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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebliche Übung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Köln
Akten­zeichen: 9 Sa 1184/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 22.01.2008
   
Leit­sätze:

1. Ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung setzt vor­aus, dass der Ar­beit­ge­ber in be­son­de­rer Wei­se klar und un­miss­verständ­lich sei­nen Wil­len zum Aus­druck bringt, sich von der be­ste­hen­den be­trieb­li­chen Übung zu lösen und ei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft aus­zu­sch­ließen (An­schluss an BAG, Ur­teil vom 04.05.1999 - 10 AZR 290/98 -).

2. Die­sen An­for­de­run­gen wird nicht genügt, wenn der Ar­beit­ge­ber nun­mehr in den Lohn­ab­rech­nun­gen ver­merkt: "Die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des ist ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung und be­gründet kei­nen Rechts­an­spruch!"

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Köln
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, 9 Sa 1184/07

 

Te­nor:

1. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Köln vom 30. Au­gust 2007 – 1 Ca 1504/07 – wie folgt ab­geändert:

a.) Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger EUR 1.354,08 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz von je­weils EUR 451,36 seit dem 01.12.2006, 01.01.2007 und 01.02.2007 zu zah­len.

b) Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

2. Im Übri­gen wird die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen.

3. Die Kos­ten des Rechts­streits trägt die Be­klag­te.

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4. Die Re­vi­si­on ge­gen die­ses Ur­teil wird zu­ge­las­sen

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, dem Kläger für das Jahr 2006 ein Weih­nachts­geld zu zah­len.

Der Kläger ist bei der Be­klag­ten seit dem 1. Au­gust 1971 als Spe­zi­al­bau­fach­ar­bei­ter zu ei­nem St­un­den­lohn von zu­letzt EUR 14,56 brut­to beschäftigt. Ein schrift­li­cher Ar­beits­ver­trag wur­de nicht ab­ge­schlos­sen.

Die Be­klag­te gehört kei­nem Ar­beit­ge­ber­ver­band an. 

Die Be­klag­te gewähr­te dem Kläger seit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses am Jah­res­en­de ein Weih­nachts­geld, zunächst als Ein­mal­be­trag und später in 3 Mo­nats­ra­ten.

In den Jah­ren 2002 bis 2005 zahl­te die Be­klag­te das Weih­nachts­geld je­weils in 3 Ra­ten à EUR 447,33 bzw. 458,18, und zwar in den Mo­na­ten No­vem­ber bis Ja­nu­ar des Fol­ge­jah­res, wo­bei sie – bis auf die Mo­na­te No­vem­ber 2002 und No­vem­ber 2003 - in den Lohn­ab­rech­nun­gen je­weils hand­schrift­lich den Zu­satz beifügte: "Die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des ist ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung und be­gründet kei­nen Rechts­an­spruch!" Der jähr­lich ge­zahl­te Be­trag ent­sprach dem 93-fa­chen ak­tu­el­len St­un­den­lohn.

Für das Jahr 2006 zahl­te die Be­klag­te kein Weih­nachts­geld

Der Kläger ist der An­sicht, die Be­klag­te sei auf­grund be­trieb­li­cher Übung ver­pflich­tet, ihm auch für das Jahr 2006 ein Weih­nachts­geld in Höhe des 93-fa­chen St­un­den­loh­nes zu zah­len. Er ha­be ei­ner abändern­den be­trieb­li­chen Übung nicht zu­ge­stimmt. Er be­haup­tet, mit an­walt­li­chem Schrei­ben vom 20. Fe­bru­ar 2002 ha­be er dem Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt wi­der­spro­chen.

Der Kläger hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn ei­nen Be­trag in Höhe 

von EUR 1.354,08 brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 

5 Pro­zent­punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz

seit dem 1. De­zem­ber 2006 zu zah­len. 

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Sie be­strei­tet, dass der Kläger auf­grund be­trieb­li­cher Übung ei­nen An­spruch auf Zah­lung 16 ei­nes Weih­nachts­gel­des für das Jahr 2006 hat. So­fern in der Ver­gan­gen­heit ei­ne be­trieb­li­che Übung be­stan­den ha­be, sei sie je­den­falls seit 2002 auf­ge­ho­ben wor­den. Ein an­walt­li­ches Schrei­ben des Klägers vom 20. Fe­bru­ar 2002 ha­be sie nicht er­hal­ten.

