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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Freistellung, Arbeitnehmer, Annahmeverzug, Betriebsübergang
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 11 Sa 620/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 11.02.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Koblenz, Urteil vom 8.09.2009, 5 Ca 419/09
   

Ak­ten­zei­chen:
11 Sa 620/09
5 Ca 419/09
ArbG Ko­blenz
- AK Neu­wied -

Ur­teil vom 11.02.2010

 

Te­nor:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz - Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied - Az. 5 Ca 419/09 - vom 8. Sep­tem­ber 2009 be­tref­fend Zu­schläge für aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te wird zurück­ge­wie­sen.

 

2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richt Ko­blenz - Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied - Az. 5 Ca 419/09 - vom 8. Sep­tem­ber 2009 be­tref­fend Zu­schläge für aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te wird zurück­ge­wie­sen.

 

3. Von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens ha­ben der Kläger 9/20 und die Be­klag­te 11/20 zu tra­gen.

 

4. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nach Ab­schluss ei­nes Teil­ver­gleichs hin­sicht­lich Fahrt­kos­ten noch über Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge für die Zeit vom 01.05.2005 bis zum 30.06.2007.

 

Der am 09.08.1958 ge­bo­re­ne, ver­hei­ra­te­te und ge­genüber zwei Kin­dern un­ter­halts­ver­pflich­te­te Kläger war in der Zeit vom 05.09.1984 bis zum 28.02.1986 als Pau­scha­list in der Lo­kal­re­dak­ti­on der Streit­verkünde­ten zu 1. in F. tätig. In der Zeit vom 01.03.1986 bis zum 31.08.1987 ab­sol­vier­te der Kläger bei der Streit­verkünde­ten zu 1. ein Re­dak­ti­ons­vo­lon­ta­ri­at in F.. Seit dem 01.09.1987 war der Kläger so­dann zunächst be­fris­tet bis zum 28.02.1989 mit Ar­beits­ver­trag vom 28.08.1987 (An­la­ge B 1, Bl. 72 ff. d. A.) bei der Streit­verkünde­ten zu 1. beschäftigt. Der Ar­beits­ver­trag vom 28.08.1987 wur­de dem Kläger von der Streit­verkünde­ten zu 1. mit An­schrei­ben vom 28.08.1987 (An­la­ge B 2, Bl. 75 d. A.) über­sandt, in wel­chem dar­auf hin­ge­wie­sen wur­de, dass sich das Ar­beits­verhält­nis nach den Be­stim­mun­gen des Man­tel­ta­rif­ver­trags für die Re­dak­teu­re an Ta­ges­zei­tun­gen rich­tet. So­dann war er mit Ar­beits­ver­trag vom 06.06.1988 (An­la­ge K 1, Bl. 10 ff. d. A.) als fest an­ge­stell­ter Re­dak­teur bei der Streit­verkünde­ten zu 1. tätig. Seit dem 01.01.1991 bis zum Aus­spruch ei­ner Kündi­gung durch die Streit­verkünde­te zu 1. vom 27.06.2005 hat der Kläger nach der Ver­set­zung durch die Ver­ein­ba­rung vom 28.12.1990 (An­la­ge B 3, Bl. 76 d. A.) als Sport­re­dak­teur in der Aus­ga­be H der B.Zei­tung in der Lo­kal­re­dak­ti­on F. und zu­letzt in der Schwer­punkt­re­dak­ti­on G. ge­ar­bei­tet.

 

Er er­ziel­te zu­letzt ein mo­nat­li­ches Brut­to­ent­gelt in Höhe von 4.343,00 € zuzüglich ei­nes Ar­beit­ge­ber­an­teils zur Pres­se­ver­sor­gung in Höhe von 5 % die­ses Brut­to­be­tra­ges (217,15 €) so­wie vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen in Höhe von 26,59 €.

 

§ 8 des im An­schrei­ben vom 28.08.1987 in Be­zug ge­nom­me­nen Man­tel­ta­rif­ver­trags für Re­dak­teu­rin­nen und Re­dak­teu­re an Ta­ges­zei­tun­gen (gültig ab dem 01.01.2003, im Fol­gen­den: MTV) sieht fol­gen­de Re­ge­lung hin­sicht­lich ei­nes Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlags vor:

 

„§ 8 Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlag

1. Ar­bei­tet der Re­dak­teur/die Re­dak­teu­rin an ei­nem Sonn- oder Fei­er­tag wei­sungs­gemäß mehr als vier St­un­den, so erhält er/sie ei­nen Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlag in Höhe von € 76,70 (Vo­lontäre/Vo­lontärin­nen er­hal­ten € 51,10).

 

Der An­spruch auf den Sonn­tags- oder Fei­er­tags­zu­schlag kann nicht da­durch ver­ei­telt wer­den, das in Um­ge­hungs­ab­sicht z. B. drei St­un­den Sonn­tags- oder Fei­er­tags­ar­beit re­gelmäßig an­ge­ord­net wer­den.

 

2. Ei­ne et­wai­ge pau­scha­lier­te Ab­gel­tung der Zu­schläge ist im Rah­men der Ge­halts­ver­ein­ba­rung (§ 2 Abs. 2 Buchst. b) aus­zu­wei­sen.“

 

§ 19 MTV lau­tet:

㤠19

An­spruchs­ver­fol­gung und Sch­lich­tung

 

1. Mit Aus­nah­me der Re­ge­lung für den Ur­laub (§ 9 Abs. 5) und für die Al­ters­ver­sor­gung (§ 11) sind nicht erfüll­te Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in­ner­halb drei­er Mo­na­te nach Fällig­keit gel­tend zu ma­chen. Lehnt ei­ne Par­tei die Erfüllung des gel­tend ge­mach­ten An­spruchs schrift­lich ab, so muss die­ser in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res nach Fällig­keit ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den. Bei späte­rer Gel­tend­ma­chung als nach Satz 1 und Satz 2 kann die Erfüllung ver­wei­gert wer­den.

 

2. Wird die schrift­li­che Ab­leh­nung (Abs. 1 S. 1) nicht er­teilt, kann der An­spruchs­be­rech­tig­te/die An­spruchs­be­rech­tig­te kla­gen, auch wenn die Halb­jah­res­frist ver­stri­chen ist. Wird der gel­tend ge­mach­te An­spruch nach Ab­lauf ei­nes hal­ben Jah­res nach Fällig­keit ab­ge­lehnt, so kann der An­spruchs­be­rech­tig­te/die An­spruchs­be­rech­tig­te in­ner­halb von 3 Mo­na­ten nach Zu­gang der schrift­li­chen Ab­leh­nung kla­gen. Erklärt der An­spruchs­ver­pflich­te­te/die An­spruchs­ver­pflich­te­te die schrift­li­che Ab­leh­nung so kurz vor Ab­lauf der Halb­jah­res­frist, dass der An­spruchs­be­rech­tig­te/die An­spruchs­be­rech­tig­te nicht mehr in­ner­halb der­sel­ben kla­gen kann, so kann sich der An­spruchs­ver­pflich­te­te/die An­spruchs­ver­pflich­te­te nicht auf den Frist­ab­lauf be­ru­fen, wenn der An­spruchs­be­rech­tig­te/die An­spruchs­be­rech­tig­te in­ner­halb von 3 Wo­chen nach Emp­fang der schrift­li­chen Ab­leh­nung Kla­ge er­hebt.

 

3. Vergütungs­ansprüche, die während ei­nes Kündi­gungs­rechts­streits fällig wer­den und von sei­nem Aus­gang abhängen, sind in­ner­halb von 3 Mo­na­ten nach rechts­kräfti­ger Be­en­di­gung des Rechts­streits gel­tend zu ma­chen.“

 

Mit Schrei­ben vom 28.04.2005 stell­te die Streit­verkünde­te zu 1. den Kläger ab dem 30.04.2005 „bis auf wei­te­res“ wi­der­ruf­lich von der Ver­pflich­tung zur Er­brin­gung sei­ner Ar­beits­leis­tung frei. We­gen des In­halts die­ses Schrei­bens im Ein­zel­nen wird auf die An­la­ge K 3 (Bl. 14 d. A.) Be­zug ge­nom­men.

 

Mit Schrei­ben des Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­ban­des vom 05.07.2005 (An­la­ge B 1, Bl. 88 d. A.) for­der­te der Kläger die hie­si­ge Be­klag­te auf, „bis zum 18.07.2005 schrift­lich zu bestäti­gen, dass das Ar­beits­verhält­nis von Herrn G. mit der Streit­verkünde­te zu 1. zu den im An­stel­lungs­ver­trag vom 01.09.1987 ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen, zu­letzt geändert durch Ver­trag vom 28.12.1990, auf die A. über­ge­gan­gen ist.“

 

Mit ei­ner am 18.07.2005 beim Ar­beits­ge­richt Ko­blenz ein­ge­gan­ge­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge (Ar­beits­ge­richt Ko­blenz 3 Ca 2122/05; LAG Rhein­land-Pfalz 11 Sa 204/06) wen­de­te sich der Kläger ge­gen die Kündi­gung durch die Streit­verkünde­te zu 1. vom 27.06.2005 zum 31.12.2005. Sei­ne Kla­ge blieb in ers­ter und zwei­ter In­stanz oh­ne Er­folg. Das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz führ­te in sei­nem Ur­teil vom 24.01.2006 zur Be­gründung aus, zum Zeit­punkt des Zu­gangs der Kündi­gung am 27.06.2005 ha­be kein Ar­beits­verhält­nis mehr zwi­schen dem Kläger und der Streit­verkünde­ten zu 1. be­stan­den, weil ein Be­triebsüber­gang auf die hie­si­ge Be­klag­te mit dem 01.05.2005 ein­ge­tre­ten sei. Die ge­gen die­ses Ur­teil ge­rich­te­te Be­ru­fung des Klägers wur­de vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz durch Ur­teil vom 31.08.2006 zurück­ge­wie­sen.

