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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Änderungskündigung, Arbeitszeit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 AZR 527/85
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 23.03.1989
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: ArbG Hamburg LArbG Hamburg
   

7 AZR 527/85
6 Sa 76/84 Ham­burg
 


Be­schluß

In Sa­chen

PP.



hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts am 23. März 1989 be­schlos­sen:


Der Kos­ten­streit­wert für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren wird auf 18.300,-- DM fest­ge­setzt.
 

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Gründe:


Die Par­tei­en ha­ben ei­nen Rechts­streit über die Wirk­sam­keit ei­ner Ände­rungskündi­gung geführt. Der Pro­zeßbe­vollmäch­tig­te des Klägers be­an­tragt, den Streit­wert zum Zwe­cke der Gebühren­be­rech­nung für den Re­vi­si­ons­rechts­zug fest­zu­set­zen.


Der Kläger ist bei der Be­klag­ten, ei­nen Rund­funk­an­stalt, als Re­dak­teur in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on im Schicht­be­trieb tätig. Nach den Schicht­plänen hat­te er ent­spre­chend ei­ner seit mehr als ( 25 Jah­ren geübten Pra­xis wöchent­lich ei­ne Ar­beits­zeit von 32 St­un­den zu leis­ten. Nach­dem die­se auch bei an­de­ren Rund­funk­an­stal­ten übli­che Pra­xis vom Rech­nungs­hof kri­ti­siert wor­den war, kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis frist­gemäß und bot dem Kläger die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit ei­ner Ar­beits­zeit von 36 St­un­den in der Wo­che und zu an­sons­ten un­veränder­ten Be­din­gun­gen an. Der Kläger nahm das An­ge­bot un­ter dem Vor­be­halt des § 2 KSchG an und führ­te Kla­ge ge­hen die Be­klag­te mit fol­gen­den Anträgen:

1. Es wird fest­ge­stellt, daß die von dem Be­klag­ten aus­ge­spro­che­ne Ände­rungskündi­gung vom 23. De­zem­ber 1982 und sei­ne An­ord­nung vom sel­ben Ta­ge be­tref­fend die Her­auf­set­zung der Dienst­zeit des Klägers auf 36 St­un­den un­wirk­sam und der Be­klag­te nicht be­rech­tigt ist, für den Kläger ei­ne über 32 St­un­den hin­aus­ge­hen­de wöchent­li­che Dienst­zeit fest­zu­set­zen.

2. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, den Kläger zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen über den 31. De­zem­ber 1983 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.

Hilfs­wei­se: Es wird fest­ge­stellt, daß der Kläger nicht ver­pflich­tet ist, in der Nach­rich­ten­re­dak­ti­on mehr als 32 Wo­chen­stun­den zu ar­bei­ten, so­lan­ge

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das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren be­tref­fend die Ver­ab­schie­dung neu­er Schicht­pläne nicht ab­ge­schlos­sen ist.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge un­ter Ab­wei­sung u.a. des An­trags zu 2) statt­ge­ge­ben. Die hier­ge­gen nur von dem Be­klag­ten ein­ge­leg­te Re­vi­si­on führt zur völli­gen Ab­wei­sung der Kla­ge auch in­so­weit, als die Vor­in­stan­zen der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat­ten.

Nach Verkündung des Re­vi­si­ons­ur­teils be­an­tragt der Pro­zeßbe­vollmäch­tig­te des Klägers, den Gebühren­streit­wert fest­zu­set­zen. Er meint, der Gebühren­streit­wert müsse auf 24.400,-- DM fest­ge­setzt wer­den, nämlich auf vier Brut­to­mo­nats­bezüge in Höhe von 6.100,-- DM.

Der zulässi­ge An­trag hat in dem aus der Be­schlußfor­mel er­sicht­li­chen Um­fang Er­folg. Im übri­gen ist er nicht be­gründet.

I. Ma­te­ri­el­le Rechts­grund­la­ge für die Fest­set­zung des Gebühren­streit­wer­tes im ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils­ver­fah­ren sind die §§ 12 ff. GKG in Verb. mit den §§ 3 bis 9 ZPO. So­weit über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ge­strit­ten wird oder über wie­der­keh­ren­de Leis­tun­gen bzw. über Ein­grup­pie­run­gen, sind im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren auch die Be­stim­mun­gen des § 12 Abs. 7 Satz 1 und 2 ArbGG zu be­ach­ten.

