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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten, Eingruppierung, Eingruppierung: Betriebsrat, Betriebsrat: Eingruppierung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 26 TaBV 174/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 24.06.2010
   
Leit­sätze:

1. Der Mit­be­ur­tei­lung des Be­triebs­rats un­ter­liegt - im In­ter­es­se ei­ner größeren Gewähr für die Rich­tig­keit der vor­ge­nom­me­nen Ein­grup­pie­rung und der gleichmäßigen An­wen­dung der Vergütungs­ord­nung im Be­trieb - auch die Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob die wei­te­ren Tätig­keits­merk­ma­le für die Gewährung ei­ner Zu­la­ge und da­mit ei­ner höhe­ren Vergütung erfüllt sind.

2. Nr. 6.2 GTV macht den An­spruch auf ei­ne Team­lei­ter­zu­la­ge von zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abhängig, die dem für die Ein­grup­pie­rung nach 7.1 GTV maßgeb­li­chen Be­wer­tungs­sys­tem ent­nom­men sind.

3. Ein Ein­verständ­nis des Ar­beit­neh­mers hätte dem Zu­stim­mungs­er­for­der­nis nicht ent­ge­gen­ge­stan­den. Das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG dient vor al­lem dem Schutz der In­ter­es­sen der Be­leg­schaft und da­ne­ben auch dem Schutz des ein­zel­nen, von der per­so­nel­len Maßnah­me be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers (vgl. BAG 20. Sep­tem­ber 1990 - 1 ABR 37/90 - AP Nr. 84 zu § 99 Be­trVG 1972 = NZA 1991, 195 = EzA § 99 Be­trVG Nr. 95, zu B II 3 der Gründe). Die Vor­aus­set­zun­gen für die im Rah­men von Ver­set­zun­gen teil­wei­se ge­mach­ten Aus­nah­men la­gen hier nicht vor.

4. Das Mit­be­ur­tei­lungs­recht des Be­triebs­rats bei Ein- und Um­grup­pie­run­gen dient im We­sent­li­chen ei­ner gleichmäßigen An­wen­dung der Lohn- und Ge­halts­grup­pen zwecks in­ner­be­trieb­li­cher Lohn­ge­rech­tig­keit und Trans­pa­renz und geht da­mit über die In­ter­es­sen des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers hin­aus.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Beschluss vom 4.12.2009, 6 BV 10550/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 24. Ju­ni 2010

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

26 TaBV 174/10

6 BV 10550/09
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

M., VA
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Be­schluss

In dem Be­schwer­de­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

pp 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 26. Kam­mer,
auf die münd­li­che Anhörung vom 24. Ju­ni 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin R. und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter S.

be­schlos­sen:

1. Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 04.12.2009 – 6 BV 10550/09 - ab­geändert und der An­trag der Ar­beit­ge­be­rin ab­ge­wie­sen.

2. Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

 

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Gründe:

I. Die Be­tei­lig­ten strei­ten im Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren über die zu­tref­fen­de Ein­grup­pie­rung ei­nes Team­lei­ters Ein­satz­steue­rung.

Die Ar­beit­ge­be­rin – ein Un­ter­neh­men der Te­le­fon- und Da­ten­tech­nik – wen­det in dem Be­trieb, für den der Be­triebs­rat er­rich­tet ist, die Ta­rif­verträge für die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie in Ber­lin und Bran­den­burg an. Da­zu gehört ein Ge­halts­ta­rif­ver­trag (GTV). Die­ser sieht für die An­ge­stell­ten im hier re­le­van­ten Be­reich sechs Ge­halts­grup­pen (G1 bis G6) vor. Das Be­leg­schafts­mit­glied M. B. ist auf ei­ge­nen Wunsch zum 1. Fe­bru­ar 2008 auf die Stel­le im Rah­men der Ein­satz­steue­rung ver­setzt wor­den. Dies mach­te ei­ne Um­grup­pie­rung er­for­der­lich. In­so­weit be­steht un­ter den Be­tei­lig­ten kein Streit darüber, dass Herr B. nicht mehr die Vor­aus­set­zun­gen der Ge­halts­grup­pe 6, son­dern nur noch die der Ge­halts­grup­pe 4 erfüllt. Der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer nahm ei­ne ge­rin­ge­re Vergütung in Kauf. Strei­tig ist un­ter den Be­tei­lig­ten al­lein, ob die Re­ge­lung un­ter Nr. 6.2 des Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges (Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge) ei­ne Vergütungs­stu­fe be­inhal­tet, al­so ein Mit­be­ur­tei­lungs­recht des Be­triebs­rats auslöst, und ob der Mit­ar­bei­ter B. als Dis­patcher die dort fest­ge­leg­ten An­for­de­run­gen erfüllt. Der zu der Um­grup­pie­rung an­gehörte Be­triebs­rat wi­der­sprach die­ser frist­ge­recht mit Schrei­ben vom 4. Fe­bru­ar 2008. Er be­gründe­te das da­mit, dass bei der Um­grup­pie­rung die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge nach Nr. 6.2 des Ta­rif­ver­tra­ges zu berück­sich­ti­gen sei. Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg gab der Ar­beit­ge­be­rin mit Be­schluss vom 18. März 2009 - 23 TaBV 2455/08 - auf, ein Zu­stim­mungs­er­set­zungs­ver­fah­ren durch­zuführen, was die­se nicht für er­for­der­lich ge­hal­ten hat­te. Dem kommt die Ar­beit­ge­be­rin mit dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nach.

Der Ta­rif­ver­trag be­schreibt die An­for­de­run­gen der Ge­halts­grup­pe 4 wie folgt:

„Tätig­kei­ten, die in der ver­ant­wort­li­chen Er­le­di­gung schwie­ri­ger Auf­ga­ben nach all­ge­mei­nen Richt­li­ni­en be­ste­hen und die be­son­de­re Fach­kennt­nis­se, Er­fah­run­gen und Fähig­kei­ten vor­aus­set­zen.“

Die ta­rif­li­che Re­ge­lung zur Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge (Nr. 6.2 GTV) lau­tet:

„Grup­pen­lei­ter/Grup­pen­lei­te­rin­nen er­hal­ten für die Dau­er ih­res Vor­ge­setz­ten­verhält­nis­ses ei­ne Zu­la­ge in Höhe von 10 % bis 15 % des An­fangs­ge­hal­tes ih­rer Ge­halts­grup­pe.

In­ner­halb des be­zeich­ne­ten Spiel­raums un­ter­liegt die Zu­la­ge im Ein­zel­fall der frei­en Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und den ein­zel­nen Beschäftig­ten.

Grup­pen­lei­ter/Grup­pen­lei­te­rin ist ein/ei­ne un­mit­tel­bar un­ter der Geschäfts- und Be­triebs­lei­tung oder ei­nem/ei­ner Ab­tei­lungs­lei­ter/Ab­tei­lungs­lei­te­rin ar­bei­ten­der Vor­ste­her/ar­bei­ten­de Vor­ste­he­rin ei­ner selbständi­gen Dienst­stel­le, dem/der an­de­re Beschäftig­te, und zwar min­des­tens sechs An­gehöri­ge der Ge­halts­grup­pe 1 oder min­des­tens 3 An­gehöri­ge höhe­rer Grup­pen un­ter­stellt sind, de­nen er/sie im Auf­tra­ge von Vor­ge­setz­ten die Ar­beit zu­weist und ih­re Ausführung über­wacht.

