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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Gleichbehandlung, Lohn und Gehalt
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 486/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 15.07.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Herne, 31. Juli 2007, Az: 3 Ca 684/07, Urteil Landesarbeitsgericht Hamm (Westfalen) 14. Kammer, 12. Februar 2008, Az: 14 Sa 1578/07, Urteil
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


5 AZR 486/08
14 Sa 1578/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

15. Ju­li 2009

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. Ju­li 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Laux so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter St­ein­mann und Haas für Recht er­kannt:
 


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1. Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 12. Fe­bru­ar 2008 - 14 Sa 1578/07 - wird zurück­ge­wie­sen.


2. Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

 

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über ei­nen An­spruch des Klägers auf Loh­nerhöhung un­ter dem Ge­sichts­punkt der Gleich­be­hand­lung.

Der Kläger ist bei der Be­klag­ten seit 1995 als ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 37 St­un­den beschäftigt. Die Be­klag­te ist nicht ta­rif­ge­bun­den. Un­ter Hin­weis auf ei­ne kri­ti­sche wirt­schaft­li­che La­ge bot sie 2003/2004 ih­ren ca. 300 Ar­beit­neh­mern neue Stan­dard­verträge mit ver­schlech­ter­ten Ar­beits­be­din­gun­gen an. Der Jah­res­ur­laub wur­de von 30 auf 25 Ta­ge re­du­ziert; das zusätz­li­che Ur­laubs­geld iHv. 50 % des Ur­laubs­ent­gelts, die vermögens­wirk­sa­men Leis­tun­gen von 26,60 Eu­ro mo­nat­lich und die Er­stat­tung der Kon­toführungs­gebühr ent­fie­len. Hier­auf ließen sich mit Aus­nah­me von 14 Ar­beit­neh­mern al­le Mit­ar­bei­ter ein. Die Ar­beit­neh­mer, die der Ände­rung nicht zu­stimm­ten, dar­un­ter auch der Kläger, wur­den wei­ter­hin zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen beschäftigt.


Mit Schrei­ben vom 8. De­zem­ber 2006 teil­te die Be­klag­te den Mit­ar­bei­tern Fol­gen­des mit:

„Wie Sie wis­sen, ist un­ser Un­ter­neh­men in der Ver­gan­gen­heit durch ei­ne sehr schwe­re Zeit ge­gan­gen. Weil ei­ner­seits die meis­ten Mit­ar­bei­ter für die Ge­samt­si­tua­ti­on ihr Verständ­nis und ent­spre­chen­den Ver­zicht be­kun­det ha­ben und an­de­rer­seits ent­schei­den­de Ra­tio­na­li­sie­rungs­maßnah­men in er­heb­li­chem Um­fang durch das Un­ter­neh­men um­ge­setzt wur­den, konn­te ein Wei­ter­be­ste­hen des Un­ter­neh­mens er­reicht wer­den.


Wir sind glück­lich darüber, dass un­ser Un­ter­neh­mens-


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schiff in et­was ru­hi­ge­rem Fahr­was­ser an­ge­kom­men ist, und der Druck des Mark­tes in der au­gen­blick­li­chen Si­tua­ti­on sich nicht mehr so gra­vie­rend aus­wirkt. ...


Wir möch­ten die­sen Mo­ment nut­zen, den Mit­ar­bei­tern zu dan­ken, die wir in die­ser schwie­ri­gen Zeit an un­se­rer Sei­te ge­fun­den ha­ben.

Für die­je­ni­gen, die die neu­en Ar­beits­verträge un­ter-zeich­net ha­ben, möch­ten wir ab dem 01.01.2007 ei­ne Loh­nerhöhung auf den Eck­lohn (des für Sie bis­her maß-ge­ben­den St­un­den­lohns) bzw. ei­ne Ge­halts­erhöhung (auf die Mo­nats­grund­vergütung) von 2,5 % gewähren.

