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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Elternzeit, Arbeitszeitverringerung, Teilzeit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 9 AZR 72/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.12.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 18.12.2008, 11 Sa 299/08
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

9 AZR 72/09

11 Sa 299/08

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Düssel­dorf

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

15. De­zem­ber 2009

UR­TEIL

Jatz, Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. De­zem­ber 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Düwell, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner,


 

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den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Rein­fel­der so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Fal­tyn und Dr. Star­ke für Recht er­kannt:

Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 - 11 Sa 299/08 - auf­ge­ho­ben, so­weit es das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 26. Sep­tem­ber 2007 - 6 Ca 1828/07 - ab­geändert hat. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts wird zurück­ge­wie­sen.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Es­sen vom 26. Sep­tem­ber 2007 - 6 Ca 1828/07 - wird be­rich­tigt und im Haupt­aus­spruch zur Klar­stel­lung wie folgt ge­fasst:

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, dem An­trag der Kläge­rin auf Ver­rin­ge­rung ih­rer ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den in der Zeit vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 zu­zu­stim­men und die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf mitt­wochs und frei­tags je­weils acht St­un­den so­wie auf wei­te­re vier St­un­den mon­tags, diens­tags oder don­ners­tags fest­zu­le­gen. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin hat 3/4 der Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu tra­gen, die Be­klag­te 1/4. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten noch darüber, ob die Kläge­rin während der El­tern­zeit An­spruch auf Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung ih­rer Ar­beits­zeit hat.

Die Kläge­rin ist seit Mai 1992 für die Be­klag­te und de­ren Rechts­vorgänge­rin tätig, seit Ja­nu­ar 2002 in Voll­zeit als Lei­te­rin des Con­trol­lings. Ihr war Pro­ku­ra er­teilt. Un­ter­neh­mens­ge­gen­stand der Be­klag­ten ist Im­mo­bi­li­en­pro­jekt­ent­wick­lung. Ih­re Rechts­vorgänge­rin beschäftig­te idR über 15 Ar­beit­neh­mer.


 

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Die Kläge­rin ge­bar am 21. De­zem­ber 2006 ei­nen Sohn. Sie wand­te sich nach der Ge­burt mit Schrei­ben vom 5. Ja­nu­ar 2007 an die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten. Der Brief ging die­ser am 31. Ja­nu­ar 2007 zu. Das Schrei­ben vom 5. Ja­nu­ar 2007 lau­tet aus­zugs­wei­se:

„An­mel­dung El­tern­zeit

...

am 21. De­zem­ber 2006 wur­de mein Sohn L ge­bo­ren. Da­mit ein­her­ge­hend be­an­tra­ge ich wie mit Herrn D und Ih­nen im Vor­feld be­spro­chen ei­ne zweijähri­ge El­tern­zeit.

Gleich­zei­tig möch­te ich während die­ser Zeit in Teil­zeit in­ner­halb des ge­setz­lich mögli­chen Um­fangs von ma­xi­mal 30 Wo­chen-St­un­den für 20 Wo­chen-St­un­den ar­bei­ten. Die­se Teil­zeit soll nach bis­he­ri­ger Ver­ein­ba­rung ab dem 23. Au­gust, al­so nach rd. 6 Mo­na­ten nach Ab­lauf der Mut­ter­schutz­frist be­gin­nen und für die Dau­er der El­tern­zeit gel­ten. Für die Dau­er von ei­nem Jahr hat auch mein Mann, Herr W, bei sei­nem Ar­beit­ge­ber El­tern­zeit be­an­tragt, so dass von Au­gust 2007 bis Au­gust 2008 ei­ne ge­mein­sa­me El­tern­zeit gilt. Für mei­ne Teil­zeit­ar­beit würde ich den Mitt­woch, den Frei­tag und stun­den­wei­se Heim­ar­beit vor­se­hen bzw. vor­schla­gen.“

Die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten be­ant­wor­te­te das Schrei­ben der Kläge­rin mit Brief vom 20. Fe­bru­ar 2007, der Kläge­rin zu­ge­gan­gen am 23. Fe­bru­ar 2007. In dem Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2007 heißt es ua.:

„El­tern­zeit/Teil­zeit

...

Die­ses Schrei­ben vom 05.01.2007, in dem Sie so­wohl El­tern­zeit als auch ei­ne Teil­zeittätig­keit während der El­tern­zeit be­an­tra­gen, er­reich­te uns erst am 31.01.2007. ...

Zu Ih­ren Anträgen möch­ten wir wie folgt Stel­lung neh­men: a) El­tern­zeit

Wir bestäti­gen den Ein­gang Ih­res Schrei­bens, wo­mit Sie für den Zeit­raum

15.02.2007 bis 21.12.2008

Er­zie­hungs­ur­laub be­an­tragt ha­ben. ...


 

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b) Teil­zeittätig­keit während Ih­rer El­tern­zeit

Wir ha­ben uns ein­ge­hend mit Ih­rem nun­mehr geäußer­ten Wunsch auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit be­fasst. Die­sem ste­hen je­doch lei­der die sog. drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen, die Ih­nen auf­grund Ih­rer Tätig­keit be­kannt sind. ...

...

Sie sind lei­ten­de An­ge­stell­te mit Pro­ku­ra und be­sit­zen als sol­che die Po­si­ti­on ‚Lei­te­rin Con­trol­ling’. Die­se Schlüssel­po­si­ti­on in un­se­rem Un­ter­neh­men und ins­be­son­de­re auch die von Ih­nen in­ne­ge­hal­te­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Funk­ti­on set­zen ei­ne voll­zei­ti­ge An­we­sen­heit Ih­rer Per­son von Mon­tag bis Frei­tag und ge­ge­be­nen­falls darüber hin­aus vor­aus. Dies gilt ins­be­son­de­re für die zwin­gend er­for­der­li­che Teil­nah­me an den re­gelmäßigen, häufi­gen und kurz­fris­tig im Vor­aus nicht plan­ba­ren Be­spre­chun­gen so­wie durch­zuführen­den Dienst­rei­sen im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet so­wie das an­gren­zen­de Aus­land. Der Ar­beits­platz ist als Teil­zeit­ar­beits­platz nicht ge­eig­net.

Darüber hin­aus ste­hen wir seit ge­rau­mer Zeit in­mit­ten ei­ner um­fang­rei­chen und für un­ser Un­ter­neh­men exis­ten­zi­el­len Um­struk­tu­rie­rung, Neu­aus­rich­tung und Be­triebsände­rung. Wie Sie wis­sen, wur­den sämt­li­che Geschäfts­an­tei­le der V D GmbH mit Wir­kung zum 23.07.2006 von der D GmbH ver­kauft. Hier­aus ha­ben sich be­reits in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten und wer­den sich vor­nehm­lich auch zukünf­ti­ge Be­triebsände­run­gen er­ge­ben, die di­rek­te oder in­di­rek­te Aus­wir­kun­gen auf die Ar­beits­verhält­nis­se von Mit­ar­bei­tern der V D GmbH ha­ben wer­den. Hier­zu zählt u. a. der Weg­fall der Tätig­kei­ten Miet­buch­hal­tung und Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung, der Weg­fall des Be­richts­we­sens und der Mo­nats- und Jah­res­ab­schlüsse für die ausländi­schen Toch­ter­un­ter­neh­men durch die recht­li­che Tren­nung von V D GmbH, die Über­nah­me der Buch­hal­tung für die in Ab­wick­lung be­find­li­che V B GmbH bis 2008, die Über­nah­me der Buch­hal­tung für die O Grup­pe, die Über­nah­me al­ler Steu­er- und Fi­nanz­the­men für un­se­re und die be­treu­ten Ge­sell­schaf­ten in die Zen­tra­le E so­wie die Ver­set­zung von Mit­ar­bei­tern im Zu­ge wei­te­rer in­ter­ner Verände­run­gen wie z. B. bei der Auflösung des Be­rei­ches Pro­jekt­ent­wick­lungs­ma­nage­ment.