Nicht als Grup­pen­lei­ter/Grup­pen­lei­te­rin­nen sind bei­spiels­wei­se an­zu­se­hen

 

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Ab­tei­lungs­lei­ter/Ab­tei­lungs­lei­te­rin, die der Geschäfts- oder Be­triebs­lei­tung für ein ab­ge­schlos­se­nes Ar­beits­ge­biet, wie Kas­sen­we­sen, Buch­hal­tung, Kal­ku­la­ti­on, Ter­mins­we­sen, Kon­struk­ti­on usw. ver­ant­wort­lich sind, wie sie vor­nehm­lich in die obers­te Ge­halts­grup­pe fal­len.“

Der Mit­ar­bei­ter B. ist ei­ner von meh­re­ren Dis­patchern der Ar­beit­ge­be­rin. Die­se ar­bei­ten ge­mein­sam in Ber­lin. Ih­nen sind zur ei­genständi­gen Be­ar­bei­tung je­weils kon­kre­te Re­gio­nen zu­ge­wie­sen. In der Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur der Ar­beit­ge­be­rin war und ist der Be­reich Dis­patching ei­nem an­de­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zu­ge­wie­sen als der der Tech­ni­ker. Die Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten der Feld­tech­ni­ker sind in den ein­zel­nen Re­gio­nen an­ge­sie­delt.

Mit der Stel­len­aus­schrei­bung, auf die sich der Mit­ar­bei­ter B. be­wor­ben hat, ist ei­ne Stel­le ei­nes/ei­ner „Team­lei­ter/-in Ein­satz­steue­rung“ aus­ge­schrie­ben wor­den. We­gen des In­halts der Aus­schrei­bung wird auf die An­la­ge A1 der An­trags­schrift der Ar­beit­ge­be­rin Be­zug ge­nom­men. In der Be­triebs­ver­ein­ba­rung der Be­tei­lig­ten vom 2. Ok­to­ber 2007 zur Ände­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on bei der Ar­beit­ge­be­rin heißt es zum Be­reich Dis­patching un­ter Nr. 1 u.a.:

„Die Sup­port­tech­ni­ker wer­den fach­lich über die Dis­patcher in Ber­lin ge­steu­ert und er­hal­ten von den Dis­patchern ih­re Auf­träge (zB. Störungs­be­sei­ti­gung und Klein­aufträge). Die dis­zi­pli­na­ri­sche Steue­rung er­folg­te über die Ab­tei­lungs­lei­ter Sup­port der Re­gio­nen. Die­se bis­he­ri­ge Auf­ga­ben­stel­lung des Dis­patching bleibt un­verändert be­ste­hen. Die Dis­patcher fun­gie­ren als funk­tio­na­le Vor­ge­setz­te…“

In ei­ner Stel­lung­nah­me des Vor­ge­setz­ten des Mit­ar­bei­ters B. zu des­sen Auf­ga­ben wer­den die­se wie folgt be­schrie­ben:

“Kom­plet­te Steue­rung der Ser­vice­tech­ni­ker
Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung FTF 90 %
Pla­nung al­ler Vor­ort Ak­ti­vitäten
SUB-Einsätze pla­nen und ver­ant­wor­ten
Spa­re Part Be­stel­lung
Re­kla­ma­ti­ons­be­ar­bei­tung (fach­lich) der Vor­ort Einsätze
Vor­be­rei­tung der Leis­tungs­be­ur­tei­lung (fach­lich) – Eher we­ni­ger, wird auf An­for­de­rung des re­gio­na­len Lei­ters un­terstützend durch den Dis­patcher in der Re­gi­on durch­geführt.
Aus­gleich der Tech­ni­ker­ka­pa­zität über Re­gi­ons­gren­zen hin­weg
Be­auf­tra­gung von Dienst­leis­tern, z.B. Com­plan, Me­da­tel …
Er­stel­len und Über­wa­chen der Be­reit­schafts­pläne – Wird in der Re­gi­on er­stellt.
Aus­ar­bei­tung von al­ter­na­ti­ven Lösungs­ansätzen bei Sup­port­pro­ble­men
Über­prüfung und Frei­ga­be der Rech­nun­gen für Dienst­leis­tun­gen
Er­ar­bei­ten von Ver­bes­se­run­gen im Sup­port­pro­zess
Ein­griff in je­den Ser­vice-Teil­pro­zess bei Es­ka­la­tio­nen
Ana­ly­se ver­schie­de­ner Sta­tis­ti­ken und Ein­lei­ten ent­spre­chen­der Maßnah­men
Lösun­gen er­ar­bei­ten für Pro­ble­me, die nicht über un­se­re Pro­zes­se ab­ge­deckt sind
Si­cher­stel­lung der ak­tu­el­len Aus­las­tung der Sup­port­tech­ni­ker und Si­cher­stel­lung des Ab­baus von Frei­zeit­gut­ha­ben“

In der Stel­len­be­schrei­bung heißt es:


1. Funk­ti­on (Ar­beits­platz­be­zeich­nung): Team­lei­ter/Dis­patcher
2. Haupttätig­keit: Steue­rung der Field Tech­ni­ker/Be­ar­bei­tung von Kun­den­re­kla­ma­tio­nen bei Zeitüber­schrei­tun­gen/Aus­gleich der Kun­den­dienst­ka­pa­zität über die Be­zirks­gren­zen hin­weg
3. Be­deu­tung und Um­fang des Auf­ga­ben­ge­bie­tes: Si­cher­stel­lung ei­nes rei­bungs­lo­sen Kun­den­dienst­ab­laufs un­ter Be­ach­tung von Störungs­prio­ritäten und Be­deu­tung der Kun­den
4. Art der Ar­beits­kon­trol­le durch den Fach­vor­ge­setz­ten: Fach­kon­trol­len/ -gespräche
5. Zu führen­de Mit­ar­bei­ter: nur Fachführung: 10 An­ge­stell­te – Wel­che Funk­tio­nen ha­ben ih­re Mit­ar­bei­ter: Tech­ni­ker“

 

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In der An­lei­tung der Ar­beit­ge­be­rin zur Er­stel­lung der Ar­beits­platz­be­schrei­bun­gen heißt es zu dem Be­griffs­paar Fach­vor­ge­setz­te/Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te u.a.:

„Fach­vor­ge­setz­te sind für den Ein­satz, das An­lei­ten und Be­auf­sich­ti­gen (=Kon­trol­le der Ar­beits­er­geb­nis­se) von Mit­ar­bei­tern ver­ant­wort­lich. Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te ha­ben die per­so­nalführungsmäßige Ver­ant­wor­tung für die Mit­ar­bei­ter. In vie­len Fällen sind Fach­vor­ge­setz­te und Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te ein und die­sel­be Per­son.“

Den Dis­patchern steht ein kon­kre­ter Mit­ar­bei­ter­stamm zur Verfügung (sog. Field-Tech­ni­ker). Die Dis­patcher steu­ern de­ren Einsätze und kon­trol­lie­ren die Er­geb­nis­se.

Die ih­nen je­weils zu­ge­wie­se­nen re­gio­na­len Be­rei­che or­ga­ni­sie­ren sie selbständig. Störmel­dun­gen ge­hen im sog. „Wel­co­me-Cen­ter“ der Ar­beit­ge­be­rin ein. So­dann wer­den sie im Tech­ni­cal As­sis­tent Cen­ter (TAC) be­ar­bei­tet. Das TAC er­stellt ei­nen Lösungs­vor­schlag in­cl. ei­nes Er­satz­teil­dia­gramms. Die Dis­patcher grei­fen auf die­se Vor­schläge zu und or­ga­ni­sie­ren so­dann den Ein­satz der Tech­ni­ker. Sie ent­schei­den, wel­cher Tech­ni­ker mit wel­cher Qua­li­fi­ka­ti­on für den Ein­satz ge­eig­net ist. Sie ent­schei­den, für wel­chen Zeit­raum sie die Störungs­be­sei­ti­gung an­set­zen. Der Dis­patcher setzt da­bei Prio­ritäten un­ter Berück­sich­ti­gung der Verträge der je­wei­li­gen Kun­den. Ggf. zieht er bei ent­spre­chen­dem Be­darf den Tech­ni­ker von ei­nem Kun­den ab, um ihn zu ei­nem an­de­ren Kun­den zu schi­cken. Darüber hin­aus be­stellt er auch die Er­satz­tei­le. Außer­dem gibt er die Vor­schläge an die Tech­ni­ker wei­ter. Er setzt die Tech­ni­ker zur Pro­blem­ber­ei­ni­gung ein. Kann die Störung nicht be­sei­tigt wer­den, mel­den sich die Tech­ni­ker bei den Dis­patchern. Die­se las­sen idR. durch das TAC ei­nen Lösungs­vor­schlag er­stel­len. Sie lei­ten die Vor­schläge so­dann an die Tech­ni­ker vor Ort wei­ter. Teil­wei­se wen­den sich die Dis­patcher auch di­rekt an die Her­stel­ler. Bei ei­ge­nem Er­fah­rungs­wis­sen ma­chen sie auch un­mit­tel­bar Vor­schläge. An­ge­sichts der vor­han­de­nen fach­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on der Feld­tech­ni­ker sind kon­kre­te fach­li­che Wei­sun­gen durch die Dis­patcher die Aus­nah­me. Die Dis­patcher le­gen da­bei – un­ter Berück­sich­ti­gung der Vor­ga­ben des TAC - fest, wer wel­che Tätig­keit aus­zuüben hat. Sie be­stim­men in­so­weit den Ta­ges­ab­lauf der Feld­tech­ni­ker. Da­bei berück­sich­ti­gen sie de­ren Ar­beits­zeit­kon­ten. So­weit er­for­der­lich, ord­nen sie auch darüber hin­aus Einsätze an.

