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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Beamtenverhältnis
   
Gericht: Bundesverfassungsgericht
Akten­zeichen: 2 BvL 11/07
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 28.05.2008
   
Leit­sätze: 1. Die in § 25b Lan­des­be­am­ten­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len an­ge­ord­ne­te Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit verstößt ge­gen Ar­ti­kel 33 Ab­satz 5 des Grund­ge­set­zes.
Vor­ins­tan­zen:
   

BUN­DES­VER­FASSUN­GS­GERICHT

- 2 BvL 11/07 -


 


IM NA­MEN DES VOL­KES

In dem Ver­fah­ren
zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüfung,

ob § 25b Ab­satz 1 Satz 1 und 2 zwei­ter Halb­satz, Ab­satz 7 Zif­fer 1.3 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung des Ar­ti­kels I des Ge­set­zes vom 20. April 1999 (GVBl NRW S. 148) in Ver­bin­dung mit Ar­ti­kel 7 Ab­satz 5 des 2. Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes vom 27. Ju­ni 2006 (GVBl NRW S. 278) so-wie § 25b Ab­satz 1 Satz 1 und 2, Ab­satz 7 Zif­fer 1.2 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung des Ar­ti­kels 3 Num­mer 2 Buch­sta­be a des 2. Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes vom 27. Ju­ni 2006 (GVBl NRW S. 278) mit Ar­ti­kel 33 Ab­satz 5 des Grund­ge­set­zes un­ver­ein­bar und nich­tig sind.


- Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27. Sep­tem­ber 2007 - BVerwG 2 C 21.06, BVerwG 2 C 26.06, BVerwG 2 C 29.07 -

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hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt - Zwei­ter Se­nat - un­ter Mit­wir­kung der Rich­te­rin­nen und Rich­ter
Broß,

Os­ter­loh,

Di Fa­bio,

Mel­ling­hoff,

Lübbe-Wolff,

Ger­hardt, Land­au

am 28. Mai 2008 be­schlos­sen:

§ 25b des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung des Ar­ti­kels I des Ge­set­zes vom 20. April 1999 (Nord­rhein-Westfäli­sches Ge­setz- und Ver­ord­nungs­blatt Sei­te 148) und in al­len fol­gen­den Fas­sun­gen ist mit Ar­ti­kel 33 Ab­satz 5 des Grund­ge­set­zes un­ver­ein­bar und nich­tig.

G r ü n d e :

A.

Die Vor­la­ge be­trifft die Fra­ge, ob die Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit gemäß § 25b Lan­des­be­am­ten­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len (LBG NRW) mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist.

I.

1. § 25b LBG NRW be­stimmt, dass die in Ab­satz 7 die­ser Vor­schrift ge­nann­ten Ämter mit lei­ten­der Funk­ti­on zunächst im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit zu über­tra­gen sind. § 25b LBG NRW in der Fas­sung des Art. I des Neun­ten Ge­set­zes zur Ände­rung dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 20. April 1999 (GVBl NRW S. 148) lau­te­te wie folgt:
 


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§ 25b


(1) Ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im Sin­ne des Ab­sat­zes 7 wird im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit für längs­tens zwei Amts­zei­ten über­tra­gen. Ei­ne Amts­zeit beträgt fünf Jah­re; ab­wei­chend hier­von beträgt bei Lei­tern öffent­li­cher Schu­len oder Stu­di­en­se­mi­na­re die ers­te Amts­zeit zwei, die zwei­te Amts­zeit acht Jah­re. Mit Ab­lauf der ers­ten Amts­zeit ist die Über­tra­gung des Am­tes auf Dau­er im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit aus­ge­schlos­sen, mit Ab­lauf der zwei­ten Amts­zeit soll dem Be­am­ten das Amt auf Dau­er im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit über­tra­gen wer­den.

(2) § 25a Abs. 2, Abs. 3 Satz 1 und Abs. 4 Satz 1 gilt ent­spre­chend.

(3) Wird dem Be­am­ten in ei­nem Amt auf Zeit nach Ab­satz 1 ein an­de­res Amt nach Ab­satz 1 über­tra­gen, das in ei­ne höhe­re Be­sol­dungs­grup­pe ein­ge­stuft ist als das ihm zu­vor über­tra­ge­ne Amt nach Ab­satz 1, ist ihm die­ses Amt gleich­zei­tig auf Dau­er im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit zu über­tra­gen, so­fern die all­ge­mei­nen be­am­ten­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind. Mit der Über­tra­gung des höher ein­ge­stuf­ten Am­tes nach Ab­satz 1 be­ginnt ei­ne er­neu­te ers­te Amts­zeit; Ab­satz 1 Sätze 2 und 3 fin­den An­wen­dung.

(4) Der Be­am­te ist mit

a) Ab­lauf der Amts­zeit,

b) der Ver­set­zung in ein Amt der­sel­ben oder ei­ner gleich­wer­ti­gen Lauf­bahn mit ge­rin­ge­rem End­grund­ge­halt nach § 28 Abs. 2 Satz 2,

c) der Ver­set­zung zu ei­nem an­de­ren Dienst­herrn,

d) der Über­nah­me ei­nes Man­da­tes, das mit dem Amt nach Ab­satz 1 un­ver­ein­bar ist,

e) der Ver­set­zung in ein Amt der­sel­ben Lauf­bahn mit ge­rin­ge­rem End­grund­ge­halt nach den Vor­schrif­ten der Dis­zi­pli­nar­ord­nung,

f) der Über­tra­gung ei­nes Am­tes nach Ab­satz 8 bei dem­sel­ben Dienst­herrn oder

g) Be­en­di­gung sei­nes Be­am­ten­verhält­nis­ses oder Rich­ter­verhält­nis­ses auf Le­bens­zeit

aus dem Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit nach Ab­satz 1 ent­las­sen. Die §§ 31 bis 33 blei­ben un­berührt.

(5) Mit dem En­de des Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Zeit nach Ab­satz 1 en­det der An­spruch auf Be­sol­dung aus die­sem Amt; wei­ter­ge­hen­de be­sol­dungs­recht­li­che Ansprüche be­ste­hen nicht. In den Fällen des Ab­sat­zes 4 Satz 1 Buch­sta­ben a bis f wird das Be­am­ten­verhält­nis oder das Rich­ter­verhält­nis auf Le­bens­zeit fort­ge­setzt.

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(6) § 25 Abs. 3 Satz 1 und § 78e Abs. 1 Nr. 1 fin­den kei­ne An­wen­dung.

(7) Ämter im Sin­ne des Ab­sat­zes 1 sind

1. im Lan­des­dienst die

1.1 min­des­tens der Be­sol­dungs­grup­pe B 4 an­gehören­den Ämter der in den obers­ten Lan­des­behörden oder den die­sen an­ge­glie­der­ten Dienst­stel­len täti­gen Be­am­ten,


1.2 der Be­sol­dungs­ord­nung B an­gehören­den Ämter der Lei­ter so­wie der Lei­ter von Tei­len (Ab­tei­lun­gen) der den obers­ten Lan­des­behörden un­mit­tel­bar nach­ge­ord­ne­ten Behörden, Ein­rich­tun­gen und Lan­des­be­trie­be,

1.3 der Be­sol­dungs­grup­pe A 16 an­gehören­den Ämter der Lei­ter öffent­li­cher Schu­len oder Stu­di­en­se­mi­na­re;

2. im Dienst der Ge­mein­den und Ge­mein­de­verbände un­be­scha­det des § 5 Abs. 3 und des § 196 die der Be­sol­dungs­ord­nung B an­gehören­den Ämter mit lei­ten­der Funk­ti­on, so­fern in der Haupt­sat­zung all­ge­mein für die­se Ämter die Über­tra­gung auf Zeit be­stimmt ist;

3. im Dienst der sons­ti­gen der Auf­sicht des Lan­des un­ter­ste­hen­den Körper­schaf­ten, An­stal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts die Ämter, die nach Maßga­be ei­ner von der zuständi­gen obers­ten Auf­sichts­behörde zu er­las­sen­den Rechts­ver­ord­nung da­zu be­stimmt wer­den.

(8) Ab­satz 1 gilt nicht für die Ämter der Mit­glie­der des Lan­des­rech­nungs­ho­fes nach § 2 Abs. 1 des Ge­set­zes über den Lan­des­rech­nungs­hof, die Ämter gemäß § 25a Abs. 8 Nr. 1.5 so­wie für die Ämter, die

a) auf­grund an­de­rer ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit über­tra­gen wer­den
oder

b) in § 38 Abs. 1 ge­nannt sind.

(9) Der Be­am­te führt während sei­ner Amts­zeit nur die Amts­be­zeich­nung des ihm nach Ab­satz 1 über­tra­ge­nen Am­tes. In den Fällen des Ab­sat­zes 4 Buch­sta­ben a bis d fin­det § 92 Abs. 3 Sätze 2 und 3 nur dann ent­spre­chen­de An­wen­dung, wenn das Amt nach Ab­satz 1 min­des­tens ei­ne Amts­zeit wahr­ge­nom­men wor­den ist.

§ 25b LBG NRW wur­de nach­fol­gend mehr­fach geändert. Die Son­der­re­ge­lung zur Amts­zeit der Lei­ter von öffent­li­chen Schu­len oder Stu­di­en­se­mi­na­ren ent­fiel. § 25b Abs. 1 und Abs. 7 LBG NRW in der Fas­sung des Art. 3 Nr. 2 Buch­sta­be a

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des 2. Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes vom 27. Ju­ni 2006 (GVBl NRW S. 278) lau­ten nun­mehr wie folgt:

§ 25b
Lei­ten­de Funk­ti­on auf Zeit

(1) Ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im Sin­ne des Ab­sat­zes 7 wird im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit für längs­tens zwei Amts­zei­ten über­tra­gen. Ei­ne Amts­zeit beträgt fünf Jah­re. Zei­ten, in de­nen dem Be­am­ten die lei­ten­de Funk­ti­on nach Satz 1 be­reits über­tra­gen wor­den ist, können bis zu ei­ner Dau­er von höchs­tens zwei Jah­ren auf die ers­te Amts­zeit an­ge­rech­net wer­den. Mit Ab­lauf der ers­ten Amts­zeit ist die Über­tra­gung des Am­tes auf Dau­er im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit aus­ge­schlos­sen, mit Ab­lauf der zwei­ten Amts­zeit soll dem Be­am­ten das Amt auf Dau­er im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit über­tra­gen wer­den.
[...]

(7) Ämter im Sin­ne des Ab­sat­zes 1 sind

1. im Lan­des­dienst die

1.1 min­des­tens der Be­sol­dungs­grup­pe B 4 an­gehören­den Ämter der in den obers­ten Lan­des­behörden oder den die­sen an­ge­glie­der­ten Dienst­stel­len täti­gen Be­am­ten,


1.2 der Be­sol­dungs­ord­nung B an­gehören­den Ämter der Lei­ter so­wie der Lei­ter von Tei­len (Ab­tei­lun­gen) der den obers­ten Lan­des­behörden un­mit­tel­bar nach­ge­ord­ne­ten Behörden, Ein­rich­tun­gen und Lan­des­be­trie­be,

1.3 Ämter der Lei­ter öffent­li­cher Schu­len oder die der Be­sol­dungs­grup­pe A 16 an­gehören­den Ämter der Lei­ter von Stu­di­en­se­mi­na­ren,

2. im Dienst der Ge­mein­den und Ge­mein­de­verbände die Ämter der Lei­ter von Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten, die dem Haupt­ver­wal­tungs­be­am­ten oder ei­nem an­de­ren Wahl­be­am­ten oder die­sem in der Führungs­funk­ti­on ver­gleich­ba­ren Beschäftig­ten un­mit­tel­bar un­ter­ste­hen, so­fern in der Haupt­sat­zung all­ge­mein für die­se Ämter die Über­tra­gung auf Zeit be­stimmt ist,

3. im Dienst der sons­ti­gen der Auf­sicht des Lan­des un­ter­ste­hen-den Körper­schaf­ten, An­stal­ten und Stif­tun­gen des öffent­li­chen Rechts die Ämter, die nach Maßga­be ei­ner von der zuständi­gen obers­ten Auf­sichts­behörde zu er­las­sen­den Rechts­ver­ord­nung da­zu be­stimmt wer­den.

