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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Ausschlussfrist, Kündigungsschutzprozess, Annahmeverzugslohn
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 403/05
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 26.04.2006
   
Leit­sätze: Der vom Ar­beit­ge­ber vor der An­trag­stel­lung im Kündi­gungs­schutz­pro­zess schriftsätz­lich an­gekündig­te Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag stellt ei­ne schrift­li­che Ab­leh­nung der mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge vom Ar­beit­neh­mer gel­tend ge­mach­ten An­nah­me­ver­zugs­ansprüche dar. Ei­ne aus­drück­li­che schrift­li­che Ab­leh­nungs­erklärung ist nicht er­for­der­lich, wenn die Ver­fall­klau­sel nur ei­ne schrift­li­che Ab­leh­nung ver­langt (Bestäti­gung von BAG 20. März 1986 - 2 AZR 295/85 - EzA BGB § 615 Nr. 48, zu B II 2 b der Gründe; Auf­ga­be von BAG 11. De­zem­ber 2001 - 9 AZR 510/00 - EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 145).
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Dessau, Urteil vom 27.10.2004, 5 Ca 187/04
Landesarbeitsgeicht Halle (Saale), Urteil vom 9.06.2005, 7 Sa 21/05
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


5 AZR 403/05
7 Sa 21/05
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Sach­sen-An­halt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

26. April 2006

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. April 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch und Dr. Linck so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Müller und St­ein­mann für Recht er­kannt:



- 2 -

1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt vom 9. Ju­ni 2005 - 7 Sa 21/05 - wird zurück­ge­wie­sen.


2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ansprüche aus An­nah­me­ver­zug


Der Kläger ist seit dem 1. De­zem­ber 1995 bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin als Sach­be­ar­bei­ter beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­det kraft Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag der Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Ar­beit­neh­mer der Lau­sit­zer und Mit­tel­deut­schen Braun­koh­len­in­dus­trie (MTV) An­wen­dung.


Mit Schrei­ben vom 10. De­zem­ber 2002 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis zum 31. März 2003. Das Ar­beits­ge­richt gab der vom Kläger er­ho­be­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt. Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Be­klag­ten wur­de durch rechts­kräfti­ges Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 1. April 2004 zurück­ge­wie­sen.


Während der Dau­er des Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses war der Kläger ar­beits­los und be­zog Ar­beits­lo­sen­geld.

Mit Schrei­ben vom 6. April 2004, das der Be­klag­ten am 13. April 2004 zu­ging, mach­te der Kläger rückständi­ge Vergütung ab dem 1. April 2003 gel­tend. Die Be­klag­te er­teil­te dem Kläger dar­auf­hin am 25. Mai 2004 ei­ne Ab­rech­nung für die Zeit ab dem 13. Ja­nu­ar 2004 und zahl­te ihm die sich dar­aus er­ge­ben­de Net­to­ar­beits­vergütung nach. Die wei­ter­ge­hen­den Ansprüche lehn­te die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 8. Ju­ni 2004 un­ter Hin­weis auf die ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten ab. Im MTV ist be­stimmt:
„...

§ 24
Aus­schluss­fris­ten


(1) Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis können nur in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von drei Mo­na­ten vom Fällig­keits­ta­ge ab gel­tend ge­macht wer­den.
 


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(2) Wenn Ansprüche schrift­lich ab­ge­lehnt wer­den, sind sie in­ner­halb ei­ner wei­te­ren Frist von drei Mo­na­ten im Kla­ge­we­ge gel­tend zu ma­chen.
...“


Mit sei­ner am 9. Ju­li 2004 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat der Kläger die Zah­lung von An­nah­me­ver­zugs­vergütung für die Zeit vom 1. April 2003 bis zum 12. Ja­nu­ar 2004 be­gehrt. Im ers­ten Rechts­zug hat die Be­klag­te Ansprüche für die Zeit vom 1. bis zum 12. Ja­nu­ar 2004 an­er­kannt.


Der Kläger hat - so­weit für die Re­vi­si­on noch von Be­deu­tung - be­an­tragt, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger 32.341,91 Eu­ro brut­to abzüglich er­hal­te­nen Ar­beits­lo­sen­gelds in Höhe von 14.349,50 Eu­ro net­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins in ge­staf­fel­ter Höhe zu zah­len.


Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat gel­tend ge­macht, die er­ho­be­nen Ansprüche sei­en ver­fal­len.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge in dem in der Re­vi­si­on noch anhängi­gen Um­fang statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge in­so­weit ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Zah­lungs­be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Der Kläger kann von der Be­klag­ten nicht die Zah­lung der be­gehr­ten An­nah­me­ver­zugs­vergütung ver­lan­gen.

I. Die vom Kläger er­ho­be­nen Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung sind gemäß § 611 iVm. § 615 Satz 1 BGB ent­stan­den. Die Be­klag­te ist durch die un­wirk­sa­me Kündi­gung vom 10. De­zem­ber 2002 nach Ab­lauf der Kündi­gungs­frist am 31. März 2003 ab dem 1. April 2003 in An­nah­me­ver­zug ge­ra­ten. Der An­nah­me­ver­zug hat mit der Ar­beits­auf­nah­me des Klägers An­fang Mai 2004 ge­en­det.

II. Die ent­stan­de­nen An­nah­me­ver­zugs­ansprüche sind in Höhe der noch anhängi­gen Kla­ge­for­de­rung gem. § 24 MTV ver­fal­len.
 


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1. Die Aus­schluss­frist un­ter­liegt gem. § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB nicht der In­halts­kon­trol­le nach §§ 307 ff. BGB, weil sie in dem auf das Ar­beits­verhält­nis kraft Be­zug­nah­me im Ar­beits­ver­trag an­wend­ba­ren Haus­ta­rif­ver­trag der Be­klag­ten ent­hal­ten ist.

2. Der Kläger hat mit sei­ner im Vor­pro­zess er­ho­be­nen Kündi­gungs­schutz­kla­ge die streit­ge­genständ­li­chen Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung iSv. § 24 Abs. 1 MTV außer­ge­richt­lich gel­tend ge­macht.

a) Die Kündi­gungs­schutz­kla­ge be­inhal­tet die wirk­sa­me Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen aus An­nah­me­ver­zug, wenn die Ver­fall­klau­sel nur die Gel­tend­ma­chung der Ansprüche for­dert. Da­bei wird nicht zwi­schen form­lo­sem und schrift­li­chem Ver­lan­gen un­ter­schie­den (BAG 9. Au­gust 1990 - 2 AZR 579/89 - AP BGB § 615 Nr. 46 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 88, zu B II 2 a der Gründe; 7. No­vem­ber 1991 - 2 AZR 34/91 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 114 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 93, zu B II 2 a aa der Gründe; 11. De­zem­ber 2001 - 9 AZR 510/00 - EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 145, zu II 1 a der Gründe; 10. Ju­li 2003 - 6 AZR 283/02 - EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 168, zu 6 der Gründe). Das Ge­samt­ziel der Kündi­gungs-schutz­kla­ge ist in der Re­gel nicht auf den Er­halt des Ar­beits­plat­zes be­schränkt, son­dern zu­gleich auch auf die Si­che­rung der Ansprüche ge­rich­tet, die durch den Ver­lust der Ar­beits­stel­le mögli­cher­wei­se ver­lo­ren­ge­hen. Mit der Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs-schutz­kla­ge ist der Ar­beit­ge­ber aus­rei­chend vom Wil­len des Ar­beit­neh­mers un­ter­rich­tet, die durch die Kündi­gung be­droh­ten Ein­zel­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis auf­recht­zu­er­hal­ten (BAG 7. No­vem­ber 1991 - 2 AZR 34/91 - aaO; 13. Fe­bru­ar 2003 - 8 AZR 236/02 - AP BGB § 613a Nr. 244 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 162, zu II 1 der Gründe; 10. Ju­li 2003 - 6 AZR 283/02 - aaO).


b) Rich­tet sich der gel­tend ge­mach­te An­spruch auf Geld, ist die Kündi­gungs­schutz­kla­ge al­ler­dings nicht ge­eig­net, ei­ne Aus­schluss­frist zu wah­ren, mit der die ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen ver­langt wird. Die ge­richt­li­che Ver­fol­gung von Vergütungs­ansprüchen setzt die Ein­rei­chung ei­ner Kla­ge vor­aus, de­ren Streit­ge­gen­stand die­se Ansprüche sind. Ge­gen­stand ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist dem­ge­genüber die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung. Sie enthält auch dann kei­ne ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung von Zah­lungs­ansprüchen, wenn die­se vom Be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängen (BAG 8. Au­gust 2000 - 9 AZR 418/99 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 151 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 133, zu I 2 a der Gründe; 21. März 1991 - 2 AZR 577/90 - AP BGB § 615 Nr. 49 = EzA BGB § 615 Nr. 68, zu II 3 a der

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Gründe; 8. Au­gust 1985 - 2 AZR 459/84 - AP TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 94 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 69). Mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat der Kläger sei­ne Ansprüche da­her nicht iSv. § 24 Abs. 2 MTV ge­richt­lich gel­tend ge­macht.

