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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Altersbefristung, Befristung: Alter, Tarifvertrag
   
Gericht: Landesarbeitsgericht München
Akten­zeichen: 8 Sa 362/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 29.08.2006
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München
   

8 Sa 362/06 

6 Ca 1134/05

(München)


Verkündet am:

29. Au­gust 2006


He­ger, ROS
als Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le


LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT MÜNCHEN

IM NA­MEN DES VOL­KES
UR­TEIL
In dem Rechts­streit

G. Ö.


- Kläge­rin und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te:


g e g e n


Fa. H.


- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter:


hat die Ach­te Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts München auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. Au­gust 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Ka­ge­rer so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ober­rai­ner und Stöckl für Recht er­kannt:



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1. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das En­dur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 8. Fe­bru­ar 2006 - Gz.: 6 Ca 1134/05 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kläge­rin trägt die Kos­ten der Be­ru­fung.

3. Ge­gen die­ses Ur­teil wird die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen.

T a t b e s t a n d


Die Par­tei­en strei­ten in der Be­ru­fung nur noch darüber, ob das Ar­beits­verhält­nis in­fol­ge ei­ner Be­fris­tung über ei­nen be­stimm­ten Zeit­punkt hin­aus fort­be­stan­den hat; da­bei geht es im Kern dar­um, ob sich die Be­klag­te auf ei­ne ta­rif­li­che Be­fris­tungs­re­ge­lung be­ru­fen kann, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis mit der Ar­beit­neh­me­rin spätes­tens mit Ab­lauf des Mo­nats en­det, in dem sie das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat. Darüber hin­aus macht die Kläge­rin Ansprüche aus An­nah­me­ver­zug im An­schluss an die von der Be­klag­ten be­haup­te­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend.


Die Kläge­rin ist auf­grund schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom „-- Nov. 1975“ (vgl. Bl. 22/23 d. A.) seit 25. Sep­tem­ber 1975 als In­nen­rei­ni­ge­rin bei der Be­klag­ten beschäftigt; bei Letz­te­rer sind et­wa 1.200 Ar­beit­neh­mer tätig.
In ei­ner Ver­dienstab­rech­nung vom Ok­to­ber 2004 hat die Be­klag­te das Ge­burts­da­tum der Kläge­rin mit „0.03.40“ (vgl. Bl. 5 d. A.), in ei­ner vom Ju­ni 2005 mit „00.06.40“ an¬ge­ge­ben (vgl. Bl. 43 d. A.); mit Schrift­satz vom 13. Mai 2005 (Sei­te 2 Mit­te = Bl. 18 d. A.) hat die Kläge­rin vor­tra­gen las­sen, ihr „ge­nau­es Ge­burts­da­tum ... sei nicht be­kannt. So ist auf den Per­so­nal­aus­wei­sen ... als Ge­burts­da­tum le­dig­lich das Ge­burts­jahr 1940 an­ge­ge­ben. Die LVA legt da­her als Ge­burts­da­tum der Kläge­rin den 0.06.1940 zu­grun­de ...“
Sie ist nicht ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­siert; ob die Be­klag­te ta­rif­ge­bun­den ist, wur­de nicht geklärt.
 


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Ziff. 2. und 9. des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ha­ben u. a. fol­gen­den Wort­laut:

„ Ziff. 2.:
Als Ar­beits­ent­gelt wird der je­weils gülti­ge Ta­rif­lohn im Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk Südbay­ern ... ver­ein­bart ...


Ziff. 9.:
Im Übri­gen gel­ten die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen und die des Rah­men- und Lohn­ta­rif­ver­tra­ges für das Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk Südbay­ern.“
(kur­si­ve Her­vor­he­bun­gen und Fett­druck durch das Ge­richt)


Ziff. 11. des Ar­beits­ver­tra­ges enthält un­ter dem Vor­druck „Sons­ti­ge Ver­ein­ba­run­gen“ kei­ne Re­ge­lun­gen. Der ge­sam­te vor­ge­nann­te Ar­beits­ver­trag enthält kei­ne aus­drück­li­che Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf die Dau­er der Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res der Kläge­rin.


Un­ter dem 5. Ja­nu­ar 2005 hat die Be­klag­te an die Kläge­rin ein Schrei­ben fol­gen­den
In­halts ge­rich­tet (vgl. Bl. 6 d. A.):


„ Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses
Sehr ge­ehr­te Frau Ö.,
laut des seit 01.04.2004 gülti­gen Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung en­det nach Pa­ra­graph 19 Ab­satz 8 das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ka­len­der­mo­nats, in dem der Beschäftig­te das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat. Nach­dem Sie am 0.03.2005 das 65. Le­bens­jahr voll­enden, en­det das Ar­beits­verhält­nis am 31.03.2005 ...“


Mit wei­te­rem Schrei­ben vom 19. Ja­nu­ar 2005 hat die Be­klag­te der Kläge­rin mit­ge­teilt
(vgl. Bl. 7 d. A.):


„ Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses
Sehr ge­ehr­te Frau Ö.,
gemäß dem Rah­men­ta­rif­ver­trag für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten im Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk vom 01.04.2004, § 19 Abs. 8, en­det das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ka­len­der­mo­nats, in dem Sie das
65. Le­bens­jahr be­en­den. Das ist bei Ih­nen am 00.06.2005 der Fall.
 


