sch­ließen.

Ent­ge­gen der im ers­ten Rechts­zug geäußer­ten Auf­fas­sung ist der Kläger als Chef­arzt der Ab­tei­lung „In­ne­re Me­di­zin“ als Verkündungs­träger und lei­tend täti­ger Mit­ar­bei­ter im Sin­ne des Art. 5 Abs. 3 GO an­zu­se­hen. Hier­nach er­weist sich sein Ver­hal­ten gemäß Art. 5 Abs. 3 GO ge­ne­rell als Kündi­gungs­grund, das die Möglich­keit ei­ner Wei­ter­beschäfti­gung in der Re­gel aus­sch­ließt.

Nach Dar­stel­lung der Be­klag­ten in bei­den Rechtszügen hat sie darüber hin­aus ge­prüft, ob von der streit­be­fan­ge­nen Kündi­gung aus­nahms­wei­se ab­ge­se­hen wer­den kann, weil schwer­wie­gen­de Gründe des Ein­zel­fal­les die­se als un­an­ge­mes­sen er­schei­nen ließe, Art. 5 Abs. 3 Satz 2 GO. Die Be­klag­te hat das Vor­lie­gen der­ar­ti­ger Aus­nah­me­tat­bestände ver­neint; hier­an ist die er­ken­nen­de Kam­mer ge­bun­den, weil es in­so­weit um die Be­wer­tung ver­trag­li­cher Loya­litäts­pflich-ten auf der Grund­la­ge der vor­ge­ge­be­nen kirch­li­chen Maßstäbe geht.

2.2.3 Der Kläger kann sich zur Be­gründung sei­ner ent­ge­gen­ge­setz­ten Rechts­auf­fas­sung auch nicht auf das noch schwe­ben­de Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren be­ru­fen. Da der Kläger durch sei­ne Wie­der­ver­hei­ra­tung ge­gen die in can. 1084 cic nie­der­ge­leg­ten Grundsätze ver­s­toßen und da­mit we­sent­li­che kirch­li­che Grundsätze der ka­tho­li­schen Kir­che nicht ein­ge­hal­ten hat, stellt die Ein­ge­hung ei­ner Ehe ei­nen Kündi­gungs­grund dar. Dies gilt selbst dann, wenn auf­grund des vom Kläger ein­ge­lei­te­ten Ehe­nich­tig­keits­ver­fah­ren sei­ne ers­te Ehe mit ex-tunc-Wir­kung für nich­tig erklärt wer­den soll­te. Dann lag zum Zeit­punkt der Kündi­gung je­den­falls ein Ver­s­toß ge­gen § 2 can. 1085 cic vor, der – in­so­weit ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts – eben­falls zur Kündi­gung be­rech­tig­ten würde.

3. Gleich­wohl er­weist sich die streit­be­fan­ge­ne Kündi­gung vom 30.03.2009

im Er­geb­nis als rechts­un­wirk­sam, weil die bei je­der Kündi­gung vor­zu­neh­men­de


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um­fas­sen­de In­ter­es­sen­abwägung – aus­nahms­wei­se – zu Guns­ten des Klägers aus­zu­ge­hen hat.

3.1 Die Be­klag­te hat zunächst im Zu­sam­men­hang mit dem Aus­spruch der

Kündi­gung den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht aus­rei­chend be­ach­tet und hier­durch den Kläger in un­zulässi­ger Art und Wei­se be­nach­tei­ligt.

