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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsübergang: Tarifvertrag, Tarifvertrag: Betriebsübergang
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 11 Sa 1922/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 14.02.2008
   
Leit­sätze:

1. Die Ablösung ei­nes vor dem Be­triebsüber­gang nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges (§ 3 Abs 1 TVG) durch ei­nen "an­de­ren Ta­rif­ver­trag" i. S. von § 613a Abs 1 S 3 BGB setzt die kon­gru­en­te Ta­rif­ge­bun­den­heit des Be­triebs­wer­bers und des Ar­beit­neh­mers vor­aus (vgl. BAG vom 30.08.2000, 4 AZR 581/99 - EzA § 3 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr 13).

2. Ein nach § 613a Abs 1 S 2 BGB in­di­vi­du­al­recht­lich fort­gel­ten­der Ta­rif­ver­trag kann auf Ar­beit­ge­ber­sei­te nur durch den Be­triebs­veräußerer auf Ar­beit­neh­mer­sei­te al­len­falls durch sämt­li­che von der Wei­ter­gel­tung der Ta­rif­nor­men be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer gekündigt wer­den.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Duisburg, Urteil vom 13.09.2007, 2 Ca 3244/06
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 26.08.2009, 4 AZR 280/08
   

11 Sa 1922/07

2 Ca 3244/06
Ar­beits­ge­richt Duis­burg 

Verkündet

am 14. Fe­bru­ar 2008

gez.: Lind­ner
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT DÜSSEL­DORF

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

des Herrn H. V. O., I. str. 3, E.,

- Kläger und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­se­kretär E. C.,
DGB Rechts­schutz GmbH, G.-F.-Str. 34-38, E.

g e g e n

die H. GmbH, vertr. d. d. Geschäftsführer, S. str. 155, E.,

- Be­klag­te und Be­ru­fungs­be­klag­te -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: As­ses­so­ren Dr. U. u. a.,
Ar­beit­ge­ber­ver­band Ol­den­burg e. V., Bahn­hof­str. 14, 26122 Ol­den­burg,

hat die 11. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 14.02.2008
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Vos­sen als Vor­sit­zen­den so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Böhm und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Bar­gen­da

für R e c h t er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Duis­burg vom 13.09.2007 - 2 Ca 3244/06 - wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird für den Kläger zu­ge­las­sen.

 

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T A T B E S T A N D :

Der Kläger ist seit 1981 für die Fir­ma I. Wer­ke Gebr. D. GmbH bzw. de­ren Rechts­vorgänger tätig. Über das Vermögen der Fir­ma I. Wer­ke Gebr. D. GmbH wur­de am 01.09.2001 das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren der Kläger und die In­sol­venz­schuld­ne­rin kraft bei­der­sei­ti­ger Or­ga­ni­sa­ti­ons­zu­gehörig­keit an die Ta­rif­verträge für die Säge­in­dus­trie und ver­wand­te Be­trie­be ge­bun­den. Am 01.07.2006 über­nahm die Be­klag­te, die je­den­falls in dem hier in­ter­es­sie­ren­den Zeit­raum nicht ta­rif­ge­bun­den war, gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB u. a. auch den in E. an­ge­sie­del­ten Be­trieb, in dem der Kläger beschäftigt ist.

Am 31.05.2005 schloss der In­sol­venz­ver­wal­ter über das Vermögen der Fir­ma I. Wer­ke Gebr. D. GmbH, Herr Rechts­an­walt Dr. Dr. X. T., mit der IG-Me­tall ei­nen Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag, der im We­sent­li­chen ei­ne vorüber­ge­hen­de An­he­bung der nach dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Säge­in­dus­trie gel­ten­den wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 35 St­un­den auf 40 St­un­den so­wie ei­ne Rei­he von Ent­geltkürzun­gen enthält. In Zif­fer 9 Abs. 3 des Sa­nie­rungs­ver­tra­ges ist vor­ge­se­hen, dass er oh­ne Kündi­gung zum 31.12.2007 ausläuft. Un­ter Zif­fer 7 des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges ist ge­re­gelt, dass er von bei­den Par­tei­en bis zum 15. ei­nes Mo­nats zum Mo­nats­en­de schrift­lich gekündigt wer­den kann. In ei­ner ergänzen­den Ver­ein­ba­rung vom 13.07.2005 ka­men der In­sol­venz­ver­wal­ter und die IG-Me­tall übe­rein, dass das ursprüng­lich im Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag (Zif­fer 2 Abs. 3) für die An­he­bung der in­di­vi­du­el­len Ar­beits­zeit vor­ge­se­he­ne Er­for­der­nis ei­ner Zu­stim­mungs­erklärung des je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mers ent­behr­lich sei.

