Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Altersteilzeit, Krankheit
   
Gericht: Arbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 7 Ca 515/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.06.2009
   
Leit­sätze: Ei­ne Re­ge­lung in ei­nem Al­ters­teil­zeit­ver­trag, nach der der Ar­beit­neh­mer Krank­heits­zeiträume in der Ar­beits­pha­se, die den 6-Wo­chen­zeit­raum über­schrei­ten, zur Hälf­te nach­ar­bei­ten muss, ist nicht un­an­ge­mes­sen i.S.d. § 307 BGB.
Vor­ins­tan­zen:
   

T a t b e s t a n d :

Die Par­tei­en strei­ten über die Fra­ge, ob der Kläger im Rah­men sei­nes Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­ses Zei­ten lang­fris­ti­ger Ar­beits­unfähig­kei­ten teil­wei­se nach­ar­bei­ten muss.

Der Kläger ist bei der Be­klag­ten, ei­ner S. seit über 25 Jah­ren beschäftigt. Un­ter dem 18.12.2006 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen Al­ters­teil­zeit­ver­trag (Bl. 4 ff. d. A.). Die­ser sieht vor, dass das Ar­beits­verhält­nis im Zeit­raum vom 01.02.2008 bis zum 31.01.2013 als Al­ters­teil­zeit­verhält­nis fort­geführt wird. Tatsächlich hat die Al­ters­teil­zeit am 01.03.2008 be­gon­nen.

Der Al­ters­teil­zeit­ver­trag lau­tet aus­zugs­wei­se: 

„§ 2 Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit 

Vom Be­ginn der Al­ters­teil­zeit an bis vor­aus­sicht­lich zum 31.07.2010 ent­spricht die re­gelmäßige Ar­beits­zeit für Herrn I. 40 St­un­den in der Wo­che.

An­sch­ließend wird Herr I. bis zum En­de des Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses von der Ar­beit oh­ne Ar­beits­ver­pflich­tung frei­ge­stellt....

§ 6 Re­ge­lung für den Fall der Krank­heit 

1. Im Fal­le krank­heits­be­ding­ter Ar­beits­unfähig­keit leis­tet die B. Ent­gelt­fort­zah­lung nach den für das Ar­beits­verhält­nis je­weils gel­ten­den Be­stim­mun­gen (§ 2 Abs. 7 ATzA).

2. Bei ei­ner länger als 6 Wo­chen an­dau­ern­den Ar­beits­unfähig­keit während der Ar­beits­pha­se muss der Zeit­raum des Kran­ken­geld­be­zu­ges grundsätz­lich zur Hälf­te nach­ge­ar­bei­tet wer­den. Da­durch ver­schiebt sich der Be­ginn der Frei­stel­lungs­pha­se nach hin­ten. Das ver­ein­bar­te En­de des Al­ters­teil­zeit­verhält­nis­ses bleibt hier­von un­berührt.“

Nach Be­ginn der Ar­beits­pha­se er­krank­te der Kläger für ei­nen mehr­mo­na­ti­gen Zeit­raum. Mit Schrei­ben vom 25.11.2008 so­wie vom 06.01.2009 (Bl. 8 und 9 d. A.) ver­trat die Be­klag­te die Auf­fas­sung, der Kläger müsse die Zei­ten, die er über den 6-Wo­chen-Zeit­raum der Ent­gelt­fort­zah­lung hin­aus ar­beits­unfähig sei, nach­ar­bei­ten und die Frei­stel­lungs­pha­se ver­schie­be sich nach hin­ten.

Der Kläger ist der Auf­fas­sung, § 6 Abs. 2 des Ver­tra­ges sei un­wirk­sam, da er ge­gen § 307 Abs. 1 S. 2 BGB ver­s­toße. Die Re­ge­lung ver­s­toße ge­gen den Grund­ge­dan­ken der Al­ters­teil­zeit. Es sei nicht ein­zu­se­hen, war­um im 6-Wo­chen-Zeit­raum ei­ne Ar­beits­unfähig­keit ein Wert­gut­ha­ben er­zielt wer­den könne, an­sch­ließend aber nicht mehr.