Den Mit­ar­bei­tern, die noch den al­ten Ar­beits­ver­trag ha­ben, wird das An­ge­bot un­ter­brei­tet, an der Loh­nerhöhung eben­falls teil­zu­neh­men. Vor­aus­set­zung ist al­ler­dings die Ver­ein­ba­rung des neu­en Ar­beits­ver­tra­ges. ...“

Die Be­klag­te erhöhte die Vergütung der Ar­beit­neh­mer ab dem 1. Ja­nu­ar 2007 um 2,5 %. Aus­ge­nom­men hier­von wur­den al­lein die 14 Mit­ar­bei­ter, die die Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ak­zep­tiert hat­ten. Die Be­klag­te bot dem Kläger die 2,5 %ige Loh­nerhöhung nur un­ter der Vor­aus­set­zung an, dass die­ser den neu­en Stan­dard­ver­trag eben­falls an­neh­me. Das lehn­te der Kläger ab.


Der Kläger be­zieht ei­nen seit 2003 un­verändert ge­blie­be­nen St­un­den- Grund­lohn von 12,13 Eu­ro. Er macht die Zah­lung der 2,5 %igen Loh­nerhöhung für den Zeit­raum Ja­nu­ar bis März 2007 in Höhe von ins­ge­samt 143,40 Eu­ro brut­to gel­tend. Die Be­klag­te ver­s­toße ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und neh­me ei­ne un­zulässi­ge Maßre­ge­lung vor. Die An­glei­chung der Un­ter­schie­de zwi­schen den bei­den Ent­gelt­sys­te­men stel­le kei­nen sach­li­chen Grund dar, die Loh­nerhöhung zu ver­wei­gern. Ha­be sich ein Ar­beit­ge­ber selbst dafür ent­schie­den, ei­nen Teil der Ar­beit­neh­mer bes­ser zu be­han­deln als den an­de­ren Teil, be­ste­he kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se an der An­glei­chung der Ent­gel­te.

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Der Kläger hat be­an­tragt, 


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 143,40 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz nach be­stimm­ter zeit­li­cher Staf­fe­lung zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Der sach­li­che Grund für die Un­gleich­be­hand­lung lie­ge in dem Aus­gleich der Vergütungs­min­de­rung. Die Loh­nerhöhung be­zwe­cke, die Vergütungs­dif­fe­renz ab­zu­schmel­zen, die zu den Mit­ar­bei­tern mit den al­ten Ar­beits­verträgen be­ste­he. Ei­ne Wei­ter­ga­be der Loh­nerhöhung an al­le Mit­ar­bei­ter würde den Lohn­ab­stand noch ver­größern. Ei­ne Maßre­ge­lung schei­de aus, weil dem Kläger die Möglich­keit of­fen­ste­he, das Ar­beits­verhält­nis ent­spre­chend den Be­din­gun­gen der Mehr­heit im Be­trieb wei­ter­zuführen.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Zah­lungs­an­spruch wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Ein An­spruch auf Loh­nerhöhung be­steht nicht.

I. Der Kläger kann den An­spruch nicht aus dem all­ge­mei­nen ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz her­lei­ten.

1. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­bie­tet dem Ar­beit­ge­ber, sei­ne Ar­beit­neh­mer oder Grup­pen von Ar­beit­neh­mern, die sich in ver­gleich­ba­rer La­ge be­fin­den, bei An­wen­dung ei­ner selbst ge­setz­ten Re­ge­lung gleich zu be­han­deln. Da­mit ver­bie­tet der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht nur die willkürli­che Schlech­ter­stel­lung ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Grup­pe, son­dern auch ei­ne sach­frem­de Grup­pen­bil­dung. Im Be­reich der Ar­beits­vergütung ist er trotz
 


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des Vor­rangs der Ver­trags­frei­heit an­wend­bar, wenn Ar­beits­ent­gel­te durch ei­ne be­trieb­li­che Ein­heits­re­ge­lung ge­ne­rell an­ge­ho­ben wer­den und der Ar­beit­ge­ber die Leis­tun­gen nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren und ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip gewährt, in­dem er be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen oder Zwe­cke fest­legt (Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 5; 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 517/04 - BA­GE 115, 367, 369; 29. Sep­tem­ber 2004 - 5 AZR 43/04 - zu I der Gründe, AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 192 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 4).


