Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Befristung, Wissenschaft, Forschung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 AZR 291/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.09.2009
   
Leit­sätze: § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG (seit 18. April 2007: § 2 Abs. 1 Satz 2 Wiss­Zeit­VG) ermöglicht es, mit pro­mo­vier­tem wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal im Be­reich Me­di­zin be­fris­te­te Ar­beits­verträge bis zur Dau­er von neun Jah­ren ab­zu­sch­ließen. Dies gilt nur für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter der me­di­zi­ni­schen Fach­rich­tun­gen (Me­di­zin, Zahn­me­di­zin, Tier­me­di­zin), nicht für an­de­re in der me­di­zi­ni­schen For­schung täti­ge wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hannover, 18. Juli 2007, Az: 12 Ca 64/07 Ö, Urteil Landesarbeitsgericht Niedersachsen 8. Kammer, 11. Februar 2008, Az: 8 Sa 1368/07, Urteil
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


7 AZR 291/08
8 Sa 1368/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Nie­der­sach­sen

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
2. Sep­tem­ber 2009

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

be­klag­tes, be­ru­fungs­kla­gen­des, be­ru­fungs­be­klag­tes und re­vi­si­ons­kla­gen­des Land,

pp.

Kläger, Be­ru­fungskläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 2. Sep­tem­ber 2009 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dörner, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, den Rich­ter
 


- 2 -

am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Kiel so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Holz­hau­sen und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Glock für Recht er­kannt:


Die Re­vi­si­on des be­klag­ten Lan­des ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 11. Fe­bru­ar 2008 - 8 Sa 1368/07 - wird zurück­ge­wie­sen.

Das be­klag­te Land hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten in der Re­vi­si­on noch darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2007 ge­en­det hat.


Der Kläger ist Di­plom­bio­lo­ge mit dem Aus­bil­dungs­schwer­punkt Bio­che­mie. Er war nach Ab­schluss sei­ner Aus­bil­dung und Be­en­di­gung der Pro­mo­ti­on auf der Grund­la­ge zwei­er be­fris­te­ter Ar­beits­verträge vom 1. Mai 2001 bis zum 31. De­zem­ber 2007 als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der Me­di­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han­no­ver (MHH) des be­klag­ten Lan­des beschäftigt. Der letz­te be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag vom 21. Ok­to­ber 2003 lau­tet aus­zugs­wei­se:

㤠1


Herr Dr. K wird ab 01.01.2004 als wis­sen­schaft­li­cher An­ge­stell­ter nach §§ 57a ff. Hoch­schul­rah­men­ge­setz (HRG) für die Zeit bis zum 31.12.2007 beschäftigt. Die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­tra­ges gründet sich auf § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG (in der ab 23.02.2002 gel­ten­den Fas­sung).


...“

Der Kläger gehörte der Ab­tei­lung Pädia­tri­sche Häma­to­lo­gie und On­ko­lo­gie des Zen­trums Kin­der­heil­kun­de an. Ihm ob­lag es, im Rah­men des von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) geförder­ten Son­der­for­schungs­be­reichs 566 die Ur­sa­chen sog. an­ge­bo­re­ner Neu­tro­peni­en zu er­for­schen. Da­bei



- 3 -

hat­te er bio­che­mi­sche Ar­bei­ten und Zell­kul­tur­ar­bei­ten an Leukämie­zel­len durch­zuführen.

Mit der am 20. Fe­bru­ar 2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge hat sich der Kläger ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund der Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2007 ge­wandt und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­fris­tung sei nicht nach § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG ge­recht­fer­tigt, da die zulässi­ge Höchst­be­fris­tungs­dau­er von sechs Jah­ren über­schrit­ten sei. Die bis zu neunjähri­ge Be­fris­tungsmöglich­keit im Be­reich der Me­di­zin gel­te nur für Ärz­te, nicht je­doch für sons­ti­ge wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter.