Mit ei­nem am 17.07.2006 - nach Be­triebsüber­gang - zu­ge­gan­ge­nen Schrei­ben vom 13.07.2006 kündig­te die IG-Me­tall den Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag zum 31.08.2006. Mit Schrei­ben vom 27.08.2006 ge­neh­mig­te der Kläger die­se Kündi­gung. Hilfs­wei­se erklärte er sei­ner­seits die Kündi­gung sämt­li­cher „kol­lek­ti­ven

 

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und in­di­vi­du­el­len Ver­ein­ba­run­gen, die vor und nach dem 01.06.2005 am Stand­ort E. anläss­lich des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges ge­trof­fen wor­den sind (und mei­ne in­di­vi­du­el­len Ar­beits­be­din­gun­gen ver­schlech­tert ha­ben) er­neut frist­ge­recht zum Mo­nats­en­de“.
Mit sei­ner am 21.12.2006 beim Ar­beits­ge­richt Duis­burg ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge, die er mit ei­nem dort am 26.01.2007 ein­ge­reich­ten Schrift­satz er­wei­tert hat, be­gehrt der Kläger auf der Ba­sis sei­ner bei­den Schrei­ben vom 27.09.2006 und 15.11.2006 die Zah­lung ver­schie­de­ner Dif­fe­renz­beträge für die Zeit von Ju­li bis Ok­to­ber 2006, die al­le­samt dar­auf be­ru­hen, dass die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis wei­ter­hin auf der Grund­la­ge des Sa­nie­rungs­ver­tra­ges ab­ge­rech­net hat.

Der Kläger hat im We­sent­li­chen gel­tend ge­macht:

Der Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag ha­be nach dem Be­triebsüber­gang vom In­sol­venz­ver­wal­ter auf die Be­klag­te kei­ne An­wen­dung mehr ge­fun­den. Denn die­ser könne nach Zif­fer 1 lit. b nur auf sol­che Ar­beit­neh­mer an­ge­wandt wer­den, wel­che am Stand­ort E. „für den In­sol­venz­ver­wal­ter“ tätig sei­en. Auch sei die Geschäfts­grund­la­ge des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges, die al­lein die In­sol­venz und die da­mit ein­her­ge­hen­de Sa­nie­rung ge­we­sen sei, mit Über­nah­me des Be­trie­bes durch die Be­klag­te seit dem 01.07.2006 ent­fal­len mit der Fol­ge, dass die­se sich seit­dem nicht mehr auf ihn be­ru­fen könne. Sch­ließlich könne der Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag je­den­falls seit dem 01.09.2006 nicht mehr an­ge­wen­det wer­den, weil er so­wohl von der IG-Me­tall als auch von ihm gekündigt wor­den sei.

Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.295,07 € brut­to nebst
5 % Zin­sen über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 16.10.2006 zu zah­len;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.233,40 € brut­to nebst
5 % Zin­sen über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz seit dem 16.12.2006 zu zah­len.

 

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat im We­sent­li­chen gel­tend ge­macht:

Die Ar­beits­be­din­gun­gen hätten sich in dem streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum wei­ter­hin nach dem Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag ge­rich­tet. Die­sen seit dem Be­triebsüber­gang gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB in die Ar­beits­verhält­nis­se trans­for­mier­ten Ta­rif­ver­trag hätte die IG-Me­tall mit ih­rer nach dem 01.07.2006 er­folg­ten Kündi­gung nicht mehr be­sei­ti­gen können. Da von der Trans­for­ma­ti­on gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB nur die nor­ma­ti­ven Re­ge­lun­gen ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges, nicht aber sei­ne schuld­recht­li­chen Be­stand­tei­le er­fasst würden, hätte auch der Kläger selbst durch sei­ne Kündi­gung nicht die Wir­kung des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges be­en­den können.

Mit sei­nem am 13.09.2007 verkünde­ten Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen und dies im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet:

Die im Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag fest­ge­leg­ten Kon­di­tio­nen sei­en für den streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB auf das Ar­beits­verhält­nis an­wend­bar. Ei­ne Trans­for­ma­ti­on des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges in den Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en schei­te­re nicht dar­an, dass sein Gel­tungs­be­reich gemäß Zif­fer 1 auf „den Be­trieb des In­sol­venz­ver­wal­ters“ (lit. a) und auf Beschäftig­te, die am Stand­ort E. „für den In­sol­venz­ver­wal­ter tätig sind“ (lit. b) ab­ge­stellt wor¬den sei. Die­ser Be­zug die­ne er­kenn­bar nur der In­di­vi­dua­li­sier­bar­keit des Be­trie­bes, nicht in­des der For­mu­lie­rung ei­ner Aus­nah­me­re­ge­lung. Der gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB nach dem Be­triebsüber­gang am 01.07.2006 fort­gel­ten­de Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag sei nicht durch ei­ne Kündi­gung ent­fal­len. Die Kündi­gung der IG-Me­tall vom 13.07.2006 ha­be kei­ne Rechts­wir­kung er­zeu­gen können, da