 

Im vor­ge­nann­ten Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren ge­gen die Streit­verkünde­te zu 1. (Ar­beits­ge­richt Ko­blenz 3 Ca 2122/05; LAG Rhein­land-Pfalz 11 Sa 204/06) er­wei­ter­te der Kläger sei­ne Kla­ge mit Schrift­satz vom 23.12.2005, ein­ge­gan­gen am glei­chen Tag, der hie­si­gen Be­klag­ten zu­ge­stellt am 28.12.2005, hilfs­wei­se ge­gen die hie­si­ge Be­klag­te mit dem Ziel der Ver­ur­tei­lung der hie­si­gen Be­klag­ten zur Beschäfti­gung und der Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers seit dem 01.05.2005 auf die hie­si­ge Be­klag­te über­ge­gan­gen ist und mit die­ser zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen fort­be­steht. Der zunächst hilfs­wei­se an­gekündig­te Kla­ge­an­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung wur­de in der Kam­mer­ver­hand­lung des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 24.01.2006 dann un­be­dingt ge­stellt. Das Ver­fah­ren wur­de zur wei­te­ren Ver­hand­lung vom Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren ab­ge­trennt und vor dem Ar­beits­ge­richt Ko­blenz - Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – un­ter dem Ak­ten­zei­chen 11 Ca 401/06 fort­geführt. Mit Schrift­satz vom 08.06.2006 be­an­trag­te die Be­klag­te die Kla­ge ab­zu­wei­sen und führ­te un­ter an­de­rem aus, die Tätig­keit der Be­klag­ten als Dienst­leis­ter für die Streit­verkünde­te zu 1. stel­le kei­nen Be­triebsüber­gang dar. Durch Ur­teil vom 19.10.2006 im Rechts­streit Ar­beits­ge­richt Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – 11 Ca 401/06 - wur­de die hie­si­ge Be­klag­te ver­ur­teilt, den Kläger zu den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­trags vom 06.06.1988 mit der Streit­verkünde­ten zu 1. zu beschäfti­gen. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten wur­de durch seit dem 23.08.2007 rechts­kräfti­ges Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 24.05.2007 – 11 Sa 55/07 – zurück­ge­wie­sen.

 

Mit Schrei­ben der Kläger­ver­tre­ter vom 29.03.2006 (An­la­ge K 6, Bl. 18 f. d. A.) mach­te der Kläger „rein vor­sorg­lich (…) auf­grund der maßgeb­li­chen Vor­schrif­ten im Man­tel­ta­rif­ver­trag die un­se­rem Man­dan­ten Ih­nen ge­genüber ge­ge­be­nen­falls zu­ste­hen­den Ent­gelt­ansprüche für die Mo­na­te Ja­nu­ar, Fe­bru­ar und März 2006 in Höhe ei­nes Grund­ge­hal­tes von je­weils 4.343,00 € gel­tend“ und for­der­te die Be­klag­te auf, die­se Beträge bis spätes­tens zum 12. April 2006 zur An­wei­sung zu brin­gen.

 

Mit Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 18.09.2006 an die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten bot der Kläger „noch­mals aus­drück­lich“ sei­ne „Ar­beits­kraft (…) bei Ih­rer Man­dan­tin an und for­der­te (…) noch­mals auf, (...) schrift­lich zu erklären, dass un­ser Man­dant zu den Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges vom 06.06.1988 mit der DEF-GmbH. (…) seit Be­triebsüber­gang bei Ih­rer Man­dan­tin beschäftigt ist und in Zu­kunft auch beschäftigt wird. Des wei­te­ren mag Ih­re Par­tei die Erklärung ab­ge­ben, dass für den maßgeb­li­chen Zeit­raum die un­se­rem Man­dan­ten noch zu­ste­hen­den Ent­gel­te, so­fern die­se von drit­ter Sei­te nicht ge­zahlt wur­den oder Ansprüche die­ser Art nicht auf Drit­te über­ge­gan­gen sind, an un­se­ren Man­dan­ten aus­ge­zahlt wer­den.“ (An­la­ge K 4, Bl. 15 f. d. A.).

 

Die Be­klag­te wies die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Ansprüche mit Schrei­ben vom 05.10.2006 (An­la­ge K 5, Bl. 17 d. A.) zurück.

 

Der Kläger blieb bis zum 31. De­zem­ber 2005 frei­ge­stellt. Bis zu die­sem Zeit­punkt zahl­te die Streit­verkünde­te zu 1. auch das dem Kläger zu­ste­hen­de Ent­gelt auf der Ba­sis ei­nes Brut­to­be­tra­ges in Höhe von 4.343,00 € brut­to. In den Mo­na­ten Ja­nu­ar bis März 2006 er­hielt der Kläger von der Agen­tur für Ar­beit mo­nat­lich 2.068,20 € (Ände­rungs­be­scheid vom 11.04.2006, An­la­ge K 7, Bl. 20 ff. d. A.).

 

Vom 01.04.2006 bis zum 08.11.2006 be­fand sich der Kläger auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Kläger und der Streit­verkünde­ten zu 1. vom 21.03.2006 (An­la­ge zum Schrift­satz des Kläger­ver­tre­ters vom 25.05.2007, Bl. 42 d. A.) in ei­nem Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis zur Streit­verkünde­ten zu 1.

 

Seit dem 02.07.2007 wird der Kläger als Sport­re­dak­teur in der Sport­re­dak­ti­on G. von der Be­klag­ten beschäftigt.

 

Der Kläger war erst­in­stanz­lich – so­weit im Be­ru­fungs­ver­fah­ren von Be­deu­tung - der An­sicht,

auf­grund des Be­triebsüber­gangs sei die Be­klag­te aus­weis­lich der Ar­beits­ver­trags­ver­ein­ba­run­gen ver­pflich­tet, ihm die Sonn- und Fei­er­tags­diens­te zu ent­gel­ten. Er hat vor­ge­tra­gen, ver­ein­bart sei ei­ne steu­er­freie Zu­la­ge in Höhe von täglich 76,70 €. Die­se Sonn- und Fei­er­tags­zu­la­gen sei in der Ver­gan­gen­heit auch stets ge­zahlt wor­den. Als Sport­re­dak­teur ha­be er in der Ver­gan­gen­heit re­gelmäßig Sonn- und Fei­er­tags­diens­te wahr­ge­nom­men und wahr­neh­men müssen. Seit 1988 er­ge­be sich fol­gen­de Über­sicht über die ge­leis­te­ten Sonn- und Fei­er­tags­diens­te:

 

1988 47

1989 41

1990 39

1991 40

1992 45

1993 50

1994 47

1995 51

1996 47

1997 52

1998 49

1999 47

2000 48

2001 49

2002 47

2003 46

2004 46

2005 (01.01. bis 30.04.2005) 16

2006 --

2007 (01.07. bis 31.12.2007) 18

2008 48.

 

Vom 01.05.2005 bis zum 31.12.2005 hätte er an fol­gen­den Sonn- und Fei­er­ta­gen Diens­te ver­rich­ten können und müssen: am 01., 05., 08., 16., 22., 26. und 29.05.2005, am 05., 12., 19. und 26.06.2005, am 03., 10., 17., 24. und 31.07.2005, am 07. und 28.08.2005, am 04., 11., 18. und 25.09.2005, am 03., 09., 16., 23. und 30.10.2005, am 06., 13., 20. und 27.11.2005 so­wie am 04. und 11.12.2005. Für die­sen Zeit­raum sei­en so­mit 33 Sonn- und Fei­er­ta­ge zu berück­sich­ti­gen.

 

Für den Zeit­raum vom 01.01.2006 bis zum 31.12.2006 sei­en 48 Sonn- und Fei­er­ta­ge zu berück­sich­ti­gen, nämlich der 15., 22. und 29.01.2006, der 05., 12. und 19.02.2006, der 05., 12. und 19.03.2006, der 02., 09., 14., 17. und 23.04.2006, der 01., 07., 14., 21., 25. und 28.05.2006, der 05., 11. und 25.06.2006, der 02., 09., 16., 23. und 30.07.2006, der 20. und 27.08.2006, der 03., 10., 17. und 24.09.2006, der 01., 03., 08., 15., 22. und 29.10.2006, der 01., 05., 12., 19. und 26.11.2006 so­wie der 03., 10. und 17.12.2006.

 

In der Zeit vom 01.01.2007 bis zum 30.06.2007 sei­en 28 Ta­ge an­ge­fal­len, nämlich der 14., 21. und 28.01.2007, der 04., 11., 18. und 25.02.2007, der 04., 11., 18. und 25.03.2007, der 01., 06., 09., 15., 22. und 29.04.2007, der 01., 06., 13., 17., 20. und 28.05.2007 so­wie der 03., 07., 10., 17. und 24.06.2007. Be­dingt durch sei­ne Tätig­keit hätte er an sämt­li­chen Sonn- und Fei­er­ta­gen ge­ar­bei­tet mit Aus­nah­me der Ta­ge, an de­nen er ur­laubs- und krank­heits­be­dingt ab­we­send ge­we­sen sei.