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Das mit Ih­nen be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis en­det dem­nach am 30.06.2005 ...“

Seit 1. Ju­li 2005 be­zieht die Kläge­rin ei­ne Al­ters­ren­te in Höhe von € 599,47. Sie ver­rich­tet seit­dem kei­ne Ar­beit bei der Be­klag­ten mehr.


Die Kläge­rin hat vor dem Ar­beits­ge­richt vor­ge­tra­gen (be­schränkt auf die Streit­ge­genstände der Be­ru­fung),
ihr Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten sei nicht wirk­sam be­fris­tet ge­we­sen, und zwar we­der zum 31. März 2005 noch zum 30. Ju­ni 2005. Der­ar­ti­ge Be­fris­tun­gen ergäben sich ins­be­son­de­re nicht aus ih­rem Ar­beits­ver­trag. Des­sen Ziff. 9. ver­wei­se auf ei­nen be­stimm­ten ge­nau be­nann­ten Rah­men­ta­rif­ver­trag; dar­in lie­ge ins­be­son­de­re kei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung für ent­spre­chen­de ta­rif­ver­trag­li­che Ent­wick­lun­gen in der Zu­kunft. Des­halb könne sich die Be­klag­te von vor­ne­her­ein nicht auf den Rah­men­ta­rif­ver­trag vom 4. Ok­to­ber 2003 für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten in der Gebäuderei­ni­gung - gültig ab 1. April 2004 - (künf­tig: RTV 04.10.2003) be­ru­fen, wo­nach das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ka­len­der­mo­nats en­det, in dem die Beschäftig­te das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat. Die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung die­ses Ta­rif­ver­tra­ges wer­de be­strit­ten. Im Übri­gen wer­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es je­den­falls bis zum Jahr 1986 kei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung ei­ner Al­ters­gren­ze in ei­nem ein­schlägi­gen für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­trag ge­ge­ben ha­be; ihr Ar­beits­verhält­nis ha­be des­halb min­des­tens zehn Jah­re oh­ne ei­ne der­ar­ti­ge ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lung ge­dau­ert. Sie ha­be da­her lan­ge Jah­re da­von aus­ge­hen dürfen, dass ei­ne Al­ters­gren­ze nicht ver­ein­bart wor­den sei. Un­ter die­sen Umständen könne „durch ei­nen erst vie­le Jah­re später in Kraft tre­ten­den all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­ver­trag ei­ne Al­ters­gren­ze ent­ge­gen den ein­zel­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen nicht wirk­sam ver­ein­bart wer­den“. Des­halb könne auch § 19 Nr. 8 RTV 04.10.2003 auf ihr Ar­beits­verhält­nis kei­ne An­wen­dung fin­den. Im Übri­gen ver­s­toße die­se ta­rif­ver­trag­li­che Al­ters­gren­ze ge­gen das eu­ro­pa­recht­li­che Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung. In­so­weit wer­de auf die Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 22. No­vem­ber 2005 (C 144/04 - AP Nr. 11 zu Richt­li­nie 2000/78/EG) ver­wie­sen.
Da ihr Ar­beits­verhält­nis am 30. Ju­ni 2005 nicht ge­en­det ha­be, sei die Be­klag­te ver­pflich­tet, ihr aus dem Rechts­grund des An­nah­me­ver­zugs ih­ren Lohn für die Zeit vom 1. Ju­li bis 31. De­zem­ber 2005 nebst ge­setz­li­cher Zins­last zu zah­len.


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Die Kläge­rin hat da­her vor dem Ar­beits­ge­richt zu­letzt fol­gen­de Anträge ge­stellt:
1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ta­rif­ver­trag­li­cher Be­fris­tung oder ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­ze we­der mit Ab­lauf des 31. März 2005 noch mit Ab­lauf des 30. Ju­ni 2005 ge­en­det hat.
2. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin € 111,32 brut­to nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 14. Sep­tem­ber 2005 zu zah­len (rest­li­che Ur­laubs­ab­gel­tung, die in der Be­ru­fung nicht wei­ter­ver­folgt wird).
3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin wei­te­re € 4.259,88 brut­to nebst Zin­sen aus € 1.419,96 seit dem 1. Au­gust, 1. Sep­tem­ber und 1. Ok­to­ber 2005 zu zah­len, je­weils in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der EZB.
4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin wei­te­re € 4.259,88 brut­to nebst Zin­sen aus € 1.419,96 seit dem 1. No­vem­ber, 1. De­zem­ber 2005 und 1. Ja­nu­ar 2006 zu zah­len, je­weils in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz der EZB.


Die Be­klag­te hat be­an­tragt:


Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.


