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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Freistellung: Beschäftigung
   
Gericht: Landessozialgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: L 5 KR 231/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 21.06.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Sozialgericht Speyer, Urteil vom 14.11.2006, S 11 KR 87/05
   


1. Auf die Be­ru­fung des Klägers wer­den das Ur­teil des So­zi­al­ge­richts Spey­er vom 14.11.2006 so­wie die Be­schei­de der Be­klag­ten vom 05.10.2004 und 19.10.2004 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.02.2005 auf­ge­ho­ben. Es wird fest­ge­stellt, dass der Kläger in der Zeit vom 11.09.2004 bis zum 30.06.2005 in der Ren­ten‑ und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig war. Fer­ner wird fest­ge­stellt, dass der Kläger in die­ser Zeit in der frei­wil­li­gen Kran­ken­ver­si­che­rung Mit­glied der Be­klag­ten als Beschäftig­ter ober­halb der Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze war.

2. Die Be­klag­te hat die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Klägers in bei­den In­stan­zen zu er­stat­ten. Im Übri­gen sind Kos­ten nicht zu er­stat­ten.

3. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:

 

Die Be­tei­lig­ten strei­ten um das Fort­be­ste­hen ei­nes so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses des Klägers in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung während ei­ner Frei­stel­lung von der Ar­beit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 und des­sen Mit­glied­schaft in der frei­wil­li­gen Kran­ken­ver­si­che­rung in die­sem Zeit­raum als frei­wil­lig ver­si­cher­ter Beschäftig­ter ober­halb der Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze.

Der 1951 ge­bo­re­ne Kläger war seit Ju­li 1980 bei der Be­klag­ten beschäftigt. We­gen Über­schrei­tung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung war er bei der Be­klag­ten frei­wil­lig (mit An­spruch auf Kran­ken­geld) ver­si­chert. Zu­letzt be­trug der mo­nat­li­che Bei­trag zur Kran­ken­ver­si­che­rung 512,66 €. Der Bei­trag wur­de zur Hälf­te von der Be­klag­ten als Ar­beit­ge­be­rin ge­tra­gen.

Die Be­tei­lig­ten schlos­sen vor dem Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ham­burg (11 Ca 436/02) am 8.9.2004 ei­nen Ver­gleich, in dem fol­gen­de Re­ge­lun­gen ge­trof­fen wur­den:

Die Par­tei­en he­ben ein­verständ­lich das Ar­beits­verhält­nis aus be­triebs­be­ding­ten Gründen (man­gels Beschäfti­gungsmöglich­keit des Klägers) mit Ab­lauf des 30.6.2005 auf.

Un­ter An­rech­nung auf die be­ste­hen­den und noch ent­ste­hen­den Ur­laubs­ansprüche wird der Kläger un­wi­der­ruf­lich von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab so­fort frei­ge­stellt.

Die Be­klag­te ver­pflich­tet sich, die ar­beits­ver­trag­li­che und/oder ta­rif­ver­trag­li­che Vergütung bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu zah­len. (...)

...

Im Fal­le ei­nes et­wai­gen Zwi­schen­ver­diens­tes ist der Kläger ver­pflich­tet, dies der

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Be­klag­ten mit­zu­tei­len, da­mit der Zwi­schen­ver­dienst bei der nächs­ten Mo­nats­be­rech­nung berück­sich­tigt wird. (...)

Die Be­klag­te in ih­rer Ei­gen­schaft als Ar­beit­ge­be­rin mel­de­te der bei ihr be­ste­hen­den Ein­zugs­stel­le am 30.9.2004, dass der Kläger ab dem 11.9.2004 un­wi­der­ruf­lich von der Ar­beit frei­ge­stellt wor­den sei. Sie ver­wei­ger­te die wei­te­re Zah­lung der hälf­ti­gen So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge als Ar­beit­ge­be­rin.

Durch Be­scheid vom 5.10.2004 stell­te die Be­klag­te, auch im Na­men der Pfle­ge­kas­se (Bei­ge­la­de­ne zu 1), fest, dass der Kläger ab dem 11.9.2004 oh­ne An­spruch auf Kran­ken­geld kran­ken­ver­si­chert sei, und setz­te den mo­nat­li­chen Bei­trag ab dem 1.10.2004 für die Kran­ken­ver­si­che­rung des Klägers als nicht er­werbstäti­ges frei­wil­li­ges Mit­glied (vgl § 29 Abs 8 Nr 4 der Sat­zung der Be­klag­ten) auf 477,79 € und für die Pfle­ge­ver­si­che­rung auf 59,29 € fest.