 

Die im Zeit­raum 1988 bis 2004 ge­leis­te­ten Sonn- und Fei­er­tags­diens­te sei­en aus­sch­ließlich steu­er­frei und net­to aus­ge­zahlt wor­den. In­so­weit be­steht auch wei­ter­hin auf Grund der zwi­schen den Par­tei­en ge­trof­fe­nen ar­beits­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung ein An­spruch auf Ent­gel­tung von 76,70 € net­to pro ge­leis­te­ter Tag.

 

Die­ser Be­trag sei gemäß §§ 286, 288 Abs. 1 BGB zu ver­zin­sen.

 

Sei­ne Ansprüche sei­en auch nicht ver­fal­len. Die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung sei ge­set­zes­wid­rig, ins­be­son­de­re un­verhält­nismäßig und treu­wid­rig. Im Kündi­gungs­schutz­pro­zess ge­gen die Streit­verkünde­te zu 1. sei er un­ter Hin­weis auf die punk­tu­el­le Streit­ge­gen­stands­theo­rie un­ter­le­gen. Kon­kret sei hier auch noch zu berück­sich­ti­gen, dass er, der Kläger, von ei­nem Be­triebsüber­gang nie in Kennt­nis ge­setzt wor­den sei. Er sei – durch ei­nen An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung – schon frühzei­tig ge­gen die Be­klag­te vor­ge­gan­gen mit dem Ziel der Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. Nach Be­en­di­gung des Pro­zess­rechts­verhält­nis­ses mit der Streit­verkünde­ten zu 1. ha­be es kei­nes neu­en An­ge­bots sei­ner Ar­beits­kraft be­durft, da sich die Be­klag­te be­reits in An­nah­me­ver­zug be­fun­den ha­be. Wenn er sei­ner Ver­pflich­tung nach § 615 S. 2 BGB nach­ge­kom­men sei, könne dies nicht zu ei­ner Un­ter­bre­chung des An­nah­me­ver­zugs führen. Durch die Schrei­ben vom 05.07.2005 und 18.09.2006 ha­be er sei­ne Ansprüche frühzei­tig gel­tend ge­macht. Die­se Gel­tend­ma­chun­gen der Rech­te sei­en auch hin­rei­chend be­stimmt ge­we­sen, denn die Rech­te und Pflich­ten ergäben sich aus dem Ar­beits­ver­trag in Ver­bin­dung mit dem Ta­rif­ver­trag. Die Be­klag­te ha­be erst un­ter dem 05.10.2006 auf die Schrei­ben des Klägers re­agiert. Ein Ver­weis auf ei­nen Vor­trag in ei­nem Schrift­satz in ei­nem an­de­ren Ver­fah­ren rei­che nicht aus, um die Ansprüche aus­zu­sch­ließen.

 

Die Ansprüche sei­en auch nicht ver­wirkt. Die Be­klag­te ha­be je­den­falls so lan­ge, wie das Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren ge­gen die Rechts­vorgänge­rin noch rechtshängig ge­we­sen sei, nicht dar­auf ver­trau­en dürfen, dass der Kläger sei­nen Beschäfti­gungs­an­spruch ihr ge­genüber nicht wei­ter ver­fol­gen würde. Da­bei sei von der An­nah­me aus­zu­ge­hen, dass die Be­klag­te zu der Streit­verkünde­ten zu 1. (Rechts­vorgänge­rin) im Rah­men des Dienst­leis­tungs­auf­tra­ges in ständi­gem Kon­takt ste­he und Kennt­nis von der maßgeb­li­chen Rechts­fra­ge, die bei der Kündi­gung vom 27.06.2005 zu prüfen ge­we­sen sei, nämlich ob ein Be­triebsüber­gang auf sie vor­ge­le­gen ha­be, Kennt­nis ge­habt ha­be. Dies ha­be sie auch vor dem Hin­ter­grund des Schrei­bens des Klägers an sie vom 05.07.2005 an­neh­men müssen.

Der Kläger hat mit sei­ner am 20.11.2006 ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge erst­in­stanz­lich zu­letzt (nach Kla­ge­er­wei­te­rung vom 30.11.2006, ein­ge­gan­gen am 04.12.2006 be­tref­fend Ansprüche für die Mo­na­te Ok­to­ber und No­vem­ber 2006, Kla­ge­er­wei­te­rung vom 25.05.2007, ein­ge­gan­gen am 30.05.2007 für die Mo­na­te De­zem­ber 2006 bis April 2007, Kla­ge­er­wei­te­rung vom 09.07.2007, ein­ge­gan­gen am 13.07.2007 für die Mo­na­te Mai und Ju­ni 2007 und Ab­tren­nung der streit­ge­genständ­li­chen Anträge vom Rechts­streit Ar­beits­ge­richt Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – durch Be­schluss vom 10.02.2009 (Bl. 125 d. A.)) be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 8.360,30 € net­to nebst Zin­sen in Höhe von je­weils 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz

aus 2.531,10 € seit dem 01.01.2006,

aus 2.607,80 € seit dem 01.10.2006,

aus 843,70 € seit dem 01.12.2006,

aus 1.534,00 € seit dem 01.05.2007 und

aus 843,70 € seit dem 01.07.2007 zu zah­len.

 

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem Kläger für Dienst­fahr­ten nach Ko­blenz für den Zeit­raum 01.04. – 10.11.2006 Fahrt­kos­ten in Höhe von 4.985,62 € net­to zu zah­len nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten seit dem 01.12.2006.

 

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

 

Sie war der An­sicht,

ei­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung von Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlägen er­ge­be sich nicht be­reits des­we­gen, weil ein Be­triebsüber­gang er­folgt sei. Die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­nah­me­ver­zugs sei­en sei­tens des Klägers nicht dar­ge­tan und lägen auch nicht vor. Zu­dem sei zu berück­sich­ti­gen, dass der Kläger Wei­ter­beschäfti­gungs­ansprüche nur ge­genüber der Streit­verkünde­ten zu 1. gel­tend ge­macht ha­be. Sie ha­be aus die­sem Grund ge­ra­de nicht da­mit rech­nen müssen, mit Ansprüchen aus An­nah­me­ver­zug über­zo­gen zu wer­den. Das ers­te An­ge­bot sei mit Schrei­ben vom 18.09.2006 er­folgt. Nach Be­en­di­gung des Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis­ses mit der Streit­verkünde­ten zu 1. ha­be der Kläger ihr er­neut sei­ne Ar­beits­leis­tung tatsächlich an­bie­ten müssen. Der An­nah­me­ver­zug des Ar­beit­ge­bers en­de durch den Fort­fall der Leis­tungsfähig­keit oder –be­reit­schaft des Ar­beit­neh­mers. Die­se feh­le beim Ein­ge­hen ei­nes an­de­ren Ar­beits­verhält­nis­ses zu ei­nem Drit­ten während des Ver­zugs­zeit­raums.

 

Sie hat be­strit­ten, dass der Kläger „in der Ver­gan­gen­heit“ als Sport­re­dak­teur je­den Sonn- und Fei­er­tag tätig ge­we­sen sei. Sie hat wei­ter be­strit­ten, dass der Kläger – auch un­ter Berück­sich­ti­gung sei­nes Ur­laubs – die von ihm an­ge­ge­be­ne An­zahl von Sonn­tags­diens­ten nicht ha­be wahr­neh­men können.

 

Sie war der An­sicht, hilfs­wei­se sei­en et­wai­ge Vergütungs­ansprüche des Klägers aus An­nah­me­ver­zug ver­fal­len. Der Kläger ha­be zwar mit Schrei­ben sei­ner Be­vollmäch­tig­ten vom 29.03.2006 ihr ge­genüber Vergütungs­ansprüche für den Zeit­raum Ja­nu­ar bis März 2006 gel­tend ge­macht, die Ansprüche sei­en aber da­durch, dass sie im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren Ar­beits­ge­richt Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – Az. 11 Ca 401/06 hin­sicht­lich sämt­li­cher vom Kläger ge­stell­ten Anträge Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und im Rah­men der Be­gründung des Schrift­sat­zes vom 08.06.2006 aus­geführt ha­be, dass zwi­schen den Par­tei­en kein Ar­beits­verhält­nis be­ste­he und ins­be­son­de­re auch kei­ne ar­beits­recht­li­chen Ansprüche bestünden, schrift­lich zurück­ge­wie­sen wor­den. Da sämt­li­che Aus­fer­ti­gun­gen des Schrift­sat­zes vom 08.06.2006, der dem Kläger spätes­tens En­de Ju­ni 2006 zu­ge­stellt wor­den sei, un­ter­schrie­ben ge­we­sen sei­en, sei die Ab­wei­sung der Ansprüche dem Kläger in schrift­li­cher Form über­mit­telt wor­den. Die Frist für die zwei­te Stu­fe der Aus­schluss­frist sei da­her mit der Kla­ge­er­he­bung vom 20.11.2006 nicht mehr ge­wahrt. § 19 Ziff. 3 MTV fin­de vor­lie­gend kei­ne An­wen­dung, da zwi­schen den Par­tei­en kein Kündi­gungs­rechts­streit geführt wor­den sei.