Die Dis­patcher wa­ren und sind be­rech­tigt, zur Erfüllung ih­rer Auf­ga­ben Fremd­un­ter­neh­men zu be­auf­tra­gen. Die Ent­schei­dung ob­lag früher in der Re­gel al­lein ih­nen. Ei­ne Aus­nah­me gab es bei der Be­auf­tra­gung be­stimm­ter Spe­zi­al­un­ter­neh­men. Bis zu Beträgen in Höhe von 1.000 Eu­ro konn­ten sie bei der Be­auf­tra­gung von Spe­zi­al­un­ter­neh­men Auf­träge nur mit Zu­stim­mung ih­rer Vor­ge­setz­ten, Frau Sch., er­tei­len. Bei höhe­ren Sum­men wa­ren über­ge­ord­ne­te Vor­ge­set­ze zuständig. Heu­te steht den Dis­patchern ge­ne­rell ein ei­ge­ner Ent­schei­dungs­spiel­raum bis zu 250 Eu­ro zu. Bei al­len darüber hin­aus­ge­hen­den Beträgen ist nun ei­ne Ge­neh­mi­gung des Ser­vice-Di­rek­tors ein­zu­ho­len.

 

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Die Dis­patcher ha­ben dar­auf zu ach­ten, dass je­weils die güns­tigs­te Ein­satz­va­ri­an­te gewählt wird. Über ein fes­tes Bud­get verfügen sie für ih­re Auf­ga­ben nicht.

Zur Er­geb­nisüber­prüfung tei­len die Tech­ni­ker mit, ob der Ein­satz durch­geführt wor­den ist und ob er er­folg­reich war. Darüber hin­aus er­folgt ei­ne de­tail­lier­te Stel­lung­nah­me, der zu ent­neh­men ist, wie die Auf­ga­be aus­geführt wor­den ist. Je nach Auf­trag und Ver­trags­ge­stal­tung er­folgt auch bei Kun­den ei­ne Rück­spra­che durch die Dis­patcher. Es geht da­bei in der Re­gel um Er­geb­nis­kon­trol­len. Die Feld­tech­ni­ker tei­len den Dis­patchern ih­ren Zeit- und Ma­te­ri­al­auf­wand mit. Die­se Da­ten wer­den durch die Dis­patcher in ein Pro­gramm ein­ge­ge­ben. Dar­aus wer­den so­dann die Rech­nun­gen er­stellt.

Die Dis­patcher tref­fen kei­ne dis­zi­pli­na­ri­schen Ent­schei­dun­gen. Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te sind die je­wei­li­gen re­gio­na­len Ser­vice­lei­ter. Die­se führen auch die Mit­ar­bei­ter­gespräche. In den Stel­len­be­schrei­bun­gen der sog. Field-Ser­vice-Lei­ter, wel­che den re­gio­na­len Ser­vice­lei­tun­gen in der neu­en Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur ab 2010 un­ter­stellt sind, sind die­se nun als Fach­vor­ge­setz­te der Feld­tech­ni­ker be­zeich­net, so die Ar­beit­ge­ber­ver­tre­te­rin­nen in der Sit­zung vom 24. Ju­ni 2010. Un­ter den Be­tei­lig­ten ist zu­gleich un­strei­tig, dass sich die Auf­ga­ben der Dis­patcher im Rah­men der Um­struk­tu­rie­run­gen der letz­ten Jah­re nicht verändert ha­ben. Die Ar­beits­er­geb­nis­se der Dis­patcher wer­den nicht in der Re­gi­on, son­dern durch die Vor­ge­setz­ten der Dis­patcher über­prüft. Die Dis­patcher er­stel­len kei­ne Be­ur­tei­lun­gen für die Tech­ni­ker. Ih­nen ob­liegt es aber, Be­ur­tei­lungs­beiträge zu er­stel­len. Zu den Auf­ga­ben der Dis­patcher gehört die Ur­laubs­pla­nung. Die Feld­tech­ni­ker spre­chen da­zu ih­re Ur­laubswünsche mit den Dis­patchern ab. Die Dis­patcher schla­gen die Feld­tech­ni­ker zu den durch die Ar­beit­ge­be­rin an­ge­bo­te­nen Schu­lun­gen vor. Die Ent­schei­dun­gen über die Ur­laubs­anträge und die Schu­lungs­teil­nah­me tref­fen letzt­lich die Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, dem Zu­stim­mungs­er­set­zungs­an­trag sei schon des­halb statt­zu­ge­ben, weil der Beschäftig­te sich selbst auf die Stel­le be­wor­ben ha­be und die da­mit ver­bun­de­ne ge­rin­ge­re Ent­loh­nung be­wusst in Kauf ge­nom­men ha­be. Außer­dem stel­le die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge kei­ne Vergütungs­grup­pe dar. Die Ge­halts­grup­pen 4, 5 und 6 ent­hiel­ten als Tätig­keits­merk­mal ua. be­stimm­te, je­weils näher de­fi­nier­te Lei­tungs­auf­ga­ben. Da­her ste­he be­reits auf­grund der vor­ge­nom­me­nen Ein­grup­pie­rung in ei­ne Fall­grup­pe fest, wel­chen An­ge­stell­ten ei­ne Zu­la­ge zu­ste­he. Dem ste­he nicht ent­ge­gen, dass die Zu­la­ge zu­dem vor­aus­set­ze, dass der Ar­beit­neh­mer ei­ner selbständi­gen Dienst­stel­le vor­ste­hen müsse und ihm an­de­re Mit­ar­bei­ter un­ter­stellt sein müss­ten. Die­se For­mu­lie­rung sei der­art all­ge­mein ge­hal­ten, dass da­mit al­le Ar­beit­neh­mer er­fasst sei­en, de­nen Lei­tungs­auf­ga­ben zu­ge­wie­sen sei­en. So stim­me das An­for­de­rungs­pro­fil für die Tätig­keit der Dis­patcher mit den Tätig­keits­merk­ma­len der Ge­halts­grup­pe 4 „Er­le­di­gen von Ein­kaufs- und Ver­kaufs­vorgängen mit be­grenz­ter Dis­po­si­ti­ons­be­fug­nis“ bzw. „Lei­ten von Werkstätten oder Un­terstützen des

 

