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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Ausbildungsvergütung, Tarifvertrag
   
Gericht: Arbeitsgericht Kiel
Akten­zeichen: ö.D.1Ca2271c/05
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.02.2006
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ar­beits­ge­richt Kiel

Ak­ten­zei­chen: ö. D. 1 Ca 2271 c/05
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 16.02.2006

als Ur­kunds­be­amt. d. Geschäfts­stel­le

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Rechts­streit

A.

- Kläg. -

Proz.-Bev.: ...

ge­gen

B. gGmbH

- Bekl. -

Proz.-Bev.: ...

hat die 1. Kam­mer des Ar­beits­ge­richts Kiel auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16.02.2006 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt ... als Vor­sit­zen­den und d. eh­ren-amt­li­chen Rich­ter ... als Bei­sit­zer und d. eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin ... als Bei­sit­ze­rin

für Recht er­kannt:

1. Die Kla­ge wird un­ter Auf­he­bung des Versäum­nis­ur­teils vom 15.12.2005 ab­ge­wie­sen.
2. Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Rechts­streits mit Aus­nah­me der Kos­ten der Säum­nis.
3. Der Streit­wert wird auf 3.055,12 EUR fest­ge­setzt.

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann d. Kläg. Be­ru­fung ein­le­gen,

a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 EUR über­steigt oder
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.

Der Be­ru­fungskläger hat ge­ge­be­nen­falls den Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des glaub­haft zu ma­chen.

Die Ein­le­gung der Be­ru­fung hat

bin­nen ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, De­li­us­s­traße 22, 24114 Kiel zu er­fol­gen. Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung, dass ge­gen die­ses Ur­teil Be­ru­fung ein­ge­legt wer­de, ent­hal­ten.

Die Be­ru­fung ist, so­fern nicht be­reits in der Be­ru­fungs­schrift er­folgt,

bin­nen zwei Mo­na­ten

nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich ge­genüber dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zu be­gründen.

Der Be­ru­fungskläger muss sich vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt durch ei­nen bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt ver­tre­ten las­sen, ins­be­son­de­re müssen Be­ru­fungs- und ei­ne even­tu­el­le Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift von ei­nem sol­chen un­ter-zeich­net sein.

An sei­ne Stel­le kann auch ein Ver­tre­ter ei­nes Ver­ban­des (Ge­werk­schaf­ten, Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gun­gen) oder ei­nes Spit­zen­ver­ban­des (Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände) tre­ten, so­fern er kraft Sat­zung oder Voll­macht zur Ver­tre­tung be­fugt und die Par­tei Mit­glied des Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des ist. An die Stel­le der vor­ge­nann­ten Ver­tre­ter können auch An­ge­stell­te ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner die­ser Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, tre­ten, so­fern die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung der Ver­bands­mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und der Ver­band für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. Ist die Par­tei Mit­glied ei­nes Ver­ban­des oder Spit­zen­ver­ban­des, kann sie sich auch durch ei­nen Ver­tre­ter ei­nes an­de­ren Ver­ban­des oder An­ge­stell­ten ei­ner der oben ge­nann­ten ju­ris­ti­schen Per­so­nen mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung ver­tre­ten las­sen.

Mit der Be­ru­fungs­schrift soll ei­ne Aus­fer­ti­gung oder be­glau­big­te Ab­schrift des an­ge­foch­te­nen Ur­teils vor­ge­legt wer­den. Die Geschäfts­stel­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts bit­tet, Schriftsätze in fünf­fa­cher Fer­ti­gung ein­zu­rei­chen.

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Dif­fe­renz­vergütung für den Zeit­raum Ok­to­ber 2004 bis Au­gust 2005 ein­sch­ließlich Ein­mal­zah­lung 2004, Zu­wen­dung 2004 an­tei­lig, Ur­laubs­geld 2005 so­wie Ein­mal­zah­lung 2005. Die Dif­fe­renz er­gibt sich aus dem Verhält­nis der tatsächlich ge­leis­te­ten Vergütung ge­genüber der Vergütung gemäß dem Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Rechts­verhält­nis­se der Schüle­rin­nen/Schüler, die nach Maßga­be des Kran­ken­pfle­ge­ge­set­zes oder der des Heb­am­men­ge­set­zes aus­ge­bil­det wer­den (im Fol­gen­den „Man­tel TV-Schü“).

Die Kläge­rin wird seit dem 01.10.2004 bei der Be­klag­ten als Aus­zu­bil­den­de für den Be­ruf ei­ner Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin nach dem Kran­ken­pfle­ger­ge­setz mit ei­ner re­gelmäßigen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 38,5 St­un­den aus­ge­bil­det. Der Aus­bil­dungs­ver­trag lau­tet aus­zugs­wei­se wie folgt:

„§ 3 Grundsätz­li­ches über das Rechts­verhält­nis
Das Aus­bil­dungs­verhält­nis rich­tet sich, so­weit die­ser Aus­bil­dungs­ver­trag kei­ne spe­zi­el­len Re­ge­lun­gen enthält, nach dem Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Rechts­verhält­nis­se der Schüle­rin­nen/Schüler, die nach Maßga­be des Kran­ken­pfle­ge­ge­set­zes aus­ge­bil­det wer­den, vom 28. Fe­bru­ar 1986 und den die­sen ergänzen­den, ändern­den und er­set­zen­den Ta­rif­verträgen in der je­weils gel­ten­den Fas­sung.