1. In der Recht­spre­chung wie auch in der Li­te­ra­tur wird zur Be­rech­nung des Gebühren­streit­wer­tes bei ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge

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von § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG aus­ge­gan­gen. Eben­so wird die­se Vor­schrift un­mit­tel­bar her­an­ge­zo­gen in den Fällen, in de­nen ein Ar­beit­neh­mer ei­ne Ände­rungskündi­gung nicht un­ter dem Vor­be­halt der so­zia­len Recht­fer­ti­gung der Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen an­nimmt, son­dern die dann als Be­en­di­gungskündi­gung wir­ken­de Ände­rungskündi­gung ins­ge­samt im We­ge der Kla­ge an­greift. Nimmt der Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Ände­rungskündi­gung da­ge­gen die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen un­ter dem Vor­be­halt des § 2 KSchG an und er­hebt er ge­gen die Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen - wie hier - Kla­ge, so wird die Fest­set­zung des Gebühren­streit­wer­tes von den In­stanz­ge­rich­ten un­ter­schied­lich ge­hand­habt und in der Li­te­ra­tur kon­tro­vers dis­ku­tiert.

a) § 12 Abs. 7 Satz 2 ArbGG wen­den u.a. die Lan­des­ar­beits­ge­rich­te Köln (Ur­teil vom 20. April 1982 - 1/8 Sa 528/81 - EzA § 12 ArbGG 1979 Streit­wert Nr. 13), München (Be­schluß vom 16. Ja­nu­ar 1984 - 7 Sa 701/82 - EzA § 12 ArbGG 1979 Streit­wert Nr. 28 und Be­schluß vom 31. Mai 1985 - 5 Ta 66/85 - AP Nr. 10 zu § 12 ArbGG 1979) und Bre­men (Be­schluß vom 5. Mai 1987 - 4 Ta 8/87 - AP Nr. 14 zu § 12 ArbGG 1979) an. Da­bei wol­len die Lan­des­ar­beits­ge­rich­te München und Bre­men al­ler­dings auch die Ober­gren­ze des § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG be­ach­tet wis­sen.

Be­gründet wird dies da­mit, daß der drei­fa­che Dif­fe­renz­be­trag zwi­schen den bis­he­ri­gen und künf­ti­gen Mo­nats­bezügen des Ar­beit­neh­mers den In­ter­es­sen der Par­tei­en am Aus­gang des Rechts­streits nicht ge­recht würde. Da mit Rechts­kraft des Fest­stel­lungs­ur­teils prak­tisch feststünde, daß der Ar­beit­ge­ber die auf­grund der Ände­rungskündi­gung vor­ent­hal­te­ne Vergütungs­dif­fe­renz wei­ter­zu­zah­len

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ha­be, sei die Be­schwer ent­spre­chend § 12 Abs. 7 Satz 2 ArbGG zu be­stim­men und als Ge­gen­stands­wert der 36-fa­che Dif­fe­renz­be­trag fest­zu­set­zen. Al­ler­dings sei als Ober­gren­ze des Ge­gen­stands­wer­tes der ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge nach § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG zu be­ach­ten, denn es sei nicht ein­zu­se­hen, daß zwar bei dem Streit über die Exis­tenz des Ar­beits­verhält­nis­ses über­haupt die Höchst­gren­ze grei­fe, nicht aber beim Streit über die Wirk­sam­keit ei­ner Ver­tragsände­rung.

b) Ein großer Teil der In­stanz­ge­rich­te wen­det mit ge­wis­sen Mo­di­fi­ka­tio­nen die Vor­schrift des § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG di­rekt oder ana­log an.


aa) Ei­ne un­mit­tel­ba­re An­wen­dung die­ser Vor­schrift und ei­nen Re-gel­streit­wert von ei­nem Mo­nats­ge­halt (mit der Möglich­keit zu Ab­wei­chun­gen in Aus­nah­mefällen) hält das Lan­des­ar­beits­ge­richt Frank­furt (Be­schluß vom 10. April 1985 - 6 Ta 27/85 - NZA 1986, 35) für zu­tref­fend. Es be­gründet dies da­mit, daß § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG Kündi­gun­gen al­ler Art be­tref­fe, al­so auch ei­ne Ände­rungskündi­gung. Durch die Erklärung des Vor­be­halts sei­tens des Ar­beit­neh­mers re­du­zie­re sich das Kündigung3schutzverfahren le­dig­lich in sei­ner wirt­schaft­li­chen Trag­wei­te, nicht je­doch in sei­ner Struk­tur.