Sie hat vor­ge­tra­gen (eben­falls be­schränkt auf die Streit­ge­genstände der Be­ru­fung),
das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin ha­be am 30. Ju­ni 2005 sein En­de ge­fun­den. In ih­rem ers­ten Schrei­ben an die Kläge­rin vom 5. Ja­nu­ar 2005 sei sie noch da­von aus­ge­gan­gen, dass die­se am 0.03.2005 65 Jah­re alt ge­wor­den sei; auf­grund ei­ner In­for­ma­ti­on der für die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te der Kläge­rin zuständi­gen Lan­des­ver­si­che­rungs­an­stalt ha­be sie dann je­doch da­von aus­ge­hen müssen, dass die Kläge­rin im Ju­ni 2005 ihr 65. Le­bens­jahr voll­endet ha­be, wes­halb ihr Ar­beits­verhält­nis auch mit dem En­de die­ses Ka­len­der­mo­nats be­en­det wor­den sei. Die Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses er­ge­be sich aus § 19 Nr. 8 RTV 04.10.2003, der dar­auf ab­he­be, dass das Ar­beits­verhält­nis spätes­tens mit der Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res der Ar­beit­neh­me­rin en­de. Die­se ta­rif­li­che Ände­rung kom­me aus zwei­er­lei Gründen zum Tra­gen. Zum ei­nen ent­hal­te Ziff. 9. des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ei­ne dy­na­mi­sche Ver­wei­sung auf die Gel­tung der Rah­men­ta­rif­verträge für das Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk für das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin, er­fas­se da­mit auch den RTV



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04.10.2003 und folg­lich auch des­sen Be­fris­tungs­re­ge­lung in § 19 Nr. 8. Zum an­de­ren ha­be das Bun­des­ar­beits­ge­richt mehr­fach ent­schie­den, dass ge­gen den In­halt der vor­ge­nann­ten ta­rif­li­chen Re­ge­lung auch ein­zel­ver­trag­lich kei­ne Be­den­ken bestünden und im Übri­gen den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en im Hin­blick auf die Norm­set­zungs­kom­pe­tenz für der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve zu­ge­stan­den, die durch die ge­trof­fe­ne Re­ge­lung nicht über­schrit­ten sei.
Darüber hin­aus sei der RTV 04.10.2003 all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wor­den, wes­halb sein In­halt und ins­be­son­de­re sein § 19 Nr. 8 gem. § 5 Abs. 4 TVG auch auf Ar­beits­verhält­nis­se zur An­wen­dung kom­me, de­ren Par­tei­en nicht ta­rif­ge­bun­den sei­en. Dem­zu­fol­ge ha­be die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch auf Lohn aus dem Rechts­grund des An­nah­me­ver­zugs.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit En­dur­teil vom 8. Fe­bru­ar 2006, das der Kläge­rin am 22. Fe­bru­ar 2006 zu­ge­stellt wor­den ist, im Sa­chur­teils­aus­spruch wie folgt ent­schie­den:


1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht vor Ab­lauf des 30. Ju­ni 2005 be­en­det wor­den ist.
2. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
3. ... (Kos­ten­ent­schei­dung)
4. ... (Streit­wert)


Auf die dar­in ge­trof­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen und an­ge­stell­ten recht­li­chen Erwägun­gen wird ver­wie­sen.
Da­ge­gen hat die Kläge­rin mit ei­nem am 21. März 2006 am Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und sie, nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis 24. Mai 2006, mit ei­nem hier an die­sem Tag ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.


Sie wie­der­holt und ver­tieft ih­ren erst­in­stanz­li­chen Sach­vor­trag und er­wei­tert ihn im Leis­tungs­an­trag auf Zah­lung auch ih­rer Löhne für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar bis 31. März 2006 nebst ge­setz­li­cher Zins­last aus dem Rechts­grund des An­nah­me­ver­zugs der Be­klag­ten. Sie hebt noch ein­mal her­vor,
dass sie, ob­gleich sie seit 1975 im Be­trieb der Be­klag­ten ge­ar­bei­tet ha­be, le­dig­lich ei­ne „Al­ters­ren­te in Höhe von € 579,47 ... er­wirt­schaf­ten“ ha­be können, wo­mit sie


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un­ter der nach dem SGB III fest­ge­setz­ten Min­dest­ren­te lie­ge. Un­ter die­sem As­pekt sei die ta­rif­li­che Re­ge­lung für sie un­bil­lig.


Die Kläge­rin stellt da­her zu­letzt fol­gen­de Anträge:


1. Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 8. Fe­bru­ar 2006 - Gz.: 6 Ca 1134/05 - wird auf­ge­ho­ben, so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wur­de.
2. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ta­rif­ver­trag­li­cher Be­fris­tung oder ta­rif­ver­trag­li­cher Al­ters­gren­ze we­der mit Ab­lauf des 31. März 2005 noch mit Ab­lauf des 30. Ju­ni 2005 ge­en­det hat.
3. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten auch nicht durch an­de­re Kündi­gun­gen oder an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände auf­gelöst wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 30. Ju­ni 2005 hin­aus fort­be­steht.
4. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin wei­te­re € 12.779,64 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils € 1.419,96 seit dem 1. Au­gust, 1. Sep­tem­ber, 1. Ok­to­ber, 1. No­vem­ber, 1. De­zem­ber 2005, 1. Ja­nu­ar, 1. Fe­bru­ar, 1. März und 1. April 2006 zu zah­len.


Die Be­klag­te be­an­tragt:


Die Be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen.


