Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Annahmeverzugslohn: Zwischenverdienst
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 13 Sa 70/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 06.05.2010
   
Leit­sätze: Ent­ge­gen der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (zu­letzt BAG 22.11.2005 - 1 AZR 407/04 - NZA 2006, 736) ist bei der An­rech­nung an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes kei­ne Be­rech­nung über die ge­sam­te Dau­er des An­nah­me­ver­zugs durch­zuführen, son­dern ei­ne sol­che nach Zeit­ab­schnit­ten.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Mönchengladbach, Urteil vom 19.11.2009, 4 Ca 2793/09
   

13 Sa 70/10

4 Ca 2793/09
Ar­beits­ge­richt Mönchen­glad­bach  

Verkündet

am 06. Mai 2010

Wil­den Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

D. C., C. Str. 24, S.,

- Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt N. X.,
L. str. 61, E.,

g e g e n

Om­ni­bus­se Q. GmbH, ver­tre­ten durch den Geschäftsführer H. Q., S. str. 6, O.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte T. T. u. a.,
T. str. 1, E.,

hat die 13. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 06.05.2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Nübold als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ge­lißen und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Wit­tich

für R e c h t er­kannt:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach vom 19.11.2009 – 4 Ca 2793/09 – ab­geändert, so­weit dem Kläger in Zif­fer 3 Zin­sen für das Grund­ge­halt für Ok­to­ber 2009 vor dem 01.11.2009 zu­ge­spro­chen wor­den sind. In­so­weit wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Im Übri­gen wird die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens hat die Be­klag­te zu tra­gen.

 

- 2 -

Die Re­vi­si­on wird für die Be­klag­te be­zo­gen auf die Zah­lungs­ansprüche zu­ge­las­sen.

Im Übri­gen wird die Re­vi­si­on nicht zu­ge­las­sen.

T A T B E S T A N D :

Die Par­tei­en strei­ten über den Fort­be­stand ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses.

Der am 25. Mai 1944 ge­bo­re­ne Kläger war bei der Be­klag­ten seit 1999 in zwi­schen den Par­tei­en im Ein­zel­nen strei­ti­gen Um­fang zunächst als (Aus­hilfs-) Om­ni­bus­fah­rer tätig. Je­den­falls zeit­wei­se mel­de­te die Be­klag­te den Kläger als ge­ringfügig Beschäftig­ten an. Am 29. Fe­bru­ar 2008 schlos­sen die Par­tei­en ei­nen Ar­beits­ver­trag, der u.a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen enthält:

§ 1 Be­ginn / Tätig­keits­be­reich / Tätig­keits­vor­aus­set­zun­gen

Der Ar­beit­neh­mer wird mit Wir­kung vom 01.03.2008 als Om­ni­bus­fah­rer ein­ge­stellt. Das Ar­beits­verhält­nis ist vor­erst be­fris­tet bis zum 28.02.2010...

§ 4 Kündi­gungs­fris­ten / Hin­weis

Je­de Kündi­gung be­darf der Schrift­form. Das Ar­beits­verhält­nis en­det, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf, spätes­tens mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Mit­ar­bei­ter das Ein­tritts­al­ter der ge­setz­li­chen Al­ters­ren­te er­reicht hat...

§ 5 Vergütung

Der St­un­den­lohn beträgt 10,01 €. Für im Mo­nat durch­schnitt­lich zu leis­ten­de 180 St­un­den wird ein Grund­ge­halt von 1.801,80 € ge­zahlt...

...

§ 14 Be­son­de­re Ver­ein­ba­run­gen

Die St­un­den­lohn erhöht sich ab dem 01.10.2008 um 2 %

 

- 3 -

Auf den In­halt des Ver­tra­ges im Übri­gen (Blatt 4 ff. d. A.) wird ver­wie­sen.

Im Mai 2009 ver­ur­sach­te der Kläger ei­ne Beschädi­gung an dem von ihm ge­fah­re­nen Bus. In der Fol­ge­zeit strit­ten die Par­tei­en darüber, ob und in wel­cher Höhe sich der Kläger an der Selbst­be­tei­li­gung der Be­klag­ten im Rah­men ih­rer Kas­ko­ver­si­che­rung zu be­tei­li­gen ha­be. Am 29. Ju­ni 2009 gab der Kläger nach Auf­for­de­rung durch die Be­klag­te die ihm über­las­se­nen Schlüssel des Fahr­zeugs und der Be­triebs­gebäude so­wie die Tank­kar­te ab. Auf münd­li­che und schrift­li­che An­ge­bo­te des Klägers, sei­ner Ar­beit nach­zu­kom­men, ging die Be­klag­te nicht ein. In der Ab­rech­nung des Klägers für Mai 2009 - da­tie­rend vom 23. des Mo­nats - ist die Spal­te „Aus­tritt“ nicht aus­gefüllt. Ei­ne Ab­mel­dung des Klägers bei der So­zi­al­ver­si­che­rung er­folg­te zu die­sem Zeit­punkt nicht. Seit dem 1. Ju­ni 2009 be­zieht der Kläger ei­ne Al­ters­ren­te. Am 2. Ju­ni 2009 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en für den Fol­ge­tag ein Gespräch über die Mo­da­litäten der/ei­ner wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit, des­sen In­halt im Ein­zel­nen strei­tig ist. Un­ter dem 29. Ju­ni 2009 er­teil­te die Be­klag­te dem Kläger ei­ne Ab­rech­nung für Ju­ni 2009. Dort ist als „Ein­tritt“ der 1. März 2008 ver­merkt. Die Spal­te „Aus­tritt“ ist nicht aus­gefüllt. Erst in ei­ner wei­te­ren Ab­rech­nung vom 27. Ju­li 2009 ist als Aus­tritt der 30. Ju­ni 2009 ver­merkt. In der Zeit vom 4. bis zum 26. Ju­ni 2009 leis­te­te der Kläger min­des­tens 175,5 Ar­beits­stun­den. In der Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung für 2009 vom 27. Ju­li 2009 ist als „Dau­er des Dienst­verhält­nis­ses“ der Zeit­raum 1. Ja­nu­ar bis 30. Ju­ni 2009 an­ge­ge­ben. Im Ju­li 2009 er­ziel­te der Kläger ei­nen an­der­wei­ti­gen Ver­dienst in Höhe von 887,66 € und im Au­gust 2009 in Höhe von 1.888,73 €.