Dem Ar­beit­ge­ber ist es ver­wehrt, ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Grup­pen von ih­nen aus un­sach­li­chen Gründen von ei­ner Erhöhung der Ar­beits­ent­gel­te aus­zu­sch­ließen. Ei­ne sach­frem­de Be­nach­tei­li­gung liegt nicht vor, wenn sich nach dem Leis­tungs­zweck Gründe er­ge­ben, die es un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände recht­fer­ti­gen, die­sen Ar­beit­neh­mern die den an­de­ren gewähr­te Leis­tung vor­zu­ent­hal­ten. Die Zweck­be­stim­mung er­gibt sich vor­ran­gig aus den tatsächli­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, von de­ren Vor­lie­gen und Erfüllung die Leis­tung abhängig ge­macht wird (BAG 1. April 2009 - 10 AZR 353/08 - Rn. 14, Ar­buR 2009, 281; 28. März 2007 - 10 AZR 261/06 - Rn. 14, AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 265 = EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21).


Die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen der begüns­tig­ten Grup­pe und den be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mern ist dann sach­fremd, wenn es für die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung kei­ne bil­li­gens­wer­ten Gründe gibt. Die Gründe müssen auf vernünf­ti­gen, ein­leuch­ten­den Erwägun­gen be­ru­hen und dürfen nicht ge­gen höher­ran­gi­ge Wer­tent­schei­dun­gen ver­s­toßen. Die Grup­pen­bil­dung ist nur dann ge­recht­fer­tigt, wenn die Un­ter­schei­dung ei­nem le­gi­ti­men Zweck dient und zur Er­rei­chung die­ses Zwecks er­for­der­lich und an­ge­mes­sen ist. Die un­ter­schied­li­che Leis­tungs­gewährung muss stets im Sin­ne ma­te­ri­el­ler Ge­rech­tig­keit sach­ge­recht sein (Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 7).


Steht ei­ne Grup­pen­bil­dung fest, hat der Ar­beit­ge­ber die Gründe für die Dif­fe­ren­zie­rung of­fen zu le­gen und so sub­stan­ti­iert dar­zu­tun, dass die Be­ur­tei­lung möglich ist, ob die Grup­pen­bil­dung sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spricht.
 


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Liegt ein Ver­s­toß ge­gen den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz vor, ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, die Re­gel auf al­le Ar­beit­neh­mer an­zu­wen­den und die­se ent­spre­chend zu begüns­ti­gen. Der be­nach­tei­lig­te Ar­beit­neh­mer hat An­spruch auf die vor­ent­hal­te­ne Leis­tung (BAG 14. Au­gust 2007 - 9 AZR 943/06 - BA­GE 123, 358, 363).


2. Die An­wen­dung die­ser Grundsätze er­gibt, dass die Be­klag­te den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht ver­letzt hat.

a) Die Be­klag­te hat die ar­beits­ver­trag­li­che Vergütung nach ei­nem be­stimm­ten er­kenn­ba­ren und ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip an­ge­ho­ben. Die Zah­lun­gen er­folg­ten frei­wil­lig auf Ba­sis der Zu­sa­ge ei­ner pau­scha­len Loh­nerhöhung auf den Eck­lohn bzw. auf die Mo­nats­grund­vergütung. Vor­aus­set­zung der Gewährung war die Un­ter­zeich­nung des neu­en Ar­beits­ver­trags mit ver­schlech­ter­ten Ar­beits­be­din­gun­gen. Da­mit hat die Be­klag­te ei­ne Grup­pen­bil­dung vor­ge­nom­men. Der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ist an­wend­bar.

b) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend an­ge­nom­men, dass Gründe be­ste­hen, die es nach dem Zweck der Leis­tung un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände recht­fer­ti­gen, ei­ner Ar­beit­neh­mer­grup­pe die der an­de­ren Ar­beit-neh­mer­grup­pe gewähr­te Leis­tung vor­zu­ent­hal­ten.


aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat un­an­ge­foch­ten fest­ge­stellt, der Zweck der 2,5 %igen Loh­nerhöhung ha­be al­lein dar­in be­stan­den, die Ein­kom­mens­ein­buße der Ar­beit­neh­mer von 2003/2004 teil­wei­se aus­zu­glei­chen. Nach dem Kreis der Begüns­tig­ten so­wie nach Art und In­halt der Leis­tung ging es um nichts an­de­res. Die ent­spre­chen­de Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist rechts­feh­ler­frei. Die Zah­lung wur­de, an­ders als in dem Fall, der der Ent­schei­dung des Zehn­ten Se­nats vom 1. April 2009 (- 10 AZR 353/08 - Ar­buR 2009, 281) zu­grun­de lag, nicht an Vor­aus­set­zun­gen ge­knüpft, die dem an­ge­ge­be­nen Zweck zu­wi­der­lau­fen. Die Ar­beit­neh­mer, die sich 2003/2004 auf ei­ne Ver­schlech­te­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen ein­ließen, hat­ten al­lein durch den Weg­fall des zusätz­li­chen Ur­laubs­gel­des ei­ne jähr­li­che Ein­kom­mens­ein­buße in Höhe der Vergütung von 111 Ar­beits­stun­den. Die 2,5 %ige Loh­nerhöhung be­wirkt ei­nen Aus­gleich im