bb) Für die Berück­sich­ti­gung der Drei-Mo­nats-Dif­fe­renz von bis­he­ri­gem und neu­em Ein­kom­men des Ar­beit­neh­mers ha­ben sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin (Ur­teil vom 7. No­vem­ber 1977 - 9 Sa 48/77 AP Nr. 24 zu § 12 ArbGG 1953) und das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz (Be­schluß vom 25. April 1985 - 1 Ta 76/85 -
 


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NZA 1986, 34) aus­ge­spro­chen. Sie ha­ben je­doch of­fen­ge­las­sen, ob ei­ne Erhöhung des so er­mit­tel­ten Ge­gen­stands­werts dann ge­bo­ten ist, wenn die ar­beits­recht­li­che Stel­lung des Ar­beit­neh­mers berührt wird und in­so­fern im­ma­te­ri­el­le Nach­tei­le in Be­tracht kom­men. Die­se Rechts­an­sicht wird in der Li­te­ra­tur teil­wei­se eben­falls ver­tre­ten (vgl. Schaub, RdA 1970, 230, 237; Phil­ipp­sen/ Dörner, NZA 1987, 113, 115 f.).


c) Ähn­lich der un­ter b) dar­ge­stell­ten Rechts­an­sicht neh­men an­de­re Lan­des­ar­beits­ge­rich­te an, daß es sich bei dem gemäß § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG er­mit­tel­ten Drei-Mo­nats-Dif­fe­renz­be­trag le­dig­lich um ei­nen Min­dest­be­trag des Ge­gen­stands­werts ei­ner Ände­rungs­schutz­kla­ge han­delt, bei sons­ti­gen ma­te­ri­el­len oder im­ma­te­ri­el­len Nach­tei­len je­doch ei­ne Erhöhung die­ses Be­tra­ges im Rah­men des § 3 ZPO er­fol­gen muß (vgl. LAG Hamm Be­schluß vom 15. Ju­ni 19i32 - 8 Ta 127/82 - EzA § 12 ArbGG 1979 Streit­wert Nr. 14, Be­schluß vom 21. No­vem­ber 1985 - 8 Ta 360/85 - DB 1986, 1344 und Be­schluß vom 24. Ju­li 1986 - 8 Ta 174/86 - DB 1986, 1932; LAG Ber­lin Be­schluß vom 3. Au­gust 1982 - 2 Ta 49/82 - AuR 1983, 124; LAG Ba­den-Würt­tem­berg Be­schluß vom 8. Au­gust 1983 - 1 Ta 158/83 AR-Blat­tei, Ar­beits­ge­richts­bar­keit XIII, Ent­schei­dung Nr. 134). Für die­sen Lösungs­an­satz hat sich auch ein großer Teil der Li­te­ra­tur aus­ge­spro­chen (vgl. Grun­sky, ArbGG, 5. Aufl., § 12 Rz 4 c; KR-Fried­rich, 3. Aufl., § 4 KSchG Rz 292; KR-Rost, 3. Aufl., § 2 KSchG Rz 174 f.; Zöller/Schnei­der, ZPO, 15. Aufl., § 3 Rz 16, Stich­wort Ar­beits­ge­richts­ver­fah­ren II; Rohl­fing/Re­wol­le/Ba­der, ArbGG, Stand Ju­li 1987, § 12 Anm. VI a; Tschisch­ga­le/Satz­ky, Das Kos­ten­recht in Ar­beits­sa­chen, 3. Aufl., S. 35).