Der Kläger hat - so­weit für die Re­vi­si­on von Be­deu­tung - be­an­tragt fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de
Ar­beits­verhält­nis nicht am 31. De­zem­ber 2007 auf­grund der Be­fris­tung vom 21. Ok­to­ber 2003 ge­en­det hat.

Das be­klag­te Land hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des be­klag­ten Lan­des zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt das be­klag­te Land sei­nen Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter. Der Kläger be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.


Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben der Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge zu Recht statt­ge­ge­ben. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat nicht auf­grund der in dem Ar­beits­ver­trag vom 21. Ok­to­ber 2003 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 31. De­zem­ber 2007 ge­en­det. Die Be­fris­tung ist nicht nach § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG idF des bis zum 17. April 2007 gel­ten­den Ge­set­zes zur Ände­rung hoch­schul­recht­li­cher Vor­schrif­ten (HdaVÄndG) vom 27. No­vem­ber 2004 (im Fol­gen­den: HRG) ge­recht­fer­tigt. Durch die Beschäfti­gung des Klägers bis zum 31. De­zem­ber 2007 wur­de die zulässi­ge Höchst­be­fris­tungs­dau­er von sechs Jah­ren über­schrit­ten. Die neunjähri­ge

- 4 -

Be­fris­tungs­dau­er im Be­reich der Me­di­zin gilt nur für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter der me­di­zi­ni­schen Fach­rich­tun­gen, nicht je­doch für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter an­de­rer Fach­be­rei­che, die mit me­di­zi­ni­schen For­schungs­auf­ga­ben beschäftigt sind. Auf ei­ne an­de­re Recht­fer­ti­gung für die Be­fris­tung hat sich das be­klag­te Land nicht be­ru­fen.


1. Die Wirk­sam­keit der in dem Ar­beits­ver­trag vom 21. Ok­to­ber 2003 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2007 rich­tet sich nach § 57b HRG in der Fas­sung des HdaVÄndG.


Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Se­nats ist für die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags die im Zeit­punkt ih­rer Ver­ein­ba­rung gel­ten­de Rechts­la­ge maßgeb­lich. Die bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags am 21. Ok­to­ber 2003 in Kraft be­find­li­che Be­stim­mung in § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG in der ab 23. Fe­bru­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung des 5. Ge­set­zes zur Ände­rung der HRG und an­de­rer Vor­schrif­ten vom 14. Fe­bru­ar 2002 (5. HRGÄndG) war vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für nich­tig erklärt wor­den (27. Ju­li 2004 - 2 BvF 2/02 - BVerfGE 111, 226, 246, 270, 273). Die Vor­schrift wur­de je­doch durch das HdaVÄndG rück­wir­kend wie­der in Kraft ge­setzt. Nach § 57f HRG ist § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG auf Ar­beits­verträge an­zu­wen­den, die in der Zeit vom 23. Fe­bru­ar 2002 bis zum 26. Ju­li 2004 ab­ge­schlos­sen wur­den. Glei­ches re­gelt § 6 Abs. 1 Satz 1 des am 18. April 2007 in Kraft ge­tre­te­nen Ge­set­zes über be­fris­te­te Ar­beits­verträge in der Wis­sen­schaft (Wis­sen­schafts­zeit­ver­trags­ge­setz - Wiss­Zeit­VG). Da­durch wur­de nachträglich die hoch­schul­rah­men­recht­li­che Rechts­grund­la­ge für die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags der Par­tei­en ge­schaf­fen. Die zeit­li­che Rücker­stre­ckung der §§ 57a ff. HRG auf die in der Zeit zwi­schen dem 23. Fe­bru­ar 2002 und dem 27. Ju­li 2004 ab­ge­schlos­se­nen be­fris­te­ten Ar­beits­verträge mit wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal an Hoch­schu­len be­ste­hen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken, da hier­durch nur die Rechts­la­ge wie­der­her­ge­stellt wur­de, von der die Par­tei­en bei Ver­trags­schluss am 21. Ok­to­ber 2003 aus­ge­hen muss­ten (vgl. hier­zu ausführ­lich BAG 21. Ju­ni 2006 - 7 AZR 234/05 - BA­GE 118, 290 = AP HRG § 57a Nr. 5 = EzA BGB 2002 § 620 Hoch­schu­len Nr. 2).
 


