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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Arbeitslosengeld, Sperrzeit, Eigenkündigung
   
Gericht: Landessozialgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: L 1 AL 50/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 24.09.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Mainz vom 06.05.2008 - S 3 AL 120/06 - ab­geändert. Der Be­scheid der Be­klag­ten vom 07.02.2006 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.02.2006 wird auf­ge­ho­ben und der Be­scheid der Be­klag­ten vom 08.02.2006 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.02.2006 wird ab­geändert.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem Kläger Ar­beits­lo­sen­geld dem Grun­de nach auch für den Zeit­raum vom 01. bis 20.02.2006 zu gewähren.

2. Im Übri­gen wird die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen.

3. Die Be­klag­te hat dem Kläger die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Rechts­streits zu er­stat­ten.

4. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Der Kläger wen­det sich ge­gen die Ver­sa­gung von Ar­beits­lo­sen­geld (Alg) für den Zeit­raum vom 31.01. bis 20.02.2006 we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit und die Min­de­rung sei­nes Leis­tungs­an­spruchs.
Der am ..1953 ge­bo­re­ne Kläger war seit 1968 bei der A GmbH & Co KG (Ar­beit­ge­ber) beschäftigt. Mit Schrei­ben vom 28.06.2005 kündig­te der Ar­beit­ge­ber das Ar­beits­verhält­nis aus be­triebs­be­ding­ten Gründen zum 31.01.2006 un­ter Ein­hal­tung der ihm ob­lie­gen­den Kündi­gungs­frist. Im an­sch­ließen­den Ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt nahm der Kläger die Kündi­gungs­schutz­kla­ge mit Schrift­satz vom 15.02.2006 zurück, nach­dem er sich zu­vor außer­ge­richt­lich mit dem Ar­beit­ge­ber über die Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von 5.500,00 € - tatsächlich aus­ge­zahlt im April 2006 - und die Zah­lung ei­ner Treue­prämie ge­ei­nigt hat­te. Ei­ne Treue­prämie hat der Kläger nach sei­nen An­ga­ben nicht er­hal­ten. Mit Schrei­ben vom 27.01.2006 kündig­te der Kläger selbst sein Ar­beits­verhält­nis zum 30.01.2006.
Der Kläger sprach am 06.07.2005 bei der Be­klag­ten un­ter Hin­weis auf die Kündi­gung vor, mel­de­te sich am 03.11.2005 ar­beits­los und be­an­trag­te am 07.11.2005 die Gewährung von Alg. Er leg­te ei­ne Ar­beits­be­schei­ni­gung des Ar­beit­ge­bers vom 27.01.2006 vor, die sich auf sei­ne Ei­genkündi­gung vom glei­chen Tag be­zog. Die Be­klag­te teil­te dem Kläger durch Be­scheid vom 07.02.2006 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.02.2006 mit, dass der An­spruch auf Alg vom 31.01. bis 20.02.2006 we­gen ei­ner Sperr­zeit ru­he. Er ha­be das Beschäfti­gungs­verhält­nis zum 30.01.2006 gelöst, oh­ne ei­ne kon­kre­te Aus­sicht auf ei­ne an­sch­ließen­de Beschäfti­gung zu ha­ben. Ein wich­ti­ger Grund lie­ge ins­be­son­de­re nicht in der Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber zum 31.01.2006. Die An­spruchs­dau­er min­de­re sich um 21 Ta­ge. Ab dem 21.02.2006 er­hielt der Kläger Alg nach ei­nem tägli­chen Be­mes­sungs­ent­gelt von 72,64 € und ei­nem Leis­tungs­satz von 27,91 € für ei­ne Dau­er von 780 Ka­len­der­ta­gen (Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 08.02.2006). Am 01.04.2006 nahm er er­neut ei­ne Beschäfti­gung auf und steht bis heu­te in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis.
Das So­zi­al­ge­richt Mainz (SG) hat die am 20.03.2006 er­ho­be­ne Kla­ge durch Ur­teil vom 06.05.2008 ab­ge­wie­sen. Ein An­spruch auf Alg ste­he dem Kläger we­gen des Ein­tritts ei­ner Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be nicht zu. Auf ei­nen wich­ti­gen Grund für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses könne sich der Kläger des­halb nicht be­ru­fen, weil er sich durch die Ei­genkündi­gung zum 30.01.2006 auf­grund der Re­ge­lun­gen der §§ 434l Abs. 1 und 127 Abs. 2 So­zi­al­ge­setz­buch Drit­tes Buch (SGB III) ei­ne An­spruchs­dau­er des Alg von 26 statt von 12 Mo­na­ten ge­si­chert ha­be. Die­se wirt­schaft­li­chen In­ter­es­sen sei­en al­lein nicht aus­rei­chend, die Kündi­gung un­ter Abwägung mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft zu recht­fer­ti­gen. Der nur ge­ringfügi­gen Verlänge­rung der Ar­beits­lo­sig­keit sei durch die Verkürzung der Sperr­zeit auf drei Wo­chen Rech­nung ge­tra­gen.