Der Kläger be­an­tragt: 

Es wird fest­ge­stellt, dass sich sei­ne Ar­beits­pha­se bei ei­ner mehr als 6-wöchi­gen Ar­beits­unfähig­keit nicht um die Hälf­te des Zeit­raums des Kran­ken­geld­be­zu­ges verlängert.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Sie ist der Auf­fas­sung, die Re­ge­lung sei wirk­sam. Das Wert­gut­ha­ben, das Vor­aus­set­zung für die Frei­stel­lungs­pha­se sei, müsse durch vergütungs­pflich­ti­ge Ar­beits­leis­tung auf­ge­baut wer­den. Die Pflicht zur Nach­ar­beit sei so­gar ge­bo­ten. Der Auf­bau ei­nes Wert­gut­ha­bens in der Pha­se der 6-wöchi­gen Ent­gelt­fort­zah­lung er­ge­be sich aus dem Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den In­halt der Par­tei­en­schriftsätze so­wie den ge­sam­ten wei­te­ren Ak­ten­in­halt Be­zug ge­nom­men.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

Die zulässi­ge Kla­ge ist be­gründet.

I. 

Die Kla­ge ist zulässig. Ei­ne all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge i. S. d. § 256 Abs. 1 ZPO kann sich auch auf ein­zel­ne Be­zie­hun­gen oder Fol­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis, auf be­stimm­te Ansprüche oder Ver­pflich­tun­gen oder auf den Um­fang ei­ner Leis­tungs­pflicht be­schränken (vgl. BAB 14.08.2007 - 9 AZR 18/07). Es liegt auch ein er­for­der­li­ches Fest­stel­lungs­in­ter­es­se i. S. d. § 256 Abs. 1 ZPO vor. Der Kläger hat ein schutzwürdi­ges In­ter­es­se an der als­bal­di­gen Fest­stel­lung, dass die Re­ge­lung in § 6 Abs. 2 des Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges un­wirk­sam ist. Die Be­klag­te hat im Vor­feld des Rechts­streits die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kläger müsse Zei­ten sei­ner Ar­beits­unfähig­keit außer­halb des 6-Wo­chen-Zeit­raums zur Hälf­te nach­ar­bei­ten.

II. 

Die Kla­ge ist aber un­be­gründet. Die Re­ge­lung in § 6 Abs. 2 des Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges ist wirk­sam. Der Kläger ist ver­pflich­tet, bei ei­ner länger als 6 Wo­chen an­dau­ern­den Ar­beits­unfähig­keit während der Ar­beits­pha­se den Zeit­raum des Kran­ken­geld­be­zu­ges zur Hälf­te nach­zu­ar­bei­ten.

1.

Zu­guns­ten des Klägers kann un­ter­stellt wer­den, dass es sich bei dem Al­ters­teil­zeit­ver­trag zum 18.12.2006 um ei­nen For­mu­lar­ver­trag mit all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen i. S. d. §§ 305 ff. BGB han­delt. Das Ge­richt ist aber darüber hin­aus der Auf­fas­sung, dass der Al­ters­teil­zeit­ver­trag der Par­tei­en all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne der § 305 ff. BGB enthält.

