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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Insolvenz des Arbeitgebers
   
Gericht: Bundesgerichtshof
Akten­zeichen: IX ZB 182/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.04.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Amtsgericht Kulmbach, Urteil vom 25.05.2008, 74 C 67/08 Landgericht Bayreuth, Urteil vom 24.07.2008, 12 T 40/08
   

BUN­DES­GERICH­TSHOF

BESCHLUSS

IX ZB 182/08

vom

2. April 2009

in dem Rechts­streit

 

 

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Der IX. Zi­vil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Dr. Gan­ter und die Rich­ter Rae­bel, Prof. Dr. Kay­ser, Prof. Dr. Gehr­lein und Grupp

am 2. April 2009 be­schlos­sen:

1. Das Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren wird aus­ge­setzt.

2. Dem Ge­mein­sa­men Se­nat der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des wird die Rechts­fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob für die Kla­ge des In­sol­venz­ver­wal­ters ge­gen ei­nen Ar­beit­neh­mer des Schuld­ners aus In­sol­venz­an­fech­tung der or­dent­li­che Rechts­weg auch dann ge­ge­ben ist, wenn die An­fech­tung ei­ne vom Schuld­ner ge­leis­te­te Vergütung be­trifft.

 

Gründe:

I.

Der Kläger ist Ver­wal­ter in dem auf Gläubi­ger­an­trag vom 10. Ju­li 2007 am 10. Sep­tem­ber 2007 eröff­ne­ten In­sol­venz­ver­fah­ren über das Vermögen des B. N. als In­ha­ber der N. e.K. (fort­an: Schuld­ner).

Der Be­klag­te war Ar­beit­neh­mer des Schuld­ners. Das Ar­beits­verhält­nis ist durch ei­ne am 25. Mai 2007 we­gen Zah­lungs­ver­zugs erklärte Kündi­gung des Be­klag­ten be­en­det wor­den.

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Der Kläger ver­langt im We­ge der In­sol­venz­an­fech­tung Rück­gewähr der vom 13. April bis 25. Ju­ni 2007 ge­leis­te­ten Lohn­zah­lun­gen des Schuld­ners in Höhe von ins­ge­samt 2.701,37 €. Die­se be­tref­fen den Ar­beits­lohn für die Mo­na­te Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 2007. Der Kläger trägt zur Be­gründung vor, der Schuld­ner sei zum Zeit­punkt der Zah­lun­gen nicht mehr in der La­ge ge­we­sen, sei­ne fälli­gen Ver­bind­lich­kei­ten zu erfüllen. Die Zah­lungs­unfähig­keit sei dem Be­klag­ten auch be­kannt ge­we­sen, weil es seit De­zem­ber 2006 zu er­heb­li­chen Zah­lungs­sto­ckun­gen ge­kom­men und die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on des Schuld­ners The­ma von Be­triebs­ver­samm­lun­gen ge­we­sen sei.

Der Be­klag­te hält die Zuständig­keit der or­dent­li­chen Ge­rich­te nicht für ge­ge­ben. Zuständig sei­en die Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen.

Das Amts­ge­richt hat sich für un­zuständig erklärt und den Rechts­streit an das ört­lich zuständi­ge Ar­beits­ge­richt ver­wie­sen. Das Land­ge­richt hat die so­for­ti­ge Be­schwer­de des Klägers zurück­ge­wie­sen und die Rechts­be­schwer­de zu­ge­las­sen. Mit die­ser be­gehrt der Kläger, den Rechts­weg zu den or­dent­li­chen Ge­rich­ten für zulässig zu erklären.

II.

Das Ver­fah­ren ist aus­zu­set­zen und die Sa­che dem Ge­mein­sa­men Se­nat der obers­ten Ge­richtshöfe des Bun­des zur Ent­schei­dung der be­zeich­ne­ten Rechts­fra­ge vor­zu­le­gen (§ 2 Abs. 1, § 11 RsprEinhG).

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Die Rechts­be­schwer­de ist auf­grund der Zu­las­sung durch das Be­schwer­de­ge­richt statt­haft (§ 17a Abs. 4 S. 4 und 6 GVG). Nach dem Wort­laut die­ser Vor­schrift kann zwar nur das obe­re Lan­des­ge­richt die Rechts­be­schwer­de zu-las­sen. Es ist je­doch geklärt, dass nach In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur Re­form des Zi­vil­pro­zes­ses vom 27. Ju­li 2001 die Zu­las­sung durch das Land­ge­richt als Be­schwer­de­ge­richt er­fol­gen kann (BGHZ 155, 365, 366 ff; Münch­Komm-ZPO/Zim­mer­mann, 3. Aufl. § 17a GVG Rn. 35; Mu­sielak/Witt­schier, ZPO 6. Aufl. § 17a GVG Rn. 16; Hk-ZPO/Rath­mann, 2. Aufl. § 17a GVG Rn. 13; a.A. Zöller/Lücke­mann, ZPO 27. Aufl. § 17a GVG Rn. 16a; Baum­bach/ Lau­ter­bach/Al­bers/Hart­mann, ZPO 67. Aufl. § 17a GVG Rn. 17). An­dern­falls wäre ei­ne Zu­las­sung schlecht­hin unmöglich, weil die obe­nen Lan­des­ge­rich­te aus dem In­stan­zen­zug aus­ge­schie­den sind. Die Rechts­be­schwer­de ist auch im Übri­gen zulässig. Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist sie fer­ner be­gründet, weil der An­fech­tungs­rechts­streit vor die or­dent­li­chen Ge­rich­te gehört.

Der er­ken­nen­de Se­nat möch­te des­halb der Rechts­be­schwer­de des Klägers statt­ge­ben. An der be­ab­sich­tig­ten Ent­schei­dung sieht er sich in­des ge­hin­dert, weil er da­mit von der Recht­spre­chung des 5. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts ab­wi­che.

Der 5. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat mit Be­schluss vom 27. Fe­bru­ar 2008 (5 AZB 43/07, ZIP 2008, 1499 f, z.V.b. in BA­GE) ent­schie­den, der Rechts­weg zu den Ge­rich­ten für Ar­beits­sa­chen sei eröff­net, wenn der In­sol­venz­ver­wal­ter des Ar­beit­ge­bers vom Ar­beit­neh­mer Rück­zah­lung der vor In­sol­ven­zeröff­nung ge­leis­te­ten Vergütung we­gen An­fecht­bar­keit der Erfüllungs­hand­lung for­de­re. Nach die­ser Recht­spre­chung wäre die Rechts­be­schwer­de zurück-zu­wei­sen. Dar­an ändert die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses vor Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens nichts. Nach der Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge-

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richts han­delt es sich bei dem An­fech­tungs­rechts­streit um ei­nen Rechts­streit zwi­schen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­ge­ber aus dem Ar­beits­verhält­nis (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 lit. a ArbGG), je­den­falls aber um ei­ne Strei­tig­keit, die da­mit nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 lit. a ArbGG in recht­li­chem oder un­mit­tel­bar wirt­schaft­li­chem Zu­sam­men­hang steht (BAG, Be­schl. v. 27. Fe­bru­ar 2008, aaO S. 1500 Rn. 8). Für die An­wen­dung des § 2 ArbGG kommt es nicht dar­auf an, ob das Ar­beits­verhält­nis bei An­ru­fung der Ge­rich­te noch be­steht. Die Vor­schrift fin­det in glei­cher Wei­se auf ehe­ma­li­ge Ar­beit­neh­mer An­wen­dung (vgl. BT-Drucks. 8/1567, S. 1567).

III.

Nach Auf­fas­sung des Se­nats ist die Vor­la­ge­fra­ge da­hin zu be­ant­wor­ten, dass die or­dent­li­chen Ge­rich­te zuständig sind.

1. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört der An­fech­tungs­rechts­streit als bürger­lich-recht­li­che Strei­tig­keit gemäß § 13 GVG vor die or­dent­li­chen Ge­rich­te (BGHZ 114, 315, 320 f; BGH, Be­schl. v. 2. Ju­ni 2005 - IX ZB 235/04, WM 2005, 1573, 1574; v. 27. Ju­li 2006 - IX ZB 141/05, ZIP 2006, 1603 f). Für die Be­stim­mung des Rechts­wegs ist die Na­tur des Rechts­verhält­nis­ses ent­schei­dend, aus dem der Kla­ge­an­spruch her­ge­lei­tet wird (GmS-OBG BGHZ 102, 280, 283). Ob der In­sol­venz­ver­wal­ter be­stimm­te Rechts­hand­lun­gen an­fech­ten und dar­aus ei­nen Rück­gewähran­spruch her­lei­ten kann, ist nach den Rechtssätzen der In­sol­venz­ord­nung zu ent­schei­den. Der An­fech­tungs­an­spruch ist ge­ne­rell ein bürger­lich-recht­li­cher An­spruch, der die ma­te­ri­el­len Ord­nungs­vor­stel­lun­gen des In­sol­venz­rechts ge­genüber sämt­li­chen Gläubi­gern nach Maßga­be der §§ 129 ff In­sO durch­setzt. Grundsätz­lich ver-

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drängt er in­so­weit die all­ge­mei­nen Re­ge­lun­gen et­wa im Schuld­recht, im Han­dels- und Ar­beits­recht so­wie im So­zi­al­ver­si­che­rungs-, Steu­er- und Ab­ga­ben-recht. Es han­delt sich mit­hin nach der Rechts­na­tur der zu be­ur­tei­len­den Verhält­nis­se um ei­nen Rechts­streit im Sin­ne von § 13 GVG. Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich zwar in der Ver­gan­gen­heit noch nicht aus­drück­lich mit der Fra­ge des Rechts­wegs für ei­ne ge­gen ei­nen Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­te An­fech­tungs­kla­ge zu be­fas­sen. Die für die Zu­ord­nung des Rechts­wegs zu den or­dent­li­chen Ge­rich­ten im Verhält­nis zur Fi­nanz- und So­zi­al­ge­richts­bar­keit maßgeb­li­chen Erwägun­gen (vgl. BGHZ 114, 315, 320 f; s. fer­ner Urt. v. 21. Sep­tem­ber 2006 - IX ZR 89/05, WM 2006, 2382, 2383 so­wie BGH, Be­schl. v. 2. Ju­ni 2005 - IX ZB 235/04, aaO) gel­ten je­doch in glei­cher Wei­se im Verhält­nis zu den Ar­beits­ge­rich­ten.

Für das Verhält­nis zu den Fi­nanz­ge­rich­ten hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass die­ser An­spruch nicht die Um­keh­rung des öffent­lich-recht­li­chen An­spruchs auf Ab­ga­ben dar­stellt (BGHZ 114, 315, 320). Die­se Fest­stel­lung folgt nicht et­wa aus dem Ab­ga­ben­recht, son­dern aus dem ma­te­ri­el­len In­sol­venz­recht (eben­so zu­letzt FG Müns­ter ZIn­sO 2009, 256). Sie gilt des­halb all­ge­mein für das Verhält­nis zwi­schen den Ansprüchen aus den zu­grun­de lie­gen­den Rechts­verhält­nis­sen und dem An­fech­tungs­an­spruch. Zwar hat der vor­le­gen­de Se­nat mit Be­schluss vom 27. Ju­li 2006 - IX ZB 141/05, ZIP 2006, 1603 f) ent­schie­den, dass der Rechts­weg zu den Fi­nanz­ge­rich­ten eröff­net ist, wenn ei­ne Fi­nanz­behörde den An­fech­tungs­an­spruch durch Dul­dungs­be­scheid gel­tend ge­macht hat oder ei­nen sol­chen Dul­dungs­be­scheid an­droht. Dies be­ruht aber auf der neu ge­fass­ten Vor­schrift des § 191 Abs. 1 Satz 2 AO, die ei­ne ein­deu­ti­ge Rechts­weg­zu­wei­sung enthält. Für ei­nen In­sol­venz­ver­wal­ter kommt et­was Ver­gleich­ba­res nicht in Be­tracht. Er kann ins­be­son­de­re kei­nen Dul­dungs­be­scheid er­las­sen.

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Auch ar­beits­recht­li­che Rechts­hand­lun­gen be­tref­fen­de An­fech­tungs­ansprüche sind nicht die Um­keh­rung von Ansprüchen aus dem Ar­beits­recht (Kreft ZIn­sO 2009, 578, 579; Barth EWiR 1995, 1157, 1158; Stil­ler EWiR 2008, 641, 642; Weitz­mann EWiR 2008, 259, 260). Die An­fech­tungs­vor­aus­set­zun­gen sind viel­mehr al­lein nach den be­son­de­ren Rechtssätzen der In­sol­venz­ord­nung zu be­ur­tei­len (BGHZ 114, 315, 320 zur Kon­kurs­ord­nung).

Der an­fech­tungs­recht­li­che Rück­gewähran­spruch ist von Ansprüchen aus dem zu­grun­de lie­gen­den Rechts­verhält­nis we­sens­ver­schie­den und folgt ei­ge­nen Re­geln. Er ver­drängt in sei­nem An­wen­dungs­be­reich die all­ge­mei­ne­ren Re­geln der zu­grun­de lie­gen­den Rechts­verhält­nis­se und eröff­net dem In­sol­venz­ver­wal­ter ei­ne Rück­for­de­rungsmöglich­keit, die nach dem außer­halb der In­sol­venz gel­ten­den Recht dem Verfügen­den selbst ver­wehrt ist (BGH, Urt. v. 11. De­zem­ber 2008 - IX ZR 195/07, WM 2009, 179, 180 Rn. 15 z.V.b. in BGHZ). Bei dem Rück­gewähran­spruch han­delt es sich um ei­nen ori­ginären ge­setz­li­chen An­spruch (BGHZ 15, 333, 337; 83, 102, 105; BGH, Urt. v. 11. De­zem­ber 2008 - IX ZR 195/07, aaO S. 180 f Rn. 15), der mit In­sol­ven­zeröff­nung ent­steht (BGHZ 101, 286, 288; 130, 38, 40; 171, 38, 44 Rn. 20; BGH, Be­schl. v. 29. April 2004 - IX ZB 225/03, ZIP 2004, 1653, 1654) und der dem In­sol­venz­ver­wal­ter vor­be­hal­ten ist, mit des­sen Amt er un­trenn­bar ver­bun­den ist (BGHZ 83, 102, 105; 86, 190, 196; 106, 127, 129; 118, 374, 381; 171, 38, 44 Rn. 20). Der In­sol­venz­ver­wal­ter han­delt ma­te­ri­ell­recht­lich wie pro­zes­su­al im ei­ge­nen Na­men und aus ei­ge­nem Recht, je­doch mit Wir­kung für und ge­gen die Mas­se; er wird da­bei in Erfüllung der ihm durch die In­sol­venz­ord­nung auf­er­leg­ten ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen tätig (BGHZ 88, 331, 334; 100, 346, 351). Aus der selbstständi­gen Na­tur des An­fech­tungs­an­spruchs folgt zwin­gend, dass es für sei­ne ge­richt­li­che Durch­set­zung nicht dar­auf an­kom­men kann, wel­chen

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Rechts­weg der An­fech­tungs­geg­ner für die Durch­set­zung sei­nes ursprüng­li­chen Leis­tungs­rechts hätte be­schrei­ten müssen.