§ 6 Zah­lung und Höhe der Aus­bil­dungs­vergütung
1. Die Aus­zu­bil­den­de erhält die nach­fol­gen­de mo­nat­li­che Aus­bil­dungs­vergütung

im ers­ten Aus­bil­dungs­jahr 500,-- Eu­ro,
im zwei­ten Aus­bil­dungs­jahr 550,-- Eu­ro,
im drit­ten Aus­bil­dungs­jahr 600,-- Eu­ro.

2. Für Nacht­diens­te wird ein Zeit­zu­schlag in Höhe von 1,-- Eu­ro ge­zahlt. Was Nacht­ar­beit ist, er­gibt sich aus den Be­stim­mun­gen, die für die An­ge­stell­ten im Be­ruf der Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­rin bei der C. gGmbH gel­ten.

3. Wei­ter­ge­hen­de Zah­lun­gen er­fol­gen nicht. Zeit­zu­schläge für Diens­te zu ungüns­ti­gen Zei­ten und Schicht­zu­la­gen sind in die­ser Aus­bil­dungs­vergütung pau­schal ent­hal­ten.“

Der Man­tel TV-Schü sieht Vergütung vor in Höhe von 729,06 EUR für das ers­te Jahr, 788,57 EUR für das zwei­te Jahr und 884,44 EUR für das drit­te Jahr. Zu­dem sieht er für den hier streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum ei­ne Ein­mal­zah­lung für das Jahr 2004 in Höhe von 30,00 EUR, ei­ne Zu­wen­dung für das Jahr 2004 an­tei­lig in Höhe von 149,71 EUR, Ur­laubs­geld in Höhe von 255,65 EUR so­wie ei­ne Ein­mal­zah­lung für das Jahr 2005 in Höhe von 100,00 EUR vor. Das Ge­samt­vo­lu­men der ar­beits­ver­trag-

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lich be­stimm­ten Vergütung un­ter­schrei­tet das Ge­samt­vo­lu­men der ta­rif­lich vor­ge­se­he­nen Vergütung um 35,65 %.

Bei der Be­klag­ten han­delt es sich um ei­ne am 01.10.2004 ge­gründe­te ge­meinnützi­ge GmbH mit ei­nem Stamm­ka­pi­tal von 25.000,00 EUR. Die Be­klag­te wur­de als Aus­bil­dungs­träger ge­gründet von der 100-%igen Ge­sell­schaf­te­rin, der C. gGmbH (im Fol­gen­den „C. gGmbH“). Zwi­schen der Be­klag­ten und der C. gGmbH be­steht ein Ko-ope­ra­ti­ons­ver­trag. Da­nach stellt die C. gGmbH die nach den ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten ge­for­der­te theo­re­ti­sche und prak­ti­sche Aus­bil­dung si­cher. Sie wird auch an der Aus­wahl der Aus­zu­bil­den­den be­tei­ligt. Die ver­ant­wort­li­chen Ab­tei­lungs­lei­ter der C. gGmbH sind auch ge­genüber den Aus­zu­bil­den­den wei­sungs­be­fugt. Die C. gGmbH zahlt der Be­klag­ten für je­den Aus­zu­bil­den­den pro Mo­nat ei­nen be­stimm­ten Be­trag.

Die Be­klag­te bil­det jähr­lich 50 neue Aus­zu­bil­den­de aus und zwar in zwei Kur­sen je­weils be­gin­nend zum 01.04. und 01.10. ei­nes Jah­res. Die Mut­ter­ge­sell­schaft über­nahm in der Ver­gan­gen­heit im Schnitt sechs bis sie­ben Aus­zu­bil­den­de in ein Ar­beits­verhält­nis. Da­ne­ben stell­te die C. gGmbH auch ex­ami­nier­te Kran­ken­pfle­ge­kräfte von außer­halb ein.

Die Be­klag­te ist nicht ta­rif­ge­bun­den. Da­ge­gen ist die Mut­ter­ge­sell­schaft ta­rif­ge­bun­den. De­ren Träger ist der Kreis .... Die C. gGmbH hat in der Ver­gan­gen­heit selbst aus­ge­bil­det und zwar zu ta­rif­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen. In der Ver­gan­gen­heit wur­den so­gar 60 Aus­zu­bil­den­de aus­ge­bil­det. Po­li­ti­sches Ziel des Trägers der C. gGmbH ist, möglichst vie­len Ju­gend­li­chen ei­ne qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung zu ermögli­chen und ei­nen Aus­bil­dungs­platz zur Verfügung zu stel­len.