Mit sei­ner am 17. Au­gust 2009 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat sich der Kläger ge­gen ei­ne münd­li­che Kündi­gung der Be­klag­ten vom 29. Ju­ni 2009 ge­wandt so­wie die Fest­stel­lung be­gehrt, das Ar­beits­verhält­nis be­ste­he fort und en­de nicht auf­grund der zum 28. Fe­bru­ar 2010 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung. Da­ne­ben hat er An­nah­me­ver­zugs­ansprüche für den Zeit­raum 1. Ju­li bis 31. Ok­to­ber 2009 in Höhe von je­weils 1.801,80 € brut­to gel­tend ge­macht. Der Kläger hat be­haup­tet, bei dem Gespräch An­fang Ju­ni 2009 sei man sich

 

- 4 -

ei­nig ge­we­sen, dass der Kläger für die Be­klag­te zu den bis­he­ri­gen Kon­di­tio­nen wei­ter fah­re.

Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, vor dem 1. März 2008 ha­be zwi­schen den Par­tei­en kein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den. Dem Kläger ha­be es je­weils frei ge­stan­den, ei­ne An­fra­ge ab­zu­leh­nen. Sie hat be­haup­tet, der Kläger ha­be am 2. Ju­ni 2009 auf die Fra­ge, ob er be­reit sei, trotz des Ren­ten­be­ginns bei der Be­klag­ten ge­le­gent­lich Om­ni­bus zu fah­ren, geäußert, er be­fin­de sich in Ren­te; über die Mo­da­litäten ei­ner wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit müsse des­halb zunächst ei­ne Ver­ein­ba­rung ge­trof­fen wer­den. Am 3. Ju­ni 2009 hätten die Par­tei­en dann ver­ein­bart, dass der Kläger künf­tig auf St­un­den­ba­sis ar­bei­te, wo­bei er sich von Fall zu Fall ha­be aus­su­chen können, ob er ei­nen kon­kre­ten Fahr­auf­trag an­neh­me; die Be­klag­te wer­de den Kläger in den Kreis der Aus­hilfs­fah­rer auf­neh­men, mit de­nen un­re­gelmäßig und für je­de ein­zel­ne Fahrt ei­ne Zu­sam­men­ar­beit ver­ein­bart wer­de.

Mit Ur­teil vom 19. No­vem­ber 2009 – auf des­sen In­halt im Ein­zel­nen ver­wie­sen wird – hat das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über den 31. Mai 2009 hin­aus fort­be­steht und auch nicht durch die Be­fris­tung zum 28. Fe­bru­ar 2010 be­en­det wird. Es hat un­ter Be­zug auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 16. April 2008 (– 7 AZR 132/07 – NZA 2008, 876) an­ge­nom­men, die (Al­ters-) Be­fris­tung zum 31. Mai 2009 im Ver­trag vom 29. Fe­bru­ar 2008 sei als über­ra­schen­de Klau­sel nach § 305 c Abs. 1 BGB un­wirk­sam. Die Be­fris­tung zum 28. Fe­bru­ar 2010 schei­te­re am An­schluss­ver­bot des § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG, da be­reits zu­vor im Rah­men der Aus­hilfstätig­keit ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en be­stan­den ha­be. Über­dies hat es die Be­klag­te un­ter Ab­wei­sung im Übri­gen zur Zah­lung von 914,14 € brut­to für Ju­li 2009 und für je­weils 1.801,80 € brut­to für Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2009 ver­ur­teilt. Das Ur­teil ist der Be­klag­ten am
21. De­zem­ber 2009 zu­ge­stellt wor­den. Mit ei­nem am 12. Ja­nu­ar 2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz hat sie Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum
22. März 2010 – am 19. März 2010 be­gründet.

