Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Befristung, Befristung: Sachgrundlos, Kirchenarbeitsrecht
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 10 Sa 225/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.06.2007
   
Leit­sätze:

1. Ei­ne Höchst­be­fris­tungs­dau­er von 3 Jah­ren in ei­ner kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lung fällt nicht un­ter die ta­rif­dis­po­si­ti­ve Vor­schrift des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG und ist da­her nach § 22 Abs. 1 i. V. m. § 14 Abs. 2 S. 1 2. HS Tz­B­fG un­wirk­sam.

2. Die Nicht­auf­nah­me ei­ner sog. Kir­chen­klau­sel in § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG ist nicht ver­fas­sungs­wid­rig, son­dern vom ge­setz­li­chen Ge­stal­tungs­spiel­raum ge­deckt.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bonn
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 10 Sa 225/07

 

Te­nor:

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das am 19.12.2006 verkünde­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bonn

– 6 Ca 2531/06 – wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten im Rah­men der Fra­ge der Wirk­sam­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses darüber, ob durch die im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te kir­chen­recht­li­che Re­ge­lung die Dau­er der Be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG ab­wei­chend fest­ge­legt wer­den konn­te.

Der am 10.05.1959 ge­bo­re­ne Kläger ist beim E in der B als Mit­ar­bei­ter im Ver­wal­tungs­dienst beschäftigt. Es han­delt sich um ei­ne fis­ka­li­sche Ein­rich­tung der e K , die sich mit der Ver­wal­tung der Kir­chen­steu­er im B be­reich be­fasst.

Der Kläger wur­de zum 01.03.2004 auf­grund ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses zunächst bis 28.02.2006 ein­ge­stellt. Durch Ver­trag vom 13.02.2006 (Bl.

- 2 -

13 – 14 d. A.) wur­de das Ar­beits­verhält­nis ab 01.03.2006 er­neut sach­grund­los be­fris­tet bis 31.12.2006. Gemäß § 2 des letz­ten Ar­beits­ver­tra­ges rich­tet sich das Ar­beits­verhält­nis nach der Dienst­ver­trags­ord­nung der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und nach den die­se ergänzen­den oder ändern­den Be­stim­mun­gen in der je­weils gülti­gen Fas­sung. Ei­ne die­ser ergänzen­den Re­ge­lun­gen stellt die "Ar­beits­rechts­re­ge­lung zur An­wen­dung der Son­der­re­ge­lung für Zeit­an­ge­stell­te und für An­ge­stell­te für Auf­ga­ben von be­grenz­ter Dau­er und Aus­hilfs­an­ge­stell­te (SR 2y BAT)" vom 04.05.2001 (Bl. 161 – 162 d. A.) dar. Die­se Re­ge­lung wur­de von der pa­ritätisch be­setz­ten Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­si­on der E ge­trof­fen. Nach Nr. 2 b die­ser Re­ge­lung ist die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges nach § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG bis zur Dau­er von 3 Jah­ren zulässig; bis zu die­ser Ge­samt­dau­er ist auch ei­ne höchs­tens drei­ma­li­ge Verlänge­rung möglich.