 

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zu die­sem Zeit­punkt der Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag be­reits gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB Be­stand­teil der ein­zel­nen Ar­beits­verhält­nis­se ge­we­sen sei. Die Kündi­gung des Klägers vom 27.06.2006 sei wir­kungs­los ge­we­sen, da das ta­rif­li­che Kündi­gungs­recht nicht in die ein­zel­nen Ar­beits­verhält­nis­se gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB trans­for­miert wor­den sei. Sch­ließlich sei auch die Geschäfts­grund­la­ge des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges nicht durch den am 01.07.2006 er­folg­ten Be­triebsüber­gang ent­fal­len.

Ge­gen das ihm am 26.09.2007 zu­ge­stell­te Ur­teil des Ar­beits­ge­richts hat der Kläger mit ei­nem am 24.10.2007 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se - nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 27.12.2007 - mit ei­nem hier am 27.12.2007 ein­ge­reich­ten Schrift­satz be­gründet.

Der Kläger macht un­ter teil­wei­ser Wie­der­ho­lung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­rin­gens im We­sent­li­chen gel­tend:

Durch den In­sol­venz­ta­rif­ver­trag zum Zwe­cke der Sa­nie­rung der In­sol­venz­schuld­ne­rin sei de­ren frühe­re ta­rif­ver­trag­li­che Bin­dung nur un­ter­bro­chen wor­den. Die früher gel­ten­den Ta­rif­verträge für die Säge­in­dus­trie und holz­be­ar­bei­ten­de In­dus­trie NRW sei­en des­halb in­fol­ge des Be­triebsüber­gangs mit dem 01.07.2006 wie­der in Kraft ge­tre­ten. Die glei­che Rechts­fol­ge er­ge­be sich aus § 4 Abs. 3 TVG. Da­nach sei­en ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen nur zulässig, so­weit sie durch den Ta­rif­ver­trag ge­stat­tet sei­en oder aber ei­ne Ände­rung zu Guns­ten des Ar­beit­neh­mers ent­hal­ten würden.

Der Kläger be­an­tragt,

 

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das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Duis­burg vom 13.09.2007 - 2 Ca 3244/06 - ab­zuändern und gemäß sei­nen erst­in­stanz­li­chen Schluss­anträgen zu er­ken­nen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt in ers­ter Li­nie das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und führt ergänzend aus:

Da sich die Be­ru­fungs­be­gründung nicht sub­stan­ti­iert mit dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil aus­ein­an­der­set­ze, beständen be­reits Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung. Im Übri­gen ha­be die Vor­in­stanz sub­stan­ti­iert be­gründet, dass der Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag un­be­dingt ab­ge­schlos­sen wor­den sei. § 4 Abs. 3 TVG sei nicht an­wend­bar, weil je­den­falls die­ser Ta­rif­ver­trag so­wohl we­gen des Spe­zia­litätsprin­zips als auch auf­grund der zeit­li­chen Ab­fol­ge dem frühe­ren Flächen­ta­rif­ver­trag vor­ge­gan­gen sei.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en im Ein­zel­nen wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Ak­te ergänzend Be­zug ge­nom­men.

 

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E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E :

A.

Nicht zu Un­recht macht die Be­klag­te Be­den­ken ge­gen die Zulässig­keit der Be­ru­fung des Klägers gel­tend.

I. Nach § 513 Abs. 1 ZPO kann ei­ne Be­ru­fung nur dar­auf gestützt wer­den, dass die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung auf ei­ner Rechts­ver­let­zung (§ 546 ZPO) be­ruht oder nach § 529 ZPO zu­grun­de zu le­gen­de Tat­sa­chen ei­ne an­de­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen. Da­mit kor­re­spon­diert der not­wen­di­ge In­halt ei­ner Be­ru­fungs­be­gründung nach den in § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 und Nr. 3 ZPO ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen. Die­se An­for­de­run­gen an ei­ne Be­ru­fungs­be­gründung gel­ten gemäß § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG auch für das ar­beits­ge­richt­li­che Ver­fah­ren (z. B. BAG 14.10.2004 - 6 AZR 564/03 - AP Nr. 3 zu § 2 BAT SR 2 R; BAG 10.02.2005 - 6 AZR 183/04 - EzA § 64 ArbGG 1979 Nr. 40).