 

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Darüber hin­aus er­folgt im Zeit­raum 2006 bis 2008 ei­ne kon­zern­wei­te Um­stel­lung/An­pas­sung der EDV-Sys­te­me von SAP auf das von der Kon­zern­mut­ter vor­ge­ge­be­ne Axap­ta Sys­tem. Auch im Rah­men die­ser lang­fris­ti­gen Um­stel­lung ist es er­for­der­lich, dass die Lei­tung des Be­rei­ches Con­trol­ling den je­wei­li­gen in­ter­nen und ex­ter­nen An­sprech­part­nern je­der­zeit zur Verfügung steht, um den Sys­temüber­gang rei­bungs­los zu be­glei­ten und si­cher­zu­stel­len. Dies gilt selbst­verständ­lich auch für die durch­zuführen­den Schu­lungs­maßnah­men etc. Die von Ih­nen in­ne­ge­hal­te­ne Po­si­ti­on gilt im Zu­sam­men­hang mit der Um­stel­lung als Schlüssel­po­si­ti­on.

Die Ih­nen be­kann­ten Um­struk­tu­rie­rungs­maßnah­men er­for­dern ei­ne voll­zei­ti­ge Tätig­keit und ins­be­son­de­re auch ei­ne tägli­che Verfügbar­keit des Stel­len­in­ha­bers zur Er­le­di­gung der an die­se ver­ant­wor­tungs­vol­le Po­si­ti­on ge­bun­de­nen Auf­ga­ben.

Die von Ih­nen gewünsch­te Auf­tei­lung ist darüber hin­aus auch aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen nicht möglich. Die von Ih­nen be­setz­te Po­si­ti­on als Lei­te­rin Con­trol­ling kann aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen nicht in meh­re­re Teil­zeit­stel­len auf­ge­teilt wer­den. Dies des­halb, weil Sie als lei­ten­de An­ge­stell­te mit Pro­ku­ra je­der­zeit für Be­spre­chun­gen und Ent­schei­dun­gen zur Verfügung ste­hen müssen, wel­che auf das Wis­sen und die Kennt­nis­se der be­triebs­in­ter­nen und be­triebs­ex­ter­nen Vorgänge der ge­sam­ten Ar­beits­zeit ei­ner gan­zen Wo­che be­ru­hen. Darüber hin­aus muss die Lei­te­rin Con­trol­ling re­gelmäßig an meh­re­ren Ta­gen in der Wo­che hin­ter­ein­an­der an Pro­jek­ten mit­ar­bei­ten, an in­ter­nen und ex­ter­nen Be­spre­chun­gen teil­neh­men. Die durch ei­ne Auf­tei­lung des Ar­beits­plat­zes fol­gen­de ein­ge­schränk­te Plan­bar­keit und Verfügbar­keit würde zu ei­ner feh­len­den wirt­schaft­li­chen Ver­wert­bar­keit der Ar­beits­kraft führen. Die Stel­le Lei­te­rin Con­trol­ling muss zwin­gend durch ei­ne Voll­zeit­ar­beits­kraft be­setzt sein.“

Der Lei­ter des Rech­nungs­we­sens der Be­klag­ten ver­trat die Kläge­rin während ei­nes Teils ih­rer Ab­we­sen­heit von No­vem­ber 2006 bis Au­gust 2007 kom­mis­sa­risch. Er ver­sah die Auf­ga­ben der Kläge­rin zusätz­lich zu sei­ner ei­ge­nen Lei­tungs­funk­ti­on.


 

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Die Kläge­rin hat das El­tern­zeit­ver­lan­gen vom 5. Ja­nu­ar 2007 in der Kla­ge­schrift vom 23. Mai 2007 we­gen arg­lis­ti­ger Täuschung an­ge­foch­ten und sei­ne Geschäfts­grund­la­ge für ent­fal­len ge­hal­ten. Sie meint, die Be­klag­te ha­be kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe dar­ge­legt, die ih­rem Teil­zeit­an­spruch ent­ge­genstünden. Ihr Ar­beits­platz sei teil­bar. Zu­sam­menkünf­te und Be­spre­chun­gen könn­ten auch bei ei­ner Teil­zeittätig­keit so ab­ge­stimmt wer­den, dass ih­re An­we­sen­heit si­cher­ge­stellt sei. Dienst­rei­sen hätten in der Ver­gan­gen­heit nur 15 % ih­rer Tätig­keit aus­ge­macht. 85 % ih­rer Auf­ga­ben ha­be sie am Schreib­tisch er­le­digt. Vie­le or­ga­ni­sa­to­ri­sche An­ge­le­gen­hei­ten könn­ten über Da­ten­ver­bin­dun­gen oder per E-Mail von zu Hau­se aus be­ar­bei­tet wer­den. An der Ver­tre­tung durch den Lei­ter des Rech­nungs­we­sens von No­vem­ber 2006 bis Au­gust 2007 zei­ge sich, dass Teil­zeit­ar­beit in der Funk­ti­on der Lei­tung des Con­trol­lings möglich sei. Die nöti­gen Ent­schei­dun­gen müss­ten nicht un­ter großem Zeit­druck ge­trof­fen wer­den.

Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der von ihr be­an­trag­ten Gewährung von El­tern­zeit für den Zeit­raum vom 21. De­zem­ber 2006 bis 22. Au­gust 2007 und vom 23. Au­gust 2008 bis 22. Au­gust 2009 zu­zu­stim­men, und zwar mit ei­ner Beschäfti­gung während des Zeit­raums vom 23. Au­gust 2008 bis 22. Au­gust 2009 in der bis­he­ri­gen Funk­ti­on (Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra) in Teil­zeit (20 Wo­chen­stun­den), und zwar mon­tags und frei­tags je­weils an acht St­un­den und für wei­te­re vier St­un­den un­ter der Wo­che in Form von Ho­me-Of­fice;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie vor­be­halt­lich der sich aus der Erfüllung des An­trags zu 1 er­ge­ben­den Rechts­fol­gen (Teil­zeittätig­keit während der be­an­trag­ten El­tern­zeit) zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen (Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra) zu beschäfti­gen;

3. hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, sie zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen (Lei­te­rin Con­trol­ling mit Pro­ku­ra) während der für den Zeit­raum vom 21. De­zem­ber 2006 bis 20. De­zem­ber 2008 ver­ein­bar­ten El­tern­zeit in Teil­zeit (20 Wo­chen­stun­den) zu beschäfti­gen und dem An­trag zu­zu­stim­men, die Beschäfti­gung vor­zu­neh­men mitt­wochs und frei­tags an je­weils acht St­un­den und im Um­fang von wei­te­ren


 

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vier Wo­chen­stun­den zu Hau­se (Ho­me-Of­fice);