Das Ar­beits­ge­richt Köln hat durch Ur­teil vom 30. Au­gust 2007 der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Zur Be­gründung hat es aus­geführt, auf­grund be­trieb­li­cher Übung ha­be der Kläger ei­nen

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An­spruch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des für das Jahr 2006 in Höhe des 93-fa­chen St­un­den­loh­nes. Die Be­klag­te ha­be seit Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses ein Weih­nachts­geld ge­zahlt. Ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung sei nicht zu­stan­de ge­kom­men, da es an dem er­for­der­li­chen Ein­verständ­nis des Klägers feh­le. Ein der­ar­ti­ges Ein­verständ­nis ha­be die Be­klag­te auch nicht an­neh­men können, wenn der Kläger zu den Vor­be­hal­ten ab dem Jahr 2002 nichts erklärt ha­be. Erst wenn sich ein Frei­wil­lig­keits­vor­be­halt nach­tei­lig für den Ar­beit­neh­mer aus­wir­ke, sei er ge­hal­ten, zu wi­der­spre­chen.

Das Ur­teil ist der Be­klag­ten am 17. Sep­tem­ber 2007 zu­ge­stellt wor­den. Sie hat hier­ge­gen am 24. Sep­tem­ber 2007 Be­ru­fung ein­le­gen und die­se am 5. Ok­to­ber 2007 be­gründen las­sen.

Die Be­klag­te ist wei­ter der An­sicht, so­fern in der Ver­gan­gen­heit ein An­spruch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des auf­grund be­trieb­li­cher Übung ent­stan­den sei, sei er durch ei­ne seit 2002 be­gon­ne­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung auf­ge­ho­ben wor­den. Sie hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung am 22. Ja­nu­ar 2008 vor­ge­tra­gen, sie beschäfti­ge ins­ge­samt 42 Ar­beit­neh­mer. Nur der Kläger ma­che ge­richt­lich gel­tend, er ha­be ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­geld. Sie ha­be so­wohl 2006 als auch 2007 aus wirt­schaft­li­chen Gründen kein Weih­nachts­geld ge­zahlt.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts 

Köln vom 30. Au­gust 2007 – 1 Ca 1504/07 – die Kla­ge 

ab­zu­wei­sen. 

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. 

Er ver­tei­digt das erst­in­stanz­li­che Ur­teil. Er hat bei ei­ner persönli­chen Anhörung in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 22. Ja­nu­ar 2008 erklärt, er ha­be zwar ei­nen Rechts­an­walt we­gen des hand­schrift­li­chen Ver­merks auf den Lohn­ab­rech­nun­gen im Jahr 2002 kon­sul­tiert. Un­ter­nom­men ha­be er aber nichts, weil die Be­klag­te das Weih­nachts­geld wei­ter­ge­zahlt ha­be, wenn auch in Ra­ten.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die von den 

Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze samt An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig. 

Sie ist gemäß § 64 Abs. 2 b ArbGG statt­haft und wur­de in­ner­halb der in § 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG vor­ge­schrie­be­nen Fris­ten ein­ge­legt und be­gründet.

II. Die Be­ru­fung ist aber nicht be­gründet. Mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt die Be­klag­te ver­ur­teilt, an den Kläger 32 ein Weih­nachts­geld für das Jahr 2006 in Höhe von EUR 1.354,08 (93facher St­un­den­lohn) brut­to zu zah­len.

1. Durch die Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des seit 1971 ist ein An­spruch auf Gewährung

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ei­ner sol­chen Gra­ti­fi­ka­ti­on aus be­trieb­li­cher Übung auch für die Zu­kunft ent­stan­den.

a. Un­ter ei­ner be­trieb­li­chen Übung wird die re­gelmäßige Wie­der­ho­lung be­stimm­ter Ver­hal­tens­wei­sen des Ar­beit­ge­bers ver­stan­den, aus de­nen die Ar­beit­neh­mer schließen können, ih­nen sol­le ei­ne Leis­tung oder ei­ne Vergüns­ti­gung auf Dau­er gewährt wer­den. Auf Grund ei­ner Wil­lens­erklärung, die vom Ar­beit­neh­mer still­schwei­gend an­ge­nom­men wird, § 151 BGB, er­wach­sen ver­trag­li­che Ansprüche auf die üblich ge­wor­de­nen Vergüns­ti­gun­gen. Da­bei kommt es für die Be­gründung ei­nes sol­chen An­spruchs durch be­trieb­li­che Übung nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­ge­ber mit Ver­pflich­tungs­wil­len ge­han­delt hat oder ob ihm ein sol­cher Wil­le fehl­te. Die Wir­kung ei­ner Wil­lens­erklärung oder ei­nes be­stimm­ten Ver­hal­tens tritt im Rechts­ver­kehr schon dann ein, wenn der Erklären­de aus der Sicht des Erklärungs­empfängers ei­nen auf ei­ne be­stimm­te Rechts­wir­kung ge­rich­te­ten Wil­len geäußert hat.

b. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wird durch ei­ne min­des­tens drei­ma­li­ge vor­be­halt­lo­se Gewährung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on, wenn nicht die Umstände des Fal­les ei­ne an­de­re Aus­le­gung be­din­gen, ei­ne Ver­pflich­tung des Ar­beit­ge­bers aus dem Ge­sichts­punkt der be­trieb­li­chen Übung be­gründet, mit der Fol­ge, dass er sich von die­ser Ver­pflich­tung nicht mehr ein­sei­tig los­sa­gen kann (ständi­ge
Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, vgl. z. B. Ur­teil vom 14. Au­gust 1996 – 10 AZR 69/96 – und vom 26. März 1997 – 10 AZR 612/96 -). Den An­spruch er­wer­ben auch die neu ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer, da von dem all­ge­mei­nen Er­fah­rungs­satz aus­zu­ge­hen ist, dass der­ar­ti­ge begüns­ti­gen­de Leis­tun­gen all­ge­mein be­kannt wer­den (vgl. BAG, Ur­teil vom 27. Ju­ni 2001 – 10 AZR 488/00 – und vom 28. März 2007 – 10 AZR 720/05 -).

c. Die Be­klag­te hat zunächst nach Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses das Weih­nachts­geld oh­ne jeg­li­chen Vor­be­halt ge­zahlt. Auch wenn die Be­rech­nung der Höhe des Weih­nachts­gel­des für die Jah­re vor 2002 nicht mehr im Ein­zel­nen auf­geklärt wer­den kann, so las­sen die für den Zeit­raum ab 1981 – un­vollständig – vor­leg­ten Lohn­ab­rech­nun­gen dar­auf schließen, dass der für das Jahr 2006 gel­tend ge­mach­te Be­trag in Höhe des 93-fa­chen St­un­den­sat­zes nicht die Be­mes­sung über­steigt, die vor 2002 galt. Dies wird von der Be­klag­ten auch nicht be­strit­ten.

2. Der für die Zu­kunft ent­stan­de­ne An­spruch auf Gewährung ei­nes Weih­nachts­gel­des ist nicht durch ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung ab dem Jahr 2002 be­sei­tigt wor­den.

a. Es ent­spricht der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, dass ein An­spruch aus be­trieb­li­cher Übung durch ei­ne geänder­te be­trieb­li­che Übung auf­ge­ho­ben wer­den kann. Mit ei­ner ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin­weg kann der Ar­beit­ge­ber dem Ar­beit­neh­mer ein ver­schlech­tern­des Ände­rungs­an­ge­bot un­ter­brei­ten, das al­ler­dings von die­sem an­ge­nom­men wer­den muss. Von ei­ner An­nah­me­erklärung kann der Ar­beit­ge­ber nicht nur dann aus­ge­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer aus­drück­lich sein Ein­verständ­nis erklärt, son­dern auch, wenn er nach Treu und Glau­ben und nach der Ver­kehrs­sit­te das Schwei­gen des Ar­beit­neh­mers als Zu­stim­mung zu der geänder­ten be­trieb­li­chen Übung an­se­hen darf. Das ist an­zu­neh­men, wenn er da­von aus­ge­hen darf, der Ar­beit­neh­mer wer­de der Ände­rung wi­der­spre­chen, wenn er mit die­ser nicht ein­ver­stan­den sei. Eben­so wie bei der Be­gründung ei­nes An­spruchs aus be­trieb­li­cher Übung kommt es nicht auf ei­nen tatsächlich vor­han­de­nen Ver­pflich­tungs­wil­len an, so­weit ein ent­spre­chen­der Rechts­bin­dungs­wil­le des Ar­beit­neh­mers je­den­falls aus ob­jek­ti­ver Sicht des Erklärungs­empfängers er­kenn­bar ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 4. Mai 1999 – 10 AZR 290/98 –, Ur­teil vom 27. Ju­ni 2001 – 10 AZR 488/00 – und Ur­teil vom 24. No­vem­ber 2004 – 10 AZR 202/04 -).

b. Da­bei gilt eben­so wie für die Be­gründung der be­trieb­li­chen Übung, dass In­halt und 