 

Im Übri­gen han­de­le es sich bei der in der Ver­gan­gen­heit durch die Streit­verkünde­te zu 1. ge­zahl­te Sonn- und Fei­er­tags­zu­la­ge um ei­ne „An­tritts­zu­la­ge“, die den Aus­gleich für den Um­stand dar­stel­le, dass der Kläger an Sonn- und Fei­er­ta­gen ha­be ar­bei­ten müssen. Auch die Streit­verkünde­te zu 1. zah­le ei­ne Zu­la­ge für Ar­beit an Sonn- und Fei­er­ta­gen nur dann, wenn der Kläger tatsächlich ar­bei­te. Erst recht ha­be der Kläger kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner steu­er­frei­en Zu­la­ge.

 

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des ers­ter In­stanz wird auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – vom 08.09.2009 (Bl. 241 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.

 

Dem Rechts­streit ist der Streit­verkünde­te zu 1. nach Streit­verkündung durch den Kläger mit Schrift­satz vom 25.06.2007 (Bl. 35 ff. d. A.) und durch Schrift­satz vom 06.08.2007 (Bl. 52 ff. d. A.) durch Schrift­satz vom 12.12.2008 (Bl. 120 d. A.) auf Sei­ten des Klägers bei­ge­tre­ten. Des Wei­te­ren ist die A.-FGH-GmbH nach Streit­verkündung durch den Kläger durch Schrift­satz vom 06.08.2007 (B. 52 ff. d. A.) mit Schrift­satz vom 05.01.2009 (Bl. 121 f. d. A.) dem Rechts­streit auf Sei­ten des Klägers bei­ge­tre­ten.

 

Durch das ge­nann­te Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger Zu­schläge für 62 in der Zeit von Mai 2006 bis Ju­ni 2007 aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te in Höhe von 4.755,40 € brut­to nebst Zin­sen zu zah­len. Wei­ter hat es die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger für 55 in der Zeit vom 22.08.2006 bis zum 10.11.2006 durch­geführ­te Fahr­ten Fahrt­kos­ten in Höhe von 1.386,99 € nebst Zin­sen zu zah­len. Im Übri­gen hat es die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

 

Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt – zu­sam­men­ge­fasst – aus­geführt: Dem Kläger ste­he ge­genüber der Be­klag­ten nach §§ 615 S. 1, 293 ff. BGB in Ver­bin­dung mit den ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen ein An­spruch auf Zah­lung von 4.755,40 € brut­to nebst Zin­sen für 62 in den Mo­na­ten Mai 2006 bis Ju­ni 2007 aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te zu. Die Be­klag­te ha­be sich in die­ser Zeit mit der An­nah­me der Ar­beits­leis­tung des Klägers in Ver­zug be­fun­den. Auf­grund der Frei­stel­lung durch die Streit­verkünde­te zu 1. mit Schrei­ben vom 28.04.2005, al­so noch vor dem Be­triebsüber­gang, ha­be es kei­nes An­ge­bots der Ar­beits­leis­tung durch den Kläger be­durft. Ein An­ge­bot der Ar­beits­leis­tung durch den Kläger sei auch nach Be­en­di­gung des Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis­ses mit der Streit­verkünde­ten zu 1. am 10.11.2006 nicht er­for­der­lich ge­we­sen. Durch das Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis sei der Kläger im Blick auf das Ver­trags­verhält­nis zur Be­klag­ten le­dig­lich sei­ner Ver­pflich­tung aus § 615 S. 2 BGB nach­ge­kom­men.

 

Die Be­klag­te ha­be dem Kläger auch während des An­nah­me­ver­zugs Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge zu zah­len. Bei den nach § 8 MTV zu gewähren­den Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlägen han­de­le es sich um Ent­gelt­be­stand­tei­le mit Lohn- bzw. Ge­haltscha­rak­ter und nicht um ei­nen pau­scha­li­sier­ten Auf­wen­dungs­er­satz. An­ders als Zu­la­gen, die ei­ne be­stimm­te, rea­le Mehr­be­las­tung ab­gel­ten soll­ten, wie et­wa Schmutz­zu­la­gen, Es­sens­zuschüsse, Auf­wen­dungs- oder Spe­sen­er­satz hätten die­se Zu­schläge Ent­gelt­cha­rak­ter. Sie stell­ten zwar auch ei­nen Aus­gleich für er­schwer­te Ar­beits­be­din­gun­gen dar. Ge­ra­de aber bei ei­nem Sport­re­dak­teur wie dem Kläger sei die Tätig­keit an Sonn- und Fei­er­ta­gen die Re­gel und die Zu­schläge da­mit auch re­gelmäßiges Ein­kom­men. Ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung las­se sich auch we­der dem Wort­laut des § 8 MTV noch dem ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang ent­neh­men. Die ta­rif­li­che Übung bei der Be­klag­ten ge­be so­gar An­halts­punk­te für den Ent­gelt­cha­rak­ter die­ser Zu­schläge, wei­se die Be­klag­te doch selbst auf die Be­hand­lung die­ser Zu­schläge nach § 3 b EStG hin und set­ze die­se Be­hand­lung nach § 3 b EStG ge­ra­de die Zu­rech­nung die­ser Zu­schläge zum steu­er- und bei­trags­pflich­ti­gen Ent­gelt vor­aus. Die Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge sei­en von der Be­klag­ten brut­to und nicht net­to zu zah­len. Für die Zeit vom 01.05.2005 bis 30.06.2007 ha­be die Be­klag­te an sich ins­ge­samt 109 aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te mit Sonn- und Fei­er­tags­zu­schlägen zu vergüten. Hierfür ste­he dem Kläger an sich ein An­spruch auf Zah­lung von 76,70 € brut­to je Dienst und so­mit von ins­ge­samt 8.360,30 € brut­to zu.

 

Der An­spruch für die in den Mo­na­ten Mai 2005 bis ein­sch­ließlich April 2006 aus­ge­fal­le­nen 47 Sonn- und Fei­er­tags­diens­te in Höhe von 3.604,90 € brut­to sei je­doch nach § 19 MTV ver­fal­len. Zwar ha­be der Kläger die Ansprüche für den Mo­nat Mai 2005 und da­nach in der Frist des § 19 Ziff. 1 S. 1 MTV schon mit dem Schrei­ben sei­ner ehe­ma­li­gen Be­vollmäch­tig­ten vom 07.05.2005 recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Denn der Kläger ha­be sich in die­sem Schrei­ben auf ei­nen Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die Be­klag­te, auf das Fort­be­ste­hen des­sel­ben mit der Be­klag­ten und auf den Ein­tritt der Be­klag­ten in die Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis, al­so auch auf die Lohn­zah­lungs­pflicht, be­ru­fen. Dem ste­he auch das Feh­len ei­ner ge­nau­en An­ga­be zur Höhe der For­de­rung nicht im We­ge, las­se sich die­se doch dem Ar­beits­ver­trag und ins­be­son­de­re dem Ta­rif­ver­trag ent­neh­men und sei, wo­von der Kläger auch ha­be aus­ge­hen dürfen, der Be­klag­ten hin­rei­chend be­kannt ge­we­sen. Unschädlich sei, dass die Vergütung der Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge ab Ju­li 2005 be­reits vor ih­rer Fällig­keit gel­tend ge­macht wor­den sei, wol­le § 19 Zif­fer 1 MTV mit der For­mu­lie­rung „in­ner­halb drei­er Mo­na­te nach Fällig­keit“ le­dig­lich ei­ne Höchst­gren­ze und kei­ne Min­dest­gren­ze für die Gel­tend­ma­chung be­stim­men. Die Ansprüche des Klägers auf Zah­lung der Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge für die Mo­na­te Mai 2005 bis No­vem­ber 2005 sei­en nach § 19 Zff. 2 S. 2 MTV ver­fal­len. Die Be­klag­te ha­be die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Ansprüche im Ver­fah­ren 11 Ca 401/06 mit Schrift­satz vom 08.06.2006 zurück­ge­wie­sen. Die Ansprüche des Klägers auf Zah­lung der Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge für die Mo­na­te Mai 2005 bis No­vem­ber 2005 sei­en im Zeit­punkt des Zu­gangs der Ab­leh­nungs­erklärung im Schrift­satz vom 08.06.2006 schon länger als ein hal­bes Jahr fällig ge­we­sen. Der Kläger ha­be dem­nach sei­ne Ansprüche in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach Zu­gang der schrift­li­chen Ab­leh­nung ein­klag­ten müssen. Dies ha­be der Kläger versäumt. § 19 Ziff. 3 MTV ste­he dem Ver­fall der Vergütungs­ansprüche nicht ent­ge­gen. Zum ei­nen sei zwi­schen den Par­tei­en kein Kündi­gungs­rechts­streit anhängig ge­we­sen. Zum an­de­ren sei das Ar­beits­verhält­nis im Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung im Kündi­gungs­rechts­streit schon nach § 613 a BGB auf die Be­klag­te über­ge­gan­gen und der Aus­gang des­sel­ben für die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche nicht von Be­deu­tung ge­we­sen. Die Ansprüche des Klägers auf Zah­lung der Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge für die Mo­na­te De­zem­ber 2005 bis April 2006 sei­en nach § 19 Ziff. 1 S. 2 MTV ver­fal­len. Die­se Ansprüche sei­en im Zeit­punkt des Zu­gangs der Ab­leh­nungs­erklärung noch kein hal­bes Jahr fällig ge­we­sen. Der Kläger ha­be es versäumt, die­se Ansprüche in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res nach Fällig­keit ge­richt­lich gel­tend zu ma­chen. Auch in­so­weit ste­he § 19 Ziff. 3 MTV dem Ver­fall die­ser Ansprüche nicht ent­ge­gen. Nicht ver­fal­len sei­en die Ansprüche des Klägers auf Zah­lung der Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge ab Mai 2006, die der Kläger recht­zei­tig ge­richt­lich gel­tend ge­macht ha­be.