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Lei­ters/der Lei­te­rin von um­fang­rei­chen Be­triebs­ab­tei­lun­gen“ übe­rein. Was aber für die Ein­ord­nung in ei­ne be­stimm­te Ge­halts­grup­pe maßgeb­lich sei, könne nicht zu­gleich Ge­gen­stand der Zu­la­ge oder Zwi­schen­stu­fe iSd. BAG-Recht­spre­chung sein. Auch die Höhe der Zu­la­ge stel­le kein Tätig­keits­merk­mal dar. Es han­de­le sich al­len­falls um ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge. Dass es sich bei der Zu­la­ge nicht um ei­ne Vergütungs­stu­fe han­deln sol­le, las­se sich auch der nur ent­spre­chen­den An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung für den Zeit­punkt der Höher­stu­fung auf die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge ent­neh­men. Außer­dem erfülle die Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers B. auch nicht die An­for­de­run­gen der Zu­la­ge. Die Be­zeich­nung der Stel­le mit „Team­lei­ter“ und das in der Stel­len­aus­schrei­bung ent­hal­te­ne An­for­de­rungs­pro­fil sei­en ir­reführend. Den Dis­patchern sei­en kei­ne Ar­beit­neh­mer un­ter­stellt. Sie über­wach­ten sie auch nicht. Tatsächlich ge­he es um den ef­fi­zi­ent zu ge­stal­ten­den Ein­satz der Feld­tech­ni­ker, was auch als Res­sour­cen­ma­nage­ment be­zeich­net wer­de. Dis­zi­pli­na­ri­sche und fach­li­che Führungs­kom­pe­tenz lägen al­lein beim je­wei­li­gen Pro­jekt­lei­ter (fach­lich) bzw. Ab­tei­lungs­lei­ter (dis­zi­pli­na­risch). Die­se könn­ten auch je­der­zeit in das sog. Res­sour­cen­ma­nage­ment bzw. die Pla­nung ein­grei­fen.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt,

die Zu­stim­mung zur Um­grup­pie­rung des Beschäftig­ten Mar­ko B. von der Ge­halts­grup­pe 6 in die Ge­halts­grup­pe 4 des Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges für die An­ge­stell­ten der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Ber­lin und Bran­den­burg Ta­rif­ge­biet 2 vom 9. Mai 2007 zu er­set­zen.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt, den An­trag zurück­zu­wei­sen. Die Ge­halts­grup­pe 4 knüpfe ge­ra­de nicht an Lei­tungs­auf­ga­ben an, die an­de­ren Ge­halts­grup­pen nicht un­ein­ge­schränkt. Die Zu­la­gen­re­ge­lung für die Grup­pen­lei­ter ent­hal­te ei­ge­ne Merk­ma­le. Der Ar­beit­neh­mer B. ste­he auch ei­ner selbständi­gen Dienst­stel­le vor, nämlich mehr als zehn Tech­ni­kern der Ge­halts­grup­pen 4 und 5, wo­bei Letz­te­res un­strei­tig ist. Ei­ne dis­zi­pli­na­ri­sche Führungs­kom­pe­tenz wer­de für die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge ge­ra­de nicht ver­langt. Der mo­der­ne­re Be­griff „Steue­rung“ mei­ne hier die Zu­wei­sung der Ar­beit und die Über­wa­chung ih­rer Ausführung.

Das Ar­beits­ge­richt hat dem An­trag der Ar­beit­ge­be­rin statt­ge­ge­ben und die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Um­grup­pie­rung in die Ge­halts­grup­pe 4 er­setzt. Es hat sei­ne Ent­schei­dung da­mit be­gründet, dass die Zu­la­gen­re­ge­lung kein Ein­grup­pie­rungs­merk­mal be­inhal­te. Die Zu­la­ge knüpfe nicht an Ein­grup­pie­rungs­merk­ma­le ei­ner nied­ri­ge­ren Vergütungs­grup­pe an, da die An­zahl der un­ter­stell­ten Mit­ar­bei­ter in den Ge­halts­grup­pen kein not­wen­di­ges Ein­grup­pie­rungs­merk­mal dar­stel­le.

Der Be­triebs­rat hat ge­gen die ihm am 8. Ja­nu­ar 2010 zu­ge­stell­te Ent­schei­dung am 26. Ja­nu­ar 2010 Be­schwer­de ein­ge­legt und die­se mit sei­nem am 1. März 2010 beim

 

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Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet. Zur Be­gründung wie­der­holt und ver­tieft er im We­sent­li­chen sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. Bei der Zu­la­ge nach Nr. 6.2 GTV han­de­le ist sich um ei­ne Zwi­schen­stu­fen­re­ge­lung, die nur aus Ver­ein­fa­chungs­gründen text­lich vor­weg­ge­nom­men wor­den sei.

Er be­an­tragt,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 4. De­zem­ber 2009 – 6 BV 10550/09 – ab­zuändern und den An­trag der Ar­beit­ge­be­rin ab­zu­wei­sen.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt, die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen. Es ste­he be­reits auf­grund der vor­ge­nom­me­nen Ein­grup­pie­rung in die Vergütungs­grup­pen fest, wel­chen An­ge­stell­ten ei­ne Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge zu­ste­he. So er­ge­be sich be­reits aus der Präam­bel zu der Ge­halts­grup­pe 6, dass die­se Wei­sungs­be­fug­nis­se vor­aus­set­ze. Da­mit sei je­dem in die Ge­halts­grup­pen ein­grup­pier­ten Mit­ar­bei­ter die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge zu gewähren. Im Übri­gen hätten die Dis­patcher auch kei­ner­lei Lei­tungs- oder Vor­ge­setz­ten­be­fug­nis­se in fach­li­cher oder dis­zi­pli­na­ri­scher Hin­sicht. In­so­weit ver­weist sie ins­be­son­de­re auf die dem Schrift­satz vom 26. Mai 2010 als An­la­ge bei­gefügten Or­ga­ni­sa­ti­ons­dia­gram­me für die Jah­re 2007 bis heu­te. Das feh­len­de Un­ter­stel­lungs­verhält­nis er­ge­be sich dar­aus, dass Dis­patcher und Feld­tech­ni­ker ver­schie­de­nen Be­rei­chen in­ner­halb der Struk­tur zu­ge­ord­net sei­en. Aus der Ko­or­di­na­ti­on er­ge­be sich kein Un­ter­stel­lungs­verhält­nis. Die Stel­len­be­schrei­bung der „Team­lei­ter“ sei miss­verständ­lich. Fol­ge ein Feld­tech­ni­ker den Wei­sun­gen der Dis­patcher nicht, was bis­her nicht be­kannt ge­wor­den sei, sei der Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te – jetzt der Ser­vice­lei­ter – durch den Dis­patcher zu in­for­mie­ren, der dann für die Dis­zi­pli­nar­maßnah­men zuständig sei, was in­so­weit nicht strei­tig ist.

We­gen der Ein­zel­hei­ten wird Be­zug ge­nom­men auf die Schriftsätze der Be­tei­lig­ten vom 26. Fe­bru­ar, 12. April, 26. Mai und 17. Ju­ni 2010 so­wie auf die Pro­to­kol­le der Erörte­rungs­ter­mi­ne vom 5. Mai und vom 24. Ju­ni 2010.

II. Die Be­schwer­de ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­reicht und be­gründet wor­den. Die Be­schwer­de hat auch in der Sa­che Er­folg. Die Ta­rif­part­ner ha­ben mit der Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge je­den­falls zwi­schen den Ge­halts­grup­pen 4 und 5 ei­ne Zwi­schen­stu­fe ein­gefügt. Der Mit­ar­bei­ter B. erfüllt als Dis­patcher auch de­ren An­for­de­run­gen.