 

- 5 -

Un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens wen­det sie sich ge­gen die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts. Sie be­haup­tet über­dies, der bei ihr für Ar­beits­verhält­nis­se zuständi­ge Zeu­ge I. ha­be dem Kläger zwei bis drei Ta­ge vor dem 29. Fe­bru­ar 2008 zwei nicht un­ter­zeich­ne­te Aus­fer­ti­gun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges über­ge­ben, da­mit die­ser sich ihn in Ru­he durch­le­sen könne. Am 29. Fe­bru­ar 2008 ha­be der Kläger dem Zeu­gen erklärt, ihm sei bei der Durch­sicht des Ver­tra­ges auf­ge­fal­len, dass dort ei­ner­seits von ei­ner Be­fris­tung bis zum 28. Fe­bru­ar 2010 und an­de­rer­seits von ei­ner sol­chen bei Er­rei­chen der Al­ters­ren­te die Re­de sei. Länger als bis zu letz­te­rem En­de Mai 2009 wol­le er nicht fest an­ge­stellt ar­bei­ten. Er ge­he von ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31. Mai 2009 aus. Dies ha­be der Zeu­ge I. bestätigt. Dar­auf­hin ha­be der Kläger erklärt, § 1 Satz 2 des Ar­beits­ver­tra­ges müsse des­halb nicht aus­drück­lich geändert wer­den. Im An­schluss dar­an hätten bei­de die Ver­trags­entwürfe un­ter­zeich­net.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Mönchen­glad­bach vom 19. No­vem­ber 2009 – 4 Ca 2793/09 – die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Zum Zu­stan­de­kom­men des Ver­tra­ges vom 29. Fe­bru­ar 2008 hat er be­haup­tet, die­ser sei ihm erst an die­sem Tag zur Durch­sicht vor­ge­legt wor­den. Er ha­be mit dem Zeu­gen I. aus­sch­ließlich über die Höhe des St­un­den­lohns ver­han­delt. Über die Be­fris­tun­gen sei nicht ge­spro­chen wor­den.

Die Be­ru­fungs­kam­mer hat Be­weis er­ho­ben durch Ver­neh­mung des Zeu­gen I.. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 6. Mai 2010 ver­wie­sen.

 

- 6 -

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

I.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig, ins­be­son­de­re un­ter Be­ach­tung der Vor­ga­ben der §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG in Ver­bin­dung mit § 520 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II.

Die Be­ru­fung bleibt je­doch weit­ge­hend oh­ne Er­folg, da die Kla­ge mit Aus­nah­me ei­nes Teils der Zins­for­de­rung be­gründet ist.

1.
Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat nicht am 31. Mai 2009 auf­grund der Al­ters­be­fris­tung in § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges sein En­de ge­fun­den.

Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt un­ter Her­an­zie­hung der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ins­be­son­de­re in der Ent­schei­dung vom 16. April 2008 (- 7 AZR 132/07 - NZA 2008, 876) an­ge­nom­men, dass die in § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te­ne Be­fris­tung ei­ne über­ra­schen­de Klau­sel dar­stellt, die nach § 305 c Abs. 1 BGB nicht Ver­trags­in­halt ge­wor­den ist. Die Be­ru­fungs­an­grif­fe der Be­klag­ten blei­ben im Er­geb­nis er­folg­los.

Al­ler­dings läge auf der Grund­la­ge des Be­ru­fungs­vor­brin­gens der Be­klag­ten kei­ne über­ra­schen­de Klau­sel vor. Ver­trags­in­hal­te, mit de­nen der Ar­beit­neh­mer zwar im All­ge­mei­nen nicht zu rech­nen braucht, die er aber auf­grund der Umstände des Ein­zel­falls po­si­tiv kennt und ver­steht, sind nicht über­ra­schend iSd. § 305 c Abs. 1 BGB (H/W/K-Gott­hardt 3. Aufl. § 305 c BGB RN 4). Nach den Be­haup­tun­gen der Be­klag­ten hat der Kläger die Al­ters­be­fris­tung in § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges trotz der druck­tech­nisch her­vor­ge­ho­be­nen da­tumsmäßigen Be­fris­tung in § 1 des Ver­tra­ges er­kannt, die­sen Um­stand mit dem für die Be­klag­te han­deln­den Zeu­gen I. be­spro­chen und sich mit die­sem auf das

 

- 7 -

Aus­schei­den auf­grund Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters verständigt. Da­nach wäre ei­ne Über­rum­pe­lung des Klägers aus­ge­schlos­sen. Nach dem Er­geb­nis der durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me konn­te die Be­ru­fungs­kam­mer den ge­nann­ten be­haup­te­ten Sach­ver­halt je­doch nicht fest­stel­len.

§ 286 ZPO legt dem Ge­richt auf, von der Wahr­heit der zu be­wei­sen­den Tat­sa­che über­zeugt zu sein. Da­nach hat das Ge­richt un­ter Berück­sich­ti­gung des ge­sam­ten In­hal­tes der Ver­hand­lung und des Er­geb­nis­ses ei­ner Be­weis­auf­nah­me zu ent­schei­den, ob ei­ne tatsächli­che Be­haup­tung für wahr zu er­ach­ten ist oder nicht. Die nach § 286 ZPO er­for­der­li­che Über­zeu­gung des Rich­ters ver­langt kei­ne un­umstößli­che Ge­wiss­heit und kei­ne "an Si­cher­heit gren­zen­de Wahr­schein­lich­keit", son­dern nur ei­nen für das prak­ti­sche Le­ben brauch­ba­ren Grad von Ge­wiss­heit, der ver­blei­ben­den Zwei­feln Schwei­gen ge­bie­tet (ständi­ge Recht­spre­chung vgl. bei­spiels­wei­se BGH 28. Ja­nu­ar 2003 - VI ZR 139/02 - MDR 2003, 566 mwN; sie­he auch BAG 17. Fe­bru­ar 2000 - 2 AZR 927/98 - RZK I 6 e Nr. 20; BAG 19. Fe­bru­ar 1997 – 5 AZR 747/93 - NZA 1997, 705). Ei­ne ab­so­lu­te, über je­den denk­ba­ren Zwei­fel er­ha­be­ne Ge­wiss­heit braucht nicht ge­won­nen zu wer­den. Zu berück­sich­ti­gen ist der ge­sam­te Streitstoff.

