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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Freistellung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 2 Sa 328/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.11.2008
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 30.04.2008, 4 Ca 232/08
   

Ak­ten­zei­chen:
2 Sa 328/08
4 Ca 232/08
ArbG Trier
Ur­teil vom 20.11.2008

 

Te­nor:

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Trier vom 30.04.2008 - 4 Ca 232/08 un­ter Auf­recht­er­hal­tung im Übri­gen teil­wei­se ab­geändert.

 

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Kläge­rin am 16.12.2008 je­weils ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len.

 

Die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

 

Die wei­te­re Be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen.

 

Die Kos­ten des Rechts­streits wer­den der Kläge­rin auf­er­legt.

 

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um die Fra­ge, ob und ggf. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, die Kläge­rin von ih­rer Ar­beits­pflicht frei­zu­stel­len.

 

Die Kläge­rin ist Mit­glied des Be­triebs­ra­tes der Be­klag­ten, sie ist nicht frei­ge­stellt. Sie gehört der Ge­werk­schaft IG Me­tall an. Sie wur­de am 07.12.2007 als Bei­sit­ze­rin in den Orts­vor­stand der IG Me­tall A-Stadt gewählt. Die­ser Orts­vor­stand hält in re­gelmäßigen Abständen Sit­zun­gen ab, die in et­wa mo­nat­lich, über­wie­gend an Diens­ta­gen, an­be­raumt sind. Bis im Au­gust 2008 war die Kläge­rin in der Ab­tei­lung Qua­litäts­si­che­rung tätig und hat­te dort ei­ne re­gelmäßige Ar­beits­zeit von 6.00 Uhr bis 14.00 Uhr. Am Schicht­dienst nahm sie bis Au­gust 2008 nicht teil.

 

Nach persönli­cher Bit­te und ei­ner schrift­li­chen Auf­for­de­rung ih­res Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten mit Schrei­ben vom 23.01.2008, mit dem die Kläge­rin um Frei­stel­lung für die Teil­nah­me an Sit­zun­gen des Orts­vor­stan­des nach­ge­sucht hat­te, schrieb die Be­klag­te un­ter dem 14.02.2008 an die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten, dass grundsätz­li­che Be­reit­schaft bestünde, die Kläge­rin für Sit­zun­gen des Vor­stan­des frei­zu­stel­len, so weit be­trieb­li­che Be­lan­ge nicht ent­ge­gen­ste­hen. Wei­ter führt die Be­klag­te wört­lich aus:

 

"Wenn Frau C. sich be­reit erklärt, ih­re vor­ma­li­ge Tätig­keit im Schicht­dienst wie­der auf­zu­neh­men, könn­ten bei recht­zei­ti­ger Mit­tei­lung der Sit­zungs­ter­mi­ne die­se bei den Schicht­plänen Berück­sich­ti­gung fin­den, so dass Frau C. außer­halb der Schich­ten die Teil­nah­me an den Vor­stands­sit­zun­gen möglich wäre."

 

Wei­ter wird aus­geführt, ei­ne un­be­zahl­te Frei­stel­lung von der der­zei­ti­gen Tätig­keit im Qua­litäts­we­sen könne nicht in Aus­sicht ge­stellt wer­den, da in­so­weit er­heb­li­che be­trieb­li­che Be­lan­ge ent­ge­genstünden. So weit die Kläge­rin für die Teil­nah­me an den Vor­stands­sit­zun­gen Ur­laub be­an­tra­ge, würden die­ser im Grund­satz ge­neh­migt wer­den, wenn im Ein­zel­fall be­trieb­li­che Be­lan­ge nicht ent­ge­genstünden. Ur­laub könne al­ler­dings grundsätz­lich nur ta­ge­wei­se gewährt wer­den.

 

Mit am 19.02.2008 beim Ar­beits­ge­richt T. ein­ge­gan­ge­ner Kla­ge hat die Kläge­rin Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten be­an­tragt, sie an im Ein­zel­nen be­zeich­ne­ten Ta­gen der Vor­stands­sit­zun­gen ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len. Wei­ter hat sie die Fest­stel­lung be­gehrt, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, die Kläge­rin je­weils für die Teil­nah­me an Orts­vor­stands­sit­zun­gen frei­zu­stel­len, so weit kei­ne zwin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen.