4. äußerst hilfs­wei­se die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der

von ihr be­an­trag­ten Gewährung von El­tern­zeit für den Zeit­raum vom 21. De­zem­ber 2006 bis 21. De­zem­ber 2008 zu­zu­stim­men, und zwar mit ei­ner Beschäfti­gung in der bis­he­ri­gen Funk­ti­on in Teil­zeit (20 Wo­chen­stun­den), und zwar mitt­wochs und frei­tags je­weils acht St­un­den und für wei­te­re vier St­un­den un­ter der Wo­che ab 23. Au­gust 2007.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie ist der An­sicht, das Rechts­mit­tel der Kläge­rin wer­de den An­for­de­run­gen ei­ner ord­nungs­gemäßen Re­vi­si­ons­be­gründung nicht ge­recht. Je­den­falls stünden dem Teil­zeit­an­trag drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen. Die Be­klag­te be­ruft sich auf die in ih­rem Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2007 ge­nann­ten Ge­gen­gründe. Sie ha­be zu­dem mit Wir­kung vom 24. Ok­to­ber 2007 den Be­schluss ge­fasst, ih­re Haupt­ver­wal­tung in E bis spätes­tens 30. Ju­ni 2008 zu schließen und das Con­trol­ling bis zu die­sem Zeit­punkt stu­fen­wei­se von E nach B zu ver­la­gern.

Das Ar­beits­ge­richt hat dem An­trag zu 4 teil­wei­se statt­ge­ge­ben und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Es hat die Be­klag­te ver­ur­teilt, dem An­trag der Kläge­rin auf Re­du­zie­rung ih­rer ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den ab 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 zu­zu­stim­men so­wie die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf mon­tags und frei­tags je­weils acht St­un­den und un­ter der Wo­che für wei­te­re vier St­un­den fest­zu­le­gen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das erst­in­stanz­li­che Ur­teil auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten teil­wei­se ab­geändert und die ge­sam­te Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Be­ru­fungs­ur­teil ist der Kläge­rin am 2. Ja­nu­ar 2009 zu­ge­stellt wor­den. Mit ih­rer vom Lan­des­ar­beits­ge­richt un­be­schränkt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin nur noch das Ziel, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, dem An­trag auf Re­du­zie­rung ih­rer ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den ab 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 zu­zu­stim­men und die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf mitt­wochs und frei­tags auf je­weils acht St­un­den und un­ter der Wo­che auf wei­te­re vier St­un­den fest­zu­le­gen. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on als un­zulässig zu ver­wer­fen, sie je­den­falls als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen.


 

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Im Kopf der Re­vi­si­ons­schrift sind die Da­ten der Kläge­rin und der Be­klag­ten so­wie ih­re Par­tei­rol­len be­zeich­net. Die Re­vi­si­on ist na­mens der Kläge­rin ge­gen ein Ur­teil des Land­ge­richts Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 (- 11 Sa 299/08 -, Vor­in­stanz: Ar­beits­ge­richt Es­sen - 6 Ca 1828/07 -) ge­rich­tet. Die am 30. Ja­nu­ar 2009 per Te­le­fax ein­ge­reich­te Re­vi­si­ons­schrift ver­weist auf ei­ne bei­gefügte Ab­schrift des Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 (- 11 Sa 299/08 -).

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on der Kläge­rin hat Er­folg. Sie führt zur teil­wei­sen Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils so­wie zur Wie­der­her­stel­lung und Be­rich­ti­gung des Ur­teils ers­ter In­stanz, so­weit das Ar­beits­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat. Der Teil des An­trags zu 4, über den der Se­nat noch zu ent­schei­den hat, ist be­gründet. Die Kläge­rin hat An­spruch auf El­tern­teil­zeit in der Zeit vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008.

A. Die Re­vi­si­on ist zulässig.

I. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ist in der frist­ge­recht ein­ge­reich­ten Re­vi­si­ons­schrift ent­ge­gen der Rüge der Be­klag­ten hin­rei­chend be­zeich­net iSv. § 549 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 ZPO (zu die­sem Er­for­der­nis ausführ­lich Se­nat 19. Mai 2009 - 9 AZR 145/08 - Rn. 22 mwN, EzTöD 700 TV ATZ Nr. 16). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin die Be­ru­fungs­ent­schei­dung als Ur­teil des „Land­ge­richts“ Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 (- 11 Sa 299/08 -) be­nannt hat. Es han­delt sich er­sicht­lich um ein Ver­se­hen. Für die Be­klag­te und den Se­nat konn­te nicht zwei­fel­haft sein, dass die Kläge­rin das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 18. De­zem­ber 2008 (- 11 Sa 299/08 -) an­fech­ten woll­te. Dafür spre­chen die zu­tref­fen­den An­ga­ben im Kopf der Re­vi­si­ons­schrift zu den Par­tei­en und ih­ren Rol­len, die mit den Ak­ten­zei­chen zi­tier­ten erst- und zweit­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen so­wie die bei­gefügte Ab­schrift des Be­ru­fungs­ur­teils.

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II. Die Re­vi­si­on ist aus­rei­chend be­gründet. Sie ent­spricht den Er­for­der­nis­sen des § 72 Abs. 5 ArbGG iVm. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 ZPO.

1. Auch bei Sachrügen muss die Re­vi­si­ons­be­gründung die Umstände nen­nen, aus de­nen sich die Rechts­ver­let­zung er­ge­ben soll (§ 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a ZPO). Die ver­letz­te Rechts­norm braucht seit In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur Re­form des Zi­vil­pro­zes­ses vom 27. Ju­li 2001 (BGBl. I S. 1887) nicht mehr be­zeich­net zu wer­den. Die Re­vi­si­ons­be­gründung muss den an­ge­nom­me­nen Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts je­doch in ei­ner Wei­se ver­deut­li­chen, die Ge­gen­stand und Rich­tung des Re­vi­si­ons­an­griffs er­ken­nen lässt. Die Re­vi­si­ons­be­gründung hat sich des­halb mit den tra­gen­den Gründen des Be­ru­fungs­ur­teils aus­ein­an­der­zu­set­zen. Es genügt nicht, dass der Re­vi­si­onskläger le­dig­lich ab­wei­chen­de Rechts­an­sich­ten äußert. Da­durch soll ua. si­cher­ge­stellt wer­den, dass der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Re­vi­si­ons­klägers das an­ge­foch­te­ne Ur­teil auf das Rechts­mit­tel hin über­prüft und die Rechts­la­ge ge­nau durch­denkt. Die Re­vi­si­ons­be­gründung soll durch ih­re Kri­tik an dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil außer­dem zur rich­ti­gen Rechts­fin­dung des Re­vi­si­ons­ge­richts bei­tra­gen (für die st. Rspr. Se­nat 13. Ok­to­ber 2009 - 9 AZR 875/08 - Rn. 12 mwN).