Sie hält das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil für rich­tig und wie­der­holt und ver­tieft eben­falls ih­ren erst­in­stanz­li­chen Sach­vor­trag. Darüber hin­aus hält sie die Be­ru­fung be­reits für un­zulässig,
weil die Kläge­rin im Un­ter­schied zu ih­rem erst­in­stanz­lich zu­letzt ge­stell­ten An­trag auf Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ta­rif­li­cher Al­ters­gren­ze we­der mit Ab­lauf des 31. März 2005 noch mit Ab­lauf des 30. Ju­ni 2005 ge­en­det ha­be, im recht­zei­ti­gen Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift­satz vom 24. Mai 2006 die Fest­stel­lung ver­lan­ge, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen der Kläge­rin und der Be­klag­ten we­der durch or­dent­li­che Kündi­gung vom 5. Ja­nu­ar 2005 noch durch or­dent­li­che Kündi­gung vom 19. Ja­nu­ar 2005 auf­gelöst wor­den sei. „Die Be­ru­fung rich­te sich da­mit ge­gen ei­nen fal­schen Streit­ge­gen­stand.“
 


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Darüber hin­aus hebt sie her­vor, die Kläge­rin könne sich kaum dar­auf be­ru­fen, dass über Ziff. 9. ih­res Ar­beits­ver­tra­ges vom No­vem­ber 1975 „die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen und die des Rah­men- und Lohn­ta­rif­ver­tra­ges für das Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk Südbay­ern“ aus dem Jahr 1975 fest­ge­schrie­ben wer­den soll­ten. Spätes­tens ab der Be­fris­tungs­re­ge­lung im Hin­blick auf die Al­ters­gren­ze durch Ta­rif­ver­trag käme es auf Letz­te­ren an. Im Übri­gen wer­de, was die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner ein­zel­ver­trag­li­chen Be­fris­tungs­re­ge­lung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch Voll­endung des 65. Le­bens­jahrs ei­ner Ar­beit­neh­me­rin an­be­lan­ge, auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Ju­li 2005 (7 AZR 443/04 - AP Nr. 27 zu § 620 BGB Al­ters­gren­ze) ver­wie­sen.
So­weit sich die Kläge­rin auf die Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 22. No­vem­ber 2005 (a. a. O.) be­ru­fe, ver­ken­ne sie, dass dort ei­ne ganz an­de­re Rechts­pro­ble­ma­tik gelöst wor­den sei.


We­gen der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die Ge­richts­pro­to­kol­le, die Schriftsätze der Par­tei­en und den sons­ti­gen Ak­ten­in­halt bei­der Rechtszüge ver­wie­sen.


E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e


Die Be­ru­fung ist zwar zulässig, je­doch un­be­gründet, denn das Ar­beits­ge­richt hat im Er­geb­nis rich­tig ent­schie­den.

I.


Die Be­ru­fung ist zulässig.
Sie ist statt­haft, denn sie rich­tet sich ge­gen ein ar­beits­ge­richt­li­ches Ur­teil, ge­gen das nicht nach § 78 ArbGG das Rechts­mit­tel der so­for­ti­gen Be­schwer­de ge­ge­ben ist (§ 64 Abs. 1 ArbGG) und es han­delt sich ei­ner­seits um ei­ne Rechts­strei­tig­keit über das Be­ste­hen oder Nicht­be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses (§ 64 Abs. 2 lit. c


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ArbGG) und an­de­rer­seits über­steigt der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des bei der Leis­tungs­kla­ge € 600,-- (§ 64 Abs. 2 lit. b ArbGG).
Sie ist auch in der rich­ti­gen Form und recht­zei­tig ein­ge­legt und be­gründet wor­den (§ 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, §§ 519 Abs. 2, 520 Abs. 3 ZPO, § 66 Abs. 1 S. 1, 2 und 5 ArbGG).
So­weit die Be­klag­te die Zulässig­keit der Be­ru­fung da­hin­ge­hend rügt, dass die Kläge­rin zu­min­dest in ih­rem recht­zei­ti­gen Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift­satz vom 24. Mai 2006 in Ziff. 2. ei­nen an­de­ren An­trag stellt als den zu­letzt erst­in­stanz­lich ge­stell­ten Kla­ge­an­trag Ziff. 1., ver­mag dies nicht zu über­zeu­gen. Sämt­li­che Anträge der Kläge­rin im Hin­blick auf die Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses sind nämlich ana­log § 133 BGB aus­zu­le­gen und las­sen er­ken­nen, wor­um es ihr geht, nämlich dass ihr Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten auf je­den Fall über den 30. Ju­ni 2005 hin­aus fort­be­steht, gleichgültig wel­che Ein­wen­dun­gen die Be­klag­te auch da­ge­gen er­hebt, wo­bei auch noch fest­steht wel­che, nämlich ei­ne Be­fris­tung in­fol­ge § 19 Nr. 8 des all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten RTV 04.10.2003 durch Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res der Kläge­rin im Ju­ni 2005. Dies wird ins­be­son­de­re auch be­reits durch den Kla­ge­an­trag Ziff. 3. des Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift­sat­zes vom 24. Mai 2006 deut­lich, der mit dem zu­letzt ge­stell­ten Be­ru­fungs­an­trag Ziff. 3. übe­rein­stimmt und ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge zum Ge­gen­stand hat.
Miss­verständ­lich könn­te al­len­falls sein, dass die Kläge­rin in ih­rem zu­letzt ge­stell­ten Be­ru­fungs­an­trag Ziff. 2. auch noch dar­auf ab­hebt, dass ihr Ar­beits­verhält­nis nicht mit Ab­lauf des 31. März 2005 ge­en­det ha­be, denn in­so­weit war sie gar nicht be­schwert, doch han­delt es sich da­bei wohl um ein re­dak­tio­nel­les Ver­se­hen, weil sie nämlich das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts nur in­so­weit an­greift, „so­weit die Kla­ge ab­ge­wie­sen wur­de“, was je­doch im Hin­blick auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31. März 2005 nicht der Fall ist.