Mit der am 09.09.2006 ein­ge­reich­ten Ent­fris­tungs­kla­ge hat der Kläger gel­tend ge­macht, die sach­grund­lo­se Be­fris­tung ver­s­toße ge­gen § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG, die ei­ne ma­xi­ma­le Ge­samt­dau­er der Be­fris­tung von 2 Jah­ren vor­schrei­be. Die Öff­nungs­klau­sel in § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG be­zie­he sich nur auf Ta­rif­verträge. Kirch­li­che Re­ge­lun­gen des Drit­ten We­ges sei­en kei­ne Ta­rif­verträge. Ei­ne Gleich­stel­lung sei ab­zu­leh­nen. § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG ent­hal­te auch kei­ne Re­ge­lungslücke. Während die Vorgänger­norm im Beschäfti­gungsförde­rungs­ge­setz die sog. Kir­chen­klau­sel ge­habt ha­be, er­ge­be sich aus der Ge­set­zes­be­gründung zum Tz­B­fG der be­wuss­te Ver­zicht auf ei­ne sol­che Klau­sel. Die An­wen­dung kirch­li­cher Re­ge­lun­gen im Rah­men der Öff­nungs­klau­sel des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG sei auch nicht durch die Ver­fas­sung ge­bo­ten. Das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen ge­be die­sen ei­ne Wahl­frei­heit. Wähle die Kir­che die pri­vat­au­to­no­me Ge­stal­tung, so un­ter­lie­ge sie den all­ge­mei­nen Ge­set­zen. Ab­ge­se­hen da­von könne sich die Be­klag­te auf die Be­fris­tung nicht be­ru­fen, weil sie nach Be­haup­tung des Klägers bei Ab­schluss und Durchführung des Ver­tra­ges si­gna­li­siert ha­be, dass er an dem be­ab­sich­tig­ten Um­zug der Ver­wal­tung nach B teil­ha­ben und da­mit sein Ar­beits­verhält­nis über den vor­ge­se­he­nen Be­fris­tungs­zeit­raum hin­aus fort­ge­setzt wer­de.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung vom 13.02.2006 zum 31.12.2006 en­den wird, son­dern auf un­be­stimm­te Zeit fort­be­steht;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, den Kläger bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Fest­stel­lungs­rechts­streits zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Mit­ar­bei­ter im Ver­wal­tungs­dienst in dem H in der B wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die kirch­li­chen Re­ge­lun­gen des Drit­ten We­ges sei­en bei ta­rif­dis­po­si­ti­ven Vor­schrif­ten den Ta­rif­verträgen gleich­zu­set­zen. Das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht wer­de durch ta­rif­dis­po­si­ti­ve Be­stim­mun­gen, die kei­ne Kir­chen­klau­seln ent­hiel­ten, ein­ge­schränkt. Die­ser Ein­griff sei nicht ge­recht­fer­tigt. Durch die Ta­rif­dis­po­si­ti­vität brin­ge der Ge­setz­ge­ber zum Aus­druck, dass Ab­wei­chun­gen vom ge­setz­li­chen Leit­bild möglich sei­en. Glei­cher­maßen wie Ta­rif­verträge böten aber auch die auf dem Drit­ten Weg zu­stan­de­ge­kom­me­nen kirch­li­chen Re­ge­lun­gen die Gewähr für ei­ne aus­ge­wo­ge­ne und sach­ge­rech­te Lösung. Die Ar­beits­recht­li­chen Kom­mis­sio­nen der Kir­che sei­en pa­ritätisch be­setzt. Kom­me in der Kom­mis­si­on kei­ne Mehr­heit für ei­ne be­stimm­te Fas­sung der Dienst­ver­trags­ord­nung zu­stan­de, so ent­schei­de letzt­lich ein Sch­lich­tungs­aus­schuss, der wie­der­um pa­ritätisch be­setzt sei. Es sei al­so letzt­lich nicht möglich, ge­gen den Wil­len der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ei­ne Dienst­ver­trags­ord­nung zu