 

Der Zins­an­spruch des Klägers recht­fer­ti­ge sich aus §§ 286 Abs. 2 Nr. 1, 288 BGB in Ver­bin­dung mit § 3 Zif­fer 2 MTV.

 

Un­ter Berück­sich­ti­gung sei­ner er­spar­ten Fahrt­kos­ten ste­he dem Kläger ge­genüber der Be­klag­ten aus §§ 677, 683, 670 BGB ein An­spruch auf Er­stat­tung von Fahrt­kos­ten für 55 Fahr­ten in der Zeit vom 22.08.2006 bis zum 10.11.2006 in Höhe von 1.386,99 € nebst Zin­sen zu.

 

We­gen der Ein­zel­hei­ten der erst­in­stanz­li­chen Be­gründung wird ergänzend auf die Ent­schei­dungs­gründe des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied vom 08.09.2009 (Bl. 250 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.

 

Das ge­nann­te Ur­teil ist dem Kläger am 18.09.2009 zu­ge­stellt wor­den. Er hat hier­ge­gen mit ei­nem am 13.10.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz vom 12.10.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt, so­weit das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz- Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied die Kla­ge in Höhe von 3.604,90 € brut­to (Sonn- und Fei­er­tags­diens­te) und 1.941,79 € brut­to (Fahrt­kos­ten) ab­ge­wie­sen hat. Er hat die­se mit Schrift­satz vom 16.10.2009, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am 19.10.2009 ein­ge­gan­gen, be­gründet.

 

Der Be­klag­ten ist das ge­nann­te Ur­teil am 21.09.2009 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat hier­ge­gen mit am 20.10.2009 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz vom glei­chen Tag Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit Schrift­satz vom 23.11.2009, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt am glei­chen Tag ein­ge­gan­gen, be­gründet.

 

Zur Be­gründung sei­ner Be­ru­fung macht der Kläger nach Maßga­be des ge­nann­ten Schrift­sat­zes vom 16.10.2009 (Bl. 284 ff. d. A.) so­wie des wei­te­ren Schrift­sat­zes vom 18.12.2009 – gleich­zei­tig in Er­wi­de­rung auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten (Bl. 338 ff. d. A.), auf die je­weils ergänzend Be­zug ge­nom­men wird zu­sam­men­ge­fasst im Hin­blick auf die Zu­schläge für Sonn- und Fei­er­tags­diens­te gel­tend:

 

Die Zu­schläge für aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te im Zeit­raum Mai 2005 bis April 2006 sei­en nicht gemäß § 19 Ziff. 1 S. 2 MTV ver­fal­len. Die Ab­leh­nung der Ansprüche durch die Be­klag­te sei – wie das LAG Rhein­land-Pfalz im Ver­fah­ren 11 Sa 174/09 aus­geführt ha­be – erst­mals mit Schrei­ben vom 05.10.2006 er­folgt. Die Kla­ge­er­he­bung im No­vem­ber ha­be die drei­mo­na­ti­ge Kla­ge­frist des § 19 Nr. 2 S. 2 MTV ge­wahrt. Der Schrift­satz der Be­klag­ten vom 08.06.2006 im Ver­fah­ren Ar­beits­ge­richt Ko­blenz 11 Ca 401/06 ha­be die Frist für die Kla­ge­er­he­bung nicht aus­gelöst, da die­ses die streit­ge­genständ­li­chen Ansprüche nicht zum In­halt ge­habt ha­be. Die mit Schrei­ben vom 29.03.2006 durch den Kläger vor­ge­nom­me­ne aus­drück­li­che schrift­li­che Gel­tend­ma­chung der Ansprüche ha­be ei­ner eben­so aus­drück­li­chen Ab­leh­nung durch die Be­klag­te be­durft. Die­se Rechts­an­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts sei zu­tref­fend.

 

Der Kläger be­an­tragt nach Ab­schluss ei­nes Teil­ver­gleichs hin­sicht­lich der Fahrt­kos­ten zu­letzt,

un­ter teil­wei­ser Auf­he­bung des Ur­tei­les des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – vom 08.09.2009, Az. 5 Ca 419/09 die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len,

an den Kläger Zu­schläge für in der Zeit vom 01.05.2005 – 30.04.2006 aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te in Höhe von 3.604,90 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von je­weils 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz

aus 2.531,10 € seit dem 01.01.2006 und

aus 1.073,80 € seit dem 01.10.2006 zu zah­len.

 

Die Be­klag­te be­an­tragt,

1. das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – vom 08.09.2009 – Az. 5 Ca 419/09 ab­zuändern und die Kla­ge be­tref­fend die Zu­schläge für in der Zeit vom 01.05.2005 – 30.04.2006 aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te ab­zu­wei­sen,

2. die Be­ru­fung des Klägers - so­weit nicht durch Teil­ver­gleich vom 11. Fe­bru­ar 2010 er­le­digt - zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt wei­ter,

die Be­ru­fung der Be­klag­ten - so­weit nicht durch Teil­ver­gleich vom 11. Fe­bru­ar 2010 er­le­digt - zurück­zu­wei­sen.

 

Zur Be­gründung ih­rer Be­ru­fung und gleich­zei­tig in Er­wi­de­rung auf das Be­ru­fungs­vor­brin­gen des Klägers macht die Be­klag­te nach Maßga­be ih­res Be­ru­fungs­schrift­sat­zes vom 23.11.2009 (Bl. 322 ff. d. A.), auf den ergänzend Be­zug ge­nom­men wird, im We­sent­li­chen und zu­sam­men­ge­fasst gel­tend:

 

Der Kläger ha­be kei­nen An­spruch auf Be­zah­lung aus An­nah­me­ver­zug. Die Be­klag­te ha­be sich in der Zeit vom 01.05.2005 bis 30.06.2007 nicht mit der An­nah­me der Ar­beits­leis­tung des Klägers in Ver­zug be­fun­den. Je­den­falls nach dem 08.11.2006 ha­be der Kläger ihr sei­ne Ar­beits­leis­tung tatsächlich an­bie­ten müssen. Mit Be­ginn des Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis­ses sei die Leis­tungs­be­reit­schaft des Klägers und da­mit ein et­wai­ger An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten ent­fal­len.

 

Die gel­tend ge­mach­ten Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge sei­en nicht im Rah­men von An­nah­me­ver­zug zu be­zah­len. Es han­de­le sich nicht um Ent­gelt­be­stand­tei­le mit Lohn- bzw. Ge­haltscha­rak­ter, son­dern um ei­nen Auf­wen­dungs­er­satz. Die­se Zu­schläge würden ge­zahlt, um die Nach­tei­le, die mit dem Ver­lust des frei­en Sonn- und Fei­er­ta­ges ein­her­ge­hen, ins­be­son­de­re den Ver­lust an Frei­zeit ge­mein­sam mit der Fa­mi­lie, zu kom­pen­sie­ren. Es han­de­le sich da­bei um ei­ne Zu­la­ge, die von ih­rem Sinn und Zweck her ei­ner Schmutz­zu­la­ge, ei­nem Es­sens­zu­schuss oder ei­nem sons­ti­gen Auf­wen­dungs- oder Spe­sen­er­satz ver­gleich­bar sei. Die vom Ar­beits­ge­richt her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 14.01.2009 - 5 AZR 89/08 - ha­be ei­nen an­de­ren Sach­ver­halt be­trof­fen, da es in die­ser um die Fra­ge ge­gan­gen sei, ob Zu­schläge für Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit im Rah­men der Ent­gelt­fort­zah­lung bei Ar­beits­unfähig­keit zu be­zah­len sei­en. Der Sach­ver­halt sei in­so­weit nicht ver­gleich­bar, weil der ar­beits­unfähi­ge Ar­beit­neh­mer we­gen sei­ner Ar­beits­unfähig­keit den frei­en Sonn­tag nicht in dem dafür vor­ge­se­he­nen Er­ho­lungs­sin­ne wahr­neh­men könne, während der Ar­beit­neh­mer, der während An­nah­me­ver­zugs des Ar­beit­ge­bers von der Ar­beits­pflicht tatsächlich be­freit sei, den Sonn­tag in dem dafür be­zweck­ten Sin­ne nut­zen könne. Vor die­sem Hin­ter­grund be­ste­he kein An­lass für ei­ne Kom­pen­sa­ti­on durch ei­ne zusätz­li­che Zah­lung.

 

Die Be­klag­te ver­tei­digt die Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied – hin­sicht­lich des Ver­falls von Tei­len der Ansprüche nach § 19 Ziff. 2, S. 2 MTV als recht­lich zu­tref­fend. Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz im Ver­fah­ren 11 Sa 174/09 ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ste­he im Wi­der­spruch zu der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus dem Ur­teil vom 26.04.2006.