1) Der Be­triebs­rat hat bei der Ent­schei­dung darüber, ob ei­nem Ar­beit­neh­mer ei­ne Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge nach Nr. 6.2 GTV zu gewähren ist, mit­zu­be­stim­men. Bei der Fra­ge, ob die Vor­aus­set­zun­gen für sie vor­lie­gen, han­delt sich um ei­ne Ein­grup­pie­rung/Um­grup­pie­rung i.S.d. § 99 Be­trVG.

a) Bei der Mit­be­stim­mung im Rah­men von Ein­grup­pie­run­gen/Um­grup­pie­run­gen han­delt es sich um ein Mit­be­ur­tei­lungs­recht und nicht um ein Mit­ge­stal­tungs­recht. Die

 

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Ein­grup­pie­rung des Ar­beit­neh­mers in ei­ne im Be­trieb an­ge­wand­te Lohn- oder Ge­halts­grup­pen­ord­nung ist kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Maßnah­me, son­dern ein Akt der Rechts­an­wen­dung. Die Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG soll da­zu bei­tra­gen, dass die­se Rechts­an­wen­dung möglichst zu­tref­fen­de Er­geb­nis­se er­zielt. Sie dient der ein­heit­li­chen und gleichmäßigen An­wen­dung der Vergütungs­ord­nung in glei­chen und ver­gleich­ba­ren Fällen, da­mit der in­ner­be­trieb­li­chen Lohn­ge­rech­tig­keit und der Trans­pa­renz der be­trieb­li­chen Vergütungs­pra­xis. Da­bei ist es oh­ne Be­deu­tung, ob der Be­ur­tei­lungs­akt ei­ne Ein­grup­pie­rung zum Ge­gen­stand hat oder ei­ne Um­grup­pie­rung. Un­ter ei­ner Um­grup­pie­rung im Sin­ne des § 99 Be­trVG ist die Fest­stel­lung des Ar­beit­ge­bers zu ver­ste­hen, dass die Tätig­keit des Ar­beit­neh­mers nicht - oder nicht mehr - den Tätig­keits­merk­ma­len der­je­ni­gen Ka­te­go­rie ent­spricht, in die er ein­grup­piert ist. An­lass für die­se Fest­stel­lung kann ei­ne Ände­rung der Tätig­keit sein, ei­ne Ände­rung des Ent­gelt­sche­mas oder aber ei­ne veränder­te Einschätzung der Rechts­la­ge durch den Ar­beit­ge­ber. Um­grup­pie­run­gen un­ter­lie­gen nach § 99 Be­trVG in glei­cher Wei­se der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats wie Ein­grup­pie­run­gen (vgl. BAG 2. April 1996 - 1 ABR 50/95 - AP Nr. 7 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­grup­pie­rung = NZA 1996, 1105 = EzA § 99 Be­trVG 1972 Nr. 138, zu B II 1 a der Gründe).

Ge­gen­stand der Ein- oder Um­grup­pie­rung ist die Ein­ord­nung des Ar­beit­neh­mers in ein kol­lek­ti­ves Ent­gelt­sche­ma. Ein sol­ches Sche­ma ist da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass es die ein­zel­nen Tätig­kei­ten in ver­schie­de­ne Ka­te­go­ri­en ein­teilt und da­bei ei­ne Be­wer­tung vor­nimmt, die sich in der Höhe des Ar­beits­ent­gelts äußert. Nach dem dar­ge­stell­ten Zweck des Mit­be­stim­mungs­rechts kann es für die Fra­ge, ob ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Ein­grup­pie­rung vor­liegt, nicht dar­auf an­kom­men, wie die ein­zel­nen Stu­fen oder Ka­te­go­ri­en des Vergütungs­sche­mas be­zeich­net sind. Nicht nur die Zu­ord­nung zu aus­drück­lich so ge­nann­ten Vergütungs-, Lohn- oder Ge­halts-"grup­pen" kann ei­ne Ein- oder Um­grup­pie­rung im Sin­ne des § 99 Be­trVG dar­stel­len, son­dern auch die Fest­stel­lung, dass ein Ar­beit­neh­mer die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne be­stimm­te Zu­satz­leis­tung erfüllt, die nach dem Ent­gelt­sche­ma we­gen der höhe­ren Be­wer­tung sei­ner Tätig­keit zu zah­len ist. Ein in meh­re­re Ge­halts­grup­pen un­ter­glie­der­tes Vergütungs­sys­tem kann durch Zu­la­gen, die je­weils ei­nen Teil des zwi­schen zwei Vergütungs­grup­pen be­ste­hen­den Ab­stan­des aus­glei­chen, fak­tisch um Zwi­schen­grup­pen er­wei­tert wer­den. Die Fest­stel­lung, dass ein Ar­beit­neh­mer An­spruch auf ei­ne sol­che Zu­la­ge hat, ist nichts an­de­res als ei­ne Ein­grup­pie­rung. Wenn es Sinn der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats bei Ein- und Um­grup­pie­run­gen ist, dem Be­triebs­rat bei der An­wen­dung der je­wei­li­gen Vergütungs­ord­nung im In­ter­es­se ei­ner größeren Gewähr für die Rich­tig­keit der vor­ge­nom­me­nen Ein­grup­pie­rung und der gleichmäßigen An­wen­dung der Vergütungs­ord­nung im Be­trieb ein Mit­be­ur­tei­lungs­recht zu ge­ben, dann muss die­ser Mit­be­ur­tei­lung des Be­triebs­rats auch die Be­ant­wor­tung der Fra­ge un­ter­lie­gen, ob die

 

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wei­te­ren Tätig­keits­merk­ma­le für die Gewährung ei­ner Zu­la­ge und da­mit ei­ner höhe­ren Vergütung erfüllt sind (vgl. BAG 24. Ju­ni 1986 - 1 ABR 31/84 - AP Nr. 37 zu § 99 Be­trVG 1972 = NZA 1987, 31 = EzA § 99 Be­trVG 1972 Nr. 51, zu B II der Gründe).

b) Aus den dar­ge­stell­ten Grundsätzen folgt, dass nicht in je­dem Fall die Ent­schei­dung über die Gewährung ei­ner Zu­la­ge als Ein­grup­pie­rung an­zu­se­hen ist. So setzt ei­ne Zu­la­ge dann kei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Ein­grup­pie­rung vor­aus­setzt, wenn sie nichts über die Stel­lung des Ar­beit­neh­mers in­ner­halb der Vergütungs­ord­nung aus­sagt. Das ist bei­spiels­wei­se dann der Fall, wenn sie Ar­beit­neh­mern oh­ne Rück­sicht auf die Zu­ord­nung zu be­stimm­ten Vergütungs­grup­pen ge­ne­rell für be­stimm­te Er­schwer­nis­se ge­zahlt wird, un­ter de­nen die Ar­beit zu leis­ten ist. Das glei­che gilt für ei­ne Zu­la­ge, die al­len An­ge­stell­ten der­sel­ben Fall­grup­pe ei­ner Vergütungs­grup­pe zu zah­len ist, oh­ne dass es noch auf wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen ankäme. Ei­ne Ein­grup­pie­rung liegt in der Gewährung ei­ner Zu­la­ge nur dann, wenn die­se in das Vergütungs­grup­pen­sys­tem ein­ge­bun­den ist. Dafür ist zu for­dern, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Zu­la­ge an die­je­ni­gen an­knüpfen, die für das be­wer­ten­de Ent­gelt­sche­ma maßge­bend sind, z.B. an die Lohn- oder Ge­halts­grup­pen­merk­ma­le. Nur dann be­ruht nämlich die Ent­schei­dung über die Gewährung der Zu­la­ge in glei­cher Wei­se wie die Zu­ord­nung zur Ta­rif­grup­pe auf der für die Ein­grup­pie­rung cha­rak­te­ris­ti­schen Sub­sum­ti­on ei­ner Tätig­keit un­ter ab­gren­zen­de und ab­stu­fen­de Tat­be­stands­merk­ma­le. Hin­zu­kom­men muss fer­ner, dass die Zu­la­ge die Funk­ti­on ei­ner Zwi­schen­grup­pe erfüllt, in­dem sie ei­ne Be­wer­tungs­stu­fe zum Aus­druck bringt. We­sens­merk­mal ei­nes Ein­grup­pie­rungs­sys­tems ist nämlich die sche­ma­ti­sche Zu­ord­nung von Tätig­kei­ten zu be­stimm­ten Vergütungs­stu­fen, zwi­schen de­nen mehr oder we­ni­ger große Abstände be­ste­hen (vgl. BAG 2. April 1996 - 1 ABR 50/95 - AP Nr. 7 zu § 99 Be­trVG 1972 Ein­grup­pie­rung = NZA 1996, 1105 = EzA § 99 Be­trVG 1972 Nr. 138, zu B II 1 b der Gründe).

