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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Diskriminierung: Geschlecht
   
Gericht: Arbeitsgericht Berlin
Akten­zeichen: 35 Ca 7441/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 30.01.2008
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ar­beits­ge­richt Ber­lin
Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
35 Ca 7441/07

 

Verkündet am

30. Jan. 2008



als Ur­kunds­be­am­t­er­lin

der Geschäfts­stel­le



Im Na­men des Vol­kes


Ur­teil

In Sa­chen


pp. 

- Kläge­rin -

- Be­klag­te/r -


hat das Ar­beits­ge­richt Ber­lin, 35. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 12. De­zem­ber 2007
durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Dr. N als Vor­sit­zen­der
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Frau K und Herr S
für Recht er­kannt:


I.

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

II.

Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Kläge­rin zu tra­gen.

III.

Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 410.000,00 EUR fest­ge­setzt.
 


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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten im We­sent­li­chen um Ansprüche in Zu­sam­men­hang mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG).

Die Kläge­rin ist seit dem 01.01.1993 bei dem Be­klag­ten beschäftigt ge­gen ein mo­nat­li­ches Ent­gelt von zu­letzt 5.361,32 EUR brut­to bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 35,79 St­un­den. Die Beschäfti­gung er­folgt als Ab­tei­lungs­lei­te­rin der Per­so­nal­ab­tei­lung Ber­lin auf der Ba­sis des An­stel­lungs­ver­tra­ges vom 23.08.1993 (BI. 136 ff. d. A.) in Ver­bin­dung mit der Zu­satz­ver­ein­ba­rung Nr. 2 vom 27.09.2006 (BI. 139 d. A.).

Mit Wir­kung vom 10.12.2006 wur­de Herr Dr. MIM der bis da­hin die Per­so­nal­di­rek­ti­on ge­lei­tet hat­te, Jus­ti­ti­ar und Lei­ter der Rechts­ab­tei­lung des Be­klag­ten.

Mit Aus­hang vom 10.12.2006 (BI. 147 d. A.) teil­te der Be­klag­te mit, dass Herr Per­so­nal­lei­ter M R mit so­for­ti­ger Wir­kung zusätz­lich zu der Per­so­nal­lei­tung der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on (GD) München die Per­so­nal­lei­tung für die Ge­ne­ral­di­rek­ti­on Ber­lin und die Be­zirks­di­rek­tio­nen über­neh­me.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, in ih­rer Ei­gen­schaft als Frau be­nach­tei­ligt wor­den zu sein, was sich u. a. aus Fol­gen­dem er­ge­be:

Sie sei bei der Be­set­zung der Lei­tung der neu­en bun­des­weit täti­gen Per­so­nal­ab­tei­lung über­g­an­gen wor­den. Es sei un­ter Um­ge­hung des Be­triebs­rats kei­ne Aus­schrei­bung er­folgt, le­dig­lich mit dem vor­erwähn­ten Aus­hang mit Da­tum vom 10.12.2006 sei am 11.12.2006 dem Per­so­nal­lei­ter R zusätz­lich zur Per­so­nal­ab­tei­lung der GD München die Per­so­nal­lei­tung für die GD Ber­lin und die Be­zirks­di­rek­tio­nen über­tra­gen wor­den.
Der Sa­che nach be­deu­te dies, dass Herr R Nach­fol­ger des bis­he­ri­gen Lei­ters der Per­so­nal­di­rek­ti­on Dr. M ge­wor­den sei, wo­bei die­se Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit da­bei von Per­so­nal­di­rek­ti­on in Per­so­nal­ab­tei­lung um­be­nannt wor­den sei, wie der Be­klag­te mit Schrei­ben vom 08.02.2007 (BI. 148 f. d. A.) ha­be mit­tei­len las­sen, und dass die Kläge­rin nun­mehr Herrn R un­ter­stellt sei. Für die­se Vor­ge­hens­wei­se sei­en ab­ge­se­hen von der un­ter­schied­li­chen Ge­schlechter­zu­gehörig­keit der Kläge­rin und des Herrn R kei­ne Gründe er­sicht­lich.
 


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Herr R ei erst seit dem Jahr 2000 bei dem Be­klag­ten beschäftigt und ha­be bis zum 10.12.2006 die glei­che Tätig­keit wie sie aus­geübt, al­ler­dings in München. Teil­wei­se ha­be die Kläge­rin so­gar höher­wer­ti­ge Tätig­keit als Herr R aus­geübt. Die Per­so­nal­ver­wal­tung Ber­lin könne aus über­ge­ord­ne­ten Rechts­gründen auch kein bloßer Ab­le­ger der Per­so­nal­ver­wal­tung München sein.

Die Kläge­rin sei durch Vor­ent­hal­ten von In­for­ma­tio­nen über die Neu­struk­tu­rie­rung der bis­he­ri­gen Per­so­nal­ver­wal­tung dar­an ge­hin­dert wor­den, selbst ihr In­ter­es­se an der Lei­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­ons­ein­heit an­zu­mel­den bzw. sich zu be­wer­ben. Be­reits anläss­lich ei­nes Abend­es­sens An­fang des Jah­res 2006 ha­be Herr Dr. M ihr be­deu­tet, dass sie für sei­ne Nach­fol­ge nicht in Be­tracht kom­me.

Des Wei­te­ren sei sie in den letz­ten Jah­ren deut­lich schlech­ter be­zahlt wor­den als Herr R Sie ha­be in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach dar­auf ge­drun­gen, von der Be­zeich­nung und von der Be­zah­lung gleich be­han­delt zu wer­den, was durch den sei­ner­zei­ti­gen Per­so­nal­di­rek­tor M nach­voll­zieh­ba­re Be­gründung ab­ge­lehnt wor­den sei.


