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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kündigung, Kündigungsschutzklage, Abmahnung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 26 Sa 1840/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 05.11.2009
   
Leit­sätze:

1. Nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ist ein Ar­beit­neh­mer zur Auf­nah­me der Ar­beit nur dann ver­pflich­tet, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm den Ar­beits­platz an­bie­tet und zu­gleich erklärt, die Ar­beits­leis­tung als Erfüllung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges an­zu­neh­men, oder die Par­tei­en ein Pro­zess­ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart ha­ben (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 2003 - 5 AZR 500/02 - AP Nr. 4 zu § 11 KSchG 1969 = NZA 2004, 90 = EzA § 615 BGB 2002 Nr. 4, zu I der Gründe mwN). (Rn.25)

2. Der Ar­beit­ge­ber darf bei sei­ner Ar­beits­auf­for­de­rung die Kündi­gung nicht auf­recht­er­hal­ten. Auch das An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Pro­zess­ar­beits­verhält­nis­ses ist nicht aus­rei­chend, so­lan­ge es nicht an­ge­nom­men wird (vgl. BAG 14. No­vem­ber 1985 - 2 AZR 98/84 - AP Nr. 39 zu § 615 BGB = NZA 1986, 637 = EzA § 615 BGB Nr. 46, zu C I 2 e der Gründe). (Rn.25)

3. Die­sen An­for­de­run­gen genügt ei­ne Erklärung des Ar­beit­ge­bers, im Fal­le des Ob­sie­gens im Kündi­gungs­schutz­pro­zess müsse auch die Ar­beit wie­der ge­leis­tet wer­den, nicht. Dar­an ändert auch die späte­re An­zei­ge der Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft durch den Ar­beit­neh­mer nichts. (Rn.26)

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, 3. Juli 2009, Az: 6 Ca 17749/08, Urteil
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg

Verkündet
am 5. No­vem­ber 2009

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
26 Sa 1840/09

6 Ca 17749/08
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

 

L., VA
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

 

In Sa­chen

pp  

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 26. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 5. No­vem­ber 2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Sch. und Z.

für Recht er­kannt:

I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 3. Ju­li 2009 - 6 Ca 17749/08 - wird auf ih­re Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

II. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten über die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Ent­fer­nung von zwei Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin.

Die Kläge­rin ist bei der Be­klag­ten seit 1989 als Mon­tie­re­rin beschäftigt. Im Rah­men ei­ner Teil­zeit­ver­ein­ba­rung re­gel­ten die Par­tei­en am 30. Sep­tem­ber 2002 auch kon­kret die Uhr­zei­ten für den tägli­chen Ar­beits­be­ginn (7:00 Uhr) und das Ar­beits­en­de (12:15 Uhr).

Die Be­klag­te kündig­te der Kläge­rin zum 12./31. März 2007. Am 11. Sep­tem­ber 2008 fand in dem sich an­sch­ließen­den Rechts­streit ei­ne Be­ru­fungs­ver­hand­lung statt. In der Be­ru­fungs­ver­hand­lung wies der da­ma­li­ge Be­klag­ten­ver­tre­ter im Rah­men von Ver­gleichsüber­le­gun­gen dar­auf hin, dass die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung nicht in Be­tracht kom­me und die Kläge­rin wie­der zur Ar­beit er­schei­nen müsse, soll­te die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt wer­den. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg stell­te fest, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung nicht be­en­det wor­den war. Da­nach war die Kläge­rin noch bis zum 30. Sep­tem­ber 2008 ar­beits­unfähig krank. Am letz­ten Tag ih­rer Ar­beits­unfähig­keit ließ sie dem da­ma­li­gen Be­klag­ten­ver­tre­ter durch ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten mit­tei­len, dass sie ab dem 1. Ok­to­ber 2008 wie­der ar­beitsfähig sein und ih­re Ar­beit um 7:00 Uhr an­tre­ten wer­de. Dar­auf re­agier­te die Be­klag­te zunächst nicht. Nach­dem die Kläge­rin am 1. Ok­to­ber 2008 dann um 7:00 Uhr auch nicht zur Ar­beit er­schien, for­der­te die Be­klag­te die Kläge­rin über ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten auf, bis spätes­tens um 12:00 Uhr die Ar­beit an­zu­tre­ten. Die Kläge­rin nahm die Ar­beit um 10:20 Uhr auf. Ihr Vor­ge­setz­ter teil­te ihr dann zunächst mit, dass sie am nächs­ten Tag nicht am Be­triebs­aus­flug teil­neh­men dürfe und ord­ne­te ei­nen Tag Ur­laub an. Außer­dem teil­te er ihr mit, dass am 6. Ok­to­ber 2008, ei­nem Mon­tag, be­reits um 6:00 Uhr mit der Ar­beit be­gon­nen wer­de, was bei der Be­klag­ten ge­le­gent­lich vor­kommt. Die Kläge­rin kam an die­sem Tag um 6:43 Uhr zur Ar­beit.