Zwar hat der Zeu­ge I. die we­sent­li­chen Umstände des Be­klag­ten­vor­trags bestätigt. Die Be­ru­fungs­kam­mer hat je­doch durch­grei­fen­de Zwei­fel an der Glaubwürdig­keit des Zeu­gen, so dass je­den­falls der er­for­der­li­che Grad an Ge­wiss­heit für den be­klag­ten­seits vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt nicht be­steht. Die Zwei­fel der Kam­mer rühren zunächst da­her, dass der Zeu­ge be­reits in sei­ner ers­ten Sach­ver­halts­schil­de­rung of­fen­sicht­lich bemüht war, Plau­si­bi­litätstat­sa­chen zu erwähnen, nämlich zum ei­nen den Um­stand, dass der Kläger bemüht ge­we­sen sei, „vor der Ren­te möglichst noch ein so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Ar­beits­verhält­nis“ zu ha­ben, und zum an­de­ren den Fak­tor, er ha­be ei­ne Be­fris­tung in den Ver­trag auf­ge­nom­men, so wie er „es for­mu­larmäßig im­mer ma­che“. Sei­ne Be­kun­dun­gen wirk­ten wie ei­ne aus­wen­dig ge­lern­te Ar­gu­men­ta­ti­on. Der Zeu­ge hat über­dies in kei­ner Wei­se erklären können, wes­halb er bei ei­nem Ar­beit­neh­mer, wel­cher nach sei­nen Be­kun­dun­gen aus­drück­lich nur noch im Zeit­raum bis zur Ren­te ar­bei­ten woll­te, den­noch die erst später

 

- 8 -

wir­ken­de da­tumsmäßige Be­fris­tung auf­ge­nom­men hat. Sei­ne Ein­las­sung, er ha­be ge­wusst, dass der Kläger die Al­ters­ren­te vor­her er­rei­chen würde, ha­be sich aber kei­ne Ge­dan­ken ge­macht, dass dies scha­den könne, erklärt nicht den Um­stand, wes­halb er sich die Mühe ge­macht hat, die aus sei­ner Sicht gänz­lich überflüssi­ge da­tumsmäßige Be­fris­tung über­haupt aus­zufüllen. Es er­scheint auch we­nig plau­si­bel, dass der Zeu­ge die an­geb­lich vom Kläger ge­nau­so wie den Lohn an­ge­spro­che­ne Da­tums­be­fris­tung trotz der Klau­sel über Ne­ben­ab­re­den in § 12 des Ver­tra­ges nicht aus dem Ver­trag ent­fernt hat, ob­wohl die An­fer­ti­gung ei­nes neu­en Aus­drucks un­pro­ble­ma­tisch möglich ge­we­sen wäre. Be­zeich­nen­der­wei­se hat der Zeu­ge im wei­te­ren Ver­lauf der Be­weis­auf­nah­me den Sach­ver­halt anläss­lich der Fra­ge, wie es zu dem Gespräch ge­kom­men ist, spon­tan in sei­nem Ab­lauf zu­sam­men­ge­fasst dar­ge­stellt, den frag­li­chen Sach­ver­halts­teil - das An­spre­chen der Be­fris­tung - je­doch un­erwähnt ge­las­sen (Sei­te 5 Mit­te der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 6. Mai 2010). Ent­spre­chen­des fin­det sich am En­de der ein­lei­ten­den Sach­ver­halts­schil­de­rung durch den Zeu­gen (Sei­te 6 un­ten der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 6. Mai 2010). Auch hier folgt auf das Aus­dru­cken des im Lohn ab­geänder­ten Ent­wurfs un­mit­tel­bar die Un­ter­zeich­nung. Sch­ließlich hat der Zeu­ge I. über­deut­lich die ihm vom Be­klag­ten­ver­tre­ter zu­ge­spiel­te „Vor­la­ge“ ge­nutzt, ob er dem Kläger aus­drück­lich ge­sagt ha­be, es könne nun­mehr sei­nem Wunsch nach ei­ner Fest­an­stel­lung bis zur Ren­te nach­ge­kom­men wer­den. Sein spon­ta­nes „Ja si­cher“ zeigt, dass er sei­nen Sach­ver­halt plau­si­bel ma­chen woll­te. Über­dies hat der Zeu­ge die­sen Sach­ver­halts­teil we­der bei sei­ner ein­lei­ten­den Sach­ver­halts­schil­de­rung noch bei der Wie­der­ho­lung am En­de der Be­weis­auf­nah­me erwähnt.