Nach § 305 Abs. 1 BGB sind all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen al­le für ei­ne Viel­zahl von Verträgen for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen, die ei­ne Ver­trags­par­tei (Ver­wen­der) der an­de­ren Ver­trags­par­tei bei Ab­schluss des Ver­tra­ges stellt. Aus dem In­halt und der äußeren Ge­stal­tung der in ei­nem Ver­trag ver­wen­de­ten Be­din­gun­gen kann sich ein vom Ver­wen­der zu wi­der­le­gen­der An­schein dafür er­ge­ben, dass sie zur Mehr­fach­ver­wen­dung
for­mu­liert wor­den sind. Das kann z. B. der Fall sein, wenn der Ver­trag zahl­rei­che for­mel­haf­te Klau­seln enthält und nicht auf die in­di­vi­du­el­le Ver­trags­si­tua­ti­on ab­ge­stimmt ist. Ver­trags­be­din­gun­gen sind für ei­ne Viel­zahl von Verträgen be­reits dann vor­for­mu­liert, wenn ih­re drei­ma­li­ge Ver­wen­dung be­ab­sich­tigt ist. All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen lie­gen dann nicht vor, so­weit die Ver­trags­be­din­gun­gen zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en im Ein­zel­nen aus­ge­han­delt sind. „Aus­han­deln“ im Sin­ne des § 305 Abs. 1 Satz 3 BGB be­deu­tet mehr als ver­han­deln. Es genügt nicht, dass der Ver­trags­in­halt le­dig­lich erläutert oder erörtert wird und den Vor­stel­lun­gen des Ver­trags­part­ners ent­spricht (vgl. da­zu BAG 01.03.2006 - 5 AZR 363/05).

Nach § 310 Abs. 3 BGB gel­tend bei Verträgen zwi­schen ei­nem Un­ter­neh­mer und ei­nem Ver­brau­cher all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen als vom Un­ter­neh­mer ge­stellt. Die §§ 305 c Abs. 2, 306, 307 bis 309 BGB kom­men auch dann zur An­wen­dung, wenn die­se nur zur ein­ma­li­gen Ver­wen­dung be­stimmt sind und so­weit der Ver­brau­cher auf­grund der Vor­for­mu­lie­rung auf ih­ren In­halt kei­nen Ein­fluss neh­men konn­te. Bei ei­nem Ar­beits­ver­trag han­delt es sich um ei­nen Ver­trag zwi­schen ei­nem Un­ter­neh­mer und ei­nem Ver­brau­cher im Sin­ne von § 310 Abs. 3 BGB (vgl. BAG, 25.05.2005).

Vor die­sem Hin­ter­grund kom­men die §§ 305 ff. BGB auf das Al­ters­teil­zeit­verhält­nis der Par­tei­en zur An­wen­dung. Dem hat die Be­klag­te auch nicht wi­der­spro­chen.

2. 

Die Re­ge­lung in § 6 Abs. 2 des Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges ist nicht gem. § 307 BGB un­wirk­sam.

a)Gemäß § 307 Abs. 1 S. 1 BGB ist ei­ne Be­stim­mung in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen dann un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treue und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt. Nach § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB ist ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Zwei­fel an­zu­neh­men, wenn die Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nichts zu ver­ein­ba­ren ist.

Nach § 307 Abs. 3 gel­ten die Absätze 1 und 2 nur für Be­stim­mun­gen in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, durch die von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lung ver­ein­bart wer­den. An­de­re Be­stim­mun­gen können nach Abs. 1 S. 2 i. V. m. Abs. 1 S. 1 un­wirk­sam sein. Rechts­vor­schrift i. S. v. § 307 Abs. 3 S. 1 BGB sind nicht nur die Ge­set­zes­be­stim­mun­gen selbst, son­dern die dem Ge­rech­tig­keits­ge­bot ent­spre­chen­den all­ge­mei­nen an­er­kann­ten Rechts­grundsätze, d.h. al­le un­ge­schrie­be­nen Rechts­grundsätze, die Re­geln des Richter­rechts oder die auf­grund ergänzen­der Aus­le­gung nach §§ 157, 242 BGB und aus der Na­tur des je­wei­li­gen Schuld­verhält­nis­ses zu ent­neh­men­den Rech­te und Pflich­ten (vgl. BAG 18.03.2009 - 10 AZR 289/08).