2. Die­se Grundsätze sind bis zu der Ent­schei­dung des 5. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2008 (aaO S. 1500) we­der für die Kon­kurs­ord­nung noch für das neue In­sol­venz­recht in Fra­ge ge­stellt wor­den.

a) Be­reits un­ter Gel­tung der Kon­kurs­ord­nung ent­sprach es na­he­zu ein­hel­li­ger Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur, dass die Ar­beits­ge­rich­te für ge­gen Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­te an­fech­tungs­recht­li­che Kla­gen auf Rück­gewähr nicht zuständig sind (KG ZIP 1996, 1097; LG Bonn ZIP 1998, 1726 f; LAG Schles­wig-Hol­stein ZIP 1995, 1756 f; ArbG Rhei­ne AP Nr. 2 zu § 30 KO; Jae-ger/Henckel, KO 9. Aufl. § 37 Rn. 139; Kuhn/Uh­len­bruck, KO 11. Aufl. § 29 Rn. 56; Kil­ger/K. Schmidt, In­sol­venz­ge­set­ze 17. Aufl. § 29 KO Anm. 22; Baur/Stürner, Zwangs­voll­stre­ckungs-, Kon­kurs- und Ver­gleichs­recht 12. Aufl. Bd. II Rn. 20.19; Fried­rich We­ber Anm. AP Nr. 1 zu § 29 KO; Barth aaO S. 1157 f). Der Über­gang vom Kon­kurs­recht zum neu­en In­sol­venz­recht hat an dem Mei­nungs­stand nichts geändert. In den Ma­te­ria­li­en zur In­sol­venz­ord­nung wird die Fra­ge des Rechts­wegs nicht aus­drück­lich an­ge­spro­chen. Hier­zu be­stand auch kein Grund, weil die Rechts­fra­ge geklärt war. Aus der Be­gründung des Re­gie­rungs­ent­wurfs er­gibt sich, dass die In­sol­venz­ord­nung in § 129 Abs. 1 (§ 144 Re­gE) oh­ne in­halt­li­che Ände­run­gen die Re­ge­lun­gen der §§ 29, 36 KO über­nom­men hat (BT-Drucks. 12/2443 S. 157). Da un­ter der Kon­kurs­ord­nung die Fra­ge des Rechts­wegs nicht um­strit­ten war, ging der Ge­setz­ge­ber von der Zuständig­keit der or­dent­li­chen Ge­rich­te als selbst­verständ­lich aus (vgl. Kreft ZIn­sO 2009, 578, 579). Glei­ches gilt für den Ge­setz­ge­ber des neu­en An­fech­tungs­ge­set­zes, der sich die vom Bun­des­ge­richts­hof (BGHZ 114, 315, 319 f) ver­tre­te­ne Auf­fas­sung eben­falls zu Ei­gen ge­macht hat, wo­nach der kon­kurs-

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recht­li­che Rück­gewähran­spruch nicht die Um­keh­rung des Leis­tungs­an­spruchs ist. Nach der Be­gründung des Re­gie­rungs­ent­wurfs zu § 7 AnfG in der ab dem 1. Ja­nu­ar 1999 gel­ten­den Fas­sung war der An­fech­tungs­an­spruch des­halb selbst dann, wenn der Gläubi­ger ei­ne Fi­nanz­behörde war, die ei­ne Steu­er­for­de­rung ver­folg­te, ge­genüber dem An­fech­tungs­geg­ner vor den or­dent­li­chen Ge­rich­ten gel­tend zu ma­chen; die Gel­tend­ma­chung durch Dul­dungs­be­scheid soll­te aus­ge­schlos­sen sein (BT-Drucks. 12/3803, S. 57; hier­zu Kreft ZIn­sO 2009, 578 f).

b) Nach In­kraft­tre­ten der Neu­re­ge­lun­gen ent­sprach es bis zu dem Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2008 (aaO S. 1500) eben-falls der ganz über­wie­gen­den Auf­fas­sung, dass ge­gen Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­te Kla­gen aus In­sol­venz­an­fech­tung vor die or­dent­li­chen Ge­rich­te gehören (LAG Rhein­land-Pfalz NZI 2005, 644; AG Ge­ra ZIP 2007, 2231 f; Münch­Komm-In­sO/Kirch­hof, 2. Aufl. § 146 Rn. 30; HK-In­sO/Kreft, 4. Aufl. § 129 Rn. 94; Ja­e­ger/Henckel, In­sO § 143 Rn. 169; FK-In­sO/Dau­ern­heim, 4. Aufl. § 143 Rn. 45; Hmb­Komm-In­sO/Rog­ge, 2. Aufl. § 143 Rn. 110; Braun/de Bra, In­sO
3. Aufl. § 129 Rn. 49; Pau­lus in Kübler/Prütting, In­sO § 143 Rn. 41; Ner­lich/ Römer­mann, In­sO § 129 Rn. 120; Uh­len­bruck/Hir­te, In­sO 12. Aufl. § 143 Rn. 63; Hess/Weis, An­fech­tungs­recht 2. Aufl. § 129 Rn. 99 f; Kis­sel/May­er, GVG 5. Aufl. § 13 Rn. 176, 372a; Bork/Ja­co­by, Hand­buch des In­sol­venz­an­fech­tungs­rechts (2006) S. 472; Gott­wald/Hu­ber, In­sol­venz­rechts-Hand­buch, 3. Aufl. § 51 Rn. 30; Häse­mey­er, In­sol­venz­recht 3. Aufl. Rn. 21.106; Zeu­ner, Die An­fech­tung in der In­sol­venz, 2. Aufl. Rn. 522; Schwab/Weth/Wal­ker, ArbGG 2. Aufl. § 2 Rn. 96; Zie­mann in Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb, Ar­beits­recht Kom­men­tar 3. Aufl. § 2 Rn. 72; ErfK-ArbR/Müller-Glöge, 8. Aufl. In­sO Einführung Rn. 25; Tschöpe/Rolfs, An­walts-Hand­buch Ar­beits­recht 5. Aufl. S. 2434; Ries ZIn­sO 2007, 1037 [bei Fußn. 1]; Reichold EWiR 2004, 299, 300; Zen­ker NJW 2008,

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1038, 1039; a.A. nur LAG Thürin­gen, Be­schl. v. 6. Fe­bru­ar 2008 - 1 Ta 157/07, n.v.; Zwan­zi­ger, Das Ar­beits­recht der In­sO 3. Aufl. Einführung Rn. 327; ders. BB 2007, 42, 46). Hier­von geht auch die Bun­des­re­gie­rung in ih­rer Ant­wort auf ei­ne Klei­ne An­fra­ge aus (BT-Drucks. 16/6488, S. 5).

3. Der Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2008 (aaO S. 1500) weicht von die­ser als geklärt gel­ten­den Fra­ge ab (Kreft ZIn­sO 2009, 578, 579 f; Kirch­hof aaO S. 1293; Hum­berg ZIn­sO 2008, 487, 491; Weitz­mann EWiR 2008, 259). Die in der Ent­schei­dung ver­tre­te­ne Auf­fas­sung ist mehr­heit­lich auf Ab­leh­nung ges­toßen (HK-In­sO/Kreft, 5. Aufl. § 129 Rn. 97; FK-In­sO/ Dau­ern­heim, 5. Aufl. § 143 Rn. 45; Ja­co­by in Kübler/Prütting/Bork, In­sO § 143 Anh. Rn. 3; Ger­hardt in FS für Kars­ten Schmidt (2009), 457, 460; Kreft ZIn­sO 2009, 578, 580 ff; Kirch­hof aaO S. 1294 f; Stil­ler EWiR 2008, 641 f; Weitz­mann EWiR 2008, 259, 260; Hum­berg aaO S. 490 f; Bork ZIP 2008, 1041, 1049; Ries FD-InsR 2008 256843; zu­stim­mend hin­ge­gen LG Es­sen ZVI 2008, 539 f; ArbG Mar­burg ZIP 2008, 2432; ErfK-ArbR/Koch, 9. Aufl. § 3 ArbGG Rn. 3; ErfK-ArbR/Müller-Glöge, aaO Einführung In­sO Rn. 25; Ber­kow­sky NZI 2008, 422; ders. NZI 2008, 669, 671; Crans­haw ju­ris­PR-InsR 23/2008 un­ter C. 1.). Die Ent­schei­dung kann sich nicht auf Gründe stützen, die es recht­fer­ti­gen könn­ten, von der Rechts­weg­zuständig­keit der or­dent­li­chen Ge­rich­te ab­zurücken.