II.


Die Be­ru­fung ist je­doch un­be­gründet, weil das Ar­beits­ge­richt rich­tig er­kannt hat, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en in­fol­ge wirk­sa­mer Be­fris­tung zum 30. Ju­ni 2005 be­en­det wor­den ist und folg­lich wei­ter­ge­hen­de Ver­zugs­ansprüche für die Zeit da­nach nicht be­ste­hen.



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1. So­weit die Kläge­rin in ih­rem Be­ru­fungs­an­trag Ziff. 3., wie im Übri­gen auch be­reits erst­in­stanz­lich in ih­rer Kla­ge­schrift vom 25. Ja­nu­ar 2005 (vgl. dort An­trag Ziff. 2.), den sie dann al­ler­dings nicht wei­ter­ver­folgt hat, be­gehrt, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen ihr und der Be­klag­ten auch nicht durch an­de­re Kündi­gun­gen oder an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände auf­gelöst wor­den ist, son­dern zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 30. Ju­ni 2005 hin­aus fort­be­steht, ist an­zu­neh­men, dass es sich in­so­weit nicht um ein bloßes Ver­se­hen han­delt. Die­ser An­trag hat ei­genständi­gen Cha­rak­ter.
Ei­ne Kla­ge­er­wei­te­rung in der Be­ru­fung ist gem. §§ 263, 525 ZPO grundsätz­lich zulässig, wenn sie sach­dien­lich ist. An Letz­te­rem be­ste­hen kei­ne Zwei­fel. Al­ler­dings ist die Kla­ge in­so­weit un­zulässig, weil ihr das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se gem. § 256 Abs. 1 ZPO fehlt; sie hat nämlich bis zum Schluss der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung we­der wei­te­re Kündi­gun­gen noch an­de­re Be­en­di­gungs­tat­bestände auf­ge­zeigt. In­so­weit wird auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 7. De­zem­ber 1995 (2 AZR 772/94 - NZA 1996, 334) ver­wie­sen. Die Be­ru­fung ist des­halb in­so­weit un­be­gründet.


2. So­weit die Kläge­rin in ih­rem Be­ru­fungs­an­trag Ziff. 2. die Fest­stel­lung be­gehrt, „dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ta­rif­ver­trag­li­cher Be­fris­tung oder ta­rif­verträgli­cher Al­ters­gren­ze we­der ... noch mit Ab­lauf des 30.06.2005 ge­en­det ha­be“, könn­ten in­so­weit zwar Be­den­ken im Hin­blick auf die Zulässig­keit die­ses An­trags gem. § 256 Abs. 1 ZPO be­ste­hen, als dar­in le­dig­lich Ele­men­te oder Vor­fra­gen im Hin­blick auf den Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses als Rechts­verhält­nis an­ge­spro­chen sind, doch ist auch die­ser An­trag ana­log § 133 BGB da­hin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass es ihr letzt­lich dar­um geht, dass ihr Ar­beits­verhält­nis je­den­falls nicht am 30. Ju­ni 2005 be­en­det wor­den ist, gleichgültig aus wel­chen Umständen, wo­bei sie die­se Umstände aus­drück­lich nennt, nämlich ei­ner­seits das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 19. Ja­nu­ar 2005 und an­de­rer­seits die Gel­tung des RTV 04.10.2003 für ihr Ar­beits­verhält­nis, gleichgültig ob ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bart oder auf­grund des­sen All-ge­mein­ver­bind­li­cherklärung. So aus­ge­legt ist ihr dies­bezügli­cher Be­ru­fungs­an­trag je­den­falls in der Sa­che zulässig.


2.1 Zu Recht weist die Kläge­rin dar­auf hin, dass sich aus ih­rem Ar­beits­ver-



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für die Zeit bis zum En­de des Ka­len­der­mo­nats, in dem sie das 65. Le­bens­jahr voll­endet, er­gibt.