Ge­gen das ihm am 09.05.2008 zu­ge­stell­te Ur­teil hat der Kläger am 02.06.2008 die vom SG zu­ge­las­se­ne Be­ru­fung ein­ge­legt. Er trägt vor, dass er sich zu der Ei­genkündi­gung we­gen der Dau­er des ihm zu­ste­hen­den Alg ha­be ver­an­lasst ge­se­hen. Der Schutz­ge­dan­ke des § 144 SGB III sei vor­lie­gend nicht ver­letzt wor­den, da das Ar­beits­verhält­nis schon we­gen der Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers nicht ha­be fort­ge­setzt wer­den können. Das In­ter­es­se, bei oh­ne­hin nicht zu ver­mei­den­der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit we­nigs­tens ei­ne Ab­fin­dung zu er­hal­ten, sei vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt (BSG) als schützens­wert an­ge­se­hen wor­den. Dies müsse auch für den vor­lie­gen­den Fall gel­ten. Eben­falls sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te ihm kei­nen ge­eig­ne­ten Ar­beits­platz ha­be an­bie­ten können.
Der Kläger be­an­tragt,
das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Mainz vom 06.05.2008 - S 3 AL 120/06 - so­wie den Be­scheid der Be­klag­ten vom 07.02.2006 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.02.2006 auf­zu­he­ben, den Be­scheid der Be­klag­ten vom 08.02.2006 ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm Ar­beits­lo­sen­geld dem Grun­de nach auch für den Zeit­raum vom 31.01. bis 20.02.2006 zu gewähren,
hilfs­wei­se,
die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.
Die Be­klag­te be­an­tragt,
die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen, 
hilfs­wei­se,
die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.
Sie er­ach­tet die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung für zu­tref­fend und weist ergänzend dar­auf hin, dass für den 31.01.2006 we­gen des Ru­hens bei Ent­las­sungs­entschädi­gung be­reits kein An­spruch be­ste­he.
Zur Ergänzung des Sach- und Streit­stan­des wird auf den In­halt der Ge­richts- so­wie der Ver­wal­tungs­ak­te der Be­klag­ten Be­zug ge­nom­men. Er war Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung und der Be­ra­tung.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist teil­wei­se be­gründet. Das SG hat die Kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Die Be­schei­de der Be­klag­ten vom 07.02. und 08.02.2006 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.02.2006 sind teil­wei­se rechts­wid­rig und ver­let­zen den Kläger in sei­nen Rech­ten. Dem Kläger steht ein An­spruch auf Gewährung von Alg auch für den Zeit­raum vom 01.02. bis 20.02.2006 zu. So­weit der Kläger ei­nen An­spruch auf Alg auch für den 31.01.2006 ver­folgt, ist die Be­ru­fung un­be­gründet.
Ge­gen­stand des Ver­fah­rens ist nicht nur der Be­scheid vom 07.02.2006, mit wel­chem die Be­klag­te über den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit und über die Min­de­rung des Leis­tungs­an­spruchs ent­schie­den hat, son­dern nach § 86 So­zi­al­ge­richts­ge­setz (SGG) auch der Be­wil­li­gungs­be­scheid vom 08.02.2006, in wel­chem die Gewährung von Alg vor dem 21.02.2006 ab­ge­lehnt wor­den ist. Die­se Be­schei­de stel­len in­so­weit ei­ne ein­heit­li­che Re­ge­lung dar (vgl. BSG, Ur­teil vom 05.08.1999 - B 7 AL 14/99 R -, SozR 3-4100 § 119 Nr. 17).
Die Be­klag­te war nicht be­rech­tigt, ei­ne Sperr­zeit für den Zeit­raum vom 31.01. bis 20.02.2006 fest­zu­stel­len (vgl. zur Fest­stel­lungs­be­fug­nis: BSG, Ur­teil vom 03.06.2004 - B 11 AL 71/03 R -, SGb 2004, 479) und ei­ne Min­de­rung des Alg-An­spruchs um 21 Ta­ge fest­zu­set­zen. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 144 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 Nr. 1 SGB III (in der Fas­sung <i.d.F.> des Drit­ten Ge­set­zes für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 23.12.2003, BGBl I 2848) lie­gen nicht vor.
Nach die­ser Vor­schrift ruht der An­spruch für die Dau­er ei­ner Sperr­zeit, wenn der Ar­beit­neh­mer sich ver­si­che­rungs­wid­rig ver­hal­ten hat, oh­ne dafür ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben. Ver­si­che­rungs­wid­ri­ges Ver­hal­ten liegt vor, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat (Sperr­zeit bei Ar­beits­auf­ga­be).