- 5 -

2. Die in dem Ar­beits­ver­trag vom 21. Ok­to­ber 2003 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2007 ist nicht nach § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG (jetzt: § 2 Abs. 1 Satz 2 Wiss­Zeit­VG) ge­recht­fer­tigt.


a) Nach § 57b Abs. 1 Satz 1 HRG ist die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern, die nicht pro­mo­viert sind, bis zur Dau­er von sechs Jah­ren zulässig. Nach ab­ge­schlos­se­ner Pro­mo­ti­on ist ei­ne Be­fris­tung nach § 57b Abs. 1 Satz 2 1. Halbs. HRG bis zur Dau­er von sechs Jah­ren, im Be­reich der Me­di­zin bis zur Dau­er von neun Jah­ren zulässig. Nach § 57b Abs. 1 Satz 2 2. Halbs. HRG verlängert sich die zulässi­ge Be­fris­tungs­dau­er nach der Pro­mo­ti­on in dem Um­fang, in dem Zei­ten ei­ner be­fris­te­ten Beschäfti­gung vor der Pro­mo­ti­on und Pro­mo­ti­ons­zei­ten oh­ne Beschäfti­gung nach Satz 1 zu­sam­men we­ni­ger als sechs Jah­re be­tra­gen ha­ben. Auf die in § 57b Abs. 1 HRG be­stimm­te Be­fris­tungs­dau­er sind al­le be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­se mit mehr als ei­nem Vier­tel der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit, die an ei­ner deut­schen Hoch­schu­le ab­ge­schlos­sen wur­den, an­zu­rech­nen (§ 57b Abs. 2 Satz 1 HRG).


b) Der Aus­nah­me­tat­be­stand, der für den Be­reich der Me­di­zin ei­ne bis zu neunjähri­ge be­fris­te­te Beschäfti­gung nach der Pro­mo­ti­on zulässt, gilt nur für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter der me­di­zi­ni­schen Fach­rich­tun­gen, nicht je­doch für Wis­sen­schaft­ler an­de­rer Fach­rich­tun­gen, die mit For­schungstätig­kei­ten auf me­di­zi­ni­schem Ge­biet beschäftigt sind. Dies lässt sich zwar nicht un­mit­tel­bar dem Ge­set­zes­wort­laut des § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG ent­neh­men, der die länge­re Be­fris­tungsmöglich­keit „im Be­reich der Me­di­zin“ ge­stat­tet. Die­se For­mu­lie­rung er­laubt so­wohl ei­ne Aus­le­gung da­hin­ge­hend, dass da­mit die An­gehöri­gen der wis­sen­schaft­li­chen Fach­rich­tun­gen der Me­di­zin ge­meint sind, als auch die­je­ni­ge, dass hier­von al­le wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter er­fasst wer­den, die in der me­di­zi­ni­schen For­schung tätig sind un­abhängig da­von, wel­chem wis­sen­schaft­li­chen Fach­be­reich sie an­gehören. Aus der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik so­wie aus Sinn und Zweck der Re­ge­lung er­gibt sich je­doch, dass die neunjähri­ge Be­fris­tungsmöglich­keit nur für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter der me­di­zi­ni­schen Fach­rich­tun­gen, dh. der Be­rei­che Me­di­zin, Zahn­me­di­zin und
 