Die Zuständig­keits­ord­nung geht in Be­zug auf bürger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten von der in § 13 GVG ver­an­ker­ten All­zuständig­keit der or­dent­li­chen Ge­rich­te aus. Die Ar­beits­ge­rich­te sind da­nach nur zuständig, wenn der Rechts­streit zu ei­ner der en­u­me­ra­tiv auf­gezähl­ten Fall­grup­pen des § 2 ArbGG gehört (vgl. Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 2 Rn. 5; Zie­mann in Hens­s­ler/Wil­lem­sen/ Kalb, aaO § 2 Rn. 3; Düwell/Lip­ke/Krasshöfer, ArbGG 2. Aufl. § 2 Rn. 2). Der An­fech­tungs­rechts­streit un­terfällt kei­nem die­ser Tat­bestände (da­zu un­ter a

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und b). Es han­delt sich auch nicht um ei­nen Rechts­streit, den der In­sol­venz­ver­wal­ter gemäß § 3 ArbGG als Rechts­nach­fol­ger des Ar­beit­ge­bers führt (da­zu un­ter c).

a) Der An­fech­tungs­rechts­streit zwi­schen In­sol­venz­ver­wal­ter und Ar­beit­neh­mer ist kei­ne Rechts­strei­tig­keit aus dem Ar­beits­verhält­nis (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 lit. a ArbGG).

aa) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt führt aus (Be­schl. v. 27. Fe­bru­ar 2008, aaO S. 1500 Rn. 9), die In­sol­venz­an­fech­tung be­gründe zwar ein ge­setz­li­ches Schuld­verhält­nis, die­ses sei aber auf die Rück­ab­wick­lung ei­ner ar­beits­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung ge­rich­tet. Der Mas­se sol­le wie­der zu­geführt wer­den, was ihr im Rah­men der ar­beits­recht­li­chen Aus­tausch­be­zie­hung zwi­schen dem späte­ren Schuld­ner und dem Ar­beit­neh­mer in an­fecht­ba­rer Wei­se ent­zo­gen wor­den sei. Der Kläger for­de­re Er­stat­tung von Lohn­zah­lun­gen an die Mas­se und da­mit an das dem In­sol­venz­ver­fah­ren un­ter­lie­gen­de Vermögen des Ver­trags­ar­beit­ge­bers, der die strei­ti­gen Lohn­zah­lun­gen er­bracht ha­be. Der Ver­wal­ter er­he­be zwar ei­nen Zah­lungs­an­spruch, den der Ver­trags­ar­beit­ge­ber nicht auf die hier ein­schlägi­ge An­spruchs­grund­la­ge stützen könn­te, doch ge­he es bei wirt­schaft­li­cher Be­trach­tung um die Rück­ab­wick­lung ei­ner an­sons­ten wirk­sa­men Erfüllungs­hand­lung des Ar­beit­ge­bers in ei­nem Ar­beits­verhält­nis. Der im Rechts­streit er­ho­be­ne An­spruch be­stim­me sich nach Re­ge­lun­gen der In­sol­venz­ord­nung, die zwar für al­le Rechts­verhält­nis­se des Schuld­ners gälten, aber ei­ne Mehr­zahl un­be­stimm­ter Rechts­be­grif­fe ent­hiel­ten, de­ren An­wen­dung durch spe­zi­fisch ar­beits­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen be­ein­flusst wer­de.

bb) Die­se Be­gründung ist un­zu­tref­fend. Die Ar­gu­men­ta­ti­on, das durch

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Rück­ab­wick­lung ei­ner ar­beits­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung ge­rich­tet, ver­kennt, dass die In­sol­venz­an­fech­tung ge­genüber dem schuld­recht­li­chen, hier ar­beits­recht­li­chen Leis­tungs­recht ab­stra­hiert.

(1) Der an­fech­tungs­recht­li­che Rück­gewähran­spruch aus § 143 In­sO stellt - wie aus­geführt - ei­nen ori­ginären ge­setz­li­chen An­spruch des In­sol­venz­ver­wal­ters dar, der mit des­sen Amt un­trenn­bar ver­bun­den ist und mit Be­en­di­gung des In­sol­venz­ver­fah­rens er­lischt. Die Rück­gewähr­pflicht des Ar­beit­neh­mers hat ih­re Grund­la­ge nicht im Ar­beits­recht, son­dern al­lein im (ma­te­ri­el­len) In­sol­venz­recht (vgl. KG aaO S. 1097; LAG Schles­wig-Hol­stein aaO S. 1757; LAG Rhein­land-Pfalz aaO S. 644; AG Ge­ra aaO S. 2232; ArbG Rhei­ne AP Nr. 2 zu § 30 KO; Uh­len­bruck/Hir­te, aaO § 143 Rn. 63; Kil­ger/K. Schmidt, aaO § 29 KO Anm. 22; Hess/Weis, aaO § 129 Rn. 99; Ger­hardt, aaO S. 464; Barth aaO S. 1158; Hum­berg aaO S. 490; Stil­ler aaO S. 642). Die §§ 129 ff In­sO be­gründen ein ge­setz­li­ches Schuld­verhält­nis oh­ne je­de Rück­sicht auf ein in der In­sol¬venz fort­be­ste­hen­des oder ein frühe­res Ar­beits­verhält­nis zum In­sol­venz­schuld-ner (BA­GE 108, 367, 373). Nor­madres­sa­ten die­ses Schuld­verhält­nis­ses sind we­der der In­sol­venz­ver­wal­ter ge­ra­de auch in sei­ner Ar­beit­ge­ber­funk­ti­on noch die Gläubi­ger ge­ra­de auch als Ar­beit­neh­mer (BA­GE 108, 367, 374). Zwar er­ge­ben sich die Vor­aus­set­zun­gen der An­fech­tung nach §§ 129 ff In­sO aus Sach­ver­hal­ten, die vor der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens lie­gen, doch bil­den die­se nur den tat­be­stand­li­chen An­knüpfungs­punkt für den erst mit Ver­fah­ren­seröff­nung ent­ste­hen­den Rück­gewähran­spruch aus § 143 In­sO (BGHZ 171, 38, 44, Rn. 20, 22; Hum­berg aaO S. 490). Dies gilt auch für die Tat­bestände der De­ckungs­an­fech­tung (§§ 130, 131 In­sO). In­so­weit be­steht nur ein äußer­li­cher, weil zufälli­ger Be­zug (Kreft ZIn­sO 2009, 578, 582). Dem­gemäß fin­den ar­beits-oder ta­rif­ver­trag­li­che Ver­fall­klau­seln auf den an­fech­tungs­recht­li­chen Rück­ge-

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währan­spruch kei­ne An­wen­dung (BA­GE 108, 367, 373 f; Münch­Komm-In­sO/Kirch­hof, aaO Rn. 5).