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Als Über­g­angs­re­ge­lung zur Dau­er der Amts­zei­ten be­stimmt Art. 7 Abs. 5 des 2. Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes vom 27. Ju­ni 2006, dass es für Lei­te­rin­nen und Lei­ter von Schu­len so­wie Lei­te­rin­nen und Lei­ter von Stu­di­en­se­mi­na­ren in der Be­sol­dungs­grup­pe A 16, de­nen ihr Amt vor In­kraft­tre­ten des Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes gemäß § 25b LBG über­tra­gen wor­den ist, bei der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge ver­bleibt.

2. a) Der Grund­satz, dass Be­am­te auf Le­bens­zeit an­ge­stellt wer­den und ih­nen auch ihr Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne auf Dau­er ver­lie­hen wird, hat­te sich im Lau­fe des 19. Jahr­hun­derts im deut­schen Be­am­ten­recht durch­ge­setzt und wur­de in die be­am­ten­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Deut­schen Rei­ches über­nom­men (vgl. §§ 2, 23 des Ge­set­zes be­tref­fend die Rechts­verhält­nis­se der Reichs­be­am­ten vom 31. März 1873 - RBG -, RGBl S. 61). In Art. 129 Abs. 1 und Abs. 2 der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (Ver­fas­sung des Deut­schen Rei­ches vom 11. Au­gust 1919, RGBl S. 1383) wur­de ver­an­kert, dass die An­stel­lung der Be­am­ten im Re­gel­fall auf Le­bens­zeit er­folgt und ei­ne Amts­ent­he­bung, Ver­set­zung in den Ru­he­stand oder Ver­set­zung in ein Amt mit nied­ri­ge­rem End­grund­ge­halt nur un­ter den ge­setz­lich be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen und For­men möglich ist.

So­weit in Bre­men, Lübeck, Ham­burg, Thürin­gen und Sach­sen seit 1919 ein­zel­ne Re­ge­lun­gen zur Wahl oder Er­nen­nung von Schul­lei­tern auf Zeit ge­schaf­fen wur­den, han­del­te es sich da­bei nicht um Neu­ge­stal­tun­gen des Be­am­ten­rechts, son­dern um von der Räte­be­we­gung ge­tra­ge­ne, auf das Schul­recht be­schränk­te Re­form­ver­su­che, durch die das Amt des Schul­lei­ters als Lauf­bahn­amt vorüber­ge­hend ab­ge­schafft wur­de. Der als Schul­lei­ter er­nann­te oder gewähl­te Leh­rer übte für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum die Funk­ti­on ei­nes Schul­lei­ters nur als Eh­ren­amt aus, oh­ne dass dies Aus­wir­kun­gen auf sei­ne Be­sol­dung oder Amts­be­zeich­nung hat­te.

b) Ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen, die ei­ne Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on auf Zeit vor­sa­hen, gab es nach 1945 zunächst nicht. So­weit das Land Bre­men mit § 52 Abs. 1 Schul­ver­wal­tungs­ge­setz vom 24. Ju­li 1978 (Brem. GBl S. 167) die Be­stel­lung von Schul­lei­tern auf Zeit einführ­te, ermöglich­te es die Über­tra­gung der Auf­ga­ben ei­nes Schul­lei­ters für die Dau­er von acht Jah­ren, oh­ne dass ei­ne Beförde­rung er­folg­te. Die Leh­rer be­hiel­ten während der Dau­er der Schul­lei­tertätig­keit ihr bis­he­ri­ges Amt im sta­tus­recht­li­chen Sinn und er­hiel­ten le­dig­lich ei­ne Be­sol­dungs­zu­la­ge. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erklärte die­se Vor­schrift mit Be­schluss vom 3. Ju­li 1985 we­gen Un­ver­ein­bar­keit mit § 18 BBesG für nich­tig; die

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Norm führe zu ei­ner auf Dau­er an­ge­leg­ten Ent­kop­pe­lung von Sta­tus und Funk­ti­on (BVerfGE 70, 251 <268>).

3. Die rah­men­recht­li­che Grund­la­ge für die Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit bil­det § 12b Be­am­ten­rechts­rah­men­ge­setz (BRRG), der durch das Ge­setz zur Re­form des öffent­li­chen Dienst­rechts (Re­form­ge­setz) vom 24. Fe­bru­ar 1997 (BGBl I S. 322) ein­geführt wur­de.

a) Ne­ben Nord­rhein-West­fa­len mach­ten zehn wei­te­re Länder von die­ser Ermäch­ti­gung Ge­brauch. In Nie­der­sach­sen war be­reits zu­vor ei­ne Vor­schrift zur Über­tra­gung von Führungsämtern auf Zeit er­las­sen wor­den. In Nie­der­sach­sen, Ber­lin, Ham­burg und Sach­sen-An­halt wur­den die­se Vor­schrif­ten in­zwi­schen wie-der auf­ge­ho­ben. In den Ge­set­zes­be­gründun­gen wur­de hier­zu un­ter an­de­rem aus­geführt, die mit der Vor­schrift an­vi­sier­ten Zie­le - Schaf­fung ei­ner er­wei­ter­ten per­so­nal­wirt­schaft­li­chen Fle­xi­bi­lität bei her­aus­ge­ho­be­nen Führungsämtern - sei­en nicht er­reicht wor­den (vgl. Nds. LT­Drucks 15/2999, S. 5 f.). Die Ver­ga­be von Führungsämtern auf Pro­be sei aus­rei­chend, um ei­ne op­ti­ma­le Be­set­zung von Führungs­po­si­tio­nen im Zeit­punkt der dau­er­haf­ten Über­tra­gung si­cher­zu­stel­len, oh­ne die sach­li­che und persönli­che Un­abhängig­keit der Be­am­ten, die ins­be­son­de­re für Spit­zen­po­si­tio­nen von er­heb­li­cher Be­deu­tung sei, übermäßig ein­zu­schränken (a.a.O.). Seit der Einführung der Be­am­ten­verhält­nis­se auf Pro­be und auf Zeit ha­be sich ge­zeigt, dass die zweijähri­ge Er­pro­bung im Rah­men des Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Pro­be zur Fest­stel­lung der Bewährung in Lei­tungs­funk­tio­nen aus­rei­chend sei (vgl. Ab­ge­ord­ne­ten­haus Ber­lin, Drucks 15/3888, S. 10). Es sei nicht sach­ge­recht, an der Ver­ga­be von Spit­zen­po­si­tio­nen auf Zeit fest­zu­hal­ten, da sich das Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit fak­tisch nur als ei­ne Vor­lauf­zeit zur Über­tra­gung des Dienst­pos­tens auf Le­bens­zeit dar­ge­stellt ha­be (vgl. Bürger­schaft der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg, Drucks 18/7387, S. 4). Die Ver­ga­be von Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit sei schließlich aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Gründen ab­zu­schaf­fen, da der Baye­ri­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 26. Ok­to­ber 2004 (- Vf. 15-VII-01 -, NVwZ-RR 2005, S. 830) mit Art. 32a BayBG in der Fas­sung der Be­kannt­ma­chung vom 27. Au­gust 1998 (BayGVBl S. 702) ei­ne in­halt­lich weit­ge­hend ent­spre­chen­de Re­ge­lung zur Ver­ga­be von Führungsämtern auf Zeit we­gen ei­ner Ver­let­zung des durch Art. 95 Abs. 1 Satz 2 der Baye­ri­schen Ver­fas­sung gewähr­leis­te­ten Prin­zips der Über­tra­gung ei­nes Amts auf Le­bens­zeit für nich­tig erklärt ha­be (Land­tag von Sach­sen-An­halt, LT­Drucks 4/2364, S. 131).
 


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b) Der nord­rhein-westfäli­sche Ge­setz­ge­ber mach­te durch Art. I des Neun­ten Ge­set­zes zur Ände­rung dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 20. April 1999 (GVBl NRW S. 148) von der Ermäch­ti­gung des § 12b BRRG Ge­brauch und führ­te die Vor­schrift des § 25b LBG NRW zur Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on auf Zeit ein. Zur Be­gründung ver­wies er dar­auf, die zeit­wei­se Wahr­neh­mung von Führungs­funk­tio­nen sol­le zu ei­ner bes­se­ren Aus­wahl der Führungs­kräfte im öffent­li­chen Dienst bei­tra­gen so­wie fähi­ges und fle­xi­bles Führungs­per­so­nal leich­ter ein­setz­bar ma­chen. Ein nur auf Zeit ver­ge­be­nes Lei­tungs­amt er­wei­te­re den Spiel­raum der Per­so­nalführung. Zu­gleich sol­le die be­fris­te­te Über­tra­gung den Wett­be­werb und die Mo­bi­lität stei­gern und als An­reiz die­nen, um die Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft der Führungs­kräfte zu erhöhen (vgl. LT­Drucks 12/3186, S. 37, 44).

II.

1. Die Kläger der Aus­gangs­ver­fah­ren sind im Schul­dienst und in der Forst­ver­wal­tung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len täti­ge Be­am­te, de­nen ein Amt mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit über­tra­gen ist. Sie ab­sol­vie­ren der­zeit ih­re zwei­te Amts­zeit in die­sen Ämtern. Die Kläge­rin, die zu­vor schon für et­wa ein Jahr kom­mis­sa­risch mit der Wahr­neh­mung der Dienst­geschäfte der Schul­lei­te­rin be­auf­tragt wor­den war, wur­de mit Wir­kung vom 1. Au­gust 1999 für die Dau­er von zwei Jah­ren zur Ober­stu­di­en­di­rek­to­rin als Lei­te­rin ei­nes voll aus­ge­bau­ten Gym­na­si­ums (Bes­Gr. A 16 LBe­sO) und mit Wir­kung vom 1. Au­gust 2001 für wei­te­re acht Jah­re er­nannt. Der Kläger ei­nes wei­te­ren Aus­gangs­ver­fah­rens wur­de mit Wir­kung vom 1. Au­gust 2000 für die Dau­er von zwei Jah­ren zum Lei­ten­den Ge­samt­schul­di­rek­tor - als Lei­ter ei­ner Ge­samt­schu­le - (Bes­Gr. A 16 LBe­sO) und mit Wir­kung vom 1. Au­gust 2002 für wei­te­re acht Jah­re er­nannt. In bei­den Fällen war für die Dau­er der Amts­zei­ten noch § 25b Abs. 1 Satz 2 LBG NRW in der Fas­sung des Art. I des Ge­set­zes vom 20. April 1999 an­wend­bar. Der wei­te­re Kläger wur­de am 30. Au­gust 2000 für fünf Jah­re zum Ab­tei­lungs­di­rek­tor (Bes­Gr. B 2 BBe­sO) in der da­ma­li­gen Lan­des­an­stalt für Öko­lo­gie, Bo­den­ord­nung und Fors­ten/Lan­des­amt für Agrar­ord­nung und am 30. Au­gust 2005 für ei­ne wei­te­re Amts­zeit von fünf Jah­ren er­nannt. Die Kläger be­an­trag­ten ver­geb­lich, ih­nen das je­wei­li­ge Amt auf Le­bens­zeit zu über­tra­gen. Wi­der­spruch, Kla­ge und Be­ru­fung hat­ten kei­nen Er­folg.