Der Kläge­rin sei­en auch fak­tisch Per­so­nal­kom­pe­ten­zen ent­zo­gen wor­den, auch wenn sich der Be­klag­te da­zu nicht of­fi­zi­ell be­ken­ne. So ha­be Herr R in ei­nem Gespräch am 18.10.2006 der Kläge­rin erklärt: „Ab jetzt ge­hen al­le we­sent­li­chen Vorgänge über mei­nen Tisch", wo­mit klar­ge­stellt wer­de, dass der Sta­tus der Kläge­rin weit­ge­hend re­du­ziert wer­de. Hier­in lie­ge ei­ne Ver­set­zung, auch wer­de die Kläge­rin von Ent­schei­dungs­pro­zes­sen aus­ge­schlos­sen.


Mit ei­nem Schrei­ben vorn 17.12.2006 (BI. 150 f. d. A.), mit dem die Kläge­rin auf­ge­for­dert wor­den sei, ih­ren ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten nach­zu­kom­men und im Rah­men ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen den Wei­sun­gen ih­res Vor­ge­setz­ten Herrn Per­so­nal­lei­ter R nach­zu­kom­men, wer­de ihr un­be­rech­tigt die Nich­terfüllung von Pflich­ten un­ter­stellt. In ei­nem Gespräch am 20.12.2006 ha­be sie der neue Lei­ter der jetzt bun­des­weit täti­gen Per­so­nal­ver­wal­tung, Herr R auf­ge­for­dert, sie möge über ih­re be­ruf­li­che Zu­kunft nach­den­ken. Aus dem Zu­sam­men­hang, in dem die­se Äußerung ge­fal­len sei, er­ge­be sich, dass es sich um ei­ne Belästi­gung im Sin­ne des § 3 Abs. 3 AGG und ei­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne des § 16 AGG han­de­le.
 


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in der Art und Wei­se der Be­kannt­ma­chung der Beförde­rung von Herrn R durch Aus­hang vom 10.12.2006 sei ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Be­hand­lung zu se­hen, der Aus­hang sei bei Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern bzw. Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der Kläge­rin als De­gra­die­rung ver­stan­den wor­den.

Mit Schrei­ben der Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Be­klag­ten vom 08.02.2007 (BI. 148 f. d. A.) sei ihr u. a. mit­ge­teilt wor­den, dass der­zeit un­ter­neh­mens­in­tern ge­prüft wer­de, ob auf­grund der voll­zo­ge­nen Ände­run­gen wei­te­re Maßnah­men, ins­be­son­de­re auf Lei­tungs­ebe­ne in München und Ber­lin, er­for­der­lich sei­en oder würden. Hier­in sei ei­ne Dro­hung mit dem Ver­lust des Ar­beits­plat­zes zu se­hen. Die­se Dro­hung wie­ge um­so schwe­rer, als da­von aus­zu­ge­hen sei, dass die Kläge­rin auf­grund ih­rer lan­gen Be­triebs­zughörig­keit or­dent­lich nicht mehr künd­bar sei.

Am 11.04.2007 sei die Kläge­rin nach München ge­flo­gen, um dort in der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on auf Ein­la­dung der Mit­ar­bei­te­rin in der Per­so­nal­ab­tei­lung in München, Frau H, an ei­nem Work­shop „Neue Ge­haltsbänder" teil­zu­neh­men, und sei dort von Herrn R mit den Wor­ten: „Was wol­len Sie denn hier ..., wer hat Sie denn ein­ge­la­den ..., ich hätte Sie nicht ein­ge­la­den" emp­fan­gen wor­den. Hier­in lie­ge ei­ne Belästi­gung im Sin­ne des § 3 Abs. 3 AGG.


Auch in an­de­ren Fällen ha­be der Be­klag­te Frau­en dis­kri­mi­nie­rend bzw. de­gra­die­rend be­han­delt, et­wa Frau G, Frau Wund Frau S.


Ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Grund­ein­stel­lung des Be­klag­ten er­ge­be sich auch aus sta­tis­ti­schen Be­trach­tun­gen. Je höher die Führungs­ebe­ne bei dem Be­klag­ten sei, des­to we­ni­ger Frau­en gehörten ihr an.


Die Kläge­rin ist fer­ner der Auf­fas­sung, über die Anträge zu 1) und 3) (Aus­kunfts­ansprüche) sei vor­ab im We­ge ei­nes Teil­ur­teils zu ent­schei­den, denn die so­dann zu stel­len­den Zah­lungs­ansprüche sei­en als durch­aus möglich an­zu­se­hen.

Mit ih­rem Vor­trag im Schrift­satz vom 04.10.2007 ha­be der Be­klag­te fer­ner ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Teil­zeit­beschäfti­gung der Kläge­rin ein­geräumt, wenn er vor­tra­ge, die Kläge­rin sei des­halb nicht in der La­ge ge­we­sen, die Stel­le der Lei­te­rin der Per­so­nal­ab­tei­lung zu über­neh­men, weil sie in Teil­zeit tätig sei. Da Teil­zeit­ar­beit in ers­ter Li­nie von Frau­en aus­geübt wer­de, lie­ge hier­in ei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung.
 


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Der Be­haup­tung des Be­klag­ten, bei Herrn R han­de­le sich um ei­nen lei­ten­den An­ge­stell­ten und dem­zu­fol­ge ha­be die nun­mehr von ihm ein­ge­nom­me­ne Stel­le nicht aus­ge­schrie­ben wer­den müssen, tritt die Kläge­rin ent­ge­gen.