 

Die Kläge­rin hat gel­tend ge­macht, sie ha­be kei­nen Ein­fluss auf die Fest­set­zung der Sit­zungs­ter­mi­ne und könne sie nicht ver­le­gen. Die Be­klag­te ha­be kei­ne be­trieb­li­chen Gründe dar­ge­legt, die der Frei­stel­lung ent­ge­genstünden, die Ab­leh­nung be­ru­he viel­mehr dar­auf, dass sie Be­triebs­rats­ar­beit und Ge­werk­schafts­ar­beit kri­tisch ge­genüber­ste­he. Das An­ge­bot in den Schicht­dienst zu wech­seln sei ei­ne Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen, außer­dem sei es un­zu­mut­bar, für die zwei St­un­den ei­nen gan­zen Tag Ur­laub zu op­fern. Sie selbst ha­be ver­schie­de­ne Lösungsmöglich­kei­ten auf­ge­zeigt, so das Nach­ar­bei­ten von St­un­den an­ge­bo­ten oder die St­un­den aus dem Über­stun­den­kon­to zu neh­men. Der An­spruch er­ge­be sich aus der grund­ge­setz­lich geschütz­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit.

 

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 26.02.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 31.03.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 27.05.208 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 24.06.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 12.08.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 09.09.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

7. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 18.11.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

8. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin am 16.12.2008 ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len,

9. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, die Kläge­rin je­weils für die Teil­nah­me an Orts­vor­stands­sit­zun­gen der IG Me­tall frei­zu­stel­len, so­weit kei­ne zwin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen.

 

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

 

Sie hat vor­ge­tra­gen, die Kläge­rin könne an den Sit­zun­gen teil­neh­men. Der Kläge­rin sei­en hierfür zwei Mo­del­le an­ge­bo­ten wor­den, ent­we­der Ein­satz ei­nes Ur­laubs­ta­ges oder Wech­sel in den Schicht­dienst.

 

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des ers­ter In­stanz wird auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Trier vom 30.04.2008 ver­wie­sen.

 

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge ent­spro­chen und aus­geführt, die Kläge­rin ha­be ei­nen An­spruch auf un­be­zahl­te Frei­stel­lung an den von ihr ge­nann­ten Ta­gen. An­spruchs­grund­la­ge sei Art. 9 Abs. 3 GG i. V. m. dem all­ge­mei­nen Rechts­grund­satz der wech­sel­sei­ti­gen Rück­sichts­nah­me im Ar­beits­verhält­nis.

 

Die Be­klag­te ha­be drin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ge­gen die Frei­stel­lung nur un­sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, ins­be­son­de­re sei ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on wi­dersprüchlich, wenn man der Kläge­rin ei­ner­seits ei­nen Ur­laubs­tag an­bie­te, an­de­rer­seits aber be­haup­te, der Aus­fall der Kläge­rin für zwei St­un­den an we­ni­gen Ta­gen im Jahr, die be­reits jetzt fest­ste­hen und da­mit plan­bar sei­en, sei­en aus be­trieb­li­chen Gründen nicht ver­kraft­bar.

 

Wei­ter sei nicht er­kenn­bar, dass die Sit­zungs­ter­mi­ne miss­bräuch­lich ge­legt wor­den sei­en, außer­dem ha­be der Ge­setz­ge­ber im Verhält­nis Ge­werk­schaft zum Ar­beit­ge­ber auch an an­de­ren Stel­len ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen ge­trof­fen, die be­son­de­re Rech­te vor­se­hen. Ei­ne Frei­stel­lung für die Teil­nah­me an der Ge­werk­schafts­sit­zung be­deu­te noch lan­ge nicht, dass in Zu­kunft sämt­li­che grund­ge­setz­lich geschütz­ten Ver­ei­ni­gun­gen, z. B. auch po­li­ti­sche Par­tei­en, bei ih­ren Sit­zun­gen ei­nen Frei­stel­lungs­an­spruch vom Ar­beit­ge­ber für sich re­kla­mie­ren können.

 

Das Ar­beits­ge­richt hat wei­ter in den Gründen aus­geführt, die Be­ru­fung sei aus­drück­lich zu­zu­las­sen, im Te­nor be­fin­det sich ei­ne Ent­schei­dung über die Zu­las­sung der Be­ru­fung al­ler­dings nicht.

 

Das Ar­beits­ge­richt hat wei­ter den Wert des Streit­ge­gen­stan­des auf 4.000,-- EUR fest­ge­setzt.

 

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Ur­teils­be­gründung wird auf die vor­be­zeich­ne­te Ent­schei­dung ver­wie­sen.

 

Das Ur­teil wur­de der Be­klag­ten am 02.06.2008 zu­ge­stellt. Die Be­klag­te hat am 10.06.2008 Be­ru­fung ein­ge­legt und ih­re Be­ru­fung am 22.08.2008 be­gründet, nach­dem die Frist zur Be­gründung bis 25.08.2008 verlängert wor­den war.