2. In den zur ge­mein­sa­men Ent­schei­dung ver­bun­de­nen Re­vi­si­ons­ver­fah­ren hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob § 25b Abs. 1 Satz 1

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und 2 zwei­ter Halb­satz, Abs. 7 Zif­fer 1.3 LBG NRW in der Fas­sung des Art. I des Ge­set­zes vom 20. April 1999 in Ver­bin­dung mit Art. 7 Abs. 5 des 2. Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes vom 27. Ju­ni 2006 so­wie § 25b Abs. 1 Satz 1 und 2, Abs. 7 Zif­fer 1.2 LBG NRW in der Fas­sung des Art. 3 Nr. 2 Buch­sta­be a des 2. Schul­rechtsände­rungs­ge­set­zes vom 27. Ju­ni 2006 mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar sind.

Die Ent­schei­dung über die Re­vi­si­on hänge von die­ser Fra­ge ab, weil den Klägern ein An­spruch auf Über­tra­gung der in­ne­ge­hab­ten Ämter im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit zustünde, wenn § 25b LBG NRW ver­fas­sungs­wid­rig und nich­tig sei. Der An­spruch der Kläger auf feh­ler­freie Ausübung des dem Dienst­herrn zu­ste­hen­den Er­nen­nungs­er­mes­sens ha­be sich zu ei­nem durch­setz­ba­ren An­spruch auf Er­nen­nung im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit ver­dich­tet, nach­dem die ge­trof­fe­nen Aus­wah­l­ent­schei­dun­gen sich be­reits in ei­ner ers­ten Amts­zeit im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit als rich­tig er­wie­sen hätten. Sei § 25b LBG NRW da­ge­gen mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar, so könn­ten die Re­vi­sio­nen kei­nen Er­folg ha­ben, da ei­ne Über­tra­gung des je­wei­li­gen Führungs­amts im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit da­nach vor Ab­lauf der zwei­ten Amts­zeit aus­ge­schlos­sen sei.

Die Re­ge­lung des § 25b LBG NRW sei nach sei­ner Über­zeu­gung mit Art. 33 Abs. 5 GG un­ver­ein­bar. Zum Kern­be­stand der durch Art. 33 Abs. 5 GG ga­ran­tier­ten Struk­tur­prin­zi­pi­en gehöre das Prin­zip der le­bens­zei­ti­gen An­stel­lung und der le­bens­zei­ti­gen Über­tra­gung al­ler ei­ner Lauf­bahn zu­ge­ord­ne­ten Ämter. Die­ser Grund­satz die­ne in be­son­de­rem Maße der Un­abhängig­keit und ei­ner in ihr gründen­den Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft des Be­am­ten. Der Grund­satz der Er­nen­nung auf Le­bens­zeit er­stre­cke sich nicht nur auf das Grund­amt, son­dern ge­ra­de auch auf das kon­kre­te Beförde­rungs­amt. Die Ein­schränkung des Le­bens­zeit­prin­zips durch die Ver­ga­be ei­nes Führungs­amts im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit sei je­den­falls des­halb mit Art. 33 Abs. 5 GG un­ver­ein­bar, da die Ge­set­zes­be­gründung ins­ge­samt nicht tragfähig sei. Der Stei­ge­rung der Mo­bi­lität und Fle­xi­bi­lität des Per­so­nal­ein­sat­zes kom­me kein Ver­fas­sungs­rang zu. Dem­ge­genüber sei ei­ne der ver­bes­ser­ten Ent­fal­tung des in Art. 33 Abs. 2 GG her­vor­ge­ho­be­nen Leis­tungs­prin­zips die­nen­de Re­ge­lung zwar im Grund­satz ge­eig­net, die Ein­schränkung des Le­bens­zeit­prin­zips zu recht­fer­ti­gen. Der Ge­set­zes­be­gründung sei je­doch nicht zu ent­neh­men, war­um die be­reits vor­han­de­nen In­stru­men­te der ob­li­ga­to­risch zu ab­sol­vie­ren­den Er­pro­bungs­zeit auf dem höher­be­wer­te­ten Dienst­pos­ten so­wie neu­er­dings die Über­tra­gung des Führungs­amts auf Pro­be für ei­ne Dau­er von bis zu zwei Jah­ren nicht aus­reich­ten, um den Zu­gang zu Führungsämtern im Sin­ne der Bes­ten­aus­le­se zu steu­ern. Es sei nicht plau­si­bel ge­macht wor­den, in­wie­fern

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§ 25b LBG NRW ge­eig­net und er­for­der­lich sei, den Wett­be­werb zwi­schen den Kon­kur­ren­ten um ein Führungs­amt zu ver­bes­sern oder auf ei­nen of­fen­bar vom Ge­setz­ge­ber er­war­te­ten Leis­tungs­ab­fall zu re­agie­ren. Der Ge­setz­ge­ber ge­he da-von aus, der über ei­nen Zeit­raum von zehn Jah­ren aus­geübte Druck, das Führungs­amt schließlich doch nicht im Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit über­tra­gen zu er­hal­ten, sei ein taug­li­ches Mit­tel, um die Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft der beförder­ten Be­am­ten zu erhöhen. Da­bei hätte der Ge­setz­ge­ber je­doch prüfen und abwägen müssen, wel­che ne­ga­ti­ven Fol­gen mit der Re­ge­lung zwangsläufig ver­bun­den sei­en. Er könne nicht außer Acht las­sen, dass der Be­am­te nicht nur dem zehn Jah­re lang auf ihn aus­geübten Druck zur Leis­tungs­stei­ge­rung, son­dern in glei­cher Wei­se auch ei­nem Druck zu An­pas­sung und Willfährig­keit nach­ge­ben wer­de, um das Führungs­amt auf Le­bens­zeit zu er­hal­ten. Die Vor­schrift des § 25b LBG NRW leis­te zu­dem der Ämter­pa­tro­na­ge Vor­schub.


III.

Zu der Vor­la­ge ha­ben die nord­rhein-westfäli­sche Lan­des­re­gie­rung, der Deut­sche Be­am­ten­bund (DBB - Be­am­ten­bund und Ta­rif­uni­on -), die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di und der Deut­sche Rich­ter­bund Stel­lung ge­nom­men.


1. Die nord­rhein-westfäli­sche Lan­des­re­gie­rung ist der An­sicht, die Vor­la­ge sei un­zulässig. Die Ver­fas­sungsmäßig­keit des § 25b LBG NRW sei für die Aus­gangs­ver­fah­ren nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Außer­dem ha­be das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Tragfähig­keit der ge­setz­li­chen Re­ge­lung nicht um­fas­send an­hand ih­rer ob­jek­tiv zu er­mit­teln­den Zwe­cke über­prüft.


§ 25b LBG NRW ver­s­toße nicht ge­gen die her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums gemäß Art. 33 Abs. 5 GG. Es exis­tie­re kein her­ge­brach­ter Grund­satz, der es dem Ge­setz­ge­ber ge­ne­rell ver­bie­te, Art und An­zahl der Be­am­ten­verhält­nis­se auf Zeit zu verändern. § 25b LBG NRW stel­le un­zwei­fel­haft ei­ne Be­schränkung des Le­bens­zeit­prin­zips dar; die­se sei je­doch ge­recht­fer­tigt. Art. 33 Abs. 5 GG ha­be schon bis­her dem Ge­setz­ge­ber ei­nen wei­ten Er­mes­sens­spiel-raum ge­ge­ben, um die Be­am­ten­ge­setz­ge­bung den Er­for­der­nis­sen des frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Staa­tes und sei­ner Ent­wick­lung an­pas­sen und da­mit fort­ent­wi­ckeln zu können. Durch die Neu­fas­sung des Art. 33 Abs. 5 GG im Rah­men der Föde­ra­lis­mus­re­form ha­be der Ge­setz­ge­ber deut­lich ge­macht, dass der An­pas­sung des Be­am­ten­rechts an die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen in ei­ner mögli­chen

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Abwägung ge­genüber den bloß be­wah­ren­den Ele­men­ten ein be­son­de­res Ge­wicht zu­kom­men sol­le.

§ 25b LBG NRW die­ne ei­ner bes­se­ren Um­set­zung des her­ge­brach­ten Leis­tungs­prin­zips. Es han­de­le sich um ei­ne Kol­li­si­on ver­schie­de­ner be­am­ten­recht­li­cher Grundsätze. Auf dem Leis­tungs­prin­zip fuße das In­ter­es­se des Dienst­herrn an ei­ner möglichst großen Aus­wahl an dau­er­haft leis­tungs­star­ken und mo­bi­len Be­am­ten, die er fle­xi­bel ein­set­zen und im Fal­le der Min­der­leis­tung aus den Ämtern ent­fer­nen könne. Die Kol­li­si­on un­ter­schied­li­cher be­am­ten­recht­li­cher Grundsätze sei im We­ge der prak­ti­schen Kon­kor­danz auf­zulösen. Der Ge­stal­tungs­spiel­raum des Ge­setz­ge­bers sei an die­ser Stel­le be­son­ders groß und erst bei ei­nem Ein­griff in den Kern­be­stand ei­nes Struk­tur­prin­zips be­grenzt. Die mit § 25b LBG NRW ver­bun­de­ne Be­schränkung des Le­bens­zeit­prin­zips sei ge­eig­net, das Leis­tungs­prin­zip zu ver­wirk­li­chen, oh­ne dass hier­durch der Kern­be­stand des Le­bens­zeit­prin­zips an­ge­tas­tet wer­de. Auf die Er­for­der­lich­keit der Re­ge­lung kom­me es nicht an. Die Ver­ga­be von Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit schaf­fe ei­nen An­reiz zu bes­se­rer Leis­tung, da der Be­am­te un­ter ständi­gem Bewährungs­druck ste­he, um für ei­ne wei­te­re Amts­pe­ri­ode oder auf Dau­er er­nannt zu wer­den.


Die Ver­ga­be von Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit führe zu ei­ner Verstärkung des Wett­be­werbs, da über ih­re Be­set­zung im Fal­le der Nicht­bewährung mehr­fach neu ent­schie­den wer­de. Die Mo­bi­lität der Führungs­kräfte wer­de ge­stei­gert, da bei ei­ner er­neu­ten Ent­schei­dung über die Ver­ga­be des Führungs­amts ge­eig­ne­te Be­am­te die­se Chan­ce nut­zen könn­ten, was zu ei­ner erhöhten Fluk­tua­ti­on, al­so zu mehr Mo­bi­lität führe. Mo­bi­lität sei ei­ne Aus­prägung des Leis­tungs­prin­zips. Der Spiel­raum bei der Per­so­nalführung wer­de er­wei­tert und Fehl­be­set­zun­gen könn­ten kor­ri­giert wer­den. Dies führe zu ei­ner Leis­tungs­stei­ge­rung. Da das Führungs­amt auf Zeit da­zu die­ne, über ei­nen mehrjähri­gen Zeit­raum ei­ne Leis­tungs­op­ti­mie­rung her­bei­zuführen, könne es nicht durch das Führungs­amt auf Pro­be er­setzt wer­den. § 25b LBG NRW ver­let­ze nicht den Kern­be­stand des Le­bens­zeit­prin­zips. Die Norm be­tref­fe nicht die Be­am­ten­schaft ins­ge­samt, son­dern nur ei­nen en­gen Kreis von Spit­zen­be­am­ten. Die Dau­er der Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit sei auf zehn Jah­re be­schränkt. So­weit der Be­am­te sein Grund­amt be­hal­te, wer­de in das Le­bens­zeit­prin­zip ge­ra­de nicht ein­ge­grif­fen.