- 3 -

ver­ein­ba­ren. Dass nur bei Vor­han­den­sein der Möglich­keit zur kampf­wei­sen For­de­rungs­durch­set­zung ei­ne in­ter­es­sen­ge­rech­te Lösung er­reich­bar sei, über­zeu­ge nicht. Das hin­ter dem ta­rif­dis­po­si­ti­ven Ge­set­zes­recht ste­hen­de Ziel ei­ner Ver­bin­dung von Fle­xi­bi­lität und Ar­beit­neh­mer­schutz könne auch im Ver­fah­ren des Drit­ten We­ges er­reicht wer­den. Nach dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit müsse das kirch­li­che Selbst­be­stim­mungs­recht den Vor­rang vor dem durch das Ge­setz ver­folg­ten Schutz der Ar­beit­neh­mer­sei­te ha­ben. Da sich die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges in den Gren­zen der kir­chen­recht­li­chen Re­ge­lun­gen hal­te, sei die­se wirk­sam ver­ein­bart.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge an­trags­gemäß statt­ge­ge­ben. Zur Be­gründung hat es im We­sent­li­chen aus­geführt, die sach­grund­lo­se Be­fris­tung ver­s­toße ge­gen § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG. Die Öff­nungs­klau­sel des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG er­fas­se nur Ta­rif­verträge, nicht auch kir­chen­recht­li­che Re­ge­lun­gen. Die­se Be­stim­mung ent­hal­te kei­ne Re­ge­lungslücke, die durch Ana­lo­gie oder ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung durch An­wen­dung der kirch­li­chen Ar­beits­rechts­re­ge­lung ge­schlos­sen wer­den müsse. Ge­gen die­se Ent­schei­dung rich­tet sich die Be­ru­fung der Be­klag­ten. Bei ta­rif­dis­po­si­ti­vem Ge­set­zes­recht sei die Gleich­set­zung mit Ta­rif­verträgen ge­bo­ten. Durch ta­rif­dis­po­si­ti­ves Ge­set­zes­recht wer­de die größere Sachnähe an veränder­te Umstände an­er­kannt. Die größere Sachnähe und leich­te­re An­pas­sungsmöglich­keit sei auch bei kirch­li­chen Re­ge­lun­gen des Drit­ten We­ges ge­ge­ben. Eben­so wie bei ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen be­ste­he auch bei kirch­li­chen Re­ge­lun­gen des Drit­ten We­ges ei­ne Gewähr für die Aus­ge­wo­gen­heit, Sach­ge­rech­tig­keit und Zeitnähe der Lösun­gen. Es ge­be kei­nen sach­li­chen Grund dafür, dass der Ge­setz­ge­ber ei­ne Öff­nung für kir­chen­recht­li­che Re­ge­lun­gen im Be­reich des JAr­bSchG und des Arb­ZG an­er­ken­ne, nicht aber im Be­reich des Tz­B­fG. Ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG for­de­re die Aus­deh­nung der Öff­nungs­klau­sel auch auf kirch­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lun­gen. Dies sei um­so mehr ge­bo­ten, als die ge­setz­li­che Re­ge­lung des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­reits an sich in das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen ein­grei­fe, in­dem der Ge­setz­ge­ber den Kir­chen vor­ge­be, wie sie Ar­beits­verhält­nis­se mit ih­ren Mit­ar­bei­tern zu ge­stal­ten ha­be.

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Der Kläger be­an­tragt, 

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. 

Er ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und ver­tritt die Auf­fas­sung, der Be­klag­ten sei es 

ver­wehrt, durch ih­re Ar­beits­rechts­re­ge­lung von der ge­setz­li­chen Be­stim­mung des § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG ab­zu­wei­chen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist un­be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht die al­lein treit­ge­genständ­li­che letz­te Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung für un­wirk­sam ge­hal­ten, weil mit ihr die ge­setz­li­che Be­fris­tungshöchst­dau­er über­schrit­ten wur­de. Das Ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung in al­len we­sent­li­chen Punk­ten über­zeu­gend be­gründet. Das Be­ru­fungs­ge­richt nimmt zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen auf die Ent­schei­dungs­gründe der Vor­in­stanz Be­zug, denn es kommt auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Be­ru­fungs­vor­brin­gens zu übe­rein­stim­men­den Fest­stel­lun­gen, § 69 Abs. 2 ArbGG. Die An­grif­fe der Be­klag­ten in der Be­ru­fung, die sie mit ih­rer ab­wei­chen­den Rechts­auf­fas­sung be­gründet, recht­fer­ti­gen kein an­de­res Er­geb­nis.

I. Im Hin­blick auf die sich im We­sent­li­chen wie­der­ho­len­den Rechts­an­sich­ten, mit de­nen sich 20 be­reits das Ar­beits­ge­richt aus­ein­an­der­ge­setzt hat, be­schränkt sich das Be­ru­fungs­ge­richt

- 4 -

auf fol­gen­de ergänzen­de Ausführun­gen:

1. Die Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung zwi­schen den Par­tei­en er­gibt sich aus § 21 22 Abs. 1 i. V. m. § 14 Abs. 2 S. 1 2. HS Tz­B­fG. Nach § 22 Abs. 1 Tz­B­fG kann von den Vor­schrif­ten die­ses Ge­set­zes nicht zu­un­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ab­ge­wi­chen wer­den, es sei denn, dass ei­ner der in § 22 Abs. 1 Tz­B­fG ge­nann­ten Fälle vor­liegt. Ei­nen die­ser Fälle re­gelt die Be­stim­mung des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG.

2. § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG er­laubt ei­ne von § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG ab­wei­chen­de An­zahl von 22 zulässi­gen Verlänge­run­gen so­wie ei­ne an­de­re Höchst­be­fris­tungs­dau­er. Es han­delt sich um ei­ne Ta­riföff­nungs­klau­sel, die sich nicht auf die hier in Re­de ste­hen­de kirch­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lung vom 04.05.2001 er­streckt, die ei­ne Höchst­be­fris­tungs­dau­er von 3 Jah­ren zulässt. Da die­se Ar­beits­rechts­re­ge­lung die Wirk­sam­keit ei­ner sach­grund­lo­sen Be­fris­tung von stren­ge­ren Vor­aus­set­zun­gen abhängig macht als das Ge­setz, han­delt es sich um ei­ne Ab­wei­chung zu­un­guns­ten des Klägers mit der Kon­se­quenz der Un­wirk­sam­keit die­ser Re­ge­lung we­gen Ver­s­toßes ge­gen § 22 Abs. 1 Tz­B­fG.

a. Der Wort­laut der Öff­nungs­klau­sel ist ein­deu­tig. Er be­zieht sich nur auf Ta­rif­verträge. Die 23 kirch­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lung stellt kei­nen Ta­rif­ver­trag dar (vgl. nur BAG, Ur­teil vom 17.11.2005 – 6 AZR 160/05). Ei­ner ver­tie­fen­den Be­gründung hier­zu be­darf es nicht, da die Be­klag­te selbst nicht in Ab­re­de stellt, dass die kir­chen­recht­li­che Re­ge­lung kein Ta­rif­ver­trag ist. Der Be­klag­ten geht es viel­mehr dar­um, dass die kir­chen­recht­li­che Re­ge­lung bei ta­rif­dis­po­si­ti­vem Ge­set­zes­recht den Ta­rif­verträgen gleich­ge­stellt wird. § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG ist ei­ne ta­rif­dis­po­si­ti­ve Vor­schrift.

b. Die von der Be­klag­ten be­gehr­te Gleich­stel­lung mit Ta­rif­recht bei den Ge­set­zes­nor­men, die aus­drück­lich nur ei­ne Ta­riföff­nungs­klau­sel ent­hal­ten, ist nicht ge­bo­ten. Vor­aus­set­zung für ei­ne vom Wort­laut des Ge­set­zes ab­wei­chen­de ergänzen­de Aus­le­gung ist, dass ent­we­der ei­ne un­be­wuss­te Re­ge­lungslücke vor­liegt oder nachträglich ei­ne Re­ge­lung lücken­haft ge­wor­den ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht ge­ge­ben.

Das Ar­beits­ge­richt hat zu Recht aus­geführt, dass die un­ter­schied­li­che Erwähnung von Kir­chen­klau­seln in ta­rif­dis­po­si­ti­ven Ge­set­zen, ei­ner­seits in § 7 Abs. 4 Arb­ZG und in § 21 a Abs. 3 JAr­bSchG, an­de­rer­seits ihr Feh­len in wich­ti­gen Be­rei­chen wie z. B. in § 13 Abs. 1 des BUrlG und in § 622 Abs. 2 BGB, kei­nen Schluss auf ei­ne ge­ne­rel­le Gleich­stel­lung er­laubt. Die dif­fe­ren­zier­te Be­hand­lung durch den Ge­setz­ge­ber spricht eher ge­gen ei­ne Re­ge­lungslücke bei der Be­stim­mung des § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG. Vor al­lem der Um­stand, dass der Ge­setz­ge­ber in Kennt­nis der Pro­ble­ma­tik (Bun­des­tags­druck­sa­che 14/25) die Vorgänger­re­ge­lung des § 6 Abs. 3 BSchFG, die noch ei­ne Gleich­stel­lung vor­sah, nicht in das Tz­B­fG über­nom­men hat, lässt kei­nen Raum für die An­nah­me ei­ner un­be­wuss­ten Re­ge­lungslücke.