Auch tritt die Kläge­rin der Dar­stel­lung des Be­klag­ten ent­ge­gen, es han­de­le sich nicht um glei­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­beit bei der Tätig­keit, die die Kläge­rin und Herr R bis zum 10.12.2006 aus­geübt hat­ten. Auch sie ha­be Auf­ga­ben der Per­so­nal­ent­wick­lung bei dem Be­klag­ten durch­geführt. So sei sie et­wa in der Zeit vom 15.09.1988 bis 30.09.1991 als Schu­lungs­lei­te­rin bei der „S H AG" am Stand­ort Ber­lin beschäftigt ge­we­sen und ha­be dort u. a. erst­ma­lig ei­ne Schu­lungs­ab­tei­lung am Stand­ort Ber­lin ein­zu­rich­ten und auf­zu­bau­en ge­habt.
Auch während des wei­te­ren Ver­laufs des vor­lie­gen­den Rechts­streits ha­be es wei­te­re Dis­kri­mi­nie­run­gen ge­ge­ben.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin Aus­kunft über den je­wei­li­gen mo­nat­li­chen Ver­dienst in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen des Lei­ters der Per­so­nal­ver­wal­tung München des Be­klag­ten, Herrn M R so­wie des­sen er­folg­ter Ge­halts­erhöhun­gen in der Zeit vom 01.01.2000 bis zum 09.12.2006 zu er­tei­len,


2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin die Ge­halts­dif­fe­renz nach Maßga­be der Aus­kunft nach 1. für den Zeit­raum 01.01.2000 bis 09.12.2006 nebst 5 Pro­zent­punk­ten seit Rechtshängig­keit über dem Ba­sis­zins­satz zu zah­len,


3. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin Aus­kunft über den je­wei­li­gen mo­nat­li­chen Ver­dienst in­klu­si­ve Ein­mal- und Son­der­zah­lun­gen des Lei­ters der Per­so­nal­ab­tei­lun­gen Ber­lin, München und der Be­zirks­di­rek­ti­on des Be­klag­ten, Herrn M R ab dem 10.12.2006 so­wie da­nach er­folg­ter Ge­halts- und Zu­la­gen­erhöhun­gen zu er­tei­len,


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4. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin die Ge­halts­dif­fe­renz nach Maßga­be der Aus­kunft nach 3. für den Zeit­raum ab dem 11.12.2006 nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len,

5. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin in Zu­kunft nach Maßga­be der Aus­kunft nach 3. gleich dem Herrn M R (Ge­halt ab 10.12.2006
zuzüglich da­nach er­folg­ter Ge­halts- und Zu­la­gen­erhöhun­gen) zu be­zah­len,

6. hilfs­wei­se, für den Fall der Zurück­wei­sung des An­tra­ges zu 5., den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, sie in Zu­kunft nach Maßga­be der Aus­kunft nach 1. gleich dem Herrn M R (Ge­halt bis 09.12.2006) zu be­zah­len,

7. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin Schmer­zens­geld in Höhe von 390.000,00 EUR nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len,

8. hilfs­wei­se fest­zu­stel­len, dass der Be­klag­te ver­pflich­tet ist, der Kläge­rin sämt­li­che ma­te­ri­el­len und im­ma­te­ri­el­len Schäden zu er­set­zen, die ihr aus der Un­gleich­be­hand­lung bei der Be­zah­lung im Verhält­nis zum Lei­ter der Per­so­nal­ver­wal­tung München, M R und durch die un­ter­blie­be­ne Beförde­rung auf die Stel­le ei­ner Lei­te­rin der Per­so­nal­ab­tei­lun­gen München und Ber­lin und der Be­zirks­di­rek­tio­nen so­wie durch die sons­ti­gen Be­nach­tei­li­gun­gen we­gen ih­res Ge­schlechts durch den Be­klag­ten ent­stan­den sind oder künf­tig ent­ste­hen wer­den.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te be­strei­tet ei­ne un­mit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin als Frau.

Herrn R sei­en Teil­funk­tio­nen, die bis­her der jet­zi­ge Di­rek­tor und Jus­ti­ti­ar des Be­klag­ten, Dr. M, wahr­ge­nom­men ha­be, über­tra­gen wor­den. Herr Dr. M ha­be die in München an­ge­sie­del­te Stel­le des Per­so­nal­di­rek­tors 1999 an­ge­tre­ten.

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Der Per­so­nal­di­rek­ti­on in München sei­en zwei Per­so­nal­ver­wal­tun­gen, ei­ne in München und ei­ne in Ber­lin un­ter­ge­ord­net ge­we­sen. Mit Wir­kung zum 01.01.2006 sei die Kläge­rin zur Ab­tei­lungs­lei­te­rin der Ab­tei­lung Per­so­nal­ver­wal­tung in Ber­lin er­nannt wor­den.

Herr R sei zum 01.01.2000 als Per­so­nal­lei­ter in München ein­ge­stellt wor­den. Ne­ben der Per­so­nal­be­treu­ung ha­be der Schwer­punkt sei­ner Ar­beit auf der kon­zep­tio­nel­len Per­so­nal­ar­beit ge­le­gen. Da­mit ha­be sich die Tätig­keit des Herrn R. von der der Kläge­rin un­ter­schie­den, die ursprüng­lich Per­so­nal­re­fe­ren­tin ge­we­sen sei. Darüber hin­aus sei für die Po­si­ti­on ein ein­schlägi­ges Uni­ver­sitäts­stu­di­um mit Schwer­punkt Per­so­nal­we­sen oder ein ju­ris­ti­sches Stu­di­um Vor­aus­set­zung. Über bei­des verfüge die Kläge­rin nicht.

Bei der Über­tra­gung von Teil­funk­tio­nen auf Herrn R han­de­le es sich nicht um die Schaf­fung ei­ner neu­en Stel­le über die der Be­triebs­rat nach § 92 Abs. 1 S. 1 Be­trVG ha­be in­for­miert wer­den müssen, außer­dem sei Herr R lei­ten­der An­ge­stell­ter im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Nr. 1 Be­trVG, wes­halb der Be­triebs­rat nicht zu be­tei­li­gen ge­we­sen sei.