Die Zwei­fel der Be­ru­fungs­kam­mer an der Glaubwürdig­keit des Zeu­gen wer­den zu­dem durch wei­te­re Umstände bestätigt.

Der Kläger hat­te sich erst­in­stanz­lich be­reits mit Schrift­satz vom 22. Ok­to­ber 2009 un­ter Be­zug­nah­me auf das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 16. April 2008 (- 7 AZR 132/07 - aaO) ausführ­lich auf die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung un­ter dem Ge­sichts­punkt der feh­len­den Trans­pa­renz be­ru­fen. In der Er­wi­de­rung hier­zu im Schrift­satz vom 9. No­vem­ber 2009 geht die Be­klag­te

 

- 9 -

aus­sch­ließlich dar­auf ein, die Par­tei­en hätten ei­ne Abände­rung der Ver­trags­be­din­gun­gen nach dem 31. Mai 2009 ver­ein­bart. Ob­wohl der Kläger in sei­nem Schrift­satz vom 16. No­vem­ber 2009 dar­auf hin­wies, die Be­klag­te ha­be sich mit der zi­tier­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht aus­ein­an­der­ge­setzt, hat die Be­klag­te erst­in­stanz­lich – trotz An­we­sen­heit des Zeu­gen I. im Ter­min am 19. No­vem­ber 2009 – den be­haup­te­ten Ab­lauf der Ver­trags­ver­hand­lun­gen im Fe­bru­ar 2008 mit kei­nem Wort vor­ge­tra­gen.

Über­dies enthält die Ab­rech­nung über den Lohn des Klägers für Mai 2009 kein Aus­tritts­da­tum. Wenn die Par­tei­en, wie der Zeu­ge be­kun­det hat, von Be­ginn an als völlig selbst­verständ­lich da­von aus­ge­gan­gen wären, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht über den Ren­ten­be­ginn des Klägers En­de Mai fort­ge­setzt wer­den würde, wäre nur plau­si­bel ge­we­sen, dass in der ent­spre­chen­den Spal­te der 31. Mai 2009 ein­ge­setzt wor­den wäre. Be­mer­kens­wer­ter­wei­se enthält die un­ter dem 29. Ju­ni 2009 er­teil­te Ab­rech­nung des Klägers für Ju­ni 2009 eben­falls noch kei­ne An­ga­be zum Aus­tritt, zum Ein­tritt je­doch das Da­tum 1. März 2008 (al­so ein durch­ge­hen­des Ar­beits­verhält­nis). So­weit die Be­klag­te die­se Umstände teil­wei­se als „Feh­ler des Steu­er­be­ra­ters“ de­kla­rie­ren möch­te, fehlt es be­reits an jeg­li­chem Vor­trag da­zu, wel­che den Ab­rech­nun­gen wi­der­spre­chen­de In­for­ma­tio­nen sie dem Steu­er­be­ra­ter zur Verfügung ge­stellt ha­be will.

Wenn die Par­tei­en be­reits bei Ver­trags­un­ter­zeich­nung aus­drück­lich das Aus­schei­den des Klägers zum 31. Mai 2009 be­spro­chen hätten, wäre über­dies mit sons­ti­gen Ab­wick­lungs­mo­da­litäten zu rech­nen ge­we­sen. Un­strei­tig ist es zu En­de Mai 2009 je­doch we­der zu ei­ner Überg­a­be von Schlüsseln und Tank­kar­te noch zu ei­ner Ver­ab­schie­dung des Klägers ge­kom­men. Nach ei­ge­nem Vor­brin­gen will die Be­klag­te erst­mals am 2. Ju­ni 2009 den Kläger auf ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit an­ge­spro­chen ha­ben.

Der Um­stand, dass der Kläger nach den Be­haup­tun­gen der Be­klag­ten An­fang Ju­ni 2009 erklärt ha­ben soll, be­vor er wei­ter für die Be­klag­te tätig wer­de, wol­le er wis­sen, wie er zukünf­tig be­zahlt wer­de, steht dem nicht ent­ge­gen. Dies be­weist schon nicht, dass der Kläger die Klau­sel un­ter § 4 des Ar­beits­ver­tra­ges

 

- 10 -

be­reits vor des­sen Un­ter­zeich­nung wahr­ge­nom­men und sich mit dem Zeu­gen I. auf den Sinn ver­stan­den hat, den die Be­klag­te be­haup­tet. Im Übri­gen lässt sich nicht ein­mal dar­auf schließen, dass die be­haup­te­te Äußerung über­haupt mit der Ver­trags­klau­sel zu­sam­menhängt, da un­ter Ar­beit­neh­mern auch un­abhängig von ei­ner ver­trag­li­chen Al­ters­be­fris­tung oft­mals Un­si­cher­hei­ten über die Be­din­gun­gen ei­ner Tätig­keit über das Ren­ten­al­ter hin­aus be­ste­hen.

Aus den vor­ge­nann­ten Erwägun­gen ge­hen auch die Ausführun­gen der Be­klag­ten ins Lee­re, die Par­tei­en könn­ten ei­ner AGB-Klau­sel ei­nen von der ob­jek­ti­ven Aus­le­gung ab­wei­chen­den Sinn ge­ben.