2. Die­sen An­for­de­run­gen wird die Re­vi­si­ons­be­gründung ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten ge­recht.

a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den statt­ge­ben­den Teil der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts mit der Über­le­gung ab­geändert, der Ar­beits­platz der Kläge­rin sei un­teil­bar. Die Be­klag­te ha­be ein Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept vor­ge­tra­gen, das die gewünsch­te Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung der Ar­beits­zeit aus­sch­ließe. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten sei aus­rei­chend sub­stan­ti­iert. Da­nach set­ze die Po­si­ti­on der „Lei­te­rin Con­trol­ling“ vor­aus, dass die Ar­beit­neh­me­rin in Voll­zeit von Mon­tag bis Frei­tag und ggf. darüber hin­aus an­we­send sei. Das gel­te ins­be­son­de­re für die zwin­gend er­for­der­li­che Teil­nah­me an re­gelmäßigen, tägli­chen, kurz­fris­ti­gen und im Vor­aus nicht plan­ba­ren Be­spre­chun­gen mit den Geschäftsführern, Nie­der­las­sungs­lei­tern, Ab­tei­lungs­lei­tern, Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen, den Ge­sell­schaf­tern und Be­reichs­lei­tern von


 

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O Ger­ma­ny und O Lu­xem­burg so­wie den Mit­ar­bei­tern der Kläge­rin. Hin­zu kämen die nöti­gen Dienst­rei­sen im In- und Aus­land und die stu­fen­wei­se Ver­la­ge­rung des Con­trol­lings von E nach B bis spätes­tens 30. Ju­ni 2008. Die Kläge­rin räume die­sen Vor­trag der Be­klag­ten in­di­rekt ein, wenn sie an­bie­te, not­falls auch außer­halb der bei­den An­we­sen­heits­ta­ge in den Be­trieb zu kom­men.

b) Die Re­vi­si­ons­be­gründung tritt die­sen Erwägun­gen mit der Über­le­gung ent­ge­gen, dass der Ar­beits­platz der Kläge­rin teil­bar sei. Für sei­ne Teil­bar­keit spre­che ins­be­son­de­re, dass die Kläge­rin ge­rau­me Zeit vom Lei­ter des Rech­nungs­we­sens ver­tre­ten wor­den sei. Die Be­klag­te ha­be kei­ne Voll­zeit­ver-tre­tung ein­ge­stellt, son­dern die Auf­ga­ben der Kläge­rin auf meh­re­re Ar­beit­neh­mer ver­teilt. Dienst­rei­sen, die nur 15 % der Auf­ga­ben der Kläge­rin aus­mach­ten, könn­ten an den drei An­we­sen­heits­ta­gen durch­geführt wer­den, zu­mal die Be­klag­te vier St­un­den va­ria­bel ver­tei­len könne. Dienst­rei­sen könn­ten außer­dem an an­de­re Ar­beit­neh­mer des Con­trol­lings de­le­giert wer­den. Ent­spre­chen­des gel­te für die Teil­nah­me an Be­spre­chun­gen. Mit ih­rer Be­reit­schaft, te­le­fo­nisch je­der­zeit er­reich­bar zu sein, ha­be die Kläge­rin le­dig­lich Ver­gleichs­be­reit­schaft si­gna­li­siert. Auf den Be­schluss der Be­klag­ten vom 24. Ok­to­ber 2007, den Be­trieb ab Ju­li 2008 zu ver­le­gen, kom­me es nicht an, weil die Kläge­rin die El­tern­teil­zeit be­reits im Ja­nu­ar 2007 be­an­tragt ha­be.

c) Da­mit setzt sich die Re­vi­si­ons­be­gründung mit al­len tra­gen­den Ar­gu­men­ta­ti­ons­li­ni­en des Lan­des­ar­beits­ge­richts aus­ein­an­der. Sie be­han­delt die Fra­gen der Un­teil­bar­keit des Ar­beits­plat­zes, der mögli­chen De­le­ga­ti­on von Auf­ga­ben wie et­wa Dienst­rei­sen und Be­spre­chun­gen, der va­ria­blen Fest­le­gung ei­nes Ar­beits­zeit­an­teils von vier St­un­den und der be­schlos­se­nen Be­triebs­ver­le­gung.

B. Die Re­vi­si­on ist be­gründet.

I. Die auf Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung ge­rich­te­te Kla­ge ist zulässig.


 

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1. Der Teil des An­trags zu 4, über den noch zu ent­schei­den ist, ist hin rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.

a) Die Be­klag­te soll ver­ur­teilt wer­den, dem An­trag der Kläge­rin auf Ver­rin­ge­rung ih­rer ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den zu­zu­stim­men. Die Re­du­zie­rung soll für die Zeit vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 be­fris­tet wer­den. Die Ar­beits­zeit soll auf je­weils acht St­un­den mitt­wochs und frei­tags ver­teilt wer­den. Die Ver­tei­lung wei­te­rer vier St­un­den überlässt die Kläge­rin der Wei­sung der Be­klag­ten. Die Kläge­rin meint mit „un­ter der Wo­che“ er­kenn­bar die drei Ta­ge Mon­tag, Diens­tag und Don­ners­tag.

b) Die Kläge­rin muss­te die Neu­ver­tei­lung der Ar­beits­zeit nicht für al­le Tei­le der gewünsch­ten Wo­chen­ar­beits­zeit von 20 St­un­den fest­le­gen. Sie durf­te die Ver­tei­lung von vier Wo­chen­stun­den der Ausübung des Wei­sungs­rechts der Be­klag­ten nach bil­li­gem Er­mes­sen über­las­sen, § 106 Satz 1 Ge­wO iVm. § 315 Abs. 1 BGB (vgl. Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 22, BA­GE 123, 30). Die gewünsch­te Ver­tei­lung der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit soll nach § 15 Abs. 7 Satz 3 BEEG zwar im An­trag an­ge­ge­ben wer­den. Der Ar­beit­neh­mer ist da­zu aber nicht ver­pflich­tet.

2. Für den Leis­tungs­an­trag be­steht das er­for­der­li­che all­ge­mei­ne Rechts­schutz­bedürf­nis. Es er­gibt sich re­gelmäßig schon dar­aus, dass der er­ho­be­ne An­spruch nicht erfüllt ist. Das Rechts­schutz­bedürf­nis be­steht für den mitt­ler­wei­le be­en­de­ten Zeit­raum vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 fort. Die ver­lang­te El­tern­teil­zeit kann we­gen mögli­cher Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung noch fi­nan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen ha­ben (vgl. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 16 mwN, BA­GE 126, 276; ausführ­lich 9. Mai 2006 - 9 AZR 278/05 - Rn. 12 f., AP BErzGG § 15 Nr. 47 = EzTöD 100 TVöD-AT § 11 El­tern­zeit Nr. 1).

II. Der Teil der Kla­ge, über den noch zu be­fin­den ist, hat Er­folg. Der Teil­zeit­an­spruch der Kläge­rin be­ruht auf § 15 Abs. 6 und 7 BEEG. Mit Rechts­kraft des ob­sie­gen­den Ur­teils gilt die Zu­stim­mung der Be­klag­ten zu der an-


 

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ge­bo­te­nen Ver­tragsände­rung durch El­tern­teil­zeit nach § 894 Satz 1 ZPO als er­teilt.