c) Nach die­sen Grundsätzen liegt in der Gewährung der Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge nach Nr. 6.2 GTV bei verständi­ger Aus­le­gung der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ei­ne Ein­ord­nung in ein kol­lek­ti­ves Ent­gelt­sche­ma.

aa) Die Aus­le­gung des nor­ma­ti­ven Teils ei­nes Ta­rif­ver­trags folgt den für die Aus­le­gung von Ge­set­zen gel­ten­den Re­geln. Da­nach ist zunächst vom Ta­rif­wort­laut aus­zu­ge­hen, wo­bei der maßgeb­li­che Sinn der Erklärung zu er­for­schen ist, oh­ne am Buch­sta­ben zu haf­ten. Bei nicht ein­deu­ti­gem Ta­rif­wort­laut ist der wirk­li­che Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit zu berück­sich­ti­gen, so­weit er in den ta­rif­li­chen Nor­men sei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den hat. Ab­zu­stel­len ist stets auf den ta­rif­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang, weil die­ser An­halts­punk­te für den wirk­li­chen Wil­len der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en lie­fert und nur so Sinn und Zweck der Ta­rif­norm zu­tref­fend er­mit­telt wer­den können. Lässt dies zwei­fels­freie Aus­le­gungs­er­geb­nis­se nicht zu, dann können die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen oh­ne Bin­dung an ei­ne Rei­hen­fol­ge

 

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wei­te­re Kri­te­ri­en wie die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Ta­rif­ver­trags, ggf. auch die prak­ti­sche Ta­rifübung ergänzend hin­zu­zie­hen. Auch die Prak­ti­ka­bi­lität denk­ba­rer Aus­le­gungs­er­geb­nis­se ist zu berück­sich­ti­gen. Im Zwei­fel gebührt der­je­ni­gen Ta­rif­aus­le­gung der Vor­zug, die zu ei­ner vernünf­ti­gen, sach­ge­rech­ten, zweck­ori­en­tier­ten und prak­tisch brauch­ba­ren Re­ge­lung führt (vgl. BAG 22. April 2010 - 6 AZR 962/08 – Ju­ris, zu II 3 der Gründe).

bb) Die Zu­la­ge ist da­nach in das ta­rif­li­che Vergütungs­grup­pen­sys­tem ein­ge­bun­den. Sie wirkt aus­glei­chend in den Fällen, in de­nen das Sys­tem der Haupt­grup­pen als un­genügend dif­fe­ren­ziert er­scheint. Dies folgt dar­aus, dass sie nur dann zu gewähren ist, wenn ein Ar­beit­neh­mer ne­ben der für sei­ne Ein­grup­pie­rung nach Nr. 7.1 GTV maßgeb­li­chen Tätig­keit als Vor­ste­her ei­ner Dienst­stel­le un­ter­stell­ten Mit­ar­bei­tern im Auf­tra­ge von Vor­ge­setz­ten Ar­beit zu­weist und ih­re Ausführung über­wacht. Mit die­sen Kri­te­ri­en macht Nr. 6.2 GTV den An­spruch auf die Zu­la­ge von Vor­aus­set­zun­gen abhängig, die dem für die Ein­grup­pie­rung nach 7.1 maßgeb­li­chen Be­wer­tungs­sys­tem ent­nom­men sind.

Ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin er­gibt sich nicht be­reits aus der Ein­grup­pie­rung ei­nes Be­leg­schafts­mit­glieds in die kon­kre­te Vergütungs­grup­pe, ob ihm auch die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge nach Nr. 6.2 GTV zu­steht. Ins­be­son­de­re knüpft die Zu­la­ge nicht an be­stimm­te Fall­grup­pen der Ge­halts­grup­pen an. Die Ge­halts­grup­pen se­hen schon – ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin - gar kei­ne Fall­grup­pen vor. Ih­nen sind Fall­bei­spie­le bei­gefügt. Die­se sind ih­rer Na­tur nach nicht ab­sch­ließend. So sind z.B. die hier maßgeb­li­chen Dis­patcher nir­gend­wo aus­drück­lich erwähnt. Grup­pen­lei­ter­auf­ga­ben können aber ge­ra­de auch bei sol­chen Tätig­kei­ten an­fal­len, die nicht bei­spiel­haft auf­geführt sind.

Zu­tref­fend ist al­ler­dings, dass je­den­falls die in den Ge­halts­grup­pen 4 bis 6 ein­grup­pier­ten Tätig­kei­ten grds. mit Grup­pen­lei­ter­auf­ga­ben ver­bun­den sein können. Aus den maßgeb­li­chen For­mu­lie­run­gen er­gibt sich aber auch, dass dies nicht zwin­gend der Fall ist. An­schau­lich ist das ge­ra­de bei der Ge­halts­grup­pe 4. Die Tätig­keits­merk­ma­le knüpfen nicht an ei­ne ir­gend­wie ge­ar­te­te Lei­tungstätig­keit an. Aus den Fall­bei­spie­len er­gibt sich aber, dass der An­fall sol­cher Auf­ga­ben im Rah­men der Vergütungs­grup­pe auch nicht aus­ge­schlos­sen ist. Die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge ist in die­sem Fall nur un­ter den zusätz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, d.h. bei Vor­lie­gen der Merk­ma­le der Zu­la­gen­re­ge­lung zu zah­len. Und für die Fälle, in de­nen die An­for­de­run­gen ei­ner be­stimm­ten Vergütungs­grup­pe mit de­nen der Zu­la­gen­re­ge­lung iden­tisch sind, sieht die­se aus­drück­lich vor, dass die Zu­la­ge nicht zu zah­len ist. Da­bei han­delt es sich um die Ab­tei­lungs­lei­ter, die der Geschäfts- und Be­triebs­lei­tung für ein ab­ge­schlos­se­nes Ar­beits­ge­biet ver­ant­wort­lich sind, „wie sie vor­nehm­lich in die obers­te Ge­halts­grup­pe fal­len“. Dar­aus er­gibt sich zu­gleich, dass dann, wenn die An­for­de­run­gen der Zu­la­gen­re­ge­lung mit de­nen der Ge­halts­grup­pe im kon­kre­ten Fall übe­rein­stim­men, kei­ne

 

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Zwi­schen­stu­fen ge­schaf­fen wer­den. Ein sol­cher Fall liegt hier aber er­sicht­lich nicht vor. We­der der Be­triebs­rat noch die Ar­beit­ge­be­rin sind der Auf­fas­sung, dass die Tätig­keit der Dis­patcher die An­for­de­run­gen der Ge­halts­grup­pen 5 oder 6 erfüllt. Bei den Dis­patchern han­delt es sich auch nicht um Ab­tei­lungs­lei­ter i.S.d. Aus­nah­me­re­ge­lung.