 

Der Kläger ver­tei­digt die An­sicht des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz – Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied -, ei­nes ge­son­der­ten An­ge­bots des Klägers bezüglich sei­ner Ar­beits­kraft ha­be es nicht be­durft, als zu­tref­fend und der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ent­spre­chend. Es kom­me al­lein dar­auf an, dass die Be­klag­te in Be­zug auf das Ar­beits­verhält­nis des Klägers Rechts­nach­fol­ge­rin der Streit­verkünde­ten zu 1. ge­wor­den sei. Außer­dem sei der Kläger mit der von ihm er­ho­be­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge un­ter­le­gen ge­we­sen, weil ein rechts­wirk­sa­mer Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te fest­ge­stellt wor­den sei, der zeit­lich vor dem Aus­spruch der Kündi­gung ge­le­gen ha­be. Er ha­be zu­dem über die bloße Kündi­gungs­schutz­kla­ge hin­aus auch noch ei­nen An­trag auf Wei­ter­beschäfti­gung gel­tend ge­macht. Es ma­che kei­nen Un­ter­schied, ob der Kläger zunächst hilfs­wei­se und nach Ab­tren­nung des Ver­fah­rens ge­gen die Be­klag­te un­be­dingt ge­gen die­se vor­ge­gan­gen sei. Ent­schei­dend sei al­lein, dass frühzei­tig ge­gen die Be­klag­te vor­ge­gan­gen wor­den sei mit dem Ziel der Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses. Außer­dem kom­me es, wenn die Zu­re­chen­bar­keit aus­rei­che, nicht mehr auf die Art der Gel­tend­ma­chung der Ansprüche an. Ei­nes er­neu­ten An­ge­bots sei­ner Ar­beits­kraft nach Be­en­di­gung des Pro­zess­rechts­verhält­nis­ses ha­be es nicht be­durft. Er sei (fi­nan­zi­ell zu Guns­ten der Be­klag­ten) sei­ner Ver­pflich­tung nach § 615 S. 2 BGB nach­ge­kom­men. Dies könne nicht zu ei­ner Un­ter­bre­chung des An­nah­me­ver­zugs führen. Auch während des Pro­zess­rechts­verhält­nis­ses sei der ge­gen die Be­klag­ten auf Wei­ter­beschäfti­gung ge­rich­te­te Ar­beits­rechts­streit be­reits und noch rechtshängig ge­we­sen. Er hätte sich, wäre er dem Pro­zess­rechts­verhält­ni­s­an­ge­bot nicht nach­ge­kom­men, sei­tens der Be­klag­ten den Vor­wurf ma­chen las­sen müssen, er ha­be nicht im Sinn des § 615 S. 2 BGB ge­han­delt.

 

Die ihm zu Guns­ten aus­ge­ur­teil­ten Beträge für „aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te“ stünden ihm auch zu. Es kom­me auf den Ge­haltscha­rak­ter der Diens­te an.

 

Auch im Übri­gen wird ergänzend auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

 

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Ak­ten Ar­beits­ge­richt Ko­blenz 3 Ca 2122/05 (LAG Rhein­land-Pfalz 11 Sa 204/06), Ar­beits­ge­richt Ko­blenz - Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied 11 Ca 401/06 (LAG Rhein­land-Pfalz 11 Sa 55/07) so­wie Ar­beits­ge­richt Ko­blenz - Auswärti­ge Kam­mern Neu­wied 5 Ca 2171/06 (LAG Rhein­land-Pfalz 11 Sa 174/09) bei­ge­zo­gen.

 

Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig. Das Rechts­mit­tel ist an sich statt­haft. Die Be­ru­fung wur­de auch form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet. Auch die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig. Das Rechts­mit­tel ist eben­falls an sich statt­haft, die Be­klag­te hat die Be­ru­fung form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet.

 

II. In der Sa­che ha­ben so­wohl die Be­ru­fung des Klägers als auch die Be­ru­fung der Be­klag­ten je­doch kei­nen Er­folg. Die Be­ru­fungs­kam­mer folgt hin­sicht­lich der Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge der zu­tref­fen­den Be­gründung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils und stellt dies gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG aus­drück­lich fest. Im Hin­blick auf das Be­ru­fungs­vor­brin­gen sind le­dig­lich die nach­fol­gen­den Ergänzun­gen ver­an­lasst:

 

Der Kläger hat ge­gen die Be­klag­te An­spruch auf Zah­lung von 4.755,40 € brut­to nebst Zin­sen für 62 in den Mo­na­ten Mai 2006 bis Ju­ni 2007 aus­ge­fal­le­ne Sonn- und Fei­er­tags­diens­te auf den ver­trag­lich ge­schul­de­ten Lohn. Die Be­klag­te haf­tet in­so­weit aus den Grundsätzen des An­nah­me­ver­zugs, §§ 615 S. 1, 293 ff., 611 Abs. 1 BGB. Für die Be­rech­nung der Lohnhöhe gilt das Lohn­aus­fall­prin­zip. Die Ansprüche des Klägers auf Zah­lung von 3.604,90 € brut­to für im Zeit­raum Mai 2005 bis April 2006 aus­ge­fal­le­ne 47 Sonn- und Fei­er­tags­diens­te sind je­doch nach § 19 MTV ver­fal­len.

 

Die Be­klag­te be­fand sich in der Zeit vom 01.05.2005 bis zum 30.06.2007 in An­nah­me­ver­zug, da sie die ihr gebühren­de Leis­tung des Klägers nicht an­ge­nom­men hat (§ 293 BGB). Auf das an sich not­wen­di­ge An­ge­bot der ge­schul­de­ten Ar­beits­leis­tung kam es gemäß § 296 BGB in­fol­ge der Frei­stel­lungs­erklärung der Streit­verkünde­ten zu 1. vom 28.04.2005 und der nach­fol­gen­den Untätig­keit so­wohl der Streit­verkünde­ten zu 1. als auch der Be­klag­ten nicht mehr an.

 

Nach § 294 BGB be­darf es grundsätz­lich ei­nes tatsächli­chen Leis­tungs­an­ge­bots, wo­nach der Schuld­ner dem Gläubi­ger die ge­schul­de­te Leis­tung zur rech­ten Zeit, am rech­ten Ort und in der rech­ten Art und Wei­se an­zu­bie­ten hat. Ein sol­ches An­ge­bot hat der Kläger im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum nicht er­bracht. § 295 S. 1. Alt. 1 BGB er­leich­tert so­dann die Vor­aus­set­zun­gen des An­nah­me­ver­zugs da­hin­ge­hend, dass, wenn der Gläubi­ger erklärt hat, die ge­schul­de­te Leis­tung nicht an­zu­neh­men, an die Stel­le des tatsächli­chen An­ge­bots ein wört­li­ches An­ge­bot tritt. Im vor­lie­gen­den Fall be­fand sich die Be­klag­te je­doch be­reits im Ver­zug mit der An­nah­me, oh­ne dass es zu des­sen Be­gründung ei­nes ei­ge­nen An­ge­bots be­durft hätte. Das er­gibt sich aus § 296 BGB. Nach die­ser Vor­schrift ist ein An­ge­bot ent­behr­lich, wenn die Leis­tungs­er­brin­gung für den Schuld­ner erst er­fol­gen kann, nach­dem der Gläubi­ger ein ihm ob­lie­gen­des Mit­wir­kungs­er­for­der­nis im Vor­hin­ein er­bracht hat. Im be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis wird die Eröff­nung ei­nes ver­trags­gemäßen Ar­beits­plat­zes, ver­bun­den mit der tagtägli­chen Zu­wei­sung der Ar­beit als zeit­lich vor­an­ge­hen­des Mit­wir­kungs­er­for­der­nis für die Ar­beits­ge­ber­sei­te be­trach­tet. Un­ter­bleibt die­se Eröff­nung des ge­schul­de­ten Ar­beits­plat­zes, so kommt der Ar­beit­ge­ber mit der An­nah­me der Ar­beits­leis­tung in Ver­zug, oh­ne dass es ei­nes An­ge­bots durch den Ar­beit­neh­mer be­darf. Die Streit­verkünde­te zu 1. stell­te den Kläger ab dem 30.04.2005, als sie noch die Ar­beit­ge­be­rin des Klägers war, ein­sei­tig von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei, hob al­so sei­ne Ar­beits­pflicht auf und ver­zich­te­te da­mit auf das An­ge­bot der Ar­beits­leis­tung. Durch die Frei­stel­lung des Ar­beit­neh­mers von der Ar­beits­pflicht wer­den – so­fern der Ar­beit­neh­mer zur Er­brin­gung der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung fähig ist - die Vor­aus­set­zun­gen des An­nah­me­ver­zugs des Ar­beit­ge­bers erfüllt, oh­ne dass es ei­nes Ar­beits­an­ge­bots des Ar­beit­neh­mers be­darf (BAG, Urt. vom 23.01.2008 – 5 AZR 393/07 – NJW 2008, 1550; LAG Rhein­land-Pfalz, Urt. vom 20.08.2009 – 11 Sa 174/09 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 96).