II. Nach der Neu­re­ge­lung des Ver­fah­rens­rech­tes durch das Zi­vil­pro­zess­re­form­ge­setz vom 17.05.2001 (BGBl. I S. 1887) mit Wir­kung ab dem 01.01.2002 kann ei­ne Be­ru­fung gemäß § 513 Abs. 1 ZPO nur dar­auf gestützt wer­den, dass die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung auf ei­ner Rechts­ver­let­zung (§ 546 ZPO) be­ruht oder nach § 529 ZPO zu­grun­de zu le­gen­de Tat­sa­chen ei­ne an­de­re Ent­schei­dung recht­fer­ti­gen. Da­mit kor­re­spon­diert der not­wen­di­ge In­halt ei­ner Be­ru­fungs­be­gründung nach den Be­stim­mun­gen in § 520 Abs. 3 Satz 2 Nrn. 2 und 3 ZPO. Da­nach muss die Be­ru­fungs­be­gründung die Be­zeich­nung der Umstände, aus de­nen sich ei­ne Rechts­ver­let­zung und de­ren Er­heb­lich­keit für die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung er­ge­ben, oder die Be­zeich­nung kon­kre­ter An­halts­punk­te, die Zwei­fel an der Rich­tig­keit und Vollständig­keit der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen in dem an­ge­foch­te­nen Ur­teil be­gründen und des­halb ei­ne neue Fest­stel­lung ge­bie­ten, ent­hal­ten. Die­se An­for­de­run­gen an ei­ne Be­ru­fungs­be­gründung gel­ten gemäß § 64 Abs. 6 ArbGG auch für das ar­beits­ge­richt­li­che

 

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Ver­fah­ren (z. B. BAG 14.10.2004 - 6 AZR 564/03 - AP Nr. 3 zu § 2 BAT SR 2 r; BAG 10.02.2005 - 6 AZR 183/04 - EzA § 64 ArbGG 1979 Nr. 40). Wie be­reits un­ter der Gel­tung des bis­he­ri­gen Pro­zess­rech­tes muss in der Be­ru­fungs­be­gründung ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung statt­fin­den. Die Be­gründung muss auf den Streit­fall zu­ge­schnit­ten sein und im Ein­zel­nen er­ken­nen las­sen, in wel­chen Punk­ten tatsäch­li­cher und recht­li­cher Art so­wie aus wel­chen Gründen der Be­ru­fungsführer das an­ge­foch­te­ne Ur­teil für un­rich­tig hält (z.B. BAG 14.12.2004 - 1 AZR 504/03 - EzA § 13 GmbH-Ge­setz Nr. 4; BAG 14.07.2005 - 8 AZR 392/04 - EzA § 613 a BGB 2002 Nr. 36). Da­bei muss die Rechts­mit­tel­be­gründung ge­eig­net sein, das ge­sam­te Ur­teil in Fra­ge zu stel­len. Wenn das Ge­richt sei­ne Ent­schei­dung auf meh­re­re von­ein­an­der un­abhängi­ge, selbständig tra­gen­de recht­li­che Erwägun­gen stützt, muss die Be­ru­fungs­be­gründung für je­de die­ser Erwägun­gen dar­le­gen, war­um sie un­zu­tref­fend sein soll; an­dern­falls ist das ge­sam­te Rechts­mit­tel un­zulässig (vgl. BGH 10.01.1996- IV ZB 29/95 - NJW-RR 1996, 572; BGH VII ZR 25/98 - NJW-RR 2000, 685 f.; BAG 29.11.2001 - 4 AZR 729/00 - EzA § 519 ZPO Nr. 13).

III. Den vor­ste­hen­den An­for­de­run­gen an ei­ne Be­ru­fungs­be­gründung nach § 513 Abs. 1 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG dürf­te der Kläger kaum nach­ge­kom­men sein. Er ge­steht nämlich der Vor­in­stanz zu, dass sie die Kündi­gung des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges durch die IG-Me­tall des­halb als ver­spätet an­ge­se­hen ha­be, weil es sich nur um ei­ne ta­rif­ver­trag­lich wirk­sa­me Re­ge­lung ge­han­delt ha­be. Er wirft dem Ar­beits­ge­richt dann le­dig­lich vor, „die­se Rechts­fol­gen nicht zu En­de ge­dacht“ zu ha­ben. Denn die vor Ab­schluss des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges gel­ten­den Ta­rif­verträge für die Säge­in­dus­trie und holz­be­ar­bei­ten­de In­dus­trie NRW sei­en zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­g­an­ges am 01.07.2006 au­to­ma­tisch wie­der in Kraft ge­tre­ten, wo­bei sich die­se Rechts­fol­ge auch aus § 4 Abs. 3 TVG er­ge­be. Hier­in kann kaum ei­ne nähe­re Aus­ein­an­der­set­zung mit der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung ge­se­hen wer­den, zu­mal der Kläger, je­den­falls in zwei­ter In­stanz, we­der näher das Wie­der­auf­le­ben der bis zum Ab­schluss des Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­tra­ges gel­ten­den Ta­rif­verträge für die Säge­in­dus­trie und holz­be­ar­bei­ten­de In­dus­trie NRW be­gründet noch im ein­zel-