3.1.1 Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann die Un­wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung nicht un­mit­tel­bar aus ei­ner Ver­let­zung des Gleich­be­hand­lungs­ge­bo­tes her­ge­lei­tet wer­den. Die­ser Grund­satz ist mit dem Ge­bot, bei der Prüfung des Kündi­gungs­grun­des die Umstände des je­wei­li­gen Ein­zel­fal­les um­fas­send ab­zuwägen, nur be­schränkt zu ver­ein­ba­ren. Ei­ne nur mit­tel­ba­re Aus­wir­kung auf die In­ter­es­sen­abwägung kann der Gleich­be­hand-lungs­grund­satz al­ler­dings dann ha­ben, wenn der Ar­beit­ge­ber bei glei­cher Aus­gangs­la­ge (gleich­ar­ti­ge Pflicht­ver­let­zun­gen) nicht al­len be­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mern kündigt und dar­aus zu schließen ist, dass es für ihn zu­mut­bar ist, das Ar­beits­verhält­nis auch mit den gekündig­ten Ar­beit­neh­mern fort­zu­set­zen (BAG 22.02.1979 – 2 AZR 115/78 – EzA § 103 Be­trVG 1972 Nr. 23; vgl. auch: LAG Düssel­dorf 04.11.2005 – 9 Sa 993/05 – DB 2006, 455).

3.1.2 Hier­nach muss da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es der Be­klag­ten zu­mut­bar war, das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger fort­zu­set­zen, weil sie an­de­ren, mit dem Kläger ver­gleich­ba­re Ar­beit­neh­mer, die sich in der­sel­ben Si­tua­ti­on be­fin­den, kei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen hat.

Nach den Fest­stel­lun­gen der Kam­mer im zwei­ten Rechts­zug steht fest, dass der ge­schie­de­ne und wie­der­ver­hei­ra­tet Arzt Dr. T. ge­nau­so we­nig gekündigt wor­den ist, wie Herr Dr. C.. Die Be­klag­te weist zwar im Fal­le Dr. T. dar­auf hin, dass es sich um ei­nen lang zurück­lie­gen­den Fall aus den 80er Jah­ren ge­han­delt hätte und dass ei­ne Kündi­gung von Herrn Dr. C. un­ter­las­sen wor­den wäre, weil er ei­nen Mo­nat nach Un­ter­rich­tung über sei­ne zwei­te Ehe aus Al­ters­gründen aus­schied. Ins­ge­samt zeigt aber schon die­ses Ver­hal­ten der Be­klag­ten,


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dass sie in der Ver­gan­gen­heit die in Art. 5 Abs. 2 und 3 GO auf­geführ­ten Loya­litäts­pflicht­ver­let­zun­gen nicht als „ab­so­lu­ter Kündi­gungs­grund“ an­sah, son­dern of­fen­sicht­lich be­reit war, die Verstöße un­ter be­stimm­ten Umständen zu to­le­rie­ren.

3.1.3 Die Be­klag­te hat aber vor al­len Din­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­letzt, weil sie zwei wei­te­re für sie täti­ge Chefärz­te, Herrn Dr. I. und Herrn Prof. U. an­ders be­han­delt hat als den Kläger, ob­wohl sie sich in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fan­den.

3.1.3.1 Der all­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ist Aus­druck des Ge­rech­tig­keits­ge­dan­kens im Grund­ge­setz und fun­da­men­ta­les Recht­s­prin­zip. Er zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­be­hand­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Re­gel­bil­dung aus­zu­sch­ließen. Er kommt ins­be­son­de­re zur An­wen­dung, wenn die Be­triebs­par­tei­en (oder der Ar­beit­ge­ber) bei ei­ner Re­ge­lung un­ter­schied­li­che Grup­pen bil­den. Ei­ne un­ter­schied­li­che Grup­pen­bil­dung liegt vor, wenn für ver­schie­de­ne Ar­beit­neh­mer­grup­pen un­ter­schied­li­che Rechts­fol­gen vor­ge­se­hen sind. Dann ver­langt der Gleich­heits­satz, dass die­se Un­ter­schei­dung sach­lich ge­recht­fer­tigt ist. Da­bei verstößt ei­ne sach­ver­halts­be­zo­ge­ne Un­gleich­be­hand­lung erst dann ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz, wenn sie willkürlich ist, weil sich ein vernünf­ti­ger Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung nicht fin­den lässt. Da­ge­gen ist bei ei­ner per­so­nen­be­zo­ge­nen Un­gleich­be­hand­lung der Gleich­heits­satz be­reits dann ver­letzt, wenn ei­ne Grup­pe von Nor­madres­sa­ten im Ver­gleich zu an­de­ren Nor­madres­sa­ten an­ders be­han­delt wird, ob­wohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Un­ter­schie­de von sol­cher Art und sol­chem Ge­wicht be­ste­hen, dass sie die Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten. Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen ei­nes hin­rei­chen­den Sach­grun­des ist da­bei vor al­lem der mit der Re­ge­lung ver­folg­te Zweck (ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. zu­letzt: BAG 16.02.2010 – 3 AZR 216/09 – NZA 2010, 701).