Ei­ne Ände­rung des Kran­ken­pfle­ge­ge­set­zes führ­te zu ei­ner er­heb­li­chen Erhöhung der theo­re­ti­schen Un­ter­richts­stun­den von 1.600 auf 2.100 Theo­rie­stun­den in der dreijähri­gen Aus­bil­dungs­zeit. Die Zei­ten der prak­ti­schen Aus­bil­dung und der Ar­beits­leis­tung verkürz­ten sich ent­spre­chend um 500 St­un­den. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en voll­zo­gen die­se Verände­rung je­den­falls nicht mit ei­ner Sen­kung der Aus­bil­dungs­vergütung nach.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, dass ihr die gel­tend ge­mach­te Dif­fe­renz­vergütung un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner an­ge­mes­se­nen Aus­bil­dungs­vergütung gemäß § 12 KrPflG zustünde. Es fin­de die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes zur An-

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ge­mes­sen­heit der Aus­bil­dungs­vergütung An­wen­dung. Die ge­zahl­te Vergütung un­ter-schrei­te die ta­rif­lich vor­ge­se­he­ne um mehr als 20 % und sei des­halb nicht an­ge­mes­sen. Ins­be­son­de­re recht­fer­tig­ten die Be­son­der­hei­ten im Be­reich der Kran­ken­pfle­ge kei­nen an­de­ren An­ge­mes­sen­heits­maßstab als der im Be­rufs­bil­dungs­ge­setz. Wei­ter sei der Ver­gleich zwi­schen der Aus­bil­dungs­vergütung der Kläge­rin und ei­ner nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Kran­ken­schwes­ter nicht nach­voll­zieh­bar. Aus­drück­lich wird be­strit­ten, dass ei­ne nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Kran­ken­schwes­ter le­dig­lich ein Brut­to­jah­res­ent­gelt von 18.000,00 EUR er­hal­te. Der Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag der Be­klag­ten mit der C. gGmbH las­se kei­ne al­tru­is­ti­schen Mo­ti­ve er­ken­nen. Die Gründung der Be­klag­ten die­ne als recht­li­che Möglich­keit, sich hin­sicht­lich der Aus­bil­dungs­vergütun­gen der ta­rif­li­chen Bin­dun­gen zu ent­zie­hen. Mit der Gründung der Be­klag­ten sei kein ein­zi­ger zusätz­li­cher Aus­bil­dungs­platz ge­schaf­fen wor­den. Im Ge­gen­teil, die An­zahl der Aus­zu­bil­den­den ha­be sich eher re­du­ziert. Die Fi­nan­zie­rung der Aus­zu­bil­den­den er­fol­ge nach al­tem Recht nach ei­nem Schlüssel von 1:7 und nach neu­em Recht nach ei­nem Schlüssel von 1:9,5. Der­zeit würden für je 9,5 Kran­ken­pfle­geschüler/in­nen ei­ne Voll­stel­le im Pfle­ge­dienst nicht be­setzt wer­den. Die Aus­bil­dungs­stel­len sei­en im Bud­get des Kran­ken­hau­ses ent­hal­ten und würden von den Kos­tenträgern vor­fi­nan­ziert. Über die Da­zwi­schen­schal­tung der Be­klag­ten spa­re die C. gGmbH nun­mehr le­dig­lich ei­nen Teil der zu­vor ge­zahl­ten ta­rif­li­chen Aus­bil­dungs­vergütung.

Un­ter dem 15.12.2005 ist ein Versäum­nis­ur­teil ge­genüber der Be­klag­ten er­gan­gen mit fol­gen­dem Te­nor:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, EUR 3.055,02 (in Wor­ten: Drei­tau­sendfünf­undfünf­zig 02/100 Eu­ro) brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent-punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 11. Ok­to­ber 2005 an die Kläge­rin zu zah­len.

2. Die Be­klag­te trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

3. Der Streit­wert wird auf EUR 3.055,02 fest­ge­setzt.

Ge­gen das Versäum­nis­ur­teil vom 15.12.2005, bei der Be­klag­ten­sei­te am 22.12.2005 ein­ge­gan­gen, hat die Be­klag­te mit Schrift­satz vom 23.12.2005, bei Ge­richt am glei­chen Tag ein­ge­gan­gen, Ein­spruch ein­ge­legt.