 

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nen dar­ge­legt hat, wie­so aus § 4 Abs. 3 TVG fol­gen soll, dass die­se Ver­bands­ta­rif­verträge ab dem 01.07.2006 für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en gel­ten würden, ob­wohl die Be­klag­te doch gar nicht gemäß § 3 Abs. 1 TVG an die­se Ta­rif­verträge ge­bun­den war.

B.

Letzt­lich kann je­doch da­hin­ste­hen, ob die Be­ru­fung des Klägers zulässig ist. Je­den­falls ist sie un­be­gründet.

I. Zu Recht hat die Vor­in­stanz er­kannt, dass der Kläger kei­nen An­spruch auf Zah­lung von ins­ge­samt der Höhe nach un­strei­ti­gen 2.528,47 € brut­to für die Zeit von Ju­li 2006 bis Ok­to­ber 2006 gemäß § 611 Abs. 1 BGB i. V. m. dem Man­tel­ta­rif­ver­trag für die Holz­be­ar­bei­tung (Säge­in­dus­trie und ver­wand­te Be­trie­be) so­wie den Holz­han­del im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (künf­tig: MTS) i. V. m. dem für die­se Bran­che in dem ge­nann­ten Zeit­raum gel­ten­den Lohn­ta­rif­ver­trag hat. Denn die Ent­gelt­ansprüche des Klägers gemäß § 611 Abs. 1 BGB rich­te­ten sich von Ju­li bis Ok­to­ber 2006 nach dem Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag vom 31.05.2005 (im Fol­gen­den: SanTV). Die ihm nach die­sem Ta­rif­ver­trag zu­ste­hen­den Ar­beits­ent­gel­te sind aber gemäß § 362 Abs. 1 BGB durch Erfüllung er­lo­schen.

II. Mit In­kraft­tre­ten des SanTV am 01.06.2005, der die Rechts­qua­lität ei­nes
Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges hat, ver­dräng­te die­ser auf­grund des Spe­zia­litätsprin­zips (vgl. nur Wie­de­mann/Wank, TVG, 7. Aufl. 2007, § 4 Rz. 298) in den hier in­ter­es­sie­ren­den Ent­gelt­fra­gen die zu die­ser Zeit gel­ten­den Ver­bands­ta­rif­verträge für die Holz­be­ar­bei­tung (Säge­in­dus­trie und ver­wand­te Be­trie­be) so­wie den Holz­han­del in NRW, al­so MTS und Lohn­ta­rif­ver­trag. Der SanTV fand auf das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten bis zum 30.06.2006 gemäß §§ 3 Abs. 1 Satz 1, 4 Abs. 1 Satz 1 TVG An­wen­dung.

 

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III. Seit dem 01.07.2006, dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs, galt der SanTV zwi­schen den Par­tei­en gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB nur noch in­di­vi­du­al­ver­trag­lich.