- 6 -

Tier­me­di­zin, gilt (eben­so ErfK/Müller-Glöge 7. Aufl. § 57b HRG Rn. 7; KDZ/Däubler KSchG 6. Aufl. § 57b HRG Rn. 13; Hail­bron­ner/Geis-Wal­dey­er HRG Stand De­zem­ber 2008 § 57b Rn. 13; aA KR/Lip­ke 8. Aufl. § 57b HRG Rn. 29; Reich HRG 9. Aufl. § 57b Rn. 3). Die für den Be­reich der Me­di­zin um drei Jah­re verlänger­te Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se soll er­kenn­bar den Er­for­der­nis­sen der Fach­arzt­aus­bil­dung, die je nach Fach­rich­tung fünf oder sechs Jah­re in An­spruch nimmt, Rech­nung tra­gen (ErfK/Müller-Glöge 7. Aufl. § 57b HRG Rn. 7; KDZ/Däubler KSchG 6. Aufl. § 57b HRG Rn. 13; Hail­bron­ner/Geis-Wal­dey­er HRG Stand De­zem­ber 2008 § 57b Rn. 13). Dies er­gibt sich aus der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik des 5. HRGÄndG (im Fol­gen­den: HRG aF), durch das § 57b HRG mit dem hier maßgeb­li­chen In­halt erst­mals in Kraft ge­setzt wur­de.


aa) § 47 HRG aF re­gel­te die Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen für Ju­ni­or­pro­fes­so­ren. Nach § 47 Satz 2 HRG aF soll­ten Ju­ni­or­pro­fes­so­ren mit ärzt­li­chen, zahnärzt­li­chen oder tierärzt­li­chen Auf­ga­ben zusätz­lich zu den sons­ti­gen Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen die An­er­ken­nung als Fach­arzt nach­wei­sen. Nach § 47 Satz 4 HRG aF soll­ten die Zei­ten der Pro­mo­ti­on und der Beschäfti­gung als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter oder wis­sen­schaft­li­che Hilfs­kraft zu­sam­men nicht mehr als sechs Jah­re, im Be­reich der Me­di­zin nicht mehr als neun Jah­re be­tra­gen ha­ben. § 48 HRG aF be­stimm­te, dass ei­ne Ju­ni­or­pro­fes­sur auf zwei mal drei Jah­re be­fris­tet sein konn­te. Die Er­brin­gung wis­sen­schaft­li­cher Leis­tun­gen im Rah­men ei­ner Ju­ni­or­pro­fes­sur soll­te nach § 44 Abs. 1 Nr. 4a HRG aF in der Re­gel Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zung als Pro­fes­sor sein.

Die in § 47 Satz 4 HRG aF be­stimm­te Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se vor ei­ner Ju­ni­or­pro­fes­sur wur­de im Be­reich Me­di­zin auf neun Jah­re aus­ge­dehnt, weil der Ge­setz­ge­ber ei­nen zeit­li­chen Rah­men von sechs Jah­ren für die Pro­mo­ti­ons-und Post­dok­to­ran­den­pha­se we­gen der für ei­ne selbständi­ge Ver­tre­tung des Fachs Me­di­zin in der Leh­re er­for­der­li­chen ab­ge­schlos­se­nen Fach­arzt­aus­bil­dung nicht für aus­rei­chend hielt (BT-Drucks. 14/6853 S. 28). Die verlänger­te Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se „im Be­reich der Me­di­zin“ in § 47 Satz 4 HRG aF be­traf da­her die in § 47 Satz 2 HRG aF ge­nann­ten Ju­ni­or­pro­fes­so­ren mit ärzt­li­chen, zahnärzt­li­chen oder tierärzt­li­chen Auf­ga­ben. Für die­se Ju­ni­or­pro­fes­so­ren er­gab


- 7 -

sich da­her ei­ne Ge­samt­qua­li­fi­zie­rungs­zeit von fünf­zehn Jah­ren. Die­ser Zeit-raum soll­te durch die Re­ge­lung in § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG aF auch für die Nach­wuchs­wis­sen­schaft­li­cher zur Verfügung ge­stellt wer­den, die als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter im Be­reich der Me­di­zin beschäftigt wur­den und die nicht ei­ne Pro­fes­sur an ei­ner Uni­ver­sität, son­dern zB ei­ne lei­ten­de ärzt­li­che Funk­ti­on in ei­ner außer­uni­ver­sitären Kli­nik an­streb­ten (BT-Drucks. 14/7336 S. 11). Die Aus­deh­nung des Qua­li­fi­zie­rungs­zeit­raums auf neun Jah­re „im Be­reich der Me­di­zin“ in § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG aF be­ruh­te da­her - eben­so wie bei Ju­ni­or­pro­fes­so­ren - auf dem Er­for­der­nis der Fach­arzt­aus­bil­dung und be­traf des­halb nur wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter mit ärzt­li­chen, zahnärzt­li­chen oder tierärzt­li­chen Auf­ga­ben.