 

Die Be­klag­te greift die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung aus tatsächli­chen und aus recht­li­chen Gründen an. Sie nimmt Be­zug auf die Tätig­keit der Kläge­rin in der Qua­litäts­si­che­rung. Ursprüng­lich ha­be die Kläge­rin in der Pro­duk­ti­on, in der ein Mehr-Schicht-Be­trieb ein­geführt wur­de, ge­ar­bei­tet. Die Be­klag­te ha­be dann wei­ter im nach­ge­ord­ne­ten Be­reich des Qua­litäts­we­sens ei­nen zusätz­li­chen Ar­beits­platz ein­ge­rich­tet, der mit der Kläge­rin, wel­che die Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ner Wer­ke­rin ha­be, be­setzt wor­den sei. Während im sons­ti­gen Qua­litäts­ma­nage­ment nur höher­qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer tätig sei­en, sei die­ser zusätz­li­che Ar­beits­platz mit ei­ner Ar­beit­neh­me­rin mit der Qua­li­fi­ka­ti­on Wer­ke­rin be­setzt, nämlich mit der Kläge­rin. Nach­dem nun Auf­träge aus dem Be­reich A. aus­ge­lau­fen sei­en, wer­de die Kläge­rin länger­fris­tig wie­der in den Be­reich Pro­duk­ti­on und so­mit in den Schicht­be­trieb zurück­keh­ren müssen, da der Ar­beits­platz im Qua­litäts­we­sen ent­fal­len wer­de. Wenn Ar­beits­zei­ten der Kläge­rin aus­fie­len, müss­ten die­se St­un­den durch höher­qua­li­fi­zier­te Ar­beit­neh­mer des Be­reichs Qua­litäts­we­sen mit über­nom­men wer­den. Die­se Ar­beit­neh­mer fie­len dann für die Auf­ga­ben, für die sie ei­gent­lich vor­ge­se­hen sei­en, aus.

 

Da­mit sei die Fest­stel­lung des Ar­beits­ge­richts, die Be­klag­te ha­be be­trieb­li­che Gründe nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­legt, un­zu­tref­fend.

 

Ein An­spruch auf Frei­stel­lung von der Ar­beits­pflicht be­ste­he auch aus Art. 9 Abs. 3 GG nicht. Die Grund­rech­te sei­en le­dig­lich Ab­wehr­rech­te. Teil­ha­ber­rech­te er­ge­ben sich hier­aus re­gelmäßig nicht. Die­se würden sich auch nicht ge­gen den pri­va­ten Ar­beit­ge­ber rich­ten, son­dern al­len­falls ge­gen den Staat. So weit der Ge­setz­ge­ber der Auf­fas­sung sei, dass in die Rech­te Drit­ter zu Guns­ten von grund­ge­setz­lich geschütz­ten Po­si­tio­nen ein­ge­grif­fen wer­den müsse, sei dies stets ein­fach ge­setz­lich ge­re­gelt. Das Recht der Kläge­rin an Ge­werk­schafts­ak­ti­vitäten teil­zu­neh­men oder sich an­der­wei­tig ko­ali­ti­ons­spe­zi­fisch zu betäti­gen, sei im vor­lie­gen­den Fall nicht tan­giert. Die Kläge­rin neh­me für sich in An­spruch, die­ses Recht un­ter vollständi­ger Hin­ten­an­stel­lung der Rech­te der Be­klag­ten ausüben zu wol­len. Grund­ge­setz­lich kol­li­die­re das Recht der Kläge­rin auf ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche Tätig­keit mit dem Recht der Be­klag­ten auf freie un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit über­haupt nicht. Dies wäre et­wa an­ders, wenn die Be­klag­te Sank­tio­nen ge­gen die Kläge­rin er­grif­fe, die an Ko­ali­ti­onstätig­kei­ten an­knüpften. Das sei al­ler­dings nicht der Fall. Sie könne je­der­zeit an Sit­zun­gen teil­neh­men, al­ler­dings gehöre die­se Teil­nah­me zu ih­rer pri­va­ten Le­bensführung. Wenn sie sich ver­trag­lich ver­pflich­te, zu be­stimm­ten Zei­ten dem Ar­beit­ge­ber zur Verfügung zu ste­hen, dann müsse sie ih­re pri­va­te Le­bensführung zu den an­de­ren Zei­ten ter­mi­nie­ren. Dass es zu Kon­flikt­si­tua­tio­nen kom­me, lie­ge nicht et­wa dar­an, dass die Be­klag­te das Recht der Kläge­rin auf ko­ali­ti­ons­spe­zi­fi­sche Tätig­keit ein­schränke. Die Ur­sa­che sei viel­mehr dar­in zu se­hen, dass die Ge­werk­schaft of­fen­sicht­lich für sich be­schlos­sen ha­be, Sit­zun­gen zu Zei­ten ab­zu­hal­ten, an de­nen die Kläge­rin ver­hin­dert sei. Selbst wenn ein ent­spre­chen­der An­spruch be­ste­hen würde, stünde die­ser grund­recht­lich ge­ge­be­ne An­spruch stets un­ter dem Vor­be­halt der prak­ti­schen Kon­kor­danz mit kol­li­die­ren­den Grund­rech­ten. Das Recht der Be­klag­ten auf freie un­ter­neh­me­ri­sche Tätig­keit sei eben­falls grund­ge­setz­lich geschützt. Die­ses Recht sei be­trof­fen, wenn die Kläge­rin für sich in An­spruch neh­me, ent­ge­gen ih­rem Ar­beits­ver­trag zu be­stimm­ten Zei­ten von der Pflicht zur Ar­beit frei­ge­stellt zu wer­den.