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Reich­wei­te ei­ner ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung, die sich aus tatsäch­li­chem Ver­hal­ten ab­lei­ten soll, un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les zu er­mit­teln ist. Zu­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung auf al­le Ar­beits­verhält­nis­se ein­wir­ken soll und sie da­her ähn­lich wie die Ver­wen­dung ei­nes For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges in die Nähe von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen kommt (vgl. da­zu: BAG, Ur­teil vom 28. März 2007 – 10 AZR 720/05 -). Da­mit sind auch be­son­de­re An­for­de­run­gen an die Klar­heit und Verständ­lich­keit bei der Be­gründung ei­ner ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung durch den Ar­beit­ge­ber zu stel­len (Arg. § 307 Abs. 1 S. 2 BGB). Be­reits vor In­kraft­tre­ten der Schuld­rechts­re­form hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt zur ge­genläufi­gen be­trieb­li­chen Übung aus­geführt, dass der Ar­beit­ge­ber in be­son­de­rer Wei­se klar und un­miss­verständ­lich zum Aus­druck brin­gen muss, er wol­le sich von der be­trieb­li­chen Übung lösen und ei­nen Rechts­an­spruch für die Zu­kunft nun­mehr aus­sch­ließen. Oh­ne ei­ne ent­spre­chen­de ein­deu­ti­ge Erklärung, die ins­be­son­de­re dar­auf ge­rich­tet ist, Ansprüche für die Zu­kunft aus­zu­sch­ließen, kann er nicht dar­auf ver­trau­en, dass der Ar­beit­neh­mer durch die wi­der­spruchs­lo­se Hin­nah­me der Zah­lung mit ei­ner Ände­rung der be­trieb­li­chen Übung ein­ver­stan­den ist (vgl. BAG, Ur­teil vom 4. Mai 1999 – 10 AZR 290/98 -).

c.) Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt er­kannt, dass al­lein ein feh­len­der Wi­der­spruch des Klägers ge­gen den ab 2002 auf den Lohn­ab­rech­nun­gen hand­schrift­lich ver­merk­ten Zu­satz, die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des sei ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung und be­gründe kei­nen Rechts­an­spruch, nicht ge­eig­net war, den An­spruch auf ein Weih­nachts­geld für das Jahr 2006 ent­fal­len zu las­sen.

Durch die­sen Ver­merk hat die Be­klag­te nicht hin­rei­chend deut­lich ei­ne Ab­sicht zum Aus­druck ge­bracht, die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des in der Zu­kunft ein­zu­stel­len.

Zunächst wur­de für den Kläger nicht er­kenn­bar, dass die Be­klag­te die ent­stan­de­ne be­trieb­li­che Übung ändern woll­te. Das Ar­beits­ge­richt hat be­reits dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Zu­satz auch als bloßer Hin­weis auf ei­ne be­reits be­ste­hen­de Rechts­la­ge an­ge­se­hen wer­den konn­te. Wei­ter ist zu be­ach­ten, dass der Hin­weis auf den Lohn­ab­rech­nun­gen mit ei­ner Ände­rung der Aus­zah­lungs­wei­se ein­her­ging. War in der Ver­gan­gen­heit das Weih­nachts­geld als Ein­mal­be­trag En­de des Jah­res ge­zahlt wor­den, so wur­de es jetzt in drei mo­nat­li­chen Ra­ten aus­ge­zahlt, wo­bei die letz­te Ra­te erst im neu­en Jahr ge­leis­tet wur­de. Mit dem Ver­merk konn­te da­her auch nur ge­meint sein, das Ab­wei­chen von der bis­he­ri­gen Aus­zah­lungs­wei­se zu recht­fer­ti­gen. Auch des­halb war die Be­klag­te ge­hal­ten, die völli­ge Ein­stel­lung der Zah­lung für die Zu­kunft an­zukündi­gen.

In den Ent­schei­dun­gen vom 26. März 1997 – 10 AZR 612/96 – und vom 4. Mai 1999 – 10 AZR 290/98 – hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung an­er­kannt für Vor­be­hal­te, in de­nen aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den war, dass "kein Rechts­an­spruch für die Zu­kunft" be­ste­he. Da­mit wur­de für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar, dass es nicht nur um ei­nen Hin­weis zu der wei­ter­hin ge­leis­te­ten Gra­ti­fi­ka­ti­on
ging (frei­wil­lig und oh­ne Rechts­an­spruch), son­dern dass die Ab­sicht be­stand, in Zu­kunft über­haupt kei­ne Zah­lung mehr zu er­brin­gen.