Mit Be­scheid vom 19.10.2004 stell­te die Be­klag­te als zuständi­ge Ein­zugs­stel­le fest, dass das Beschäfti­gungs­verhält­nis so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­lich mit Ab­schluss des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs zum 10.9.2004 ge­en­det ha­be, da der Kläger un­wi­der­ruf­lich von der Ar­beit frei­ge­stellt wor­den sei. Hin­sicht­lich der Bei­trags­zah­lung in der Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­wies sie auf den Be­scheid vom 5.10.2004.

Ge­gen bei­de Be­schei­de leg­te der Kläger Wi­dersprüche ein, die durch Wi­der­spruchs­be­scheid vom 28.2.2005 (den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers zu­ge­stellt am 11.3.2005) zurück­ge­wie­sen wur­den. Zur Be­gründung wur­de aus­geführt: Ab dem Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs könne die Bei­trags­ein­stu­fung nicht mehr in der für den Kläger güns­tigs­ten Bei­trags­klas­se er­fol­gen, da er ab die­sem Zeit­punkt nicht mehr in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis ste­he. Auch wenn das Ar­beits­verhält­nis noch be­ste­he, schei­de ein Beschäfti­gungs­verhält­nis ab dem Be­ginn der Frei­stel­lung aus, weil der Kläger un­wi­der­ruf­lich von der Ver­pflich­tung zur Ar­beits­leis­tung frei­ge­stellt wor­den sei.

Am 1.4.2005 hat der Kläger hier­ge­gen Kla­ge beim So­zi­al­ge­richt (SG) Spey­er er­ho­ben (Az S 11 KR 87/05). rer Bei­trags­for­de­rung ver­s­toße d Be­klag­te

Zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten wur­de fer­ner vor dem Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ham­burg ein Rechts­streit geführt (13 Ca 6/05), in dem es um die Be­hand­lung der So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge im Rah­men der Ge­halts­ab­rech­nung ging. Die­ser Rechts­streit wur­de durch Be­schluss des ArbG Ham­burg vom 13.4.2005, geändert durch Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts - LArbG - Ham­burg vom 29.7.2005 (Az 7 Ta 9/05) an das SG Spey­er ver­wie­sen, das den Rechts­streit (S 11 KR 245/05) mit dem Ver­fah­ren S 11 KR 87/05 zur ge­mein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung ver­bun­den hat.

In ei­nem Erörte­rungs­ter­min am 12.4.2006 hat sich die Be­klag­te in ih­rer Funk­ti­on als Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet, ei­ne Be­rich­ti­gung der Ge­halts­be­rech­nung vor­zu­neh­men, falls und so­weit im vor­lie­gen­den Rechts­streit rechts­kräftig die Fort­dau­er ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses in der Zeit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 fest­ge­stellt wer­den soll­te. Im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung am 14.11.2006 ha­ben die Be­tei­lig­ten Ein­ver­neh­men er­zielt, dass über den Wi­der­spruch hin­sicht­lich der so­zia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung noch nicht ent­schie­den sei und die aus­ste­hen­de Wi­der­spruchs­ent­schei­dung der Pfle­ge­kas­se bis zur Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens zurück­ge­stellt wer­den sol­le.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt, un­ter Abände­rung der an­ge­foch­te­nen Be­schei­de fest­zu­stel­len, dass er auch in der Zeit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäftigt ge­we­sen sei, und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihn für die­se Zeit wei­ter­hin als frei­wil­lig kran­ken­ver­si­cher­ten Beschäftig­ten ein­zu­stu­fen. Durch Ur­teil vom 14.11.2006 hat das SG die Kla­ge ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung

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aus­geführt: Das Beschäfti­gungs­verhält­nis im so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sin­ne zwi­schen den Be­tei­lig­ten ha­be mit dem Wirk­sam­wer­den des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs ge­en­det. Zu Recht ha­be die Be­klag­te den Kläger ab dem 11.9.2004 neu als nicht er­werbstäti­ges frei­wil­li­ges Mit­glied zur frei­wil­li­gen Kran­ken­ver­si­che­rung ein­ge­stuft, da die vor­aus­ge­gan­ge­ne Ein­stu­fung an dem ab die­sem Zeit­punkt nicht mehr ge­ge­be­nen Vor­lie­gen ei­nes so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses an­ge­knüpft ha­be (§ 29 Abs 8 Nr 1 der Sat­zung der Be­klag­ten). Das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses schließe die Be­en­di­gung ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nicht aus (Hin­weis auf BSG 9.9.1993 - 7 RAr 96/92). In­so­weit sei nicht zwi­schen dem Beschäfti­gungs­verhält­nis im bei­trags­recht­li­chen und im leis­tungs­recht­li­chen Sin­ne zu un­ter­schei­den. Die er­ken­nen­de Kam­mer hal­te an der Not­wen­dig­keit der ein­heit­li­chen Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals „Beschäfti­gungs­verhält­nis“ im bei­trags­recht­li­chen und leis­tungs­recht­li­chen Sin­ne fest (Hin­weis auf BSG 28.9.1993 - 11 RAr 69/92) und vermöge im Ur­teil des BSG vom 25.4.2002 (B 11 AL 65/01 R) kei­ne Auf­ga­be die­ser Recht­spre­chung zu er­ken­nen. Nach dem Ab­schluss des ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs ha­be kein Beschäfti­gungs­verhält­nis mehr be­stan­den, da fest­ge­stan­den ha­be, dass ei­ne Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht mehr ge­wollt ge­we­sen sei. Die Re­ge­lung des § 7 Abs 1a des Vier­ten Buchs des So­zi­al­ge­setz­buchs (SGB IV) sei nicht da­hin­ge­hend ver­all­ge­mei­ne­rungsfähig, dass ge­ne­rell auf ei­nen Wil­len der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en zur Fort­set­zung der Beschäfti­gung ver­zich­tet wer­den könne. Ent­ge­gen der An­sicht der bei­ge­la­de­nen Bun­des­agen­tur für Ar­beit (Bei­ge­la­de­ne zu 3) sei der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt nicht dem­je­ni­gen des Ur­teils des BSG vom 26.11.1985 (12 RK 51/83) ver­gleich­bar, das le­dig­lich Kon­stel­la­tio­nen be­tref­fe, bei de­nen Ar­beit­neh­mer im In­sol­venz­fall mit so­for­ti­ger Wir­kung ein­sei­tig durch den In­sol­venz­ver­wal­ter von der Ar­beit frei­ge­stellt wor­den sei­en.

Ge­gen die­ses sei­nen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten am 28.11.2006 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die am 1.12.2006 ein­ge­leg­te Be­ru­fung des Klägers, der vorträgt: Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des SG er­ge­be sich ins­be­son­de­re aus dem Ur­teil des BSG vom 26.11.1985 (aaO), dass von dem Fort­be­ste­hen ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses aus­zu­ge­hen sei. Die vor­lie­gend er­folg­te Frei­stel­lung von der Ar­beit sei nicht an­ders zu würdi­gen als ei­ne ent­spre­chen­de Erklärung ei­nes In­sol­venz­ver­wal­ters. Im Übri­gen ver­wei­se er auf den Auf­satz von Schle­gel, NZA 2005, 972.

Der Kläger be­an­tragt,

das Ur­teil des SG Spey­er vom 14.11.2006 so­wie die Be­schei­de der Be­klag­ten vom 5.10.2004 und 19.10.2004 in der Ge­stalt des Wi­der­spruchs­be­schei­des vom 28.2.2005 auf­zu­he­ben, fest­zu­stel­len, dass er auch in der Zeit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig war, und fest­zu­stel­len, dass er in die­sem Zeit­raum bei der Be­klag­ten als frei­wil­lig kran­ken­ver­si­cher­ter Beschäftig­ter ein­zu­stu­fen war,

hilfs­wei­se, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie hält das an­ge­foch­te­ne Ur­teil für zu­tref­fend.

Die Bei­ge­la­de­ne zu 3) hat auf die un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen zu der um­strit­te­nen Rechts­fra­ge hin­ge­wie­sen, aber im Be­ru­fungs­ver­fah­ren kei­nen An­trag ge­stellt. Die übri­gen Be­tei­lig­ten ha­ben sich nicht geäußert.

Zur Ergänzung des Tat­be­stan­des wird auf die Ver­wal­tungs­ak­te der Be­klag­ten und der Bei­ge­la­de­nen zu 2), die bei­ge­zo­ge­nen Ak­ten des SG Spey­er S 11 KR 245/05 und S 11 ER 311/05 KR so­wie die Pro­zess­ak­te des vor­lie­gen­den Rechts­streits ver­wie­sen, die ih­rem we­sent­li­chen In­halt nach Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung und

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Be­ra­tung ge­we­sen sind.