2. Die Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di hält § 25b LBG NRW mit Blick auf Art. 33 Abs. 5 GG für ver­fas­sungs­wid­rig. Die Un­abhängig­keit und die Kon­ti­nuität der Ver­wal­tung er­for­der­ten es, her­aus­ge­ho­be­ne Dienst­pos­ten dau­er-

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haft und nicht nur zeit­lich be­grenzt zu über­tra­gen. Das Le­bens­zeit­prin­zip sei als Funk­ti­ons­vor­aus­set­zung der öffent­li­chen Ver­wal­tung in der par­la­men­ta­ri­schen De­mo­kra­tie in­so­fern ein ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­ner Grund­satz im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG. Er wer­de durch die zeit­lich be­fris­te­te Über­tra­gung von Führungs­po­si­tio­nen durch­bro­chen. Die vor­han­de­ne Möglich­keit der Er­pro­bung für zwei Jah­re sei aus­rei­chend, um die Eig­nung des Be­am­ten für ei­nen her­aus­ge­ho­be­nen Dienst­pos­ten fest­zu­stel­len.

3. Nach An­sicht des Deut­schen Be­am­ten­bun­des ist § 25b LBG NRW nicht ver­fas­sungs­gemäß. Die Ver­ga­be von Führungs­po­si­tio­nen im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit durch­bre­che das Le­bens­zeit­prin­zip, das im In­ter­es­se der All­ge­mein­heit den Be­am­ten in die La­ge ver­set­zen sol­le, sein Amt un­abhängig und un­par­tei­isch, an Recht und Ge­setz ori­en­tiert zu führen. Der Ge­setz­ge­ber ha­be zwar die Möglich­keit, aus­nahms­wei­se und aus be­son­de­ren Gründen an­de­re, nicht auf Le­bens­zeit an­ge­leg­te Ar­ten des Be­am­ten­verhält­nis­ses zu schaf­fen. § 25b LBG NRW zie­le je­doch dar­auf ab, ei­ne wei­te­re Durch­bre­chung des Grund­sat­zes des Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Le­bens­zeit ein­zuführen, ob­wohl der As­pekt der persönli­chen Un­abhängig­keit bei Führungs­po­si­tio­nen ei­ne be­son­de­re Rol­le spie­le. Das nach der Ge­set­zes­be­gründung zu fördern­de Leis­tungs­prin­zip sei nicht ge­eig­net, ei­ne Zurück­set­zung des Le­bens­zeit­prin­zips zu recht­fer­ti­gen, da dies nicht der verhält­nismäßig leich­tes­te Ein­griff in das Le­bens­zeit­prin­zip sei. Be­am­te dürf­ten nach ih­rer Be­ru­fung in ein Führungs­amt nicht zehn Jah­re lang der Möglich­keit un­sach­li­cher oder po­li­ti­scher Ein­fluss­nah­me und ei­nem Druck zur Willfährig­keit und An­pas­sung aus­ge­setzt sein, in­dem man sie im Un­ge­wis­sen darüber las­se, ob sie die­ses auf Dau­er be­hal­ten wer­den oder wie­der in ihr vor­he­ri­ges, nied­ri­ger be­sol­de­tes Amt zurück­keh­ren müssen. An­ders als bei der zeit­gleich ein­geführ­ten Ver­ga­be von Führungs­po­si­tio­nen für zwei Jah­re auf Pro­be, ha­be der Be­am­te selbst im Fal­le sei­ner Bewährung im Amt kei­nen An­spruch, die­ses auf Le­bens­zeit über­tra­gen zu be­kom­men.

4. Der Deut­sche Rich­ter­bund hält die Ver­ga­be von Führungsämtern auf Zeit für mit den Grundsätzen des Be­rufs­be­am­ten­tums un­ver­ein­bar. Der Grund­satz der le­bens­zei­ti­gen Über­tra­gung al­ler ei­ner Lauf­bahn zu­ge­ord­ne­ten Ämter gehöre zum Kern­be­stand der be­am­ten­recht­li­chen Struk­tur­prin­zi­pi­en. Das Be­wusst­sein, dass ein Amt auf Le­bens­zeit ver­ge­ben wer­de, gewähr­leis­te in be­son­de­rem Maße die Un­abhängig­keit des Be­am­ten. Die Ar­gu­men­te, die für das Le­bens­zeit­prin­zip sprächen, sei­en in be­son­de­rem Maße für höhe­re Beförde­rungsämter ein­schlägig. Ge­ra­de der Be­am­te in ei­ner Führungs­po­si­ti­on ha­be, wenn er im Ein­zel­fall um­strit­te­ne

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Ent­schei­dun­gen tref­fen müsse, öffent­li­chem, ins­be­son­de­re po­li­ti­schem Druck stand­zu­hal­ten und für ei­ne rechts­staat­li­che Amtsführung ein­zu­tre­ten. Als Lei­ter ei­ner Behörde oder als sons­ti­ge Führungs­persönlich­keit sei er Re­präsen­tant sei­ner Behörde und Vor­bild für sei­ne Mit­ar­bei­ter. Da­bei sei die Gewähr­leis­tung sei­ner persönli­chen Un­abhängig­keit von be­son­de­rer Be­deu­tung.

Dies gel­te in be­son­de­rem Maße für die als Führungsämter auf Zeit vor­ge­se­he­nen Po­si­tio­nen der Lei­ten­den Ober­staats­anwälte (vgl. § 19a des Hes­si­schen Be­am­ten­ge­set­zes). Die Un­abhängig­keit der Straf­jus­tiz set­ze un­abhängi­ge Staats­an­walt­schaf­ten vor­aus, die je­der­zeit oh­ne po­li­ti­schen Druck und frei von äußerer Ein­fluss­nah­me ih­ren Auf­ga­ben ob­jek­tiv und nur dem Ge­setz ver­pflich­tet nach-kom­men könn­ten. Ge­ra­de dem Lei­ter der Staats­an­walt­schaft kom­me da­bei be­son­de­re Be­deu­tung zu, da er die Behörde nach außen ver­tre­te und auch da­zu be­ru­fen sei, et­wai­ge Ver­su­che von äußeren Ein­fluss­nah­men ins­be­son­de­re in po­li­tisch bri­san­ten Ver­fah­ren ab­zu­weh­ren. Es sei da­her si­cher­zu­stel­len, dass die­se Per­so­nen ih­re Tätig­keit un­abhängig ausüben könn­ten. Die Ver­ga­be ei­nes sol­chen Führungs­amts auf Zeit er­we­cke nicht nur nach außen den Ein­druck der po­li­ti­schen Ein­fluss­nah­me und min­de­re das Ver­trau­en der Bevölke­rung in die Ob­jek­ti­vität der An­kla­ge­behörden, son­dern gefähr­de auch die zwin­gend er­for­der­li­che Un­abhängig­keit der je­wei­li­gen Amts­in­ha­ber.

B.

Die Vor­la­ge ist zulässig.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat sei­ne Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 25b LBG NRW aus­rei­chend dar­ge­legt. Die Gültig­keit des § 25b LBG NRW ist auch ent­schei­dungs­er­heb­lich. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nach­voll­zieh­bar und des­halb für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bin­dend dar­ge­legt, dass es bei der Gültig­keit oder Ungültig­keit der Norm zu je­weils un­ter­schied­li­chen Er­geb­nis­sen kom­men müsse (vgl. BVerfGE 98, 169 <199>; 99, 300 <313>; 105, 61 <67>).

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt geht da­von aus, dass den Klägern der Aus­gangs­ver­fah­ren auf ih­ren An­trag hin das bis­her auf Zeit in­ne­ge­hab­te Amt auf Le­bens­zeit zu über­tra­gen wäre, wenn § 25b LBG NRW nich­tig wäre. Die­se An­sicht be­geg­net kei­nen Be­den­ken. Darüber hin­aus hätte aber auch dann, wenn man die Rechts­auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu ei­nem An­spruch auf Er­nen-

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nung auf Le­bens­zeit nicht teil­te, die Re­vi­si­on bei Nich­tig­keit des § 25b LBG NRW zu­min­dest in­so­weit Er­folg, als der Dienst­herr die Anträge der Kläger auf Er­nen­nung auf Le­bens­zeit un­ter Berück­sich­ti­gung des­sen, dass das Ge­setz ei­ne so­for­ti­ge Er­nen­nung auf Le­bens­zeit nicht mehr ver­bie­tet, neu zu be­schei­den hätte.

Der Se­nat hält es für ge­bo­ten, die Ent­schei­dung auf die ge­sam­te Vor­schrift des § 25b LBG NRW zu er­stre­cken (§ 82 Abs. 1 i.V.m. § 78 Satz 2 BVerfGG). Es ist dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht ver­wehrt, bei en­gem Sach­zu­sam­men­hang des vom vor­le­gen­den Ge­richt be­an­stan­de­ten Nor­men­kom­ple­xes mit an­de­ren Re­ge­lun­gen oder Norm­tei­len die Prüfung auf die­se aus­zu­deh­nen, um so der Be­frie­dungs­funk­ti­on der Nor­men­kon­trollent­schei­dung ge­recht zu wer­den (vgl. BVerfGE 62, 354 <364>; 78, 132 <143>).

C.

Das Le­bens­zeit­prin­zip in Form der le­bens­zei­ti­gen Über­tra­gung al­ler ei­ner Lauf­bahn zu­ge­ord­ne­ten Ämter gehört zu den her­ge­brach­ten Struk­tur­prin­zi­pi­en des Be­rufs­be­am­ten­tums, die an­ge­sichts ih­rer we­sensprägen­den Be­deu­tung vom Ge­setz­ge­ber nicht nur zu berück­sich­ti­gen, son­dern zu be­ach­ten sind (I.). Die in § 25b LBG NRW ge­re­gel­te Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit ver­letzt den Kern­be­reich des Le­bens­zeit­prin­zips und ist da­her mit Art. 33 Abs. 5 GG un­ver­ein­bar (II.). Die Vor­schrift ist nich­tig (III.).

I.

1. a) Mit den her­ge­brach­ten Grundsätzen des Be­rufs­be­am­ten­tums im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG ist der Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en ge­meint, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend während ei­nes länge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, min­des­tens un­ter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich an­er­kannt und ge­wahrt wor­den sind (vgl. BVerfGE 8, 332 <342 f.>; 117, 330 <344 f.>; 117, 372 <379>). Art. 33 Abs. 5 GG ist un­mit­tel­bar gel­ten­des Recht und enthält ei­nen Re­ge­lungs­auf­trag an den Ge­setz­ge­ber so­wie ei­ne in­sti­tu­tio­nel­le Ga­ran­tie des Be­rufs­be­am­ten­tums (vgl. BVerfGE 9, 268 <286>; 107, 218 <236 f.>; 117, 330 <344>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 19).