Die Be­klag­te er­teil­te der Kläge­rin dar­auf­hin un­ter dem 9. Ok­to­ber 2008 zwei Ab­mah­nun­gen. In der „1. Ab­mah­nung“ wird u.a. erwähnt, die Kläge­rin ha­be selbst erklärt, sie ha­be ver­schla­fen, und dass sie bei „er­neu­ten Pflicht­ver­let­zun­gen“ mit ei­ner Kündi­gung rech­nen müsse. Außer­dem wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr Zu­spätkom­men auch die be­trieb­li­chen Abläufe in ih­rem Ar­beits­be­reich störe. In der zwei­ten Ab­mah­nung wird wie­der be­haup­tet, sie ha­be erklärt, ver­schla­fen zu ha­ben. Es heißt dar­in ua wei­ter:

„Da­mit ha­ben Sie be­reits zum zwei­ten Mal in­ner­halb kürzes­ter Zeit ge­gen die Ih­nen ob­lie­gen­de ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht, nämlich pünkt­lich zur Ar­beit zu er­schei­nen, ver­s­toßen. Wir wei­sen noch­mals aus­drück­lich dar­auf hin, dass Sie mit Ih­rem Fehl­ver­hal­ten auch den ge­sam­ten Pro­duk­ti­ons­ab­lauf in Ih­rem Be­trieb deut­lich stören.“

 

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Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, die Ab­mah­nun­gen sei­en un­wirk­sam. Die Be­klag­te ha­be nicht erklärt, dass sie wie­der zur Ar­beit er­schei­nen müsse, soll­te die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt wer­den, was auch gar nicht möglich ge­we­sen sei, da von Sei­ten der Be­klag­ten nie­mand persönlich an­we­send ge­we­sen sei. Außer­dem ha­be sich hier nicht die Kläge­rin, son­dern die Be­klag­te ver­trags­wid­rig ver­hal­ten, in­dem sie die Teil­nah­me an dem Be­triebs­aus­flug un­ter­sagt ha­be. Am 1. Ok­to­ber 2008 ha­be kei­ne Ar­beits­ver­pflich­tung be­stan­den. Am 6. Ok­to­ber 2008 sei sie zu der ver­trag­lich ge­schul­de­ten Ar­beits­zeit er­schie­nen. Der Vor­ge­setz­te M. ha­be ihr ge­sagt, sie sei­en am Mon­tag ab 6:00 Uhr da. Sie ha­be dar­auf mit „gut“ ge­ant­wor­tet. Sie ha­be am 6. Ok­to­ber auf die Fra­ge des Vor­ge­setz­ten, wo sie ge­we­sen sei, nicht ge­sagt, sie ha­be ver­schla­fen, son­dern sie ha­be ge­schla­fen.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die bei­den Ab­mah­nungs­schrei­ben vom 9. Ok­to­ber 2008 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, an­ge­sichts der Ankündi­gung durch die Kläge­rin vom 30. Sep­tem­ber 2008 ha­be es ei­nes Ar­beits­platz­an­ge­bots durch die Be­klag­te nicht mehr be­durft. Die Einwände der Kläge­rin sei­en rechts­miss­bräuch­lich. Für den 6. Ok­to­ber 2008 ha­be der Vor­ge­setz­te ge­genüber der Kläge­rin den Ar­beits­be­ginn für 6:00 Uhr an­ge­ord­net. Da­mit sei die Kläge­rin ein­ver­stan­den ge­we­sen und ha­be ih­re Ar­beits­auf­nah­me ent­spre­chend zu­ge­sagt. Die Kläge­rin ha­be erklärt, dass ihr die Ver­spätung leid­tue, sie ha­be schlicht ver­schla­fen. An sol­che Aus­sa­gen der Kläge­rin konn­te sich der zur Un­terstützung des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt be­frag­te da­ma­li­ge Vor­ge­setz­te der Kläge­rin al­ler­dings nicht er­in­nern. Sie (die Be­klag­te) sei auch be­rech­tigt ge­we­sen, die La­ge der Ar­beits­zeit am 6. Ok­to­ber 2008 auf 6:00 Uhr im We­ge des Di­rek­ti­ons­rechts vor­zu­ver­le­gen. Un­ter den Par­tei­en ist zweit­in­stanz­lich un­strei­tig, dass das Di­rek­ti­ons­recht der Be­klag­te nicht so weit ging.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und das im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, dass ei­ne Ver­pflich­tung zur Ar­beits­auf­nah­me am 1. Ok­to­ber 2008 oh­ne ei­ne Erklärung der Be­klag­ten gar nicht be­stan­den ha­be. Ein Ein­verständ­nis mit ei­nem frühe­ren Ar­beits­be­ginn am 6. Ok­to­ber 2008 ha­be auch nicht fest­ge­stellt wer­den können.