bb) Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat das 5. HRGÄndG zwar we­gen feh­len­der Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Bun­des für die Neu­re­ge­lun­gen der Per­so­nal­ka­te­go­ri­en, ins­be­son­de­re der Ju­ni­or­pro­fes­sur, ins­ge­samt für nich­tig erklärt (BVerfG 27. Ju­li 2004 - 2 BvF 2/02 - BVerfGE 111, 226). Die hier maßgeb­li­che Re­ge­lung in § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG wur­de aber durch das HdaVÄndG rück­wir­kend und gleich­lau­tend wie­der in Kraft ge­setzt. Sie gilt da­her mit dem­sel­ben In­halt wie zu­vor.

cc) Im Übri­gen ist nicht er­kenn­bar, wel­che an­de­ren Gründe als die Fach­arzt­aus­bil­dung zu ei­ner Verlänge­rung der Qua­li­fi­zie­rungs­pha­se „im Be­reich der Me­di­zin“ An­lass ge­ge­ben ha­ben könn­ten. Es ist nicht er­sicht­lich, wes­halb al­lein ei­ne wis­sen­schaft­li­che Tätig­keit in der me­di­zi­ni­schen For­schung un­abhängig da­von, ob sie in me­di­zi­ni­schen oder an­de­ren Fach­rich­tun­gen er­folgt, ei­ne länge­re Qua­li­fi­zie­rungs­zeit er­for­dern soll als in an­de­ren For­schungs­be­rei­chen. Dies gilt auch in An­be­tracht des Um­stands, dass in der kli­ni­schen For­schung Ver­net­zun­gen mit an­de­ren Fach­be­rei­chen, zB der Bio­lo­gie und der Che­mie, be­ste­hen (aA KR/Lip­ke 8. Aufl. § 57b HRG Rn. 29). Zur wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­zie­rung in die­sen Fach­be­rei­chen ist re­gelmäßig kei­ne ei­ner Fach­arzt­aus­bil­dung von der Dau­er her ver­gleich­ba­re zusätz­li­che Wei­ter­bil­dung er­for­der­lich. So­fern pro­mo­vier­te wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter über ei­ne Dop­pel­qua­li­fi­ka­ti­on, zB als Arzt und Che­mi­ker, verfügen, können mit ih­nen be­fris­te­te Ar­beits­verträge
 


- 8 -

bis zur Dau­er von neun Jah­ren ab­ge­schlos­sen wer­den, wenn sie in me­di­zi­ni­schen Fach­rich­tun­gen tätig sind. Ent­spre­chen­des gilt für die Beschäfti­gung wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an außer­uni­ver­sitären For­schungs­ein­rich­tun­gen iSv. § 57d HRG (aA KR/Lip­ke aaO).


b) Nach die­sen Grundsätzen sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG für die in dem Ar­beits­ver­trag vom 21. Ok­to­ber 2003 ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31. De­zem­ber 2007 nicht erfüllt. Der Kläger war nach sei­ner Pro­mo­ti­on auf­grund zwei­er be­fris­te­ter Ar­beits­verträge in der Zeit vom 1. Mai 2001 bis zum 31. De­zem­ber 2007 als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der Me­di­zi­ni­schen Hoch­schu­le des be­klag­ten Lan­des beschäftigt. Da­mit war die für ihn als Di­plom­bio­lo­gen mit der Fach­rich­tung Bio­che­mie nach § 57b Abs. 1 Satz 2 HRG zulässi­ge Höchst­be­fris­tungs­dau­er von sechs Jah­ren über­schrit­ten.

II. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. 

Dörner 

Gräfl 

Kiel

Holz­hau­sen 

M. Glock

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 AZR 291/08  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880