Die Ent­wick­lung des Be­rufs­be­am­ten­tums ist auch mit der­je­ni­gen des Rechts­staats ver­knüpft: War der Be­am­te ursprüng­lich al­lein dem Re­gen­ten ver­pflich­tet,

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wan­del­te er sich mit dem veränder­ten Staats­verständ­nis vom Fürs­ten- zum Staats­die­ner. Sei­ne Auf­ga­be war und ist es, Ver­fas­sung und Ge­setz im In­ter­es­se des Bürgers auch und ge­ra­de ge­gen die po­li­ti­sche Führung zu be­haup­ten (vgl. BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 20). Die Über­nah­me der funk­ti­ons­we­sent­li­chen tra­dier­ten Grund­struk­tu­ren des Be­rufs­be­am­ten­tums in das Grund­ge­setz be­ruht auf ei­ner Be­stim­mung des Be­rufs­be­am­ten­tums als In­sti­tu­ti­on, die, ge­gründet auf Sach­wis­sen, fach­li­che Leis­tung und loya­le Pflich­terfüllung, ei­ne sta­bi­le Ver­wal­tung si­chern und da­mit ei­nen aus­glei­chen­den Fak­tor ge­genüber den das Staats­we­sen ge­stal­ten­den po­li­ti­schen Kräften bil­den soll (vgl. BVerfGE 7, 155 <162>; 117, 372 <380>). Die Ein­rich­tungs­ga­ran­tie trägt gleich­zei­tig auch der Tat­sa­che Rech­nung, dass im de­mo­kra­ti­schen Staats­we­sen Herr­schaft stets nur auf Zeit ver­ge­ben wird und die Ver­wal­tung schon im Hin­blick auf die wech­seln­de po­li­ti­sche Aus­rich­tung der je­wei­li­gen Staatsführung - an rechts­staat­li­chen Prin­zi­pi­en aus­ge­rich­tet - neu­tral sein muss (vgl. BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 20).

b) Auch bei ei­nem her­ge­brach­ten Grund­satz ver­bleibt al­ler­dings grundsätz­lich ein Ge­stal­tungs­spiel­raum des Ge­setz­ge­bers, um die Be­am­ten­ge­setz­ge­bung den Er­for­der­nis­sen des frei­heit­li­chen de­mo­kra­ti­schen Staa­tes so­wie sei­ner fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung an­pas­sen zu können (vgl. BVerfGE 7, 155 <162>; 114, 258 <288>; 117, 330 <348>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 22). So­lan­ge kei­ne struk­tu­rel­le Verände­rung an den für die In­sti­tu­ti­on des Be­rufs­be­am­ten­tums we­sent­li­chen Re­ge­lun­gen vor­ge­nom­men wird, steht Art. 33 Abs. 5 GG des­halb auch ei­ner Fort­ent­wick­lung des Be­am­ten­rechts nicht ent­ge­gen (vgl. BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 22). Die für den Kern­ge­halt der be­am­ten­recht­li­chen Grundsätze gel­ten­de Be­ach­tens­pflicht ver­sperrt je­doch den Weg zu tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len Verände­run­gen durch den ein­fa­chen Ge­setz­ge­ber (vgl. BVerfGE 117, 372 <380>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 22). Die ver­fas­sungs­recht­li­che Ga­ran­tie ist kein Selbst­zweck, son­dern dient da­zu, ei­ne im po­li­ti­schen Kräfte­spiel sta­bi­le und ge­set­zes­treue Ver­wal­tung zu si­chern (vgl. BVerfGE 117, 372 <380>). Die Bin­dung des Ge­setz­ge­bers an die her­ge­brach­ten Grundsätze ist die Kon­se­quenz der Ein­rich­tungs­ga­ran­tie, de­ren Sinn ge­ra­de dar­in be­steht, dem ge­stal­ten­den Ge­setz­ge­ber ei­nen Kern­be­stand an Struk­tur­prin­zi­pi­en ver­bind­lich vor­zu­ge­ben (vgl. BVerfGE 117, 372 <380>).

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2. Zu den Struk­tur­prin­zi­pi­en des Be­rufs­be­am­ten­tums, die während ei­nes länge­ren, tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums als ver­bind­lich an­er­kannt und ge­wahrt wor­den sind, gehört das Le­bens­zeit­prin­zip (vgl. BVerfGE 9, 268 <286>; 44, 249 <265>; 70, 251 <266>; 71, 255 <268>). Es zählt zu den das Be­am­ten­verhält­nis be­stim­men­den her­ge­brach­ten Grundsätzen (vgl. BVerfGE 71, 255 <268>). Schon un­ter der Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung galt die le­bensläng­li­che An­stel­lung als her­ge­brach­ter Grund­satz des Be­rufs­be­am­ten­tums (vgl. BVerfGE 9, 268 <286>). Seit­her wa­ren das Be­rufs­be­am­ten­tum und sei­ne Re­ge­lun­gen aus­ge­rich­tet auf den Be­am­ten, dem ein Amt auf Le­bens­zeit über­tra­gen wor­den ist (vgl. BVerfGE 44, 249 <262>; 71, 255 <268>).


a) Das Le­bens­zeit­prin­zip hat - im Zu­sam­men­spiel mit dem die amts­an­ge­mes­se­ne Be­sol­dung si­chern­den Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip - die Funk­ti­on, die Un­abhängig­keit der Be­am­ten im In­ter­es­se ei­ner rechts­staat­li­chen Ver­wal­tung zu gewähr­leis­ten. Erst recht­li­che und wirt­schaft­li­che Si­cher­heit bie­tet die Gewähr dafür, dass das Be­rufs­be­am­ten­tum zur Erfüllung der ihm vom Grund­ge­setz zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­be, im po­li­ti­schen Kräfte­spiel ei­ne sta­bi­le, ge­set­zes­treue Ver­wal­tung zu si­chern, bei­tra­gen kann (vgl. BVerfGE 7, 155 <162>; 44, 249 <265>; 64, 367 <379>; 99, 300 <315>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 21). Da­zu gehört auch und vor al­lem, dass der Be­am­te nicht willkürlich oder nach frei­em Er­mes­sen po­li­ti­scher Gre­mi­en aus sei­nem Amt ent­fernt wer­den kann, denn da­mit ent­fie­le die Grund­la­ge für sei­ne Un­abhängig­keit (vgl. BVerfGE 7, 155 <163>). Die le­bens­lan­ge An­stel­lung si­chert dem Be­am­ten persönli­che Un­abhängig­keit. Das Be­wusst­sein sei­ner ge­si­cher­ten Rechts­stel­lung soll die Be­reit­schaft des Be­am­ten zu ei­ner an Ge­setz und Recht ori­en­tier­ten Amtsführung fördern und ihn zu un­par­tei­ischem Dienst für die Ge­samt­heit befähi­gen (vgl. BVerfGE 70, 251 <267>). Die mit dem Le­bens­zeit­prin­zip an­ge­streb­te Un­abhängig­keit der Amtsführung ist da­bei nicht et­wa ein persönli­ches Pri­vi­leg des Be­am­ten, das sei­ner Dis­po­si­ti­on un­ter­lie­gen könn­te, son­dern soll dem Ge­mein­wohl die­nen. Nur wenn die in­ne­re und äußere Un­abhängig­keit gewähr­leis­tet ist, kann rea­lis­ti­scher­wei­se er­war­tet wer­den, dass ein Be­am­ter auch dann auf rechts­staat­li­cher Amtsführung be­harrt, wenn sie (par­tei-)po­li­tisch un­erwünscht sein soll­te (vgl. BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 21). Das Be­rufs­be­am­ten­tum wird so zu ei­nem Ele­ment des Rechts­staa­tes.

b) Die von der Ver­fas­sung - un­be­scha­det der Ge­bun­den­heit an die rechtmäßigen An­ord­nun­gen von Vor­ge­setz­ten - gewähr­leis­te­te Un­abhängig­keit ver­setzt den

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Be­am­ten in die La­ge, Ver­su­chen un­sach­li­cher Be­ein­flus­sung zu wi­der­ste­hen und sei­ner Pflicht zur Be­ra­tung sei­ner Vor­ge­setz­ten und der po­li­ti­schen Führung un­be­fan­gen nach­zu­kom­men, ge­ge­be­nen­falls auch sei­ner Pflicht zur Ge­gen­vor­stel­lung, wenn er Be­den­ken ge­gen die Rechtmäßig­keit von Ge­set­zen oder dienst­li­chen An­ord­nun­gen hat, zu genügen. Hier­zu soll ihn die grundsätz­lich le­bens­zei­ti­ge Über­tra­gung des sei­nen Funk­tio­nen ent­spre­chen­den sta­tus­recht­li­chen Amts sei­ner Lauf­bahn befähi­gen (vgl. BVerfGE 70, 251 <267>). Zu den das deut­sche Be­am­ten­recht seit je­her prägen­den her­ge­brach­ten Grundsätzen gehört da­her nicht nur die An­stel­lung der Be­am­ten auf Le­bens­zeit, son­dern auch das Prin­zip der le­bens­zei­ti­gen Über­tra­gung al­ler ei­ner Lauf­bahn zu­ge­ord­ne­ten Ämter (vgl. BVerfGE 70, 251 <266>). Das Le­bens­zeit­prin­zip schützt nicht nur den Grund­sta­tus des Be­am­ten auf Le­bens­zeit, son­dern auch das ihm je­weils über­tra­ge­ne sta­tus­recht­li­che Amt. An­dern­falls könn­te es sei­ne Funk­ti­on, die Un­abhängig­keit der Be­am­ten zu gewähr­leis­ten, nicht voll ent­fal­ten. Der durch das Le­bens­zeit­verhält­nis gewähr­ten Un­ent­zieh­bar­keit des sta­tus­recht­li­chen Amts kommt grund­le­gen­de Be­deu­tung zu, weil sie dem Be­am­ten ge­ra­de bei der Ausübung des über­tra­ge­nen Amts die im In­ter­es­se sei­ner Bin­dung an Ge­setz und Recht er­for­der­li­che Un­abhängig­keit gewährt.

3. Es gab al­ler­dings stets auch Aus­nah­men vom Grund­satz der le­bens­zei­ti­gen Über­tra­gung al­ler sta­tus­recht­li­chen Ämter. So­weit tra­di­ti­ons­gemäß be­stimm­te Be­am­ten­verhält­nis­se vom Le­bens­zeit­prin­zip aus­ge­nom­men sind, ist dies nur in en­gen Gren­zen durch be­son­de­re Funk­tio­nen, die die zu­grun­de­lie­gen­den Ämter kenn­zeich­nen, ge­recht­fer­tigt.

a) In­ner­halb des Be­am­ten­tums hat es seit je­her den Ty­pus des Be­am­ten auf Zeit ge­ge­ben (vgl. BVerfGE 7, 155 <163>). Ein Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit kann be­gründet wer­den, wenn der Be­am­te nur vorüber­ge­hend für be­stimm­te, nur von ihm wahr­zu­neh­men­de Auf­ga­ben ver­wen­det wer­den soll (§ 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BRRG). Nach § 95 Abs. 1 Satz 1 BRRG sind die Fälle und die Vor­aus­set­zun­gen der Er­nen­nung von Be­am­ten auf Zeit ge­setz­lich zu be­stim­men. Die­se Re­ge­lung ist - un­ter Berück­sich­ti­gung der Gewähr­leis­tung des Le­bens­zeit­prin­zips in Art. 33 Abs. 5 GG - je­doch nicht als Ermäch­ti­gung zur Aus­deh­nung von Be­am­ten­verhält­nis­sen auf Zeit un­ter Auf­ga­be des her­ge­brach­ten Grund­sat­zes der le­bens­zei­ti­gen An­stel­lung und Über­tra­gung al­ler sta­tus­recht­li­chen Ämter zu ver­ste­hen.