1. Die An­wen­dung des § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB im Streit­fall ist nicht et­wa von vorn­her­ein auf­grund der in § 613 a Abs. 1 Satz 3 BGB ent­hal­te­nen Re­ge­lung aus­ge­schlos­sen. Da­nach gilt § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB, wo­nach vor dem Be­triebsüber­gang für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten­de kol­lek­tiv­recht­li­che Nor­men zwi­schen dem neu­en In­ha­ber des Be­trie­bes und dem Ar­beit­neh­mer als Ver­trags­recht zu­min­dest ein Jahr ab dem Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs un­verändert fort­gel­ten, nicht, wenn die Rech­te und Pflich­ten bei dem neu­en In­ha­ber durch Rechts­nor­men ei­nes an­de­ren Ta­rif­ver­tra­ges ge­re­gelt wer­den. Denn die Ablösung ei­nes vor dem Be­triebsüber­gang nor­ma­tiv gel­ten­den Ta­rif­ver­tra­ges (hier: SanTV) durch ei­nen „an­de­ren Ta­rif­ver­trag“ i. S. von § 613 a Abs. 1 Satz 3 BGB setzt die kon­gru­en­te Ta­rif­ge­bun­den­heit des neu­en In­ha­bers (hier: Be­klag­te) und des Ar­beit­neh­mers (hier: Kläger) vor­aus (vgl. BAG 30.08.2000 - 4 AZR 581/99 - EzA § 3 TVG Be­zug­nah­me auf Ta­rif­ver­trag Nr. 13; ErfK/Preis, 8. Aufl. 2008, § 613 a BGB Rz. 123 m. w. N.). Hier­von kann im Streit­fall schon des­halb nicht aus­ge­gan­gen wer­den, weil die Be­klag­te zum Zeit­punkt des Be­triebsüber­gangs am 01.07.2006 über­haupt nicht gemäß § 3 Abs. 1 TVG ta­rif­ge­bun­den war. In­so­fern können ent­ge­gen der An­sicht des Klägers kei­nes­falls die bis zum 30.06.2006 gemäß §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 Satz 1 TVG für das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten gel­ten­den, aber seit dem 01.06.2005 auf­grund des Spe­zia­litäts­grund­sat­zes durch den SanT­VG ver­dräng­ten Ver­bands­ta­rif­verträge für die Holz­ver­ar­bei­tung (Säge­in­dus­trie und ver­wand­te Be­trie­be) in NRW An­wen­dung fin­den.

2. Die Be­klag­te war nicht et­wa nach § 3 Abs. 1 TVG an den SanTV ge­bun­den mit der Fol­ge, dass ei­ne der­ar­ti­ge kol­lek­tiv-recht­li­che Fort­gel­tung die­ses Ta­rif­ver­tra­ges die An­wen­dung von § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB, der le­dig­lich ei­ne Auf­fang­funk­ti­on hat, aus­sch­ließen würde (vgl. hier­zu BAG 04.07.2007 - 4 AZR 491/06 - Rz. 46, EzA § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 20). Zwar galt der

 

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SanTV vor dem Be­triebsüber­gang für das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten, wie be­reits erwähnt, auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­ge­bun­den­heit gemäß §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 Satz 1 TVG, weil der Kläger Mit­glied der IG-Me­tall und die Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten Par­tei des SanTV wa­ren. Durch den Be­triebsüber­gang am 01.07.2006 ist aber für die Be­klag­te kei­ne Bin­dung an den SanTV, der, wie be­reits erwähnt, ein Fir­men­ta­rif­ver­trag war, nach § 3 Abs. 1 TVG be­gründet wor­den, we­der ta­rif­ver­trag­lich noch auf­grund ei­ner Ge­samt­rechts­nach­fol­ge.

a) Ei­ne ta­rif­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über die ta­rif­recht­li­che Gel­tung des SanTV für die Be­klag­te ist nicht ge­ge­ben. Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung läge z. B. vor, wenn die Be­klag­te als Be­triebs­er­wer­be­rin mit der IG-Me­tall ei­nen gleich­lau­ten­den SanTV oder ei­ne Ver­ein­ba­rung über die Über­nah­me die­ses Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges ge­schlos­sen hätte (vgl. BAG 20.06.2001 - 4 AZR 295/00 - NZA 2002, 517, 518; BAG 29.08.2001 - 4 AZR 332/00 - NZA 2002, 513, 514). Hierfür gibt es im Streit­fall, nicht zu­letzt in Er­man­ge­lung ent­spre­chen­den Par­tei­vor­trags, kei­nen An­halts­punkt.

b) Die Be­klag­te ist auch nicht im We­ge der Ge­samt­rechts­nach­fol­ge Ta­rif­ver­trags­par­tei des SanTV ge­wor­den. Die kol­lek­tiv­recht­li­che Wei­ter­gel­tung ei­nes Fir­men­ta­rif­ver­trags ist nur ge­ge­ben, wenn der Über­neh­mer im We­ge der Ge­samt­rechts­nach­fol­ge auch in den ab­ge­schlos­se­nen Fir­men­ta­rif­ver­trag einrückt (BAG 20.06.2001 - 4 AZR 295/00 - a. a. O.; BAG 29.08.2001 - 4 AZR 332/00 - a. a. O.; BAG 04.06.2007 - 4 AZR 491/06 - Rz. 39, EzA § 4 TVG Ta­rif­kon­kur­renz Nr. 20). Im Streit­fall ist aber die Be­klag­te in die Rechts­stel­lung ih­rer Rechts­vorgänge­rin auf­grund ei­ner Ein­zel­rechts­nach­fol­ge gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 1 BGB ge­tre­ten mit der Fol­ge, dass die Re­ge­lun­gen des SanTV gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB In­halt des zwi­schen den Par­tei­en ab dem 01.07.2006 be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses wur­den.