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Die Kläge­rin be­an­tragt,

den Ein­spruch der Be­klag­ten vom 23.12.2005 ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kiel vom 15.12.2005 zurück­zu­wei­sen und das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kiel vom 15.12.2005 auf­recht zu hal­ten.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

1. das Versäum­nis­ur­teil vom 15.12.2005 auf­zu­he­ben,

2. die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ist der Auf­fas­sung, dass der Kläge­rin kei­ne zusätz­li­che Vergütung zu-stünde, da die ge­zahl­te Vergütung an­ge­mes­sen sei. Zum ei­nen wer­de die An­ge­mes­sen­heits­recht­spre­chung des BAG ent­wi­ckelt zu § 10 Abs. 1 BBiG dem Be­griff der An­ge­mes­sen­heit gemäß § 12 KrPflG nicht ge­recht. Der Ta­rif­ver­trag voll­zie­he die er­heb­li­che Re­du­zie­rung der prak­ti­schen Aus­bil­dungs­zeit und da­mit der Zeit, die ei­ne nutz­brin­gen­de Ar­beits­leis­tung für die C. gGmbH dar­stel­le, nicht nach. Ei­ne Aus­zu­bil­den­de mit ta­rif­li­cher Vergütung er­hal­te be­zo­gen auf die pro­duk­ti­ven Ar­beits­stun­den ei­nen fast gleich ho­hen bzw. so­gar höhe­ren St­un­den­satz als ei­ne aus­ge­bil­de­te nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Kran­ken­schwes­ter. Selbst wenn die BAG-Recht­spre­chung vor­lie­gend An­wen­dung fin­den soll­te, führe die Un­ter­schrei­tung der ta­rif­li­chen Vergütung um mehr als 20 % nicht zu ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Vergütung im Sin­ne von § 12 KrPflG. Die Be­klag­te un­ter­lie­ge als ge­meinnützi­ge GmbH eben­so wie de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft als eben­falls ge­meinnützi­ge GmbH dem Ver­bot der Ge­winn­erzie­lung. Be­reits jetzt ge­ra­te die Be­klag­te mit dem von ihr prak­ti­zier­ten Aus­bil­dungs­sys­tem an ih­re fi­nan­zi­el­len Gren­zen, wie die Bi­lan­zen des ers­ten Geschäfts­jah­res zeig­ten. Die Be­klag­te ver­fol­ge al­tru­is­ti­sche Mo­ti­ve, in­dem sie, oh­ne recht­lich da­zu ver­pflich­tet zu sein, weit über dem be­ste­hen­den Be­darf der Mut­ter­ge­sell­schaft an neu aus­ge­bil­de­tem Fach­per­so­nal im Pfle­ge­be­reich aus­bil­de.
Im Übri­gen wird hin­sicht­lich der Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des auf die Schriftsätze, Un­ter­la­gen und Pro­to­kol­le ver­wie­sen.

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Ent­schei­dungs­gründe

Die Kla­ge war un­ter Auf­he­bung des Versäum­nis­ur­teils vom 15.12.2005 ab­zu­wei­sen, da sie un­be­gründet ist. Ge­gen das Versäum­nis­ur­teil hat die Be­klag­te recht­zei­tig in­ner­halb der Wo­chen­frist gemäß § 59 ArbGG Ein­spruch ein­ge­legt.

Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf ei­ne ta­rif­li­che Vergütung aus dem Ar­beits­ver­trag selbst (I.). Sie hat fer­ner kei­nen An­spruch auf Zah­lung der ent­spre­chen­den Vergütung gemäß § 9 Ziff. 2 AÜG i. V. m. § 10 Abs. 4 AÜG (II.). Sch­ließlich hat die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch aus § 12 KrPflG (III.).

I.

Die Kläge­rin hat kei­nen An­spruch auf Zah­lung der gel­tend ge­mach­ten Dif­fe­renz­vergütung zuzüglich der gel­tend ge­mach­ten Ein­mal­zah­lung, weil dies ar­beits­ver­trag­lich nicht vor­ge­se­hen ist. Der Ar­beits­ver­trag ist hier ein­deu­tig: Mit der ver­ein­bar­ten – un­ter­ta­rif­li­chen – Aus­zu­bil­den­den­vergütung sind sämt­li­che Vergütungs­ansprüche ab-ge­gol­ten. In­so­fern ist § 6 des Ar­beits­ver­tra­ges hier ei­ne Spe­zi­al­re­ge­lung. Nach dem Wort­laut und der Sys­te­ma­tik ist der Vergütungs­an­spruch auf die Beträge gemäß § 6 des Ar­beits­ver­tra­ges be­grenzt.