1. Die Kla­ge ist nicht schon des­we­gen un­be­gründet, weil die Kläge­rin die rück­wir­ken­de Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung ih­rer Ar­beits­zeit ab 23. Au­gust 2007 ver­langt. Seit In­kraft­tre­ten des § 311a BGB in der Fas­sung des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26. No­vem­ber 2001 (BGBl. I S. 3138) kommt auch die Ver­ur­tei­lung zur Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung in Be­tracht, mit der ein Ver­trags­an­ge­bot an­ge­nom­men wer­den soll, das rück­wir­kend auf ei­ne Ver­tragsände­rung zu ei­nem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­punkt ge­rich­tet ist (für die st. Rspr. Se­nat 15. Sep­tem­ber 2009 - 9 AZR 608/08 - Rn. 15, NZA 2010, 32). Die er­streb­te Fik­ti­on der Ab­ga­be der An­nah­me­erklärung nach § 894 Satz 1 ZPO soll zum Ab­schluss ei­nes Ver­trags führen, der rück­wir­kend Rech­te und Pflich­ten be­gründet.

2. Auf den Rechts­streit ist nicht mehr § 15 BErzGG, son­dern § 15 BEEG idF vom 5. De­zem­ber 2006 an­zu­wen­den, ob­wohl der Sohn der Kläge­rin am 21. De­zem­ber 2006 ge­bo­ren wur­de.

a) Der Zwei­te Ab­schnitt des Bun­des­er­zie­hungs­geld­ge­set­zes ist am 31. De­zem­ber 2006 außer Kraft ge­tre­ten. Nach dem Wort­laut von § 27 Abs. 2 Satz 1 BEEG fände auf das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin als Mut­ter ei­nes vor dem 1. Ja­nu­ar 2007 ge­bo­re­nen Kin­des der Zwei­te Ab­schnitt des BEEG An­wen­dung. § 27 Abs. 2 Satz 1 BEEG soll je­doch nicht rück­wir­kend Sach­ver­hal­te re­geln, die bei In­kraft­tre­ten des BEEG am 1. Ja­nu­ar 2007 be­reits ab­ge­schlos­sen wa­ren. Neu­es Recht ist nur an­zu­wen­den, wenn nach dem 31. De­zem­ber 2006 Tat­sa­chen ent­ste­hen, die für die Be­stim­mun­gen im Zwei­ten Ab­schnitt des BEEG er­heb­lich sind (Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 19 mwN, BA­GE 126, 276).

b) Für die hier zu be­ur­tei­len­de Fra­ge ei­nes An­spruchs auf El­tern­teil­zeit kommt es nicht nur auf die Ge­burt des Kin­des vor dem 1. Ja­nu­ar 2007 an, son­dern auch auf das Teil­zeit­ver­lan­gen der Kläge­rin vom 5. Ja­nu­ar 2007, das der Be­klag­ten am 31. Ja­nu­ar 2007 zu­ging. El­tern­zeit und El­tern­teil­zeit konn­ten


 

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erst nach dem En­de der Mut­ter­schutz­frist im Jahr 2007 be­gin­nen. Die Zeit der Mut­ter­schutz­frist nach § 6 Abs. 1 MuSchG wird le­dig­lich auf die Be­gren­zung der El­tern­zeit bis zur Voll­endung des drit­ten Le­bens­jah­res des Kin­des an­ge­rech­net (§ 15 Abs. 2 Satz 2 iVm. Satz 1 BEEG). Für die Fra­ge ent­ge­gen­ste­hen­der drin­gen­der be­trieb­li­cher Gründe sind die Verhält­nis­se im Zeit­punkt der Ab­leh­nung des An­trags durch den Ar­beit­ge­ber maßgeb­lich. Der dem An­trag auf El­tern­teil­zeit zu­grun­de lie­gen­de Sach­ver­halt war dem­nach am 1. Ja­nu­ar 2007 noch nicht ab­ge­schlos­sen. Im Übri­gen be­steht kein in­halt­li­cher Un­ter­schied zwi­schen § 15 f. BErzGG und § 15 f. BEEG idF vom 5. De­zem­ber 2006 (vgl. nur Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 19, BA­GE 126, 276).

3. Nach § 15 Abs. 6 BEEG kann der Ar­beit­neh­mer oder die Ar­beit­neh­me­rin ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber un­ter den Vor­aus­set­zun­gen des § 15 Abs. 7 BEEG während der Ge­samt­dau­er der El­tern­zeit zwei­mal ei­ne Ver­rin­ge­rung sei­ner oder ih­rer Ar­beits­zeit be­an­spru­chen. Der An­spruch iSv. § 194 Abs. 1 BGB rich­tet sich auf Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers zu der vom Ar­beit­neh­mer nach § 15 Abs. 7 Satz 2 BEEG be­an­trag­ten Ver­tragsände­rung. Der Ar­beit­ge­ber hat dem An­trag des Ar­beit­neh­mers zu­zu­stim­men, so­weit dem An­spruch kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe iSv. § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG ent­ge­gen­ste­hen. Der Ar­beit­ge­ber muss dem Ar­beit­neh­mer sei­ne Ab­leh­nung in­ner­halb der Vier­wo­chen­frist des § 15 Abs. 4 Satz 4 BEEG mit schrift­li­cher Be­gründung mit­tei­len (vgl. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 20, BA­GE 126, 276).

4. Die für den An­spruch auf El­tern­teil­zeit nöti­ge El­tern­zeit be­stand im An­spruchs­zeit­raum. Der An­spruch auf El­tern­teil­zeit hängt vom Recht auf El­tern­zeit ab (vgl. im Ein­zel­nen Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 28 ff. und 31 ff., BA­GE 123, 30).

a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Schrei­ben der Kläge­rin vom Ja­nu­ar 2007 nach §§ 133, 157 BGB als Ver­lan­gen nach El­tern­zeit in der Zeit vom 15. Fe­bru­ar 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 und zu­gleich als An­trag auf El­tern­teil­zeit für die Zeit vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 ver­stan­den. Die nur be­schränkt re­vi­si­ble Aus­le­gung die­ser aty­pi­schen Erklärung


 

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lässt kei­nen Rechts­feh­ler er­ken­nen. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat die Aus­le­gungs­vor­schrif­ten der §§ 133, 157 BGB nicht ver­letzt. Es hat auch nicht ge­gen Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­s­toßen oder Umstände, die für die Aus­le­gung von Be­deu­tung sein können, außer Acht ge­las­sen. Der Ar­beit­neh­mer darf den An­trag auf Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung sei­ner Ar­beits­zeit gleich­zei­tig mit dem El­tern­zeit­ver­lan­gen stel­len (ausführ­lich Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 21 f., BA­GE 126, 276; 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 28 ff. und 31 ff., BA­GE 123, 30).

b) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass die Kläge­rin das Ge­stal­tungs­recht des Ver­lan­gens nach El­tern­zeit un­ter dem 5. Ja­nu­ar 2007 wirk­sam ausübte (zum Cha­rak­ter des Ver­lan­gens nach El­tern­zeit als Ge­stal­tungs­recht im Un­ter­schied zum An­spruch auf Ver­tragsände­rung durch El­tern­teil­zeit näher Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 23, BA­GE 126, 276). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass das Schrei­ben vom 5. Ja­nu­ar 2007 der Be­klag­ten erst am 31. Ja­nu­ar 2007 zu­ging und die El­tern­zeit am 15. Fe­bru­ar 2007 be­gin­nen soll­te. Die Sie­ben­wo­chen­frist des § 16 Abs. 1 Satz 1 BEEG wur­de zwar un­ter­schrit­ten. Die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten ließ sich aber mit Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2007 vor­be­halt­los auf den El­tern-zeit­an­trag ein. Der Ar­beit­ge­ber kann auf die Ankündi­gungs­frist, die nur sei­nem Schutz dient, ver­zich­ten (Buch­ner/Be­cker Mut­ter­schutz­ge­setz und Bun­des-el­tern­geld- und El­tern­zeit­ge­setz 8. Aufl. § 16 BEEG Rn. 9).

c) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, das El­tern­zeit­ver­lan­gen sei man­gels An­fech­tungs­grun­des nicht wirk­sam ent­spre­chend § 123 Abs. 1 BGB an­ge­foch­ten. Die Kläge­rin könne auch nicht ver­lan­gen, dass der mit Schrei­ben vom 5. Ja­nu­ar 2007 fest­ge­leg­te Zeit­raum für die El­tern­zeit nach den Re­geln der Störung der Geschäfts­grund­la­ge (§ 313 Abs. 1 BGB) an­ge­passt wer­de. Dem ist die re­vi­si­ons­be­klag­te Ar­beit­ge­be­rin nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. Die Kläge­rin be­fand sich vom 15. Fe­bru­ar 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 in El­tern­zeit.