 

Die Be­klag­te hat den An­trag an­gekündigt, un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Trier wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

 

Die Kläge­rin hat zunächst den An­trag an­gekündigt, die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig ab­zu­wei­sen und das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Trier auf­recht zu er­hal­ten.

 

Die Par­tei­en ha­ben aus­drück­lich erklärt, dass die Kläge­rin ab Au­gust 2008 wie­der im nor­ma­len 3-Schicht-Be­trieb mit Wech­sel von Früh-, Spät- und Nacht­schicht tätig ist. Wei­ter ha­ben sie übe­rein­stim­mend erklärt, dass ei­ne Fortführung des 3-Schicht-Wech­sel­be­trie­bes im Jahr 2007 we­der ver­ein­bart ist noch si­cher er­scheint.

 

Die Kläge­rin hat so­dann für die im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung be­reits ab­ge­lau­fe­nen, von ih­rem Kla­ge­an­trag er­fass­ten Ter­mi­ne Er­le­di­gung der Haupt­sa­che erklärt, die Be­klag­te hat der Er­le­di­gungs­erklärung zu­ge­stimmt. Die Kläge­rin hat so­dann die Ta­ge der Frei­stel­lung im We­ge der Kla­ge­er­wei­te­rung auf für das Jahr 2009 im Ein­zel­nen be­zeich­ne­te Ta­ge aus­ge­dehnt so­wie Frei­stel­lung für den 16.12.2008 be­gehrt.

 

Ob­gleich der An­trag im Pro­to­koll nicht auf­ge­nom­men wur­de, hat die Be­klag­te den An­trag aus der Be­ru­fungs­schrift ge­stellt, die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­ru­fung kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen.

 

Sie hat wei­ter be­an­tragt,

die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, die Kläge­rin am 16.12.2008, am 20.01.2009, am 17.02.2009, am 21.04.2009, am 26.05.2009, am 23.06.2009, am 25.08.2009, am 20.10.2009, am 24.11.2009 und am 16.12.2009 je­weils ab 12.00 Uhr bis zum Ar­beits­en­de von der Ar­beit frei­zu­stel­len.

 

Die Kläge­rin hat im We­sent­li­chen das an­ge­foch­te­ne Ur­teil ver­tei­digt.

 

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des im Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der Schriftsätze der Par­tei­en, die Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung wa­ren, ver­wie­sen. Wei­ter wird ver­wie­sen auf die Fest­stel­lun­gen zum Sit­zungs­pro­to­koll vom 20.11.2008.

 

Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist zulässig. Die Be­ru­fung ist nicht des­we­gen et­wa un­zulässig, weil der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des nicht er­reicht ist. Das Ar­beits­ge­richt hat ei­ne aus­drück­li­che Zu­las­sung der Be­ru­fung im Ur­teils­te­nor we­der erklärt, noch wur­de ei­ne nachträgli­che Ergänzung be­an­tragt. Das Ar­beits­ge­richt hat al­ler­dings den Wert des Streit­ge­gen­stan­des auf 4.000,-- EUR fest­ge­setzt. Da der Wert der Be­schwer, der mögli­cher­wei­se un­ter 600,-- EUR liegt, al­ler­dings nicht of­fen­sicht­lich ist, das Ur­teil die Be­klag­te hin­sicht­lich des vol­len Un­ter­lie­gens be­schwert und der Wert des Streit­ge­gen­stan­des über 4.000,-- EUR fest­ge­setzt wur­de, ist der Be­schwer­de­wert er­reicht.

 

Im Übri­gen sind die For­ma­li­en im Be­ru­fungs­ver­fah­ren ein­ge­hal­ten. Die Be­klag­te hat die Frist zur Ein­le­gung und zur Be­gründung der Be­ru­fung ge­wahrt (§ 64 Abs. 6 i. V. m. § 66 Abs. 1 ArbGG, § 520 ZPO).

 

Das Rechts­mit­tel der Be­ru­fung hat auch zum über­wie­gen­den Teil Er­folg, die Kläge­rin kann von der Be­klag­ten le­dig­lich die Frei­stel­lung für den 16.12.2008 ver­lan­gen.