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Um­fang der Vergütung von knapp 50 St­un­den jähr­lich und da­mit ei­nen Teil­aus­gleich. Es han­delt sich je­weils um Lohn. Ei­ne Loh­nerhöhung be­zweckt nicht et­wa zwangsläufig (teil­wei­se) ei­nen In­fla­ti­ons­aus­gleich. Dafür be­steht bei der ein­ma­li­gen Maßnah­me der Be­klag­ten zu­guns­ten der zu­vor be­nach­tei­lig­ten Ar­beit­neh­mer kein An­halts­punkt. Die Be­klag­te muss­te kei­nen In­fla­ti­ons­aus­gleich an al­le Ar­beit­neh­mer gewähren (vgl. Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 7).

bb) Ein sach­li­cher Grund für die Dif­fe­ren­zie­rung liegt nicht in der An­glei­chung ei­ner jeg­li­chen un­ter­schied­li­chen Vergütung im Be­trieb oder Un­ter­neh­men. Viel­mehr kommt es dar­auf an, aus wel­chen Gründen be­reits un­ter­schied­li­che Vergütun­gen vor­lie­gen und wel­che ma­te­ri­el­le Recht­fer­ti­gung den Vergütungs­un­ter­schie­den (noch) zu­grun­de liegt. Bei Un­ter­schie­den, die sich auf­grund ei­nes Be­triebsüber­gangs gemäß § 613a Abs. 1 BGB er­ge­ben ha­ben, hat der Se­nat ei­ne An­pas­sung nach oben ge­bil­ligt (14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 8). Im Streit­fall be­darf es kei­ner all­ge­mei­nen Be­ur­tei­lung ge­recht­fer­tig­ter Vergütungs­an­pas­sun­gen. Sach­lich be­rech­tigt ist je­den­falls der Aus­gleich, der dar­an an­knüpft, dass der Ar­beit­ge­ber zu­vor ei­ne Lohn­ab­sen­kung aus wirt­schaft­li­chen Gründen bei ei­nem Teil sei­ner Ar­beit­neh­mer durch­ge­setzt hat. Un­er­heb­lich ist, ob der Ar­beit­ge­ber ei­nen gänz­li­chen oder nur teil­wei­sen Aus­gleich vor­nimmt. Die Ein­kom­mens­la­ge der Ar­beit­neh­mer muss der frühe­ren Si­tua­ti­on wie­der näher­kom­men.


cc) Die Be­klag­te woll­te En­de 2003 die Ein­heit­lich­keit der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht auf­ge­ben, sie hat­te auch kei­nen be­son­de­ren Grund hierfür. Zu den un­ter­schied­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen ist es nur ge­kom­men, weil sich ein Teil der Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen dem An­sin­nen der Be­klag­ten auf die Ver­schlech­te­rung nicht ein­ge­las­sen hat. Un­abhängig da­von, dass die Ab­leh­nung ei­ner Ver­schlech­te­rung das gu­te Recht der Ar­beit­neh­mer war, ent­spricht es dem Ge­rech­tig­keits­ge­dan­ken voll und ganz, wenn der Ar­beit­ge­ber die Dif­fe­ren­zie­rung im Fal­le ei­ner Ver­bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen La­ge durch An­pas­sung nach oben ganz oder teil­wei­se rückgängig macht.
 


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II. Die Be­klag­te hat un­abhängig da­von, ob es sich über­haupt um ei­ne An­spruchs­grund­la­ge han­delt, das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a BGB nicht ver­letzt.