3. Da, wie dar­ge­stellt, die Ver­bands­ta­rif­verträge für die Holz­ver­ar­bei­tung (Säge­in­dus­trie und ver­wand­te Be­trie­be) seit dem 01.07.2006 auf das Ar­beits-

 

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verhält­nis der Par­tei­en nicht mehr gemäß §§ 3 Abs. 1, 4 Abs. 1 Satz 1 TVG ein­wir­ken, steht der An­wen­dung des SanTV ent­ge­gen der vom Kläger zweit­in­stanz­lich ver­tre­te­nen, aber nicht näher be­gründe­ten Auf­fas­sung auch nicht das in § 4 Abs. 3 TVG nor­mier­te Güns­tig­keits­prin­zip ent­ge­gen.

IV. Die in­di­vi­du­al­recht­li­che Fort­gel­tung des SanTV seit dem 01.07.2006 nach § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB dau­er­te im ge­sam­ten streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum, d. h. von Ju­li bis Ok­to­ber 2006, fort.

1. Zu Recht hat die Vor­in­stanz er­kannt, dass die seit dem 01.07.2006 fort­wir­ken­de Wei­ter­gel­tung des SanTV nicht zu die­sem Zeit­punkt auf­grund Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge die­ses Ta­rif­ver­tra­ges ent­fal­len ist.

a) Ein Ta­rif­ver­trag, auch ein be­fris­te­ter, ist außer­or­dent­lich künd­bar. Die Zulässig­keit der Kündi­gung er­gab sich bis zum In­kraft­tre­ten des § 314 Abs. 1 Satz 1 BGB am 01.01.2002 aus der Rechts­na­tur des Ta­rif­ver­tra­ges als Dau­er­rechts­verhält­nis (vgl. BAG 18.12.1996 - 4 AZR 129/06 - EzA § 1 KSchG Frist­lo­se Kündi­gung Nr. 2) und er­gibt sich nun un­mit­tel­bar aus § 314 Abs. 1 Satz 1 BGB (vgl. Wie­de­mann/Wank, TVG, 7. Aufl. 2007, § 4 Rz. 28). Ob ne­ben der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung auch bei Ta­rif­verträgen ei­ne Be­ru­fung auf den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge möglich ist, ist strei­tig (vgl. zum Mei­nungs­stand Wie­de­mann/Wank, a. a. O., § 4 Rz. 65 Fn. 142). All­ge­mein ist im Schuld¬recht weit­ge­hend an­er­kannt, dass bei Dau­er­schuld­verhält­nis­sen das Recht der außer­or­dent­li­chen Kündi­gung die Be­ru­fung auf den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge ver­drängt (vgl. BGH 11.04.1957 - VII ZR 280/56 - BGHZ 24, 91, 95 f.; Wie­de­mann/Schultz, ZIP 1999, 1 ff.). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Fra­ge vor In­kraft­tre­ten des § 313 BGB am 01.01.2002 of­fen­ge­las­sen (vgl. BAG 18.12.1996 - 4 AZR 129/96 - a. a. O.; BAG 18.06.1997 - 4 AZR 710/95 - EzA § 1 TVG Frist­lo­se Kündi­gung Nr. 3).

b) Im Streit­fall braucht die vor­ge­nann­te Fra­ge nicht ent­schie­den zu wer­den.
Selbst wenn man die Be­ru­fung auf den Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge ne­ben

 

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der außer­or­dent­li­chen Kündi­gungsmöglich­keit auch bei Ta­rif­verträgen zu­las­sen würde und die In­sol­venz der Rechts­vorgänge­rin der Be­klag­ten im Streit­fall annähme, hätte dies kei­ne Aus­wir­kung auf den in­di­vi­du­al­recht­li­chen Fort­be­stand des SanTV. Denn kei­nes­falls würde der Ta­rif­ver­trag ip­so iu­re ent­fal­len. Viel­mehr gewährt § 313 Abs. 1 Satz 1 BGB ei­nen An­spruch auf Zu­stim­mung des an­de­ren Ver­trags­teils zur An­pas­sung des Ver­tra­ges bzw. wenn dies nicht möglich oder ei­nem Teil nicht zu­mut­bar ist, bei Dau­er­verhält­nis­sen, wo­zu, wie be­reits erwähnt, auch ein Ta­rif­ver­trag gehört, das Recht zur Kündi­gung (vgl. § 313 Abs. 3 Satz 2 BGB). Bei­des ist im Streit­fall nicht er­folgt bzw. nicht wirk­sam aus­geübt wor­den.