Die Be­klag­te hat ge­gen das ihr am 29. Ju­li 2009 zu­ge­stell­te Ur­teil am 21. Au­gust 2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit ei­nem am 23. Sep­tem­ber 2009 bei dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

 

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Sie be­gründet die Be­ru­fung im We­sent­li­chen mit den be­reits erst­in­stanz­lich ver­tre­te­nen Rechts­an­sich­ten. In der Erklärung ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung vom 11. Sep­tem­ber 2008 ha­be ei­ne Auf­for­de­rung zur Ar­beits­auf­nah­me ge­le­gen. Im Übri­gen sei es gar nicht ih­re Auf­ga­be ge­we­sen, die ar­beits­unfähi­ge Kläge­rin zur Ar­beits­leis­tung auf­zu­for­dern. Hin­sicht­lich des Ar­beits­be­ginns am 6. Ok­to­ber 2008 trägt sie nun vor, es sei zwar klar ge­we­sen, dass der Ar­beits­be­ginn nur mit Zu­stim­mung der Kläge­rin ha­be vor­ver­legt wer­den können. Die­se ha­be sich aber ein­ver­stan­den erklärt. Außer­dem ha­be sie sich für ihr Ver­schla­fen ent­schul­digt.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 3. Ju­li 2009 – 6 Ca 17749/08 – ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Auch sie be­zieht sich im We­sent­li­chen auf ih­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­trag.

We­gen der Ein­zel­hei­ten wird Be­zug ge­nom­men auf die Schriftsätze der Par­tei­en vom 23. Sep­tem­ber und vom 14. Ok­to­ber 2009 so­wie auf das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 5. No­vem­ber 2009.

Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II. Die Be­ru­fung ist aber un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, bei­de Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen.

Die Be­klag­te hat die Ab­mah­nun­gen vom 9. Ok­to­ber 2009 aus der Per­so­nal­ak­te der Kläge­rin zu ent­fer­nen, da sie am 1. Ok­to­ber 2009 nicht um 7:00 Uhr zur Auf­nah­me der Ar­beit ver­pflich­tet war und die zwei­te Ab­mah­nung den An­for­de­run­gen für ei­nen Ver­bleib in der Per­so­nal­ak­te eben­falls nicht ge­recht wird.

1) Die Kläge­rin kann in ent­spre­chen­der An­wen­dung der §§ 242, 1004 BGB die Ent­fer­nung der zu Un­recht er­teil­ten Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te ver­lan­gen.