2.
Das Ar­beits­verhält­nis ist auch nicht auf­grund ei­ner Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Kläger und dem Zeu­gen I. in dem Gespräch am 3. Ju­ni 2009 auf­gelöst wor­den. Da­bei konn­te die Kam­mer da­hin­ste­hen las­sen, wel­chen In­halt das Gespräch ge­habt hat.

Nach dem Sach­vor­trag des Klägers er­gibt sich das Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne wei­te­res dar­aus, dass die Par­tei­en in dem Gespräch le­dig­lich bestätigt ha­ben, die­ses wie zu­vor fort­zu­set­zen.

Auf der Grund­la­ge des Vor­brin­gens der Be­klag­ten hin­ge­gen ergäbe sich als Fol­ge des Gesprächs ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses. Die­se schei­ter­te je­doch am Schrift­for­mer­for­der­nis des § 623 BGB.

Die Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, in dem Gespräch sei Ei­nig­keit er­zielt wor­den, dass der Kläger künf­tig dann zu ei­ner Tätig­keit ver­pflich­tet sein soll­te, wenn er ei­nen kon­kre­ten Fahr­auf­trag an­neh­me. Wenn die Be­klag­te den Kläger in den Kreis der Aus­hilfs­fah­rer auf­neh­men soll­te, mit de­nen un­re­gelmäßig und für je­de ein­zel­ne Fahrt ei­ne Zu­sam­men­ar­beit ver­ein­bart wird, be­deu­te­te dies in recht­li­cher Hin­sicht, dass zwi­schen den Par­tei­en nicht durch­ge­hend ein Ar­beits­verhält­nis be­ste­hen soll­te. Denn we­der die Be­klag­te wäre zu An­ge­bo­ten in ei­nem be­stimm­ten Um­fang ver­pflich­tet ge­we­sen noch der Kläger zu ent­spre­chen­den

 

- 11 -

An­nah­me­erklärun­gen. Viel­mehr hätten die Par­tei­en in die­sem Fall le­dig­lich ei­nen Rah­men­ver­trag ge­schlos­sen, wel­cher die Kon­di­tio­nen von im je­wei­li­gen Ein­zel­fall zu ver­ein­ba­ren­den, auf die je­wei­li­ge Tätig­keit be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen re­gel­te. Dass es sich recht­lich um ein­zel­ne Ar­beits­verhält­nis­se und nicht et­wa um ein frei­es Dienst­verhält­nis han­deln soll­te, folgt be­reits dar­aus, dass es wie zu­vor ab­ge­rech­net wer­den soll­te, nicht et­wa der Kläger ein Ge­wer­be an­mel­den und ei­ne Rech­nung schrei­ben soll­te. Auch gibt es kei­ner­lei An­halts­punk­te dafür, dass die Be­klag­te für die Dau­er die­ser be­fris­te­ten Tätig­kei­ten an­ders als zu­vor nicht das ei­nem Ar­beit­ge­ber zu­ste­hen­de Di­rek­ti­ons­recht be­sit­zen woll­te. Ei­ne der­ar­ti­ge Rah­men­ver­ein­ba­rung setz­te not­wen­dig vor­aus, dass das zu­vor be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis hätte auf­ge­ho­ben wer­den müssen. Die sich aus der Sach­ver­halts­dar­stel­lung der Be­klag­ten er­ge­ben­de Ver­ein­ba­rung wäre da­mit nach § 623 BGB un­wirk­sam. Die Un­wirk­sam­keit wäre da­bei nicht auf die Auf­he­bung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch die Rah­men­ver­ein­ba­rung be­schränkt. Viel­mehr er­fass­te die Un­wirk­sam­keit nach § 139 BGB auch die Ver­ab­re­dung der Par­tei­en, kein Fest­ge­halt mehr zu zah­len, son­dern je­weils nach ab­ge­leis­te­ten St­un­den ab­zu­rech­nen. Hin­ter­grund die­ser be­haup­te­ten Ab­re­de bil­de­te nämlich der Um­stand, dass nach der Rah­men­ver­ein­ba­rung der Um­fang der ab­zu­leis­ten­den St­un­den völlig un­ge­wiss war. Wenn die Par­tei­en aber ihr ursprüng­li­ches Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis fort­set­zen, be­steht kein An­halt dafür, dass sie auf die aus­dif­fe­ren­zier­ten Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen un­ter § 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ver­zich­ten woll­ten. Der Ein­wand der Be­klag­ten, ei­ne ab­wei­chen­de Vergütungs­ver­ein­ba­rung sei auch oh­ne Ein­hal­tung der Schrift­form möglich, geht da­mit an der Sa­che vor­bei. Die an­geb­lich ge­trof­fe­ne Ver­ab­re­dung ist im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht möglich.

Die Un­wirk­sam­keits­fol­gen träten im Übri­gen selbst dann ein, wenn die be­haup­te­te Ab­re­de der Par­tei­en recht­lich als frei­es Dienst­verhält­nis zu qua­li­fi­zie­ren wäre. Denn auch die­ses hätte zur Vor­aus­set­zung, dass das zu­vor be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis un­ter Ein­hal­tung der Schrift­form des § 623 BGB hätte auf­ge­ho­ben wer­den müssen.