Der Son­der­rechtscha­rak­ter der In­sol­venz­an­fech­tung zeigt sich auch bei ei­nem Ver­gleich des An­fech­tungs­an­spruchs mit ei­nem An­spruch aus un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung. Al­lein bei ei­nem Be­rei­che­rungs­an­spruch träfe die An­nah­me des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu, es hand­le sich um die Rück­ab­wick­lung ei­ner ar­beits­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung. Macht der In­sol­venz­ver­wal­ter et­wa nach Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen des Ar­beit­ge­bers die Rück­for­de­rung von über­zahl­tem Ar­beits­lohn gel­tend (§ 812 Abs. 1 Satz 1 BGB), so han­delt es sich um ei­nen An­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis. In­so­weit ist der In­sol­venz­ver­wal­ter an die für den Ar­beit­ge­ber (Schuld­ner) gel­ten­den Be­schränkun­gen des An­spruchs (z.B. nach § 814 BGB) ge­bun­den (vgl. BGH, Urt. v. 11. De­zem­ber 2008 - IX ZR 195/07, aaO S. 180 Rn. 15 m.w.N.). Im Un­ter­schied hier­zu eröff­net die In­sol­venz­an­fech­tung dem Ver­wal­ter ei­ne durch das In­sol­ven­zer­eig­nis be­gründe­te be­son­de­re Rück­for­de­rungsmöglich­keit, die nach dem all­ge­mei­nen Recht dem Ar­beit­ge­ber (Schuld­ner) selbst ver­wehrt ist (vgl. BGH, Urt. v. 11. De­zem­ber 2008 - IX ZR 195/07, aaO; Bork, Hand­buch des In­sol­venz­an­fech­tungs­rechts (2006) S. 154; Ger­hardt ZIP 1991, 273, 283).

(2) Selbst bei ei­ner rein wirt­schaft­li­chen Be­trach­tung han­delt es sich nicht um die Rück­ab­wick­lung ei­ner ar­beits­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung. Von ei­ner sol­chen kann nur die Re­de sein, wenn die­se zwi­schen den Par­tei­en des ursprüng­li­chen Leis­tungs­verhält­nis­ses er­folg­te. Dies ist bei der In­sol­venz­an­fech­tung nicht der Fall.

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(a) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt er­kennt an, dass der Ver­trags­ar­beit­ge­ber ei­nen An­spruch nie­mals auf In­sol­venz­an­fech­tung stützen kann, be­ant­wor­tet so­dann aber nicht die Fra­ge, war­um es sich gleich­wohl um ei­nen An­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis han­deln soll (vgl. Ger­hardt in FS für Kars­ten Schmidt S. 460). Al­lein mit dem Hin­weis auf ei­ne "wirt­schaft­li­che Be­trach­tungs­wei­se" kann nicht über­spielt wer­den, dass im Fal­le der In­sol­venz die in §§ 129 ff In­sO ver­an­ker­ten be­son­de­ren Ver­tei­lungs­maßstäbe die all­ge­mei­nen ver­drängen, die außer­halb der In­sol­venz gel­ten. An dem durch die In­sol­venz be­gründe­ten neu­en ge­setz­li­chen Schuld­verhält­nis ist der Ar­beit­ge­ber wirt­schaft­lich nicht be­tei­ligt. Ob­gleich der In­sol­venz­ver­wal­ter im In­ter­es­se der Mas­se han­delt, wel­che das dem In­sol­venz­ver­fah­ren un­ter­lie­gen­de Vermögen des Ar­beit­ge­bers um­fasst, han­delt er da­mit nicht zwangsläufig in des­sen In­ter­es­se. Mit­tel­bar rich­tet sich die In­sol­venz­an­fech­tung im Ge­gen­teil so­gar häufig ge­gen den Ar­beit­ge­ber, weil die­ser in der wirt­schaft­li­chen Kri­se sol­che Gläubi­ger be­vor­zugt be­die­nen wird, von de­nen er sich wirt­schaft­lich persönli­che Vor­tei­le ver­spricht (Kirch­hof aaO S. 1294). Die In­sol­venz­an­fech­tung dient so­mit al­lein den In­ter­es­sen der In­sol­venzgläubi­ger (BGHZ 83, 102, 105; Kreft ZIn­sO 2009, 578, 582; Kirch­hof aaO S. 1294; Ries aaO; Schluss­an­trag des Ge­ne­ral­an­walts Co­lo­mer, Rs C-339/07, ZIP 2008, 2082, 2087 Rn. 56; vgl. auch Art. 18 Abs. 2 Satz 2 Eu­Ins­VO). Die­se ste­hen außer­halb der recht­li­chen und wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen, die der In­sol­venz­schuld­ner zu sei­nen Ar­beit­neh­mern be­gründet hat.

(b) Die Zu­wei­sung der ma­te­ri­ell den In­sol­venzgläubi­gern zu­ste­hen­den An­fech­tungs­ansprüche zur Mas­se, die als Son­der­vermögen dem Schuld­ner (Ar­beit­ge­ber) zu­ge­ord­net bleibt, be­ruht al­lein auf ver­fah­rens­recht­li­chen Zweckmäßig­keits­erwägun­gen, ins­be­son­de­re dem Um­stand, dass die Mas­se nicht mit Rechtsfähig­keit aus­ge­stat­tet ist (Ger­hardt, aaO S. 460; Kreft aaO S. 581). Hier­aus ist aber nicht et­wa zu fol­gern, das An­fech­tungs­recht sol­le mit­tel­bar der

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Meh­rung des Schuld­ner­vermögens die­nen (Kreft aaO S. 581 f). Die Zu­gehörig­keit des An­fech­tungs­an­spruchs zur Mas­se kann des­halb die aus­sch­ließlich in­sol­venz­recht­li­che Na­tur die­ses An­spruchs nicht in Fra­ge stel­len (Kreft aaO S. 582). 

(3) Nicht durch­grei­fend ist die wei­te­re Erwägung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, die Re­ge­lun­gen der In­sol­venz­ord­nung ent­hiel­ten ei­ne Mehr­zahl un­be­stimm­ter Rechts­be­grif­fe, de­ren An­wen­dung durch spe­zi­fisch ar­beits­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen be­ein­flusst wer­de.

(a) Die Zuständig­keits­re­ge­lung der §§ 2 ff ArbGG be­zieht sich nach an­er­kann­ter Rechts­auf­fas­sung auf den pro­zes­sua­len Streit­ge­gen­stand und nicht auf Art und Schwie­rig­keit et­wai­ger Vor­fra­gen, zu­mal es auch kei­nen Er­fah­rungs­satz gibt, wel­che Vor­fra­gen aus wel­chem Rechts­ge­biet sich vor­aus­sicht­lich stel­len wer­den (BA­GE 53, 317, 322). Ist für den Streit­ge­gen­stand die Zuständig­keit der or­dent­li­chen Ge­rich­te be­gründet, ist es des­halb un­er­heb­lich, ob sich Vor­fra­gen stel­len, die - iso­liert be­trach­tet - ei­nem an­de­ren Rechts­weg zu­zu­ord­nen wären (vgl. GmS-OGB BGHZ 102, 280, 283).