2. Die in­di­vi­du­al­recht­li­che Fort­gel­tung des SanTV ist auch nicht durch die von der IG-Me­tall bzw. dem Kläger erklärte Kündi­gung zum 31.08.2006 bzw. zum 30.09.2006 be­en­det wor­den.

a) Die mit Schrei­ben vom 13.07.2006 er­folg­te Kündi­gung der IG-Me­tall, der Be­klag­ten am 17.07.2006 zu­ge­gan­gen, ging „ins Lee­re“. Zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs war die IG-Me­tall auf­grund des nur noch in­di­vi­du­al­ver­trag­lich gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB fort­gel­ten­den SanTV nicht mehr Par­tei die­ses Ta­rif­ver­tra­ges, konn­te ihn al­so auch gar nicht mehr kündi­gen.

b) Ei­ne Kündi­gungs­be­fug­nis fehl­te aber auch dem Kläger mit der Fol­ge, dass die von ihm un­ter dem 27.08.2006 er­folg­te Ge­neh­mi­gung der Kündi­gung des SanTV durch die IG-Me­tall auch in sei­nem ei­ge­nen Na­men bzw. die gleich-zei­tig er­folg­te hilfs­wei­se Kündi­gung frist­ge­recht zum Mo­nats­en­de (d. h. gemäß Zif­fer 7 Abs. 1 SanTV zum 30.09.2006) kei­ne Rechts­wir­kung ha­ben konn­te.

aa) Nach der aus­drück­li­chen Re­ge­lung in § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB wer­den nur Rechts­nor­men ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­miert. Was dar­un­ter zu ver­ste­hen ist, ist in § 1 Abs. 1 TVG ge­re­gelt, wo­bei die Trans­for­ma­ti­on in das In­di­vi­dual­ar­beits­verhält­nis durch § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB nur für In­halts­nor­men un­strei­tig ist (vgl. zum Mei­nungs­stand Wie­de-

 

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mann/Oet­ker, TVG, 7. Aufl. 2007, § 3 Rz. 245). Das Recht, den in das Ar­beits­verhält­nis trans­for­mier­ten Ta­rif­ver­trag zu kündi­gen, zählt hier­zu nicht.

bb) Auf Ar­beit­ge­ber­sei­te bleibt des­halb aus­sch­ließlich der Be­triebs­veräußerer zur Kündi­gung be­rech­tigt (vgl. Wie­de­mann/Oet­ker, a. a. O., § 3 Rz. 239 mit Nachw. in Fn. 224). Auf Ar­beit­neh­mer­sei­te kann kei­nes­falls der ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer ei­ne auf die fort­wir­ken­den Ta­rif­nor­men be­schränk­te Kündi­gung aus­spre­chen und zwar auch dann nicht, wenn das Kündi­gungs­recht von § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB er­fasst würde. Hier­bei würde es sich um ei­ne grundsätz­lich im In­di­vi­dual­ar­beits­recht aus­ge­schlos­se­ne Teilkündi­gung (vgl. nur BAG 25.02.1988 - 2 AZR 346/87 - AP Nr. 18 zu § 611 BGB Arzt-Kran­ken­haus­ver­trag; BAG 23.08.1989 - 5 AZR 569/88 - AP Nr. 3 zu § 565e BGB; BGH 05.11.1992 - IX ZR 200/91 - EzA § 622 BGB Teilkündi­gung Nr. 6; APS/Preis, 3. Aufl. 2007, Grund­la­gen E Rz. 13 m. w. N.) han­deln. Denk­bar wäre al­len­falls ei­ne Kündi­gungs­be­fug­nis sämt­li­cher von der Wei­ter­gel­tung der Ta­rif­nor­men gemäß § 613 a Abs. 1 Satz 2 BGB be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer (vgl. hier­zu Ha­nau/Vos­sen, Fest­schrift für Hil­ger/Stumpf, 1983, S. 271, 294 i. V. m. S. 283). Ei­ne sol­che ist je­doch im Streit­fall nicht er­folgt.

C.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG.

Die Kam­mer hat der Rechts­sa­che grundsätz­li­che Be­deu­tung zu­ge­mes­sen und des­halb die Re­vi­si­on an das Bun­des­ar­beits­ge­richt gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

 

- 15 -

R E C H T S M I T T E L B E L E H R U N G

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von dem Kläger

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den.

Für die Be­klag­te ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss

in­ner­halb ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

nach der Zu­stel­lung die­ses Ur­teils schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go-Preuß-Platz 1,

99084 Er­furt,

Fax: (0361) 2636 - 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Re­vi­si­on ist gleich­zei­tig oder

in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils

schrift­lich zu be­gründen.

 

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Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

 

gez.: Prof. Dr. Vos­sen 

gez.: Böhm 

gez.: Bar­gen­da

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