Ein An­spruch er­gibt sich da­bei auch nicht durch ei­ne et­wai­ge Um­ge­hung der Ta­rif­bin­dung. Es ist zwar zu­tref­fend, dass die Be­klag­te nach den Ausführun­gen im Kam­mer­ter­min aus­sch­ließlich zum Zwe­cke der Um­ge­hung der be­ste­hen­den Ta­rif­bin­dung sei­tens der C. gGmbH ge­gründet wor­den ist. Hier­aus lässt sich je­doch ein An­spruch auf die Zah­lung der ta­rif­li­chen Vergütung un­ter dem Ge­sichts­punk von § 242 BGB nicht ab­lei­ten. Die Gründung ei­ner nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Aus­bil­dungs­ge­sell­schaft zum Zwe­cke der Um­ge­hung der Ta­rif­bin­dung im Übri­gen ist zulässig. Dies folgt aus der ne­ga­ti­ven Ko­ali­ti­ons­frei­heit gemäß Art. 9 Abs. 3 GG. Wenn es ei­nem Ar­beit­ge­ber un­be­nom­men ist, sich ta­rif­lich nicht zu bin­den oder sich un­ter Ein­hal­tung der Re­geln des Ta­rif­ver­trags­ge­set­zes der ta­rif­li­chen Bin­dung zu ent­le­di­gen, so muss es erst recht möglich sein, wenn dies der Ar­beit­ge­ber für den Teil­be­reich der Aus­bil­dung un­ter­nimmt. Dies gilt je­den­falls dann, wenn – wie vor­lie­gend – die Be­klag­te zu­sam­men mit de­ren Mut­ter­ge­sell­schaft er­heb­lich über den Be­darf der Mut­ter­ge­sell­schaft

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aus­bil­det. Die Mut­ter­ge­sell­schaft der Be­klag­ten über­nimmt nur rund 15 % der von ihr über die Be­klag­te Aus­ge­bil­de­ten.

II. 

Die Kläge­rin hat auch kei­nen An­spruch auf die Zah­lung der ta­rif­li­chen Vergütung durch Über­nah­me der Rechts­ge­dan­ken des § 9 Ziff. 2 AÜG i. V. m. § 10 Abs. 4 AÜG. Die­se Vor­schrift fin­det schon des­halb kei­ne An­wen­dung, weil die Be­klag­te ei­ne Ar­beit­neh­merüber­las­sung auch im wei­tes­ten Sin­ne nicht zum Zwe­cke der Ge­winn­erzie­lung und da­mit nicht ge­werbsmäßig im Sin­ne des § 1 AÜG durchführt. Im Übri­gen ist zwei­fel­haft, in­wie­fern die Rechts­ge­dan­ken des AÜG auf die vor­lie­gen­den Kon­struk­tio­nen ei­nes Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses über­haupt über­trag­bar sind. Ins­be­son­de­re geht es bei ei­nem Aus­bil­dungs­verhält­nis nicht in ers­ter Li­nie um die Ar­beits­leis­tung, son­dern um die Aus­bil­dung. Die Aus­zu­bil­den­den­vergütung stellt da­her auch nicht nur ei­ne Ge­gen­leis­tung für die er­brach­te Ar­beit, son­dern gleich­zei­tig ei­ne fi­nan­zi­el­le Hil­fe zur Durchführung der Be­rufs­aus­bil­dung und ei­nen An­reiz für die Her­an­bil­dung ei­nes aus­rei­chen­den Nach­wuch­ses dar (vgl. statt vie­ler, BAG, Ur­teil vom 08.05.2003, 6 AZR 191/02, AP Nr. 14 zu § 10 BBiG. Ins­be­son­de­re ver­neint das BAG ei­ne Über­tra­gung des Rechts­ge­dan­kens aus dem Job-Aq­tiv-Ge­setz als Vorläufer der jet­zi­gen Reg­lung des AÜG auf die Aus­bil­dungs­si­tua­ti­on).

III. 

Die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten kei­ne über die be­reits ge­leis­te­te Vergütung ver­lan­den aus dem Ge­sichts­punkt „un­an­ge­mes­se­ne Vergütung“. Die von der Be­klag­ten ge­zahl­te Vergütung ist an­ge­mes­sen im Sin­ne des § 12 KrPflG. Grundsätz­lich ist die Recht­spre­chung des BAG zum Be­griff der An­ge­mes­sen­heit im BBiG auf den Be­griff der An­ge­mes­sen­heit im KrPflG über­trag­bar (1.). Un­ter Zu­grun­de­le­gung des rich­ter¬recht­lich ge­prägten Verständ­nis­ses vom Be­griff der „An­ge­mes­sen­heit“ ist die von der Be­klag­ten ge­zahl­te Vergütung noch an­ge­mes­sen, ob­wohl sie die ta­rif­li­che Vergütung um mehr als 20 % un­ter­schrei­tet (2.).