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2. Kei­ner die­ser Lösungs­ansätze mag vollständig zu über­zeu­gen.


a) Die un­mit­tel­ba­re An­wen­dung von § 12 Abs. 7 Satz 2 ArbGG, bei der auf die in § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG ent­hal­te­ne Höchst­gren­ze nur dann zurück­ge­grif­fen wer­den soll, wenn der 36-fa­che Dif­fe­renz­be­trag drei vol­le Mo­nats­bezüge des Ar­beit­neh­mers über­steigt (s. oben I 1 a), wird den Fall­kon­stel­la­tio­nen nicht ge­recht, in de­nen die aus­ge­spro­che­ne Ände­rungskündi­gung zwar (evtl. sehr weit­ge­hend) den Leis­tungs­be­reich des Ar­beit­neh­mers verändern soll, den Gel­tungs­be­reich des Ar­beit­ge­bers (den Vergütungs­sek­tor) je­doch ganz oder fast vollständig un­berührt läßt. In die­sem Fal­le er­gibt sich nämlich nach § 12 Abs. 7 Satz 2 ArbGG die auch von den Ver­tre­tern die­ses Lösungs­an­sat­zes kri­ti­sier­te, sehr ge­rin­ge, im Ex­trem­fall null DM be­tra­gen­de Höhe des Gebühren­streit­wer­tes.


b) Ge­gen das Ab­stel­len auf ei­nen Re­gel­streit­wert, von dem nur in Aus­nah­mefällen ab­ge­wi­chen wer­den darf (vgl. den un­ter I 1 b aa dar­ge­stell­ten Lösungs­an­satz), spricht, daß dem Ge­richt bei der Fest­set­zung des Ge­gen­stands­wer­tes gemäß § 12 Abs. 1 GKG, § 3 ZPO ein frei­es Er­mes­sen ein­geräumt wird. Hier­bei ist je­doch der Gleich­heits­satz zu berück­sich­ti­gen, der nicht nur willkürli­che Un­gleich­be­hand­lun­gen glei­cher Sach­ver­hal­te ver­bie­tet, son­dern auch die willkürli­che Gleich­be­hand­lung un­glei­cher Sach­ver­hal­te (vgl. Be­schluß des BAG vom 30. No­vem­ber 1984 - 2 AZN 572/82 (B) - AP Nr. 9 zu § 12 ArbGG 1979, zu B II 2 d ee der Gründe). Da Ände­rungskündi­gun­gen sehr un­ter­schied­li­che Sach­ver­hal­te be­tref­fen, sie z.B. nur ei­ne ge­ringfügi­ge Ände­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses,
 

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die dem Ar­beit­neh­mer oh­ne wei­te­res zu­mut­bar ist, zum In­halt ha­ben können, aber bei­spiels­wei­se auch sehr weit­ge­hen­de Ände­run­gen, die dem Ar­beit­neh­mer un­zu­mut­bar sind, kann das In­ter­es­se der Par­tei­en am Aus­gang des Ände­rungs­schutz­ver­fah­rens sehr un­ter­schied­li­ches Ge­wicht ha­ben. Ei­ne ni­vel­lie­ren­de Fest­set­zung des Gebühren­streit­werts (et­wa in der Größen­ord­nung von ei­nem oder zwei Mo­nats­ein­kom­men) würde die­sem un­ter­schied­li­chen wirt­schaft­li­chen und ide­el­len In­ter­es­se der Par­tei­en nicht ge­recht wer­den.

c) Die­se Über­le­gun­gen las­sen auch die Rechts­an­sicht als zwei­fel­haft er­schei­nen, die im Rah­men des § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG auf den drei-mo­nat­li­chen Dif­fe­renz­be­trag ab­ge­stellt und ei­ne Erhöhung des sich hier­aus er­rech­nen­den Streit­wer­tes al­len­falls dann zuläßt, wenn die Ände­rungskündi­gung zu ei­nem Pres­ti­ge­ver­lust des Ar­beit­neh­mers geführt hat oder die Erhöhung des Ge­gen­stands­werts aus dem Ge­sichts­punkt der Re­ha­bi­li­ta­ti­on ge­bo­ten ist. Bei die­ser An­sicht ein­sch­ließlich der un­ter I 1 b darg3stellten Mo­di­fi­ka­tio­nen wird zu­dem der Norm­zweck des § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG nicht hin­rei­chend be­ach­tet. Er be­steht dar­in, aus so­zia­len Gründen das Ver­fah­ren vor den Ar­beits­ge­rich­ten möglichst bil­lig zu ge­stal­ten; des­halb ist das den Ge­rich­ten ein­geräum­te Er­mes­sen (§§ 12 ff. GKG, §§ 3 bis 9 ZPO) bei der Streit­wert­fest­set­zung nach oben be­grenzt (vgl. Be­schluß des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 30. No­vem­ber 1984, aa0). Bei ei­ner Ände­rungs­schutz­kla­ge kann die vom Ge­setz­ge­ber ge­woll­te Ober­gren­ze nicht in ei­ne Un­ter­gren­ze um­ge­deu­tet wer­den, selbst wenn sich der Drei-Mo­nats-Be­trag nicht auf das vol­le Mo­nats­ein­kom­men, son­dern nur die mo­nat­li­che Vergütungs­dif­fe­renz be­zieht. Ei­ne sol­che ana­lo­ge An­wen­dung des § 12