 

Auf­grund des Be­triebsüber­gangs auf die Be­klag­te ist die­se gemäß § 613 a Abs. 1 S. 1 BGB in die Rech­te aus dem Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Streit­verkünde­ten zu 1. ein­ge­tre­ten. Die Be­klag­te als neue In­ha­be­rin muss den ge­genüber der Streit­verkünde­ten zu 1. ein­ge­tre­te­nen An­nah­me­ver­zug ge­gen sich gel­ten las­sen. Der vollständi­ge Ein­tritt des Be­triebsüber­neh­mers in die Rech­te und Pflich­ten des bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­bers be­deu­tet nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Urt. vom 21.03.1991 – 2 AZR 577/90 – NZA 1991, 726 f. m. w. N.) nicht nur ei­ne Nach­fol­ge in recht­li­chen Be­zie­hun­gen, der Über­neh­mer muss sich auch die Ge­ge­ben­hei­ten zu­rech­nen las­sen, die als Tat­be­stands­merk­ma­le für späte­re Rechts­fol­gen von Be­deu­tung sind. Das gilt zum Bei­spiel für ein An­ge­bot, dass der Ar­beit­neh­mer ge­genüber sei­nem frühe­ren Ar­beit­ge­ber zur Be­gründung von An­nah­me­ver­zug ge­macht hat. Nichts an­de­res kann für die Frei­stel­lungs­erklärung oder die Ab­leh­nung der Ent­ge­gen­nah­me der Ar­beits­leis­tung durch den Ar­beit­ge­ber gel­ten. Dies ent­spricht dem Zweck des § 613 a BGB, der un­ter an­de­rem dar­in be­steht, ei­ne Re­ge­lung der Haf­tung des al­ten und neu­en Be­triebs­in­ha­bers zu schaf­fen. Der Ar­beit­neh­mer soll nicht ei­nes An­spruchs nur des­halb ver­lus­tig ge­hen, weil der Be­trieb über­geht, ob­wohl vor­her al­le Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen An­spruch ge­gen den al­ten In­ha­ber des Be­trie­bes ge­schaf­fen wa­ren. Aus die­sem Grund ist auch § 425 Abs. 2 BGB nicht an­wend­bar, so­fern dort auf den Ver­zug ver­wie­sen wird, denn aus dem be­son­de­ren Über­nah­me­schuld­verhält­nis im Sin­ne des § 613 a BGB er­gibt sich „et­was an­de­res“ im Sin­ne von § 425 Abs. 1 BGB. Die Be­klag­te muss dem­nach den ge­genüber der Ge­mein­schuld­ne­rin auf­grund der Frei­stel­lungs­erklä­rung ein­ge­tre­te­nen Ver­zug (§ 615 S. 1 BGB) ge­gen sich gel­ten las­sen.

 

Da der Kläger be­reits vor Aus­spruch der Kündi­gung durch die Streit­verkünde­te zu 1. von der Er­brin­gung sei­ner Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt wor­den ist, be­stand für ihn kei­ne Ver­an­las­sung, sei­ne Ar­beits­kraft bei der Be­klag­ten an­zu­bie­ten. Die Frei­stel­lung hat­te zur Fol­ge, dass die Be­klag­te auch oh­ne An­ge­bot der Ar­beits­leis­tung durch den Kläger in An­nah­me­ver­zug ge­ra­ten ist (BAG, Urt. vom 23.01.2008 – 5 AZR 393/07 – NZA 2008, 595). Es wäre Sa­che der Be­klag­ten ge­we­sen, die Frei­stel­lung rückgängig zu ma­chen und den Kläger zu Ar­beits­leis­tung auf­zu­for­dern (LAG Rhein­land-Pfalz, Urt. vom 24.05.2007 - 11 Sa 55/07 - zi­tiert nach ju­ris, Rn. 104).

 

Der An­nah­me­ver­zug der Be­klag­ten wur­de, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz be­reits im Ur­teil vom 20.08.2009 (11 Sa 174/09 – zi­tiert nach ju­ris, Rn. 99) dar­ge­legt hat, nicht durch die Auf­nah­me des Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis­ses durch den Kläger zum 01.04.2006 un­ter­bro­chen, so dass es auch nach des­sen Be­en­di­gung kei­nes Ar­beits­an­ge­bots des Klägers be­durf­te. Zwar setzt der An­nah­me­ver­zug des Ar­beit­ge­bers auch vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer zur Er­brin­gung der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Leis­tung fähig ist (§ 297 BGB). Mit der Auf­nah­me des Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis­ses bei der Streit­verkünde­ten zu 1. kam der Kläger le­dig­lich sei­ner Ver­pflich­tung aus § 615 S. 2 BGB nach.

 

Ei­nes Ar­beits­an­ge­bots des Klägers be­durf­te es gemäß § 296 BGB darüber hin­aus auch des­halb nicht, weil die Be­klag­te bis zur Wie­der­auf­nah­me der Beschäfti­gung des Klägers das Vor­lie­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs und da­mit das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en be­strit­ten und sich aus die­sem Grun­de ge­wei­gert hat­te, dem Kläger ei­nen Ar­beits­platz zur Verfügung zu stel­len und ihm Ar­beit zu­zu­wei­sen. Nach ei­ner Ab­leh­nungs­erklärung des Gläubi­gers ist zwar gemäß § 295 BGB zu­min­dest ein wört­li­ches An­ge­bot des Schuld­ners wei­ter­hin er­for­der­lich. Des­sen be­darf es je­doch dann nicht, wenn of­fen­kun­dig ist, dass der Gläubi­ger auf sei­ner Ab­leh­nung be­har­ren wird. In ei­nem sol­chen Fall wäre selbst ein förm­li­ches An­ge­bot nur Förme­lei. Auf sein Feh­len ver­mag sich der Gläubi­ger dann nicht zu be­ru­fen (BAG, Urt. vom 18.09.2002 – 1 AZR 668/01 – BB 2003, 740, 742). Da­mit erübrigt sich ein Ar­beits­kraft­an­ge­bot des Ar­beit­neh­mers je­den­falls dann, wenn der Ar­beit­ge­ber zu­vor ein­deu­tig zum Aus­druck ge­bracht hat, er wer­de den Ar­beits­platz nicht zur Verfügung stel­len. Im vor­lie­gen­den Fall hat­te die Be­klag­te deut­lich ge­macht, die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs lägen nicht vor, sie sei mit­hin nicht zur Beschäfti­gung des Klägers ver­pflich­tet.

 

Die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge wa­ren von der Be­klag­ten auch im Rah­men des An­nah­me­ver­zugs ge­schul­det. Während des An­nah­me­ver­zugs behält der Ar­beit­neh­mer sei­nen ver­trag­li­chen An­spruch auf die Vergütung, oh­ne zur Nach­leis­tung ver­pflich­tet zu sein. Die­ser um­fasst die Brut­to­vergütung nach dem Lohn­aus­fall­prin­zip. Der Ar­beit­neh­mer muss so ge­stellt wer­den, als hätte er während des An­nah­me­ver­zugs wei­ter­ge­ar­bei­tet. Zu der ge­schul­de­ten Vergütung gehören al­le Leis­tun­gen mit Ent­gelt­cha­rak­ter, die dem Ar­beit­neh­mer mit Rück­sicht auf das Ar­beits­verhält­nis zu­fließen. Da­zu gehören auch ta­rif­li­che Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge. An­ders als Zu­la­gen, die ei­ne be­stimm­te rea­le Mehr­be­las­tung ab­gel­ten sol­len, wie et­wa Schmutz­zu­la­gen, Es­sens­zuschüsse, Auf­wen­dungs- oder Spe­sen­er­satz, ha­ben die­se Zu­schläge Ent­gelt­cha­rak­ter. Zwar stel­len auch sie ei­nen Aus­gleich für er­schwer­te Ar­beits­be­din­gun­gen dar und kom­pen­sie­ren die Nach­tei­le, die mit dem Ver­lust an Frei­zeit bei­spiels­wei­se ge­mein­sam mit der Fa­mi­lie ein­her­ge­hen. Sie fal­len aber nicht nur an, wenn tatsäch­lich Sonn- oder Fei­er­tags­ar­beit ge­leis­tet wur­de. Der An­spruch auf sie er­lischt auch dann nicht, wenn der Ar­beit­neh­mer zu den be­tref­fen­den Zei­ten kei­ne Ar­beits­leis­tung er­bringt. Et­was an­de­res gilt nur dann, wenn die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en selbst dies ver­ein­bart ha­ben (BAG, Urt. vom 18.09.2002 – 1 AZR 668/01 – BB 2003, 740, 742 für ta­rif­li­che Spät- und Nach­zu­schläge). Der Ent­gelt­cha­rak­ter die­ser Zu­schläge wird auch da­durch deut­lich, dass die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en – wie sich aus § 8 Ziff. 2 MTV er­gibt – da­von aus­ge­gan­gen sind, dass die­se Zu­schläge auch pau­scha­liert im Rah­men der Ge­halts­ver­ein­ba­rung ab­ge­gol­ten wer­den können.

 

Ent­spre­chend den mit der Be­ru­fung nicht an­ge­grif­fe­nen Ausführun­gen des Ar­beits­ge­richts hat der Kläger le­dig­lich An­spruch auf Zah­lung der Zu­schläge als Brut­to-, nicht je­doch als Net­to­be­trag.

 

Wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend dar­ge­legt hat, ist der An­spruch des Klägers auf Zah­lung der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Vergütung für die Zeit vom 01.05.2005 bis zum 30.04.2006 je­doch ver­fal­len, § 19 MTV. § 19 MTV fin­det auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung auf das Ar­beits­verhält­nis An­wen­dung. Nach die­ser Ta­rif­norm sind nicht erfüll­te Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis in ers­ter Stu­fe in­ner­halb drei­er Mo­na­te nach Fällig­keit gel­tend zu ma­chen (§ 19 Ziff. 1 S. 1 MTV). Wer­den die­se Ansprüche von der Ge­gen­sei­te schrift­lich ab­ge­lehnt, müssen die Ansprüche in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res nach Fällig­keit ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den (2. Stu­fe, § 19 Ziff. 1 S. 2). Wird der gel­tend ge­mach­te An­spruch je­doch (erst) nach Ab­lauf ei­nes hal­ben Jah­res nach Fällig­keit ab­ge­lehnt, so muss die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung bin­nen 3 Mo­na­ten nach Zu­gang der schrift­li­chen Ab­leh­nung er­fol­gen (§ 19 Ziff. 2 S.2 MTV).