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3.1.2 Da­nach hat die Be­klag­te den Kläger durch den Aus­spruch der streit­be­fan­ge­nen Kündi­gung im Sin­ne der oben ge­nann­ten Recht­spre­chung be­nach­tei­ligt, oh­ne hierfür ei­nen sach­li­chen Grund an­ge­ben zu können.

Die Be­klag­te hat sich vor al­len Din­gen im zwei­ten Rechts­zug dar­auf be­ru­fen, dass die ge­nann­ten Chefärz­te Prof. U. und Dr. I. nicht römisch-ka­tho­li­scher Kon­fes­si­on wären. Dies kann ei­ne Un­gleich­be­hand­lung des Klägers aber schon des­halb nicht recht­fer­ti­gen, weil die Be­klag­te die Verträge mit den Chefärz­ten Prof. U. und Dr. I. wie den des Klägers ge­stal­tet und da­mit zum Aus­druck ge­bracht hat, dass sie von ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten aus­geht. Es ist in­so­fern ei­ne ge­wis­se Selbst­bin­dung der Be­klag­ten ein­ge­tre­ten.

Dies kommt bei dem Dienst­ver­trag des Dr. I. schon da­durch zum Aus­druck, dass in dem Ver­trag als „Grund­la­ge“ auch die Grund­ord­nung vom 22.09.1993 als zu­grun­de ge­legt ver­ein­bart wird. Bei Herrn Prof. U., des­sen Ver­trag be­reits aus dem Jah­re 1985 stammt, konn­te ei­ne Ein­be­zie­hung der aus dem Jah­re 1993 ver­ab­schie­de­ten Grund­ord­nung nicht er­fol­gen. Auch in die­sem Ver­trag wird aber ein­deu­tig das St. W.-Kran­ken­haus als ka­tho­li­sches Kran­ken­haus be­zeich­net und auf den Leit­ge­dan­ken der Ca­ri­tas hin­ge­wie­sen.

Ent­schei­dend für die Fra­ge, ob ver­gleich­ba­re Sach­ver­hal­te vor­lie­gen, er­weist sich al­ler­dings die Ge­stal­tung der Verträge als sol­che. Auch in dem Dienst­ver­trag mit Herrn Prof. U. wird als mögli­cher Kündi­gungs­grund ein „schwe­rer Ver­s­toß ge­gen die Moral­ge­set­ze der ka­tho­li­schen Kir­che“ ge­nannt. Im Ver­trag von Herrn Dr. I. fin­det sich darüber hin­aus im Rah­men der Aufzählung der Kündi­gungs­gründe für ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung nach § 626 BGB, die wort­gleich mit der ent­spre­chen­den Pas­sa­ge im Dienst­ver­trag des Klägers übe­rein­stimmt. Da­nach zählt als wich­ti­ger Grund un­ter an­de­rem das „Le­ben in kirch­lich ungülti­ger Ehe oder eheähn­li­cher Ge­mein­schaft“.

Durch die Ge­stal­tung der ge­nann­ten Dienst­verträge hat die Be­klag­te zum ei­nen zum Aus­druck ge­bracht, dass die Ar­beits­verhält­nis­se mit den römisch-ka­tho­li­schen Chefärz­ten ge­nau­so ge­lebt wer­den sol­len, wie die Ar­beits­verhält-