Bei der in § 314 Abs. 2 BGB ge­setz­lich ver­an­ker­ten Ab­mah­nung han­delt es sich um die Ausübung ei­nes ar­beits­ver­trag­li­chen Gläubi­ger­rechts durch den Ar­beit­ge­ber. Als Gläubi­ger der Ar­beits­leis­tung weist er den Ar­beit­neh­mer als sei­nen Schuld­ner auf des­sen ver­trag­li­che Pflich­ten hin und macht ihn auf die Ver­let­zung die­ser Pflich­ten auf­merk­sam (Rüge­funk­ti­on). Zu­gleich for­dert er ihn für die Zu­kunft zu ei­nem ver­trags­treu­en Ver­hal­ten auf und kündigt,

 

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wenn ihm dies an­ge­bracht er­scheint, in­di­vi­du­al­recht­li­che Kon­se­quen­zen für den Fall ei­ner er­neu­ten Pflicht­ver­let­zung an (Warn­funk­ti­on).

Ei­ne sol­che miss­bil­li­gen­de Äußerung des Ar­beit­ge­bers in Form ei­ner Ab­mah­nung ist ge­eig­net, den Ar­beit­neh­mer in sei­nem be­ruf­li­chen Fort­kom­men und sei­nem Persönlich­keits­recht zu be­ein­träch­ti­gen. Des­halb kann der Ar­beit­neh­mer die Be­sei­ti­gung die­ser Be­ein­träch­ti­gung ver­lan­gen, wenn die Ab­mah­nung for­mell nicht ord­nungs­gemäß zu­stan­de ge­kom­men ist, un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen enthält, auf ei­ner un­zu­tref­fen­den recht­li­chen Be­wer­tung des Ver­hal­tens des Ar­beit­neh­mers be­ruht, den Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit ver­letzt oder kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers am Ver­bleib der Ab­mah­nung in der Per­so­nal­ak­te mehr be­steht (vgl. BAG 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 606/08 - NZA 2009, 1011 = EzA-SD 2009, Nr. 19, 5, zu I 2 der Gründe).

2) Von die­sen Grundsätzen ist auch das Ar­beits­ge­richt aus­ge­gan­gen und hat sie auf den Streit­fall zu­tref­fend an­ge­wandt.

a) Die ers­te Ab­mah­nung vom 9. Ok­to­ber 2008 ist zu Un­recht er­folgt. Die Kläge­rin hat da­durch, dass sie am 1. Ok­to­ber 2008 die Ar­beit nicht um 7:00 Uhr auf­nahm, kei­ne Ver­trags­pflicht ver­letzt. Das Ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend aus­geführt, dass die Kläge­rin oh­ne ei­ne kon­kre­te Auf­for­de­rung durch die Be­klag­te nicht zur Auf­nah­me der Ar­beit ver­pflich­tet war.

aa) Der Ar­beit­neh­mer ist auf­grund des gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zu wei­te­rer Ar­beits­leis­tung nicht ver­pflich­tet (vgl. grund­le­gend BAG Großer Se­nat 27. Fe­bru­ar 1985 - GS 1/84 - BA­GE 48, 122 = AP Nr. 14 zu § 611 BGB Beschäfti­gungs­pflicht, zu C I 3 der Gründe; BAG 22. Ok­to­ber 2003 – 7 AZR 113/03 – AP Nr. 6 zu § 14 Tz­B­fG = NZA 2004, 1275 = EzA § 14 Tz­B­fG Nr. 6, zu II 1 c bb der Gründe; 30. März 1989 – 6 AZR 288/87 - Ju­ris, zu II 2 der Gründe). Nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ist ein Ar­beit­neh­mer zur Auf­nah­me der Ar­beit nur dann ver­pflich­tet, wenn der Ar­beit­ge­ber ihm den Ar­beits­platz an­bie­tet und zu­gleich erklärt, die Ar­beits­leis­tung als Erfüllung des be­ste­hen­den Ar­beits­ver­tra­ges an­zu­neh­men, oder die Par­tei­en ein Pro­zess­ar­beits­verhält­nis ver­ein­bart ha­ben (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 2003 – 5 AZR 500/02 – AP Nr. 4 zu § 11 KSchG 1969 = NZA 2004, 90 = EzA § 615 BGB 2002 Nr. 4, zu I der Gründe mwN). Der Ar­beit­ge­ber darf bei sei­ner Ar­beits­auf­for­de­rung die Kündi­gung nicht auf­recht­er­hal­ten. Auch das An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Pro­zess­ar­beits­verhält­nis­ses ist nicht aus­rei­chend, so­lan­ge es nicht an­ge­nom­men wird (vgl. BAG 14. No­vem­ber 1985 - 2 AZR 98/84 - AP Nr. 39 zu § 615 BGB = NZA 1986, 637 = EzA § 615 BGB Nr. 46, zu C I 2 e der Gründe).