(b) Im Übri­gen trifft der Hin­weis auf die "spe­zi­fisch ar­beits­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen" auch in der Sa­che nicht zu und ist schon aus die­sem Grun­de nicht ge­eig­net, ei­ne Zuständig­keit der Ar­beits­ge­richts­bar­keit un­ter den Ge­sichts­punk­ten der Sach­kun­de, der Sachnähe oder des Sach­zu­sam­men­hangs (vgl. GmS-OGB, Be­schl. v. 4. Ju­ni 1974 - GmS OGB 2/73, NJW 1974, 2087, 2088; BGHZ (GrSen) 67, 81, 87 f; BGHZ 43, 34, 40; 57, 130, 136; 89, 250, 252; BFHE 55, 277, 282 f; Ger­hardt JZ 1990, 961, 962) zu be­gründen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt legt nicht dar, wel­che Rechts­be­grif­fe des In­sol­venz­an­fech­tungs­rechts durch ar­beits­recht­li­che Fra­gen be­ein­flusst wer­den könn­ten. Vor­stell­bar

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ist dies wohl nur bei der Fra­ge, ob im Rah­men ei­ner De­ckungs- oder Vor­satz­an­fech­tung ei­ne kon­gru­en­te (§ 130 In­sO) oder ei­ne in­kon­gru­en­te (§ 131 In­sO) Si­che­rung oder Erfüllung vor­liegt. Für die Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge kann es - auch - auf den In­halt und die Aus­le­gung des Ar­beits­ver­tra­ges, et­wa was die ver­ein­bar­ten Zah­lungs­mo­da­litäten an­geht, an­kom­men. Die­se hat sich al­ler­dings an spe­zi­fisch in­sol­venz­recht­li­chen Grundsätzen aus­zu­rich­ten, für die das be­son­de­re Ziel ei­ner gleichmäßigen Be­frie­di­gung der In­sol­venzgläubi­ger maßgeb­lich ist. Für ei­ne Aus­le­gung, die durch "spe­zi­fisch ar­beits­recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen" ent­schei­dend be­ein­flusst wird (vgl. BAG, Be­schl. v. 27. Fe­bru­ar 2008, aaO Rn. 9 a.E.), ist an­ge­sichts des Um­stan­des, dass in der In­sol­venz die Ord­nungs­vor­stel­lun­gen des In­sol­venz­rechts die­je­ni­gen des schuld­recht­li­chen Leis­tungs­rechts ver­drängen, kein Raum. Wäre dies an­ders, könn­ten mit Recht auch an­de­re Leis­tungs­empfänger, die ei­nem An­fech­tungs­an­spruch aus­ge­setzt sind, ei­ne sie schützen­de "spe­zi­fi­sche Aus­le­gung" für sich in An­spruch neh­men, et­wa Klein­ge­wer­be­trei­ben­de und Hand­wer­ker, die Lea­sing-oder Ver­si­che­rungs­wirt­schaft oder der Kreis der öffent­li­chen Gläubi­ger. Die Förde­rung von Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen im We­ge der Aus­le­gung un­be­stimm­ter Rechts­be­grif­fe gin­ge in al­len Fällen zu Las­ten der Ge­mein­schaft der In­sol­venz-gläubi­ger; dies wäre mit dem die ge­sam­te In­sol­venz­ord­nung be­herr­schen­den Grund­satz der Gläubi­ger­gleich­be­hand­lung (§ 1 In­sO; vgl. Amt­li­che Be­gründung zum Re­gie­rungs­ent­wurf der In­sol­venz­ord­nung, BT-Drucks. 12/2443 S. 90) nicht zu ver­ein­ba­ren.

(c) Für die meis­ten Fra­gen, von de­nen die Be­gründet­heit oder Un­be­gründet­heit des An­fech­tungs­an­spruchs ge­gen ei­nen Ar­beit­neh­mer abhängt, be­steht oh­ne­hin kein Zu­sam­men­hang mit ei­nem Rechts­ge­biet, wel­ches außer­halb der In­sol­venz in den Zuständig­keits­be­reich der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen fal­len kann. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Be­stim­mung des maßgeb­li­chen Zeit-

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punkts ei­ner Rechts­hand­lung (§ 140 In­sO), der Be­rech­nung der Fris­ten vor dem In­sol­venz­an­trag (§ 139 In­sO), die Fest­stel­lung der Zah­lungs­unfähig­keit oder Zah­lungs­ein­stel­lung (vgl. z.B. § 17 Abs. 2, § 130 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 131 Abs. 1 Nr. 2 In­sO) und der sub­jek­ti­ven Vor­aus­set­zun­gen der ein­zel­nen An­fech­tungs­tat­bestände (vgl. z.B. § 130 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und 2, Abs. 2, § 131 Abs. 1 Nr. 3, § 133 Abs. 1 Satz 1 und 2 In­sO). Glei­ches gilt et­wa für die Be­ur­tei­lung als an­fecht­ba­re Rechts­hand­lung im An­wen­dungs­be­reich der §§ 130 f In­sO oder des § 133 Abs. 1 In­sO. Die­se Vor­aus­set­zun­gen be­stim­men sich nach rein in­sol­venz­recht­li­chen Maßstäben; ei­ne Un­ter­schei­dung nach den Par­tei­en des Aus­gangs­rechts­verhält­nis­ses wäre von vorn­her­ein un­zulässig, weil sys­tem­wid­rig. Die Her­stel­lung der Rechts­ein­heit bei der An­wen­dung die­ser Vor­schrif­ten, die den Kern des In­sol­venz­an­fech­tungs­rechts aus­ma­chen, wäre in ho­hem Maße er­schwert, wenn es zu ei­ner Rechts­weg­zer­split­te­rung käme.

b) Der in­sol­venz­recht­li­che An­fech­tungs­an­spruch steht nicht in ei­nem recht­li­chen oder un­mit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 lit. a ArbGG). Von ei­nem recht­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis geht of­fen­bar auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht aus, wel­ches sich le­dig­lich auf ei­ne wirt­schaft­li­che Be­trach­tung stützt (Be­schl. v. 27. Fe­bru­ar 2008, aaO S. 1500 Rn. 9). Die zwei­te Va­ri­an­te schei­det eben­falls aus, weil - wie aus­geführt - kei­ne Rück­ab­wick­lung ei­ner ar­beits­recht­li­chen Leis­tungs­be­zie­hung in Re­de steht.

aa) Ab­ge­se­hen von dem Er­for­der­nis der Un­mit­tel­bar­keit lässt es der Wort­laut der Vor­schrift zu, dass ein ir­gend­wie ge­ar­te­ter wirt­schaft­li­cher Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis für ih­re An­wen­dung aus­reicht. Die­sem Verständ­nis ste­hen je­doch der Grund­satz des § 13 GVG und das En­u­me­ra­ti­ons­prin­zip des § 2 ArbGG ent­ge­gen, wel­ches die Son­der­zu­wei­sun­gen an die

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Ar­beits­ge­richts­bar­keit ab­sch­ließend be­zeich­net. Die Vor­schrift kann da­her nicht in ei­ner Wei­se aus­ge­legt wer­den, die das En­u­me­ra­ti­ons­prin­zip auf­weicht und Aus­nah­me­tat­beständen ei­ne un­be­re­chen­ba­re Aus­wei­tungs­ten­denz ver­leiht.