1. Gemäß § 12 Abs. 1 KrPflG hat der Träger der Aus­bil­dung der Schüle­rin­nen

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Be­grif­fes „an­ge­mes­se­ne Vergütung“ rich­tet sich nach der Funk­ti­on der Aus­bil­dungs­vergütung. Die­se ist im Be­reich der Kran­ken­pfle­ge und im Be­reich der un­ter das BBiG fal­len­den Aus­bil­dun­gen iden­tisch. Da­nach dient die Aus­bil­dungs­vergütung wie be­reits vor­ste­hend aus­geführt der fi­nan­zi­el­len Hil­fe für die Durchführung der Be­rufs­aus­bil­dung, dem An­reiz zur Her­an­bil­dung ei­nes aus­rei­chen­den Nach­wuch­ses in der Kran­ken­pfle­ge und schließlich der Ent­loh­nung der prak­ti­schen Tätig­keit des Aus­zu­bil­den­den (vgl. BAG, wie vor, un­ter Be­zug­nah­me auf die ständi­ge Recht­spre­chung). Ei­ne Vergütung ist da­her an­ge­mes­sen, wenn sie hilft, die Le­bens­hal­tungs­kos­ten zu be­strei­ten und zu­gleich ei­ne Min­des­tent­loh­nung für die Leis­tun­gen der Aus­zu­bil­den­den ist (vgl. BAG, wie vor).

Der Be­griff der An­ge­mes­sen­heit ist da­bei nach ständi­ger Recht­spre­chung nicht wer­tend in dem Sin­ne zu ver­ste­hen, dass das Ge­richt an­stel­le der Ver­trags- oder Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne an­ge­mes­se­ne Vergütung be­stimmt, son­dern er ist „markt­ty­pisch“ zu be­stim­men: Grundsätz­lich ha­ben die Ver­trags­part­ner ei­nen Spiel­raum. Ob die­ser Spiel­raum ge­wahrt ist, ist un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en und un­ter Berück­sich­ti­gung der be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­falls fest­zu­stel­len. Da­bei ist die Ver­kehrs­an­schau­ung maßge­bend.

Grundsätz­lich ist da­bei da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne Vergütung gemäß dem ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag als an­ge­mes­sen zu ver­ste­hen ist. Ob da­bei auch im Kran­ken­pfle­ge­be­reich die ta­rif­li­che Aus­zu­bil­den­den­vergütung als Dreh- und An­gel­punkt der An­ge­mes­sen­heit in An­satz zu brin­gen ist, kann vor­lie­gend of­fen blei­ben. Es ist durch­aus denk­bar, dass in ge­wis­sen Bran­chen die ta­rif­lich ver­ein­bar­te Vergütung der­ar­tig ober­halb der tatsächlich ge­zahl­ten Vergütung liegt, dass die ta­rif­lich ver­ein­bar­te Vergütung zwar an­ge­mes­sen ist, aber als Aus­gangs­punkt nicht taugt. Dies kann im vor­lie­gen­den Fal­le of­fen blei­ben, da die Be­klag­te le­dig­lich zur Um­ge­hung der Ta­rif­bin­dung der Mut­ter­ge­sell­schaft ge­gründet ist. In ei­nem sol­chen Fall wen­det die ei­gent­li­che Aus­bil­de­rin die Ta­rif­verträge im Übri­gen an. In­so­fern muss sie das Ta­rif­werk als grundsätz­li­chen Maßstab ge­gen sich gel­ten las­sen. Ins­be­son­de­re führen da­bei die von Be­klag­ten­sei­te ge­mach­ten Ver­glei­che zwi­schen der Aus­bil­dungs­vergütung ei­ner­seits und der Vergütung von Kran­ken­schwes­tern oh­ne Ta­rif­bin­dung nicht

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wei­ter. Die­ser Ver­gleich ist ir­re­al, da die Mut­ter­ge­sell­schaft ta­rif­lich vergütet. Im Übri­gen hinkt die­ser Ver­gleich auch des­halb, da die Aus­bil­dungs­vergütung ge­ra­de nicht nur den Ge­gen­wert für die ge­leis­te­te Ar­beit dar­stellt.

Für ei­ne Ab­wei­chung des An­ge­mes­sen­heits­maßstabs des Kran­ken­pfle­ge­ge­set­zes von den vor­ge­nann­ten Grundsätzen er­gibt sich we­der nach dem Wort­laut noch nach dem Sinn und Zweck des Kran­ken­pfle­ge­ge­set­zes ein An­halts­punkt. Le­dig­lich im Rah­men der Ein­zel­fall­abwägung sind die be­son­de­ren Umstände im Be­reich der Kran­ken­pfle­ge (z. B. Kos­ten­bud­ge­tie­rung durch die So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger) zu berück­sich­ti­gen. Es gilt der richter­recht­lich ge­prägte An­satz­punkt, wo­nach ei­ne wi­der­leg­li­che Ver­mu­tung für die Un­an­ge­mes­sen­heit spricht, wenn die ta­rif­li­che Aus­bil­dungs­vergütung in ei­ner Ge­samt­be­trach­tung um mehr als 20 % un­ter­schrit­ten wird.