Der Kläger hat das Beschäfti­gungs­verhält­nis da­durch gelöst, dass er durch sei­ne Kündi­gungs­erklärung vom 27.01.2006 das Ar­beits­verhält­nis bei sei­nem Ar­beit­ge­ber zum 30.01.2006 be­en­det hat. Die­se Kündi­gung war ursächlich für den Ein­tritt sei­ner Ar­beits­lo­sig­keit ab dem 31.01.2006, da das Beschäfti­gungs­verhält­nis auf­grund der Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers vom 28.06.2005 erst zum 31.01.2006 ge­en­det hätte. Mit die­ser Kündi­gungs­erklärung hat der Kläger den End­zeit­punkt sei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses um ei­nen Tag vor­ver­legt, wo­bei un­er­heb­lich ist, dass das Beschäfti­gungs­verhält­nis oh­ne­hin be­en­det wor­den wäre (vgl. BSG, Ur­teil vom 05.08.1999 - B 7 AL 14/99 R -, SozR 3-4100 § 119 Nr. 17; Ur­teil vom 20.01.2000 - B 7 AL 20/99 R -, Ju­ris). Der Kläger hat sei­ne Ar­beits­lo­sig­keit min­des­tens grob fahrlässig her­bei­geführt, da er kei­ne kon­kre­ten Aus­sich­ten auf ei­nen An­schluss­ar­beits­platz hat­te. Dies macht er auch nicht gel­tend.
Je­doch stand ihm für sein Ver­hal­ten ein wich­ti­ger Grund zur Sei­te. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des BSG ist über das Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des un­ter Berück­sich­ti­gung des Ziels der Sperr­zeit­re­ge­lung zu ent­schei­den. Die­se dient dem Schutz der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft vor Ri­si­kofällen, de­ren Ein­tritt der Ver­si­cher­te selbst zu ver­tre­ten hat; ei­ne Sperr­zeit soll nur ein­tre­ten, wenn dem Ver­si­cher­ten un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung sei­ner In­ter­es­sen mit den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ein an­de­res Ver­hal­ten zu­ge­mu­tet wer­den kann (vgl. BSG, Ur­teil vom 12.07.2006 - B 11a AL 55/05 R -, SozR 4-4300 § 144 Nr. 14). Die Sperr­zeit soll die Ge­mein­schaft der Bei­trags­zah­ler da­vor schützen, dass An­spruchs­be­rech­tig­te das Ri­si­ko der Ar­beits­lo­sig­keit ma­ni­pu­lie­ren (BSG, Ur­teil vom 17.02.1981 - 7 RAr 90/79 -, SozR 4100 § 119 Nr. 14).
Maßge­bend für die Ent­schei­dung des Klägers, die Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses durch sei­ne Ei­genkündi­gung um ei­nen Tag vor­zu­ver­le­gen, war das Be­stre­ben, den An­spruch auf Alg am 31.01.2006 ent­ste­hen zu las­sen, um auf­grund der Über­g­angs­re­ge­lung des § 434l Abs. 1 (i.d.F. des Ge­set­zes zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24.12.2003, BGBl I 3002) die An­wen­dung des § 127 Abs. 1 und 2 SGB III in der bis zum 31.12.2003 gel­ten­den Fas­sung (i.d.F. des Ar­beitsförde­rungs-Re­form­ge­set­zes <AFRG> vom 24.03.1997, BGBl I 594) zu gewähr­leis­ten. Nach die­ser Fas­sung stand ihm ein Alg-An­spruch mit ei­ner Dau­er von 26 Mo­na­ten zu, während die An­spruchs­dau­er bei dem Ein­tritt von Ar­beits­lo­sig­keit erst am 01.02.2006 nur zwölf Mo­na­te (§ 127 Abs. 1 und 2 i.d.F. des Ge­set­zes zu Re­for­men am Ar­beits­markt vom 24.12.2003, BGBl I 3002) be­tra­gen hätte. Zur Über­zeu­gung des Se­nats stand die­sem In­ter­es­se kein gleich­wer­ti­ges In­ter­es­se der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft ge­genüber.