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nis­se mit den Chefärz­ten, die nicht römisch-ka­tho­li­scher Kon­fes­si­on sind. Dies wird zum ei­nen durch die In­be­zug­nah­me der Grund­ord­nung deut­lich. Wenn die Be­klag­te in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf ver­weist, dass die Grund­ord­nung in Art. 4 durch­aus Un­ter­schie­de macht, ob es sich um ka­tho­li­sche oder nicht­ka­tho­li­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter han­delt, so trifft dies zwar zu. Gleich­wohl hat die Be­klag­te durch die oben be­schrie­be­ne kon­kre­te Ge­stal­tung der An­stel­lungs­verträge selbst aber klar ge­zeigt, dass es ihr in der Tat um ei­ne Gleich­be­hand­lung al­ler Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ging. An­sons­ten hätte z. B. die glei­che For­mu­lie­rung der wich­tigs­ten Kündi­gungs­gründe in den hier an­ge­spro­che­nen An­stel­lungs­verträgen kei­nen Sinn ge­macht.

3.1.2.3 Zwi­schen den Par­tei­en ist letzt­lich un­strei­tig, dass sich die Chefärz­te Prof. U. und Dr. I. in ei­ner mit dem Kläger ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on be­fin­den. Da ih­nen ge­genüber aber we­der ei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen noch sons­ti­ge per­so­nel­le Maßnah­men er­grif­fen wor­den sind, stellt die Kündi­gung des Klägers ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar. Der da­mit ver­bun­de­ne Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz führt dann aber zu der Er­kennt­nis, dass es der Be­klag­ten auch im Fal­le des Klägers durch­aus zu­mut­bar ge­we­sen wäre, das Ar­beits­verhält­nis mit ihm auch nach Ein­ge­hung der zwei­ten Ehe fort­zu­set­zen.

3.2 Die Be­klag­te hat durch ih­re Kündi­gung darüber hin­aus ge­gen das Ver­bot wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens ver­s­toßen; sie hat über­dies ihr Kündi­gungs­recht ver­wirkt.

3.2.1 Das Recht des Ar­beit­ge­bers zur or­dent­li­chen Kündi­gung ver­wirkt, wenn er in Kennt­nis ei­nes Kündi­gungs­grun­des länge­re Zeit untätig bleibt, d. h., die Kündi­gung nicht aus­spricht, ob­wohl ihm dies möglich und zu­mut­bar wäre (so­ge­nann­tes Zeit­mo­ment), wenn er da­durch beim Ar­beit­neh­mer das be­rech­tig­te Ver­trau­en er­weckt, die Kündi­gung wer­de un­ter­blei­ben und wenn der Ar­beit­neh­mer sich des­halb auf den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses ein­rich­tet (so­ge­nann­ten Um­stands­mo­ment). Ei­ne dann gleich­wohl erklärte Kündi­gung aus die­sem Grund stellt ei­ne un­zulässi­ge Rechts­ausübung dar und wäre nach Treu


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und Glau­ben (§ 272 BGB) rechts­un­wirk­sam (BAG 15.08.2002 – 2 AZR 514/01 – AP Nr. 42 zu § 1 KSchG 1969 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung; BAG 20.08.1998 – 2 AZR 736/97 – RzK I 5 c Nr. 26).

Darüber hin­aus ist es wi­dersprüchlich und mit Art. 12 Abs. 1 GG nicht zu ver­ein­ba­ren, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen Kündi­gungs­grund über länge­re Zeit „auf Vor­rat“ hiel­te, um ihn bei pas­send er­schei­nen­der Ge­le­gen­heit gel­tend zu ma­chen und ein be­an­stan­dungs­frei fort­ge­setz­tes Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem be­lie­bi­gen Zeit­punkt kündi­gen zu können. Auch wenn die or­dent­li­che Kündi­gung im Ge­gen­satz zur außer­or­dent­li­chen Kündi­gung kei­ner be­stimm­ten Frist un­ter­liegt, in­ner­halb de­rer sie nach Kennt­nis von ei­nem kündi­gungs­re­le­van­ten Vor­fall aus­zu­spre­chen ist, kann ein Vor­fall den­noch ir­gend­wann durch Zeit­ab­lauf so an Be­deu­tung ver­lie­ren, dass ei­ne or­dent­li­che Kündi­gung nicht mehr ge­recht­fer­tigt wäre (BAG 15.08.2002, a. a. O.; BAG 20.08.1998, a. a. O., je­weils mit wei­te­ren Nach­wei­sen auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts).