Als an­er­kann­te Aus­nah­me von die­sem Grund­satz hat sich im deut­schen Ge­mein­de­recht vor al­lem der kom­mu­na­le Wahl­be­am­te als Be­am­ter auf Zeit ent­wi-

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ckelt (vgl. BVerfGE 7, 155 <163>). Sei­ne Stel­lung wird je­doch cha­rak­te­ri­siert durch sei­ne po­li­ti­sche Funk­ti­on, die den Grund für die zeit­li­che Be­fris­tung bil­det. Sei­ne Be­ru­fung er­folgt durch ei­nen Akt de­mo­kra­ti­scher Wil­lens­bil­dung, der er­neu­ert wer­den muss, wenn er nach Ab­lauf der Wahl­pe­ri­ode im Amt blei­ben soll (vgl. BVerfGE 7, 155 <166>).

b) Ei­ne wei­te­re Aus­nah­me vom Le­bens­zeit­prin­zip stel­len tra­di­tio­nell die so ge­nann­ten po­li­ti­schen Be­am­ten dar (vgl. BVerfGE 8, 332 <347, 349>). Sie sind zwar Be­am­te auf Le­bens­zeit, können je­doch oh­ne An­ga­be von Gründen je­der­zeit in den einst­wei­li­gen Ru­he­stand ver­setzt wer­den (§ 31 Abs. 1 BRRG ), wo­bei die Ver­sor­gung je­doch güns­ti­ger ge­stal­tet ist als bei ei­nem endgülti­gen Ru­he­stand. Der In­sti­tu­ti­on des po­li­ti­schen Be­am­ten kommt ge­genüber dem Re­gel­fall des Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Le­bens­zeit je­doch ein eng zu be­stim­men­der Aus­nah­me­cha­rak­ter zu. Die mit der je­der­zei­ti­gen Ver­setz­bar­keit in den einst­wei­li­gen Ru­he­stand ver­bun­de­ne Ab­wei­chung vom Le­bens­zeit­prin­zip ist nur zulässig, so­lan­ge der Kreis der po­li­ti­schen Be­am­ten eng be­grenzt ist. Be­gründet wird die­se Aus­nah­me da­mit, dass die po­li­ti­schen Be­am­ten nach der Art ih­rer Auf­ga­ben in be­son­de­rer Wei­se des po­li­ti­schen Ver­trau­ens der Staatsführung bedürfen und in fortwähren­der Übe­rein­stim­mung mit den grundsätz­li­chen po­li­ti­schen An­sich­ten und Zie­len der Re­gie­rung ste­hen müssen (vgl. BVerfGE 7, 155 <166>). Es han­delt sich in­so­weit um „Trans­for­ma­ti­onsämter“, zu de­ren Auf­ga­ben es zählt, po­li­ti­sche Vor­ga­ben in ge­set­zes­kon­for­mes und rechts­staat­li­ches Ver­wal­tungs­han­deln um­zu­wan­deln. Die fort­dau­ern­de po­li­ti­sche Übe­rein­stim­mung mit Auf­fas­sung und Ziel­set­zung wei­sungs­be­rech­tig­ter, de­mo­kra­tisch gewähl­ter und ver­ant­wort­li­cher Or­ga­ne des Staa­tes ist kon­sti­tu­ie­ren­des und un­erläss­li­ches Ele­ment die­ses Be­am­ten­verhält­nis­ses.

c) Das Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit bil­det al­so die ver­fas­sungs­recht­li­che Re­gel. Aus­nah­men sind nur in Be­rei­chen zulässig, in de­nen - wie in den his­to­risch her­ge­brach­ten Fällen - die be­son­de­re Sach­ge­setz­lich­keit und die Na­tur der wahr­ge­nom­me­nen Auf­ga­ben ei­ne Be­gründung von Be­am­ten­verhält­nis­sen auf Zeit er­for­dern. Die Re­ge­lung muss ge­eig­net und er­for­der­lich sein, um den be­son­de­ren Sach­ge­setz­lich­kei­ten Rech­nung zu tra­gen.

II.

Die in § 25b LBG NRW ge­re­gel­te Ver­ga­be von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit ver­letzt den Kern­be­reich des nach Art. 33

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Abs. 5 GG zu be­ach­ten­den Le­bens­zeit­prin­zips (1.). Die Ver­ga­be von Führungsämtern auf Zeit gemäß § 25b LBG NRW kann nicht als Ab­wei­chung von die­sem Prin­zip für ei­nen eng be­grenz­ten Aus­nah­me­be­reich durch Be­son­der­hei­ten des be­trof­fe­nen Sach­be­reichs und der da­mit ver­bun­de­nen Auf­ga­ben­wahr­neh­mung ge­recht­fer­tigt wer­den (2.).

1. § 25b LBG NRW ist mit Art. 33 Abs. 5 GG nicht ver­ein­bar, weil die Re­ge­lung das Le­bens­zeit­prin­zip in sei­nem Kern­be­reich ver­letzt.

Die Über­tra­gung der Ämter mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit für die Dau­er von zehn Jah­ren ent­spricht nicht dem Le­bens­zeit­prin­zip. Das fort­be­ste­hen­de, je­doch ru­hen­de Be­am­ten­verhält­nis auf Le­bens­zeit wird durch das zusätz­lich be­gründe­te Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit über­la­gert. Ei­ne Ver­lei­hung des Amts auf Le­bens­zeit ist erst möglich, nach­dem zwei Amts­zei­ten von ins­ge­samt zehn Jah­ren im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit ab­sol­viert wor­den sind. Ei­ne Ver­lei­hung auf Le­bens­zeit be­reits nach der ers­ten Amts­zeit ist aus­ge­schlos­sen. Nach der ers­ten Amts­zeit „kann“ das Amt für ei­ne zwei­te Amts­zeit ver­lie­hen wer­den. Der Be­am­te hat so­mit kei­nen Rechts­an­spruch dar­auf, dass ihm das Amt für ei­ne zwei­te Amts­zeit ver­lie­hen wird, auch wenn er sich in der Po­si­ti­on bewährt hat. Nach Ab­lauf der zwei­ten Amts­zeit „soll“ das Amt auf Le­bens­zeit ver­lie­hen wer­den. Erst zu die­sem Zeit­punkt ist das Er­mes­sen des Dienst­herrn ge­bun­den. Die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Kon­troll­dich­te ist er­heb­lich her­ab­ge­setzt. Während der Be­am­te auf Pro­be, der die ge­setz­lich fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, sei­nen Er­nen­nungs­an­spruch mit ei­ner Ver­pflich­tungs­kla­ge durch­set­zen kann, ist die Ab­leh­nung der Le­bens­zeit­er­nen­nung ei­nes Be­am­ten, der die Führungs­po­si­ti­on auf Zeit aus-geübt hat, nur auf Er­mes­sens­feh­ler zu über­prüfen.

Der Be­am­te auf Zeit hat in sei­nem Führungs­amt kei­ne ge­si­cher­te Rechts­stel­lung. Über ei­nen Zeit­raum von zehn Jah­ren, der beim höhe­ren Dienst in der Re­gel et­wa ein Vier­tel bis ein Drit­tel der Le­bens­dienst­zeit aus­macht, fehlt ihm die recht­li­che Si­cher­heit, die ihm die für sei­ne Amts­ausübung er­for­der­li­che Un­abhängig­keit ge­ben soll. In der ers­ten Amts­pe­ri­ode ist völlig un­ge­wiss, ob er sei­ne Po­si­ti­on in Zu­kunft wird be­hal­ten können, auch wenn er den An­for­de­run­gen des Amts in vol­lem Um­fang ge­recht ge­wor­den ist. Der Be­am­te muss ständig befürch­ten, in sein vor­he­ri­ges Amt, das ihm sei­ne Le­bens­zeit­stel­lung ver­mit­telt, zurück­ge­setzt zu wer­den, mit al­len da­mit ver­bun­de­nen Nach­tei­len wie ei­ner Ge­halts­ein­buße, ver­sor­gungs­recht­li­chen Nach­tei­len (vgl. § 15a Be­amt­VG) und ei­nem An­se­hens­ver­lust bei Kol­le­gen, Un­ter­ge­be­nen und in der Öffent­lich­keit. Ei­ne sol­che Maßnah­me er-

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laubt an­sons­ten nur das Dis­zi­pli­nar­recht, in des­sen Rah­men die Zurück­stu­fung in ein Amt mit ge­rin­ge­rem End­grund­ge­halt die zweitschärfs­te Sank­ti­on nach der Ent­fer­nung aus dem Dienst dar­stellt. Ge­ra­de in der Zu­sam­men­schau mit der Funk­ti­on des Dis­zi­pli­nar­rechts bestätigt sich, dass das je­weils aus­geübte Amt vom Schutz des Le­bens­zeit­prin­zips er­fasst wird (vgl. BVerfGE 70, 251 <266>).

2. Ei­ne aus­rei­chend ge­wich­ti­ge Recht­fer­ti­gung für die­se Durch­bre­chung des Le­bens­zeit­prin­zips liegt nicht vor. Die Über­tra­gung von Führungsämtern im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit gemäß § 25b LBG NRW kann nicht als Ab­wei­chung vom Le­bens­zeit­prin­zip für ei­nen eng be­grenz­ten Aus­nah­me­be­reich durch Be­son­der­hei­ten des be­trof­fe­nen Sach­be­reichs und der da­mit ver­bun­de­nen Auf­ga­ben­wahr­neh­mung be­gründet wer­den. Ei­ne Recht­fer­ti­gung fin­det sich we­der im Leis­tungs­prin­zip (a) oder in der Förde­rung der Mo­bi­lität und Fle­xi­bi­lität des Per­so­nal­ein­sat­zes (b) noch in Be­son­der­hei­ten der be­trof­fe­nen Führungs­funk­tio­nen (c).

a) Die Über­tra­gung von Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on im Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit wird maßgeb­lich mit Leis­tungs­erwägun­gen be­gründet (vgl. LT­Drucks 12/3186, S. 37, 44). Die Über­tra­gung der Ämter auf Zeit soll die Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft der Führungs­kräfte erhöhen. Der Wett­be­werb zwi­schen den Be­am­ten bei der Be­set­zung von Ämtern soll ge­stei­gert wer­den. Wei­ter­hin soll die Kor­rek­tur von Fehl­be­set­zun­gen ermöglicht wer­den, wenn sich her­aus­stellt, dass ent­ge­gen der Pro­gno­se bei der Aus­wah­l­ent­schei­dung der Be­am­te den An­for­de­run­gen des Führungs­amts nicht ge­wach­sen ist. Außer­dem soll auf die­se Wei­se auf ei­ne nach­las­sen­de Leis­tungsfähig­keit des Be­am­ten un­ter­halb der Schwel­le der Dienst­unfähig­keit oder des Dis­zi­pli­nar­rechts re­agiert wer­den können.