 

- 12 -

3.
Im Zeit­raum Ju­li bis Ok­to­ber 2009 hat dem­nach zwi­schen den Par­tei­en das ursprüng­li­che Ar­beits­verhält­nis fort­be­stan­den. Die Be­klag­te ist aus dem Ge­sichts­punkt des An­nah­me­ver­zu­ges nach §§ 615, 611, 293 ff. BGB zur Zah­lung des Ge­halts von 1.837,80 € brut­to mo­nat­lich ver­pflich­tet.

Un­strei­tig hat die Be­klag­te sich am 29. Ju­ni 2009 vom Kläger die Schlüssel und die Tank­kar­te aushändi­gen las­sen. Sie hat dem Kläger da­mit ein­sei­tig die Möglich­keit ent­zo­gen, die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen. Über­dies hat sie sich in der Fol­ge­zeit dar­auf be­ru­fen, ein Ar­beits­verhält­nis be­ste­he nicht mehr. Ihr Vor­brin­gen, sie sei in der Fol­ge­zeit da­von aus­ge­gan­gen, dass der Kläger mit ei­ner ein­ver­nehm­li­chen Be­en­di­gung des Aus­hilfs­ar­beits­verhält­nis­ses per 30. Ju­ni 2009 ein­ver­stan­den sei, fin­det im übri­gen Vor­trag der Par­tei­en kei­ner­lei Stütze. Von ei­ner Ei­ni­gung auf ei­ne Ver­trags­be­en­di­gung ist an kei­ner Stel­le die Re­de. Mit sei­nen von der Be­klag­ten nicht be­strit­te­nen Ar­beits­an­ge­bo­ten hat der Kläger die Be­klag­te da­her in An­nah­me­ver­zug ge­setzt.

Die Be­klag­te schul­det da­her grundsätz­lich die Be­zah­lung von 180 St­un­den mo­nat­lich bei ei­nem St­un­den­satz von 10,21 € brut­to, al­so 1.837,80 € brut­to. Da der Kläger nur ei­nen Teil­be­trag von 1.801,80 € brut­to ver­langt hat, war auf die­ser Ba­sis die Te­n­o­rie­rung vor­zu­neh­men.

Den im Ju­li 2009 er­ziel­ten an­der­wei­ti­gen Ver­dienst hat be­reits das Ar­beits­ge­richt berück­sich­tigt.

Ansprüche des Klägers für Au­gust 2009 sind nicht Ge­gen­stand des Be­ru­fungs­ver­fah­rens, da der Kläger die in­so­weit er­folg­te Ab­wei­sung nicht an­ge­grif­fen hat.

Für Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2009 ver­bleibt es man­gels an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes bei dem Be­trag von 1.837,80 € brut­to.

Ei­ne An­rech­nung des über­schießen­den an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes aus Au­gust 2009 in Höhe von 86,93 € auf die Ansprüche aus Ju­li, Sep­tem­ber und

 

- 13 -

Ok­to­ber 2009 ist nicht vor­zu­neh­men. Nach Auf­fas­sung der er­ken­nen­den Kam­mer ist in­so­weit ent­ge­gen der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (1. März 1958 – 2 AZR 533/55 - AP Nr. 9 zu § 615 BGB im An­schluss an RG 12. Ju­li 1904 - Rep. III. 146/04 - RGZ 58, 402; 24. Au­gust 1999 - 9 AZR 804/98 - AP Nr. 1 zu § 615 BGB An­rech­nung; BAG 22. No­vem­ber 2005 - 1 AZR 407/04 - NZA 2006, 736) kei­ne Be­rech­nung über die ge­sam­te Dau­er des An­nah­me­ver­zugs durch­zuführen, son­dern ei­ne sol­che nach Zeit­ab­schnit­ten. Die Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts führ­te hier da­zu, dass der Be­trag von 86,93 € zunächst auf den vom Kläger gel­tend ge­mach­ten An­nah­me­ver­zugs­zeit­raum zu ver­tei­len wäre, oh­ne dass über die Ansprüche rechts­kräftig be­fun­den würde (An sich hätte dies für den ge­sam­ten im Ju­li und Au­gust 2009 er­ziel­ten an­der­wei­ti­gen Ver­dienst ge­gol­ten; über die 86,93 € hin­aus ist je­doch be­reits rechts­kräftig an­ders ent­schie­den). Denn frag­los hat der An­nah­me­ver­zug über den Ok­to­ber 2009 an­ge­dau­ert. So­bald der Kläger wei­te­re Mo­na­te rechtshängig mach­te, müss­te die Ver­tei­lung neu vor­ge­nom­men wer­den mit der Fol­ge ei­ner Nach­for­de­rung des Klägers für die hier aus­ge­ur­teil­ten Mo­na­te. Ent­spre­chen­des gälte, wenn der Kläger in ei­nem späte­ren Zeit­raum wie­der­um an­der­wei­ti­gen Ver­dienst er­ziel­te. Die­ser müss­te auf den ge­sam­ten ein­ge­klag­ten Zeit­raum ver­teilt wer­den mit der Fol­ge, dass der Ti­tel für die hier anhängi­gen Mo­na­te überhöht wäre. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt lässt außer Acht, dass der An­nah­me­ver­zugs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers kein Ge­samt­an­spruch ist. Er setzt sich viel­mehr wie der nor­ma­le Erfüllungs­an­spruch aus vie­len selbstständi­gen Ansprüchen zu­sam­men. Die Me­tho­de der Ge­samt­be­rech­nung ver­kennt in­so­weit den syn­al­lag­ma­ti­schen In­halt der ge­schul­de­ten Leis­tun­gen. Darüber hin­aus hin­terlässt das Sys­tem der Ge­samt­be­rech­nung un­gelöste Fra­ge­stel­lun­gen und führt zu Frik­tio­nen im Steu­er- und So­zi­al­ver­si­che­rungs­recht (vgl. im Ein­zel­nen Nübold RdA 2004, 31 ff). Wenn der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts in der zi­tier­ten Ent­schei­dung for­mu­liert, es sei­en „auch die mit ei­ner Ge­samt­be­rech­nung für den Fall des noch nicht be­en­de­ten An­nah­me­ver­zugs ver­bun­de­nen Be­rech­nungs­schwie­rig­kei­ten eben­so wie die steu­er- und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Pro­ble­me eher lösbar als die­je­ni­gen, die sich bei ei­ner An­rech­nung nach Zeit­ab­schnit­ten er­ge­ben, falls die Ab­rech­nungs­zeiträume nicht übe­rein­stim­men oder un­ter­schied­li­che Son­der­zah­lun­gen an­fal­len“, so stellt dies