2.2 Es kann auch da­hin­ste­hen, ob mit Ziff. 9. des erwähn­ten Ar­beits­ver­tra­ges, wo­nach „im Übri­gen die ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen ... des Rah­men-...ta­rif­ver­tra­ges für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk Südbay­ern“, die im Übri­gen gel­ten sol­len, auch die künf­ti­ge ta­rif­ver­trag­li­che Ent­wick­lung im Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk er­fasst sein soll. Zwar weist die Kläge­rin in­so­weit zu Recht dar­auf hin, dass in Ziff. 2. die­ses Ar­beits­ver­tra­ges ge­re­gelt ist, dass als ihr Ar­beits­ent­gelt der „je­weils gülti­ge Ta­rif­lohn im Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk Südbay­ern ...“ ver­ein­bart ist, während in des­sen Ziff. 9. nicht die ta­rif­li­che Re­ge­lung des je­wei­li­gen Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges ge­nannt ist, son­dern von die­sem in der Ein­zahl die Re­de und in Ziff. 2. des Ar­beits­ver­tra­ges auch nicht der je­wei­li­ge Lohn­ta­rif­ver­trag, son­dern le­dig­lich der „je­weils gülti­ge Ta­rif­lohn“ an­ge­spro­chen ist.
Letzt­lich kann dies ge­nau­so da­hin­ste­hen wie die Tat­sa­che, dass es ge­genwärtig ei­nen „Rah­men­ta­rif­ver­trag für das Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk Südbay­ern“ gar nicht mehr gibt.
Die Be­ru­fungs­kam­mer ver­moch­te für die Zeit des Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en vom No­vem­ber 1975 auch kei­nen „Rah­men­ta­rif­ver­trag für das Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk Südbay­ern“ zu er­mit­teln. Zum da­ma­li­gen Zeit­punkt galt be­reits der Rah­men­ta­rif­ver­trag vom 19. Sep­tem­ber 1972 für Ar­bei­ter des Gebäuderei­ni­ger-Hand­werks im Bun­des­ge­biet oh­ne Ham­burg, der da­mit selbst­verständ­lich auch den Be­reich Südbay­ern um­fasst, der al­ler­dings kei­ner­lei Be­fris­tungs­re­ge­lung für be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis­se enthält, die sich an der Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res ei­ner Ar­beit­neh­me­rin ori­en­tiert.
In der Fol­ge­zeit wur­den wei­te­re all­ge­mein­ver­bind­lich erklärte Rah­men­ta­rif­verträge für den Be­reich des Gebäuderei­ni­ger-Hand­werks in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit ei­nem Gel­tungs­be­reich, der je­den­falls auch den Be­reich Südbay­ern er­fass­te, ab­ge­schlos­sen und je­weils für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt. Der­je­ni­ge vom 16. März 1977 enthält noch kei­ne Be­fris­tungs­re­ge­lung in Abhängig­keit zur Voll­endung ei­nes be­stimm­ten Le­bens­al­ters ei­ner Ar­beit­neh­me­rin zur Be­en­di­gung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses. Erst­mals in § 40 Nr. 7 des Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges vom 8. Mai 1987 ist von ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - al­ler­dings durch Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers - bei Ar­beit­neh­mern die Re­de, die die Vor­aus­set­zun­gen für den Be­zug von Al­ters­ru-


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he­geld aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung erfüllen. Im Rah­men­ta­rif­ver­trag vom 6. Mai 1992 ist ei­ne in­so­weit mo­di­fi­zier­te Re­ge­lung ent­hal­ten, die je­doch eben­falls ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses for­dert.
Erst­mals im Rah­men­ta­rif­ver­trag vom 22. Sep­tem­ber 1995 ist in § 20 Nr. 8 be­stimmt, dass das Ar­beits­verhält­nis - oh­ne Kündi­gung - „spätes­tens mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der/die Beschäftig­te das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat“, en­det. In an­sons­ten mo­di­fi­zier­ter Form, je­doch mit glei­chem In­halt, fin­det sich die­se Re­ge­lung in § 20 Nr. 8 des Rah­men­ta­rif­ver­tra­ges vom 16. Au­gust 2000 und wie­der­um in § 19 Nr. 8 RTV 04.10.2003. Die­se Be­stim­mung lau­tet:


„ So­fern ein­zel­ver­trag­lich nichts an­de­res ver­ein­bart ist, en­det das
Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des Ka­len­der­mo­nats, in dem der/die Beschäftig­te An­spruch auf ei­ne Ren­te we­gen Al­ters hat, aus­ge­nom­men ei­ner Ren­te, die der/die Beschäftig­te vor dem für ihn/sie maßge­ben­den Ren­ten­al­ter in An­spruch neh­men kann, spätes­tens mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der/die Beschäftig­te das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat.“


Kommt die­se Re­ge­lung zur An­wen­dung, hat das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en tatsächlich zum 30. Ju­ni 2005 ge­en­det.
Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob die Kläge­rin nun am 0.03.2005 oder erst im Lau­fe des Ju­ni 2005 das 65. Le­bens­jahr voll­endet hat. Selbst wenn sie, was ihr nach ei­ge­nem Sach­vor­trag nicht be­kannt war, be­reits im März 2005 ihr 65. Le­bens­jahr voll­endet hat, würde ihr dies nichts nützen, denn aus dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 19. Ja­nu­ar 2005 an sie er­gibt sich, dass die Be­klag­te mit ei­ner Verlänge­rung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses über den 31. März 2005 hin­aus le­dig­lich un­ter dem Vor­be­halt der Un­si­cher­heit ih­res Ge­burts­da­tums, das mögli­cher­wei­se im Ju­ni 1940 liegt, ein­ver­stan­den war. Un­ter die­sen Umständen könn­te sich die Kläge­rin da­her nicht auf § 625 BGB be­ru­fen; ih­re et­wai­ge Wei­ter­beschäfti­gung bis zum 30. Ju­ni 2005 stand nämlich un­ter dem ent­spre­chen­den Vor­be­halt der Be­klag­ten.