Das Leis­tungs­prin­zip als her­ge­brach­ter Grund­satz im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG be­zeich­net in sei­nem Kern vor al­lem das Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se, wie es aus­drück­lich in Art. 33 Abs. 2 GG ver­an­kert ist (vgl. BVerfGE 56, 146 <163>; 62, 374 <383>; 64, 323 <351>; 117, 372 <382>). Art. 33 Abs. 5 GG ergänzt da­bei die für die Aus­wah­l­ent­schei­dun­gen gel­ten­de Re­ge­lung des Art. 33 Abs. 2 GG vor al­lem durch ei­ne be­wah­ren­de, auf den Schutz der „er­dien­ten Sta­tus­rech­te“ aus­ge­rich­te­te Kom­po­nen­te, die we­sent­lich zur Ga­ran­tie der Un­abhängig­keit des Be­am­ten­tums bei­tra­gen und da­mit die Funk­ti­onsfähig­keit der In­sti­tu­ti­on si­chern soll (vgl. BVerfGE 64, 367 <385>). Ein we­sent­li­cher In­halt des Leis­tungs­prin­zips ist al­so die An­er­ken­nung und recht­li­che Ab­si­che­rung des Beförde­rungs­er­fol­ges, den der Be­am­te bei der Bes­ten­aus­le­se auf­grund von Eig­nung, Befähi­gung und Leis­tung er­langt hat (vgl. BVerfGE 117, 372 <382>). Die Mo­der­ni­sie­rung der öffent­li­chen

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Ver­wal­tung darf nicht auf Kos­ten der Un­abhängig­keit der Be­am­ten er­fol­gen, son­dern muss mit ihr in Ein­klang ste­hen. Der be­am­ten­recht­li­che Leis­tungs­be­griff setzt ne­ben Ef­fi­zi­enz, fach­li­cher Leis­tung und Sach­wis­sen des Be­am­ten stets auch sei­ne Be­reit­schaft zu rechts­staat­lich ge­bun­de­ner, neu­tra­ler und un­abhängi­ger Amtsführung und da­mit sei­ne persönli­che In­te­grität vor­aus.

Das Ziel, das Leis­tungs­prin­zip zu fördern, kann den mit § 25b LBG NRW ver­bun­de­nen Ein­griff in den Kern­be­reich des Le­bens­zeit­prin­zips nicht recht­fer­ti­gen. Die Re­ge­lung des § 25b LBG NRW ist we­der ge­eig­net noch er­for­der­lich, um die­sen Zweck zu ver­wirk­li­chen.

aa) Es er­scheint zwar grundsätz­lich möglich, dass die Ver­ga­be von Ämtern auf Zeit ei­nen fak­ti­schen An­reiz für ei­ne erhöhte Leis­tungs­be­reit­schaft der Führungs­kräfte dar­stellt, wie ihn auch die Ge­set­zes­be­gründung er­war­tet. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 25b LBG NRW ist je­doch nicht auf ei­ne Stärkung der Leis­tungsfähig­keit in dem Sin­ne zu­ge­schnit­ten, son­dern ent­behrt leis­tungs­be­zo­ge­ner Ge­stal­tungs­ele­men­te. Der Be­am­te wird nach Ab­lauf sei­ner ers­ten Amts­zeit nicht er­neut auf sei­ne Eig­nung für das Führungs­amt ge­prüft, und er hat auch kei­nen An­spruch auf ei­ne zwei­te Amts­zeit, selbst wenn er sich in der Po­si­ti­on bewährt hat. Ei­ne zwei­te Amts­zeit, ei­ne späte­re Er­nen­nung auf Le­bens­zeit oder ein Zurück­tre­ten in das Grund­amt sind in der Vor­schrift ent­ge­gen der geäußer­ten Ziel­set­zung nicht an von dem Be­am­ten er­brach­te Leis­tung ge­kop­pelt. Es ist viel­mehr zu befürch­ten, dass die Ent­schei­dung über die Verlänge­rung der Amts­zeit oder die späte­re Über­tra­gung des Amts auf Le­bens­zeit auch durch leis­tungs­frem­de po­li­ti­sche Ge­sichts­punk­te be­stimmt wer­den könn­te. Die Möglich­keit des Dienst­herrn, die Führungs­po­si­ti­on neu zu be­set­zen, kann zu­dem für ei­ne Ämter­pa­tro­na­ge miss­braucht wer­den. Ei­ne ge­richt­li­che Kon­trol­le der Ent­schei­dung über die Verlänge­rung der Amts­zeit kann dem kaum ent­ge­gen­wir­ken, da die Ent­schei­dung le­dig­lich die An­for­de­run­gen an ei­ne pflicht­gemäße Er­mes­sens­ausübung erfüllen muss und ein Ein­fluss leis­tungs­frem­der Ge­sichts­punk­te nur schwer nach­weis­bar ist.

bb) Die Vor­schrift ist auch nicht dar­auf aus­ge­rich­tet, die Sank­tio­nie­rung nach­las­sen­der Leis­tun­gen zu ermögli­chen. Die Nicht­verlänge­rung der Amts­zeit ist tat­be­stand­lich nicht von ei­nem durch Tat­sa­chen be­leg­ten Leis­tungs­ab­fall abhängig. Die ge­richt­li­che Kon­trol­le ei­ner ab­leh­nen­den Ent­schei­dung über die Verlänge­rung der Amts­zeit oder die Ver­lei­hung des Amts auf Le­bens­zeit ist da­mit auf die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner er­mes­sens­feh­ler­frei­en Ent­schei­dung be­schränkt. Ein An-

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spruch auf le­bens­zei­ti­ge Über­tra­gung des Amts be­steht - selbst bei her­vor­ra­gen-der Bewährung - ge­ra­de nicht.


cc) Auf ei­ne Stei­ge­rung des Wett­be­werbs, die in der Ge­set­zes­be­gründung als ein wei­te­rer Zweck der Vor­schrift ge­nannt wird, ist die Re­ge­lung eben­falls nicht aus­ge­rich­tet. Ei­ne Stei­ge­rung des Wett­be­werbs zwi­schen den Be­am­ten könn­te durch die be­fris­te­te Ver­ga­be von Führungsämtern vor al­lem er­reicht wer­den, wenn über die Be­set­zung des Amts nicht nur ein­mal, son­dern je­weils nach Ab­lauf ei­ner Amts­zeit er­neut un­ter Be­ach­tung des Grund­sat­zes der Bes­ten­aus­le­se ent­schie­den würde. § 25b LBG NRW sieht dies je­doch nicht vor und wird je­doch nach den Fest­stel­lun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in ständi­ger Pra­xis so ge­hand­habt, dass bei der Ver­ga­be des Führungs­amts für ei­ne zwei­te Amts­zeit und bei der endgülti­gen Über­tra­gung des Amts nach Ab­lauf bei­der Amts­zei­ten kein neu­es Be­set­zungs­ver­fah­ren durch­geführt wird. Der bis­he­ri­ge Amts­in­ha­ber muss sich da­her nicht er­neut in ei­nem am Ziel der Bes­ten­aus­le­se aus­ge­rich­te­ten Ver­fah­ren dem Wett­be­werb mit an­de­ren Be­wer­bern stel­len.

dd) Die Ver­ga­be von Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit ist nicht er­for­der­lich, um die Eig­nung so­wie die Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft ei­nes Be­am­ten für ei­ne Führungs­po­si­ti­on zu prüfen. Hierfür ste­hen an­de­re ge­eig­ne­te In­stru­men­te zur Verfügung, die mit dem Le­bens­zeit­prin­zip im Ein­klang ste­hen. In die­sem Be­reich wur­de von Fort­ent­wick­lungsmöglich­kei­ten im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG be­reits Ge­brauch ge­macht. Hier­zu zählt na­ment­lich die ob­li­ga­to­ri­sche Er­pro­bungs­zeit auf dem höher be­wer­te­ten Dienst­pos­ten gemäß § 10 Abs. 4 Lauf­bahn­ver­ord­nung (LVO) NRW, die vor ei­ner Beförde­rung ab­sol­viert wer­den muss. Zusätz­lich be­steht die Möglich­keit der Ver­ga­ben von Führungsämtern auf Pro­be. Das Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be dient der Vor­be­rei­tung und Bewährung vor der Er­nen­nung auf Le­bens­zeit. Im Be­am­ten­verhält­nis auf Pro­be wird der Be­am­te für re­gelmäßig zwei Jah­re im Führungs­amt er­probt und er­wirbt - an­ders als beim Führungs­amt auf Zeit - ei­nen ge­richt­lich kon­trol­lier­ba­ren An­spruch auf Er­nen­nung auf Le­bens­zeit in die­sem Amt, wenn er sich durch sei­ne Leis­tung bewährt hat. Der Fort­ent­wick­lung sol­cher In­stru­men­te steht, so­fern die Pro­be­zeit zeit­lich be­grenzt bleibt und dem Be­am­ten bei Er­folg der Er­pro­bung ein ver­wal­tungs­ge­richt­lich über­prüfba­rer An­spruch auf Le­bens­zeit­er­nen­nung im an­ge­streb­ten Amt ein­geräumt ist, das Le­bens­zeit­prin­zip nicht von vorn­her­ein ent­ge­gen. Hin­zu tre­ten be­kann­te und gebräuch­li­che Maßnah­men der Per­so­nal­ent­wick­lung und -förde­rung, wie zum Bei­spiel die kom­mis­sa­ri­sche Ver­wen­dung in Führungs­po­si­tio­nen so­wie die Ab­ord­nung und Ver­set­zung, so­weit sie Er­pro­bungs­zwe­cken dient.

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ee) Es ist nicht er­kenn­bar, dass die Ver­ga­be von Ämtern auf Zeit spe­zi­ell im Be­reich der Führungs­po­si­tio­nen er­for­der­lich wäre, um ei­ne bes­se­re Aus­wahl von Führungs­kräften zu ermögli­chen und de­ren Leis­tungsfähig­keit und Leis­tungs­be­reit­schaft zu erhöhen. Es be­steht kein Grund für die An­nah­me, ge­ra­de bei den Be­am­ten, die für Führungs­po­si­tio­nen in Fra­ge kom­men, sei­en Fehl­pro­gno­sen bezüglich der Eig­nung des Be­am­ten für die Ausübung des Führungs­amts oder er­heb­lich nach­las­sen­de Leis­tun­gen im Führungs­amt zu er­war­ten. Die­se Be­am­ten ha­ben in der Re­gel be­reits ei­ne Rei­he von Ämtern er­folg­reich aus­geübt und sind in ei­ner länge­ren Lauf­bahn durch häufi­ge Re­gel- und An­lass­be­ur­tei­lun­gen auf ih­re künf­ti­ge Ver­wend­bar­keit ge­prüft und po­si­tiv be­ur­teilt wor­den. Um ei­ne Führungs­po­si­ti­on zu er­hal­ten, müssen sie sich be­reits als in be­son­de­rem Maße leis­tungsfähig und leis­tungs­be­reit er­wie­sen ha­ben.