2. Die sei­tens der Be­klag­ten ge­zahl­te Aus­bil­dungs­vergütung ist noch an­ge­mes­sen. Die Ver­mu­tung der Un­an­ge­mes­sen­heit durch die Un­ter­schrei­tung der ta­rif­li­chen Aus­bil­dungs­vergütung um mehr als 20 % ist wi­der­legt. Die un­ter 1. aus­geführ­te richter­recht­li­che Re­gel gilt nicht aus­nahms­los (ständi­ge Recht­spre­chung BAG, vgl. BAG, wie vor). Un­ter Abwägung der In­ter­es­sen­la­ge bei­der Ver­trags­part­ner un­ter Berück­sich­tung der be­son­de­ren Umstände des Ein­zel­falls im Kran­ken­haus­be­reich ist die Ver­mu­tung wi­der­legt.

Al­lein der Um­stand, dass der Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag mit ei­nem ge­meinnützi­gen, nicht ta­rif­ge­bun­den Ar­beit­ge­ber ge­schlos­sen wur­de, während die be­rufs­prak­ti­sche Aus­bil­dung aus­sch­ließlich in ei­nem ta­rif­ge­bun­de­nen Dritt­be­trieb statt­fand, recht­fer­tigt es für sich ge­se­hen nicht, bei der Prüfung der An­ge­mes­sen­heit der Aus­bil­dungs­vergütung von ei­ner Ori­en­tie­rung an den ein­schlägi­gen Ta­rif­verträgen ab­zu­se­hen. Ein ta­rif­ge­bun­de­ner Aus­bil­der kann sich grundsätz­lich sei­ner ge­setz­li­chen Pflicht nicht da­durch ent­zie­hen, dass er sei­nen Aus­bil­dungs­be­darf durch das Da­zwi­schen­schal­ten ei­nes ge­meinnützi­gen, nicht ta­rif­ge­bun­de­nen Bil­dungs­trägers deckt (vgl. BAG, AP Nr. 12 zu § 10 BBiG).

Vor­lie­gend ist zunächst der Be­son­der­heit Rech­nung zu tra­gen, dass die Aus­bil­dung im Kran­ken­haus­be­reich statt­fin­det. Der Kran­ken­haus­be­reich ist ge­prägt von be­grenz­ter Zu­wei­sung von Geld­mit­teln der So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä-

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ger. Die­se vergüten auf­wands­be­zo­gen. Von der Vergütung ist grundsätz­lich ei­ne Aus­bil­dung weit über den ei­ge­nen Be­darf hin­aus nicht ge­deckt. Dies er-gibt sich schon aus dem Stel­len­schlüssel, wo­nach nun­mehr 9,5 Pfle­geschüler/in­nen ei­ne Voll­zeit­kraft er­set­zen. Auch un­ter Zu­grun­de­le­gung der nied­ri­ge­ren Vergütungssätze der Be­klag­ten über­steigt die Vergütung für 9,5 Pfle­geschüler/in­nen die zu leis­ten­de ta­rif­li­che Vergütung für ei­ne Voll­zeit­kraft bei wei­tem.

Fer­ner ist zu berück­sich­ti­gen, dass an­ders als in den vom BAG ent­schie­de­nen Fällen nicht nur der Aus­bil­dungs­träger – al­so vor­lie­gend die Be­klag­te – son­dern auch der tatsächli­che Aus­bil­der – vor­lie­gend die C. gGmbH – ge­meinnützig ist. In­so­fern dient die Aus­bil­dung, auch wenn man Aus­bil­dungs­träger und tatsächli­chen Aus­bil­der zu­sam­men be­trach­tet, nicht der Ge­winn­erzie­lung. Da­mit dient die Aus­bil­dung auch nicht mit­tel­bar durch Schaf­fung ei­nes Mark­tes mit aus­ge­bil­de­ten Kran­ken­pfle­gern ei­nem Ge­winn­in­ter­es­se des Ver­bun­des der bei­den gGmbH’s für die Zu­kunft.

Die Be­klag­te zu­sam­men mit der C. gGmbH bil­det weit über den Ei­gen­be­darf aus. Dies ist auf­grund der vor­ge­tra­ge­nen Zah­len un­strei­tig. Da­bei ist ir­re­le­vant, dass die C. gGmbH auch in der Ver­gan­gen­heit stets ent­spre­chend über Be­darf aus­ge­bil­det hat. Es mag sein, dass noch in den 90’er Jah­ren ei­ne weit über Be­darf vor­ge­nom­me­ne Aus­bil­dung wirt­schaft­lich trag­bar war. Dies ist mit der heu­ti­gen Si­tua­ti­on nicht ver­gleich­bar, in der Kran­kenhäuser mit deut­lich ge­rin­ge­ren Res­sour­cen um­ge­hen müssen. In­so­fern ist nicht maßgeb­lich, wie es früher un­ter an­de­ren Be­din­gun­gen war. Ent­schei­dend ist al­lein der Um­stand, dass die Be­klag­te und die C. gGmbH auch heu­te noch über Be­darf aus­bil­den. Selbst wenn man den Be­darf der C. gGmbH un­ter Zu­grun­de­le­gung, dass die Ge­sell­schaft auch auf dem all­ge­mei­nen Ar­beits­markt Ein­stel­lun­gen vor­nimmt, hoch an­sieht, so dürf­te der Be­darf durch die Aus­bil­dung von 20 Pfle­geschüler/in­nen lang­fris­tig ge­deckt sein. Da­ge­gen wer­den von der Be­klag­ten und der C. gGmbH 21/2-mal so vie­le Pfle­geschüler/in­nen aus­ge­bil­det. Das hin­ter die­ser Pra­xis ste­hen­de Ziel des öffent­lich-recht­li­chen Trägers der Kran­kenhäuser ist le­gi­tim und ge­sell­schaft­lich erwünscht. In­so­fern recht­fer­tigt das Bedürf­nis möglichst vie­ler Ju­gend­li­cher, ei­ne Aus­bil­dung zu er­fah­ren, die