Es ist das selbst­verständ­li­che Recht je­des Ar­beit­neh­mers, ihm zu­ste­hen­de öffent­lich-recht­li­che Leis­tun­gen zu dem Zeit­punkt in An­spruch zu neh­men, der ihm von Rechts we­gen dafür eröff­net ist. We­der ein mit wirt­schaft­li­chen Ein­bußen ein­her­ge­hen­der gänz­li­cher noch ein der­ar­ti­ger teil­wei­ser Ver­zicht hier­auf kann von den In­ter­es­sen der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung her le­gi­ti­miert wer­den. Die­se In­ter­es­sen können al­len­falls ver­lan­gen, die Wahl des Zeit­punk­tes der Be­en­di­gung ei­ner Beschäfti­gung als Vor­aus­set­zung für den Ren­ten­an­spruch so zu ge­stal­ten, dass ei­ne da­durch be­ding­te und ei­nen Leis­tungs­an­spruch in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung auslösen­de Ar­beits­lo­sig­keit ver­mie­den oder je­den­falls auf das un­umgäng­li­che Maß be­schränkt wird (BSG, Ur­teil vom 26.11.1986 - 7 RAr 83/85 -, SozR 4100 § 119 Nr. 29). Ob­wohl die­se Ent­schei­dung des BSG auf die be­son­de­ren Verhält­nis­se der See-Schiff­fahrt ab­ge­stellt hat, las­sen sich die Erwägun­gen nach Auf­fas­sung des Se­nats auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen.
Der Kläger hätte oh­ne die Ei­genkündi­gung ei­nen um 14 Mo­na­te verkürz­ten Alg-An­spruch ge­habt, wo­ge­gen sei­ne Ar­beits­lo­sig­keit le­dig­lich um ei­nen Tag vor­ver­legt wur­de. Ein nicht zu bil­li­gen­des miss­bräuch­li­ches Han­deln des Klägers - et­wa, wenn ein In­ter­es­se an ei­ner Ver­mitt­lung nicht ge­ge­ben ge­we­sen wäre und es ihm aus­sch­ließlich auf die höchstmögli­che Ausschöpfung des Alg-An­spruchs an­ge­kom­men wäre - ist nicht er­sicht­lich. Viel­mehr hat er auf­grund ei­ge­ner Bemühun­gen ab 01.04.2006 wie­der ei­ne Beschäfti­gung auf­ge­nom­men. Auch hat er den (zusätz­li­chen) Leis­tungs­an­spruch in der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung auf den hier un­umgäng­li­chen Zeit­raum von ei­nem Tag be­schränkt. Un­ter Berück­sich­ti­gung des ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­maßver­bo­tes (vgl. BSG, Ur­teil vom 12.07.2006 - B 11a AL 47/05 R -, SozR 4-4300 § 144 Nr. 13) un­terläge es durch­grei­fen­den Be­den­ken, das Ei­gen­in­ter­es­se des Klägers an der für ihn güns­ti­gen Ver­schie­bung der Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses um ei­nen Tag un­berück­sich­tigt zu las­sen.
Da ei­ne Sperr­zeit nicht ein­ge­tre­ten ist, ist die Dau­er des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld auch nicht gemäß § 128 Abs. 1 Nr. 4 SGB III (i.d.F. des AFRG) ge­min­dert.
Al­ler­dings kann der Kläger Alg für den 31.01.2006 nicht be­an­spru­chen. Der An­spruch ruh­te we­gen des Er­halts ei­ner Ent­las­sungs­entschädi­gung gemäß § 143a Abs. 1 SGB III (i.d.F. des Ge­set­zes zur Ände­rung der Berück­sich­ti­gung von Ent­las­sungs­entschädi­gun­gen im Ar­beitsförde­rungs­recht vom 24.03.1999, BGBl I 396). Der Kläger hat we­gen der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung er­hal­ten, wo­bei ein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der "vor­zei­ti­gen" Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses und der Ent­las­sungs­entschädi­gung nicht not­wen­dig ist. Die dem Ar­beit­ge­ber ob­lie­gen­de Kündi­gungs­frist - hier zum 31.01.2006 - ist nicht ein­ge­hal­ten. Un­er­heb­lich ist, von wel­cher Sei­te der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in­iti­iert wor­den ist (vgl. Hen­ke in Ei­cher/Schle­gel, SGB III, § 143a Rd­Nrn. 60 und 93; Voelz­ke, SGb 2007, 713, 714). Der ka­len­dermäßig ab­lau­fen­de Ru­hens­zeit­raum be­trifft hier den 31.01.2006, mit des­sen Ab­lauf das Ar­beits­verhält­nis bei Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist des Ar­beit­ge­bers ge­en­det hätte.
Dem Kläger steht ein An­spruch auf Alg im Zeit­raum vom 01. bis 20.02.2006 zu. Er erfüll­te die ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 118 Abs. 1 SGB III (i.d.F. des Drit­ten Ge­set­zes für mo­der­ne Dienst­leis­tun­gen am Ar­beits­markt vom 23.12.2003, BGBl I 2848). Er war ar­beits­los, hat­te sich bei der Agen­tur für Ar­beit am 03.11.2005 ar­beits­los ge­mel­det und hat­te die An­wart­schafts­zeit erfüllt.
Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 193 SGG.
Die Re­vi­si­on wird we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che zu­ge­las­sen (§ 160 Abs. 2 Nr. 1 SGG).

 

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