2.3 Wie be­reits erwähnt, kann letzt­lich da­hin­ste­hen, ob der RTV
04.10.2003 qua ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en auf ihr Ar­beits­verhält­nis zur An­wen­dung kommt. Mag die Kläge­rin auch nicht ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­siert sein, so muss sie sich den­noch die Tat­sa­che ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass der RTV 04.10.2003 und mit ihm des­sen § 19 Nr. 8 auf ihr Ar­beits­ver-


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hält­nis zur An­wen­dung kommt, denn er ist am 19. März 2004 all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt und die­se All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung im Bun­des­an­zei­ger Nr. 66 vom 3. April 2004, S. 7093 be­kannt ge­macht wor­den. Gem. § 5 Abs. 4 TVG er­fas­sen die Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges in sei­nem Gel­tungs­be­reich, dem hier bei­de Par­tei­en an­gehören, auch die bis­her nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer. Nach dem Wort­laut des § 19 Nr. 8 RTV 04.10.2003 hat da­mit das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin am 30. Ju­ni 2005 sein En­de ge­fun­den.


2.4 Für die Ent­schei­dung des Rechts­streits kommt es al­so nicht dar­auf an, ob hier ei­ne ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Be­fris­tungs­re­ge­lung vor­liegt, die sich an der Al­ters­gren­ze der Ar­beit­neh­me­rin ori­en­tiert; des­halb be­trifft auch die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Ju­li 2005 (a. a. O.) nicht den hier zu ent­schei­den­den Fall. Hier han­delt es sich nämlich um ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lung über die Be­en­di­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner al­ters­be­zo­ge­nen Be­fris­tung. Mit der­ar­ti­gen Fall­ge­stal­tun­gen hat sich al­ler­dings so­wohl das Bun­des­ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 31. Ju­li 2002 - 7 AZR 140/01 - AP Nr. 14 zu § 1 TVG Ta­rif­verträge: Luft­fahrt) als auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 25. No­vem­ber 2004 - 1 BvR 2459/04 - MDR 2005, 341) be­reits be­fasst.


2.4.1 Wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt un­ter Ver­wei­sung auf die Ent­schei­dung
des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. April 1996 (1 BvR 712/86 - AP HRG § 57a) er­kannt hat, gehören Re­ge­lun­gen über die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen zu den ma­te­ri­el­len Ar­beits­be­din­gun­gen, die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en in Ta­rif­verträgen re­geln können, denn sie sind Aus­druck der die­sen zu­ste­hen­den Ta­rif­au­to­no­mie, die wie­der­um we­sent­li­cher Be­stand­teil ih­rer durch Art. 9 Abs. 3 GG ga­ran­tier­ten Betäti­gungs­frei­heit ist. Zwar sind da­nach die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en bei der Aus­ge­stal­tung der Rech­te und Pflich­ten der ta­rif­un­ter­wor­fe­nen Ar­beits­ver­trags­par­tei­en grundsätz­lich, al­ler­dings nicht schran­ken­los, frei. Ih­nen steht ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve in Be­zug auf die tatsächli­chen Ge­ge­ben­hei­ten und be­trof­fe­nen In­ter­es­sen zu.


2.4.2 Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat in der vor­zi­tier­ten Ent­schei­dung vom 25. No­vem­ber 2004 (a. a. O.) er­kannt, dass durch ta­rif­li­che Al­ters­gren­zen­re­ge­lun­gen, die auf ein Ar­beits­verhält­nis nor­ma­tiv oder auf­grund ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me An­wen­dung fin­den, die Frei­heit der Be­rufs­ausübung der be­trof­fe­nen Ar-


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beit­neh­mer in­so­weit be­ein­träch­tigt wird, als das von ih­nen auf­grund pri­vat­au­to­no­men Wil­lens­ent­schlus­ses ver­ein­bar­te Ar­beits­verhält­nis bei Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Le­bens­al­ters en­det, im Fall ei­ner Fest­le­gung ei­ner ta­rif­ver­trag­li­chen Al­ters­gren­ze von 60 Jah­ren für die Ar­beits­verhält­nis­se von Pi­lo­ten je­doch kei­nen Ver­s­toß ge­gen Art. 12 Abs. 1 GG an­ge­nom­men.