Der Um­stand, dass die ta­rif­li­che Re­ge­lung für den Zeit­punkt der Höher­stu­fung in ei­ne Ge­halts­grup­pe für die Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge ent­spre­chend gilt, ist den un­ter­schied­li­chen Stand­or­ten im Ta­rif­gefüge ge­schul­det. Aus ihr er­gibt sich nur, dass ei­ne un­ter­schied­li­che Hand­ha­bung nicht ge­wollt ist, was das ge­fun­de­ne Aus­le­gungs­er­geb­nis auch bestäti­gen kann.

d) Das Ein­verständ­nis ei­nes Ar­beit­neh­mers mit ei­ner ihn be­tref­fen­den per­so­nel­len Maßnah­me schließt das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG bei Um­grup­pie­run­gen nicht aus. Das Be­tei­li­gungs­recht des Be­triebs­rats nach § 99 Be­trVG dient vor al­lem dem Schutz der In­ter­es­sen der Be­leg­schaft und da­ne­ben auch dem Schutz des ein­zel­nen, von der per­so­nel­len Maßnah­me be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers (vgl. BAG 20. Sep­tem­ber 1990 - 1 ABR 37/90 - AP Nr. 84 zu § 99 Be­trVG 1972 = NZA 1991, 195 = EzA § 99 Be­trVG Nr. 95, zu B II 3 der Gründe). Die in­so­weit für be­stimm­te Kon­stel­la­tio­nen bei Ver­set­zun­gen ge­mach­ten Aus­nah­men sind hier nicht maßgeb­lich. Das Mit­be­ur­tei­lungs­recht dient im We­sent­li­chen ei­ner gleichmäßigen An­wen­dung der Lohn- und Ge­halts­grup­pen zwecks in­ner­be­trieb­li­cher Lohn­ge­rech­tig­keit und Trans­pa­renz und geht da­mit über die In­ter­es­sen des ein­zel­nen Ar­beit­neh­mers hin­aus. Es kommt da­her im Er­geb­nis nicht dar­auf an, ob der Ar­beit­neh­mer B. in Kennt­nis des Vor­lie­gens sei­nes An­spruchs auf ei­ne Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge auf die­se „ver­zich­tet“ hat. An­ge­sichts der durch die Ar­beit­ge­be­rin im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ver­tre­te­nen Rechts­an­sicht ist eher nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass sie ihn aus­drück­lich auf die Zu­la­ge an­ge­spro­chen hat, was dann eher ge­gen ei­nen ent­spre­chen­den Erklärungs­wil­len des Ar­beit­neh­mers spräche.

2) Die Tätig­keit des Mit­ar­bei­ters B. als Dis­patcher erfüllt auch die An­for­de­run­gen der Nr. 6.2 GTV für ei­ne Grup­pen­lei­ter­zu­la­ge.

a) Er un­ter­stand und un­ter­steht ei­ner Ab­tei­lungs­lei­tung. Er weist zehn Mit­ar­bei­tern Ar­beit zu, die nach den Ge­halts­grup­pen 4 und 5 GTV vergütet wer­den. Es ist auch sei­ne Auf­ga­be, de­ren Ar­beit zu über­wa­chen. Un­ter den Be­tei­lig­ten ist un­strei­tig, dass Herr B. die Ar­beit der Feld­tech­ni­ker kon­trol­liert. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehört es, de­ren Ar­beits­er­geb­nis­se fest­zu­stel­len. Da­zu über­mit­teln die Feld­tech­ni­ker ihm die not­wen­di­gen Un­ter­la­gen. Aus ih­nen er­gibt sich de­ren kon­kre­te Tätig­keit. Die Dis­patcher können da­bei ab­glei­chen, ob die nach dem Vor­schlag des Tech­nik­cen­ters zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben sei­nen Wei­sun­gen ent­spre­chend rea­li­siert wor­den sind. Zur Er­geb­nisüber­prüfung müssen die Tech­ni­ker mit­tei­len, ob der Ein­satz durch­geführt wor­den ist und ob er er­folg­reich war. Darüber hin­aus

 

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er­folgt ei­ne de­tail­lier­te Stel­lung­nah­me, der zu ent­neh­men ist, wie die Auf­ga­be aus­geführt wor­den ist. Je nach Auf­trag und Ver­trags­ge­stal­tung er­folgt auch ei­ne Rück­spra­che mit den Kun­den. Un­er­heb­lich ist, dass in der Re­gel nur die Er­geb­nis­se kon­trol­liert wer­den. Wer­den die Auf­ga­ben an­hand der Vor­ga­ben mit den zur Verfügung ge­stell­ten Mit­teln im Er­geb­nis mit Er­folg durch­geführt, be­darf es kei­ner wei­te­ren Kon­trol­le. Das sieht of­fen­bar auch die Ar­beit­ge­be­rin nicht an­ders. Die Ar­beit der Feld­tech­ni­ker wird an­der­wei­tig nicht kon­trol­liert. Selbst für die Kon­trol­le der Tätig­keit der Dis­patcher ist ein re­gio­na­ler Vor­ge­setz­ter nicht zuständig, son­dern die oder der Vor­ge­setz­te der Dis­patcher. Die Über­wa­chung wird al­so nicht vor Ort durch­geführt, son­dern durch das zwi­schen­ge­schal­te­te Dis­patching. Das macht auch Sinn, da die­je­ni­gen, de­ren Auf­ga­be es war, den rich­ti­gen und wirt­schaft­lichs­ten Weg für ei­ne Pro­blemlösung zu er­mit­teln und die den Auf­trag for­mu­liert ha­ben, auch am bes­ten über­wa­chen können, ob ent­spre­chend vor­ge­gan­gen wor­den ist.

b) Bei den Dis­patchern han­delt es sich auch um „Vor­ste­her ei­ner selbständi­gen Dienst­stel­le“ im ta­rif­li­chen Sin­ne. Die Feld­tech­ni­ker sind den Dis­patchern un­ter­stellt. Aus­rei­chend ist hier in­so­weit, dass ei­ne Fach­vor­ge­setz­ten­stel­lung über­tra­gen ist. Der ta­rif­li­chen Re­ge­lung ist nicht zu ent­neh­men, dass die Vor­ste­her vor Ort da­zu ei­ne räum­li­che Ein­heit lei­ten müss­ten. Ei­ne tatsächli­che Vor­ge­setz­ten­stel­lung ist aus­rei­chend. Es ist in­so­weit auch nicht er­for­der­lich, dass die Po­si­ti­on des Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten mit der des Fach­vor­ge­setz­ten zu­sam­menfällt. Das mag im Ein­zel­fall vor­kom­men, ist aber - wie ge­ra­de die Struk­tur der Ar­beit­ge­be­rin ver­deut­licht – eher unüblich. Die ta­rif­li­che Re­ge­lung bringt das deut­lich da­durch zum Aus­druck, dass es zur Erfüllung der An­for­de­run­gen aus­rei­chend ist, wenn im Auf­trag von Vor­ge­setz­ten die Ar­beit zu­ge­wie­sen und über­wacht wird. Das ist die ty­pi­sche Auf­ga­be ei­nes Fach­vor­ge­setz­ten. In­so­weit be­steht un­ter den Be­tei­lig­ten auch kein Streit. Um­strit­ten ist le­dig­lich, ob die Dis­patcher Fach­vor­ge­setz­te der Feld­tech­ni­ker sind, ins­be­son­de­re ob ein „Un­ter­stel­lungs­verhält­nis“ vor­liegt.

Das ist der Fall. Ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin kommt den Dis­patchern auch - aber nicht nur - ei­ne Ko­or­di­nie­rungs­funk­ti­on zu, was so­wohl durch die Pra­xis als auch durch die im Ter­min vom 14. De­zem­ber 2009 zur Ak­te ge­reich­te Auf­ga­ben­be­schrei­bung des Vor­ge­setz­ten des Herrn B. so­wie durch die Stel­len­aus­schrei­bung, die Stel­len­be­schrei­bung und ei­ne Dienst­ver­ein­ba­rung im Rah­men ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­onsände­rung vom 1. Ok­to­ber 2007 bestätigt wird. Rich­tig ist al­ler­dings, dass al­lein der Um­stand, dass ei­ne Per­son ei­ner an­de­ren Ar­beit zu­weist, nicht zwin­gend zu ei­ner Vor­ge­setz­ten­stel­lung führt. Hier kom­men aber wei­te­re Ge­sichts­punk­te hin­zu. Die Dis­patcher be­ar­bei­ten ei­ne Re­gi­on im We­sent­li­chen ei­genständig mit ei­ner ih­nen zu­ge­wie­se­nen Grup­pe von Tech­ni­kern. Ih­nen ob­liegt das ge­sam­te Res­sour­cen­ma­nage­ment. Sie verfügen da­bei über die Ar­beits­zeit der Tech­ni­ker. Die Dis­patcher ent­schei­den, wel­che Auf­ga­be durch die Tech­ni­ker vor­ran­gig zu er­le­di­gen ist. Hin­zu kommt, dass die Dis­patcher auch sons­ti­ge ty­pi­sche Auf­ga­ben ei­nes Fach­vor­ge­setz­ten