ff) Zwar ist nie aus­zu­sch­ließen, dass sich die auf Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Amtstätig­keit und Be­ur­tei­lung des Be­am­ten an­ge­stell­te Pro­gno­se im Hin­blick auf be­son­de­re An­for­de­run­gen des neu zu über­tra­gen­den Führungs­amts nachträglich als un­zu­tref­fend er­weist. Es wird sich bei langjährig bewähr­ten Be­am­ten je­doch um Aus­nah­men han­deln. Der­ar­ti­gen Fehl­ent­wick­lun­gen muss und kann der Dienst­herr in ei­ner mo­der­nen Ver­wal­tung auch auf ver­schie­de­ne Art und Wei­se vor­beu­gen und ent­ge­gen­steu­ern. Er ist zur Durch­set­zung mo­der­ner Ver­wal­tungs­struk­tu­ren nicht auf die Über­tra­gung der Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit an­ge­wie­sen, viel­mehr verfügt er über an­de­re Me­tho­den, sei­ne Führungs­kräfte zu mo­ti­vie­ren, wie sie et­wa im Rah­men Neu­er Steue­rungs­mo­del­le ent­wi­ckelt wor­den sind. Auch kann bei fest­stell­ba­ren Leis­tungs­ein­bußen mit Mit­teln des Vor­halts er­fah­rungs­gemäß ei­ne Ver­hal­tensände­rung er­reicht wer­den. Um­set­zun­gen, Ab­ord­nun­gen und Ver­set­zun­gen auf an­de­re - amts­an­ge­mes­se­ne - Po­si­tio­nen, in de­nen an­de­re Fähig­kei­ten im Vor­der­grund ste­hen, können in den je­wei­li­gen recht­li­chen Gren­zen eben­falls ein­ge­setzt wer­den.

b) So­weit der Lan­des­ge­setz­ge­ber mit der Über­tra­gung von Führungsämtern auf Zeit, wie sie in § 25b LBG NRW aus­ge­stal­tet ist, die Mo­bi­lität oder Fle­xi­bi­lität der Be­am­ten zu stei­gern be­ab­sich­tigt, be­dient er sich ei­ner Erwägung, die an­sons­ten im Zu­sam­men­hang mit der Er­leich­te­rung des Wech­sels von Be­am­ten an an­de­re Behörden im We­ge der Ver­set­zung oder Ab­ord­nung an­geführt wird (vgl. BT­Drucks 13/3994, S. 1 <27>). Es bleibt un­klar, in­wie­weit auch die Ver­ga­be der Führungs­po­si­tio­nen auf Zeit ge­eig­net ist, ei­ne erhöhte Mo­bi­lität zu wech­seln­den Einsätzen der Be­am­ten zu be­wir­ken. § 25b LBG NRW ist viel­mehr dar­auf an­ge­legt, dem Be­am­ten ein Führungs­amt zunächst auf Zeit zu über­tra­gen, um ihn nach

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zehn Jah­ren in dem­sel­ben Amt auf Le­bens­zeit zu er­nen­nen, wenn er nicht zu­vor in sein Aus­gang­s­amt zurück­keh­ren muss.


c) Die von § 25b LBG NRW er­fass­ten Ämter wei­sen kei­ne sach­li­chen Be­son­der­hei­ten auf, die ei­ne Ab­wei­chung vom Le­bens­zeit­prin­zip be­gründen könn­ten.

aa) Das Le­bens­zeit­prin­zip als her­ge­brach­ter Grund­satz wird nicht be­reits da-durch in sei­nem Kern er­hal­ten, dass ein quan­ti­ta­ti­ves Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis zwi­schen Be­am­ten­verhält­nis­sen auf Le­bens­zeit und ab­wei­chen­den Ge­stal­tun­gen ge­wahrt bleibt. Un­abhängig da­von, wie vie­le Plan­stel­len im Verhält­nis zur Ge­samt­zahl der Be­am­ten von § 25b LBG NRW er­fasst wer­den, wird das Ge­bot ge­set­zes­treu­er Ver­wal­tung durch un­abhängi­ge Be­am­te nur ver­wirk­licht, wenn - grundsätz­lich - je­der Be­am­te die durch das Le­bens­zeit­prin­zip ge­bo­te­ne ge­si­cher­te Rechts­stel­lung hat. Es genügt den An­for­de­run­gen des Art. 33 Abs. 5 GG nicht, dass der Grund­satz noch für die Mehr­heit der Be­am­ten­schaft An­wen­dung fin­det, son­dern er muss viel­mehr auch für die Be­am­ten gel­ten, für die er von der Struk­tur und rechts­staat­li­chen Si­che­rungs­funk­ti­on des Be­am­ten­tums her in be­son­de­rem Maße ge­braucht wird. Dies ist ge­ra­de bei Ämtern mit lei­ten­der Funk­ti­on, de­nen für die Sta­bi­lität der Ver­wal­tung be­son­de­re Be­deu­tung zu­kommt, der Fall.

bb) Ämter mit lei­ten­der Funk­ti­on ha­ben auch in­halt­lich kei­nen Aus­nah­me­cha­rak­ter, der ge­ra­de hier ei­ne Ab­wei­chung vom Le­bens­zeit­prin­zip be­gründen könn­te. Die be­son­de­ren Gründe, die bei den her­ge­brach­ten Ty­pen des Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Zeit an­er­kann­ter­maßen Ab­wei­chun­gen vom Le­bens­zeit­prin­zip zu­las­sen, sind bei den Führungsämtern, die durch ei­ne be­stimm­te Be­sol­dungs­stu­fe oder die Stel­lung als Lei­ter ei­ner Behörde oder Ab­tei­lung ge­kenn­zeich­net sind, ge­ra­de nicht ge­ge­ben. Al­lein die Hier­ar­chie­ebe­ne ist kein aus­rei­chen­der Grund, von der le­bens­zei­ti­gen Sta­tus­si­che­rung ab­zu­se­hen. Ge­ra­de im po­li­tisch sen­si­blen Be­reich der Führungs­ebe­ne darf die Rechts­stel­lung des Be­am­ten nicht in dem durch § 25b LBG NRW ge­schaf­fe­nen Aus­maß in der Schwe­be be­las­sen wer­den. Der Si­che­rung der Un­abhängig­keit und Neu­tra­lität der Be­am­ten kommt an der Schnitt­stel­le zwi­schen Po­li­tik und Ver­wal­tung be­son­de­re Be­deu­tung zu, da dort in erhöhtem Maße Ver­ant­wor­tung wahr­ge­nom­men wird und ei­ne auch kri­ti­sche Be­ra­tung der Vor­ge­setz­ten er­for­der­lich ist.

cc) Ei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung ist auch nicht durch ei­nen Ver­gleich mit den kom­mu­na­len Wahl­be­am­ten auf Zeit und den po­li­ti­schen Be­am­ten ver­an­lasst. Die Führungsämter, die der nord­rhein-westfäli­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber für ei­ne Ver-

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ga­be auf Zeit in den Blick ge­nom­men hat, sind we­der mit den Be­son­der­hei­ten der Auf­ga­ben, die von den kom­mu­na­len Wahl­be­am­ten und den po­li­ti­schen Be­am­ten wahr­ge­nom­men wer­den, noch mit de­ren Stel­lung im po­li­ti­schen Pro­zess ver­gleich­bar. Zu­dem stützt sich § 25b LBG NRW auf die rah­men­recht­li­che Re­ge­lung in § 12b BRRG und nicht auf § 31 BRRG als Vor­schrift über die po­li­ti­schen Be­am­ten. Die tra­di­tio­nel­len in­halt­li­chen Ab­wei­chun­gen von den her­ge­brach­ten Grundsätzen des all­ge­mei­nen Be­am­ten­rechts bei den po­li­ti­schen Be­am­ten wie auch den kom­mu­na­len Wahl­be­am­ten be­ru­hen auf der be­son­de­ren Stel­lung, die die­se in­ne­ha­ben. So ist zum Bei­spiel der haupt­amt­li­che Bürger­meis­ter ei­ner Ge­mein­de bei der Erfüllung der kom­mu­na­len Auf­ga­ben weit­ge­hend frei, kann dies je­doch nur um­set­zen, wenn er in ste­tem Ein­ver­neh­men mit der gewähl­ten Ge­mein­de­ver­tre­tung bleibt; auf die ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit mit ihr ist er an-ge­wie­sen (vgl. BVerfGE 7, 155 <164 f.>).

dd) Dem Lan­des­ge­setz­ge­ber ist es schließlich mit Blick auf Art. 33 Abs. 5 GG ver­sagt, das In­sti­tut des po­li­ti­schen Be­am­ten be­lie­big aus­zu­deh­nen (vgl. zum Dis­kus­si­ons­stand be­reits im Jahr 1970 Thie­me, Ver­hand­lun­gen des 48. Deut­schen Ju­ris­ten­ta­ges, Mainz 1970, Bd. I, Teil D, S. 36 ff.). Der Ge­setz­ge­ber ist bei der Re­ge­lung des po­li­ti­schen Be­am­ten an die in § 31 BRRG ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den, die un­ter Gel­tung des Art. 33 Abs. 5 GG eng aus­zu­le­gen sind. Die mit der je­der­zei­ti­gen Ver­setz­bar­keit in den einst­wei­li­gen Ru­he­stand ver­bun­de­ne Ab­wei­chung vom Le­bens­zeit­prin­zip ist nur zulässig, so­lan­ge sie po­li­ti­sche Be­am­te be­trifft, die nach der Art ih­rer Auf­ga­ben in be­son­de­rer Wei­se des po­li­ti­schen Ver­trau­ens der Staatsführung bedürfen und in fortwähren­der Übe­rein­stim­mung mit den grundsätz­li­chen po­li­ti­schen An­sich­ten und Zie­len der Re­gie­rung ste­hen müssen (vgl. BVerfGE 7, 155 <166>; BVerw­GE 115, 89 <95>). Es kann sich nur um den engs­ten Kreis un­mit­tel­ba­rer Be­ra­ter der Träger po­li­ti­scher Ämter han­deln. Der Sta­tus des po­li­ti­schen Be­am­ten kann da­her nicht auf al­le in § 25b Abs. 7 LBG NRW ge­nann­ten Ämter über­tra­gen wer­den.

3. Ei­ne an­de­re Be­wer­tung er­gibt sich auch nicht durch die Neu­fas­sung des Art. 33 Abs. 5 GG durch das 52. Ge­setz zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes vom 28. Au­gust 2006 (BGBl I S. 2034). Durch die­ses Ge­setz wur­de der bis da­hin gülti­gen Fas­sung des Art. 33 Abs. 5 GG die so ge­nann­te „Fort­ent­wick­lungs­klau­sel“ an­gefügt. An dem hier maßgeb­li­chen Re­ge­lungs­ge­halt der Vor­schrift hat die­se Neu­fas­sung nichts geändert. Schon aus dem in­so­weit un­veränder­ten Wort­laut der Be­stim­mung er­gibt sich, dass der Ge­setz­ge­ber bei der Re­ge­lung des öffent­li­chen Dienst­rechts wei­ter­hin die her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums zu

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berück­sich­ti­gen hat (vgl. BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 37). Fort­zu­ent­wi­ckeln ist nach der ein­deu­ti­gen Ge­set­zes­fas­sung al­lein das Recht des öffent­li­chen Diens­tes, nicht aber der hierfür gel­ten­de Maßstab, die her­ge­brach­ten Grundsätze des Be­rufs­be­am­ten­tums. Ände­run­gen, die mit den Grund­struk­tu­ren des von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­ten Leit­bilds des deut­schen Be­rufs­be­am­ten­tums nicht in Ein­klang ge­bracht wer­den können, ver­s­toßen auch wei­ter­hin ge­gen die Vor­ga­ben der Ver­fas­sung (vgl. BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 19. Sep­tem­ber 2007 - 2 BvF 3/02 -, Um­dr. S. 37).

III.

§ 25b LBG NRW ist nach al­le­dem mit Art. 33 Abs. 5 GG nicht ver­ein­bar und da­her nich­tig.

D.

Die Ent­schei­dung ist mit 5 zu 2 Stim­men er­gan­gen.

Broß 

Os­ter­loh

Di Fa­bio 

Mel­ling­hoff 

Lübbe-Wolff

Ger­hardt 

Land­au

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