Die Kläge­rin könne auch nicht mit Er­folg gel­tend ma­chen, sie ha­be bis zum 10.12.2006 glei­che oder gleich­wer­ti­ge Ar­beit wie Herr R er­bracht. Ne­ben den Auf­ga­ben der Per­so­nal­be­treu­ung ha­be Herrn R die Er­ar­bei­tung von stra­te­gisch, kon­zep­tio­nel­len Per­so­nal­pro­jek­ten, dar­un­ter Per­so­nal­ent­wick­lungs­pro­jek­ten ob­le­gen. Auf­grund ih­rer im Ver­gleich zu Herrn R ge­rin­ge­ren wöchent­li­chen Ar­beits­zeit sei die Kläge­rin auch nicht in der La­ge, die­se zusätz­li­chen Auf­ga­ben zu er­brin­gen. Die Kläge­rin sei auch ob­jek­tiv nicht ge­eig­net, die Herrn R über­tra­ge­nen Funk­tio­nen aus­zuüben, schon des­halb schei­de ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ih­res Ge­schlechts aus. Denn Herr R tra­ge die al­lei­ni­ge kon­zep­tio­nel­le Ver­ant­wor­tung für die Per­so­nal­stra­te­gie und ha­be sich be­reits bei sei­nen frühe­ren Ar­beit­ge­bern in die­sem Be­reich ei­nen Na­men ge­macht. Sei­ne Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen, die er bei der Fa. L (Durchführung von Per­so­nal­ent­wick­lungs- und Per­so­nal­be­treu­ungs­maßnah­men für ca. 500 Mit­ar­bei­ter) und bei der Fa. mhH (Per­so­nal­be­treu­ung, Per­so­nal­grund­satz­fra­gen und Pro­jekt­auf­ga­ben im Rah­men der Per­so­nal­ent­wick­lung für ca. 450 Mit­ar­bei­ter) ge­macht ha­be, sei­en nicht nur maßgeb­lich für sei­ne ursprüng­li­che Ein­stel­lung ge­we­sen, son­dern auch für sei­ne Er­nen­nung zum Per­so­nal­di­rek­tor, nun­mehr Per­so­nal­lei­ter des Be­klag­ten.

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Auch wenn ein kon­kre­tes An­for­de­rungs­pro­fil nicht schrift­lich nie­der­ge­legt wor­den sei, so ha­be bei den Ent­schei­dungs­trägern des Be­klag­ten Ein­ver­neh­men darüber be­stan­den, dass der „neue" Per­so­nal­lei­ter die­se Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten auf­wei­sen sol­le und müsse. Die Kläge­rin ha­be nach dem Kennt­nis­stand des Be­klag­ten in­des kei­ne be­son­de­ren Er­fah­run­gen in die­sem Be­reich auf­zu­wei­sen.

Ein Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen der Beförde­rung des Herrn R. bzw. der Nicht­berück­sich­ti­gung der Kläge­rin und der Ei­gen­schaft der Kläge­rin als Frau, exis­tie­re nicht.


Der Be­haup­tung, es ha­be in der Ver­gan­gen­heit dis­kri­mi­nie­ren­des Ver­hal­ten ge­genüber ein­zel­nen Per­so­nen (Frau G., Frau W Frau S ge­ge­ben, tritt der Be­klag­te ent­ge­gen, auch könn­ten die­se, teil­wei­se länger zurück­lie­gen­den, Ein­z­elfälle nicht ge­ne­rell als In­diz für ei­ne Be­nach­tei­li­gung ge­wer­tet wer­den.


Die Vor­la­ge von Sta­tis­ti­ken al­lein stel­le grundsätz­lich kein hin­rei­chen­des In­diz für ei­ne ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung dar, es ge­be et­wa kei­nen Er­fah­rungs­satz da­hin­ge­hend, dass be­stimm­te Bevölke­rungs­grup­pen bei Be­wer­bun­gen stets gleichmäßig ver­tre­ten sei­en und die Be­leg­schaf­ten da­her dem­ent­spre­chend gleichmäßig zu­sam­men­ge­setzt sein müss­ten.

Der Höhe und der Zu­sam­men­set­zung des gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruchs und Schmer­zens­geld­an­spruchs tritt der Be­klag­te ent­ge­gen. Et­wai­ge Ansprüche sei­en teil­wei­se auch auf Grund ta­rif­ver­trag­li­cher Aus­schluss­fris­ten ver­fal­len oder sie sei­en teil­wei­se verjährt.

Der Kläge­rin sei­en kei­ne Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se ent­zo­gen wor­den, Herr R sei als di­rek­ter Vor­ge­setz­ter selbst­verständ­lich be­rech­tigt, von der Kläge­rin zu er­brin­gen­de Ar­bei­ten ei­ner Prüfung zu un­ter­zie­hen. Wenn die Kläge­rin zu man­chen Ver­an­stal­tun­gen nicht ein­ge­la­den wor­den sei, dann des­we­gen, weil sie hierfür nicht zuständig ge­we­sen sei. Die Äußerung am 10.04.2007 in München des Herrn R sei des­halb ge­fal­len, weil er die Teil­nah­me der Kläge­rin im Verhält­nis zum Auf­wand nicht als not­wen­dig an­ge­se­hen ha­be. Auch in den sons­ti­gen Ein­zel­vorfällen sei kei­ne Maßre­ge­lung der Kläge­rin zu er­bli­cken. Die Ab­leh­nung des Wun­sches der Kläge­rin, als Stell­ver­tre­te­rin von Herrn Ra­le zu agie­ren, sei Aus­druck der Un­ter­neh­mer­frei­heit des Be­klag­ten, auch nach dem AGG be­ste­he kein An­spruch auf Beförde­rung.
 