bb) Die Be­klag­te hat ent­spre­chen­de Erklärun­gen nicht ab­ge­ge­ben. Der Be­klag­ten­ver­tre­ter hat in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 11. Sep­tem­ber 2008 auch nach ei­ge­nem Vor­trag nicht erklärt, er be­trach­te die Kündi­gung als ge­gen­stands­los und bie­te die

 

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Fort­set­zung des bis­he­ri­gen Ar­beits­verhält­nis­ses an. Es ist ge­ra­de kei­ne Ei­ni­gung über die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­zielt wor­den. Viel­mehr führ­te der Be­klag­ten­ver­tre­ter der Kläge­rin die Kon­se­quen­zen ei­ner statt­ge­ben­den Ent­schei­dung vor Au­gen, nämlich dass sie in die­sem Fall auch wie­der für die Be­klag­te ar­bei­ten müsse. Er be­zog das aber aus­drück­lich auf ei­nen ent­spre­chen­den Aus­gang des Rechts­streits. Die­ser fand sein En­de erst mit Ab­lauf der Frist für die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de. Bis da­hin hätte zur Be­gründung von Ar­beits­pflich­ten der Kläge­rin im Übri­gen nur die Möglich­keit be­stan­den, ein Pro­zess­ar­beits­verhält­nis zu ver­ein­ba­ren. Die Aus­sa­ge des Be­klag­ten­ver­tre­ters muss­te und konn­te die Kläge­rin nicht als ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes sol­chen Ver­tra­ges ver­ste­hen. Dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten ging es er­sicht­lich nicht um ein An­ge­bot auf Be­gründung neu­er Pflich­ten, son­dern dar­um, auf ei­ne im Fal­le ei­nes Ob­sie­gens be­ste­hen­de Ver­pflich­tung hin­zu­wei­sen. Dem­nach könn­te al­len­falls die Erklärung der Be­klag­ten vom 1. Ok­to­ber 2008 in Ver­bin­dung mit der der Kläge­rin vom Vor­tag ge­eig­net ge­we­sen sein, Ar­beits­pflich­ten zu be­gründen, und zwar frühes­tens ab 12:00 Uhr. Ob die Kläge­rin ein An­ge­bot auf Ab­schluss ei­nes Pro­zess­ar­beits­verhält­nis­ses ab­ge­ben woll­te, kann da­hin­ste­hen, da sie be­reits um 10:20 Uhr zur Ar­beit er­schie­nen ist. Es spricht im Übri­gen auch viel dafür, dass sich ih­re Erklärung vom 30. Sep­tem­ber 2008 auf die Mit­tei­lung der Ar­beitsfähig­keit und der Ar­beits­be­reit­schaft be­schränkt hat. Je­den­falls ist die Be­klag­te da­durch nicht ih­rer ei­ge­nen Ver­pflich­tung ent­ho­ben wor­den, ihr ge­genüber die er­for­der­li­chen Erklärun­gen ab­zu­ge­ben. Da­zu wäre die Be­klag­te so­gar noch am 30. Sep­tem­ber 2008 in der La­ge ge­we­sen, zu­mal sie nach ih­rer ei­ge­nen Be­haup­tung durch ih­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten um­ge­hend nach Ein­gang des Schrift­sat­zes des Kläger­ver­tre­ters am 30. Sep­tem­ber 2008 in­for­miert wor­den ist.