 

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wahr­neh­men. Da sie für die Ar­beits­ein­tei­lung auf Auf­ga­ben­zu­wei­sung zuständig sind, or­ga­ni­sie­ren sie auch die Ur­laubswünsche der Feld­tech­ni­ker, pla­nen die­se ein und ent­schei­den über ih­re Rea­li­sier­bar­keit. Dass die Be­wil­li­gung letzt­lich for­mal durch den Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten er­folgt, steht dem nicht ent­ge­gen. Auch die Er­stel­lung von Be­ur­tei­lungs­beiträgen gehört ty­pi­scher­wei­se zu den Auf­ga­ben ei­nes Fach­vor­ge­setz­ten. Die­ser kann auf­grund der Er­geb­nis­kon­trol­len – ins­be­son­de­re auch des Auf­wan­des an Zeit und Ma­te­ri­al - be­ur­tei­len, in­wie­weit und mit wel­cher Qua­lität die Feld­tech­ni­ker den Wei­sun­gen nach­ge­kom­men sind.

Im Übri­gen ha­ben die Feld­tech­ni­ker den Wei­sun­gen der Dis­patcher auch Fol­ge zu leis­ten. So sind die Dis­patcher und nicht die Feld­tech­ni­ker be­fugt, den Lösungs­weg fest­zu­le­gen. Die Dis­patcher ent­schei­den über den aus ih­rer Sicht wirt­schaft­lichs­ten Weg. Sie be­stim­men re­gelmäßig auch, ob über­haupt ei­ge­ne Mit­ar­bei­ter ein­ge­setzt wer­den. Den Feld­tech­ni­kern kommt in­so­weit kein ei­ge­ner Ent­schei­dungs­spiel­raum zu. Der Um­stand, dass die Dis­patcher bei ih­rer Ent­schei­dung auf Hin­wei­se des Tech­nik­cen­ters zurück­grei­fen und teil­wei­se Ge­neh­mi­gun­gen ein­ho­len müssen, steht der Vor­ge­setz­ten­stel­lung nicht ent­ge­gen. Es han­delt sich um Hil­fe­stel­lun­gen für die durch sie zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen, wer mit wel­chem Ar­beits­um­fang zu wel­chem Zeit­punkt wo wel­che Ar­beit durch­zuführen hat.

c) Bestätigt wird das durch die Pra­xis. Nach der Dar­stel­lung der Ar­beit­ge­be­rin sind kei­ne Fälle be­kannt ge­wor­den, in de­nen Feld­tech­ni­ker sich den Wei­sun­gen der Dis­patcher wi­der­setzt hätten. Die Ar­beit­ge­be­rin führt da­zu aus, dass das dann ein Fall für den Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten wäre. Ge­nau das macht das Verhält­nis von Fach­vor­ge­setz­tem und Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­tem aus. Die Feld­tech­ni­ker sind den Wei­sun­gen der Dis­patcher un­ter­wor­fen. Kom­men sie ih­nen nicht nach, ent­schei­det der Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te. Da­bei spielt es kei­ne Rol­le, dass der Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­te auch über­prüft, ob in der Miss­ach­tung ei­ner Wei­sung ei­ne Pflicht­ver­let­zung liegt und dass er in­so­weit auch die Wei­sun­gen des Fach­vor­ge­setz­ten über­prüft. Ge­nau das ist die Auf­ga­be ei­nes Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten.

Bestätigt wird die­ses Er­geb­nis auch durch die zur Ak­te ge­reich­te ei­ge­ne Be­wer­tung der Ar­beit­ge­be­rin in der Stel­len­aus­schrei­bung, durch die Tätig­keits­be­zeich­nung und durch die Stel­len­be­schrei­bun­gen. So ist die Stel­le ei­nes „Team­lei­ters/Dis­patchers“ aus­ge­schrie­ben wor­den. Sie wird auch in al­len wei­te­ren Do­ku­men­ten als Lei­ter­stel­le be­zeich­net. In der Stel­len­be­schrei­bung wird der Dis­patcher als Fach­vor­ge­setz­ter ge­nannt. Zu­gleich wer­den zehn un­ter­stell­te Mit­ar­bei­ter (die Feld­tech­ni­ker) auf­geführt. Dass dies nur ge­sche­hen soll, weil das For­mu­lar ei­ne an­de­re Möglich­keit nicht vor­sah oder –sieht – wie die Ar­beit­ge­be­rin vorträgt -, kann schon des­halb nicht stim­men, weil in der ent­spre­chen­den Ru­brik kein Ein­trag hätte er­fol­gen müssen. Das For­mu­lar sah und sieht ge­ra­de die Möglich­keit vor, Un­ter­stel­lungs­verhält­nis­se an­zu­ge­ben oder auch nicht. Glei­ches gilt für die Be­zeich­nung als

 

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Fach­vor­ge­setz­te/r. Das ent­spricht auch den An­ga­ben in der Dienst­ver­ein­ba­rung vom 2. No­vem­ber 2007. Da­nach „fun­gie­ren die Dis­patcher als funk­tio­na­le Vor­ge­setz­te“, wo­bei es sich nach all­ge­mei­ner Dik­ti­on nur um ei­nen an­de­rer Aus­druck für den Fach­vor­ge­setz­ten han­delt. In der maßgeb­li­chen Stel­len­aus­schrei­bung wird zu­dem Er­fah­rung im Um­gang mit Mit­ar­bei­tern er­war­tet. Auch da­bei han­delt es sich um ei­ne ty­pi­sche For­mu­lie­rung für ei­ne Vor­ge­setz­ten­stel­lung. Teamfähig­keit wird in Stel­len­aus­schrei­bun­gen an­ders zum Aus­druck ge­bracht. Zu­dem stimmt die An­ga­be auch mit der ei­ge­nen De­fi­ni­ti­on des Fach­vor­ge­setz­ten in der An­lei­tung der Ar­beit­ge­be­rin zur Ar­beits­platz­be­schrei­bung übe­rein. So­weit die Ar­beit­ge­be­rin sich nun zu­letzt auf neue Stel­len­be­schrei­bun­gen be­ruft, han­delt es sich zunächst nicht um sol­che für die Dis­patcher. Die durch die Ar­beit­ge­be­rin mit ih­rem Schrift­satz vom 26. Mai 2010 vor­ge­leg­te Ar­beits­platz­be­schrei­bung der Dis­patcher sieht aus­drück­lich die oben ge­nann­ten Ausführun­gen zur Fach­vor­ge­setz­ten­stel­lung vor. Mit ih­rer An­ga­be in dem letz­ten Erörte­rungs­ter­min, wo­nach nun zusätz­lich auch in den Stel­len­be­schrei­bun­gen der Lei­ter „Field Ser­vice“ in der neu­en Struk­tur ab 2010 ei­ne ent­spre­chen­de An­ga­be ent­hal­ten sein soll, setzt sie sich zu ih­rem ei­ge­nen Vor­trag in Wi­der­spruch, je­den­falls wenn sie da­mit vor­tra­gen möch­te, dass die Dis­patcher nun kei­ne Fach­vor­ge­setz­ten mehr sein sol­len. Tatsächlich hat sich an der Auf­ga­be der Dis­patcher auch zum Jah­res­wech­sel je­den­falls nichts geändert. Das ist un­ter den Be­tei­lig­ten auch zu­letzt un­strei­tig ge­we­sen.

III. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de la­gen nicht vor. Die Kam­mer hat bei ih­rer Ent­schei­dung die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu­grun­de ge­legt.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­se Ent­schei­dung gibt es kein Rechts­mit­tel.

 

K.

R.

S. 


 

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