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Ein­schränkung der Bedürf­nis­se al­ler Aus­zu­bil­den­den auf ei­ne möglichst ho­he Aus­bil­dungs­vergütung.

Über den Träger der C. gGmbH so­wie über die Fi­nan­zie­rung der Kran­kenhäuser größer­en­teils durch öffent­lich-recht­li­che So­zi­al­ver­si­che­rung ist da­von aus-zu­ge­hen, dass hier öffent­li­che Gel­der für die Schaf­fung zusätz­li­cher Aus­bil­dungs­plätze ver­wandt wer­den. Die Be­grenzt­heit der öffent­li­chen Mit­tel und das vom Staat zu ver­fol­gen­de ge­samt­ge­sell­schaft­li­che In­ter­es­se, möglichst vie­len ar­beits­lo­sen Ju­gend­li­chen die Möglich­keit ei­ner qua­li­fi­zier­ten Beufs­aus­bil­dung zu ver­schaf­fen, recht­fer­tigt ein Un­ter­schrei­ten der ta­rif­li­chen Aus­bil­dungssätze auch weit un­ter 20 % (vgl. BAG, AP Nr. 14 zu § 10 BBiG).

Die im Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag ver­ein­bar­te Vergütung wird ih­rer Funk­ti­on, ei­ne fi­nan­zi­el­le Hil­fe für die Kläge­rin zur Durchführung der Aus­bil­dung zu sein, ge­recht. Hier­bei ist zu berück­sich­ti­gen, dass sich die ab­so­lu­te Höhe der von der Be­klag­ten ge­zahl­ten Aus­bil­dungs­vergütung im Rah­men an­de­rer Aus­bil­dungs­vergütun­gen be­wegt. So ent­spre­chen die Aus­bil­dungssätze den übli­cher­wei­se auch den Aus­bil­dungs­verhält­nis­sen zur Arzt­hel­fe­rin ge­zahl­ten Sätzen. Auch in ab­so­lu­ten Zah­len lie­gen selbst un­ter Berück­sich­ti­gung der In­fla­ti­on die Sätze z. B. deut­lich ober­halb den­je­ni­gen, die der BAG-Ent­schei­dung AP Nr. 6 zu § 10 BBiG zu­grun­de la­gen. Glei­ches gilt für die Sätze in der Ent­schei­dung des BAG AP Nr. 12 zu § 10 BBiG. Der den Pfle­geschüler/in­nen zur Verfügung ste­hen­de Net­to­be­trag liegt im Übri­gen er­heb­lich ober­halb der Sätze, die ein Be­zie­her von Ar­beits­lo­sen­geld-II be­zieht. Da die Be­klag­te und C. gGmbH die Leis­tun­gen der Kläge­rin nicht kom­mer­zi­ell ver­wer­ten können und die Aus­bil­dun­gen ih­nen kei­ner­lei fi­nan­zi­el­le Vor­tei­le bringt, tritt der Ge­sichtsunkt, dass der Vergütung ei­ne Min­des­tent­loh­nung für die Leis­tung der Aus­zu­bil­den­den dar­stel­len muss, zurück. Ent­schei­dend ist, ob die Vergütung noch ei­nen er­heb­li­chen Bei­trag zu den Le­bens­hal­tungs­kos­ten des Aus­zu­bil­den­den dar­stellt. Das ist hier zu be­ja­hen (vgl. BAG, AP Nr. 6 zu § 10 BBiG).

Sch­ließlich ist als Recht­fer­ti­gung der Ab­wei­chung von rund 35 % von der ta­rif­li­chen Vergütung auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Be­klag­te so­wie die C. gGmbH al­le Pfle­geschüler/in­nen gleich be­han­delt und nicht et­wa ei­ni­gen we­ni­gen Aus­zu­bil­den­den ta­rif­li­che Aus­bil­dungs­vergütung zahlt und den übri­gen ei­ne deut­lich ge­rin­ge­re.

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III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO, die Streit­wer­tent­schei­dung auf §§ 39 ff. GKG.

gez. ...

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