c. Die Nicht­auf­nah­me ei­ner Kir­chen­klau­sel in § 14 Abs. 2 S. 3 Tz­B­fG verstößt nicht ge­gen die Ver­fas­sung. Ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung die­ser Be­stim­mung i. S. d. Be­klag­ten zur Ver­mei­dung ei­nes Ver­fas­sungs­ver­s­toßes ist nicht ge­bo­ten. Das Selbst­be­stim­mungs­recht der Kir­chen gemäß Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 Abs. 3 S. 1 WRV ist durch die dif­fe­ren­zie­ren­de Re­ge­lung des Ge­setz­ge­bers bei ta­rif­dis­po­si­ti­vem Ge­set­zes­recht nicht ver­letzt. Hier­zu hat be­reits das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend aus­geführt (S. 8 des Ur­teils). Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des kirch­li­chen Selbst­be­stim­mungs­rechts gewähr­leis­tet den Kir­chen, darüber zu be­fin­den, wel­che Diens­te es in ih­ren Ein­rich­tun­gen ge­ben soll und in wel­chen Rechts­for­men sie wahr­zu­neh­men sind. Be­die­nen sich die Kir­chen wie je­der­mann der Pri­vat­au­to­no­mie zur Be­gründung von Ar­beits­verhält­nis­sen, so fin­det auf die­se das staat­li­che Ar­beits­recht An­wen­dung. Das ist die Fol­ge ei­ner Rechts­wahl. Die Ein­be­zie­hung der kirch­li­chen Ar­beits­verhält­nis­se in das staat­li­che Ar­beits­recht hebt de­ren Zu­gehörig­keit zu den "ei­ge­nen An­ge­le­gen­hei­ten" nicht auf. Sie darf des­halb die ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­te Ei­gen­art des kirch­li­chen Diens­tes, das spe­zi­fisch

- 5 -

Kirch­li­che, nicht in Fra­ge stel­len. Die Ver­fas­sungs­ga­ran­tie des Selbst­be­stim­mungs­rechts bleibt für die Ge­stal­tung die­ser Ar­beits­verhält­nis­se we­sent­lich (BVerfG, Be­schluss vom 04.06.1985 – 2 BvR 1703/83, 1718/83, 856/84 – AP Nr. 24 zu Art. 140 GG).

Die Tätig­keit des Klägers voll­zieht sich nicht im spe­zi­fisch Kirch­li­chen oder im ka­ri­ta­ti­ven Be­reich, son­dern in ei­ner Ver­wal­tungs­ein­rich­tung, die sich mit den Kir­chen­steu­ern der Sol­da­ten be­fasst. Die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en un­ter­lie­gen dem staat­li­chen Ar­beits­recht. Be­son­de­re kirch­li­che As­pek­te, die da­zu zwin­gen würden, be­fris­te­te Ar­beits­verträge nicht in den Gren­zen des § 14 Abs. 2 S. 1 Tz­B­fG ab­zu­sch­ließen, sind we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich. Da die kirch­li­che Ar­beits­rechts­re­ge­lung mit Ta­rif­verträgen nicht gleich­zu­stel­len ist (BAG, Ur­teil vom 17.11.2005 a. a. O.), ist der ge­setz­li­che Ge­stal­tungs­spiel­raum nicht ver­letzt, wenn der Ge­setz­ge­ber im Rah­men des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG von ei­ner Gleich­stel­lung ab­sieht.

II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 

III. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­ruht auf § 72 Abs. 2 Nr. 1 ZPO. 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei 

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den. 

Die Re­vi­si­on muss 

in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim 

Bun­des­ar­beits­ge­richt 

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt 

Fax: (0361) 2636 - 2000

ein­ge­legt wer­den. 

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein. 

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

(Schro­eder)

(Ma­thews)

(Reusch)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 10 Sa 225/07  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880