Nach der Ent­ste­hungs­ge­schich­te hat § 2 Abs. 1 Nr. 4 lit. a ArbGG des­halb nur ei­ne klar­stel­len­de Funk­ti­on. Die durch Ge­setz vom 21. Mai 1979 (BGBl. I S. 545) ein­geführ­te Vor­schrift soll­te im We­sent­li­chen ab­si­chern, dass die Ar­beits­ge­rich­te auch für Strei­tig­kei­ten aus der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zuständig sind (BT-Drucks. 8/1567, S. 26). Dies ent­sprach al­ler­dings oh­ne­hin schon dem Stand der Recht­spre­chung (BGHZ 16, 339, 340 f; BA­GE 19, 100, 103). Nach der Be­gründung des Re­gie­rungs­ent­wurfs ver­folg­te die Vor­schrift im Übri­gen den Zweck, die Zuständig­keit der Ar­beits­ge­rich­te aus Gründen des sach­li­chen Zu­sam­men­hangs ge­ringfügig zu er­wei­tern (BT-Drucks. 8/1567, S. 26). Dies steht ei­ner ge­ne­ral­klau­sel­ar­ti­gen Aus­deh­nung der Vor­schrift ent­ge­gen.

bb) In Li­te­ra­tur und Recht­spre­chung wird dem ein­ge­schränk­ten An­wen­dungs­be­reich da­durch Rech­nung ge­tra­gen, dass der Be­griff des wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­hangs eng aus­ge­legt wird. Von den Ar­beits­ge­rich­ten sol­len auch bürger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten ent­schie­den wer­den, die zwar nicht un­mit­tel­bar dem Ar­beits­verhält­nis, wohl aber Ne­ben­ab­re­den ent­sprin­gen, die ih­ren Ur­sprung in dem zu­grun­de lie­gen­den Aus­tausch­verhält­nis zwi­schen Ar­beit und Ent­gelt ha­ben und oh­ne die­ses nicht zu­stan­de ge­kom­men wären (OLG Karls­ru­he NJW-RR 1992, 562 f; Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 2 Rn. 131; Mat­thes in Ger­mel­mann/Mat­thes/Müller-Glöge/Prütting, ArbGG 6. Aufl. § 2 Rn. 84). Bei­spie­le sind Strei­tig­kei­ten über ei­nen Preis­nach­lass für ei­nen Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Wa­ren­ein­kauf bei dem Ar­beit­ge­ber (OLG Karls­ru­he NJW-RR 1992, 562 f), Dar­le­hens­verträge zu Son­der­kon­di­tio­nen und die Nut­zung von Ein­rich-

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tun­gen des Ar­beit­ge­bers (Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 2 Rn. 131; Mat­thes in Ger­mel­mann/Mat­thes/Müller-Glöge/Prütting, aaO; Zie­mann in Hens­s­ler/ Wil­lem­sen/Kalb, § 2 Rn. 95).

Hin­ge­gen ist bis­lang noch nir­gend­wo ver­tre­ten wor­den, dass ein Rechts­streit über in­sol­venz­recht­li­che An­fech­tungs­ansprüche ge­gen ei­nen Ar­beit­neh­mer mit dem Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem In­sol­venz­schuld­ner und dem Ar-beit­neh­mer in un­mit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chem Zu­sam­men­hang stände. Die­ses Er­geb­nis ließe sich auch mit den gängi­gen Aus­le­gungs­me­tho­den nicht be­gründen und wäre ob­jek­tiv willkürlich (Kreft, aaO S. 582).

c) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts fehlt es schließlich an den Vor­aus­set­zun­gen des § 3 ArbGG.

aa) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt meint (Be­schl. v. 27. Fe­bru­ar 2008, aaO S. 1500 Rn. 7), der In­sol­venz­ver­wal­ter han­de­le als Rechts­nach­fol­ger des in­sol­ven­ten Ver­trags­ar­beit­ge­bers (§ 3 ArbGG). Nach § 80 In­sO ge­he das Ver­wal­tungs- und Verfügungs­recht auf den In­sol­venz­ver­wal­ter über. Die Vor­schrift des § 108 Abs. 1 In­sO stel­le klar, dass Dau­er­schuld­verhält­nis­se, ins­be­son­de­re auch die dort aus­drück­lich ge­nann­ten Dienst­verhält­nis­se, mit Wir­kung für die In­sol­venz­mas­se fort­bestünden. Bei der An­fech­tung ei­ner Vergütungs­zah­lung han­de­le der In­sol­venz­ver­wal­ter im In­ter­es­se der Mas­se, nämlich des dem In­sol­venz-be­schlag un­ter­lie­gen­den Vermögens des Ar­beit­ge­bers. Da­mit sei der In­sol­venz­ver­wal­ter des­sen Rechts­nach­fol­ger. Die Recht­spre­chung ge­he be­reits seit Jah­ren da­von aus, der Be­griff des Rechts­nach­fol­gers sei nicht streng wört­lich, son­dern in ei­nem wei­ten Sin­ne zu ver­ste­hen. Es sei nicht er­for­der­lich, dass der Rechts­nach­fol­ger an die Stel­le des ursprüng­li­chen Schuld­ners ge­tre­ten sei, son­dern es genüge die Er­he­bung oder Ab­wehr ei­ner For­de­rung an­stel­le des

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Ar­beit­ge­bers oder Ar­beit­neh­mers, un­abhängig da­von, ob der je­wei­li­ge Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­ge­ber un­ter den­sel­ben tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen die Leis­tung for­dern könn­te oder sie schul­de­te oder für sie haf­ten müss­te.

bb) Die aus §§ 80, 108 Abs. 1 In­sO ge­zo­ge­ne Schluss­fol­ge­rung des 5. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts, der In­sol­venz­ver­wal­ter sei Rechts­nach­fol­ger des Ar­beit­ge­bers, kann nicht so ge­meint sein, als ge­he das Ge­richt von ei­ner Rechts­nach­fol­ge im wört­li­chen Sinn aus. Ei­ne sol­che liegt nur dann vor, wenn die Pflich­ten des Schuld­ners oder die Rech­te des Gläubi­gers kraft Ge­set­zes oder Rechts­geschäfts von ei­ner Per­son auf ei­ne an­de­re über­ge­hen (Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 3 Rn. 4; BAG, Be­schl. v. 20. März 2002 - 5 AZB 25/01, ZIP 2002, 992). Das Bun­des­ar­beits­ge­richt er­kennt an, dass der In­sol­venz­ver­wal­ter ei­nen Zah­lungs­an­spruch er­hebt, der in der Per­son des Ver­trags­ar­beit­ge­bers nie­mals ent­ste­hen kann (Be­schl. v. 27. Fe­bru­ar 2008, aaO S. 1500 Rn. 9). Der In­sol­venz­ver­wal­ter kann schon des­halb nicht als Rechts­nach­fol­ger des Ar­beit­ge­bers an­ge­se­hen wer­den.

(1) Die zu § 3 ArbGG veröffent­lich­te Recht­spre­chung ver­steht den Be­griff des Rechts­nach­fol­gers al­ler­dings in ei­nem wei­ten Sin­ne (BA­GE 53, 317, 321; 94, 52, 56; 106, 10, 12; BAG, Urt. v. 23. Ok­to­ber 1990 - 3 AZR 23/90, AP Nr. 18 zu § 2 ArbGG 1979; BAG, Be­schl. v. 13. Ju­ni 1997 - 9 AZB 38/96, ZIP 1997, 1850, 1851; v. 9. Ju­li 2003 - 5 AZB 34/03, ZIP 2003, 1617, 1618; BGH, Be­schl. v. 16. No­vem­ber 2006 - IX ZB 57/06, ZIP 2007, 94, 95 Rn. 9; a.A. BA­GE 70, 350, 351, 355). Die ent­schie­de­nen Fälle sind je­doch sämt­lich durch ei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­zug zum Ar­beits­recht ge­kenn­zeich­net. Dies gilt ins­be­son­de­re für den Be­schluss des vor­le­gen­den Se­nats vom 16. No­vem­ber 2006 (aaO). Dort hat­te der be­klag­te In­sol­venz­ver­wal­ter, der von dem kla­gen­den Ar­beit­neh­mer persönlich aus § 61 In­sO we­gen Nich­terfüllung ei­ner Mas­se­ver­bind­lich­keit in

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An­spruch ge­nom­men wor­den war, gemäß § 113 In­sO die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ge­spro­chen und in dem Kündi­gungs­schutz­pro­zess ei­nem Ab­fin­dungs­ver­gleich zu­ge­stimmt, die ver­spro­che­ne Ab­fin­dung je­doch nicht ge­zahlt, son­dern Mas­seun­zuläng­lich­keit an­ge­zeigt. In ei­nem sol­chen Fall haf­tet der In­sol­venz­ver­wal­ter dem Ar­beit­neh­mer nach Maßga­be des § 61 In­sO nicht als Rechts­nach­fol­ger des Ar­beit­ge­bers, son­dern we­gen des ei­ge­nen, ar­beits-recht­li­chen Ver­trags­schlus­ses, den er bei pflicht­gemäßem Ver­hal­ten hätte un­ter­las­sen müssen. Die Haf­tung trifft den In­sol­venz­ver­wal­ter, der den Kündi­gungs­schutz­pro­zess "an Stel­le des Ar­beit­ge­bers" führt (BGH, Be­schl. v. 16. No­vem­ber 2006, aaO S. 95 Rn. 9).