Die er­ken­nen­de Kam­mer meint, dass es der Be­klag­ten hier­nach ver­wehrt war, sich auf den Kündi­gungs­grund der zwei­ten, nach Kir­chen­recht ungülti­gen Ehe zu be­ru­fen, ob­wohl man jah­re­lang den gleich­wer­ti­gen Kündi­gungs­grund „Le­ben in eheähn­li­cher Ge­mein­schaft“ ak­zep­tiert oder to­le­riert hat­te.

3.2.2 Nach Durchführung der Be­weis­auf­nah­me im zwei­ten Rechts­zug steht zur Über­zeu­gung der Be­ru­fungs­kam­mer fest, dass die Be­klag­te seit Herbst 2006 von der nicht­eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft mit der neu­en Le­bens­gefähr­tin des Klägers Kennt­nis hat­te.

3.2.2.1 Der im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung vom 01.07.2010 ver­nom­me­ne Zeu­ge Q., der bis zum En­de des Jah­res 2006 Geschäftsführer der Be­klag­ten war, hat in sei­ner Ver­neh­mung an­ge­ge­ben, dass er ge­gen En­de sei­ner Dienst­zeit von dem wei­te­ren Geschäftsführer C. über das Gerücht in­for­miert wor­den war, dass der Kläger ei­ne neue Le­bens­gefähr­tin ha­ben soll­te. Nach die­ser – er­gie­bi­gen – Aus­sa­ge war der Be­klag­ten da­mit seit dem Jah­re 2006 be­wusst, dass der Kläger nicht mehr mit sei­ner ers­ten Ehe­frau zu­sam­men­leb­te


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und des­halb mögli­cher­wei­se ge­gen kirch­li­che Grundsätze, wie sie in der Grund­ord­nung sta­tu­iert sind, ver­stieß. Hier­auf weist auch die Be­kun­dung des Zeu­gen Q. hin, dass man sich ent­schlos­sen hat­te, die­sen Gerüch­ten nach­zu­ge­hen, was letzt­lich dann wohl doch un­ter­blie­ben ist.

Die Aus­sa­ge des Zeu­gen Q. ist glaub­haft. Sie lässt sich oh­ne wei­te­res in den vom Kläger ge­schil­der­ten Ge­sche­hens­ab­lauf und den wei­te­ren, zwi­schen den Par­tei­en un­strei­ti­gen Sach­ver­halt ein­ord­nen. Über­dies war der Zeu­ge bemüht, zu den ein­zel­nen Ver­hal­ten dif­fe­ren­ziert Stel­lung zu neh­men. In die­sem Zu­sam­men­hang be­kannt er of­fen und freimütig, dass es je­den­falls mit ihm kein Gespräch über die Tren­nung von der ers­ten Ehe­frau des Klägers ge­ge­ben hat­te. Der Zeu­ge hat darüber hin­aus klar und oh­ne Wi­dersprüche aus­ge­sagt, so dass an sei­ner Glaubwürdig­keit kei­ne Zwei­fel be­ste­hen.

3.2.2.2 Der als Par­tei ver­nom­me­ne Geschäftsführer C. der Be­klag­ten war hin­ge­gen nicht in der La­ge, die Be­haup­tun­gen des Klägers zu bestäti­gen. Al­ler­dings er­weist sich sei­ne Aus­sa­ge ins­ge­samt als we­nig glaub­haft und an ei­ni­gen Stel­len als kaum nach­voll­zieh­bar. So hat der Zeu­ge zunächst voll­kom­men in Ab­re­de ge­stellt, über pri­va­te Le­bens­umstände des Klägers vor dem No­vem­ber 2008 Kennt­nis­se ge­habt zu ha­ben. Auf Nach­fra­gen des Vor­sit­zen­den und des Kläger­ver­tre­ters konn­te er dann al­ler­dings nicht aus­sch­ließen, dass es be­reits vor­her Gerüch­te über die Ände­rung der Le­bens­umstände des Klägers ge­ge­ben ha­ben könn­te und er konn­te auch nicht vollständig aus­sch­ließen, dass die­se Gerüch­te dem Zeu­gen Q. be­kannt ge­wor­den wa­ren. Im Zu­sam­men­hang mit der Über­sen­dung von Brie­fen des Herrn Dr. L. wur­de die Aus­sa­ge des Geschäftsführers C. dann er­kenn­bar va­ge und un­si­cher. Der Zeu­ge sprach jetzt nur noch da­von, dass ihm nicht er­in­ner­lich sei, dass in ei­nem der Brie­fe auf die neue Le­bens­gefähr­tin des Klägers hin­ge­wie­sen wor­den war.