Wie wich­tig ei­ne so ein­deu­ti­ge Klar­stel­lung ist, hat auch die persönli­che Anhörung des Klägers in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung am 22. Ja­nu­ar 2008 er­ge­ben. Da­nach hat der Kläger zwar ei­nen Rechts­an­walt we­gen des hand­schrift­li­chen Ver­merks auf den Lohn­ab­rech­nun­gen im Jahr 2002 kon­sul­tiert. Un­ter­nom­men hat er aber nichts, weil die Be­klag­te das Weih­nachts­geld wei­ter­zahl­te, wenn auch in Ra­ten. Of­fen­sicht­lich sah er kei­nen Hand­lungs­be­darf, so­lan­ge der Weg­fall der Zah­lung nicht an­gekündigt wur­de.

Da es an ei­nem ein­deu­ti­gen und un­miss­verständ­li­chem Hin­weis auf die Ab­sicht, zukünf­tig

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die Zah­lung des Weih­nachts­gel­des ganz ein­zu­stel­len, fehlt, kann an sich da­hin­ste­hen, ob Vor­aus­set­zung für ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung darüber hin­aus ist, dass sich die Ände­rung un­mit­tel­bar aus­wirkt und der Ar­beit­neh­mer in Kennt­nis die­ser Aus­wir­kung wei­ter­ar­bei­tet. In den Ent­schei­dun­gen vom 14. Au­gust 1996 – 10 AZR 69/96 – und vom 26. März 1997 – 10 AZR 612/96 – hat der 10. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts die­ses Er­for­der­nis nur im Zu­sam­men­hang mit der Prüfung erörtert, ob schon nach der erst­ma­li­gen Be­kannt­ma­chung ei­nes Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts ei­ne still­schwei­gen­de Ver­tragsände­rung zu­stan­de ge­kom­men ist.

Al­ler­dings sei an­ge­merkt, dass nach An­sicht des Be­ru­fungs­ge­richts auf das zusätz­li­che Er­for­der­nis al­len­falls dann ver­zich­tet wer­den kann, wenn der Ar­beit­ge­ber ein­deu­tig sei­ne Ab­sicht, die Leis­tung künf­tig ganz ein­zu­stel­len, zum Aus­druck bringt und den Ar­beit­neh­mer zu­dem dar­auf hin­weist, dass er ei­nen feh­len­den Wi­der­spruch als Zu­stim­mung wer­tet. Zu­tref­fend hat das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Schwei­gen nach all­ge­mei­nem Ver­trags­recht an­ders zu be­wer­ten ist bei der Be­gründung ei­ner für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­gen be­trieb­li­chen Übung als beim Zu­stan­de­kom­men ei­ner für den Ar­beit­neh­mer ver­schlech­tern­den Abände­rung. Auch im Ar­beits­le­ben gilt als Ver­kehrs­sit­te, dass grundsätz­lich nur bei für den Ar­beit­neh­mer le­dig­lich vor­teil­haf­ten Geschäften von ei­ner still­schwei­gen­den An­nah­me aus­ge­gan­gen wer­den kann (vgl. da­zu: Pa­landt-Hein­richs, BGB, 62. Aufl., § 151 Rdn. 4).

3. Der Zins­an­spruch ist nach §§ 288, 286 BGB nur im er­kann­ten Um­fang ge­recht­fer­tigt. Durch die wi­der­spruchs­lo­se Hin­nah­me der Gewährung des Weih­nachts­gel­des in je­weils 3 Mo­nats­ra­ten seit min­des­tens 2002, ist ei­ne ent­spre­chen­de abändern­de be­trieb­li­che Übung ent­stan­den. Fällig war da­her das Weih­nachts­geld für das Jahr 2006 in 3 gleich ho­hen Ra­ten am 1. De­zem­ber 2006, 1. Ja­nu­ar 2007 und 1. Fe­bru­ar 2007.

4. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO. 

Die Re­vi­si­on war we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung des Rechts­streits hin­sicht­lich der An­for­de­run­gen an ei­ne ge­genläufi­ge be­trieb­li­che Übung zu­zu­las­sen.

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von 

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den. 

Die Re­vi­si­on muss 

in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat

schrift­lich beim 

Bun­des­ar­beits­ge­richt 

Hu­go-Preuß-Platz 1 

99084 Er­furt 

Fax: (0361) 2636 - 2000

ein­ge­legt wer­den. 

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Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein. 

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

(Schwartz)

(Dumm)

(Be­cker)

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