3. Die Be­klag­te hat mit dem im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren in der Kla­ge­er­wi­de­rung vom 4. März 2003 an­gekündig­ten Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag die vom Kläger gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung schrift­lich ab­ge­lehnt (§ 24 Abs. 2 MTV).

a) Der vom Ar­beit­ge­ber vor der An­trag­stel­lung im Kündi­gungs­schutz­pro­zess schriftsätz­lich an­gekündig­te und dem Ar­beit­neh­mer bzw. sei­nem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zu­ge­gan­ge­ne Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag stellt ei­ne schrift­li­che Ab­leh­nung der mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge vom Ar­beit­neh­mer gel­tend ge­mach­ten Vergütungs­ansprüche dar. Ei­ne aus­drück­li­che schrift­li­che Ab­leh­nungs­erklärung ist nicht er­for­der­lich, wenn die Ver­fall­klau­sel nur ei­ne schrift­li­che Ab­leh­nung ver­langt (BAG 20. März 1986 - 2 AZR 295/85 - EzA BGB § 615 Nr. 48, zu B II 2 b der Gründe). Eben­so wie der Ar­beit­ge­ber ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge ent­neh­men muss, dass der Ar­beit­neh­mer Zah­lungs­ansprüche, die sich aus dem fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis er­ge­ben, gel­tend ma­chen will, hat der Ar­beit­neh­mer den Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag da­hin zu ver­ste­hen, dass der Ar­beit­ge­ber die­se Ansprüche zurück­weist und ih­re Erfüllung ab­lehnt. Mit dem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag macht der Ar­beit­ge­ber hin­rei­chend deut­lich, dass er ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers die Kündi­gung für wirk­sam hält und von ei­ner Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch die Kündi­gung aus­geht. Da­mit lehnt er zu­gleich die mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge vom Ar­beit­neh­mer gel­tend ge­mach­ten Ent­gelt­ansprüche ab, die vom Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängen. Der Zweck von Aus­schluss­fris­ten, über das Be­ste­hen von Ansprüchen nach Frist­ab­lauf nicht mehr strei­ten zu müssen, be­steht für bei­de Ver­trags­par­tei­en in glei­cher Wei­se. Der je­wei­li­ge Schuld­ner soll sich dar­auf ver­las­sen können, dass nach Ab­lauf der Aus­schluss­frist ge­gen ihn kei­ne Ansprüche mehr er­ho­ben wer­den (Se­nat 14. Au­gust 2002 - 5 AZR 341/01 - BA­GE 102, 161, 164, zu II 2 b bb der Gründe; ErfK/Preis 6. Aufl. §§ 194 bis 218 BGB Rn. 32; Wank in Wie­de­mann 6. Aufl. § 4 TVG Rn. 721). Der Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag genügt al­ler­dings dann nicht, wenn die Ver­fall­klau­sel ei­ne „aus­drück­li­che“ schrift­li­che Ab­leh­nungs­erklärung for­dert (Se­nat 4. Mai 1977 - 5 AZR 187/76 - BA­GE 29, 152, 156 f., zu 2 b der Gründe).
 