Ent­schei­dungs­gründe:

Die nach §§ 143 f, 151 So­zi­al­ge­richts­ge­setz - SGG - zulässi­ge Be­ru­fung ist be­gründet. Der Kläger war in der Zeit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 ver­si­che­rungs­pflich­tig in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung. Außer­dem ist an­trags­gemäß fest­zu­stel­len, dass der Kläger in die­sem Zeit­raum bei der Be­klag­ten Mit­glied als frei­wil­lig kran­ken­ver­si­cher­ter Beschäftig­ter (bei Über­schrei­ten der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze) war.

Die Kla­ge auf Fest­stel­lung der Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung in der Zeit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 ist als (mit ei­ner An­fech­tungs­kla­ge kom­bi­nier­te) Fest­stel­lungs­kla­ge iSd § 55 Abs 1 Nr 1 SGG zulässig. Auch hin­sicht­lich der frei­wil­li­gen Ver­si­che­rung als Beschäftig­ter in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung han­delt es sich um ei­ne zulässi­ge (kom­bi­nier­te An­fech­tungs- und) Fest­stel­lungs­kla­ge (§ 55 Abs 2 SGG).

Für den Kläger be­stand in dem ge­nann­ten Zeit­raum Ver­si­che­rungs­pflicht nach § 1 Satz 1 Nr 1 SGB VI bzw § 25 Abs 1 SGB III. Nach § 7 Abs 1 SGB IV ist Beschäfti­gung die nicht­selbständi­ge Ar­beit in ei­nem Beschäfti­gungs­verhält­nis. Da der Kläger in der Zeit vom 11.9.2004 bis zum 30.6.2005 in ei­nem sol­chen stand, war er in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­pflich­tig. Die Ver­si­che­rungs­pflicht ist nicht des­halb aus­ge­schlos­sen, weil der Kläger in die­sem Zeit­raum von der Ar­beit frei­ge­stellt war.

Das Leis­tungs­recht des SGB III geht al­ler­dings von ei­nem an­de­ren Be­griff des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses aus. Da­nach setzt ein Beschäfti­gungs­verhält­nis iSd § 119 Abs 1 Nr 1 SGB III vor­aus, dass die Ar­beits­leis­tung tatsächlich er­bracht wer­den soll. Leis­tungs­recht­lich er­scheint es nämlich ge­bo­ten, ei­ne Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses trotz be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses an­zu­neh­men, wenn dies nicht der Fall ist. Des­halb be­steht ein Beschäfti­gungs­verhält­nis iSd § 119 Abs 1 Nr 1 SGB III nicht mehr, wenn sich die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ver­gleichs­wei­se dar­auf ei­ni­gen, dass der Ar­beit­neh­mer bei fort­be­ste­hen­der Ent­gelt­zah­lungs­pflicht endgültig von der Ar­beit frei­ge­stellt wird, weil der Ar­beit­ge­ber auf sei­ne Verfügungs­be­fug­nis ver­zich­tet (vgl BSG 28.9.1993 - 11 RAr 69/92, ju­ris Rn 14). Bei ei­ner sol­chen Sach­la­ge kann trotz Fort­be­ste­hens ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne ein An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld (Alg) be­ste­hen, wo­bei die­ser nach § 143 Abs 1 SGB III während der Zeit, für die der Ar­beits­lo­se Ar­beits­ent­gelt erhält oder zu be­an­spru­chen hat, ruht.

Die­ser Be­griff des Beschäfti­gungs­verhält­nis im leis­tungs­recht­li­chen Sin­ne des SGB III kann aber nicht auf das Bei­trags­recht der So­zi­al­ver­si­che­rung - ein­sch­ließlich des Bei­trags zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung - über­tra­gen wer­den. Im Bei­trags­recht kommt dem Beschäfti­gungs­verhält­nis die Funk­ti­on zu, den Ver­si­che­rungs­schutz zu gewähr­leis­ten, wes­halb es re­gelmäßig an­ge­mes­sen ist, die Fest­stel­lung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses weit­ge­hend an den Merk­ma­len des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­zu­rich­ten (Wis­sing in PK-SGB III, 2. Auf­la­ge, § 24 Rn 6). Es wi­der­spricht dem Schutz­zweck des So­zi­al­ver­si­che­rungs­rechts, ei­ne Bei­trags- und Ver­si­che­rungs­pflicht während Zei­ten der Frei­stel­lung von der Ar­beit bei fort­be­ste­hen­der
Ent­gelt­zah­lungs­pflicht zu ver­nei­nen.