5. Der An­trag der Kläge­rin auf El­tern­teil­zeit vom 5. Ja­nu­ar 2007 ist hin­rei­chend be­stimmt. Den Er­for­der­nis­sen des § 145 BGB ist genügt.


 

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a) Ein Ver­rin­ge­rungs­an­trag nach § 15 Abs. 6 BEEG muss so for­mu­liert sein, dass er durch ein schlich­tes „Ja“ an­ge­nom­men wer­den kann. Dem An­trags­empfänger kann das Recht ein­geräumt wer­den, die Ein­zel­hei­ten fest­zu­le­gen (vgl. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 23, BA­GE 126, 276; 19. April 2005 - 9 AZR 233/04 - zu II 1 der Gründe, BA­GE 114, 206).

b) Der El­tern­teil­zeit­an­trag vom 5. Ja­nu­ar 2007 wird die­sen An­for­de­run­gen ge­recht. Die Kläge­rin be­an­trag­te mit ihm nach der nicht zu be­an­stan­den­den Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, ih­re Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den in der Zeit vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 zu ver­rin­gern. Ge­gen ein aus­rei­chend be­stimm­tes An­ge­bot spricht nicht, dass die Kläge­rin oh­ne nähe­re Zeit­an­ga­ben vor­schlug, die Ar­beits­zeit auf Mitt­woch und Frei­tag (im Be­trieb) zu ver­tei­len und ihr stun­den­wei­se Heim­ar­beit zu­zu­wei­sen. Sie be­ließ es bei ei­nem Vor­schlag für die Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten.

6. Die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen ei­nes An­spruchs auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit nach § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 1 bis 3 und 5 BEEG sind erfüllt. Die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten beschäftig­te idR über 15 Ar­beit­neh­mer. Das Ar­beits­verhält­nis be­stand seit Mai 1992, dh. oh­ne Un­ter­bre­chung länger als sechs Mo­na­te. Die re­gelmäßige Ar­beits­zeit soll­te für knapp 16 Mo­na­te, al­so mehr als zwei Mo­na­te auf ei­nen Um­fang von 20 Wo­chen­stun­den ver­rin­gert wer­den. Der schrift­li­che El­tern­teil­zeit­an­trag ging der Be­klag­ten am 31. Ja­nu­ar 2007 zu, dh. deut­lich über sie­ben Wo­chen vor Be­ginn der gewünsch­ten Teil­zeit­beschäfti­gung am 23. Au­gust 2007.

7. Dem An­spruch der Kläge­rin auf El­tern­teil­zeit ste­hen kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe iSv. § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG ent­ge­gen.

a) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne abändern­de Ent­schei­dung im We­sent­li­chen dar­auf gestützt, dass der Ar­beits­platz der Kläge­rin auf­grund des Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zepts der Be­klag­ten un­teil­bar sei. Die „Lei­te­rin Con­trol­ling“ müsse in Voll­zeit von Mon­tag bis Frei­tag und ggf. darüber hin­aus an­we­send sein, um an Be­spre­chun­gen teil­zu­neh­men und Dienst­rei­sen durch­zuführen.


 

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Hin­zu kom­me die stu­fen­wei­se Ver­la­ge­rung des Con­trol­lings von E nach B bis spätes­tens 30. Ju­ni 2008.

b) Mit die­ser Be­gründung durf­te die Kla­ge, über die der Se­nat noch zu ent­schei­den hat, nicht ab­ge­wie­sen wer­den.

aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat­te den un­be­stimm­ten Rechts­be­griff der „ent­ge­gen­ste­hen­den drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe” an­zu­wen­den. Bei ei­nem un­be­stimm­ten Rechts­be­griff be­steht ein re­vi­si­ons­recht­lich le­dig­lich be­schränkt über­prüfba­rer Be­ur­tei­lungs­spiel­raum der Tat­sa­chen­in­stan­zen. Das Recht ist nur dann ver­letzt, wenn der Rechts­be­griff selbst ver­kannt wor­den ist oder wenn bei der Un­ter­ord­nung des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts un­ter den Rechts­be­griff Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­letzt wor­den sind, wenn nicht al­le we­sent­li­chen Umstände berück­sich­tigt wor­den sind oder das Er­geb­nis in sich wi­dersprüchlich ist (für die st. Rspr. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 28, BA­GE 126, 276).

bb) Das Be­ru­fungs­ur­teil hält die­ser ein­ge­schränk­ten Über­prüfung nicht stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht al­le für den An­trag auf El­tern­teil­zeit we­sent­li­chen Umstände berück­sich­tigt.

(1) An das ob­jek­ti­ve Ge­wicht der Ab­leh­nungs­gründe nach § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG sind er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len. Das ver­deut­licht der Be­griff „drin­gend”. Mit ihm wird aus­ge­drückt, dass ei­ne An­ge­le­gen­heit not­wen­dig, er­for­der­lich oder sehr wich­tig ist. Die ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen In­ter­es­sen müssen zwin­gen­de Hin­der­nis­se für die be­an­trag­te Verkürzung der Ar­beits­zeit sein (vgl. nur Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 29, BA­GE 126, 276; 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 48, BA­GE 123, 30).

(2) Die ent­ge­gen­ste­hen­den drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe sind in den Ka­ta­log der An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 15 Abs. 7 Satz 1 BEEG auf­ge­nom­men. Den­noch hat der Ar­beit­ge­ber die Tat­sa­chen, aus de­nen sich die ne­ga­ti­ve An­spruchs­vor­aus­set­zung der ent­ge­gen­ste­hen­den drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe er­ge­ben soll, dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen. Der Ar­beit­neh­mer


 

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genügt sei­ner Dar­le­gungs­last schon dann, wenn er be­haup­tet, sol­che Gründe bestünden nicht.

(3) In­halt und Um­fang der vom Ar­beit­ge­ber dar­zu­le­gen­den Tat­sa­chen, aus de­nen sich die drin­gen­den be­trieb­li­chen Ab­leh­nungs­gründe er­ge­ben sol­len, rich­ten sich nach dem Le­bens­sach­ver­halt, auf den er die Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung stützt.