 

Der Kläger hat sei­ne, gemäß § 3 Nr. 2 MTV am Letz­ten ei­nes je­den Mo­nats fälli­gen Sonn- und Fei­er­tags­zu­schläge durch Schrei­ben des Deut­schen Jour­na­lis­ten­ver­bands vom 05.07.2005 gel­tend ge­macht. Wei­te­re Gel­tend­ma­chun­gen er­folg­ten sei­tens des Klägers durch Schrei­ben vom 29.03.2006 aus­drück­lich hin­sicht­lich der Ent­gelt­ansprüche für die Mo­na­te Ja­nu­ar, Fe­bru­ar und März 2006, je­weils in Höhe des Grund­ge­hal­tes, und durch Schrei­ben vom 18.09.2006. Des Wei­te­ren er­wei­ter­te der Kläger sei­ne ge­gen die Streit­verkünde­te zu 1. ge­rich­te­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit Schrift­satz vom 23.12.2005, zu­ge­stellt an die Be­klag­te am 28.12.2005, hilfs­wei­se ge­gen die Be­klag­te mit dem Ziel der Wei­ter­beschäfti­gung durch die­se. Eben­so wie nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­ne form­lo­se oder schrift­li­che Gel­tend­ma­chung auch durch ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge je­den­falls hin­sicht­lich der wäh­rend des Ver­fah­rens fällig wer­den­den und von sei­nem Aus­gang abhängi­gen Ent­gelt­ansprüche ge­wahrt wird, muss dies auch für Fest­stel­lungs­kla­gen im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Be­triebsüber­gang gel­ten (Weyand, Aus­schluss­fris­ten im Ta­rif­recht, Kap. 6 Rn. 107 f.).

 

Der Wirk­sam­keit der Gel­tend­ma­chung durch den Kläger durch das Schrei­ben vom 05.07.2005 steht nicht ent­ge­gen, dass sie zum Teil vor der Fällig­keit der Ansprüche er­folg­te. Im Re­gel­fall wahrt die Gel­tend­ma­chung vor Fällig­keit die ers­te Stu­fe der Aus­schluss­frist. Ein Grund, dem Gläubi­ger ei­ne ver­frühte Gel­tend­ma­chung zu ver­weh­ren, be­steht nicht. Ins­be­son­de­re für Ent­gelt­ansprüche, die auch als An­nah­me­ver­zug­s­ent­gelt mo­nat­lich fällig wer­den, würde mit der Ver­pflich­tung et­wa zur mo­nat­li­chen Gel­tend­ma­chung ein For­ma­lis­mus zur Re­gel ge­macht wer­den, der ent­behr­lich ist, weil er das Ver­fah­ren büro­kra­ti­siert, oh­ne dass dies dem Schuld­ner von Nut­zen ist. Auch wird die Warn­funk­ti­on durch ei­ne ver­frühte Gel­tend­ma­chung nicht be­ein­träch­tigt.

 

Die Be­klag­te lehn­te die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Ansprüche je­doch mit Schrift­satz vom 08.06.2006 im Rechts­streit Ar­beits­ge­richt Ko­blenz 11 Ca 401/06, dem Kläger zu­ge­stellt spätes­tens En­de Ju­ni 2006 so­wie durch Schrei­ben vom 05.10.2006 ab. Die Recht­spre­chung (vgl. nur BAG, Urt. vom 21.03.1991 – 2 AZR 577/90 – NZA 1991, 726, 727) setzt den Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren mit ei­ner Ab­leh­nungs­erklärung des mit ei­ner (Kündi­gungs­schutz-) Kla­ge gel­tend ge­mach­ten An­spruchs gleich. Mit dem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag gibt der Ar­beit­ge­ber zu er­ken­nen, dass er die Kla­ge nicht für ge­recht­fer­tigt hält und et­wai­ge Ent­gelt­ansprüche nicht be­glei­chen möch­te. Nichts an­de­res gilt für den (an­gekündig­ten) Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag hin­sicht­lich der Kla­ge auf Wei­ter­beschäfti­gung. Auch in­so­weit macht der Ar­beit­ge­ber deut­lich, dass er et­wai­ge aus dem Be­triebsüber­gang re­sul­tie­ren­de Ansprüche nicht zu erfüllen be­ab­sich­tigt. Dem ste­hen die Ausführun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz in sei­nem Ur­teil vom 20. Au­gust 2009 – 11 Sa 174/09 – nicht ent­ge­gen. So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­geführt hat, der Schrift­satz der Be­klag­ten vom 08.06.2006 im Ver­fah­ren 11 Ca 401/06 ha­be die Frist für die Kla­ge­er­he­bung nicht aus­gelöst, weil es die streit­ge­genständ­li­chen Ansprü­che nicht zum In­halt ge­habt hat, hat es zur Be­gründung dar­auf hin­ge­wie­sen, die mit Schrei­ben vom 29.03.2006 durch den Kläger vor­ge­nom­me­ne aus­drück­li­che Gel­tend­ma­chung der Ansprüche ha­be ei­ner eben­so aus­drück­li­chen Ab­leh­nung durch die Be­klag­te be­durft. Im vor­lie­gen­den Fall sind die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche je­doch nicht aus­drück­lich gel­tend ge­macht wor­den, da sich das Schrei­ben vom 29.03.2006 aus­drück­lich nur auf „die un­se­rem Man­dan­ten Ih­nen ge­genüber ge­ge­be­nen­falls zu­ste­hen­den Ent­gelt­ansprüche für die Mo­na­te Ja­nu­ar, Fe­bru­ar und März 2006 in Höhe ei­nes Grund­ge­hal­tes von je­weils 4.343,00 €“ be­zieht und die Be­klag­te auf­for­dert, die­se Beträge zur Aus­zah­lung zu brin­gen.

 

Auf­grund der Ab­leh­nung der Ansprüche durch die Be­klag­te spätes­tens En­de Ju­ni 2006 hätte der Kläger sei­ne Ansprüche für die Mo­na­te Mai 2005 bis ein­sch­ließlich No­vem­ber 2005 (fällig am 30.11.2005) spätes­tens bis zum 30.09.2006 ge­richt­lich gel­tend ma­chen müssen (§ 19 Ziff. 2 S. 2 MTV). Die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung durch den Kläger er­folg­te je­doch erst mit der Kla­ge­schrift vom 16.11.2006, bei Ge­richt ein­ge­gan­gen am 20.11.2006 und der Be­klag­ten zu­ge­stellt un­ter dem 22.11.2006. Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren die Ansprüche für die Mo­na­te Mai 2005 bis No­vem­ber 2005 be­reits ver­fal­len.

 

Die Ansprüche für die Zeit von De­zem­ber 2005 bis ein­sch­ließlich April 2006 hätten vom Kläger in­fol­ge der Ab­leh­nung durch die Be­klag­te bin­nen 6 Mo­na­ten nach ih­rer Fällig­keit ge­richt­lich gel­tend ge­macht wer­den müssen, al­so die Ansprüche für De­zem­ber 2005 bis zum 30.06.2006, die­je­ni­gen für Ja­nu­ar 2006 bis zum 31.07.2006, für Fe­bru­ar 2006 bis zum 31.08.2006, für März 2006 bis zum 30.09.2006 so­wie für April 2006 bis zum 31.10.2006. Auch in­so­weit er­folg­te die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung durch den Kläger erst mit der Kla­ge vom 16.11.2006.

 

Der Kläger kann sich - wie das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend fest­ge­stellt hat - in­so­weit auch nicht auf § 19 Nr. 3 MTV be­ru­fen.

 

Da­ge­gen hat der Kläger sei­ne Ansprüche für den Zeit­raum ab Mai 2006 recht­zei­tig ge­richt­lich gel­tend ge­macht, nämlich die Ansprüche für die Mo­na­te Mai bis Sep­tem­ber 2006 durch die Kla­ge vom 16.11.2006, bei Ge­richt ein­ge­gan­gen am 20.11.2006, die Ansprüche für Ok­to­ber und No­vem­ber 2006 durch die Kla­ge­er­wei­te­rung vom 30.11.2006, bei Ge­richt ein­ge­gan­gen am 04.12.2006, die Ansprüche für De­zem­ber 2006 bis April 2007 durch Kla­ge­er­wei­te­rung mit Schrift­satz vom 25.05.2007, bei Ge­richt ein­ge­gan­gen am 30.05.2007 so­wie für die Mo­na­te Mai und Ju­ni 2007 durch die Kla­ge­er­wei­te­rung vom 09.07.2007, beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am 13.07.2007.

 

So­weit der Kläger sei­ne Ansprüche recht­zei­tig in­ner­halb der 2. Stu­fe der Aus­schluss­frist des § 19 MTV ge­richt­lich gel­tend ge­macht sind, sind sei­ne Ansprüche auch nicht ver­wirkt.

 

Der Zins­an­spruch des Klägers folgt aus §§ 286 Abs. 2 Nr. 1, 288 BGB in Ver­bin­dung mit § 3 Ziff. 2 MTV.

 

Die Be­ru­fun­gen bei­der Par­tei­en wa­ren da­her zurück­zu­wei­sen.

 

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 97 Abs. 1, 92 Abs. 1 ZPO.

Für die Zu­las­sung der Re­vi­si­on war an­ge­sichts der ge­setz­li­chen Kri­te­ri­en des § 72 ArbGG kei­ne Ver­an­las­sung ge­ge­ben.

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