 

Im Übri­gen kann ein Recht der Kläge­rin, von der Be­klag­ten zu ver­lan­gen, zu den Orts­vor­stands­sit­zun­gen ab 12.00 Uhr frei­ge­stellt zu wer­den, so weit zwin­gen­de be­trieb­li­che Be­lan­ge nicht ent­ge­gen­ste­hen, nicht fest­ge­stellt wer­den. Sie hat auch kei­nen im Vor­hin­ein vom Ge­richt fest­stell­ba­ren An­spruch, von der Ar­beits­pflicht an be­stimmt be­zeich­ne­ten Ta­gen frei­ge­stellt zu wer­den, so weit zwin­gen­de be­trieb­li­che Be­lan­ge nicht ent­ge­gen­ste­hen.

 

II. Die­ses Er­geb­nis folgt im We­sent­li­chen aus den nach­fol­gend kurz zu­sam­men­ge­fass­ten Erwägun­gen:

 

Das Recht der Kläge­rin, von der Be­klag­ten am 16.12.2008 ab 12.00 Uhr von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt zu wer­den, er­gibt sich nicht aus all­ge­mei­nen grundsätz­li­chen Erwägun­gen, son­dern aus den kon­kre­ten Umständen des Ein­zel­fal­les. Die Kläge­rin nimmt seit Au­gust 2008 am Wech­sel­schicht­be­trieb teil. Die Be­klag­te hat der Kläge­rin be­reits mit Schrei­ben vom 14.02.2008 zu­ge­sagt, bei recht­zei­ti­ger Mit­tei­lung der Sit­zungs­ter­mi­ne könn­ten die­se bei den Schicht­plänen Berück­sich­ti­gung fin­den, so dass der Kläge­rin außer­halb der Schicht die Teil­nah­me an den Vor­stands­sit­zun­gen ermöglicht wer­de. An die­se Erklärung muss sich die Be­klag­te auch im lau­fen­den Rechts­streit hal­ten las­sen. Die Zu­sa­ge enthält kei­ner­lei Ein­schränkun­gen ei­ner noch­ma­li­gen Über­prüfung. Die Kläge­rin nimmt seit Au­gust 2008 wie­der­um am re­gulären Wech­sel­schicht­be­trieb teil. Der Sit­zungs­tag 16.12.2008 war der Be­klag­ten spätes­tens seit Kla­ge­er­he­bung im Fe­bru­ar 2008 be­kannt. Ei­ne Berück­sich­ti­gung bei der Schicht­ein­tei­lung war da­her der Be­klag­ten oh­ne wei­te­res möglich, je­den­falls hat die Be­klag­te im lau­fen­den Rechts­streit nicht auf­ge­zeigt, dass aus be­son­de­ren Gründen es ihr nicht möglich ge­we­sen wäre, bei der Schicht­pla­nung dar­auf Rück­sicht zu neh­men, dass die Kläge­rin am 16.12.2008 an ei­ner Orts­vor­stands­sit­zung teil­neh­men will.

 

Da­mit er­gibt sich der kon­kre­te An­spruch der Kläge­rin für die Frei­stel­lung am 16.12.2008 aus ein­zel­ver­trag­li­cher Zu­sa­ge.

 

III. Die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge der Kläge­rin, al­so der über­wie­gen­de Teil ist da­ge­gen nicht be­gründet.

 

Die Kläge­rin kann nicht die Fest­stel­lung ver­lang­ten, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, sie je­weils für die Teil­nah­me an Orts­vor­stands­sit­zun­gen der IG Me­tall frei­zu­stel­len, so weit kei­ne zwin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen.

 

Das Ar­beits­ge­richt hat die Fest­stel­lung zu Un­recht ge­trof­fen.

 

Der Fest­stel­lungs­kla­ge steht schon der Grund­satz ent­ge­gen, dass die Fest­stel­lungs­kla­ge nicht genügend hin­rei­chend be­stimmt ist.

 

Gemäß § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO muss ei­ne Kla­ge­schrift die be­stimm­te An­ga­be des Ge­gen­stan­des und des Grun­des des er­ho­be­nen An­spruchs so­wie ei­nen be­stimm­ten An­trag ent­hal­ten. Die­ses Er­for­der­nis gilt auch für ei­nen Fest­stel­lungs­an­trag. Ein Fest­stel­lungs­an­trag muss die Iden­tität und da­mit den Um­fang der Rechts­kraft­wir­kung des be­gehr­ten Fest­stel­lungs­an­spruchs klar er­ken­nen las­sen. Da­bei ist die ge­naue Be­zeich­nung des fest­zu­stel­len­den Rechts­verhält­nis­ses nötig.