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Abs. 7 Satz 1 ArbGG würde die In­ten­ti­on des Ge­setz­ge­bers teil­wei­se in ihr Ge­gen­teil ver­keh­ren. Sie schei­det des­halb als sach­ge­rech­ter Lösungs­an­satz aus.

d) Über­dies wird in al­len dar­ge­stell­ten Lösungs­ansätzen nicht hin­rei­chend be­ach­tet, daß § 12 Abs. 7 Satz 1 und 2 ArbGG für sich al­lein kei­ne hin­rei­chen­de ma­te­ri­el­le Grund­la­ge zur Be­mes­sung und Fest­set­zung des Gebühren­streit­wer­tes bei ei­ner Ände­rungs­schutz­kla­ge ab­gibt, son­dern daß die­se Vor­schrift le­dig­lich für die dar­in ge­nann­ten Strei­tig­kei­ten ei­ne Höchst­gren­ze des Gebühren­streit­wer­tes be­stimmt.

3. Rechts­grund­la­ge für die Be­mes­sung des Gebühren­streit­wer­tes bei ei­ner Ände­rungs­schutz­kla­ge sind viel­mehr die §§ 12 ff. GKG, ins­be­son­de­re § 17 Abs. 3 GKG in Verb. mit § 3 ZPO. Als Höchst-gren­ze sind die Re­ge­lun­gen in § 12 Abs. 7 ,Satz 1 und 2 ArbGG in der Wei­se ent­spre­chend her­an­zu­zie­hen, daß der Gebühren­streit­wert kei­ne der bei­den dort ge­nann­ten Gren­zen über­schrei­ten darf, son­dern die nied­ri­ge­re von bei­den maßgeb­lich ist. Da­bei be­darf es hier kei­ner Ent­schei­dung darüber, ob in­ner­halb der - ent­spre­chend an­zu­wen­den­den - Re­ge­lung des § 12 Abs. 7 Setz 1 ArbGG je nach Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses noch Ab­stu­fun­gen vor­zu­neh­men sind (vgl. in­so­weit zur Wert­fest­set­zung bei der Kündi­gungs­schutz­kla­ge: BAG Be­schluß vom 30. No­vem­ber 1984 - 2 AZN 572/82 (B) AP Nr. 9 zu § 12 ArbGG 1979).

Für die Be­mes­sung des Gebühren­streit­wer­tes der Ände­rungs­schutz­kla­ge, die Ansprüche des Ar­beit­neh­mers be­trifft, ist zunächst nach § 17 Abs. 3, letz­te Al­ter­na­ti­ve GKG der "drei­fa­che
 


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Jah­res­be­trag" maßge­bend, wenn nicht der Ge­samt­be­trag der ge­for­der­ten Leis­tun­gen ge­rin­ger ist. Die Vor­schrift ist ent­spre­chend an­zu­wen­den, so­weit es um die Leis­tungs­pflich­ten des Ar­beit­neh­mers geht. Der Wert des drei­fa­chen Jah­res­be­tra­ges bzw. des ein­fa­chen Jah­res­be­tra­ges ist nach § 3 ZPO vom Ge­richt nach frei­em Er­mes­sen fest­zu­set­zen. Für die Be­mes­sung des Jah­res­be­trags ist ent­schei­dend, wor­in der Streit­ge­gen­stand der Ände­rungs­schutz­kla­ge be­steht, ins­be­son­de­re al­so die Fra­ge, in­wie­weit die Ar­beits­be­din­gun­gen auf der Sei­te der vom Ar­beit­neh­mer zu er­brin­gen­den Leis­tun­gen und/oder auf der Sei­te der von ihm zu for­dern­den Leis­tun­gen ge­genüber dem bis­he­ri­gen Stand verändert wer­den sol­len. Da­bei gibt die Ände­rung der Höhe des Ar­beits­ent­gel­tes bzw. der Ar­beits­zeit­men­ge ei­nen An­halts­punkt. Wird le­dig­lich das Ar­beits­ent­gelt oder die Men­ge der Ge­gen­leis­tung verändert, so be­schränkt sich der Jah­res­be­trag auf das Aus­maß der Verände­run­gen.