Im Streit­fall müss­te zu­dem ein nach § 3 ArbGG an­zu­er­ken­nen­der Fall der Rechts­nach­fol­ge auf Gläubi­ger­sei­te an­zu­neh­men sein, um die Zuständig­keit der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen be­gründen zu können. In sämt­li­chen hier­zu er­gan­ge­nen Ent­schei­dun­gen stand die ar­beits­recht­li­che Na­tur des An­spruchs nicht in Streit; de­ren Feh­len ist vor der Ent­schei­dung des 5. Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 27. Fe­bru­ar 2008 (aaO S. 1500) nie­mals durch die An­wen­dung des § 3 ArbGG über­spielt wor­den. Ei­ne Rechts­nach­fol­ge auf Gläubi­ger­sei­te wur­de bei ei­nem Ver­trag zu­guns­ten Drit­ter be­jaht, wenn ein Hin­ter­blie­be­ner des Ar­beit­neh­mers Ansprüche aus ei­ner zwi­schen den Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges ge­schlos­se­nen Ver­sor­gungs­zu­sa­ge gel­tend mach­te (BGHZ 16, 339, 340 f; BA­GE 19, 100, 103; vgl. jetzt die aus­drück­li­che Re­ge­lung in § 2 Abs. 1 Nr. 4 ArbGG). Ent­spre­chend wur­de der Ver­trag mit Schutz­wir­kung für Drit­te als Bei­spiel für Rechts­nach­fol­ge auf Gläubi­ger­sei­te ge­nannt (BA­GE 94, 52, 56; Urt. v. 23. Ok­to­ber 1990 - 3 AZR 23/90, aaO; Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 3 Rn. 18). Ei­ne Rechts­nach­fol­ge wur­de schließlich in dem Son­der­fall an­ge­nom­men, dass der ver­meint­li­che Ar­beit­ge­ber Leis­tun­gen zurück­for­der­te, die er irrtümlich in der An­nah­me er­bracht hat­te, ein Beschäfti­gungs­verhält­nis

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sei von der Deut­schen Reichs­bahn auf die Deut­sche Bahn AG über­ge­gan­gen (Be­schl. v. 28. Ok­to­ber 1997 - 9 AZB 34/97, AP Nr. 56 zu § 2 ArbGG).

(2) Der vor­lie­gen­de Fall ist da­mit nicht ver­gleich­bar. Die in dem Be­schluss vom 27. Fe­bru­ar 2008 (aaO, S. 1500 Rn. 7) vom 5. Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, ei­ne Rechts­nach­fol­ge sei un­abhängig da­von an­zu­neh­men, ob der je­wei­li­ge Ar­beit­ge­ber oder Ar­beit­neh­mer un­ter den-sel­ben tatsächli­chen Vor­aus­set­zun­gen die Leis­tung for­dern könn­te oder sie schul­de­te oder für sie haf­ten müss­te, lässt sich des­halb aus der zu § 3 ArbGG er­gan­ge­nen Recht­spre­chung nicht ab­lei­ten. Bei ei­ner noch wei­te­ren Aus­deh­nung der für ei­ne Rechts­nach­fol­ge ent­wi­ckel­ten Grundsätze müss­te der An­spruch je­den­falls an die Stel­le ei­nes An­spruchs des Ver­trags­ar­beit­ge­bers tre­ten oder ne­ben ihm gel­tend ge­macht wer­den können. Auch das ist nicht der Fall.

Bei an­de­ren Ansprüchen, die ori­ginär in der Per­son ei­nes Drit­ten ent­ste­hen, wird ei­ne zuständig­keits­be­gründen­de Rechts­nach­fol­ge nach § 3 ArbGG selbst dann ver­neint, wenn ein Be­zug zum Ar­beits­recht be­steht. So ha­ben über Rück­griffs­ansprüche der So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger nach §§ 110, 104 SGB VII (früher §§ 640, 636 RVO) auch dann die or­dent­li­chen Ge­rich­te und nicht die Ar­beits­ge­rich­te zu ent­schei­den, wenn Ansprüche ge­gen ei­nen Ar­beit­ge­ber gel­tend ge­macht wer­den, der ei­nen Ar­beit­neh­mer geschädigt hat (BGH, Urt. v. 30. April 1968 - VI ZR 32/67, NJW 1968, 1429). Hier­bei han­delt es sich eben­falls um ori­ginäre, nicht aus dem An­spruch des Geschädig­ten ab­ge­lei­te­te Ansprüche der So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger (Lau­ter­bach/Dahm, Un­fall­ver­si­che­rung SGB VII 4. Aufl. § 110 Rn. 4; Sch­mitt, SGB VII 3. Aufl. § 110 Rn. 4). So­weit er­sicht­lich wird nicht ver­tre­ten, dass die Ar­beits­ge­rich­te für die­se Strei­tig­kei­ten zuständig sei­en (Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 3 Rn. 9; Kis­sel/May­er, aaO § 13 Rn. 132; für Zuständig­keit der So­zi­al­ge­rich­te: Mat­thes in Ger­mel­mann/Mat­thes/

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Müller-Glöge/Prütting, aaO § 3 Rn. 7; Kalb in Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb, aaO § 3 Rn. 2). Die Par­al­le­le zu den ei­ne Rechts­nach­fol­ge auslösen­den Fällen des For­de­rungsüber­gangs, et­wa nach § 115 SGB X (wei­te­re Bei­spie­le bei Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 3 Rn. 8), wird nicht ge­zo­gen. Viel­mehr wird der In­ha­ber ei­nes ori­ginären ge­setz­li­chen An­spruchs auch bei wei­tes­ter Aus­le­gung nicht als Rechts­nach­fol­ger ei­ner der Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses an­ge­se­hen (Schwab/Weth/Wal­ker, aaO § 3 Rn. 9). Ei­ne Rechts­nach­fol­ge ist schließlich nicht ge­ge­ben, wenn die Bun­des­an­stalt für Ar­beit Kon­kurs­aus­fall­geld für die Ar­beit­neh­mer ge­zahlt hat und die persönlich haf­ten­den Ge­sell­schaf­ter der Ar­beit­ge­be­rin auf Scha­dens­er­satz aus § 826 BGB in An­spruch nimmt, weil die­se vorsätz­lich ver­spätet den Kon­kurs­an­trag ge­stellt hätten (BAG, Be­schl. v.

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20. März 2002 - 5 AZB 25/01, aaO S. 992). Auch die­ser Scha­dens­er­satz­an­spruch ist nicht mit den Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer aus § 611 BGB iden­tisch (BAG, Be­schl. v. 20. März 2002 - 5 AZB 25/01, aaO).

 

Gan­ter 

Rae­bel 

Kay­ser

Gehr­lein 

Grupp

 

Vor­in­stan­zen:

AG Kulm­bach, Ent­schei­dung vom 25.05.2008 - 74 C 67/08 -

LG Bay­reuth, Ent­schei­dung vom 24.07.2008 - 12 T 40/08 -

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