Nach § 307 Abs. 1 S. 1 BGB sind Be­stim­mun­gen in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne for­mu­larmäßige Ver­trags­be­stim­mung ist un­ge­mes­sen, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, oh­ne von vorn­her­ein auch des­sen Be­lan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm ei­nen an­ge­mes­sen Aus­gleich zu gewähren. Die Fest­stel­lung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung setzt ei­ne wech­sel­sei­ti­ge Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung recht­lich an­zu­er­ken­nen­der In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner vor­aus. Bei die­sem Vor­gang sind auch grund­recht­lich geschütz­te Rechts­po­si­tio­nen zu be­ach­ten. Zur Be­ur­tei­lung der Un­an­ge­mes­sen­heit ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall gelöster Maßstab an­zu­le­gen. Im Rah­men der In­halts­kon­trol­le sind da­bei Art und Ge­gen­stand, Zweck und be­son­de­re Ei­gen­art des Geschäfts zu berück­sich­ti­gen. Zu prüfen ist, ob der Klau­sel­in­halt bei der in Re­de ste­hen­den Art des Rechts­geschäfts ge­ne­rell un­ter Be­ach­tung der ty­pi­schen In­ter­es­sen der be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners er­gibt (vgl. BAG 14.08.2007 - 9 AZR 18/07).

b)§ 6 Abs. 2 des Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges ist nicht gem. § 307 Abs. 2 BGB un­an­ge­mes­sen. Es ist be­reits kei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung er­kenn­bar, von de­ren we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken ab­ge­wi­chen wird. Gem. § 3 Abs. 1 S. 2 hat ein Ar­beit­neh­mer An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall für die Zeit der Ar­beits­unfähig­keit bis zur Dau­er von 6 Wo­chen. Die­ser An­spruch bleibt dem Kläger auf­grund der ver­trag­li­chen Re­ge­lung voll umfäng­lich er­hal­ten.

Es sind auch kei­ne wei­te­ren sons­ti­gen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen, von de­nen ab­ge­wi­chen wer­den könn­te, er­sicht­lich. Viel­mehr ent­spricht die ver­trag­li­che Re­ge­lung sol­chen in Ta­rif­verträgen zur Re­ge­lung von Al­ters­teil­zeit­ar­beit. Gem. § 310 Abs. 4 S. 3 BGB ste­hen Ta­rif­vorträge Rechts­vor­schrif­ten i. S. d. § 307 Abs. 3 BGB gleich. So ist et­wa auch in § 8 Abs. 2 des Ta­rif­ver­tra­ges zur Re­ge­lung der Al­ters­teil­zeit­ar­beit im öffent­li­chen Dienst vom 5.5.1998 (TV ATZ) oder in § 8 Abs. 2 des Ta­rif­ver­tra­ges zur Re­ge­lung der Al­ters­teil­zeit­ar­beit für Ärz­tin­nen und Ärz­te vom 8.4.2008 (TV ATZ Ärz­te/VKA) ge­re­gelt, dass der Ar­beit­neh­mer, der die Al­ters­teil­zeit im Block­mo­dell ab­leis­tet und der während der Ar­beits­pha­se über den Zeit­raum der Ent­gelt­fort­zah­lung hin­aus ar­beits­unfähig er­krankt, um die Hälf­te des den Ent­gelt­fort­zah­lungs­zeit­raum über­stei­gen­den Zeit­raums der Ar­beits­unfähig­keit nach­ar­bei­tet.

c)Die Re­ge­lung ist auch nicht nach § 307 Abs. 1 BGB un­wirk­sam. Der Kläger wird durch die Re­ge­lung nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.