Der der­art zu er­mit­teln­de Wert des drei­fa­chen Jah­res­be­tra­ges ist in­des­sen, dem Schutz­zweck des § 12 Abs. 7 Satz 1 und 2 ArbGG ent­spre­chend, auf die Beträge zu be­gren­zen, die nach die­sen Vor­schrif­ten als Höchst­wer­te an­ge­nom­men wer­den dürfen. Da­bei ist der je­weils nied­ri­ge­re Höchst­wert maßgeb­lich, weil sonst dem auf Kos­ten­be­gren­zung ge­rich­te­ten Schutz­zweck die­ser Nor­men nicht Genüge ge­tan würde.

II. Ge­mes­sen an die­sen Grundsätzen er­gibt sich im Streit­fall fol­gen­des:

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1. Die Ände­rungskündi­gung hat­te zum Ziel, die Ar­beits­zeit des Klägers von bis­lang 32 auf 36 St­un­den, d.h. um ein Ach­tel, her­auf­zu­set­zen. Sons­ti­ge Ände­run­gen des Ar­beits­ver­tra­ges wa­ren mit der Ände­rungskündi­gung nicht be­zweckt. Dem­ent­spre­chend hätte sich das Ge­halt des Klägers eben­falls um ein Ach­tel erhöhen müssen, wenn das Verhält­nis von Ar­beits­leis­tung zum Ar­beits­ent­gelt das glei­che hätte blei­ben sol­len. Dies führt zu ei­nem mo­nat­li­chen Ein­satz­be­trag in Höhe von ei­nem Ach­tel von 6.100,-- DM (= 762,50 DM). Da dem Kläger nach den zu­min­dest kraft Ver­ein­ba­rung gel­ten­den ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen min­des­tens 13 Mo­nats­bezüge im Jahr zu­ste­hen, er­gibt sich hier­aus ein drei­fa­cher Jah­res­be­trag in Höhe von 29.737,50 DM. Die Höchst­gren­ze nach § 12 Abs. 7 Satz 2 ArbGG ent­spricht dem. Die Höchst­gren­ze des § 12 Abs. 7 Satz 1 ArbGG beträgt da­ge­gen nur 18.300,-- DM. Als nied­ri­ge­re Höchst­gren­ze ist sie maßgeb­lich.

2. Der wei­ter­ge­hen­de An­trag des Pro­zeßbe­vollmäch­tig­ten des Klägers fin­det da­ge­gen im Ge­setz kei­ne Stütze. Er ist of­fen­sicht­lich von der Vor­stel­lung ge­prägt, daß auch für den An­trag des Klägers auf vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung ein Wert fest­zu­set­zen sei. Dies ist un­rich­tig, weil der Rechts­streit in­so­weit nicht in die Re­vi­si­on ge­langt ist. Viel­mehr hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die hier­auf ge­rich­te­te Kla­ge ab­ge­wie­sen. Ge­gen das der Kla­ge an­sons­ten statt­ge­ben­de Be­ru­fungs­ur­teil hat le­dig­lich die Be­klag­te Re­vi­si­on ein­ge­legt. Le­dig­lich der Wert der Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist für die be­gehr­te Streit­wert­fest­set­zung maßgeb­lich (vgl. § 14 Abs. 1 GKG).
 


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3. Der so er­mit­tel­te Streit­wert für den Re­vi­si­ons­rechts­zug über­schrei­tet auch nicht die Gren­ze des § 14 Abs. 2 Satz 1 GKG, nach der der Streit­wert durch den Wert des Streit­ge­gen­stan­des der ers­ten In­stanz be­grenzt ist. Die ers­te In­stanz hat­te den Streit­wert auf 26.352,-- DM fest­ge­setzt.


Dr. Sei­den­sti­cker 

Dr. Steck­han 

Schlie­mann

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