 

Der von der Kläge­rin ge­stell­te An­trag ei­ner Frei­stel­lungs­ver­pflich­tung für Teil­nah­me an Orts­vor­stands­sit­zun­gen, so weit kei­ne zwin­gen­den be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen­ste­hen, ist nicht hin­rei­chend be­stimmt. Die Par­tei­en strei­ten, dies zeigt der vor­lie­gen­de Rechts­streit, auch und ins­be­son­de­re um die Fra­ge, ob die Ar­beits­platz­ge­stal­tung der Kläge­rin und das Bedürf­nis, die­se in der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zeit zur Ar­beits­leis­tung zur Verfügung zu ha­ben, ei­nen zwin­gen­den be­trieb­li­chen Grund dar­stellt, der ei­ner Frei­stel­lung ent­ge­gen­steht. Mit der vom Ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lung ist der Rechts­streit nicht endgültig er­le­digt, es müss­te im­mer wie­der im Ein­zel­fall un­ter­sucht wer­den, ob ei­ner Frei­stel­lung zwin­gen­de be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen­ste­hen und ins­be­son­de­re die Fra­ge geklärt wer­den, was zwin­gen­de be­trieb­li­che Gründe sind. Dem­gemäß ist der Fest­stel­lungs­an­trag nicht hin­rei­chend be­stimmt und da­her un­zulässig.

 

IV. Der Fest­stel­lungs­an­trag ist darüber hin­aus auch nicht be­gründet. Die Kläge­rin hat kei­nen un­ab­ding­ba­ren An­spruch oh­ne Berück­sich­ti­gung der Ein­zel­verhält­nis­se im Vor­aus für zeit­lich be­reits fest­ste­hen­de Ter­mi­ne, von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt zu wer­den, und zwar ab 12.00 Uhr, da­mit sie an den Orts­vor­stands­sit­zun­gen teil­neh­men kann. Die Kläge­rin hat le­dig­lich ei­nen An­spruch ge­genüber der Be­klag­ten, bei ei­ner et­wai­gen Dienst­plan­ge­stal­tung auf die Bedürf­nis­se der Kläge­rin an­ge­mes­sen Rück­sicht zu neh­men, da­zu gehört auch, dass die Kläge­rin im Rah­men ih­rer In­ter­es­sen­ver­fol­gung die Teil­nah­me an den Orts­vor­stands­sit­zun­gen ein­brin­gen kann mit der Fol­ge, dass die­se In­ter­es­sen von der Be­klag­ten bei der Fest­le­gung der Dienst­plan­ge­stal­tun­gen Ein­gang fin­den.

 

Da die Par­tei­en in der münd­li­chen Ver­hand­lung übe­rein­stim­mend vor­ge­tra­gen ha­ben, dass ein 3-Schicht-Sys­tem im kom­men­den Jahr nicht si­cher er­scheint, hilft der Kläge­rin auch die von der Be­klag­ten vor­pro­zes­su­al ge­mach­te Zu­sa­ge, bei der Dienst­plan­ge­stal­tung auf die Ge­werk­schafts­ta­gun­gen Rück­sicht zu neh­men, nicht wei­ter.

 

Die Kam­mer kann im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung nicht fest­stel­len, ob die Kläge­rin an den von ihr be­nann­ten Sit­zungs­ta­gen im Jah­re 2009 ei­nen An­spruch auf Frei­stel­lung ge­genüber der Be­klag­ten hat. Die Kam­mer kann le­dig­lich fest­stel­len, dass bei ei­ner mögli­chen Dis­po­si­ti­onsmöglich­keit und ei­ner mögli­chen Ein­tei­lung der Kläge­rin in ver­schie­de­ne Schicht­plan­ge­stal­tun­gen ein An­spruch auf er­mes­sens­feh­ler­freie Ent­schei­dung un­ter Berück­sich­ti­gung der Mit­glied­schaft der Kläge­rin im Orts­vor­stand der IG Me­tall und dort ter­mi­nier­ten Sit­zun­gen be­steht. Die­ser An­spruch ist aber nicht Ge­gen­stand des anhängi­gen Kla­ge­ver­fah­rens. Die Kläge­rin ver­folgt viel­mehr ei­nen An­spruch auf Frei­stel­lung oh­ne "Wenn und Aber" und nicht ei­nen An­spruch auf Berück­sich­ti­gung der be­son­de­ren Umstände bei ei­ner nach § 315 BGB vor­zu­neh­men­den Ausübung des Di­rek­ti­ons­rech­tes, wel­ches die Be­klag­te be­rech­tigt, die Kläge­rin in ein Schicht­plan­sys­tem ein­zu­glie­dern.

 

Ein An­spruch aus An­lass der Teil­nah­me an den Orts­vor­stands­sit­zun­gen auf Frei­stel­lung be­steht nicht. Die­ser er­gibt sich we­der aus ein­zel­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung noch aus ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten noch auf­grund aus­drück­li­cher Rechts­grund­la­ge.