Das Ver­hal­ten der Kläge­rin kann auch nicht als treu­wid­rig an­ge­se­hen wer­den, nach­dem die Be­klag­te ihr ei­ne un­wirk­sa­me Kündi­gung aus­ge­spro­chen und von sich aus der Kläge­rin auch kein den oben dar­ge­leg­ten An­for­de­run­gen ent­spre­chen­des An­ge­bot un­ter­brei­tet hat­te. Auf das wei­te­re Ver­hal­ten der Be­klag­ten (Un­ter­sa­gung der Teil­nah­me am Be­triebs­aus­flug) und „Be­ur­lau­bung“ kommt es da­her nicht mehr ent­schei­dend an.

b) Die Be­klag­te ist auch ver­pflich­tet, die zwei­te Ab­mah­nung vom 9. Ok­to­ber 2008 aus der Per­so­nal­ak­te zu ent­fer­nen. Sie enthält je­den­falls in­so­weit ei­ne un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tung, als der Kläge­rin vor­ge­wor­fen wird, sie ha­be „be­reits zum zwei­ten Mal in­ner­halb kürzes­ter Zeit ge­gen die ar­beits­ver­trag­li­che Pflicht, pünkt­lich zur Ar­beit zu er­schei­nen“, ver­s­toßen. Wie aus­geführt, ist der Kläge­rin die Ver­let­zung ei­ner Ver­trags­pflicht im Zu­sam­men­hang mit der Ar­beits­auf­nah­me am 1. Ok­to­ber 2008 nicht vor­zu­wer­fen, so­dass die Dar­stel­lung ei­ner wie­der­hol­ten Ver­trags­ver­let­zung un­zu­tref­fend ist. Die­ser Um­stand ist auch be­acht­lich, zu­mal die Be­klag­te durch die­se For­mu­lie­rung ge­ra­de den be­son­de­ren Un­wert­ge­halt des kläge­ri­schen Ver­hal­tens her­vor­he­ben will. Be­den­ken be­ste­hen auch

 

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ge­gen die For­mu­lie­rung „2. Ab­mah­nung“, da ei­ne ers­te wirk­sa­me Ab­mah­nung nicht vor­liegt und so der Ein­druck der Un­vollständig­keit der Per­so­nal­ak­te entstünde.

Im Übri­gen ist auch nicht aus­zu­sch­ließen, dass die Fra­ge des Ar­beits­be­ginns je­den­falls un­klar war. Die Be­klag­te geht in der Be­ru­fungs­in­stanz nun selbst da­von aus, dass die Ände­rung der Ar­beits­zeit nur ein­verständ­lich möglich ge­we­sen wäre. Erst­in­stanz­lich hat­te sie noch vor­ge­tra­gen las­sen, sie sei auf­grund ih­res Di­rek­ti­ons­rechts zur Ände­rung der Ar­beits­zeit be­rech­tigt ge­we­sen. Soll­te da­von auch der Vor­ge­setz­te der Kläge­rin aus­ge­gan­gen sein, hätte die Be­klag­te die Erklärung der Kläge­rin wohl eher nicht als ein Ein­verständ­nis mit ei­nem frühe­ren Ar­beits­be­ginn ver­ste­hen dürfen, eher als die Ent­ge­gen­nah­me ei­ner Wei­sung.

Im Er­geb­nis kann es da­her da­hin­ste­hen, ob ein ein­ma­li­ger Vor­gang die­ser Art be­reits ei­ne Ab­mah­nung hätte recht­fer­ti­gen können oder ei­ne Er­mah­nung das an­ge­mes­se­ne Mit­tel ge­we­sen wäre. Zu der in der Ab­mah­nung be­haup­te­ten Störung des ge­sam­ten Pro­duk­ti­ons­ab­laufs lässt sich dem Be­klag­ten­vor­trag je­den­falls nichts ent­neh­men. Of­fen kann auch blei­ben, ob die Kläge­rin nach dem un­ter a) Aus­geführ­ten über­haupt zur Ar­beits­leis­tung ver­pflich­tet ge­we­sen ist.

III. Die Ent­schei­dung über die Kos­ten be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

IV. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on la­gen nicht vor.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­se Ent­schei­dung gibt es kei­ne Rechts­mit­tel.


K. Sch. Z.

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