(a) Geht es um die Un­teil­bar­keit des Ar­beits­plat­zes oder die Un­ver­ein­bar­keit der gewünsch­ten Teil­zeit­ar­beit mit den be­trieb­li­chen Ar­beits­zeit­mo­del­len, ist das Prüfungs­sche­ma an­zu­wen­den, das der Se­nat für die be­trieb­li­chen Ab­leh­nungs­gründe iSv. § 8 Tz­B­fG ent­wi­ckelt hat. Das er­gibt sich aus der ver­gleich­ba­ren In­ter­es­sen­la­ge (Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 51, BA­GE 123, 30).

(b) Das be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept und dar­aus ab­ge­lei­te­te Ar­beits­zeit­re­ge­lun­gen sind da­ge­gen re­gelmäßig be­deu­tungs­los, wenn sich der Ar­beit­ge­ber dar­auf be­ruft, er ha­be für den Ar­beit­neh­mer kei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit. Der Ver­rin­ge­rungs­wunsch muss dann nicht mit den be­trieb­li­chen Abläufen in Ein­klang ge­bracht wer­den. Ge­genüber­zu­stel­len sind die vorüber­ge­hen­de Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in El­tern­zeit mit ver­rin­ger­ter Ar­beits­zeit und das vollständi­ge Ru­hen der Ar­beits­pflicht bis zum En­de der El­tern­zeit. Die El­tern­teil­zeit lässt die Beschäfti­gungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers während der El­tern­zeit mit der ver­rin­ger­ten Ar­beits­zeit wie­der­auf­le­ben. Nur die­ser Beschäfti­gungs­pflicht können drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen­ste­hen (vgl. Se­nat 15. April 2008 - 9 AZR 380/07 - Rn. 34, BA­GE 126, 276). Trifft die Be­haup­tung des Ar­beit­ge­bers zu, es be­ste­he kein Beschäfti­gungs­be­darf, kann der Ver­rin­ge­rungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers be­rech­tigt ab­ge­lehnt wer­den (näher Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 52, BA­GE 123, 30).

(4) Die Be­klag­te stütz­te sich hier vor­ran­gig auf die Un­teil­bar­keit des Ar­beits­plat­zes, als sie den Teil­zeit­an­trag der Kläge­rin mit Schrei­ben vom


 

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20. Fe­bru­ar 2007 ab­lehn­te. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten ist des­halb mit­hil­fe des für § 8 Tz­B­fG ent­wi­ckel­ten drei­stu­fi­gen Prüfungs­sche­mas zu über­prüfen.

(a) Zunächst ist fest­zu­stel­len, ob der vom Ar­beit­ge­ber als er­for­der­lich an­ge­se­he­nen Ar­beits­zeit­re­ge­lung über­haupt ein be­stimm­tes be­trieb­li­ches Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept zu­grun­de liegt (ers­te Stu­fe). In der Fol­ge ist zu un­ter­su­chen, in­wie­weit die Ar­beits­zeit­re­ge­lung dem Ar­beits­zeit­ver­lan­gen tatsächlich ent­ge­gen­steht (zwei­te Stu­fe). Sch­ließlich ist in ei­ner drit­ten Stu­fe das Ge­wicht der ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe zu prüfen. Da­bei ist die Fra­ge zu klären, ob das be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept oder die zu­grun­de lie­gen­de un­ter­neh­me­ri­sche Auf­ga­ben­stel­lung durch die vom Ar­beit­neh­mer gewünsch­te Ab­wei­chung we­sent­lich be­ein­träch­tigt wer­den. Die­ser Prüfungs­maßstab gilt nicht nur für die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit, son­dern auch für ih­re Neu­ver­tei­lung. Ob (drin­gen­de) be­trieb­li­che Gründe vor­lie­gen, be­ur­teilt sich nach dem Zeit­punkt, zu dem der Ar­beit­ge­ber den Ar­beits­zeit­wunsch ab­lehnt (vgl. zB Se­nat 24. Ju­ni 2008 - 9 AZR 313/07 - Rn. 24, AP Be­trVG 1972 § 117 Nr. 8 = EzA Tz­B­fG § 8 Nr. 21).

(b) Die­ser ein­ge­schränk­ten Über­prüfung hält die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung nicht stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat nicht al­le er­heb­li­chen Umstände berück­sich­tigt. Der Se­nat kann selbst ab­sch­ließend ent­schei­den (§ 563 Abs. 3 ZPO). Die we­sent­li­chen Tat­sa­chen sind fest­ge­stellt. Neu­er Tat­sa­chen­vor­trag ist nicht zu er­war­ten.

(c) Der Se­nat kann letzt­end­lich of­fen­las­sen, ob auf der ers­ten Prüfungs­stu­fe ein durch­geführ­tes be­trieb­li­ches Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept fest­zu­stel­len ist, das die be­haup­te­te Ar­beits­zeit­ge­stal­tung be­dingt (vgl. da­zu Se­nat 8. Mai 2007 - 9 AZR 1112/06 - Rn. 30 f., AP Tz­B­fG § 8 Nr. 21 = EzA Tz­B­fG § 8 Nr. 18). Die gel­tend ge­mach­ten Gründe ha­ben auf der drit­ten Prüfungs­ebe­ne je­den­falls nicht das er­for­der­li­che Ge­wicht.


 

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(aa) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts wird noch kein Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept dar­ge­legt, wenn der Ar­beit­ge­ber vor­bringt, die Auf­ga­ben soll­ten nach sei­ner un­ter­neh­me­ri­schen Ziel­set­zung von ei­ner Voll­zeit­kraft, hier ei­ner voll­zeit­beschäftig­ten Lei­te­rin Con­trol­ling, er­le­digt wer­den. Das gilt auch für Lei­tungs­funk­tio­nen. Sonst könn­te der Ar­beit­ge­ber je­dem Teil­zeit­ver­lan­gen mit dem Ar­gu­ment be­geg­nen, er wol­le nur Voll­zeit­ar­beit­neh­mer beschäfti­gen (vgl. Se­nat 8. Mai 2007 - 9 AZR 1112/06 - Rn. 30, AP Tz­B­fG § 8 Nr. 21 = EzA Tz­B­fG § 8 Nr. 18).

(bb) Die nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts un­be­strit­te­ne und da­mit ein­geräum­te länge­re Ver­tre­tung der Kläge­rin von No­vem­ber 2006 bis Au­gust 2007 durch den Lei­ter des Rech­nungs­we­sens spricht zu­dem da­ge­gen, dass das be­haup­te­te be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept tatsächlich durch­geführt wur­de. Der in Voll­zeit beschäftig­te Lei­ter des Rech­nungs­we­sens konn­te die Po­si­ti­on der Kläge­rin als Lei­te­rin des Con­trol­lings we­gen sei­ner übri­gen Auf­ga­ben im Rech­nungs­we­sen nicht in Voll­zeit ausfüllen. Es war dem­nach un­umgäng­lich, ein­zel­ne Auf­ga­ben an ihm un­ter­stell­te Ar­beit­neh­mer zu de­le­gie­ren, Be­spre­chun­gen und Dienst­rei­sen auf be­stimm­te Ta­ge zu kon­zen­trie­ren.

(cc) Die Fra­gen der ers­ten Stu­fe können im Er­geb­nis auf sich be­ru­hen. Die gel­tend ge­mach­ten be­trieb­li­chen Gründe sind je­den­falls nicht ge­wich­tig ge­nug, um dem An­spruch der Kläge­rin auf El­tern­teil­zeit ent­ge­gen­zu­ste­hen.