 

Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Re­ge­lung über die un­be­zahl­te Frei­stel­lung ist zwi­schen den Par­tei­en nicht ge­trof­fen wor­den.

 

Auf das Ar­beits­verhält­nis fin­den ta­rif­li­che Be­stim­mun­gen kei­ne An­wen­dung, es kommt da­her für die Ent­schei­dung des Rechts­streits nicht dar­auf an, ob evtl. ein­schlägi­ge Ta­rif­verträge für die Teil­nah­me an Orts­vor­stands­sit­zun­gen der IG Me­tall ei­nen Frei­stel­lungs­an­spruch be­gründen.

 

Of­fen blei­ben kann, ob ein An­spruch der Kläge­rin auf un­be­zahl­te Frei­stel­lung aus Art. 9 Abs. 3 GG her­ge­lei­tet wer­den könn­te. Die­se Be­stim­mung schützt ei­ne ko­ali­ti­onsmäßige Betäti­gung nur in­so­weit, als sie für die Er­hal­tung und Si­che­rung der Ko­ali­ti­on un­erläss­lich ist, d. h. der Kern­be­reich der ko­ali­ti­onsmäßigen Betäti­gung be­trof­fen ist (vgl. BAG AP Nr. 45 zu Art. 9 GG).

 

Ein An­spruch der Kläge­rin auf un­be­zahl­te Frei­stel­lung kann auch nicht im Sin­ne der Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts Köln vom 11.01.1990 - 8 Sa 1020/89 - aus der Fürsor­ge­pflicht der Be­klag­ten her­ge­lei­tet wer­den. Die­se Fürsor­ge­pflicht hat ih­re all­ge­mei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge in § 242 BGB.

 

Die Fürsor­ge­pflicht kann es im Rah­men ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses als ei­nem per­so­nen­recht­li­chen Ge­mein­schafts­verhält­nis ge­bie­ten, ei­nen Ar­beit­neh­mer über die be­son­de­ren ge­setz­lich oder ta­rif­lich ge­re­gel­ten Fälle hin­aus von der Ar­beits­leis­tung frei­zu­stel­len, wenn be­son­de­re in den Verhält­nis­sen des Ar­beit­neh­mers lie­gen­de Umstände ge­ge­ben sind und wich­ti­ge be­trieb­li­che In­ter­es­sen nicht ent­ge­gen­ste­hen.

 

Hier­bei ist ei­ne um­fas­sen­de Abwägung vor­zu­neh­men zwi­schen den In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers an ei­ner Frei­stel­lung und den be­trieb­li­chen Be­lan­gen, die nicht un­zu­mut­bar be­ein­träch­tigt wer­den dürfen.

 

Die im vor­lie­gen­den Fall ge­bo­te­ne Abwägung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen führt da­zu, dass die Kläge­rin für die Teil­nah­me an den re­gelmäßig un­gefähr zehn­mal im Jahr statt­fin­den­den Sit­zun­gen des Orts­vor­stan­des ei­nen An­spruch auf un­be­zahl­te Frei­stel­lung nicht hat. Be­son­de­re in der Per­son der Kläge­rin be­gründen­de Umstände, die für die Frei­stel­lung spre­chen, lie­gen nicht vor. Zwar kann zu Recht auf die Be­deu­tung der Ge­werk­schaf­ten an der po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung und der Wahr­neh­mung der ih­nen durch Art. 9 Abs. 3 GG ga­ran­tier­ten so­zi­al­po­li­ti­schen Auf­ga­ben hin­ge­wie­sen wer­den. Die Ar­beits­frei­stel­lung der Kläge­rin dient der Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben auf ei­ner un­te­ren ge­werk­schaft­li­chen Ebe­ne. Ei­ne er­heb­li­che so­zi­al­po­li­ti­sche Be­deu­tung kann die­ser Auf­ga­be nicht bei­ge­mes­sen wer­den.

 