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b) Der schriftsätz­lich an­gekündig­te Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers im Kündi­gungs­schutz­pro­zess genügt dem in Aus­schluss­klau­seln ent­hal­te­nen Schrift­for­mer­for­der­nis für die Ab­leh­nung. Die Erklärung, mit der gel­tend ge­mach­te Ansprüche ab­ge­lehnt wer­den, ist eben­so wie die Gel­tend­ma­chung kei­ne Wil­lens­erklärung, son­dern ei­ne geschäftsähn­li­che Hand­lung. Hier­auf fin­den die Vor­schrif­ten über Wil­lens­erklärun­gen nur ent­spre­chend ih­rer Ei­gen­art ana­lo­ge An­wen­dung (Se­nat 14. Au­gust 2002 - 5 AZR 341/01 - BA­GE 102, 161, 163 f., zu II 2 b aa der Gründe; 26. Fe­bru­ar 2003 - 5 AZR 223/02 - BA­GE 105, 181, 184, zu II 3 a der Gründe). Der Zweck der Schrift­form für die Gel­tend­ma­chung und Ab­leh­nung von An­nah­me­ver­zugs­ansprüchen er­for­dert nicht die Wie­der­ga­be der Ori­gi­nal­un­ter­schrift des An­spruch­stel­lers bzw. An­spruch­geg­ners oder des be­vollmäch­tig­ten Ver­tre­ters in dem not­wen­di­gen Schrei­ben. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass der schrift­li­chen Erklärung die Er­he­bung bzw. Zurück­wei­sung be­stimm­ter Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis durch Le­sen ei­ner text­li­chen Nach­richt ent­nom­men wer­den kann (Se­nat 11. Ok­to­ber 2000 - 5 AZR 313/99 - BA­GE 96, 28, 32, zu II 2 c der Gründe, zur Gel­tend­ma­chung). Da­mit wird der Be­weis- und Warn­funk­ti­on des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses für die Gel­tend­ma­chung und Zurück­wei­sung von Ansprüchen genügt. Lässt der Ar­beit­neh­mer die Kündi­gungs­schutz­kla­ge durch ei­nen Be­vollmäch­tig­ten er­he­ben und macht er da­mit sei­ne Ansprüche aus An­nah­me­ver­zug gel­tend, ist der Ver­tre­ter zu­gleich be­vollmäch­tigt, die Ab­leh­nungs­erklärung des Ar­beit­ge­bers ent­ge­gen­zu­neh­men.

c) Die Be­klag­te hat im Kündi­gungs­schutz­pro­zess mit der Kla­ge­er­wi­de­rung vom 4. März 2003 aus­drück­lich Ab­wei­sung der Kla­ge be­an­tragt und da­mit zu­gleich die vom Kläger mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­be­nen Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung schrift­lich iSv. § 24 Abs. 2 MTV ab­ge­lehnt. Die Kla­ge­er­wi­de­rung der Be­klag­ten wur­de dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers vom Ar­beits­ge­richt am 7. März 2003 zu­ge­lei­tet. Der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers hat den Schrift­satz der Be­klag­ten vor sei­nem Frist­verlänge­rungs­an­trag vom 26. März 2003, mit dem er we­gen des Um­fangs der Kla­ge­er­wi­de­rung ei­ne Verlänge­rung der Er­wi­de­rungs­frist be­gehrt hat, er­hal­ten. Mit Zu­gang der im Schrift­satz der Be­klag­ten vom 4. März 2003 ent­hal­te­nen Ab­leh­nung der gel­tend ge­mach­ten Ansprüche auf An­nah­me­ver­zugs­vergütung be­gann für den Kläger die Frist von drei Mo­na­ten zur ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung zu lau­fen. Die­se Frist war zum Zeit­punkt des Ein­gangs der vor­lie­gen­den Zah­lungs­kla­ge beim Ar­beits­ge­richt am 9. Ju­li 2004 für die noch streit­ge­genständ­li­chen Ansprüche ver­stri­chen. Die er­ho­be­nen An­nah­me­ver­zugs­ansprüche sind des­halb ver­fal­len.
 


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4. So­weit der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Ur­teil vom 11. De­zem­ber 2001 (- 9 AZR 510/00 - EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 145) die Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, durch den Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag des Ar­beit­ge­bers im Kündi­gungs­rechts­streit wer­de bei ei­ner zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­frist die Kla­ge­frist nicht in Lauf ge­setzt, wenn hierfür die schrift­li­che Ab­leh­nung der Ansprüche we­gen An­nah­me­ver­zugs er­for­der­lich sei, wird hier­an nicht fest­ge­hal­ten. Der Se­nat schließt sich viel­mehr der zu­vor vom Zwei­ten Se­nat ver­tre­te­nen Auf­fas­sung an (20. März 1986 - 2 AZR 295/85 - EzA BGB § 615 Nr. 48, zu B II 2 b der Gründe).


5. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne An­ru­fung des Großen Se­nats nach § 45 Abs. 3 ArbGG lie­gen nicht vor.


a) Die ent­schei­den­de Rechts­fra­ge ist, ob der Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag in ei­nem Kündi­gungs­schutz­pro­zess zu­gleich die schrift­li­che Ab­leh­nung zu­vor vom Ar­beit­neh­mer mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge gel­tend ge­mach­ter Vergütungs­ansprüche dar­stellt, de­ren Be­ste­hen von ei­nem Ob­sie­gen des Ar­beit­neh­mers im Kündi­gungs­schutz­ver­fah­ren abhängt. Sol­che Ansprüche be­ru­hen auf dem An­nah­me­ver­zug des Ar­beit­ge­bers. Für Fra­gen des An­nah­me­ver­zugs ist der Neun­te Se­nat nicht mehr zuständig, son­dern gem. Tz. 5.1.5 Geschäfts­ver­tei­lungs­plan 2006 (GVP 2006) al­lein der er­ken­nen­de Se­nat.


b) So­weit der Neun­te Se­nat gem. Tz. 9.1 GVP 2006 für die Rechts­ge­bie­te Er­ho­lungs-, Bil­dungs-, Son­der- und Er­zie­hungs­ur­laub/El­tern­zeit zuständig ist, gel­ten nach der Recht­spre­chung des Neun­ten Se­nats Be­son­der­hei­ten. In ei­ner Kündi­gungs­schutz-kla­ge ist da­nach nicht die Gel­tend­ma­chung von Ur­laubs­ansprüchen ent­hal­ten. Auch im gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis ob­lie­ge es dem Ar­beit­neh­mer, die für die Fest­le­gung des Ur­laubs nach § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG maßgeb­li­chen Ur­laubswünsche zu äußern (21. Sep­tem­ber 1999 - 9 AZR 705/98 - BA­GE 92, 299, 301 f., zu I 2 b und c der Gründe). Sind Ur­laubs­ansprüche nach Maßga­be die­ser An­for­de­run­gen gel­tend ge­macht, wird da­mit auch ei­ne ta­rif­li­che Aus­schluss­frist ge­wahrt, wel­che die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen ver­langt (zu ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten und Ur­laubs­ansprüchen vgl. BAG 25. Au­gust 1992 - 9 AZR 329/91 - AP BUrlG § 7 Ab­gel­tung Nr. 60 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 101). Ei­ne schrift­li­che Mah­nung des Ar­beit­neh­mers, ihm Ur­laub zu gewähren, wahrt ta­rif­li­che Aus­schluss­fris­ten auch für den nach Ab­lauf des Ur­laubs­jah­res oder des Über­tra­gungs­zeit­rau­mes ent­ste­hen­den Scha­dens­er­satz­an­spruch, der ent­we­der auf Gewährung von Ur­laub (Er­satz­ur­laubsan-
 


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spruch) oder auf Zah­lung ge­rich­tet ist (BAG 24. No­vem­ber 1992 - 9 AZR 549/91 - AP BUrlG § 1 Nr. 23 = EzA TVG § 4 Aus­schluss­fris­ten Nr. 102, zu 6 der Gründe). Ent­spre­chen­des gilt für den Ab­gel­tungs­an­spruch (BAG 16. März 1999 - 9 AZR 428/98 - AP BUrlG § 7 Über­tra­gung Nr. 25 = EzA BUrlG § 7 Nr. 107, zu II 3 der Gründe). Ist nach der Recht­spre­chung des Neun­ten Se­nats zur Wah­rung von Aus­schluss­fris­ten für Ur­laubs­ansprüche ei­ne aus­drück­li­che Gel­tend­ma­chung der Ansprüche er­for­der­lich, kann dem­ent­spre­chend auch ei­ne aus­drück­li­che Ab­leh­nung der Ansprüche ver­langt wer­den. We­gen der vom Neun­ten Se­nat be­ton­ten Be­son­der­hei­ten des Ur­laubs­an­spruchs können die­se Grundsätze je­doch nicht auf An­nah­me­ver­zugs­ansprüche über­tra­gen wer­den.

III. Der Kläger hat gem. § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen. 


Müller-Glöge 

Mi­kosch 

Linck

Müller 

St­ein­mann

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