1. Gemäß § 612a BGB darf der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Ver­ein­ba­rung oder ei­ner Maßnah­me nicht be­nach­tei­li­gen, weil der Ar­beit­neh­mer in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te ausübt. Nach ständi­ger Recht­spre­chung liegt ei­ne Be­nach­tei­li­gung nicht nur dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer ei­ne Ein­buße er­lei­det, son­dern auch dann, wenn ihm Vor­tei­le vor­ent­hal­ten wer­den, die der Ar­beit­ge­ber Ar­beit­neh­mern gewährt, falls die­se Rech­te nicht ausüben (BAG 31. Mai 2005 - 1 AZR 254/04 - BA­GE 115, 68, 75 f.; Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 9 f.; BAG 18. Sep­tem­ber 2007 - 3 AZR 639/06 - Rn. 27, AP Be­trVG 1972 § 77 Be­triebs­ver­ein­ba­rung Nr. 33 = EzA Be­trAVG § 1 Gleich­be­hand­lung Nr. 30). Das Maßre­ge­lungs­ver­bot ist aber nur dann ver­letzt, wenn zwi­schen der Be­nach­tei­li­gung und der Rechts­ausübung ein un­mit­tel­ba­rer Zu­sam­men­hang be­steht. Die zulässi­ge Rechts­ausübung muss der tra­gen­de Grund, dh. das we­sent­li­che Mo­tiv für die be­nach­tei­li­gen­de Maßnah­me sein. Es reicht nicht aus, dass die Rechts­ausübung nur den äußeren An­lass für die Maßnah­me bie­tet (Se­nat 14. März 2007 - 5 AZR 420/06 - BA­GE 122, 1, 10 mwN).


2. Die Ab­leh­nung ei­nes An­trags auf Ände­rung des Ar­beits­ver­trags stellt die Ausübung ei­nes be­ste­hen­den Rechts dar. Sie dient der Er­hal­tung der sub­jek­ti­ven Rech­te (BAG 12. Ju­ni 2002 - 10 AZR 340/01 - BA­GE 101, 312, 318). Das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot soll den Ar­beit­neh­mer in sei­ner Wil­lens­frei­heit bei der Ent­schei­dung darüber schützen, ob er ein Recht ausüben will oder nicht. In­so­weit schränkt § 612a BGB die Ver­trags- und Ge­stal­tungs­frei­heit des Ar­beit­ge­bers ein (BAG 15. Fe­bru­ar 2005 - 9 AZR 116/04 - BA­GE 113, 327, 338).


3. Nach die­sen Grundsätzen liegt im Streit­fall kein Ver­s­toß ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot vor. Die be­nach­tei­li­gen­de Maßnah­me der Be­klag­ten be­steht dar­in, die­je­ni­gen Ar­beit­neh­mer von der Loh­nerhöhung aus­zu­neh­men, die der Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht zu­stim­men. Der ei­gent­li­che
 


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Grund hierfür war das un­ter­schied­li­che Lohn­ni­veau. Nicht die zulässi­ge Ab­leh­nung des Ände­rungs­ver­trags durch den Kläger, son­dern die Gel­tung ver­schie­de­ner Ar­beits­be­din­gun­gen stell­te den maßgeb­li­chen Be­weg­grund für die Be­klag­te dar, den Kläger von der ge­ne­rel­len Loh­nerhöhung aus­zu­neh­men. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts woll­te die Be­klag­te den oh­ne­hin bes­ser­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern nicht ei­ne wei­te­re Vergüns­ti­gung zu­kom­men las­sen, son­dern die Nach­tei­le der Ar­beit­neh­mer mit den neu­en Ar­beits­verträgen aus­glei­chen. Wei­te­re Zwe­cke wur­den nicht ver­folgt.

III. Der Kläger kann ei­nen An­spruch nicht aus § 242 BGB her­lei­ten. Der Be­klag­ten ist kein Ver­s­toß ge­gen Treu und Glau­ben vor­zu­wer­fen. Wenn die seit 2003/2004 ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­verträge kei­ne Lohn­an­pas­sungs­klau­sel ent­hal­ten, er­gibt sich dar­aus für die übri­gen Ar­beit­neh­mer nicht die be­rech­tig­te Er­war­tung, es wer­de auf Dau­er bei der durch das Nach­ge­ben ei­nes Großteils der Ar­beit­neh­mer ent­stan­de­nen Zwei­tei­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen ver­blei­ben.


IV. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. 


Müller-Glöge 

Mi­kosch 

Laux 

Rolf St­ein­mann 

E. Haas

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