In die In­ter­es­sen­abwägung ein­zu­stel­len ist das Recht der Be­klag­ten an der Auf­recht­er­hal­tung des ein­ge­rich­te­ten und aus­geübten Ge­wer­be­be­trie­bes. Die Be­klag­te hat sich zu die­sem Zweck ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­run­gen be­dient, u. a. mit der Kläge­rin ei­nen Ar­beits­ver­trag ab­ge­schlos­sen, wo­nach sich die Kläge­rin ver­pflich­te­te, zu den von ihr über­nom­me­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Be­din­gun­gen tätig zu wer­den. Zu den Be­din­gun­gen gehört auch die Ein­hal­tung der ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeit. Wenn die Kläge­rin außer­halb die­ser Ar­beits­zeit Eh­renämter in der Ge­werk­schaft über­nimmt, bringt sie sich sel­ber in Kol­li­si­on mit den von ihr über­nom­me­nen ver­trag­li­chen Pflich­ten. Die­se Kol­li­si­on lässt sich im Rah­men ei­ner prak­ti­schen Kon­kor­danz nicht da­hin lösen, dass die Kläge­rin ei­nen un­ab­ding­ba­ren An­spruch auf Frei­stel­lung zu den Sit­zun­gen des Orts­vor­stan­des der IG Me­tall hat, son­dern le­dig­lich da­durch, dass die­se be­son­de­re In­ter­es­sen­la­ge von der Be­klag­ten Berück­sich­ti­gung fin­det, falls Dis­po­si­ti­onsmöglich­kei­ten be­ste­hen, die ei­ne in­so­weit fle­xi­ble Ge­stal­tung der Ar­beits­zei­ten be­inhal­tet. Be­steht z. B. im Be­trieb kei­ne Möglich­keit ab­wei­chen­der Schicht­plan­ge­stal­tung, son­dern die Ver­pflich­tung der Ar­beit­neh­mer, fes­te Ar­beits­zei­ten ein­zu­hal­ten, kann die Kläge­rin grundsätz­lich nicht ver­lan­gen, zu der Teil­nah­me an Orts­vor­stands­sit­zun­gen der IG Me­tall frei­ge­stellt zu wer­den.

 

Un­ter Berück­sich­ti­gung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen ist der Grund der Kläge­rin, an den Orts­vor­stands­sit­zun­gen teil­zu­neh­men nicht wich­tig ge­nug, um ei­nen Frei­stel­lungs­an­spruch auf­grund der dem Ar­beit­ge­ber ob­lie­gen­den Fürsor­ge­pflicht zu recht­fer­ti­gen. Die Kläge­rin hat wie dar­ge­stellt nur ei­nen An­spruch dar­auf, bei der mögli­chen Ent­schei­dung ei­ner fle­xi­blen Ar­beits­platz­ge­stal­tung un­ter Berück­sich­ti­gung ih­res Wun­sches, an den Orts­vor­stands­sit­zun­gen teil­zu­neh­men, zur Ar­beits­leis­tung ein­ge­teilt zu wer­den.

 

Ein un­be­ding­ter An­spruch auf Frei­stel­lung be­steht hin­ge­gen nicht.

 

V. Er­weist sich der An­spruch der Kläge­rin als nicht be­gründet, kann sie von der Be­klag­ten für die im Jah­re 2009 be­reits fest­ste­hen­den Ter­mi­ne ei­ne Frei­stel­lung für die von ihr ge­nann­ten Da­ten nicht ver­lan­gen. Eben­falls be­steht kein An­spruch auf Fest­stel­lung, dass auch für darüber hin­aus­ge­hen­de Ter­mi­ne Frei­stel­lung zu gewähren ist.

 

Da in dem Zeit­raum bis Au­gust 2008 die Kläge­rin in ei­nem fes­ten Schicht­plan ein­ge­setzt war, ih­re Ar­beits­leis­tung zu den Zei­ten, an de­nen sie Frei­stel­lung be­gehrt oh­ne Möglich­keit ei­ner an­der­wei­ti­gen Schicht­ein­tei­lung fest­ge­legt war, hat­te die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch auf Frei­stel­lung zu den von ihr in ers­ter In­stanz ge­nann­ten Sit­zungs­ta­gen des Orts­vor­stan­des ge­genüber der Be­klag­ten. Da in­so­weit die bei­den Par­tei­en die Haupt­sa­che übe­rein­stim­mend für er­le­digt erklärt ha­ben, war nach § 91 a ZPO ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung nach bil­li­gem Er­mes­sen zu tref­fen, die Kos­ten des Rechts­streits muss­ten der Kläge­rin auf­er­legt wer­den, weil sie vor­aus­sicht­lich bei Fortführung des Ver­fah­rens oh­ne er­le­di­gen­des Er­eig­nis in­so­weit un­ter­le­gen wäre.

 

Die Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur Frei­stel­lung am 16.12.2008 be­trifft ei­nen nur ge­ringfügi­gen Teil des Streit­ge­gen­stan­des, wei­te­re Kos­ten sind da­durch nicht ent­stan­den, der Kläge­rin konn­ten da­mit die ge­sam­ten Kos­ten des Rechts­streits auf­er­legt wer­den (§ 92 Abs. 2 ZPO).

 

Die Kam­mer hat we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung der bis­lang höchst­rich­ter­lich noch nicht geklärten Rechts­la­ge die Re­vi­si­on für bei­de Par­tei­en zu­ge­las­sen.

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