(aaa) Der Ar­beit­ge­ber hat im Fall der El­tern­zeit je­de dem Ge­setz ent­spre­chen­de Ent­schei­dung des Ar­beit­neh­mers zu re­spek­tie­ren. Von ihm wird er­war­tet, dass er die mit ei­ner el­tern­zeit­be­ding­ten Ab­we­sen­heit des Ar­beit­neh­mers ver­bun­de­nen be­trieb­li­chen Schwie­rig­kei­ten bewältigt und die aus sei­ner Sicht er­for­der­li­chen Über­brückungs­maßnah­men trifft. Das gilt grundsätz­lich auch für Be­ein­träch­ti­gun­gen, die ei­ne vom Ar­beit­neh­mer während der El­tern­zeit gewünsch­te Teil­zeit­ar­beit mit sich bringt, wie § 15 Abs. 7 Satz 1 Nr. 4 BEEG ver­deut­licht. Der Ar­beit­ge­ber darf den Ver­rin­ge­rungs­wunsch le­dig­lich aus „drin­gen­den be­trieb­li­chen“ Gründen ab­leh­nen, während der all­ge­mei­ne Ver­rin­ge­rungs­an­spruch aus § 8 Tz­B­fG schon aus „be­trieb­li­chen” Gründen


 

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ab­ge­lehnt wer­den kann. An das Ge­wicht der Ab­leh­nungs­gründe sind da­her er­heb­li­che An­for­de­run­gen zu stel­len (Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 37 und 48, BA­GE 123, 30).

(bbb) Die­ses er­heb­li­che Ge­wicht wei­sen die mit der teil­wei­sen Ab­we­sen­heit der Kläge­rin ver­bun­de­nen Ko­or­di­na­ti­ons­pro­ble­me und die nöti­ge De­le­ga­ti­on von Auf­ga­ben nicht auf. Bei ih­nen han­delt es sich um Schwie­rig­kei­ten, die mit El­tern­teil­zeit re­gelmäßig ver­bun­den sind. Die ge­setz­ge­be­ri­sche Ziel­vor­stel­lung, die in der Dring­lich­keit der ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe zum Aus­druck kommt, ver­langt dem Ar­beit­ge­ber er­heb­li­che An­stren­gun­gen ab, um der­ar­ti­ge Schwie­rig­kei­ten zu über­win­den. Die Um­stel­lung von SAP auf Axap­ta, die Um­struk­tu­rie­rung und die be­vor­ste­hen­de Ver­la­ge­rung des Con­trol­lings von E nach B führen selbst dann zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis, wenn die Ver­la­ge­rungs­ent­schei­dung bei Ab­leh­nung des Teil­zeit­an­trags be­reits de­fi­ni­tiv ge­trof­fen war. Die Be­klag­te hat kei­ner­lei Tat­sa­chen da­zu vor­ge­bracht, wes­halb die Führungs­auf­ga­ben, die mit den nöti­gen Um­stel­lungs- und Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten ver­bun­den wa­ren, nicht an den zwei­ein­halb von der Kläge­rin gewünsch­ten An­we­sen­heits­ta­gen pro Wo­che durch­geführt wer­den konn­ten.

(5) Die Be­klag­te be­ruft sich fer­ner auf feh­len­de Beschäfti­gungsmöglich kei­ten. Sie ha­be mit Wir­kung vom 24. Ok­to­ber 2007 den Be­schluss ge­fasst, ih­re Haupt­ver­wal­tung in E bis spätes­tens 30. Ju­ni 2008 zu schließen und das Con­trol­ling bis zu die­sem Zeit­punkt stu­fen­wei­se von E nach B zu ver­la­gern. Der Se­nat kann auch in die­sem Zu­sam­men­hang zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stel­len, dass die­se Ent­schei­dung und ih­re Um­set­zung schon vor­aus­zu­se­hen wa­ren, als die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten den El­tern­teil­zeit­an­trag mit Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2007 - der Kläge­rin zu­ge­gan­gen am 23. Fe­bru­ar 2007 - ab­lehn­te. Die Be­klag­te hat nicht dar­ge­legt, dass während der be­an­trag­ten Dau­er der El­tern­teil­zeit vom 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 kei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit für die Kläge­rin be­stand.

(a) Die bloße Be­haup­tung, es be­ste­he kei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit, genügt re­gelmäßig nicht, um schlüssig zu be­gründen, wes­halb die Zu­stim­mung zur Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit ver­wei­gert wird. Die zu­grun­de lie­gen­den


 

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Tat­sa­chen sind zu be­zeich­nen (vgl. im Ein­zel­nen Se­nat 5. Ju­ni 2007 - 9 AZR 82/07 - Rn. 53 f., BA­GE 123, 30).

(b) Die­sen Er­for­der­nis­sen wird das Vor­brin­gen der Be­klag­ten nicht ge­recht. Sie hat sich schon nicht dar­auf be­ru­fen, die Kläge­rin ha­be nach der Ver­la­ge­rung des Con­trol­lings nicht in B beschäftigt wer­den können. Die Be­klag­te hat hierfür je­den­falls kei­ne Gründe ge­nannt.

C. Die wie­der­her­zu­stel­len­de Ent­schei­dungs­for­mel des Ar­beits­ge­richts, mit der es ei­nem Teil des An­trags zu 4 statt­ge­ge­ben hat, ist nach § 319 Abs. 1 ZPO zu be­rich­ti­gen.

I. Das Ar­beits­ge­richt hat die Be­klag­te ver­ur­teilt, dem An­trag der Kläge­rin auf Re­du­zie­rung ih­rer ver­trag­li­chen Ar­beits­zeit auf 20 Wo­chen­stun­den ab 23. Au­gust 2007 bis 21. De­zem­ber 2008 zu­zu­stim­men und die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf mon­tags und frei­tags je­weils acht St­un­den und un­ter der Wo­che für wei­te­re vier St­un­den fest­zu­le­gen. Die Kläge­rin hat­te da­ge­gen so­wohl außer­ge­richt­lich als auch ge­richt­lich be­an­tragt, die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf mitt­wochs und frei­tags je­weils acht St­un­den und für wei­te­re vier St­un­den un­ter der Wo­che fest­zu­le­gen.

II. Bei der Ab­wei­chung han­delt es sich er­kenn­bar um ein Ver­se­hen und da­mit um ei­ne of­fen­ba­re Un­rich­tig­keit iSv. § 319 Abs. 1 ZPO. Das Ar­beits­ge­richt woll­te der Kläge­rin nichts an­de­res zu­spre­chen, als sie be­an­tragt hat­te. Aus der Ur­teils­for­mel und den Ent­schei­dungs­gründen geht in kei­ner Wei­se her­vor, dass das Ar­beits­ge­richt ei­ne an­de­re Ar­beits­zeit­ver­tei­lung als die Kläge­rin für rich­tig hielt. Der Se­nat ist als das mit der Sa­che be­fass­te Rechts-mit­tel­ge­richt für die Be­rich­ti­gung zuständig (vgl. Se­nat 24. März 2009 - 9 AZR 733/07 - Rn. 28 mwN, AP BGB § 611 Sach­bezüge Nr. 22 = EzA Ge­wO § 107 Nr. 1).


 

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D. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1, § 92 Abs. 1 Satz 1 2. Alt. ZPO.

Düwell W. Rein­fel­der Gall­ner


 

Fal­tyn Star­ke

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