Die er­ken­nen­de Kam­mer hat­te nach Würdi­gung bei­der Zeu­gen­aus­sa­gen kei­ne Zwei­fel, dass der vom Zeu­gen Q. be­kun­de­te Le­bens­sach­ver­halt zu­tref­fend wie­der­ge­ge­ben wor­den ist. Dann aber ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­klag­ten seit Herbst 2006 Gerüch­te über die neue Le­bens­gefähr­tin und da­mit über das


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Vor­lie­gen ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft be­kannt wa­ren. Es ist wei­ter da­von aus­zu­ge­hen, dass zum da­ma­li­gen Zeit­punkt zwar be­ab­sich­tigt war, die­sen Gerüch­ten nach­zu­ge­hen, was aber letzt­lich aus Gründen, die für die Kam­mer nicht er­kenn­bar ge­wor­den sind, un­ter­blieb.

3.2.2.3 In An­se­hung des so fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts steht dann aber

auch fest, dass die Be­klag­te über ei­nen Zeit­raum von mehr als drei Jah­ren Kennt­nis über das mögli­che Be­ste­hen ei­nes Kündi­gungs­grun­des im Sin­ne des Art. 5 Abs. 2 und 3 GO hat­te. Sie un­ter­ließ es in die­ser Zeit gleich­wohl, sich ge­naue Er­kennt­nis­se über den ge­schil­der­ten Sach­ver­halt zu ver­schaf­fen, um ge­ge­be­nen­falls ei­ne Kündi­gung aus­zu­spre­chen. Das der Ver­wir­kung im­ma­nen­te Zeit­mo­ment ist dem­gemäß erfüllt.

Das­sel­be gilt für das ku­mu­la­tiv vor­lie­gen­de Um­stands­mo­ment. Dem Kläger war be­kannt, dass er sich in ei­ner eheähn­li­chen Le­bens­ge­mein­schaft be­fand, die nach sei­nem An­stel­lungs­ver­trag und der Re­ge­lung in der Grund­ord­nung zu ei­nem „ab­so­lu­ten“ Kündi­gungs­grund führen soll­te. Er konn­te des­halb in An­se­hung der Tat­sa­che, dass von Sei­ten der Be­klag­ten kei­ner­lei Re­ak­ti­on er­folg­te, da­von aus­ge­hen, dass sein Ver­hal­ten zu kei­ner­lei Be­an­stan­dun­gen führ­te und dass die Be­klag­te je­den­falls kei­ne Ver­an­las­sung sah, mit per­so­nel­len Maßnah­men ein­zu­schrei­ten.

3.2.2.4 Das Kündi­gungs­recht der Be­klag­ten war dem­gemäß ver­wirkt, als

sie sich nach der Ein­ge­hung der zwei­ten Ehe des Klägers – nun­mehr un­er­war­tet – ent­schloss, die Kündi­gung aus­zu­spre­chen.