Dies steht nicht im Wi­der­spruch zu der Recht­spre­chung des BSG, son­dern viel­mehr im Ein­klang mit die­ser (da­zu im Ein­zel­nen Schle­gel NZA 2005, 87, 89). Nach der Recht­spre­chung des BSG las­sen vorüber­ge­hen­de Un­ter­bre­chun­gen der tatsächli­chen Ar­beits­leis­tung den Be­stand des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses un­berührt, wenn das Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht, zB im Fal­le des Fest­hal­tens am Ar­beits­verhält­nis mit Fort­zah­lung des Ar­beits­ent­gelts trotz Ver­haf­tung des Ar­beit­neh­mers (BSG 18.4.1991

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- 7 RAr 106/90, BS­GE 68, 236, 240). Außer­dem er­langt der Ar­beit­neh­mer den Schutz der So­zi­al­ver­si­che­rung, wenn ihm noch vor dem erst­ma­li­gen Dienst­an­tritt gekündigt und er von der Ar­beit un­ter Fort­zah­lung des Ar­beits­ent­gelts bis zum Wirk­sam­wer­den der Kündi­gung frei­ge­stellt wird (BSG 18.9.1973 - 12 RK 15/72, BS­GE 36, 161, 163). Zu ei­ner Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses kommt es fer­ner nicht, wenn im Fal­le der In­sol­venz des Ar­beit­ge­bers ei­ne so­for­ti­ge Frei­stel­lung der Ar­beit­neh­mer zur Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens er­folgt und es des­halb an ei­ner Ausübung von Wei­sungs­rech­ten sei­tens des Ar­beit­ge­bers und der Un­ter­ord­nung des Ar­beit­neh­mers un­ter die­se fehlt (BSG 26.11.1985 - 12 RK 51/83, BS­GE 59, 183, 185).

Die Ur­tei­le des BSG vom 28.9.1993 (11 RAr 69/92) und 25.4.2002 (B 11 AL 65/01 R) ste­hen die­ser recht­li­chen Be­ur­tei­lung nicht ent­ge­gen. In dem Ur­teil vom 28.9.1993 hat das BSG aus­drück­lich fest­ge­hal­ten, im bei­trags­recht­li­chen Sin­ne möge es re­gelmäßig an­ge­mes­sen sein, die Fest­stel­lung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses weit­ge­hend an den Merk­ma­len des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­zu­rich­ten, auch wenn die Ar­beits­kraft des Ver­si­cher­ten tatsächlich nicht in An­spruch ge­nom­men wird (aaO ju­ris Rn 13). Aus dem Ur­teil vom 25.4.2002 (aaO), das ei­nen Rechts­streit we­gen ei­ner Sperr­zeit (§ 144 SGB III) be­traf, lässt sich für die im vor­lie­gen­den Rechts­streit um­strit­te­ne bei­trags­recht­li­che Rechts­fra­ge nichts her­lei­ten (eben­so Schle­gel aaO, 972 ff). Die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem bei­trags­recht­li­chen und dem leis­tungs­recht­li­chen Be­griff des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ent­spricht im Übri­gen auch der neu­es­ten Recht­spre­chung des für die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zuständi­gen 11. Se­nats des BSG (17.11.2005 - B 11a/11 AL 69/04 R, ju­ris Rn 10; 12.7.2006 - B 11a AL 69/04 R, ju­ris Rn 11).

Aus der Re­ge­lung des § 7 Abs 1a SGB IV lässt sich nicht fol­gern, dass der Fort­be­stand ei­nes Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses im bei­trags­recht­li­chen Sin­ne trotz endgülti­ger Be­en­di­gung der tatsächli­chen Ar­beits­leis­tung des Ar­beit­neh­mers auf die dort ge­re­gel­te Fall­grup­pe der An­samm­lung ei­nes Wert­gut­ha­bens be­schränkt sei (eben­so Schle­gel aaO, 975). Die­se Be­stim­mung be­zweckt viel­mehr nur, die Fälle der Frei­stel­lungs­pha­se nach Er­lan­gung ei­nes Wert­gut­ha­bens zu er­fas­sen. Sie kann nicht als ab­sch­ließen­de Re­ge­lung des Fort­be­ste­hens der Ver­si­che­rungs­pflicht trotz endgülti­ger Frei­stel­lung von der Ar­beit ge­wer­tet wer­den.

Da beim Kläger dem­nach ein Beschäfti­gungs­verhält­nis iSd SGB IV vor­lag, war er im streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum in der Kran­ken­ver­si­che­rung frei­wil­li­ges Mit­glied bei der Be­klag­ten als Beschäftig­ter ober­halb der Ver­si­che­rungs­pflicht­gren­ze (vgl § 29 Abs 8 Nr 1 der Sat­zung der Be­klag­ten).

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 193 SGG.

Die Re­vi­si­on wird we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che zu­ge­las­sen (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG).

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