Ar­beit und Vergütung ste­hen im Ar­beits­verhält­nis in ei­nem un­mit­tel­ba­ren Aus­tausch­verhält­nis. Die­ser Grund­satz gilt auch im Al­ters­teil­zeit­ver­trag. Im so­ge­nann­ten Block­mo­dell wird in der Ar­beits­pha­se ein Wert­gut­ha­ben zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers an­ge­legt. Dies be­deu­tet le­dig­lich, dass der Ar­beit­neh­mer sei­ne Vergütung für die ge­leis­te­te Ar­beit nicht un­verzüglich im vol­len Um­fang vergütet erhält, viel­mehr wird ein Zeit­gut­ha­ben auf­ge­baut, das während der Frei­stel­lungs­pha­se wie­der auf­gelöst wird. Der Ar­beit­neh­mer leis­tet al­so die Ar­beit vor, erhält dafür aber während der Frei­stel­lungs­pha­se Vergütung, oh­ne zu ar­bei­ten. Nach der Recht­spre­chung des BAG’s (vgl. BAG 11.04.2006 - 9 AZR 369/05) sind dem­ent­spre­chend die Vergütungs­ansprüche des Ar­beit­neh­mers während der Frei­stel­lungs­pha­se „spie­gel­bild­lich“ mit de­nen in der Ar­beits­pha­se zu be­mes­sen. Le­dig­lich die Auf­sto­ckungs­leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers ste­hen nicht im un­mit­tel­ba­ren Aus­tausch­verhält­nis.

Ist der Ar­beit­neh­mer während der Ar­beits­pha­se länger als 6 Wo­chen ar­beits­unfähig er­krankt, so kann nach dem 6-Wo­chen-Zeit­raum kein ent­spre­chen­des Zeit­gut­ha­ben mehr auf­ge­baut wer­den (vgl. auch De­bler NZA 2001, 1285, 1286, Ahl­brecht/Icken­roth BB 2002, 2440, 2445). Dem­ent­spre­chend geht das LAG Rhein­land-Pfalz in sei­ner Ent­schei­dung vom 22.12.2005 (6 Sa 317/05) da­von aus, dass ein Ar­beit­ge­ber das Wert­gut­ha­ben während ei­ner den 6-Wo­chen-Zeit­raum über­schrei­ten­den Ar­beits­unfähig­keit nur auf­grund ei­ner ver­trag­li­chen Re­ge­lung zu ver­meh­ren hat, da - be­dingt durch die Ar­beits­unfähig­keit des Ar­beit­neh­mers - ein Wert­gut­ha­ben nicht an­ge­spart wird.

Ver­trags­klau­seln wie die, die die Par­tei­en in § 6 Abs. 2 ih­res Al­ters­teil­zeit­ver­tra­ges ver­wen­det ha­ben, wer­den vor die­sem Hin­ter­grund aus­drück­lich emp­foh­len (Ahl­brecht/Icken­roth BB 2002, 2440, 2446). Ei­ne sol­che Re­ge­lung be­nach­tei­ligt auch den Ar­beit­neh­mer im Block­mo­dell nicht. Viel­mehr zeigt ein Ver­gleich mit sol­chen Ar­beit­neh­mern, die die Al­ters­teil­zeit nicht im Block­mo­dell durchführen, dass an­dern­falls Ar­beit­neh­mer im Block­mo­dell pri­vi­le­giert würden.

III. 

Nach all­dem war der An­trag ab­zu­wei­sen. 

IV. 

Die Kos­ten­ent­schei­dung ruht auf §§ 91 Abs. 1 S. 1, 46 Abs. 2 ArbGG. 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung 

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei 

B e r u f u n g 

ein­ge­legt wer­den. 

Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben. 

Die Be­ru­fung muss 

in­ner­halb ei­ner N o t f r i s t* von ei­nem Mo­nat

beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf, Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21, 40227 Düssel­dorf, Fax: 0211 7770 2199 ein­ge­gan­gen sein.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.

Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte, 

2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Nr. 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung der Mit­glie­der die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on oder ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder Zu­sam­men­schlus­ses mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den. 

E.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 Ca 515/09  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880