2.4.3 § 19 Nr. 8 RTV 04.10.2003 mit ei­ner Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen von ge­werb­li­chen Ar­beit­neh­mern auf das En­de des Ka­len­der­mo­nats, in dem sie ihr 65. Le­bens­jahr voll­enden, ist sach­lich ge­recht­fer­tigt. In an­de­rem Zu­sam­men­hang hat sich da­mit das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits in sei­ner Ent­schei­dung vom 27. Ju­li 2005 (a. a. O.) für ein Ar­beits­verhält­nis ei­nes Re­por­ters aus­ein­an­der­ge­setzt. Den ent­spre­chen­den Abwägun­gen hat sich das Ar­beits­ge­richt in der an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dung zu Recht an­ge­schlos­sen. Es hat darüber hin­aus er­kannt, dass ei­ne kon¬kre­te im Ein­zel­fall feh­len­de wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung dem nicht ent­ge­gen­steht. Die nied­ri­ge Ren­te der Kläge­rin und da­mit mögli­cher­wei­se ih­re feh­len­de mögli­che wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung ste­hen dem nicht ent­ge­gen. Wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt in der zu­letzt ge­nann­ten Ent­schei­dung er­kannt hat, ist ein Prüfungs­maßstab, der auf die kon­kre­te wirt­schaft­li­che Ab­si­che­rung von Ar­beit­neh­mern bei Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze ab­stellt, sys­tem­wid­rig, „weil im Be­fris­tungs­recht nur maßgeb­lich ist, ob der Ar­beit­ge­ber beim Ver­trags­ab­schluss ei­nen von der Rechts­ord­nung an­zu­er­ken­nen­den Grund für ei­nen nicht auf Dau­er an­ge­leg­ten Ar­beits­ver­trag hat­te oder nicht“. Mit die­sem Grund­ge­dan­ken ist es un­ver­ein­bar, die Wirk­sam­keit der bei Ver­trags­schluss ver­ein­bar­ten Be­fris­tung nach der kon­kre­ten wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on des Ar­beit­neh­mers bei Er­rei­chen der Al­ters­gren­ze zu be­ur­tei­len. Es hebt da­bei her­vor, dass „das ver­fas­sungs­recht­li­che Un­ter­maßver­bot kei­ne am in­di­vi­du­el­len Le­bens­stan­dard des Ar­beit­neh­mers und sei­nen sub­jek­ti­ven Bedürf­nis­sen ori­en­tier­te Al­ters­ver­sor­gung er­for­dert“, weil „der sich aus Art. 12 Abs. 1 GG er­ge­ben­den Schutz­pflicht be­reits dann genügt ist, wenn die be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­me­rin nach dem Ver­trags­in­halt und der Ver­trags­dau­er ei­ne Al­ters­ver­sor­gung in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung er­wer­ben kann ...“ Von ent­schei­den­der Be­deu­tung er­scheint da­nach, dass „mit den Vor­schrif­ten über die ge­setz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung und ih­rer Aus­ge­stal­tung der Ge­setz­ge­ber ein ge­eig­ne­tes Al­ters­ver­sor­gungs­sys­tem für Ar­beit­neh­mer ge­schaf­fen hat, das nach ih­rem Aus­schei­den aus dem Er­werbs­le­ben ih­ren Le­bens­un­ter­halt si­cher­stellt ... Die Höhe der sich aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung er­ge­ben-

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den Ansprüche ist für die Wirk­sam­keit ei­ner auf die Re­gel­ar­beits­gren­ze be­zo­ge­ne Be­fris­tung grundsätz­lich oh­ne Be­deu­tung. Da die sich aus der Bei­trags­zah­lung er­ge­ben­de Ver­sor­gung vor­her­seh­bar ist und auch der Zeit­punkt des Ein­tritts in den Ru­he­stand fest­steht, ist die Ar­beit­neh­me­rin ge­hal­ten, ih­re Le­bens­pla­nung auf die zu er­war­ten­den Ver­sor­gungs­bezüge ein­zu­stel­len.“


Nach al­le­dem aber ist an der Wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­re­ge­lung des § 19 Nr. 8 RTV 04.10.2003 nicht zu zwei­feln.


2.4.4 An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die nor­ma­ti­ve Wir­kung des § 19 Nr. 8
RTV 04.10.2003 selbst un­ter Berück­sich­ti­gung ih­rer Wir­kung auf die Ein­zel­ar­beits­verhält­nis­se gem. § 5 Abs. 4 TVG hier zum Tra­gen kommt, kommt ei­ne In­halts­kon­trol­le die­ser Ta­rif­vor­schrift nach den §§ 307 ff. BGB nicht in Be­tracht; auf § 310 Abs. 4 S. 1 und 3 BGB wird ver­wie­sen.


3. In­fol­ge der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin zum
30. Ju­ni 2005 ist die Be­klag­te auch nicht in An­nah­me­ver­zug für die gel­tend ge­mach­ten Lohn­ansprüche ab dem 1. Ju­li 2005 ge­ra­ten. Die­ser Teil der Kla­ge geht da­her ins Lee­re.


Nach al­le­dem aber ist die Be­ru­fung un­be­gründet und da­her zurück­zu­wei­sen.


III.


Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.


Ge­gen die­ses Ur­teil wird die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­sen. Im Ein­zel­nen gilt:


Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­le­gen.



16


Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.


Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ein­ge­legt und in­ner­halb ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten be­gründet wer­den.
Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung des Ur­teils.


Die Re­vi­si­on muss beim


Bun­des­ar­beits­ge­richt
Hu­go-Preuß-Platz 1


99084 Er­furt


Post­an­schrift:


Bun­des­ar­beits­ge­richt
99113 Er­furt


Fax-Num­mer:
(03 61) 26 36 - 20 00

ein­ge­legt und be­gründet wer­den.


Die Re­vi­si­ons­schrift und Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.


Ka­ge­rer

Ober­rai­ner

Stöckl


17


Hin­weis der Geschäfts­stel­le:
Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, al­le Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

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