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Die Äußerung des Herrn R, die Kläge­rin sol­le über ih­re be­ruf­li­che Zu­kunft nach­den­ken, sei aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­sen. Die Kläge­rin ha­be geäußert, sich nicht in die neue Per­so­naib­tei­lung in­te­grie­ren zu wol­len, son­dern ha­be auf der Be­zeich­nung Per­so­nal­ver­wal­tung Ber­lin be­stan­den, die­se Be­zeich­nung sei aber durch den Vor­stand be­reits ab­ge­schafft wor­den.


Da nach al­lem die Kläge­rin kei­ner­lei Ansprüche aus dem AGG zustünden, sei der Be­klag­te auch nicht ver­pflich­tet, Auskünf­te über an­de­re Mit­ar­bei­ter bzw. de­ren Bezüge zu er­tei­len, so­dass die Kla­ge ins­ge­samt ab­zu­wei­sen sei, oh­ne dass über die Aus­kunfts­ansprüche vor­ab durch Teil­ur­teil zu ent­schei­den sei.


Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie ih­re Erklärun­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet und da­her ab­zu­wei­sen.

Der Kläge­rin ste­hen kei­ne Ansprüche nach dem AGG zu. Vor­aus­set­zung für die von der Kläge­rin ver­folg­ten Ansprüche nach dem AGG ist, dass sie we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des — hier: des Ge­schlechts — be­nach­tei­ligt wor­den ist. Da­bei hat die Kläge­rin, wie es in § 22 AGG heißt, zunächst In­di­zi­en zu be­wei­sen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen.
Sie hat hier­bei zunächst ei­ne Dar­le­gung zu er­brin­gen, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung ih­rer Per­son we­gen des Ge­schlechts wahr­schein­lich er­schei­nen lässt. Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer kann ei­ne Be­weis­last des Ar­beit­ge­bers da­hin­ge­hend, dass nicht ge­schlechts­be­zo­ge­ne Gründe die Ent­schei­dung be­stimmt ha­ben, da­durch her­beiführen, dass er Hilfs­tat­sa­chen dar­legt und ord­nungs­gemäß un­ter Be­weis stellt, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts ver­mu­ten las­sen. Hier­zu genügt die Über­zeu­gung des Ge­richts von der über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit für die Kau­sa­lität zwi­schen Ge­schlechts­zu­gehörig­keit und Nach­teil (vgl. BAG, Ur­teil vom 05.02.2004 — 8 AZR 112/03 - ; vgl. LAG Ber­lin, Ur­teil vom 19.10.2006 — 2 Sa 1776/06 (10 Sa 1050/06) -).

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Die­sem Er­for­der­nis genügt der Sach­vor­trag der Kläger­sei­te nicht. Ei­ne Kau­sa­lität zwi­schen ih­rer Ge­schlechts­zu­gehörig­keit und der Nicht­berück­sich­ti­gung der Kläge­rin bei der Über­tra­gung der Funk­tio­nen des Herrn Dr. M auf Herrn R nach Auf­fas­sung der Kam­mer nicht er­kenn­bar.


Grundsätz­lich ist der pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­te Be­klag­te frei in sei­ner Beförde­rungs­ent­schei­dung (Art. 2 Abs. 1 GG) und un­ter­liegt hier auch nicht den Ein­schränkun­gen des Art. 33 Abs. 2 GG bei der Stel­len­be­set­zung.


Wenn der Be­klag­te vorträgt, er wol­le — auch wenn dies nicht schrift­lich do­ku­men­tiert ist — die Be­set­zung die­ses Lei­tungs­pos­tens mit ei­nem Kan­di­da­ten mit ab­ge­schlos­se­nem ein­schlägi­gen Uni­ver­sitäts­stu­di­um mit Schwer­punkt Per­so­nal­we­sen oder ei­nem ju­ris­ti­schen Stu­di­um vor­neh­men, dann ist das für die in Aus­sicht ge­nom­me­ne Stel­le kei­nes­wegs ein fern lie­gen­des Kri­te­ri­um, son­dern von der Un­ter­neh­mer­frei­heit des Be­klag­ten grundsätz­lich ge­deckt. Auch bei dem Vorgänger des Herrn R Herrn Dr. M han­delt es sich um ei­nen Ju­ris­ten, auch des­sen Vorgänge­rin, Frau Dr. G ist ei­ne Ju­ris­tin.
Ei­ne In­dizwir­kung für ei­ne sach­wid­ri­ge Stel­len­be­set­zung im Sin­ne des AGG könn­te dann ge­ge­ben sein, wenn das vom Ar­beit­ge­ber ge­nann­te Kri­te­ri­um er­sicht­lich sach­wid­rig wäre. Die Be­set­zung der Stel­le des Per­so­nalei­ters des Ge­samt­un­ter­neh­mens mit ei­nem Ju­ris­ten ist dies nicht.
Ähn­lich verhält es sich mit den in der Per­so­nal­ar­beit er­wor­be­nen be­ruf­li­chen Vor­er­fah­run­gen der Kläge­rin und des Herrn R Wenn der Be­klag­te die be­ruf­li­che Vor­er­fah­rung des Herrn R bei sei­nen Vor­ar­beit­ge­bern als ge­eig­ne­ter einschätzt als die der Kläge­rin für den zu be­set­zen­den Pos­ten, dann ist er hier­in eben­falls grundsätz­lich frei.