Wie oben un­ter Zif­fer 3.2.2.3 aus­geführt, hat­te sich die Be­klag­te of­fen­sicht­lich ent­schlos­sen, das Ver­hal­ten des Klägers, nämlich das Le­ben in ei­ner eheähn­li­chen Ge­mein­schaft, an­zu­er­ken­nen, ob­wohl es im An­stel­lungs­ver­trag des Klägers aus­drück­lich als Grund zur wich­ti­gen Kündi­gung nach § 626 Abs. 1 BGB an­ge­ge­ben wor­den war. Der Kläger muss­te dem­nach nicht nur da­mit rech­nen, we­gen die­ses Ver­hal­tens gekündigt zu wer­den; er durf­te über­dies dar­auf ver­trau­en, dass die Be­klag­te auch ei­ne zwei­te Ehe, die eben­falls als Kündi­gungs-


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grund im An­stel­lungs­ver­trag ge­nannt war, nicht mit ei­ner Kündi­gung sank­tio­nie­ren würde.

In die­sem Zu­sam­men­hang kann sich die Be­klag­te nicht dar­auf be­ru­fen, dass sich die „Tat­umstände“ geändert hätten. Es ist zwar rich­tig, dass der Ar­beit­ge­ber bei Kennt­nis neu­er, wei­te­rer Umstände den Kündi­gungs­sach­ver­halt neu be­wer­ten und sich erst dann zur Kündi­gung ent­schließen kann (BAG 15.08.2002, a. a. O.). Hier­von ist aber vor­lie­gend ge­ra­de nicht aus­zu­ge­hen. Die Be­klag­te hat­te im An­stel­lungs­ver­trag mit dem Kläger un­ter § 14 die mögli­chen wich­ti­gen Kündi­gungs­gründe bei­spiel­haft auf­gezählt. Da­bei hat­te sie nicht zum Aus­druck ge­bracht, dass der ei­ne oder an­de­re Kündi­gungs­grund höhe­re Wer­tig­keit ha­ben soll­te. Aus der ver­trag­li­chen Ge­stal­tung war und ist viel­mehr ab­zu­le­sen, dass je­der der dort auf­geführ­ten Kündi­gungs­gründe den glei­chen Stel­len­wert ge­nießen soll­te und ei­ne – wie auch im­mer ge­ar­te­te – Ab­stu­fung nicht vor­ge­se­hen war. Wenn die Be­klag­te dann aber bei ei­nem Kündi­gungs­grund (Le­ben in eheähn­li­cher Ge­mein­schaft) nicht re­agier­te, so war sie oh­ne wei­te­re War­nung nicht be­rech­tigt, bei ei­nem an­de­ren, gleich­wer­ti­gen Kündi­gungs­grund (ungülti­ge Ehe) mit der Kündi­gung zu re­agie­ren. Hier hätte es ei­nes Hin­wei­ses an den Kläger be­durft, der ihn in die Möglich­keit ver­setzt hätte, die von der Be­klag­ten ge­for­der­ten Ver­hal­tens­wei­sen um­zu­set­zen. In die­sem Zu­sam­men­hang wäre es si­cher­lich auch ei­ne an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on der Be­klag­ten ge­we­sen, ein et­wai­ges Ehean­nul­lie­rungs­ver­fah­ren und ei­ne dort er­ge­hen­de Ent­schei­dung ab­zu­war­ten.

4. Da das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über den 30.09.2009 fort­be­steht,

war und ist die Be­klag­te ver­pflich­tet, den Kläger wei­ter­zu­beschäfti­gen. Es ist der Be­klag­ten auch in­so­weit ver­sagt, sich auf kir­chen­recht­li­che Be­son­der­hei­ten zu be­ru­fen. Es wird in­so­fern auf die Ausführun­gen oben un­ter Zif­fer 1 bis 3 ver­wie­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.


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Die er­ken­nen­de Kam­mer hat die Re­vi­si­on für die Be­klag­te zu­ge­las­sen, weil sie das Vor­lie­gen ei­ner ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge von grundsätz­li­cher Be­deu­tung be­jaht hat, § 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG.

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den.

Für den Kläger ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss

in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

nach der Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Hu­go-Preuß-Platz 1, 99084 Er­furt,

Fax: (0361) 2636 - 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on ist gleich­zei­tig oder

in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich zu be­gründen.


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Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

gez.: Gött­ling gez.: Dr. Di­ede­richs gez.: Müller

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