 

- 14 -

im ers­ten Teil ei­ne bloße Be­haup­tung oh­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den tatsächlich ent­ste­hen­den Pro­ble­men dar. Im zwei­ten Teil des Zi­tats über­sieht der Se­nat, dass die Über­g­angs­pro­ble­me - wenn auch in der Ten­denz sel­te­ner - auch dann ent­ste­hen, wenn man von ei­ner Ge­samt­be­rech­nung aus­geht. Auch hier kann sich die Fra­ge stel­len, ob ei­ne vom an­de­ren Ar­beit­ge­ber nach Ab­lauf des An­nah­me­ver­zugs­zeit­raums er­brach­te Son­der­zah­lung (teil­wei­se) nach § 615 Satz 2 BGB an­zu­rech­nen ist. Un­klar ist zu­dem - zu­min­dest für die er­ken­nen­de Kam­mer - wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt ei­nen teil­wei­sen An­spruchsüber­gang nach § 115 SGB X bei ei­ner Ge­samt­be­rech­nung berück­sich­ti­gen möch­te.

4.
Das Ar­beits­verhält­nis hat auch nicht am 28. Fe­bru­ar 2010 ge­en­det. Zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen nimmt die Be­ru­fungs­kam­mer zunächst auf die Ausführun­gen im an­ge­foch­te­nen Ur­teil Be­zug (Sei­te 10 f. der Gründe). Die Be­klag­te hat die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts, we­gen ei­nes zu­vor be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses lie­ge ein Ver­s­toß ge­gen das An­schluss­ver­bot vor, in der Be­ru­fungs­in­stanz nicht in Zwei­fel ge­zo­gen. Be­reits in ih­rem erst­in­stanz­li­chen Schrift­satz vom 7. Ok­to­ber 2009 hat die Be­klag­te selbst vor­ge­tra­gen, der Kläger sei zwi­schen Fe­bru­ar 2007 und Fe­bru­ar 2008 für sie als ge­ringfügig Beschäftig­ter und da­mit im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses tätig ge­we­sen. Dies reicht aus, um das An­schluss­ver­bot aus­zulösen, selbst wenn die An­nah­me des Ar­beits­ge­richts un­zu­tref­fend sein soll­te, es ha­be be­reits ca. neun Jah­re lang ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den. Die Be­ru­fungs­kam­mer hält es vor dem Hin­ter­grund der tatsächli­chen und recht­li­chen Ab­wick­lung für un­ver­tret­bar, das da­ma­li­ge Aus­hilfs­verhält­nis der Par­tei­en als freie Mit­ar­beit zu qua­li­fi­zie­ren. In­so­weit wird auf die Ausführun­gen un­ter II. 2. ver­wie­sen.

5.
Die Zins­ansprüche be­ru­hen auf §§ 286 Abs. 1 und 2, 288 Abs. 1 BGB. Zu­tref­fend hat die Be­klag­te dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ansprüche des Klägers für Ok­to­ber 2009 erst am 31. des Mo­nats fällig ge­wor­den sind, so dass die Zin­sen in­so­weit erst ab dem 1. No­vem­ber 2009 zu­zu­spre­chen wa­ren.

 

- 15 -

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 97 Abs. 1, 92 Abs. 2 Nr. 1 ZPO.

Für die Zah­lungs­ansprüche war der Be­klag­ten die Möglich­keit der Re­vi­si­on im Hin­blick auf die Di­ver­genz zur Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts bei der Fra­ge der An­rech­nung an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes zu eröff­nen, § 72 Abs. 2 Nr. 2 ArbGG. Im Übri­gen lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG nicht vor.

R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G :

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten hin­sicht­lich der Zah­lungs­ansprüche

R E V I S I O N

ein­ge­legt wer­den.

Im Übri­gen ist für die Be­klag­te kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Für den Kläger ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re

 

- 16 -

Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Nübold 

Ge­lißen 

Wit­tich

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 13 Sa 70/10  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880