Nach Auf­fas­sung der Kam­mer kommt es da­bei nicht dar­auf an, ob, wie der Be­klag­te vorträgt, Herr R tatsächlich ge­eig­ne­ter für den neu­en Pos­ten ist we­gen sei­ner Er­fah­run­gen im Be­reich der Per­so­nal­ent­wick­lung. Auch wenn die Kläge­rin eben­falls der­ar­ti­ge Er­fah­run­gen im Be­reich der Per­so­nal­ent­wick­lung auf­weist, wie sie in ih­rem Schrift­satz vom 15.11.2007 vorträgt und die­se als gleich­wer­tig an­zu­se­hen wären, bleibt es dem Be­klag­ten grundsätz­lich über­las­sen, wel­chen der bei­den mögli­chen ernst­haf­ten Kan­di­da­ten er auswählt für den Beförde­rungs­pos­ten.
 


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Auch die Art und Wei­se der Stel­len­be­set­zung lässt kei­ne In­dizwir­kung für ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des zu. Ob die neu zu be­set­zen­de Stel­le aus­zu­schrei­ben war und der Be­triebs­rat zu be­tei­li­gen war, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig und dürf­te von der Fra­ge abhängen, ob es sich bei der Po­si­ti­on um die ei­nes lei­ten­den An­ge­stell­ten im Sin­ne des § 5 Abs. 3 Be­trVG han­delt. Auch wenn die­se Fra­ge nicht ab­sch­ließend geklärt ist, ist je­den­falls fest­zu­hal­ten, dass die Auf­fas­sung des Be­klag­ten, bei der Po­si­ti­on des Per­so­nal­lei­ters für das Ge­samt­un­ter­neh­men han­de­le es sich um ei­nen lei­ten­den An­ge­stell­ten, je­den­falls ver­tret­bar er­scheint, nicht sel­ten neh­men Per­so­nal­lei­ter in größeren Un­ter­neh­men die­sen Sta­tus ein.
Auch wenn der (Ge­samt-)Be­triebs­rat den Sta­tus des Herrn R neu mögli­cher­wei­se heu­te an­ders be­ur­tei­len mag, hat er sich zum da­ma­li­gen Zeit­punkt nicht ge­gen die ihm — nach Auf­fas­sung der Kläge­rin fälsch­li­che - mit­ge­teil­te recht­li­che Einschätzung des Be­klag­ten, bei Herrn MR han­de­le es sich um ei­nen lei­ten­den An­ge­stell­ten, ge­wen­det. Von ei­nem et­wai­gen In­diz in dem Sin­ne, die Stel­len­be­set­zung sei in un­ver­tret­ba­rer Wei­se „an dem Be­triebs­rat vor­bei" ge­lau­fen, und des­halb sei ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des wahr­schein­lich, kann da­her nicht aus­ge­gan­gen wer­den.


Auch aus dem Aus­hang vom 10.12.2006 lässt sich eben­falls kein In­diz für ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin als Frau her­lei­ten. Auch wenn die­ser Aus­hang die wei­te­re Po­si­ti­on der Kläge­rin nicht aus­drück­lich berück­sich­tigt — die Kläge­rin spricht sinn­gemäß von ei­ner öffent­li­chen De­gra­die­rung — ist nicht er­sicht­lich, in­wie­fern dies ei­nen Zu­sam­men­hang mit der Ge­schlechts­zu­gehörig­keit der Kläge­rin ha­ben soll.


Aus den schrift­li­chen Äußerun­gen des Be­klag­ten im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an den Aus­hang vom 10.12.2006 und dem Ver­hal­ten des Herrn R er­ge­ben sich eben­falls kei­ne In­di­zi­en für ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des, was sich aus dem Zu­sam­men­hang des Ge­sche­hens er­gibt.
Nach­dem die Per­so­nal­ent­schei­dung mit Aus­hang vom 10.12.2006 be­kannt ge­ge­ben wor­den ist, hat die Kläge­rin hier­ge­gen pro­tes­tiert bzw. pro­tes­tie­ren las­sen. Die Si­tua­ti­on stellt sich der Kam­mer dar als die zwei­er Kon­kur­ren­ten, von de­nen die ei­ne Per­son den be­gehr­ten Pos­ten be­kommt und die an­de­re Per­son zu ih­rem Be­dau­ern nicht, was zu Kon­flik­ten und Span­nun­gen führen kann.
 


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Wenn das Vor­stands­mit­glied des Be­klag­ten die Kläge­rin mit Schrei­ben vorn 03.01.2007 (BI. 150 f. d. A.) in die­sem Zu­sam­men­hang auf­for­dert, ih­ren ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen zukünf­tig nach­zu­kom­men und im Rah­men ih­rer ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tun­gen den Wei­sun­gen ih­res Vor­ge­setz­ten, Herrn Per­so­nal­lei­ter R, nach­zu­kom­men, dann geht es dem Be­klag­ten um die Durch­set­zung und Ak­zep­tanz sei­ner Ent­schei­dung, wie auch aus dem letz­ten Satz des Schrei­bens vom 03.01.2007 zum Aus­druck kommt und im Schrei­ben der Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Be­klag­ten vom 08.02.2007, Zif­fer 4 (BI. 148 f. d. A.). Ver­gleich­ba­res gilt, in Be­zug auf even­tu­el­le wei­te­re Ände­run­gen, auch für die Zif­fer 3 des Schrei­bens vom 08.02.2007.
Wenn Herr Rich­ter die Kläge­rin am 20.12.2006 auf­ge­for­dert hat, über „ih­re be­ruf­li­che Zu­kunft" nach­zu­den­ken, dann steht die Si­che­rung sei­ner neu er­wor­be­nen Macht­po­si­ti­on im Vor­der­grund, zu­mal die­se Äußerung nach dem Vor­trag des Be­klag­ten in Zu­sam­men­hang da­mit ge­fal­len sein soll, dass die Kläge­rin geäußert ha­ben soll, sich nicht in die neue Per­so­nal­ab­tei­lung in­te­grie­ren zu wol­len, son­dern auf der Be­zeich­nung Per­so­nal­ver­wal­tung Ber­lin be­stan­den ha­be. Vor die­ser Kon­kur­renz­si­tua­ti­on ist auch die An­wei­sung des Herrn Rich­ter ein­zu­ord­nen, zukünf­tig soll­ten al­le we­sent­li­chen Vorgänge über sei­nen Schreib­tisch ge­hen.
Der­ar­ti­ge, so auch die hin­sicht­lich des wei­te­ren Ver­laufs des Ar­beits­verhält­nis­ses dar­ge­stell­ten, Span­nun­gen und Kon­flik­te können in glei­cher Wei­se auf­tre­ten, wenn zwei Männer oder zwei Frau­en um ei­nen höhe­ren Pos­ten kon­kur­rie­ren oder wenn ei­ne Frau den be­gehr­ten Pos­ten erhält und ein Mann das Nach­se­hen hat, und wenn bei­de Kon­tra­hen­ten in der Fol­ge wei­ter zu­sam­men ar­bei­ten müssen. Aus Sicht der Kam­mer er­gibt sich in die­sem Zu­sam­men­hang kein In­diz ei­ner Be­nach­tei­li­gung „we­gen" ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des.


So­fern die Kläge­rin auf den ge­rin­gen An­teil an Frau­en in Spit­zen­po­si­tio­nen bei dem Be­klag­ten ver­weist, kommt auch dem nach Auf­fas­sung der Kam­mer kei­ne ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. Die­se Si­tua­ti­on kann über­kom­me­ne ge­sell­schaft­li­che Verhält­nis­se ab­bil­den, oh­ne dass bei dem Be­klag­ten ge­ne­rell und ak­tu­ell ei­ne frau­en­feind­li­che Grund­ein­stel­lung herr­schen muss, zu­mal die Be­wer­ber­si­tua­ti­on in der Ver­gan­gen­heit un­klar ist. Für den hier be­trof­fe­nen Per­so­nal­be­reich des Be­klag­ten wird je­den­falls vor­ge­tra­gen, dass des­sen Lei­tung vor Herrn Dr. M Frau Dr. G in­ne­hat­te, und dass Frau S (bis zu ih­rem Er­zie­hungs­ur­laub) Per­so­nal­lei­te­rin der Ge­ne­ral­di­rek­ti­on München war.
 


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Es ist fer­ner auch kei­ne mit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung der Kläge­rin als Frau we­gen de­ren Teil­zeittätig­keit im Um­fang von 35,79 St­un­den er­kenn­bar. So­fern der Be­klag­te vorträgt, die Kläge­rin wäre we­gen ih­rer im Ver­gleich zu Herrn R. ge­rin­ge­ren Wo­chen­ar­beits­zeit zeit­lich nicht in der La­ge, zusätz­lich Auf­ga­ben der kon­zep­tio­nel­len Per­so­nal­ar­beit zu er­brin­gen, so tritt die Kläge­rin dem zum ei­nen selbst ent­ge­gen, und trägt im Schrift­satz vom 15.11.2007 vor, dass sie der­ar­ti­ge Auf­ga­ben durch­aus be­reits er­brin­ge. Zum an­de­ren trägt der Be­klag­te auch nicht vor, die Kläge­rin bekäme kei­ne Auf­ga­ben der kon­zep­tio­nel­len Per­so­nal­ar­beit, weil sie Teil­zeit­kraft sei, der Kern der Aus­sa­ge liegt dar­in, er hal­te die Kläge­rin für zeit­lich aus­ge­las­tet, so­dass ihr auch kei­ne wei­te­ren, aus sei­ner Sicht bis­her von ihr noch nicht aus­geübten, Auf­ga­ben über­tra­gen wer­den könn­ten.

So­fern die Kläge­rin auf den be­ruf­li­chen Wer­de­gang von Frau G, Frau Wund Frau S (nach dem Er­zie­hungs­ur­laub) ver­weist, er­gibt sich — ab­ge­se­hen da­von, dass der Be­klag­te die Vorgänge an­ders als die Kläge­rin dar­stellt — aus die­sen zum Teil länger zurück­lie­gen­den Ein­z­elfällen nach Auf­fas­sung der Kam­mer an­ge­sichts der Viel­zahl der Beschäftig­ten bei dem Be­klag­ten nicht der Schluss auf ein frau­en­feind­li­ches Um­feld und da­mit kei­ne In­dizwir­kung zu­guns­ten der Kläge­rin.
Auch aus dem Vor­trag der Kläge­rin im Übri­gen er­gibt sich kei­ne In­dizwir­kung im Sin­ne des § 22 AGG.

Nach dem vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt ist da­her — we­der in der Ein­zel­be­trach­tung der Vor­komm­nis­se noch in der Ge­samt­be­wer­tung — nicht da­von aus­zu­ge­hen, dass die Kläge­rin we­gen ih­res Ge­schlechts be­nach­tei­ligt wird.

Ansprüche nach dem AGG sind da­her nicht ge­ge­ben. Ansprüche nach § 15 AGG schei­den aus, da nicht von ei­nem Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot aus­ge­gan­gen wer­den kann, ei­ne Belästi­gung im Sin­ne des § 3 AGG liegt nicht vor, da die Ver­hal­tens­wei­se des Be­klag­ten nicht mit ei­nem in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­de in Zu­sam­men­hang steht Auch liegt kein Ver­s­toß ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot nach § 16 AGG vor, weil die Kläge­rin un­zu­tref­fend Rech­te aus dem AGG her­lei­tet.

Auch sons­ti­ge An­spruchs­grund­la­gen be­gründen das kläge­ri­sche Be­geh­ren nicht.
 


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Hin­sicht­lich der zu Zif­fer 2) und 4) ver­folg­ten Zah­lungs­ansprüche kann al­lein ei­ne even­tu­el­le Un­gleich­be­zah­lung von Herrn Rich­ter und der Kläge­rin nicht zu den ent­spre­chen­den Zah­lungs­ansprüchen un­ter dem Ge­sichts­punkt des all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes führen.

Zum ei­nen ist nur hin­sicht­lich der Tätig­keit bis zum 10.12.2006 zwi­schen den Par­tei­en strei­tig, ob die­se gleich oder gleich­wer­tig ist, ab die­sem Zeit­punkt führt Herr R je­den­falls ei­ne hier­ar­chisch höher an­ge­sie­del­te Tätig­keit aus.

Auch für die Zeit bis zum 10.12.2006 han­del­te es sich, selbst wenn die Tätig­kei­ten der Kläge­rin und des Herrn R als sol­che gleich oder gleich­wer­tig an­zu­se­hen wären, nicht um ei­nen „glei­chen Ar­beits­platz" (vgl. Art. 141 Abs. 2 EG-Ver­trag). Die Ar­beitsplätze der Kläge­rin und des Herrn R wa­ren in un­ter­schied­li­chen Be­trie­ben - Ber­lin und München —an­ge­sie­delt, für die, falls die Gehälter frei aus­ge­han­delt wor­den sind, un­ter­schied­lich aus­ge­stal­te­te Ar­beitsmärk­te maßgeb­lich sind oder ggf. un­ter­schied­li­che ta­rif­ver­trag­li­che Rah­men­be­din­gun­gen exis­tie­ren, bei un­ter­schied­li­chen Le­bens­hal­tungs­kos­ten, un­ter­schied­li­chen Ein­tritts­da­ten, etc.
Ein Aus­kunfts­an­spruch hin­sicht­lich der Einkünf­te des Herrn R käme da­her nach Auf­fas­sung der Kam­mer nur in Be­tracht, wenn ein An­spruch der Kläge­rin auf Gleich­be­hand­lung möglich wäre vor dem Hin­ter­grund ei­ner Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin als Frau und von Verstößen ge­gen das AGG (vgl. BAG, Ur­teil vom 01.12.2004 — 5 AZR 664/03). Nach dem vor­ste­hend Aus­geführ­ten, kann aber nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Kläge­rin we­gen ih­rer Ge­schlechts­zu­gehörig­keit be­nach­tei­ligt wird.

Da mit­hin die Zah­lungs­ansprüche der Kläge­rin zu 2) und 4) er­folg­los sind, sind auch die dar­auf ge­rich­te­ten Aus­kunfts­ansprüche zu 1) und 3) durch En­dur­teil ab­zu­wei­sen.

Die Kla­ge ist da­her ins­ge­samt ab­zu­wei­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Kläge­rin gemäß § 91 Abs. 1 ZPO als un­ter­le­ge­ne Par­tei zu tra­gen. Die Streit­wert­fest­set­zung folgt aus §§ 61 Abs. ArbGG, 46 Abs. 2 ZPO, 3 ff. ZPO. Zu dem be­zif­fer­ten Be­trag des An­trags zu 7) wur­de hin­sicht­lich der Anträge zu 1) und 2), 3) und 4), 5), 6), 8) je­weils der Re­gel­wert des § 23 Abs. 3 RVG ad­diert.
 


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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von d. Kläger/in Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den.


Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt oder ei­nem Ver­tre­ter ei­ner Ge­werk­schaft bzw. ei­ner Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände ein­ge­reicht wer­den.

Die Be­ru­fungs­schrift muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

bei dem

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg,
Mag­de­bur­ger Platz 1, 10785 Ber­lin,

ein­ge­gan­gen sein.

Die Be­ru­fungs­schrift muss die Be­zeich­nung des Ur­teils, ge­gen das die Be­ru­fung ge­rich­tet wird, so­wie die Erklärung ent­hal­ten, dass Be­ru­fung ge­gen die­ses Ur­teil ein­ge­legt wer­de.
Die Be­ru­fung ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

in glei­cher Form schrift­lich zu be­gründen.
Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Ur­teils, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.


Da­bei ist zu be­ach­ten, dass das Ur­teil mit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten oder ei­ner ähn­li­chen Vor­rich­tung für den Pos­t­emp­fang als zu­ge­stellt gilt.
Wird bei der Par­tei ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung ab­ge­ge­ben, dass das Ur­teil auf der Geschäfts­stel­le ei­nes Amts­ge­richts oder ei­ner von der Post be­stimm­ten Stel­le nie­der­ge­legt ist, gilt das Schriftstück mit der Ab­ga­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung als zu­ge­stellt, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung.
Das Zu­stel­lungs­da­tum ist auf dem Um­schlag der Sen­dung ver­merkt.
Für d. Be­klag­te/n ist kei­ne Be­ru­fung ge­ge­ben.

Von der Be­gründungs­schrift wer­den zwei zusätz­li­che Ab­schrif­ten zur Un­ter­rich­tung der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter er­be­ten.

Wei­te­re Statt­haf­tig­keits­vor­aus­set­zun­gen er­ge­ben sich aus § 64 Abs.2 ArbGG : "Die Be­ru­fung kann nur ein­ge­legt wer­den,
a) wenn sie in dem Ur­teil zu­ge­las­sen wor­den ist,
b) wenn der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des 600 Eu­ro über­steigt,
c) in Rechts­strei­tig­kei­ten über das Be­ste­hen, das Nicht­be­ste­hen oder die Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses oder
d) wenn es sich um ein Versäum­nis­ur­teil han­delt, ge­gen das der Ein­spruch an sich nicht statt­haft ist, wenn die Be­ru­fung oder An­schluss­be­ru­fung dar­auf gestützt wird, dass der Fall schuld­haf­ter Versäum­ung nicht vor­ge­le­gen ha­be,"

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